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Zum Identifikationsmodus in "La familia de Pascual Duarte" von Camilo José Cela

Hausarbeit 2009 14 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort
1.1 Celas La familia de Pascual Duarte vor dem geschichtlichen Hintergrund des Franco-Regimes
1.2 Fragestellung

2. Begriffsklärung
2.1 Identifikation

3. Textanalyse
3.1 Schicksal
3.1.1 Pascual’s familiäre Situation vor dem Hintergrund des Franco Regimes
3.1.2 Pascual als Vater und Ehemann
3.2 Plausibilität
3.3 Vermittlung eines Menschlichkeitsbildes

4. Schluss

5. Literatur:
5.1 Online - Quellen

1. Vorwort

1.1 Celas La familia de Pascual Duarte vor dem geschichtlichen Hintergrund des Franco-Regimes

Nach Ende des spanischen Bürgerkriegs und Sieg des Generals Franco im Frühjahr 1939 wurde mit allen Mitteln der Wunsch des spanischen Volkes nach Freiheit und Modernisierung zurückgedrängt. So wurde unter Führung des movimiento nacional und seines caudillo „die Wiedervereinigung von Staat und Kirche, die Rückkehr von militärischem Glanz, die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung und sozialen Friedens“[1] im Rahmen einer staatlich gelenkten Einheitsgewerkschaft angestrebt. Die während der segunda república entstandene Zuversicht auf die Angleichung Spaniens an andere Demokratien erfüllte sich aufgrund dieser Modernisierungsinversion nicht. Als Folge wurde Spanien um einen Großteil seiner liberalen Eliten wie Politiker, Schriftsteller und Wissenschaftler gebracht, die aus Furcht vor Repressalien oder aus Protest gegen die durch Franco wiedereingeführte Zensur emigrierten.

Diese Zensur sah vor, an die Stelle der libertad die verdad treten zu lassen. Diese nicht anzuzweifelnde verdad des Regimes hieß: „Gott, Vaterland und Familie“[2], und es war aus Sicht des Franco-Regimes von größter Wichtigkeit diese Wahrheit „vor den teuflischen Versuchungen des Freidenkertums [sowie] vor den Zweifeln der kritischen Vernunft“[3] zu bewahren. Das Regime allein sollte bestimmen, was den Bürgern Spaniens zuträglich ist, da Franco sich als Vater einer Familie sah, die aus lauter Unmündigen bestand. Dies führte zu der Etablierung eines gewaltigen Zensurapparats, der zunächst die Presse als staatlich gelenktes Propagandainstrument nutzen sollte, um die Gewalt der publizistischen Kritik zu brechen. Der Presse und allen anderen Kommunikationsmedien – auch der Literatur – wurde infolgedessen das Stillhalten befohlen. Den politischen Verhältnissen folgend, entwickelten sich drei Stränge der Literatur. Erstens handelt es sich hierbei um die Literatur der Sieger in Spanien selbst und zweitens um die umfangreiche Exilliteratur der abgewanderten spanischen Intelligenz. Drittens entstand seit dem Beginn der 1940er Jahre trotz der Zensur eine nonkonforme Literatur, die, wenn auch oft verschlüsselt, den freiheitlichen Geist der zweiten Republik weiterführte und Kritik am vorherrschenden System übte. Im eben diesem dritten Strang war Camilo José Cela‘s La familia de Pascual Duarte der erster Roman, der wegen der

ungewöhnlich realitätsnahen Schilderung von brutalen Gewalttaten starkes Aufsehen erregte und, nachdem er zwar 1942 die Zensur passiert hatte, 1943 verboten wurde. Cela meisterte es allerdings, den gesamten Bestand beiseite zu schaffen und ab 1946 durfte das Buch dann wieder frei in Spanien zirkulieren. Es ist nicht genau bekannt, welche konkreten Gründe die Zensur gerechtfertigt haben. Wohl weiß man aber, dass den Zensoren vor allem zwei Punkte zur Überprüfung vorlagen. Zum einen sollte festgestellt werden, ob das „geprüfte Werk im weltlichen Bereich mit den totalitären Grundauffassungen des >>Movimiento<<, des totalitären, nationalistischen Franco-Regimes [übereinstimmte, und zum anderen, ob es] im religiösen Bereich mit den vor allen Dingen moralischen Auffassungen der spanischen katholischen Kirche“[4] entsprach. In beiden Gebieten widersprach La familia de Pascual Duarte, wenn auch nicht im Sinne eines deutlichen Anti-Franquismus und Antiklerikalismus, den Auffassungen des Zensurapparats. Cela erlangte durch die in seinem Werk verwendete, literarisch sehr anspruchsvolle, unmittelbare Beschreibung der spanischen Wirklichkeit, schlagartig große Berühmtheit und er begründete die Richtung des tremendismo, einer eigenartigen Form des schwarzen Humors, in Spanien.[5]

