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Nachhaltige Tourismusentwicklung in Tirol im Hinblick auf kulturelle Identität und Gastfreundschaft

Bachelorarbeit 2010 101 Seiten

Touristik / Tourismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Forschungsfrage
1.4 Hypothesen
1.5 Aufbau der Bachelorarbeit

2. Grundlagen Tourismus
2.1 Definition Fremdenverkehr/Tourismus
2.2 Historie
2.3 Key Facts Tiroler Tourismus
2.4 Der Tiroler Weg
2.5 Fazit Tourismusentwicklung

3. Nachhaltiger Tourismus
3.1 Definition nachhaltige Entwicklung
3.2 Entwicklung nachhaltiger Tourismus
3.3 Nachhaltigkeit aus der Sicht der touristischen Marktteilnehmer
3.4 Ziele des nachhaltigen Tourismus
3.5 Nachhaltigkeit als Trend
3.6 LOHAS
3.6.1 Werte der LOHAS
3.6.2 Merkmale der LOHAS
3.6.3 Sichtweise der LOHAS
3.6.4 Konsequenzen der LOHAS für den Tourismus
3.7 Fazit nachhaltiger Tourismus

4. Einflussfaktor kulturelle Identität
4.1 Definition kulturelle Identität
4.2 Krippendorfs Tourismuswachstumsmaschine
4.2.1 Die sieben Nutzen und Gefahren des Tourismus
4.2.2 Frage nach dem Saldo der Kosten und Nutzen
4.2.3 Die Tourismuswachstumsmaschine - das Modell
4.3 Das Vier-Kulturen-Schema von Thiem
4.3.1 Ziele des Vier-Kulturen-Schemas
4.3.2 Auswirkungen der Dienstleistungskultur auf die Kultur der Zielregion
4.4 Fazit der Betrachtungsweise von Krippendorf und Thiem
4.5 Kulturelle Identität in Zahlen
4.6 Landwirtschaft als Kulturträger im Tourismus
4.7 Kulturelle Identität
4.8 Hypothese 1

5. Einflussfaktor Gastfreundschaft
5.1 Definition Gastfreundschaft
5.2 Nachhaltige Gastfreundschaft
5.3 Gastfreundschaft aus der Sicht der Bereisten
5.4 Gefahren übermäßiger gastorientierter Gastfreundschaft
5.5 Der Mensch im Mittelpunkt des touristischen Alltags
5.6 Gastfreundschaft in Zahlen
5.7 Hypothese 2

