Lade Inhalt...

Web 2.0 - Die Renaissance des Musikvideos

Eine vergleichende Analyse von Nutzungsverhalten im Web 2.0 und herkömmlicher Musikvideonutzung

Bachelorarbeit 2010 37 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Zielsetzung
1.2. Inhaltlicher Aufbau

2. Web 2.0 - Eine Begriffserklärung

3. Internetnutzung
3.1. Internetnutzung in der BRD 2009
3.2. Nutzung von Web 2.0 mit dem Schwerpunkt Videoportale

4. Zwischenfazit Nutzung von Internet, Web 2.0 und Videoportalen

5. Vorstellung von Videoportalen im Web 2.0
5.1. YouTube
5.2. myVideo
5.3. tape.tv
5.4. putpat.tv

6. Musikvideogeschichte
6.1. 50er Jahre: Rock n´ Roll
6.2. 70er Jahre: Top of the Pops und Bohemian Rapsody
6.3. 80er Jahre: MTV und die Buggles
6.4. 90er und 2000er Jahre: MTV wechselt sein Programm

7. Nutzungsmotivationen im herkömmlichen Musikfernsehen

8. Möglichkeiten der Musikvideorezeption im Web 2.0
8.1. Direkte Suche nach Künstlern und Songs
8.2. Playlisten
8.3. intelligentes Musikfernsehen
8.4. Social Media Verlinkungen

9. Zwischenfazit: Möglichkeiten der Musikvideorezeption im Web 2.0

10. Vergleich TV-Musikvideonutzung mit Musikvideorezeption im Web 2.0

11. Fazit

12. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unter den ersten 100 weltweit abgerufenen Videos seit Start des mittlerweile erfolgreichsten[1] Videoportals YouTube sind 59 Musikvideos aufzufinden[2]. Darunter befindet sich auch eins der ersten Musikvideos der Gruppe „Queen“ zum Titel „Bohemian Rhapsody“. Daraus kann man schließen, dass Musikvideos scheinbar einen großen Teil der angesehenen Videos im Internet einnehmen und, dass sich Nutzer für diese Inhalte interessieren.

In dieser Arbeit soll die Frage geklärt werden, ob man bei der aktuellen Verbreitung und Nutzung von Musikvideos auf Videoportalen im Web 2.0 von einer Renaissance des Musikvideos reden kann.

„Das Wort ,Renaissance‘ stammt aus dem Französischen und heißt ,Wiedergeburt.‘ In diesem Zusammenhang steht es für das wiederkehrende Interesse an der Kunst und Kultur der Antike.“[3]. Wobei sich die Bedeutung des Wortes „Renaissance“ in diesem Zusammenhang lediglich auf seine reine Übersetzung (Wiedergeburt) bezieht und nicht als Parallele zur Wiederentdeckung der Kunst und Kultur der Antike aufgefasst werden soll.

1.1. Zielsetzung

Diese Arbeit wird sich damit beschäftigen inwiefern sich die Nutzung von Musikvideos im Web 2.0 von herkömmlicher Musikvideonutzung im Musikfernsehen unterscheidet und welche Parallelen zu finden sind und inwiefern man von einer Renaissance, also einer Wiederbelebung, des Musikvideos sprechen kann.

Im Bezug auf die Möglichkeiten des Web 2.0 soll untersucht werden, welche Funktionen dem einzelnen Nutzer einen Mehrwert im Gegensatz zum Musikfernsehen bietet. Dabei werden einzelne Funktionen herausgegriffen und auf ihren Kontext und ihre Eigenschaften im Bezug auf die Rezeption analysiert. Bei der Untersuchung wird verstärkt auf Studien zum Mediennutzungsverhalten Jugendlicher zurückgegriffen. Diese Altersgruppe stellt die Hauptnutzungsgruppe für Musikvideos dar und wurde durch wissenschaftliche Studien ausführlich untersucht.

1.2. Inhaltlicher Aufbau

Zu Beginn wird der Begriff des Web 2.0 anhand von verschiedenen Definitionsansätzen erklärt und damit eine Basis für die weitere Benutzung des Begriffs geschaffen.

