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„Wirklichkeit“ – aus konstruktivistischer Sicht

Massenmedien und Wirklichkeit

Referat (Ausarbeitung) 2006 4 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

ÄWirklichkeit³ ± aus konstruktivistischer Sicht

Die Massenmedien sind zu einem festen Bestandteil unseres Alltags geworden bzw. sind regelrecht in diesen integriert. Vor allem das Fernsehen spielt für unsere Sozialisation, unsere Gefühle und Erfahrungen, unser Wissen, unsere Kommunikation, für Politik und Wirtschaft usw. eine entscheidende Rolle. Sie sind laut Siegfried Schmidt ,,[...] zu Instrumenten der Wirklichkeitskonstruktion geworden."1

Wie wird Wirklichkeit konstruiert? Wer konstruiert Wirklichkeit?

Konstruktivismus = Bezeichnung für Prozesse, in deren Verlauf sich Wirklichkeitsentwürfe herausbilden. Dies geschieht nicht willkürlich, sondern gemäß den bio- logischen, kognitiven und sozialen Bedingungen, denen sozialisierte Individuen in ihrer sozialen und natürlichen Umwelt unterworfen sind.2

Wirklichkeitskonstruktion ist weder ein vom Individuum geplanter noch ein durchgängig bewusster Prozess (Schon allein deswegen nicht, weil der Mensch über viele der o.g. Bedingungen zum einen keine oder kaum Kontrolle hat und zum anderen diese unter Umständen gar nicht bewusst bemerkt).

Voraussetzung für die Konstruktion von Wirklichkeit ist die Wahrnehmung (der eigenen Umwelt etc.). Früher nahm man, dass die Wahrnehmung des Menschen gefiltert wird, d.h., dass die Informationen bzw. der Reiz auf dem Weg vom Reiz empfangenden Sinnesorgan zu den Verarbeitungsstellen im Gehirn durch immer spezifischere und selektivere Filter verän- dert wird (Filtertheorie). Heute geht die Gehirnforschung davon aus, dass Wahrnehmungsrei- ze parallel und von immer wieder gleichen Nervenzellen (-verbänden) verarbeitet werden, d.h., dass beim Wahrnehmungsprozess das Gehirn und die Sinnesorgane die Umwelt gewis- sermaßen nach Reizen (Informationen) Äabsuchen³, die aufgrund von Erwartungen und Vor- erfahrungen als wichtig eingeschätzt werden.3 Die Welt wird also vom Gehirn und den Sin-nesorganen nicht so abgebildet, „wie sie wirklich ist", was den Menschen davor bewahrt, durch ein unselektierbares Uberangebot an Reizen handlungs- und somit lebensunfahig zu werden. Ziel dieses Vorgehens ist es, die Kenntnisse über die Welt zu erlangen, die primär für ein überlebenssicherndes und sekundär für aktuelle Interessen dienendes Handeln erforderlich sind. Demnach ist ein und dieselbe Umwelt für jedes Individuum, das darin lebt, verschieden bedeutungsvoll, denn die Kriterien für Bedeutungshaftes werden ganz individuell von jedem Menschen unterschiedlich entwickelt. Roth und Schwegler nennen dies die dies die „Selbstreferentialitat des Gehirns bzw. des kognitiven Systems4 Diese kognitive „Liste der zu suchenden Reize" ist nicht angeboren, sondern entwickelt sich im Laufe des Lebens in selbstorganisierender und selbstreferentieller Weise zu der Vielfalt, die spater vom Individuum bewusst erfahren wird. Somit schafft sich Mensch seine eigene Erlebniswelt, die jeweils nur zum Teil mit denen anderer Individuen ubereinstimmen kann. Die Wirklichkeitskonstruk-tion eines Menschen wird folglich aus dem Wahrgenommenen der eigenen Erlebniswelt ge-schaffen.5 Dazu sagt Glasersfeld: ,,[...] dass alles, was als Wirklichkeit aufgebaut wird, [...] offensichtlich nie mehr [ist] als die Erlebniswelt des einzelnen Subjekts".6

(Nicht zu vergessen ist hierbei, dass der Prozess der Wirklichkeitskonstruktion weitestgehend ein unbewusster ist, der uns sozusagen „widerfahrt"! So konnen wir diese Konstruiertheit erst bemerken, wenn wir uns bewusst machen, wie wir beobachten, handeln und kommunizieren = eine Meta-Ebene zu uns selbst einzunehmen versuchen).

Sind die (Massen-)Medien Instrumente der Wirklichkeitskonstruktion?

(am Bsp. des Fernsehens)

Der Mensch glaubt das was er sieht. Dies ist zum einen begrundet im Urvertrauen an den Ge-sichtssinn als verlasslichsten aller Sinne und zum anderen in der vorherrschenden Annahme, dass Bilder die Wirklichkeit abbilden. Schmidt sagt dazu: „Sehen hiefi und heifit auch heute noch: glauben." und fuhrt des Weiteren die Vorstellung der Kamera als Auge an, die vom Menschen auf Foto und Fernsehen ubertragen wurde.7

Doch Fernsehen bildet Wirklichkeit nicht so ab, „wie sie ist", denn hinterjedem Sendeformat, hinter jedem Fernsehbild steckt ein Inszenierungsprozess. Fernsehen wird konstruiert, z.B. durch technische und redaktionelle Bearbeitung, durch zeitliche Veranderungen etc.

[...]


1 Schmidt 2002, S. 14

2 Schmidt 2002, S. 4

3 vgl. Schmidt 2002, S. 5f.

4 vgl. Schmidt 2002, S. 8-10.

5 vgl. Schmidt 2002, S. 10.

6 Schmidt 2002, S. 6.

7 vgl. Schmidt 2002, S. 14.

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Titel: „Wirklichkeit“ – aus konstruktivistischer Sicht