6. Handlungsempfehlung

7. Conclusio
7.1 Kritische Reflexion
7.2 Ausblick

8. Literatur- und Quellenverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Dreiklang im Sustainable Development

Abbildung 2: Abgrenzung des Begriffs Tourismus

Abbildung 3: Erweiterung des ursprünglichen Tourismusbegriffes

Abbildung 4: Gegenüberstellung der Tourismusentwicklung

Abbildung 5: Entwicklung der Bevölkerung

Abbildung 6: Entwicklung der Ankünfte

Abbildung 7: Entwicklung der Nächtigungen

Abbildung 8: Nächtigungen nach den wichtigsten Herkunftsländern

Abbildung 9: Entwicklung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer

Abbildung 10: Entwicklung der Tourismusintensität

Abbildung 11: Entwicklung der Arbeitskräfte im Tourismus

Abbildung 12: Entwicklung der ausländischen Arbeitskräfte im Tourismus

Abbildung 13: Tiroler Weg- Ziele

Abbildung 14: Bedingungen einer nachhaltigen Entwicklung

Abbildung 15: vom „engen“ zum „weiten“ sanften Tourismus

Abbildung 16: Components of different definitions of sustainability

Abbildung 17: Das touristisch-ökonomische Grundmodell

Abbildung 18: Tourismuspolitischer Dreiklang der Nachhaltigkeit

Abbildung 19: CSR Befragung Deutscher Haushalte

Abbildung 20: CSR Befragung Deutscher Haushalte

Abbildung 21: CSR Befragung Deutscher Haushalte

Abbildung 22: Die Kräfte der LOHAS

Abbildung 23: Trendmap

Abbildung 24: Konsequenzen des LOHAS für den Tourismus

Abbildung 25: Die Tourismuswachstumsmaschine

Abbildung 26: Vier Kulturen Schema nach Thiem

Abbildung 27: Zielrahmen zur Bewertung kultureller Auswirkungen

Abbildung 28: Traditionspflege in Tirol

Abbildung 29: Tourismus als Kulturmotor

Abbildung 30: Logo Kulinarisches Erbe

Abbildung 31: Logo Beste Österreichische Gastlichkeit

Abbildung 32: Logo Bewusst Tirol

Abbildung 33: Logo Tiroler Wirtshauskultur

Abbildung 34: Logo Brixentaler Kochart

Abbildung 35: Gastlichkeit und Gastfreundschaft

Abbildung 36: Entwicklung der Gastfreundschaft in Tirol

III. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Die Alpen gehören zu den touristisch am intensivsten genutzten Regionen weltweit. Rund 11% des Welttourismus und etwa ein Viertel des europäischen Tourismus finden im Alpenraum ihren Niederschlag.“ (Luger, 2007, S. 132)

Mit 43.139.250 Übernachtungen im Jahr 2009 ist Tirol das meist bereiste Land Österreichs, 34,7 Prozent der Gesamtnächtigungen in Österreich fallen in Tirol an (vgl. Tiroler Landesregierung, 2010a, online).

Tirol bleibt dabei aber trotzdem seinem Bekenntnis zur Nachhaltigkeit als eines der tourismusintensivsten Länder der Welt mit 65 Gästenächtigungen je Einwoh- ner im Jahr 2008 auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten weiter treu. Über 2/3 aller Tirol Urlauber sind Stammgäste mit hoher Wiederbesuchsabsicht. Der aus- geprägte Charakter Tirols, die authentische Kultur und Kulinarik des Landes, die geschätzte Tiroler Gastfreundschaft mit Gastgeberfamilien, die ihre Gäste wirk- lich kennen, das alles sind Werte und Leistungen, die Konjunktur haben (vgl. Tirol Werbung, 2009a, online).

Der Tiroler Weg, die Tiroler Tourismusstrategie bis 2012 verweist ebenfalls auf die übergeordnete Orientierung der Nachhaltigkeit (vgl. Tirol Werbung, 2008, S. 5).

1.1 Problemstellung

Aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise wird auch im Tourismus eine Wertberichtigung eingeleitet. Das Verhältnis von Wert und Gegenwert wird von den Kunden immer sensibler behandelt.

Zukünftig muss mehr auf die qualitativen Aspekte der offerierten Serviceleistun- gen Rücksicht genommen werden. Der Gast des 21. Jahrhunderts wird das Preis-Leistungsverhältnis permanent kritisch hinterfragen (vgl. Smeral, 2005, S. 299).

Der Kunde wird nicht auf seinen Urlaub verzichten, sondern er wird ihn viel be- wusster buchen und konsumieren. Der Kunde von heute stellt den Anspruch zu wissen, welche Produkte er konsumiert, woher diese stammen und ob diese fair produziert wurden. Das spiegelt die Wichtigkeit der nachhaltigen Tourismusent- wicklung wider.

2009 führte Frau Mag. FH Frischhut vom MCI Tourismus eine Studie durch, in der alle Geschäftsführer und Obleute der 36 Tiroler Tourismusverbände zum Thema Nachhaltigkeit und zu einzelnen Bereichen auf diesem Gebiet befragt wurden. Diese Studie stellt eine erste Einschätzung zum Stellenwert von Nach- haltigkeit sowie den Umsetzungsgrad von Maßnahmen in diesem Bereich dar. Kerneraussage der Studie ist, dass das Thema Nachhaltigkeit bereits einen rela- tiven hohen Stellenwert im Tiroler Tourismus hat. Weiters geben 14 der 17 Be- fragten an, dass Nachhaltigkeit in ihrem Leitbild bzw. in ihrer Strategie verankert ist (vgl. Frischhut, 2009, S. 3f).

Laut dieser Studie hat das Thema Nachhaltigkeit im Tourismus bereits einen hohen Stellenwert.

Der Autor glaubt, dass es in den letzten Jahren im Tiroler Raum zu einer Verwässerung der kulturellen Identität gekommen ist. Kann die kulturelle Identität in Tirol bei einer derart hohen Tourismusintensität bewahrt werden?

