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Das Bild des Dareios in der Überlieferung

Dareios der Große: Ein weiser und ehrenwerter König?

Seminararbeit 2007 21 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Dareios der Große

2. Das Bild des Dareios in der Überlieferung
2.1 Aischylos’ Drama „Die Perser“
2.2 Herodots Darstellung des Dareios
2.2.1 Dareios’ Erwähnung im Alten Testament

3. Dareios aus gegenwärtiger Sicht
3.1 Ein toleranter und moderner Herrscher
3.2 Problematik des überlieferten Dareiosbildes

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Dareios der Große

Kyros der Große aus der Dynastie der Achämeniden, der von 559 bis 529 v. Chr. regierte, mag sich als Gründer des ersten großen Perserreiches ewigen Ruhm erworben haben, aber der König, der die Blüte dieses Weltreiches herbeiführte, war Dareios I. (521 – 486 v. Chr.).[1]

Der aus einer Nebenlinie der Achämeniden stammende König Dareios I. trat angeblich 522 v. Chr. die Nachfolge von Kambyses II.[2] an und gilt nach Kyros dem Großen[3] als der bedeutenste persische Großkönig.[4] Als Leibwächter (Lanzenträger) von Kambyses soll es ihm 522 v. Chr. gelungen sein, einen von dem Usurpator Gaumata[5] angeführten Aufstand in Babylonien niederzuschlagen und selbst den Thron zu besteigen. Nachdem er seine Macht gefestigt hatte, soll Dareios das Reich umfassenden Verwaltungsreformen unterzogen haben. Neben der Aufteilung des Reiches in 20 Bezirke (Satrapien), der Festsetzung von Steuern, sowie der Erschließung des Landes durch den Ausbau eines Straßennetzes, sorgte der König außerdem für die Ausrüstung eines schlagkräftigen Heeres.[6] Ein großangelegter Eroberungsfeldzug gegen das griechische Festland scheiterte jedoch und Dareios verstarb 486 v. Chr., bevor er seine Pläne verwirklichen konnte. Das Zentrum seiner Macht stellte die prachtvolle neue Hauptstadt Persepolis dar, die Dareios in Südpersien errichten und mit üppigen Gärten ausstatten ließ[7]

Dareios I. gilt heute als einer der einflussreichsten Könige in der persischen Geschichte und wird häufig mit dem Beinamen „der Große“ versehen. Neben eines Gegners der Griechen in den Perserkriegen, ist sein Bild vor allem durch sein Wirken als Reichserneuerer geprägt. Seine ausführlichen Verwaltungsreformen, sowie seine Steuerpolitik gelten als revolutionär und viele Aspekte seiner Person und seiner Herrschaft werden in verschiedenen antiken Quellen erwähnt und gewürdigt, so zum Beispiel in den Historien des griechischen Geschichtsschreibers Herodot.

Ziel dieser Arbeit soll nun sein, das Bild das uns von Dareios überliefert ist näher zu betrachten und zu analysieren wie er in den verschiedenen Quellen dargestellt wird. Welche Aspekte werden besonders hervorgehoben oder gelobt? Welche Eigenschaften werden kritisiert? Der Schwerpunkt wird dabei vor allem auf den griechischen Quellen liegen. Neben der Darstellung des Dareios in Herodots Historien werde ich mich auch seinem Bild in dem Drama „Die Perser“ des Aischylos annehmen, sowie der Erwähnung des Königs im Buch Esra des Alten Testaments. Die daraus gewonnenen Ergebnisse sollen dann um weitere Aspekte und aktuelle Erkenntnisse über Dareios aus der modernen Forschung ergänzt werden. Ziel soll auch sein, Gemeinsamkeiten in den verschiedenen Darstellungen sowie mögliche Unterschiede der Dareiosbilder herauszuarbeiten.

2. Das Bild des Dareios in der Überlieferung

2.1 Aischylos’ Drama „Die Perser“

Aischylos (525 – 456 v. Chr.) war ein griechischer Tragiker und gilt heute als der erste durch sein Werk bekannte Dramatiker der Weltliteratur.[8] Er soll den zweiten Schauspieler eingeführt, die Chorpartien in seinen Dramen verkürzt und stattdessen die Rede zum wichtigsten Bestandteil gemacht haben. Aischylos’ Werk „Die Perser“ beruht auf der historischen Niederlage des persischen Großkönigs Xerxes I.[9] in der Seeschlacht von Salamis im Jahre 480 v. Chr. und behandelt den Untergang der persischen Flotte aus der fiktiven Sicht des persischen Königshofes. Aischylos selbst nahm an der Schlacht auf griechischer Seite teil. Das Stück wurde im Jahr 472 v. Chr. erstmalig aufgeführt und bei den Dionysien[10] mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Eine Besonderheit dieses Werkes ist, dass ihm kein Mythos, sondern tatsächliche historische Ereignisse zu Grunde liegen.[11]

Das Stück spielt zeitlich nach dem Tod des Dareios und beginnt mit einem Monolog des Chorführers, der als Vertreter der persischen Greise ausführlich erzählt, wie sich das Heer des Perserkönigs Xerxes I. auf den Weg nach Griechenland machte, um die Niederlage dessen Vaters bei Marathon zu sühnen.[12] Dareios selbst tritt in dem Stück nur als Geist in Erscheinung und wird direkt zu Beginn vom Chorführer als „Persergott“[13] bezeichnet.