Das dritte Kapitel thematisiert die Internetnutzung im Allgemeinen. Es werden Nutzungsraten des Internets allgemein und im weiteren Verlauf im Bezug auf Web 2.0 Anwendungen erläutert. Dies wird zur Legitimierung des Forschungsansatzes gemacht. Im vierten Kapitel wird ein Fazit aus den Analysen gezogen.

Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit der Vorstellung von einigen exemplarischen Videoportalen (YouTube, myVideo, tape.tv, putpat.tv), die sich entweder auf das Angebot von Musikvideos spezialisiert haben oder lediglich einen großen Fundus an Musikvideos bieten und eine hohe Popularität haben.

Im sechsten Kapitel wird die Geschichte des Musikvideos, gegliedert in vier zeitliche Epochen, dargestellt um einen Überblick über die Entwicklung dieses Mediums zu geben.

Das siebte Kapitel beinhaltet eine Analyse der herkömmlichen Musikvideonutzung im Musikfernsehen. Dabei werden wissenschaftliche Analysen als Basis genutzt, um Standpunkte zur Musikvideorezeption klarzustellen.

Danach werden im achten Kapitel die Möglichkeiten der Musikvideorezeption im Web 2.0 erklärt. Exemplarisch werden vier Funktionen herausgegriffen, die einen Unterschied bzw. eine Ergänzung zur herkömmlichen Musikvideonutzung darstellen. Das neunte Kapitel bildet ein Fazit zu den Untersuchungen.

Im zehnten Kapitel wird die herkömmliche Rezeption von Musikvideos mit den Möglichkeiten der Rezeption im Web 2.0 verglichen. Dabei soll herausgestellt werden, ob die Rezeption im Web 2.0 im größten Teil der herkömmlichen entspricht oder ob sich gravierende Unterschiede entdecken lassen.

Abschließend wird auf der Basis aller Einzeluntersuchungen ein Gesamtfazit gezogen, dass aufklären soll ob die Musikvideorezeption im Web 2.0 eine Renaissance für das Musikvideo darstellt.

2. Web 2.0 - Eine Begriffserklärung

Im Folgenden soll kurz der Begriff des Web 2.0, der eine große Verbreitung in der Beschreibung aktueller Entwicklungen im Bezug auf das Internet erfahren hat, erklärt werden. Dabei ist zuerst der Ursprung des Begriffs zu klären. Darcy DiNucci nannte den Begriff Web 2.0 zuerst im Jahr 1999 im Artikel „Fragmented Future“ aus dem Print Magazine 04/1999. Sie stellte erste Hypothesen auf, in welche Richtung die Entwicklungen des Internets gehen könnten und stellte den damaligen Status lediglich als eine Vorstufe für spätere Entwicklungen dar.

„The Web we know now, which loads into a window on our computer screens in essentially static screenfuls, is an embryo of the Web as we will know it in not so many years. The first glimmerings of Web 2.0 are now beginning to appear, and we can start to see just how that embryo might develop.“[4].

Dabei sollte diese erste Begriffserwähnung als Grundstein für die weitere Benennung von Entwicklungen hin zu mehr Interaktivität im Internet genutzt werden. Nach dem großen Dot-Com-Sterben um die Jahrtausendwende startete O´Reilly[5] und MediaLive International[6] (heute UBM Technology) ein erstes Brainstorming zu neuen Möglichkeiten für Webanwendungen und Nutzungsweisen für das Internet. Dabei wurde der Begriff Web 2.0 für zukünftige Entwicklungen und Ideen geprägt. „Könnte es sein, dass der Dot-Com-Kollaps einen derartigen Wendepunkt markiert hatte, dass man diese Dinge nun mit einem Schlagwort wie ,Web 2.0‘ bezeichnen durfte? Wir einigten uns darauf und damit war die ,Web 2.0 Konferenz‘ geboren“[7]. 2004 rief Tim O´Reilly die Web 2.0 Conference ins Leben und durch diesen Vorstoß wurde eine einheitliche Verwendung des Begriffs Web 2.0 etabliert.

Doch wofür steht dieser Begriff?