Wenn der österreichische Tourismus seine unverwechselbaren Stärken des bestehenden Angebotes, wie die gepflegte Landschaft oder die Kultur nicht gefährden will, muss der künftige Tourismus in eine korrekte Richtung gelenkt werden (vgl. Metzler, 1993, S. 75).

Als weiteren wichtigen Faktor für eine nachhaltige Tourismusentwicklung in Tirol erachtet der Autor die Gastfreundschaft.

Gastfreundschaft hat mit Geben und Nehmen zu tun. Was ist das richtige Maß dafür? Wie viel verlangt der Kunde und wie viel kann man geben?

Kann sich der Tiroler Tourismus mittels Gastfreundschaft bzw. die Servicequalität am internationalen Markt behaupten und wird es von den Urlaubern geschätzt?

Stärken des europäischen Tourismus sind die Qualität der Dienstleistungen, die Einmaligkeit der Landschaften und die Vielfalt des kulturellen Erbes. Qualitäts- steigerung, Entwicklung und Bewahrung von Vielfalt der Kultur, Sicherung der Umwelt sind daher korrekte Wege, die die wirtschaftliche Zukunft sichern werden. Qualitative Aspekte dürfen nicht als Hochpreispolitik verstanden werden. Trends wie Erlebnis und Entfaltung im Urlaub müssen mit neuen Angeboten befriedigt werden. Die Urlaubsregionen mit ihren natürlichen, kulturellen, sozialen und kuli- narischen Aspekten und die Entfaltung durch Zeit für Kreativität gewinnen an Bedeutung (vgl. Baumgartner, 2000, S. 24).

„Der Schwerpunkt wird dabei in Zukunft von der Hardware - der touristischen Infrastruktur - zur Software verlagert werden: Betreuung und Beratung anstelle von Betten und Bedienung. Reiseveranstalter werden gemeinsam mit den Anbie- tern in den Regionen neue Produkte entwickeln, bei welchen Erlebnis, Bildung und Kommunikation im Mittelpunkt stehen.“ (Baumgartner, 2000, S. 24)

1.2 Zielsetzung

Zielsetzung der Arbeit ist es, aufbauend auf dem Modell des nachhaltigen Tourismus die Aspekte der kulturellen Identität und Gastfreundschaft zu erläutern und einen Zusammenhang herzustellen.

Der Autor versucht die Ansätze für den Tiroler Tourismus in einer Handlungsempfehlung darzustellen. Der Autor geht davon aus, dass diese 2 Aspekte wichtig sind, um eine nachhaltige Tourismusentwicklung zu gewährleisten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Dreiklang im Sustainable Development UNWTO, entnommen aus (Baumgartner, 2000, S. 10)

1.3 Forschungsfrage

Welche Rolle spielen kulturelle Identität und Gastfreundschaft im System des nachhaltigen Tourismus?

1.4 Hypothesen

Hypothese 1

Die Bewahrung der kulturellen Identität ist wichtig, um eine nachhaltige Entwicklung im Tiroler Tourismus zu gewährleisten.

Hypothese 2

Gastfreundschaft wirkt sich auf den nachhaltigen Tiroler Tourismus positiv aus.

1.5 Aufbau der Bachelorarbeit

In der Einleitung soll dem Leser das Thema näher gebracht werden. Dabei wird kurz auf die Ausgangslage, die Problemstellung, die eigentliche Zielsetzung, die Forschungsfrage, die Hypothesen sowie auf den Aufbau der Arbeit eingegangen.

Im ersten Kapitel wird der Autor den Begriff Tourismus definieren und auf die Entwicklung des Tourismus in Tirol und im alpinen Raum eingehen, hier steht der Begriff der Nachhaltigkeit im Vordergrund. Darüber hinaus wird auf die Tiroler Landestourismusstrategie Bezug genommen - Der Tiroler Weg.

Im zweiten Kapitel werden zentrale Begriffe wie Nachhaltigkeit und Tourismus anhand von theoretischen Grundlagen erläutert. Der Autor geht weiters auf den Trend Nachhaltigkeit und auf die Dimensionen des nachhaltigen Tourismus ein. Außerdem wird der Lifestyle of Health and Sustainability diskutiert.

Im dritten Kapitel deutet der Autor den Einflussfaktor kulturelle Identität und versucht ihn mit nachhaltigem Tourismus in Verbindung zu bringen und durch bestehende Studien zu belegen.

