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„Die kleine Lügnerin“ aus dem „Kinderfreund“ und „Der Lügenbeutel“ von Ursel Scheffler. Vergleich und didaktische Reflexion

Hausarbeit 2010 19 Seiten

Didaktik - Deutsch - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textverstehen von „Die kleine Lügnerin“ aus dem „Kinderfreund“

3. Textverstehen von „Der Lügenbeutel“ von Ursel Scheffler

4. Didaktische Reflexion
4.1 Eignung
4.2 Methoden und Ziele

5. Schlusswort

6. Quellenverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Lesen bedeutet, Vorstellungen und Wissen zu erweitern. Es bereitet Vergnügen, regt die Fantasie an und fordert zur Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit heraus. Es ermöglicht den Zugang zu den Erfahrungen und Gefühlswelten anderer. Damit trägt Lesen zur Identitätsentwicklung der Schülerinnen und Schüler bei. RLP, S.28

Das Lesen literarischer Texte kann unterschiedliche Funktionen erfüllen. Kinder beispielsweise „erfahren literarische Texte als spannend und können sich völlig in sie versenken, weil sie sich mit den Figuren identifizieren und auf diese Weise im Bereich des Imaginären psychische Konflikte bearbeiten und Wunscherfüllung erleben.“ (Leubner 2010, 27) Durch das Lesen literarische Texte werden dem Rezipienten Erfahrungen ermöglicht, die für sowohl für seine persönliche Entwicklung als auch für seine Interaktion mit der Gesellschaft von hoher Bedeutung sein können. (vgl. ebd.)

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, aber nur wer das Gelesene auch versteht, kann es zu seinem Vorteil nutzen – so lautet ein bekanntes Sprichwort. Dem Lesen und Verstehen literarischer Texten wird nicht erst seit der Diskussion um PISA einen hohen Stellenwert zugeordnet. Die Bedeutsamkeit des Lesens wurde schon in der Aufklärung erkannt.

Friedrich Eberhard von Rochow entstammt einer preußischen Adelsfamilie und entsprach mustergültig dem Ideal des aufgeklärten Gutsbesitzers. Von Rochows Hauptziel war es, die Armut zu bekämpfen. Die durch ihn ab 1773 realisierte Landschulreform war ein kalkuliertes Instrument, der Verarmung seiner Gutsuntertanen vorzubeugen. (vgl. Schmitt 2001, 25) Er überträgt in beeindruckender Weise die aufklärerische philanthropische Bildung- und Schulprogrammatik auf die ländlichen Verhältnisse. (vgl. ebd., 169) Die ca. 70 Schüler und Schülerinnen in Reckhan genossen unentgeltlich den Unterricht und jedes Kind hatte sein eigenes(!) Lesebuch – den „Kinderfreund“. Dieses Lehrbuch wirkte grenzüberschreitend auf das europäische Bildungssystem ein. (vgl. ebd., 187) Es stellte die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse kaum infrage und verkörperte grundsätzlich konfessionelle Neutralität. Dadurch wurde das Schulbuch für viele deutsche Territorien interessant.

Gegenwärtig ist Lesen- mit Texten und Medien umgehen ein wichtiger Bestandteil jeden Lehrplans in Deutschland. Die Schule hat die Aufgabe, in allen Jahrgangsstufen den Zugang zum Lesen zu fördern und der Entwicklung und Sicherung von Lesefähigkeit hohe Aufmerksamkeit zu schenken.

Im Lehrplan Berlin/Brandenburgs steht geschrieben:

Zentrale Aufgabe der Grundschule ist es, Leseinteressen und Lesefreude auszubilden und immer wieder neu anzuregen. Durch die Entwicklung einer Lesekultur mit unterschiedlichen Medienangeboten werden die persönlichen, insbesondere auch geschlechtsspezifischen Interessen der Schülerinnen und Schüler ernst genommen, aufgegriffen und erweitert. Das Praktizieren von Lesegewohnheiten, wie Vorlesen, Genießen freier Lesezeiten und Bibliotheksbesuche, lässt Lesen zu einem festen Bestandteil im Schulalltag werden.

Die vorliegende Arbeit ist bemüht, die Erzählung „Die kleine Lügnerin“ aus dem „Kinderfreund“ von Rochows mit einer aktuellen Geschichte „Der Lügenbeutel“ von Ursel Scheffler aus einem Lehrwerk der 5. Klasse in Bayern zu vergleichen. Dieser Vergleich bezieht sich auf das Textverstehen der beiden Erzählungen und auf die Eignung für die Schüler. Das Thema Lügen bildet dabei den Rahmen des Nebeneinanderstellens. In beiden Geschichten werden die Werte herausgearbeitet und vergleichend betrachtet. Anschließend wird der Schwerpunkt auf die aktuelle Geschichte gelegt, indem ein möglicher Stundenaufbau dargelegt wird. Es wird aufgezeigt, welche Möglichkeiten der Text „Der Lügenbeutel“ bietet und mit welchen Methoden gearbeitet werden kann. Die Ziele der jeweiligen Aufgaben orientieren sich am aktuellen Rahmenlehrplan Berlin/ Brandenburgs für die Grundschule.

2. Textverstehen von „Die kleine Lügnerin“ aus dem „Kinderfreund“

Die Erzählung „Die kleine Lügnerin“ aus dem „Kinderfreund“ handelt von einem Mädchen namens Liese, das von der Mutter in den Garten geschickt wird, um Kirschen für ihren kranken Bruder zu pflücken. Da die Kirschen in diesem Jahr rar sind, verbietet ihr ihre Mutter, von den Kirschen zu naschen, weil sie ausschließlich für kranke Personen bestimmt sind. Als Liese zurückkommt, fragt ihre Mutter Liese, ob sie Kirschen gegessen habe. Sie verneint die Antwort. Doch ihr rot gefärbter Mund beweist das Gegenteil.

