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Die Fair-Value-Bilanzierung von Finanzinstrumenten

Ein Auslaufmodell oder doch State-of-the-Art?

Projektarbeit 2009 23 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1. Finanzinstrumente
2.2. Fair Value

3. Funktionen
3.1. Vorbemerkung
3.2. Informationsfunktion
3.3. Zahlungsbemessungsfunktion
3.4. Steuerbemessungsfunktion

4. Alternative

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Bewertungsmaßstab des Fair Value hat durch die anhaltende Globalisierung und die zunehmende Internationalisierung der Rechnungs­legung in den letzten Jahren immer weiter an Bedeutung gewonnen. Er ist das Kernelement der IFRS und sollte ebenfalls Einzug in das HGB finden.[1] Dieses Vorhaben wurde allerdings durch die anhaltende Finanzmarktkrise weitestgehend unterbunden, da dem Fair Value immer wieder vorgeworfen wird, er habe die Finanzmarktkrise verschärft und ihre schnelle Ausweitung ermöglicht.[2] Hatte der Gesetzgeber die Zeitwertbilanzierung von Finanz­instrumenten des Handelsbestandes im Regierungsentwurf noch für alle Unternehmen vorgesehen, wurden sie abschließend aufgrund des enormen Widerstandes nur für Kredit- und Finanzdienstleistungsunternehmen umgesetzt.

Ziel der Arbeit ist die Untersuchung der Eignung der Fair Value Bilanzierung von Finanzinstrumenten für die Rechnungslegung, ins­besondere in Krisenzeiten.

Zunächst werden in Kapitel 2 die grundlegenden Begriffe definiert. Es folgt die Überprüfung des Fair Value Konzeptes anhand der Rechnungslegungs­funktionen des HGB und der IFRS, dabei wird auf Verbesserungsmöglich­keiten eingegangen. Diese beiden Rechnungslegungssysteme wurden gewählt, da sie für deutsche Unternehmen von besonderer Bedeutung sind. Das HGB ist im Rahmen des Einzelabschlusses relevant. Die IFRS sind für den Konzernabschluss bei Kapitalgesellschaften zwingend vorgeschrieben. Abschließend wird als Alternative zum Fair Value das Konzept der Anschaffungskosten auf die Erfüllung der Rechnungslegungsfunktionen überprüft. Im letzten Kapitel folgt eine Zusammenfassung und Beurteilung der Ergebnisse.

2. Begriffsklärung

2.1. Finanzinstrumente

Im HGB wird der Begriff der Finanzinstrumente aufgrund seiner ständigen Weiterentwicklung und Vielfalt nicht definiert.[3]

Die IFRS verstehen darunter „Verträge, die bei der einen Vertragspartei zu einem finanziellen Vermögenswert und bei der anderen Vertragspartei zu einer finanziellen Verbindlichkeit führen.“[4]

Es kann in originäre Finanzinstrumente, z. B. Aktien, GmbH-Anteile und Schuldverschreibungen, sowie derivate Finanzinstrumente, z. B. Optionen, Swaps, Forwards und Futures, unterschieden werden.[5]

Alle Finanzinstrumente im HGB werden zu Anschaffungskosten bewertet.[6] Die einzige Ausnahme bildet der Handelsbestand von Kredit- und Finanz­dienstleistungsunternehmen, der zum Zeitwert bilanziert wird.[7]

Dem Handelsbestand werden Finanzinstrumente zugeordnet, bei denen im Zugangszeitpunkt die Absicht besteht „aus kurzfristigen Preisschwankungen Gewinne zu erzielen. Davon ist regelmäßig auszugehen, wenn Finanz­instrumente zum Zweck der Spekulation erworben werden.“[8] Die Zuordnung zum Handelsbestand kann ausschließlich zum Zeitpunkt des Erwerbes erfolgen, wobei der Handel auf einem aktiven Markt voraus­gesetzt wird.[9] Finanzinstrumente, deren Zeitwertermittlung lediglich durch finanzmathematische Bewertungsverfahren möglich ist, sind somit von der Fair Value Bilanzierung ausgeschlossen.

Umgliederungen in oder aus dem Handelsbestand und damit verbundene Änderungen der Bewertungsprinzipien zwischen Fair Value und Anschaffungskosten sind nur unter außergewöhnlichen Umständen möglich. Solche Umstände sind beispielsweise schwerwiegende Beeinträchtigungen der Handelbarkeit oder die Aufgabe der Handelsabsicht durch grundlegende Marktstörungen.[10]

In den IFRS werden vier Kategorien von Finanzinstrumenten mit unter­schiedlicher Bilanzierung unterschieden.

Der „Handelsbestand“ (at fair value through profit or loss) wird zum Zeitwert bilanziert. Er enthält freiwillig zum Fair Value zu bewertende Finanzinstrumente (designated at fair value) und zu Handelszwecken gehaltene Finanzinstrumente (held for trading). In diese Kategorie werden alle derivaten Finanzinstrumente eingegliedert. „Bis zur Endfälligkeit zu haltende Finanzinstrumente“ (held to maturity) werden zu Anschaffungs­kosten bewertet. In diese Kategorie werden Finanzinstrumente mit festen und bestimmbaren Zahlungen, die durch das Unternehmen bis zur Endfälligkeit gehalten werden sollen und können, eingeordnet. Ebenfalls zu Anschaffungskosten bewertet werden „ausgereichte Kredite und Forde­rungen“ (loans and receivables). Es handelt sich um Finanzinstrumente mit festen oder bestimmbaren Zahlungen, die nicht auf einem aktiven Markt gehandelt werden. „Jederzeit verfügbare Finanzinstrumente“ (available for sale) werden mit dem Fair Value bewertet. Dieser Kategorie werden alle Finanzinstrumente zugeordnet, die in keine andere Kategorie eingeordnet wurden.[11]

2.2. Fair Value

Die Begriffe Fair Value und beizulegender Zeitwert werden im Folgenden synonym verwendet.