Im vierten Kapitel erklärt der Autor den Einflussfaktor Gastfreundschaft und versucht ihn mit nachhaltigem Tourismus in Verbindung zu bringen und durch bestehende Studien zu belegen.

Das fünfte Kapitel stellt eine Handlungsempfehlung des Autors dar.

Eine kritische Reflexion und einen Ausblick in die Zukunft des Tiroler Tourismus enthält Kapitel sechs.

2. Grundlagen Tourismus

2.1 Definition Fremdenverkehr/Tourismus

Der Begriff Tourismus ist als Bestandteil der deutschen Sprache erst seit 1945 nachweisbar (vgl. Opaschowski, 1989, S. 13).

Damit soll der Sachverhalt Fremdenverkehr ausgedrückt werden, die die historische gewachsene Bezeichnung im deutschsprachigen Raum für Tourismus ist, da aber das Wort fremd eher negativ besetzt ist, wird allgemein für jene Phänomene, die mit Reisen in Beziehung stehen, das Wort Tourismus verwendet (vgl. Perathoner, 2000, S. 239).

„Fremdenverkehr ist der Inbegriff der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt Ortsfremder ergeben, sofern daraus keine dauernde Niederlassung entsteht und damit keine Erwerbstätigkeit verbunden ist.“ (Hunziker & Krapf, 1941)

Diese Definition enthält wesentliche Eigenschaften des heutigen Urlauberreise- verkehrs: temporärer Ortswechsel zeitlich begrenzte Mobilität und Ausschluss erwerbstätiger Zwecke Was der klassischen Fremdenverkehrsdefinition im Vergleich zum heutigen Tourismusbegriff fehlt, ist der motivationale Aspekt, die individuellen Urlaubsbedürfnisse nach Ruhe und Erholung, nach Unterhaltung und Vergnügen, nach Komfort und Luxus, nach Kontrast und Kultur. Die Begriffe Fremdenverkehr und Tourismus werden gleichbedeutend verwendet, sie umfassen den nationalen und internationalen Reiseverkehr (vgl. Opaschowski, 2002, S. 21).

Tourismus ist die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Reisen und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthalts- ort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist (vgl. Kaspar, 1996, S. 16).

„Nach übereinstimmender Auffassung der Welttourismusorganisation (UNWTO), der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) sowie des Statistischen Amtes der Europäischen Gemeinschaft (SAEG) ist der Tourismusbegriff an zwei Grundvoraussetzungen gebunden:

Der Besuch eines Ortes außerhalb des gewöhnlichen Aufenthaltsortes ist nur vorübergehend Am Zielort ausgeübte Tätigkeiten werden nicht von dort entlohnt“. (Opaschowski, 2002, S. 21)

Bieger definiert folgende Merkmale des Tourismus:

Im Tourismus sind sowohl Geschäfts- als auch Freizeitreisen beinhaltet. Ausschlaggebend ist das Kriterium der Bewegung außerhalb der hauptsächlichen und dauernden Wohn- und Arbeitssituation.

Nicht nur Angebote wie Hotels, Bergbahnen oder Strände bzw. Märkte und Mittler wie Reiseveranstalter und Reisebüros, beinhaltet der Tourismus. Zum Tourismus zählen auch die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und ökologischen Folgen.

Der Tourismus ist nicht nur ein Teil der Wirtschaft, er ist auch Teil des Le- bens. Er umfasst den Menschen mit seinem Verhalten und seinen Wir- kungen außerhalb seiner gewöhnlichen Umgebung. Der Mensch verbringt immer weniger Zeit in seinem normalen Lebensumfeld. Wenn jemand seine gesetzlichen Ferien in einem westeuropäischen Industrieland aus- schöpft und eine durchschnittliche Zahl an Tages- und Wochenendreisen unternimmt, verbringt er 12-15 Prozent seines Lebens als Tourist, exklu- sive Geschäftsreisen. Bieger fügt hinzu, dass man in der Schule weitge- hend auf das Leben zu Hause, Arbeit und Familie, etc. vorbereitet wird, jedoch auf das Verhalten als Tourist sollte man ebenfalls hingeführt wer- den (vgl. Bieger, 2008, S. 2f).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Abgrenzung des Begriffs Tourismus entnommen aus (Bieger, 2008, S. 2)