„Der Begriff beschreibt alle Internetapplikationen, die hohe Gestaltungs- und Kommunikationsmöglichkeiten für den User bereitstellen. Damit unterscheidet sich das Web 2.0 vom Web 1.0 durch ein anderes ,Selbstverständnis‘ des Internets, durch die intensive Einbindung des Nutzers in die Gestaltung der Inhalte und durch die Dialoge.“[8]

Web 2.0 definiert zum Ersten die Nutzung des Internets als Serviceanbieter für den Nutzer und zum Zweiten die Partizipation des Nutzers an den Serviceangeboten um dadurch die Erstellung von user generated content[9] zu fördern.

„Web 2.0 propagiert einen grundlegenden Wandel im Umgang mit dem WorldWideWeb. Unter dem Schlagwort ,Mitmachnetz‘ beschreibt Web 2.0 vielfältige Möglichkeiten der Partizipation.“[10]

Dabei stellt die Überlegung das Internet als Plattform zu nutzen und die grundsätzlich stärkere Vernetzung untereinander die technische Grundlage für die Einbindung des Nutzers in den Aufbau von Datensammlungen dar.

„Charakteristisch für das Web 2.0 ist seine einfache Handhabbarkeit. Der Nutzer kann ohne technisches Vorwissen eigene Beiträge im WorldWideWeb publizieren, Beiträge anderer kommentieren, sich virtuell vernetzen oder in Foren präsentieren.“[11].

Der Nutzer wird z.B. auf Videoplattformen wie youtube.com und myvideo.de dazu angeregt eigene Videos hochzuladen und andere User an diesen teilzuhaben. Somit entstehen dauerhaft wachsende Medienbibliotheken, die man als modernes Kulturgedächtnis bezeichnen kann. In der folgenden Nutzungsanalyse werden gerade diese Videoplattformen eine große Rolle spielen. Rezensionsplattformen und Foren motivieren Nutzer zur Äußerung der eigenen Meinung, um somit Informationen für andere Nutzer zu generieren. Diese Teilhabe des Nutzers an der Erstellung der Inhalte stellt den großen und entscheidenden Unterschied zur ursprünglichen Auffassung vom Internet dar, die Internetseiten als starre unveränderbare html[12] -Dokumente ansah, die Informationen verbreiten und zur Verfügung stellen. Es findet dadurch ein Wandel der Kommunikation von starrer „one to many“ Kommunikation zu „many to many“ Kommunikation statt. Im Folgenden wird deshalb der Begriff Web 2.0 für Anwendungen benutzt, die den Nutzer zur aktiven Teilnahme ermutigen und somit auch soziale Vernetzungen ermöglichen. Dadurch wird der Nutzer nicht mehr nur zum consumer sondern zum prosumer[13] Dieser Begriff hat sich ebenfalls in den letzen Jahren etabliert und wird deshalb im Folgenden Verwendung finden.

3. Internetnutzung

Im nächsten Abschnitt werden einige Zahlen zu der Verbreitung von Internetzugängen in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) auf Basis der ARD/ZDF-Onlinestudie 2009 erklärt. Ebenfalls werden die Schwerpunkte der Internetnutzung erläutert, damit festgestellt werden kann ob eine Nutzung von Musikvideos im Web 2.0 stattfindet und ob man sie mit der herkömmlichen Nutzung vergleichen kann.

3.1. Internetnutzung in der BRD 2009

Die folgenden Aussaugen gehen auf die ARD/ZDF-Onlinestudie 2009 zurück. Die untersuchte Gruppe bestand aus 1146 Personen die über 14 Jahre alt waren und über einen Internetzugang verfügten. Es wurde die Art der Internetzugänge und das Internetnutzungsverhalten analysiert.

Im Jahr 2009 lag die Verbreitung von Internetanschlüssen in der analysierten Gruppe bei 96%[14], wobei sich diese Verbreitung in 72% DSL/Breitband Anschlüsse, 15% ISDN-Anschlüsse und 9% Modemzugänge aufteilte[15]. Dabei erfolgte bei 87% die Abrechnung über einen Flatratetarif. Die anderen Abrechnungsformen waren: Volumentarif 2%, Zeittarif 3%, Internet by Call 1%. Und 6% der untersuchten Gruppe konnten keine Angaben zu ihren Tarifen machen[16].