Das HGB definiert den Begriff des beizulegenden Zeitwertes nicht.[12]

Auch in den IFRS gibt es keine standardübergreifende Definition im Framework, allerdings wird der Fair Value in mehreren Standards einheitlich als „Betrag, zu dem zwischen sachverständigen, vertragswilligen und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern ein Vermögens­gegenstand getauscht oder eine Schuld beglichen werden könnte“[13], verstanden. Das Sachverständnis ist nötig, um ausreichende Kenntnisse über Eigenschaften sowie Nutzungsmöglichkeiten und demzufolge über den tatsächlichen Wert zu haben. Der Vertragswille verhindert Notverkäufe, die nicht Grundlage der Zeitwertermittlung sein dürfen. Desweiteren müssen die Vertragspartner unabhängig sein, um den ökonomischen Marktpreis zu erzielen.

Im HGB werden Finanzinstrumente des Handelsbestandes von Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten teilweise erfolgswirksam über die GuV, teilweise erfolgsneutral über den „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ zum Zeitwert abzüglich eines Risikoabschlages bilanziert.[14] Es müssen jährlich mindestens zehn Prozent des Nettoertrages des Handelsbestandes von Finanzinstrumenten in den „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ eingestellt werden. Der Sonderposten darf nur zum Ausgleich von Nettoaufwendungen aufgelöst werden oder wenn mehr als fünfzig Prozent der durchschnittlichen Nettoerträge innerhalb der letzten fünf Jahre eingestellt wurden.[15]

Die IFRS bewerten den „Handelsbestand“ erfolgswirksam über die GuV zum Fair Value.[16] Die „jederzeit verfügbaren Finanzinstrumente“ werden ebenfalls mit zum Fair Value bewertet, allerdings erfolgt die Bilanzierung erfolgsneutral über die Neubewertungsrücklage direkt ins Eigenkapital.[17]

Die Ermittlung des Fair Value erfolgt mittels eines Stufenkonzeptes mit hierarchischer Gliederung.[18]

Auf der ersten Stufe kann der Marktwert eines identischen Finanzinstrumentes auf einem aktiven Markt festgestellt werden. Der Fair Value entspricht dem Marktpreis.[19]

Die zweite Stufe ermöglicht die Ermittlung des Marktpreises von einem ähnlichen Finanzinstrument auf einem aktiven Markt. Der Marktpreis dieses Finanzinstrumentes wird mit Anpassungen übernommen. Es handelt sich bei dem Fair Value um einen Vergleichswert.

Die ersten beiden Stufen werden durch den direkten Bezug zu einem aktiven Markt als „mark-to-market“ bezeichnet.[20]

Auf der dritten Stufe ist die Ermittlung des Fair Value nur durch finanz­mathematische Bewertungsmodelle, z. B. das Discounted-Cashflow­Verfahren, möglich, da kein aktiver Markt vorhanden ist. Daher ist der Fair Value ein Schätzwert. Im Gesetz ist weder eine abschließende Aufzählung noch eine umfassende Beschreibung der Modelle zu finden. Die dritte Stufe wird als „mark-to-model“ bezeichnet.[21]

Der Fair Value entspricht den fortgeführten Anschaffungskosten, wenn es nicht möglich ist auf den vorherigen Stufen einen verlässlichen Wertansatz zu ermitteln.[22]

[...]


[1] Vgl. Pfaff (2008), S. 85.

[2] Vgl. Bieg et al. (2008), S. 2549-2552.

[3] Vgl. Bieg et al. (2009), S. 95.

[4] S. IAS 39.8.

[5] Vgl. [1]Bieg et al. (2009), S. 95.

[6] S. § [1]253 Abs. 1 S. 1 HGB.

[7] S. § 340e Abs. 3 S. 1 HGB.

[8] S. Bieg et al. (2009), S. 96.

[9] Vgl. Brinkmann (2008), S. 334.

[10] S. § 340e Abs. 1 S. 3 HGB.

[11] Vgl. Niehaus (2008), S. 1171.

[12] Vgl. Bieg et al. (2009), S. 91.

[13] S. Pfaff/Möller (2008), S. 87.

[14] S. § 340e Abs. 3 S. 1 HGB.

[15] S. §§ 340e Abs. 4, 340g HGB.

[16] S. IAS 39.

[17] S. IAS 39.

[18] S. § 255 HGB und IAS 39.

[19] S. § 255 Abs. 4 S. 1, 2 HGB.

[20] Vgl. Veron (2008), S. 2.

[21] Vgl. Veron (2008), S. 2.

[22] S. § 253 Abs. 1 S. 1 HGB.

Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640782260
ISBN (Buch)
9783640782567
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163056
Institution / Hochschule
Universität Rostock
Note
1,8
Schlagworte
Fair-Value-Bilanzierung Finanzinstrumenten Auslaufmodell State-of-the-Art

Autor

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Titel: Die Fair-Value-Bilanzierung von Finanzinstrumenten