Die alte Tourismusdefinition wurde um zwei Dimensionen erweitert. Erstens wird die Art der erfassten Reisen betrachtet und zweitens werden die betrachteten Effekte berücksichtigt (vgl. Bieger, 2004, S. 38).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Erweiterung des ursprünglichen Tourismusbegriffes, eigene Darstellung in Anlehnung an (Bieger, 2004, S. 38)

„Der Tourismus wird damit als Erscheinungsform über das Verhalten der Men- schen anhand der Tourismusnachfrage definiert. Aufgrund dieser eher breiten systemorientierten Definition können auch nicht einfach Tourismusbranchen ab- geleitet werden. Es können aber Branchen mit einer größeren oder kleineren Abhängigkeit vom Tourismus (d.h. von der Tourismusnachfrage) abgegrenzt werden.“ (Bieger, 2004, S. 38)

2.2 Historie

Die geschichtliche Entwicklung wird im Anhang detailliert erläutert. Kernerkennt- nis der Recherche ist die Gegenüberstellung der Tourismusentwicklung in den Alpen und in Tirol sowie der Beginn erster Nachhaltigkeitsbestrebungen im Tou- rismus in den siebziger Jahren (vgl. Anhang 1.1 Tourismus in den Alpen und 1.2 Tourismus in Tirol).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Gegenüberstellung der Tourismusentwicklung in den Alpen und in Tirol, eigene Darstellung

2.3 Key Facts Tiroler Tourismus

Nachstehend werden die touristisch relevanten Daten der letzten Jahre darge- stellt:

Die Bevölkerungsentwicklung in Tirol hat seit 1981 einen steigenden Verlauf ge- nommen. Während in Österreich Steigerungen von rund 10 Prozent seit 1981 zu verzeichnen sind, liegen die Steigerungsraten in Tirol bei rund 19,5 Prozent.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Entwicklung der Bevölkerung, eigene Darstellung Daten entnommen von (Statistik Austria, 2009b, online)

In Tirol wurden im Winter 2009 rund 5 Millionen und im Sommer rund 4,1 Millio- nen Ankünfte verzeichnet. Im Sommer ist in den letzten 10 Jahren eine Steige- rung von 14,2 Prozent zu verzeichnen, im Winter sogar eine Steigerung von 26,4 Prozent. In den letzten 10 Tourismusjahren1 ist eine Steigerung von 20,5 Prozent zu verzeichnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Entwicklung der Ankünfte, eigene Darstellung Daten entnommen von (Tiroler Landesregierung, 2010a, online)

Die Nächtigungsentwicklung im Winter weist in Tirol Steigerungsraten auf. Ein kleiner Rückgang in den Wintersaisonen 2005/06 und 2006/07 ist zu verzeichnen, der neue Rekord in den Wintersaisonen 2007/08 und 2008/09 konnte praktisch gehalten werden.

Die Anzahl der Nächtigungen in der Sommersaison verhält sich seit Anfang der neunziger Jahre rückläufig, jedoch im Sommer 2007 und 2008 sind Nächtigungs- steigerungen zu verzeichnen. 2009 konnte das Vorjahresniveau gehalten wer- den. In den letzten 10 Tourismusjahren sind im Sommer die Nächtigungen mit 1,8 Prozent rückläufig, im Winter ist eine Steigerung von rund 18 Prozent zu ver- zeichnen.

Das Verhältnis der Nächtigungen von Winter und Sommer ist bei rund 59 Prozent zu 41 Prozent. Gesamt ist in den letzten 10 Tourismusjahren eine Steigerung von 9,1 Prozent zu verzeichnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Entwicklung der Nächtigungen, eigene Darstellung Daten entnommen von (Tiroler Landesregierung, 2010a, online)

Deutschland stellt den größten Quellmarkt mit 52 Prozent dar, gefolgt von Niederlande und Österreich. Im Winter wurden in den letzten 10 Jahren in allen Quellmärkten außer in Deutschland Zuwachsraten verzeichnet. Hohe Zuwachsraten sind in Zentraleuropa Skandinavien und Irland zu verbuchen. Im Sommer sind bei den Quellmärkten Deutschland, Belgien, Frankreich, Vereinigtes Königreich, USA und Schweden Verluste zu verzeichnen, hohe Zuwachsraten wurden von Ungarn, Tschechien und der Schweiz generiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Nächtigungen nach den wichtigsten Herkunftsländern im Tourismusjahr 2009, eigene Darstellung Daten entnommen von (Tiroler Landesregierung, 2010a, online)