Des Weiteren wurden Aussagen über die Verbreitung von mobilen Internetzugängen gemacht. Dabei wurde festgestellt, dass 67% einen mobilen Internetzugang an ihrem Laptop nutzen. Des Weiteren nutzen 38% einen Zugang zum Internet an ihrem Handy. Jedoch ist bei dieser Untersuchung zu bemängeln, das die untersuchte Gruppe mit 138 Personen relativ klein ist und deshalb die Aussagekraft nur eingeschränkt vorhanden ist[17]. An dieser Stelle wurden keine Aussagen zu den Abrechungsformen gemacht.

Die JIM-Studie 2009 des Medienpädagogischen Forschungsverband Südwest hat ähnliche Zahlen im Bezug auf 12- bis 19- jährige herausgestellt. Dabei wurde festgestellt, dass 100% der Befragten einen Computer oder Laptop zur Verfügung haben und 98% auch einen Internetzugang nutzen können[18]. Die daraus durchschnittliche Anzahl an Internetzugängen kam pro Haushalt auf 1,6. Wobei diese Zahl für Computer mit Internetzugang stehen muss, da ein Haushalt normalerweise nicht über mehrere getrennte Internetzugänge in Form von mehreren Verträgen verfügen dürfte.

Zu diesen Analysen muss auch die aktuelle Untersuchung des statistischen Bundesamts hinzugenommen werden. Diese geht für 2009 von 73% der deutschen Haushalte aus, die über einen Internetzugang verfügen. In absoluten Zahlen sind das ca. 29 Millionen der deutschen Haushalte[19].

Wenn diese Zahlen im Gesamtzusammenhang betrachtet werden kann man schlussfolgern, das der größte Teil der deutschen Bevölkerung über einen Internetzugang verfügt. Das Internet ist mit seiner großen Verbreitung zu einem Massenmedium geworden. Auf der Basis dieser Feststellung können weitere Untersuchungen zu den einzelnen Nutzungsfeldern von Web 2.0-Anwendungen gemacht werden.

3.2. Nutzung von Web 2.0 mit dem Schwerpunkt Videoportale

In diesem Abschnitt werden unterschiedliche Anwendungsfelder von Web 2.0 Nutzern typisiert und erläutert. Ein Hauptaugenmerk wird dabei auf die Nutzung von Videoportalen gelegt.

In der ARD/ZDF-Onlinestudie von 2009 wurde die Nutzungsfrequenz von Web 2.0 Angeboten untersucht[20]. Dabei wurden die Web 2.0-Angebote in mehrere Klassen unterteilt. Es wurde unterteilt in: private Netzwerke und Communitys, Videoportale, Wikipedia, berufliche Netzwerke und Communitys, virtuelle Spielewelten, Fotosammlungen und Fotocommunitys, Lesezeichensammlungen und Weblogs.

Die Studie hat diese Nutzungsfrequenz unterteilt in die Kategorien: täglich, wöchentlich, monatlich, selten und nie. Dabei wurden alle Onlinenutzer ab 14 Jahren befragt. Das Ergebnis zeigte, dass beim täglichen Gebrauch die Videoportale mit 9% Nutzung direkt hinter den privaten Communitys (13%) waren. Bei der wöchentlichen Nutzung (17%) sogar vor den Communitys (11%) lagen. Ebenfalls bei der monatlichen lagen sie mit 17% zu 3% vor den Netzwerken. Interessant ist auch die Betrachtung der Angabe „nie genutzt“. Dabei fällt auf, dass nur 48% noch nie Videoportale genutzt haben. Im Verhältnis zu den Communitys, die von 71% noch nie genutzt wurden, kann man den Videoportalen einen großen Nutzen und eine große Beliebtheit zusagen.

Des Weiteren wurde die Art der Nutzung von Web 2.0-Angeboten untersucht. So wurde die Testgruppe befragt inwiefern sie die Angebote passiv wie auch aktiv nutzen. Dabei wurde insbesondere auf Wikipedia, Weblogs, YouTube und Fotocommunitys hin untersucht. Die Untersuchung stellte heraus, das hauptsächlich bei Weblogs Informationen abgerufen (45%), wie auch etwas verfasst/eingestellt und abgerufen (43%) wird. Bei dem Videoportal YouTube fragten 89% Informationen ab. Im Verhältnis dazu sagten nur 10%, dass sie beides (Abrufen und Einstellen) machen und nur 1% gab explizit an Videos hochzuladen. Daraus kann der Schluss gezogen werden, „auch die Videoportale gleichen eher Video-on-Demand-Sammlungen, die der Unterhaltung und dem Zeitvertreib ihrer Nutzer dienen, als dass hier ein breites Publikum publizieren, bewerten und kommentieren würde“[21].