1.2 Fragestellung

Der Protagonist Pascual Duarte sperrt mit Hilfe einiger Nachbarn den an Tollwut erkrankten Vater in einen Schrank ein und lässt ihn dort ersticken, provoziert eine Messerstecherei bei der er seinen Gegner stark verletzt, erschießt seinen treuen Hund, sticht wie ein Besessener auf sein Pferd ein, bis es stirbt, tötet vermutlich seine Frau im Affekt, schneidet seiner Mutter die Kehle durch und ermordet einen Landadeligen.

Diese schrecklichen Taten werden von Pascual derart rudimentär geschildert, dass sie den Eindruck der völligen emotionalen Teilnahmslosigkeit erwecken und die Distanz mit dem Rezipienten erhöhen sollten.[6] Diese Arbeit soll klären, wie Cela es dennoch schafft, dass der Leser sich in die Figur des Pascual Duarte einfühlen, und Verständnis für dessen Handlung aufbringen kann. Hierzu werden im Folgenden zuerst drei Identifikationsmodi, Schicksal, Plausibilität und Vermittlung eines Menschlichkeitsbildes, entwickelt, die dann auf konkrete Situationen aus La familia de Pascual Duarte angewendet werden.

2. Begriffsklärung

2.1 Identifikation

Der Begriff Identifikation leitet sich aus dem Lateinischen [idem = derselbe, identitem = mehrmals, facere = tun, herstellen, ausüben] ab und hinter ihm verbirgt sich ein Affekt der ästhetischen Erfahrung, durch den der Rezipient zum Helden oder zum im Text Dargestellten ein bestimmtes Verhältnis aufbaut und sich in eine literarische Figur hineinversetzt. Der Identifikationsprozess ist geprägt von Indentifikations- und Distanzierungsangeboten.[7]

Cela nutzt in La familia de Pascual Duarte drei Ebenen der Identifikation um es dem Leser zu ermöglichen, sich in die literarische Figur des Pascual Duarte hinein zu versetzen. Diese drei Ebenen werden im Folgenden vorgestellt und auf den Text angewandt.

3. Textanalyse

3.1 Schicksal

In vielen Kulturen wird das Schicksal als unabwendbare Bestimmung oder als eine personifizierte höhere Macht verstanden, die das Leben einer Person entscheidend und ohne deren Zutun beeinflusst.[8] Die gemeinhin akzeptierte Unabwendbarkeit des Schicksals erzeugt bei dem Leser ein Verständnis für die Situation Pascual Duartes. Das Aufkommen von Mitgefühl für die Figur ist die Folge.

Die Schicksalsschläge, die Pascual Duarte während seines Lebens wiederfahren, vereinfachen maßgeblich die Identifikation mit ihm. Im Folgenden wird Pascual’s familiäre Situation, auch vor dem Hintergrund der damaligen Zeit, untersucht.

[...]


[1] Neuschäfer, Hans-Joerg (Hrsg.), Spanische Literaturgeschichte, Weimar, 2006, S.318.

[2] Ebd., S.374.

[3] Ebd. , S.374

[4] Vgl. Tiez, M, Laudatio, http://www.tu-dresden.de/sulifr/cela/frame-index.php?url=doctorando.html, (letzter Zugriff am 30.09.2009).

[5] Vgl. Neuschäfer, Hans-Joerg (Hrsg.), Spanische Literaturgeschichte, S.379

[6] Vgl. Berchem, T. (Hrsg.), Literaturwissenschaftliches Jahrbuch, Berlin, 1999

[7] vgl. Gfrereis, H. (Hrsg.), Grundbegriffe der Literaturwissenschaft, Stuttgart, 1999., S.88

[8] Danis, J. / Möde E., Schicksal und Mythos, München, 1982

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640780334
ISBN (Buch)
9783640780433
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163542
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Romanistik
Note
1,7
Schlagworte
Identifikationsmodus Pascual Duarte Camilo José Cela

Autor

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