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Das IS-LM-Modell

Annahmen, Funktionsweise und Kritik

Hausarbeit 2008 16 Seiten

VWL - Makroökonomie, allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Welt von John Maynard Keynes

2. Der Gütermarkt
2.1 Die Güternachfrage
2.2 Das Gleichgewicht bzw. die Bestimmung des Güterangebots
2.3 Die IS-Gleichung
2.4 Die Herleitung der IS-Kurve

3. Der Geldmarkt
3.1 Die Geldnachfrage
3.2 Das Gleichgewicht und die LM-Funktion
3.3 Die Ableitung der LM-Kurve

4. Kombination von IS- und LM-Kurve: Das IS-LM-Modell

5. Nutzen des IS-LM-Modells für Geld- und Fiskalpolitik
5.1 Fiskalpolitik
5.2 Geldpolitik

6. Kritische Würdigung des IS-LM-Modells

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Durch die Große Depression im Jahre 1929, die den Zusammenbruch von Volkswirtschaften auf der ganzen Welt mit sich brachte, geriet die neoklassische Theorie heftig unter Kritik. Politiker sowie Ökonomen zweifelten die Aussagen dieser Theorie, insbesondere die Selbstheilungskräfte des Marktes, an.[1] Die diesbezüglich bedeutendste Kritik wurde von John Maynard Keynes in seinem Werk „General Theory of Employment, Interest and Money“ formuliert, welches den Grundstock für eine neue Ära der ökonomischen Theorie legte.[2] Bis heute gibt es viele Interpretationen dieses Schriftstückes. Eine Auslegung ist auf John Hicks zurück zu führen, welcher Keynes Hauptwerk zusammenfasste und diesem Rahmen ein Standardmodell entwickelte: Das sog. IS-LM-Modell. Dieses Modell analysiert das Zusammenspiel von Güter-, Geld-, und Finanzmarkt. Es ermöglicht, das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht und somit die Bestimmungsgründe von Produktion und Zinssatz innerhalb der kurzfristigen Perspektive zu analysieren.[3] Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über Prämissen und Funktionsweise dieses Modellrahmens. Schließlich werden Kritikpunkte aufgegriffen.

1. Die Welt von John Maynard Keynes

Mit seiner sog. „General Theory“[4] entwickelte Keynes (1883-1946) die neoklassische Theorie weiter und lieferte damit bedeutend neue Grundvorstellungen einer Volkswirtschaft: Eine wesentliche Neuerung der keynesianischen Theorie war die Umkehrung des Sayschen Theorems, „(…) wonach sich jedes Angebot seine Nachfrage schafft (…)“[5]: Keynes Ansichten beruhen darauf, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt.[6] Des Weiteren geht er von einer hierarchischen Anordnung der Märkte aus, in welcher der Arbeitsmarkt die unterste Position einnimmt und vom Güter- sowie Vermögensmarkt beeinflusst wird.[7] Neu war auch die Annahme eines möglichen Unterbeschäftigungs­gleichgewichts, bei welchem eine Volkswirtschaft ihr Produktionsvolumen nicht vollständig ausnutzt.[8] Auch die von Vertretern der Neoklassik propagierten Selbstheilungskräfte des Marktes, welche besagen, dass der Preismechanismus einen Gleichgewichtszustand herbeiführt, finden in der keynesianischen Theorie keine Akzeptanz.[9]

2. Der Gütermarkt

Der Gütermarkt bildet die Grundlage für die Deduktion der IS-Gleichung. Hier treten Haushalte und der Staat als Nachfrager von Güter- und Dienstleistungen auf. Die Unternehmen dagegen bieten diese Güter und Dienstleistungen an. Anders als die Neoklassik, die sich darauf konzentriert, wie Wirtschaftssubjekte ihren Grundbestand an Gütern einsetzen, fokussiert die keynesianische Theorie Kriterien, die das Produktions-, Einkommens- und Beschäftigungsniveau festlegen.[10][11]

2.1 Die Güternachfrage

Die Güternachfrage (Z) einer Volkswirtschaft setzt sich einerseits aus dem privaten Konsum der Haushalte (C) sowie den Investitionsausgaben (I) der Unternehmen zusammen. Außerdem kommt die Nachfrage seitens des staatlichen Sektors, welche den Staatsausgaben (G) entspricht sowie der Außenbeitrag [Exporte (X) – Importe (IM)] hinzu.[12] Da im Folgenden jedoch eine geschlossene Volkswirtschat, die dadurch charakterisiert ist, dass sie keinen Handel mit dem Ausland treibt, analysiert wird, kann der Außenbeitrag unberücksichtigt bleiben. Demnach lässt sich die Güternachfrage formal wie folgt darstellen:

Gleichung 1[13] Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der private Konsum (C) korreliert positiv mit dem verfügbaren Einkommen der Haushalte (YD). Deshalb impliziert eine Erhöhung des verfügbaren Einkommens eine Zunahme des Konsums. Das verfügbare Einkommen ist definiert als „das Einkommen [Y], über das der Haushalt verfügen kann, nachdem er Transferleistungen von Staat erhalten und Steuern gezahlt hat“[14]. Die Differenz aus Transferzahlungen und Steuern wird mit T bezeichnet. Es ergibt sich für das verfügbare Einkommen:

Gleichung 2 Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Demnach gilt für den Konsum:

Gleichung 3[15] (a) Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten bzw. (b) Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(+)

Betrachtet man die Investitionen (I), lässt sich feststellen, dass diese einerseits vom Absatz (Y)[16] der Unternehmen und andererseits vom Zinssatz (i) abhängen. Ersteres lässt sich dadurch erklären, dass Unternehmen, welche mehr Güter verkaufen, auch ihre Produktion steigern müssen. Dazu benötigen sie neue Produktionsanlagen. Demzufolge korrelieren die Investitionen positiv mit dem Absatzniveau.[17] Letzteres wird nachvollziehbar, wenn man unterstellt, dass Unternehmen Kredite aufnehmen, um diverse Investitionen zu tätigen. Ist der Zinssatz hoch, nimmt das Bedürfnis der Unternehmen nach einem Kredit ab. Denn die Zinszahlung würden dann die durch die Investition zusätzlich eingenommenen Gewinne übersteigen. Unter diesen Umständen ist eine Investition nicht mehr rentabel.[18] Dieser Zusammenhang lässt sich durch eine Investitionsfunktion darstellen:

Gleichung 4[19] Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(+, -)

Die letzte Komponente der Güternachfrage sind die Staatsausgaben (G). Sie werden bei der Erklärung des IS-LM-Modells als exogene Größe angesehen. Dies bedeutet, dass sie nicht innerhalb dieses Modells erklärt werden, sondern von außen gegeben sind.[20] Dasselbe gilt für die Steuern (T).

2.2 Das Gleichgewicht bzw. die Bestimmung des Güterangebots

Durch die zuvor erläuterten Definitionen von Konsum (C), Investitionen und Staatsausgaben (G) lässt sich die Güterachfrage (Z) durch Einsetzen der Gleichungen 3(b) und 4 in Gleichung 1 neu darstellen:

Gleichung 5[21] Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein Gleichgewicht am Gütermarkt ist nun gegeben, wenn das Güterangebot (Güterproduktion Y) der Güternachfrage (Z) entspricht.[22]

Gleichung 6 Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gleichung 6 stellt die Gleichgewichtsbedingung für den Gütermarkt dar. Anstelle Z kann man Gleichung 5 einsetzen. Es folgt:

[...]


[1] Vgl. Felderer, Michael. Homburg, Stefan: Makroökonomik und neue Makroökonomik. Berlin, Heidelberg, New York: Springer Verlag 2003. 8. Auflage. S. 97.

[2] Vgl. Felderer, Michael. Homburg, Stefan. 2003. S. 98.

[3] Vgl. Blanchard, Oliver. Illing, Gerhard: Makroökonomie. München: Pearson Education Deutschland GmbH 2004. 3. Auflage. S. 135.

[4] Felderer, Michael. Homburg, Stefan. 2003. S. 102.

[5] Ebd.

[6] Vgl. ebd.

[7] Vgl. Heine, Michael. Herr, Hansjörg: Volkswirtschaftslehre: Paradigmenorientierte Einführung in die Mikro- und Makroökonomie. München, Wien: Oldenbourg 2003. 3. Auflage. S. 460.

[8] Vgl. Bofinger, Peter: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre: Eine Einführung in die Wissenschaft von Märkten. München: Pearson Education Deutschland GmbH 2007. 2. Auflage. S. 358.

[9] Vgl. Rothschild, Kurt W.: Theorien der Arbeitslosigkeit: Einführung. München, Wien: Oldenbourg 1994. 2. Auflage. S. 7.

[10] Es wird im Folgenden angenommen, dass die Unternehmen der betrachteten Volkswirtschaft homogene Güter produzieren. Diese Güter dienen sowohl als Konsum-, Investitions- und Nachfragegüter für den Staat. Somit besteht die Möglichkeit der Konzentration auf einen Markt.

[11] Vgl. Heine, Michael. Herr, Hansjörg. 2003. S. 398.

[12] Vgl. Blanchard, Oliver. Illing, Gerhard. 2004. S. 82.

[13] Blanchard, Oliver. Illing, Gerhard. 2004. S. 83.

[14] Ebd.

[15] Blanchard, Oliver. Illing, Gerhard. 2004. S. 83, 85.

[16] In der vorliegenden Arbeit wird unterstellt: Lagerinvestitionen = 0. Somit gilt: Absatz = Produktion = Einkommen

[17] Vgl. Blanchard, Oliver. Illing, Gerhard. 2004. S. 136.

[18] Vgl. Blanchard, Oliver. Illing, Gerhard. 2004. S. 137.

[19] Ebd.

[20] Blanchard, Oliver. Illing, Gerhard. 2004. S. 85 f.

[21] Blanchard, Oliver. Illing, Gerhard. 2004. S. 137.

[22] Blanchard, Oliver. Illing, Gerhard. 2004. S. 86.

Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640785131
ISBN (Buch)
9783640784813
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163325
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,7
Schlagworte
IS-LM Geldpolitik Fiskalpolitik Makroökonomie

Autor

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