Die Nutzung von Videoportalen unterscheidet sich auch sehr stark, wenn man die Altersgruppen unterscheidet. In der ARD/ZDF-Onlinestudie 2009 wurde unterteilt in alle Onlinenutzer ab 14 Jahren und die Onlinenutzer von 14 bis 29 Jahren. Dabei fiel auf, dass in der gesamten Gruppe der Onlinenutzer ab 14 Jahren 26% Videoportale nutzen. Dies ist der zweithöchste Anteil bei den Web 2.0-Angeboten, der dicht auf Wikipedia (28%) folgt. Die Onlinenutzer zwischen 14 und 29 Jahren nutzen hauptsächlich Videoportale (59%) bei den Web 2.0 -Anwendungen[22].

Wenn man die Nutzung von Videoportalen in der Gruppe der 12- bis 19- jährigen betrachtet, erkennt man auch hier ein ähnliches Bild. Insgesamt 64% nutzen täglich bzw. mehrmals die Woche Videoportale. Wenn man die Nutzung geschlechtsspezifisch unterteilt, stellt sich heraus, dass Jungen mit 70% häufiger als Mädchen (58%) Videoportale nutzen. Die JIM-Studie 2009 kommt deshalb zu dem Schluss: „Die meisten unterhaltenden Anwendungen werden von Jungen und jungen Männern zu einem größeren Anteil regelmäßig in Anspruch genommen als von Mädchen – besonders gravierend fallen die Unterschiede beim Sehen von Videos und der Nutzung von Videoportalen aus, aber auch wenn es um das Thema „Musik“ geht, greifen Jungen häufiger auf Computer und Internet zurück als Mädchen.“[23]

Im Vergleich der letzten drei JIM-Studien ist eine klare Tendenz zu stärkerer Videoportalnutzung zu erkennen. Noch 2007 gaben 28% der Jungen und 11% der Mädchen an, dass sie täglich/mehrmals die Woche Videos im Internet schauen[24]. 2008 stieg diese Zahl auf 36% bei den Jungen und 16% bei den Mädchen[25]. In der letzten JIM-Studie 2009 stieg die prozentuale Nutzung der Videoportale bei den Jungen auf 70% und bei den Mädchen auf 58%[26]. Es ist also eine deutliche Steigerung der Nutzung von Videoportalen im Internet zu erkennen.

4. Zwischenfazit Nutzung von Internet, Web 2.0 und Videoportalen

Aufgrund der zuvor erläuterten Untersuchungen ist festzustellen, dass Videoportale in der Internetnutzung einen hohen Stellenwert erlangt haben. Die Entwicklung der Nutzungszahlen zeigen eindeutige Trends an, die Nutzung von Videoportalen steigt besonders in der Gruppe der 14- bis 19- jährigen stetig an. In dieser Altersgruppe übertrifft es in der regelmäßigen Nutzung die privaten Netzwerke und Communitys wie auch Wikipedia[27].

In der Rangliste der Web 2.0-Anwendungen liegen die Videoportale mittlerweile fast gleichauf mit dem Portal Wikipedia bei der regelmäßigen Nutzung aller Onliner[28]. Wenn auch die aktive Teilnahme, das aktive Hochladen von eigenen Videos, verhältnismäßig gering ausgeprägt ist. Deshalb ist davon auszugehen, das diese Nutzergruppe Videoportale hauptsächlich zur eigenen Unterhaltung und weniger zur Kommunikation nutzt.

Durch diesen Nutzungsansatz der Unterhaltung ist eine Analyse auf Arten der Musikvideorezeption legitim. Musikvideos sind auf eingängigen Videoportalen weit verbreitet[29]. Und es entstehen Videoportale, die sich rein dem Musikvideo verschrieben haben. Diese Portale werden im folgenden Kapitel erläutert.

