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Kognitive Entwicklungstheorie nach Jean Piaget

Studienarbeit 2010 33 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Grundbegriffe der Theorie der kognitiven Entwicklung nach Piaget

3. Kognitive Entwicklung als Abfolge strukturell verschiedener Perioden Entwicklungsstufen Piagets
3.1. Die Periode der sensomotorischen Intelligenz
3.2.Die Periode des voroperationalen Denkens (ca. 2 - 7 Jahre)
3.3.Die Periode der konkreten Operationen (ca. 7 - 11 Jahre)
3.4. Die Periode der formalen Operationen (ab ca. 11 Jahren)

4. Piagets Theorie als Leitfaden für die Erziehung, speziell für Lehrer

5. Zusammenfassung und kritische Anmerkungen zu Piagets Theorie

Anlage

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ziel der vorliegenden Studienarbeit ist es, einen Einblick in die Theorie Jean Piagets in bezug auf die geistliche Entwicklung von Kindern zu geben. Die geistige Entwicklung von Zeit der Geburt des Kindes, bis hin zum Jugendalter besitzt verschiedene Facetten und ist auch aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. In meiner Arbeit werde ich die Entwicklung aus Entwicklungspsychologischer Sicht beleuchten. Die Entwicklung von Kindern konnte ich in meiner einjährigen Tätigkeit im Rahmen des freiwilligen sozialen Jahres und durch ehrenamtliches arbeiten in verschiedenen Jugendclubs beo- bachten. Schon damals war ich fasziniert von den Entwicklungsständen und Entwick- lungssprüngen die die Kinder und Jugendliche in dieser Zeit machten. Aus diesem Grund möchte ich mich mit dem Thema der kognitiven Entwicklung näher beschäfti- gen. Der Schweizer Psychologe Jean Piaget (1896 - 1980) liefert bis heute die umfas- sendste Theorie zur Entwicklung des kindlichen Denkens. Er hat die Entwicklungspsy- chologie auf dem Gebiet der kognitiven Entwicklung stark geprägt. In vielen Untersu- chungen wurden seine theoretischen und empirischen Erkenntnisse überprüft, ergänzt und korrigiert. In nahezu jedem Lehrbuch der Entwicklungspsychologie werden seine Positionen ausführlich dargestellt. Jedoch stellt sich mir die Frage, inwieweit seine Theorie heute noch Gültigkeit hat, bzw. inwieweit sie heute noch anwendbar ist. Und desweiteren wie kann Piagets Theorie der geistigen Entwicklung für die Erziehungspra- xis genutzt werden?

Zu Beginn meiner Arbeit werde ich eine kurze Definition der kognitiven Entwicklung geben und anschließend die Grundbegriffe, des varianten und invarianten Entwick- lungskontinuums, Piagets zur kognitiven Entwicklung auf, um ein besseres Verständnis für seine Theorie beschreiben. Zu den wesentlichsten und meist bekanntesten Bestim- mungsstücken seine Theorie gehört die Auffassung von der gesetzmäßigen Abfolge strukturell jeweils vier verschiedener Entwicklungsstufen. Diese vier Stufen werde ich ausführlich beschreiben und sie bilden somit den Hauptteil meiner Arbeit. Nachfolgend beschreibe ich, wie man Piagets Theorie in der Erziehung speziell im Unterricht, an- wenden kann. Über kritische Anmerkungen zu seinen Theorien werde ich im Zusam- menhang der Zusammenfassung eingehen. Meine Eigene Meinung wird dort auch zu finden sein.

2. Definition und Grundbegriffe der Theorie der kognitiven Entwick- lung nach Piaget

Unter kognitiver Entwicklung bezeichnet Piaget den Prozess zunehmender Gleichge- wichtsgewinnung zwischen den assimilatorischen und den akkommodatorischen Aus- tauchprozessen. Die kognitiven Strukturen wurden im Verlauf der Entwicklung immer differenzierter und komplexer. Zugleich verbinden sie sich stets in einer Art integrativen Prozess effektiver miteinander, so dass hieraus eine organismische Gesamtstruktur ent- steht. Differenzierung, Koordinierung und Generalisierung sind damit verbunden. Diese Strukturen entwickeln sich über einen beschränkten Gleichgewichtszustand zu einer Organisationsform, die ein bewegliches Gleichgewicht besitzt und durch Mobilität, Permanenz und Stabilität der kognitiven Strukturen gekennzeichnet ist. Die Verhaltens und Denkschemata der niedrigerenden Periode werden in die höheren Perioden der Entwicklung übernommen und in diese eingepasst (vgl. Bundschuh, 2008).

