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Woody Allen - The Kugelmass Episode: A Critical Analysis

Hausarbeit 2005 10 Seiten

Amerikanistik - Literatur

Leseprobe

Woody Allen – The Kugelmass Episode

Woody Allens Kurzgeschichte The Kugelmass Episode dreht sich um einen Professor der Geisteswissenschaften, dem sein Leben zu langweilig wird und der deshalb eine Zauberer aufsucht, welcher ihn in die fiktionale Welt des Romans Madame Bovary von Flaubert versetzt. Dort beginnt er eine leidenschaftliche Liebesaffäre mit der Protagonistin des Textes, Emma Bovary. Ihm ist jedoch nicht klar, daß er mit seinem Eingreifen in die Handlung des Buches plötzlich als Figur in diesem auftaucht, so daß sogar Schüler, die das Buch gerade lesen, ihren Lehrer fragen: “Who is this character on page 100?” (Paragraph 66)

Nach jeder Menge Schwierigkeiten verspricht Kugelmass schließlich, sich nie wieder in ein Buch versetzen zu lassen. Doch bereits einen Monat später besucht er den Zauberer erneut. Diesmal aber explodiert die Maschine, die für den Transfer in die fiktionale Welt benutzt wird und Kugelmass endet in einem Buch für spanische Grammatik, wo er für immer vor der spanischen unregelmäßigen Vokabel „tener‟ davonlaufen muß.

Es gibt in dieser Geschichte verschiedene Interpretationsweisen, von denen ich im Folgenden auf zwei näher eingehen möchte. Die Hervorstechende ist wohl Allens beeindruckendes Spiel mit Fiktion und Realität, und das Vorhandensein – oder Nichtvorhandensein - einer Grenze zwischen diesen beiden. Als Zweites möchte ich dann auf das eingehen, was ich als die sogenannte Moral dieser Geschichte ansehe.

In seiner Kurzgeschichte demonstriert Woody Allen eindrucksvoll, auf welche Art Wirklichkeit und Fiktion verbunden sind, ja sogar verschmelzen können. Der Protagonist der Geschichte, Sidney Kugelmass, ist ein Professor der Geisteswissenschaften am City College. Er ist ein Durchschnittsmensch, wie er einem jeden Tag auf der Straße begegnen kann. Seine zwei gescheiterten Ehen und seine Unwilligkeit sich aus materiellen Gründen von seiner zweiten Ehefrau scheiden zu lassen, obgleich er sie nicht mehr liebt sondern sie sogar als „oaf‟ bezeichnet, läßt darauf schließen daß er eher rational veranlagt ist.

Dieser rationale, auf Sicherheit bedachte Mensch sucht nun einen Zauberer auf um sich von ihm bei der Suche nach einer Lösung für sein Unglück helfen zu lassen. Für Kugelmass ist diese einzige Lösung eine Affäre mit einer neuen Frau und die damit verbundenen Aktivitäten wie er sie selber in Paragraph 4 beschreibt:

„I need to mee a new woman,“ he went on. „I need to have an affair. I may not look the part, but I‟m a man who needs romance. I need softness, I need flirtation. I‟m not getting younger, so before it‟s too late I want to make love in Venice, trade quips at ‚21„, and exchange coy glances over red wine and candlelight.“

Seine unrealistischen Vorstellungen einer Affäre ohne Verantwortung bringen ihn schließlich dazu, den Zauberer „The Great Persky“ aufzusuchen. An genau diesem Punkt findet der erste Bruch mit dem statt, was uns als Realität vorgestellt wurde. Alles was bisher geschah läßt sich in das realistische Weltbild einordnen, doch von nun an nehmen die Handlungsweisen immer unglaublichere Züge an. Angefangen bei Kugelmass bedingungslosen Akzeptanz der Tatsache, daß es einen Zauberer gibt bis hin zu dem auftreten eben jenes Zauberers.

Kugelmass, welcher uns zu Anfang als so vernünftiger Herr mittleren Alters vorgestellt wurde, nimmt die Existenz des Zauberers einfach so hin als ob er jeden Tag auf der Straße einem über den Weg laufen würde.

Als er in der Wohnung Perskys ist, wirkt die Atmosphäre beinahe wie bei einer Zirkusvorstellung. Dies fängt an bei dem Namen des Zauberers, „The Great Persky“, bis hin zu dem Kasten, der Kugelmass in ein Buch versetzen soll.

Nachdem Kugelmass sich in das Buch Madame Bovary hat versetzen lassen, knüpft er Kontakt mit Emma, der Protagonistin. Nichts in dieser fiktionalen Welt deutet darauf hin, daß sie fiktional ist. Es gibt keine Zauberer oder Feen, welche die Glaubwürdigkeit dieser Realität in Frage stellen. Auf den ersten Blick scheinen die Eigenschaften von Realität und Fiktion daher irgendwie vertauscht.

Bald jedoch wird klar daß auch die Fiktion unglaubwürdig ist. Zunächst einmal ist Emma Bovary in keiner Weise überrascht daß Kugelmass so plötzlich auftaucht. Mehr noch, sogar seine für die Zeit zu der Emma Bovary lebte, ungewöhnliche (weil moderne) Kleidung und Redeweise scheinen nichts Besonderes für sie zu sein.

Interessant ist nun, daß Emma nicht, wie man annehmen würde, französisch spricht, sondern wie in Paragraph 51 gesagt wird „in the same fine English translation as the paperback“. Hier wird dem Leser der Geschichte überaus deutlich daß er sich in einer Fiktion innerhalb der Fiktion befindet. Eine Fiktion, oder sollte man sagen, eine andere Realität? Immerhin wird deutlich, nachdem Kugelmass in seine Realität zurückkehrt, daß die Zeit in beiden Ebenen gleich schnell vergeht. Durch sein Treffen mit Emma kommt Kugelmass nämlich zu spät zu seiner Verabredung mit seiner Frau Daphne bei Bloomingdale‟s. (Paragraph 67)

Nach seiner ersten Rückkehr in seine reale Welt verschmelzen Realität und Fiktion auf raffinierte Art und Weise. In Paragraph 66 wird nämlich deutlich, daß Kugelmass Eindringen in die fiktionale Realität des Romans Auswirkungen auf den tatsächlichen Roman der Realität hat, da Kugelmass plötzlich als Charakter in diesem auftaucht.

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640774289
ISBN (Buch)
9783640774449
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163258
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – John-F. Kennedy-Institut für Nordamerikastudien
Note
1,7
Schlagworte
Woody Allen Kugelmass Episode Critical Analysis

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Titel: Woody Allen - The Kugelmass Episode: A Critical Analysis