5. Vorstellung von Videoportalen im Web 2.0

Auf dieser Grundlage des Web 2.0 sollen im Folgenden einige Videoplattformen exemplarisch vorgestellt werden. Dabei sollen die Unternehmensgrundlagen wie die Geschichte und mögliche Vermarktungsmodelle erläutert werden wie auch die Funktionen, die die Portale für ihre Nutzer bieten beschrieben werden um in der anschließenden Nutzungsanalyse mögliche Besonderheiten zur herkömmlichen Musikvideonutzung herauszustellen. Zu Beginn wird das größte und populärste[30] Videoportal YouTube vorgestellt, danach folgt myVideo (ein deutschsprachiges Portal) und dann zwei Anbieter die sich rein auf das Anbieten von Musikvideos spezialisiert haben - tape.tv und putpat.tv. Diese Auswahl wurde getroffen um das erfolgreichste Portal, das in Deutschland populärste und zwei neue Portale, die sich jeweils auf bestimmte Facetten der Musikvideonutzung spezialisiert haben, vorzustellen.

5.1. YouTube

„YouTube wurde im Februar 2005 gegründet und ist mittlerweile die führende Plattform für Online-Videos sowie die weltweit erste Internetadresse zum Ansehen und Zeigen von Originalvideos im Web. Auf www.YouTube.de kann jeder ganz einfach Videoclips hochladen und über Websites, Mobilgeräte, Blogs und E-Mails weitergeben.“[31]

So beschreibt sich das Unternehmen selbst auf seiner eigenen, sehr kurz gefassten, Seite zur Unternehmensgeschichte.

Die Gründer des momentan erfolgreichsten Videoportals sind Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim. Sie gründeten das Portal 2005 in San Bruno mit der Absicht, dass jeder User seine eigenen Videos hochlädt und sie mit anderen teilt. 2006 wurde YouTube von Google übernommen. Dies sorgte weltweit für Aufsehen, da Google für die Übernahme die Summe von 1,65 Milliarden US Dollar (in Aktien)[32] zahlte. YouTube wird allerdings seitdem immer noch eigenständig geführt.

Der Name YouTube heißt wörtlich übersetzt „Du Röhre“[33]. Damit ist aber „Du sendest!“ gemeint. Anhand des Namens ist schon erkenntlich, dass YouTube sich an ein junges Publikum richtet, dass gerne an Web 2.0-Anwendungen partizipiert.

2010 feiert YouTube sein fünfjähriges Jubiläum und sich selbst mit zwei Milliarden Besuchern täglich[34]. YouTube ist in über 200 Ländern vertreten und sendet mittlerweile in HD und 3D. Kommerzielle wie auch private Videos können auf der Plattform hochgeladen und verbreitet werden[35].

Dabei kann sich jeder Nutzer ein Konto anlegen, seine Profilinformationen eingeben und dann eigene Videos hochladen und sie in seinem Kanal verbreiten. Man kann dann direkt zu den Videos oder den Kanälen verlinken. Jeder Nutzer kann auch andere Kanäle abonnieren. Dadurch erfährt er immer von aktuellen Änderungen in den Kanälen der anderen Nutzer. Diese Kanäle können sowohl von Privatpersonen wie auch kommerziellen Partnern gestaltet werden. So nutzen Firmen diese Kanäle für ihre Unternehmenskommunikation und PR-Maßnahmen[36]. Ein Nutzer kann die Videos von anderen Nutzern kommentieren, ihnen mit anderen Videos antworten und sie bewerten. Die Videos können auch in eigenen Playlists gegliedert werden. Ebenfalls können sich Nutzer auf eine Art Nachrichtenbrett innerhalb der eigenen Kanäle schreiben und so über die Videos oder andere Themen kommunizieren. Mittlerweile können die Videos auch direkt zu Facebook-, Twitteraccounts und per Mail weitergeleitet werden. Bei Facebook werden die Videos ohne eine Weiterleitung direkt auf der Seite integriert abgespielt.