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sank in den letzten 10 Jahren von 5,2 Tage auf rund 4,7 Tage. Die Gäste verweilen im Winter 5,1 Tage und im Sommer 4,3 Tage.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Entwicklung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer, eigene Darstellung Daten entnommen von (Tiroler Landesregierung, 2010a, online)

Mit 65 Nächtigungen pro Einwohner weist Tirol eine der stärksten Tourismusintensitäten weltweit auf. Ständige Bevölkerungs- sowie Nächtigungssteigerungen sind zu verzeichnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Entwicklung der Tourismusintensität, eigene Darstellung Daten entnommen von (Statistik Austria, 2009a, online)

Die Entwicklung der Arbeitnehmer im Tourismus weist ständiges Wachstum auf. Die Zahlen von 2008 können auf Grund der ÖNACE2 Umstellung nicht direkt mit dem Vorjahr verglichen werden. Insgesamt sind im Tiroler Tourismus rund 53.000 Personen beschäftigt (vgl. Tirol Werbung, 2009b, S. 29).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Entwicklung der Arbeitskräfte im Tourismus, eigene Darstellung Daten entnommen von (Wirtschaftskammer Österreich, 2009b, S. 14)

Die Entwicklung der ausländischen Arbeitnehmer im Tourismus weist ein ständiges Wachstum auf, die Zahlen aus 2008 können auf Grund der ÖNACE Umstellung nicht direkt mit dem Vorjahr verglichen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12: Entwicklung der ausländischen Arbeitskräfte im Tourismus, eigene Darstellung Daten entnommen von (Wirtschaftskammer Österreich, 2009b, S. 14)

Der Tourismus in Tirol generiert € 6 Milliarden Umsatz, davon stammen € 5 Milli- arden aus dem Nächtigungstourismus und € 1 Milliarde aus dem Tagestouris- mus. Die touristische Wertschöpfung Tirols beträgt € 3 Milliarden, wovon € 2,6 Milliarden aus dem Nächtigungstourismus und € 0,4 Milliarden aus dem Tages- tourismus generiert werden. Der Anteil des Tourismus am BIP3 in Tirol beträgt im Schnitt 15,4 Prozent, wobei dieser Wert in den Tourismuszentren weit höher ist. Für Österreich liegt der Anteil des BIP bei 6,4 Prozent (vgl. Tirol Werbung, 2009b, S. 29).

2.4 Der Tiroler Weg

„Der Tiroler Tourismus soll auch künftig ein zentraler Wirtschafts- und Wohlstandsfaktor für das gesamte Land sein. Der Masterplan Tiroler Weg - Strategien für den Tiroler Tourismus 2008 bis 2012 ortet konkrete Handlungsfelder rund um innovative Angebotsentwicklung, Unternehmer, Raum und Umwelt, Destinationen sowie die neue Rolle der Tirol Werbung im Zusammenspiel mit den touristischen Akteuren.“ (Tirol Tourism Research, 2010, online)

Die Tirol Werbung definierte mit dem Tiroler Weg folgende Strategie:

Die Nachhaltigkeit hat im Tiroler Weg eine übergeordnete Stellung. Die touristi- sche Kompetenz in allen Segmenten im Sinne der Nachhaltigkeit steht im Kern des Tiroler Wegs. Diese werden verstanden als Kompetenzen im Hinblick auf:

Angebotsgestaltung Innovation Aus- und Weiterbildung Strukturierung der Zusammenarbeit etc.

Tirol soll sich mit diesen Handlungskompetenzen von Mitbewerbern deutlich abheben. Des Weiteren werden 2 Hauptziele definiert, ein Gleichgewicht an Lebens- und Erholungsraum soll entstehen.

Erstes geht das Ziel in Richtung Gast, hier steht Tirol als Erholungsraum mit Gastfreundschaft und Atmosphäre. Mit der Bildung von starken Destinationsmar- ken und mit der Gestaltung von innovativen, naturnahen Angeboten soll das er- reicht werden.