Ein Bote tritt auf, der dem Chor und Dareios Gemahlin Atossa[14] ausführlich vom schmachvollen Untergang der persischen Flotte erzählt, den allein Xerxes mit wenigen Getreuen überlebt hat. Atossa hüllt sich daraufhin aufgrund des Elends in schlichte Kleidung und tritt an das Grab von Dareios, um unterstützt durch den Chor ihren toten Gemahl heraufzubeschwören:

Hört der selige König, Göttern gleich, mich in barbarischer Sprache klar schillernde, grausige Laute, [...] Ruf ich hinab. Hört er mich in der Tiefe?[15]

Atossa setzt Dareios demnach den Göttern gleich und zweifelt ob er ihre menschliche, „barbarische“ Sprache in seiner Erhabenheit überhaupt versteht. Die Bezeichnung von Dareios als Gott wird noch konkreter als der Chor ihn erneut als „[...] Susa entsprossene Persergott.“[16] bezeichnet. Im darauffolgenden Teil der Beschwörung wird näher auf Dareios’ Qualitäten als Herrscher eingegangen. Der Chor stellt ihn über alle anderen Perserkönige indem er ihn als „[...] Dareios, den einzigen Herrn [...]“[17] bezeichnet und lobt dessen Besonnenheit und Weisheit:

Denn niemals richtet’ er Männer zugrund im Wahn verderblichen Krieges. Der Gottberatene hieß er den Persern der Gottberatene war er, da gut das Heer er geführt.[18]

Diese Aussagen sind nicht nur ein weiteres Lob auf Dareios, sondern auch noch eine indirekte Kritik an dessen Sohn und Nachfolger Xerxes. Während Dareios das Heer stets gut zu führen wusste und niemals Männer im Krieg zugrunde richtete, hat Xerxes in seinem Feldzug fast die gesamte persische Flotte verloren. Dareios war demnach ein Herrscher dessen Qualitäten bisher unerreicht blieben und dem nicht einmal dessen Sohn würdig nachfolgen konnte. Seine Unfehlbarkeit als Herrscher wird durch die wiederholte Bezeichnung als „Vater, ohne Fehl [...]“[19] nochmals verdeutlicht.

Nach diesen Lobeshymnen steigt schließlich der Geist des Dareios aus dem Grab hervor, begrüßt die Anwesenden als „Gefährten meiner Jugend, unter Treuen treu [...]“[20] und wundert sich über das Jammern und Wehklagen der Stadt und seiner Gemahlin. Während der Chor sich ziert dem ehemaligen König von der schlechten Lage seines Reiches zu berichten, beginnt Atossa das Gespräch zunächst mit weiteren Lobpreisungen:

Du, der alle übertraf an Segen und Geschicks, und, solang du sahst den Strahl des Sonnengotts, beneidenswert für die Perser, wie ein Gott ein heiles Leben gebracht: [...].[21]

Nochmals wird hier auf Dareios’ Überlegenheit den anderen Perserkönigen gegenüber hingewiesen und dessen Geschick als Herrscher betont. Auch die Gleichsetzung mit einem Gott wird hier wiederholt, Dareios soll als Herrscher wie eine Gottheit seinem Volk ein gutes Leben beschert haben.

Schließlich berichtet Atossa ihrem Gemahl von der vernichtenden Niederlage des Xerxes, eine Information auf die der ehemalige Großkönig mit Entsetzen und Unverständnis reagiert. Im Gespräch mit Atossa prangert er den Frevel des Xerxes an („[...] der Unselige [...]“[22] ), der mit dem Brückenschlag am heiligen Hellespont[23] das Meer mit Ketten fesseln wollte und so den Gott Poseidon selbst herausgefordert hat. Dareios wird hier erneut als weise und besonnen aber auch sehr gottesfürchtig dargestellt. Dafür, dass sich Xerxes mit dem Gott Poseidon angelegt hat findet Dareios keine Entschuldigung („Kam nicht Krankheit des Gemüts über meinen Sohn?“[24] ). Der Chor befragt den Geist des Königs daraufhin nach den Ursachen des Unglücks ihres Königs Xerxes und Dareios antwortet ihnen mit einem vorwurfsvollen Monolog, in dem er die gotteslästerlichen Zerstörungen der Heiligtümer und das Rauben der Götterbilder beklagt:

Da sie nach Hellas zogen und die Statuen der Götter raubten und die Tempel sengten ohne Scheu. Verschwunden sind Altäre, Stätten der Toten sind vom Grund auf wirr von ihren Sockeln umgestürzt. Drum, da sie übel handelten, erdulden sie Geringeres nicht.[25]

Sein zorniger Monolog ist nicht nur die Abrechnung des Vaters mit dem Sohn, er ist vielmehr ein Appell, mit dem das persische Volk an seine Pflichten erinnert werden soll. Die Pflicht die Götter zu ehren und den Toten Respekt zu zollen. Dareios erscheint hier als gewissenhafter, gottesfürchtiger und pflichtbewusster König, der während seiner Herrschaft alles richtig gemacht zu haben scheint und nun als Kontrast zum in jeder Hinsicht gescheiterten Xerxes steht. Die beiden verkörpern die exakten Gegenpole. Dareios symbolisiert den weisen, reifen und besonnenen König während Xerxes als jugendlich, leichtsinnig und übereilt dargestellt wird.[26] Am Ende von Dareios Auftritt zeigt sich dann noch der Großmut des ehemaligen Königs, denn obwohl er den Hochmut seines Sohnes beklagt und ihm schwere Vorwürfe macht, bittet er Atossa Xerxes dennoch eines Königs würdig zu empfangen:

[...]


[1] Marianne Tölle: Weiser Herr des Himmels: Persien (deutsche Ausgabe), Amsterdam 1999, Seite 22.

[2] 529 – 522 v. Chr., Sohn und Nachfolger von Kyros dem Großen.

[3] 559 – 529 v. Chr., Begründer des persischen Großreiches.

[4] vgl. Kai Broderson (Herausgeber): Personen der Antike, Stuttgart 2004.

[5] war angeblich ein medisches Oberhaupt der Zarathustra-Lehre und „Magier“ (Priester).

[6] vgl. Johanna Irmscher (Herausgeberin): Lexikon der Antike, Wiesbaden 1977.

[7] vgl. Marianne Tölle: Weiser Herr des Himmels: Persien (deutsche Ausgabe), Amsterdam 1999.

[8] vgl. Johanna Irmscher (Herausgeberin): Lexikon der Antike, Wiesbaden 1977.

[9] Perserkönig 486 – 465 v. Chr., Sohn und Nachfolger des Dareios I. .

[10] attische Feste zu Ehren des Gottes Dionysos (Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase) mit Aufführungen dramat. Spiele.

[11] vgl. Johann Gustav Droysen: Aischylos: Die Tragödien und Fragmente, durchgesehen und eingeleitet von Walter Nestle, Stuttgart 1962.

[12] vgl. Aischylos: Die Perser / Sieben gegen Theben, Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Emil Staiger, Stuttgart 1974.

[13] Aischylos: Die Perser / Sieben gegen Theben, Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Emil Staiger, Stuttgart 1974, Seite 11.

[14] war die älteste Tochter von Kyros dem Großen und zunächst mit ihrem Halbbruder Kambyses II. verheiratet. Nach dessen Tod ehelichte sie Gaumata und nach dessen Tod wurde sie Dareios’ Frau. Sie wurde von ihm zur Hauptgemahlin und Vorsteherin des Harems ernannt.

[15] Aischylos: Die Perser / Sieben gegen Theben, Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Emil Staiger, Stuttgart 1974, Seite 29.

[16] Aischylos: Die Perser / Sieben gegen Theben, Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Emil Staiger, Stuttgart 1974, Seite 29.

[17] Aischylos: Die Perser / Sieben gegen Theben, Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Emil Staiger, Stuttgart 1974, Seite 29.

[18] Aischylos: Die Perser / Sieben gegen Theben, Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Emil Staiger, Stuttgart 1974, Seite 29.

[19] Aischylos: Die Perser / Sieben gegen Theben, Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Emil Staiger, Stuttgart 1974, Seite 30.

[20] Aischylos: Die Perser / Sieben gegen Theben, Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Emil Staiger, Stuttgart 1974, Seite 30.

[21] Aischylos: Die Perser / Sieben gegen Theben, Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Emil Staiger, Stuttgart 1974, Seite 31.

[22] Aischylos: Die Perser / Sieben gegen Theben, Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Emil Staiger, Stuttgart 1974, Seite 32.

[23] eine Meerenge in der Türkei. Heute unter dem Namen Dardanellen bekannt, im Altertum jedoch Hellespont genannt.

[24] Aischylos: Die Perser / Sieben gegen Theben, Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Emil Staiger, Stuttgart 1974, Seite 34.

[25] Aischylos: Die Perser / Sieben gegen Theben, Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Emil Staiger, Stuttgart 1974, Seite 37.

[26] vgl. Johann Gustav Droysen: Aischylos: Die Tragödien und Fragmente, durchgesehen und eingeleitet von Walter Nestle, Stuttgart 1962.

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640788378
ISBN (Buch)
9783640788422
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163919
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Perser Persien Antike Perserreich

Autor

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Titel: Das Bild des Dareios in der Überlieferung