YouTube ist in Bezug auf die Reichweite der erfolgreichste Vertreter der Videoportale im Internet. Am 16.05.2010 bedankte sich das Unternehmen zum fünfjährigen Jubiläum in seinem Blog bei seinen Nutzern,

„Today, thanks to you, our site has crossed another milestone: YouTube exceeds over two billion views a day“[37].

5.2. myVideo

Die MyVideo Broadband S.R.L. wurde im April 2006 gegründet und bietet als erstes deutschsprachiges Videoportal einen vergleichbaren Service zu YouTube an. „Den Nutzern wird eine große Auswahl an Premium-Inhalten, exklusiven Web-TV-Produktionen und nutzergenerierten Clips angeboten. Populäre TV-Serien und Shows sowie Kinofilme in voller Länge können beliebig oft und kostenlos angesehen werden. Im Bereich MusikTV stehen über 25.000 offizielle Musikvideos sowohl zum individuellen Abruf als auch in Playlisten zur Verfügung.“[38] Dies ist die eigene Darstellung des Unternehmens zu ihren Angeboten für den Nutzer. Das Unternehmen gehört mittlerweile zu der SevenOne Intermedia GmbH, der Multimedia Sparte der ProSiebenSat.1-Gruppe[39]. Dadurch wird auch der Exklusivinhalt des Portals ersichtlich, der sich größtenteils aus Formaten und Sendungen der ProSiebenSat. 1 Gruppe zusammensetzt.

So können exklusiv Serien aus dem TV-Angebot der Sender, wie auch extra produzierte Webclips abgerufen werden. Ebenfalls können ganze Filme auf myVideo angesehen werden. Auch diese Filme kommen aus dem Angebot der ProSiebenSat. 1 Gruppe. Dabei sind die Sendungen bzw. Formate ähnlich aufgebaut wie beim Vorbild YouTube. Ein User kann einen Kanal abonnieren um über neu hochgeladene Videos informiert zu werden und diese dann abzurufen. Auch bei myVideo kann man sich ein Profil anlegen und sich mit anderen Nutzern über die Videos austauschen und diese bewerten. Ebenfalls ist eine Weiterleitung des Videos zu den sozialen Netzwerken Twitter, Facebook, VZ-Netzwerke und Bebo möglich.

Eine Besonderheit stellt myVideo auf dem deutschen Markt dar, weil exklusiv Inhalte großer Plattenlabels wie EMI, Sony Music und Warner Music abgefragt werden können. Dabei werden die Top 100 Single-Charts und ein eigenes internes Ranking für die Top 100 Musikclips zur Verfügung gestellt. Nach eigenen Angaben verfügt das Portal momentan über 3,8 Millionen Videos und über 120 Millionen Views im Monat.

[...]


[1] YouTube befindet sich auf Platz 3 der Top10 Online Web Brands als einziges reines Videoportal URL: http://en-us.nielsen.com/etc/medialib/nielsen_dotcom/en_us/documents/pdf/press_releases/2009/december.Par.23739.File.pdf

[2] eigene Zählung vom 04.06.2010 URL: http://www.youtube.com/videos?lg=EN&s=mp&t=a

[3] http://www.uni-kiel.de/gza/2/Friedrich/Stichwort/Sachen/Renaissance.htm

[4] DiNucci, Darcy; Print Magazine; 04/1999; http://www.cdinucci.com/Darcy2/articles/Print/Printarticle7.html

[5] O´Reilly Media Inc., eines der größten Verlagshäuser was zu Technologieentwicklungen publiziert. Geleitet wird das Unternehmen von Timothy O`Reilly. http://www.oreilly.de/index.html

[6] MediaLive International ist ein Konferenzveranstalter, der mit O´Reilly zusammen die erste Web 2.0 Konferenz organisierte. http://www.ubmtechnology.com

[7] O´Reilly, Tim; Was ist Web 2.0?; http://www.oreilly.de/artikel/livepage.apple.comweb20_trans.html

[8] Gerhards, Maria; Haas, Sabine; Klingler, Walter; Trump, Thilo; Web 2.0:Nutzung und Nutzertypen; in Mediaperspektiven 04/2007; S. 215

[9] user generated content beschreibt Medieninhalte wie z. B. Texte, Audiodaten und Videos, die von Nutzern aktiv gestaltet werden.