Zweitens geht es in Richtung Unternehmer und Bevölkerung. Hier steht Tirol als Lebensraum mit Tourismus als Wirtschafts- und Wohlstandsfaktor, der vor allem durch Spitzen-Unternehmertum und günstiger, unkomplizierter Erreichbarkeit realisiert werden soll (vgl. Tirol Werbung, 2008, S. 3ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 13: Tiroler Weg- Ziele entnommen aus (Tirol Werbung, 2008, S. 9)

Zusätzlich wurden sogenannte BEHAGs4 zu folgenden Handlungsfeldern defi- niert:

„Angebotsentwicklung: Tirol = Themenführer bei innovativen Freizeitund Erholungsprodukten im alpinen Raum Marketing und Vertrieb: Tirol = die beliebteste und stärkste Marke im Alpenraum und als solche auf den relevanten Märkten präsent Die Unternehmer: Tirol = im Alpenraum ein wichtiger Standort für touris- tische Investitionen Die Innovationsförderung: Tirol = Synonym für spannende und hochwertige Innovationen im Alpentourismus Die Aus- und Weiterbildung: Tirol = ist das Zentrum für touristische Ausund Weiterbildung im alpinen Tourismus Raum und Umwelt: Tirol = ein attraktiver und gut erreichbarer Erholungsraum mit einer intakten hochwertigen und nachhaltig inszenierten Kultur und Naturlandschaft Die Destinationen: Tirol = die Summe starker und professionell geführter Destinationsmarken Die Tirol Werbung: Tirol = professionelle und vernetzte Marktbearbei- tung der Leistungsträger und ihrer Institutionen“ (Tirol Werbung, 2008, S. 16ff)

2.5 Fazit Tourismusentwicklung

Der Tiroler Tourismus trägt maßgeblich zur Wertschöpfung in Tirol bei, er bietet für insgesamt 53.000 Personen eine Beschäftigung, und stellt für rund 36.000 Personen eine Arbeitsstätte (vgl. Tirol Werbung, 2009b, S. 29).

Vergleicht man die Entwicklung des Tiroler Tourismus mit der Entwicklung des Tourismus in den Alpen, so ist ersichtlich, dass die Tirol-spezifische Entwicklung oft auf einige Einzelpersonen zurückzuführen ist. Am Beginn stand der Sommertourismus im Vordergrund, dann entwickelte sich erst der Wintertourismus. Heute spielt der Sommer-, als auch der Wintertourismus eine nahezu gleichbedeutende Rolle, Tirol entwickelt sich zur Ganzjahresdestination.

Erste Gedanken zum Thema nachhaltiger Tourismus entstanden in den siebziger Jahren.

Die Tiroler Tourismusstrategie, mit deren neuer Strategie, dem sogenannten Ti- roler Weg 2008-2012, dem viele Projekte und Strategien vorausgingen, gibt dem Tiroler Tourismus eine klare Richtung vor, eine nachhaltige Entwicklung steht im Vordergrund.

3. Nachhaltiger Tourismus

Baumgartner führt aus: 1992 unterzeichneten in Rio de Janeiro, die Regierungs- vertreter von 150 Staaten das Schlussdokument der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung und machten somit die politische Zielbe- stimmung einer nachhaltigen Entwicklung für sich verbindlich. Zeitgleich wurde eine politische Agenda für das 21. Jahrhundert verabschiedet, die als weltweites Programm darauf abzielt, ökologische, soziale und wirtschaftliche Entwicklungs- faktoren zu vernetzen und diese in einem Sustainable-Development-Konzept integriert umzusetzen. Der leitende Gedanke der nachhaltigen Entwicklung, als Grundlage eines Entwicklungsprogrammes für 150 Länder ist damit Ausdruck eines völkerrechtlich einmaligen Abkommens, nie zuvor haben so viele Regie- rungen sich auf eine gemeinsame globale Entwicklungsstrategie geeinigt. Kurz nach der Rio-Konferenz wurden in Österreich erste Maßnahmen ergriffen, die diesen Leitgedanken in unterschiedliche Politikstrategien aufzunehmen und um- zusetzen. Erst 1999 befasste sich die jährliche Nachfolgekonferenz von Rio, die CSD-7, intensiv mit dem Tourismusthema. Es kam zu übereinstimmenden End- ergebnissen, die alle Stakeholder, Politik, wie Tourismuswirtschaft sowie NGOs auf ihre gemeinschaftliche Verantwortung für Nachhaltigkeit im Tourismus hin- weisen (vgl. Baumgartner, 2000, S. 3).