Der erste Abschnitt des Textes beinhaltet die eigentliche Handlung des Textes. Der zweite Teil der Geschichte weißt, wie alle anderen Erzählungen aus dem „Kinderfreund“, einen lehrhaften Charakter auf. In Zeile 16 wird zunächst das Wort lügen geklärt: Man lügt, wenn man Eltern, Richter oder Obrigkeiten nicht die Wahrheit sagt.

Die Mutter konnte Lieses Lüge aufdecken und hat sie daraufhin bestraft. In Zeile 12 kommt zum Ausdruck, dass Lügen „gemeiniglich aufgedeckt“ werden und der Lügner Strafe zu erwarten hat. Dies ist ein Appell an die Kinder, stets die Wahrheit zu sagen, da die Unwahrheit immer ans Licht kommt. Der Text macht verständlich, dass Gott Lügner verabscheut und es ihnen nicht wohlergehen lässt. Er prophezeit, dass Leute, die in frühen Kindheitsjahren schon lügen, später Diebe werden.

3. Textverstehen von „Der Lügenbeutel“ von Ursel Scheffler

Der Text der „Lügenbeutel“ handelt von einem Mann, der behauptet, dass das Elend der Erde nur dadurch entstehe, weil die Leute nicht ehrlich zueinander wären. Daher fängt er mit einem Schmetterlingsnetz und einem Sack alle Lügen, die ihm begegnen, ein. Jeden Abend hat er einen Sack voller Lügen gefangen, die er in einem Abfallbeutel umfüllt und dann in den Müllschlucker wirft. Nach einiger Zeit gehen den Leuten die Lügen aus und der Mann muss auf eine Alternative umsteigen. Er schneidet die Lügen aus den Zeitungen aus, sammelt sie an Fernsehtürmen und Telefonleitungen ein. Daraufhin haben die Zeitungen oft leere Seiten, weil sie nicht mehr wissen, was sie drucken sollen. Außerdem fällt öfters das Fernsehprogramm aus oder es kommt zu Störungen der Telefonleitungen. Der Lügensammler stellt fest, dass die Leute sich nicht mehr so viel zu erzählen haben, und freut sich, dass sie jetzt wenigstens ehrlich miteinander redeten. Doch als er ein Gespräch zweier Frauen hört, ist er entsetzt. Sie werfen sich lauter Gemeinheiten an den Kopf. Keine ist freundlich zur anderen. Es kommt so weit, dass die eine die andere mit dem Regenschirm auf den Kopf schlägt, weil sie sich beleidigt fühlt. Der Lügensammler stellt fest, dass die Wahrheit im falschen Augenblick und am falschen Ort sehr schmerzhaft sein kann.

Die Frauen wollen wissen, was der Lügensammler in seinem Sack versteckt. Sie glauben ihm nicht, als er sagt, dass er Lügen darin aufbewahre. Sie riskieren einen Blick hinein, allerdings sehen sie diese nicht. Stattdessen flüchten die Unwahrheiten aus dem Sack, sodass es von diesem Zeitpunkt an wieder genügend Lügen auf der Welt gibt. Die Leute wünschen sich wieder einen „Guten Tag!“, die Zeitungen sind wieder voll und das Fernsehen und die Telefonleitungen haben keine Ausfälle mehr. Da nun wieder Lügen in der Luft rumschwirren, muss jeder selbst herausfinden, was wahr ist und was nicht.

4. Didaktische Reflexion

4.1 Eignung

Mehr als 230 Jahre liegen zwischen den beiden Erzählungen. Die 1776 im „Kinderfreund“ erschienene Geschichte „Die kleine Lügnerin“ und die Erzählung „Der Lügenbeutel“, die in aktuellen Schulbüchern auftaucht, behandeln das Thema auf verschiedene Art und Weise.

„Die kleine Lügnerin“

Der römische Dichter Horaz hat in der Antike eine Zuordnung der Funktionen „nützen“ und „erfreuen“ zur Literatur vorgenommen. In der Aufklärung wurde darunter verstanden, dass dem Leser (moralische) Lehren oder Wissen in einer unterhaltsamen oder ästhetisch ansprechenden ‚Verpackung‘ nahe gebracht werden sollen. (vgl. Leubner 2010, 29) Ob von Rochow dies gelungen ist, wird die nachfolgende Analyse zeigen.

Die Lesestücke aus dem „Kinderfreund“ waren den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Kinder angemessen. Die Geschichte „Die kleine Lügnerin“ eignet sich für jüngere Schüler, da sie relativ kurz ist und einen leichten Erzählungs- und Gesprächston (vgl. Vorbericht im Kinderfreund) aufweist, wodurch den Schülern das Lesenlernen erleichtert wird. Rochow wählt für diese Erzählung als Hauptperson ein (kleines) Mädchen namens Luise, mit der sich die Leser gut identifizieren können.

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640792597
ISBN (Buch)
9783640792535
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163356
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Schlagworte
Vergleich Reflexion Kinder- Jugendliteratur- Erzählungen Lügnerin“ Lügenbeutel“ Ursel Scheffler

Autor

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Titel: „Die kleine Lügnerin“ aus dem „Kinderfreund“ und  „Der Lügenbeutel“ von Ursel Scheffler. Vergleich und didaktische Reflexion