[10] Fisch, Martin; Gscheidle, Christoph; Mitmachnetz Web 2.0: Rege Beteiligung nur in Communitys; in Mediaperspektiven 07/2008; S. 356

[11] ebd. siehe Fußnote 10

[12] hypertext markup language - Auszeichnungssprache, die den Verarbeitungsweg der Daten vorgibt. Im Bezug auf das Internet gibt html die Struktur für die Ausgabe von Textinhalten an.

[13] Wortneubildung aus consumer (Konsument) und producer (Produzent), die die Möglichkeiten der Teilhabe des Nutzers an Internetangeboten umschreibt

[14] An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass anscheinend eine Kategorie nicht aufgeführt wurde, da alle Anschlusstypen zusammengerechnet nur 96% ergeben.

[15] ARD/ ZDF Onlinestudie 2009; Internetzugang 1997-2009;

http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=175

[16] ebd. siehe Fußnote 15

[17] ARD/ ZDF Onlinestudie 2009; Genutzte Internetzugänge unterwegs 2007-2009;

http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=176

[18] JIM-Studie 2009; Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest; Stuttgart; 2009; S.6

[19] Pressemitteilung Nr.464vom 03.12.2009; Statistisches Bundesamt;

http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2009/12/PD09__464__IKT,templateId=renderPrint.psml

[20] ARD/ ZDF Online Studie 2009; Nutzungsfrequenz von Web 2.0 Angeboten nach Angebotsformen 2009;URL: http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=165

[21] Busemann, Katrin; Gscheidle, Christoph; Web 2.0: Communitys bei jungen Nutzern beliebt,

in: Mediaperspektiven 07/2009; S.361 http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/fileadmin/Online09/Busemann_7_09.pdf

[22] ebd. siehe Fußnote 21

[23] JIM-Studie 2009; Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest; Stuttgart; 2009; S. 38

[24] JIM-Studie 2007; Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest; Stuttgart; 2007; S. 40

[25] JIM-Studie 2008; Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest; Stuttgart; 2008; S. 49

[26] JIM-Studie 2009; Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest; Stuttgart; 2009; S. 38

[27] Busemann, Katrin; Gscheidle, Christoph; Web 2.0: Communitys bei jungen Nutzern beliebt; in: Mediaperspektiven 07/2009; S.358

[28] ebd. siehe Fußnote 27 S. 361

[29] eigene Zählung vom 04.06.2010 URL: http://www.youtube.com/videos?lg=EN&s=mp&t=a

[30] YouTube befindet sich auf Platz 3 der Top10 Online Web Brands als einziges reines Videoportal URL: http://en-us.nielsen.com/etc/medialib/nielsen_dotcom/en_us/documents/pdf/press_releases/2009/december.Par.23739.File.pdf

[31] http://www.youtube.com/t/company_history

[32] Presseerklärung Google vom 9.10.2006;

http://www.google.com/press/pressrel/google_youtube.html

[33] Wobei Röhre in diesem Fall von der Bildröhre eines Fernsehers ist.

[34] Eintrag zum fünfjährigen Bestehen im Firmenblog YouTubes;

http://youtube-global.blogspot.com/2010/05/at-five-years-two-billion-views-per-day.html

[35] ebd. siehe Fußnote 34

[36] YouTube Kanal - BMW webTV URL: http://www.youtube.com/user/BMWwebTV

[37] YouTube Blogeintrag zum fünf jährigen Jubiläum des Anbieters;

http://youtube-global.blogspot.com/2010/05/at-five-years-two-billion-views-per-day.html

[38] myVideo Presseerklärung vom 25.03.2010;

http://is2.myvideo.de/bilder/presse/100325_Daten&Fakten.pdf

[39] Halbjahresbericht der ProSiebenSat. 1 Mediengruppe Januar-Juni 2007;

http://www.prosiebensat1.com/imperia/md/content/investor_relations/2007/Q2/H107_d.pdf

Details

Seiten
37
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640781461
ISBN (Buch)
9783640781546
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163238
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
2,0
Schlagworte
WWW Web 2.0 Musikvideo Mudiskvideos YouTube MyVideo Tape.tv putpat.tv Nutzungsanalyse Musikvideonutzung Vergleich

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Web 2.0 - Die Renaissance des Musikvideos