3.1 Definition nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeit ist ein Begriff der ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammt. Darunter ist zu verstehen, dass nur so viel Holz pro Zeiteinheit geschlagen werden darf, wie insgesamt qualitativ und quantitativ wieder nach wachsen kann (vgl. Müller & Flügel, 1999, S. 42).

Nachhaltige Entwicklung zielt darauf ab, eine Zufriedenstellung der Bedürfnisse der heutigen Generation zu erreichen, ohne die Ressourcen aufs Spiel zu setzen, die für kommende Generationen verfügbar sein sollten. Das heißt für die ökologisch sensiblen Berggebiete, dass eine nötige und mögliche wirtschaftliche Entwicklung nicht die lebenswichtige Ressource Landschaft und die langfristige ökologische Stabilität bedrohen darf. Einige Beispiele dieser Maßnahmen sind Erhalt der Biodiversität5, Schutz vor Naturgefahren durch Schutzwälder, etc. (vgl. Brandner, Hirsch, Meier-Dallach, et al., 1995, S. 152).

Müller versteht unter nachhaltiger Entwicklung jene Zunahme der Lebensqualität das heißt des wirtschaftlichen Wohlstandes und des subjektiven Wohlbefin- dens, die mit geringerem Einsatz an nicht vermehrbaren Ressourcen sowie einer abnehmenden Belastung der Umwelt und der Menschen erzielt wird, mit dem Ziel, die Optionen zukünftiger Generationen nicht zu beschneiden (vgl. Müller, 2007, S. 28).

Der Autor stellt fest, dass das Wort Nachhaltigkeit trotz seiner Wichtigkeit wenig Emotion in sich birgt. Vielfach wird in Vorträgen oder in Artikeln das Wort Enkeltauglichkeit verwendet, das synonym für Nachhaltigkeit oder fähig für künftige Generationen verwendet wird. Enkeltauglichkeit meint nachhaltig, dauerhaft, zukunftsfähig. Mit der neuen Wortschöpfung soll das Leitbild der Nachhaltigkeit plastisch und begreifbar werden, zudem birgt das Wort mehr Emotion in sich (vgl. Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit, 2010, online).

Für die Umsetzung des Konzeptes der nachhaltigen Entwicklung wird von 3 Dimensionen ausgegangen. Damit die Maßnahmen und Projekte für die Nachwelt verträglich sind, müssen diese die ökologische, wirtschaftliche und soziale Dimension berücksichtigen (vgl. Bieger, 2004, S. 279).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 14: Bedingungen einer nachhaltigen Entwicklung entnommen aus (Bieger & Frey, 1999, S. 6)

[...]


1 Das Tourismusjahr weicht vom Kalenderjahr ab, es wird der Zeitraum Sommer und Wintersaison des jeweiligen Jahres zur Berechnung herangezogen. Zum Beispiel Tourismusjahr 2009 = Sommersaison 2008 und Wintersaison 2008/09

2 „In der Europäischen Union verwendet man die NACE (Nomenclature général des activités économiques dans les communautés européennes) als Aktivitätsklassifikation. Die österreichische Version ist die ÖNACE 2008.“ (Wirtschaftskammer Österreich, 2008, S. 2)

3 „Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist ein Maß für die im Inland (pro Jahr) entstandene wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft.“ (Wirtschaftskammer Österreich, 2009a, online)

4 Big Hairy Audacious Goals = Hochgesteckte riskante Ziele

5 „Biologische Vielfalt oder kurz Biodiversität - diese Begriffe haben in den letzten Jahren beachtliche Bekanntheit erlangt und werden heute nicht nur von Biologen, sondern auch in Medien und Politik oft verwendet.“ (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, 2004, S. 5)

Details

Seiten
101
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640779291
ISBN (Buch)
9783640779314
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v162911
Institution / Hochschule
Management Center Innsbruck Internationale Fachhochschulgesellschaft mbH
Note
2
Schlagworte
Nachhaltige Tourismusentwicklung Tirol Hinblick Identität Gastfreundschaft

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Titel: Nachhaltige Tourismusentwicklung in Tirol im Hinblick auf  kulturelle Identität  und Gastfreundschaft