Piaget geht von einem Entwicklungskontinuum, zwischen Interaktion und Austausch- prozessen von Organismus und Umwelt, auf den frühesten Stufen der Entwicklung und höchsten kognitiven Leistungen, des Menschen aus. Der Begriff Entwicklungskonti- nuum beinhaltet auf der einen Seite Prozesse die identisch bleiben, Piaget nennt diese invariant. Auf der anderen Seite Prozesse, die sich im Laufe der menschlichen Entwick- lung verändern, diese nennt Piaget variabel (vgl. Buggle, 1997). Im folgenden werden die variablen Begriffe Struktur, Inhalt und Schema kurz erläutert. Desweitern werden die invarianten Begriffe Adaption, Assimilation, Akkommodation und Organisation beschrieben. Zum Ende des Kapitels wird auf die Äquilibration als Selbstregulierung zu den zuvor beschriebenen Begriffen eingegangen.

Varianten des Entwicklungskontinuums

Der Fokus der Entwicklung ist die kognitive Anpassung des Menschen an die Umwelt- gegebenheiten. Der Träger dieser Anpassung sind Strukturen. Strukturen sind die orga- nisierte Koordination von Schemata, ein Beziehungsgefüge von Tätigkeiten. Diese be- zeichnet Piaget als kognitive Struktur, die sich auf eine Klasse gleichartiger Handlungs- sequenzen bezieht. Die Koordination der Schemata in Strukturen ist nicht von Geburt an vorhanden. Schemata werde im Laufe der Entwicklung erworben und die Koordination in Strukturen ebenso. Somit kann Struktur als Schemata höherer Ordnung verstanden werden (vgl. Trautner, 1997). Ein solches Schema lässt sich in gewisse Handlungs schemata ausdrücken, wie z.B. Schema des Bauens oder Schema des Werfens. Außer dem machen Schemata auf den ersten Blick verschiedene Gegenstände zu gleicharteigen, wie z.B. Gegenstände zum bauen und Gegenstände zu werfen.

Beispiel: Die Koordination der Schemata: sehen, anfassen, bereitlegen/darauflegen, usw. ermöglicht das Bauen eines Turmes Um die Schemata benutzen zu können, benötigt der Mensch Inhalte. Diese sind Gegenstände auf die man die Schemata anwenden kann. So ist es möglich das Bau-Schema auf Holzklötze, Ziegelsteine oder auch Sand anzuwenden. Das Wurf-Schema auf die verschiedenen Arten von Bällen, Steine oder Murmeln. (vgl. Flammer, 1997)

Invarianten des Entwicklungskontinuums

Piaget geht davon aus, dass alle Menschen über zwei biologische Grundtendenzen, Adaption und Organisation verfügen. Nach Piaget ist die Adaption eine gleichbleibende Grundfunktion in allen Entwicklungsstufen, die eine immer neu zu leistende Anpas- sung des Organismus an seine Umwelt bedarf (vgl. Buggle, 1997). Piaget unterscheidet dabei zwei Grundaspekte der Adaption: Assimilation und Akkommodation. Akkommo- dation kann niemals getrennt und unabhängig von Assimilation auftreten. Sie sind komplementär zueinander aber auch widerläufig. Sie werden durch Reifung, Erfahrung und Erziehung angeregt.

Piaget definiert Assimilation (von lateinisch assimilare = angleichen, Elemente aus der Umwelt an vorgegebene Strukturen des Organismus) als eine im wesentlichen aktives Einordnen, Interpretieren oder Deuten von Objekten und Ereignissen der Umwelt in ein bereits bestehendes Schema. In den Anfängen ist die Assimilation im wesentlichen die Nutzung der Umwelt durch den Menschen, um die ihm angeborenen oder erworbenen Schemata zu vertiefen und zu stärken (vgl. Flammer 1999).

Beispiel: Wenn für ein Kind ein Stock zum Zauberstab, Gerte oder Schwert wird, so assimiliert es den Stock an sein kognitives Konzept von Zauberstab, Gerte oder Schwert.

Es lassen sich mehrere Formen der Assimilation unterscheiden:

− Reproduktive Assimilation: Kinder üben Schemata durch Wiederholung und da- durch kommt es zur Konsolidierung. Die Motivation zur Wiederholung liegt in dem Schemata selbst und bedarf daher keiner Belohnung.
− Generalisierende Assimilation: Die Spanne der Stimuli, die zu einem Schema assimiliert werden können, vergrößert sich. Somit kommt es zur Ausweitung des Anwendungsbereiches.
− Wiedererkennende (rekognitive) Assimilation: Objekte werden gleichzeitig zu den Generalisierungen differenziert. Bei der Anwendung unterschiedlicher Schemata merkt das Kind, dass diese unterschiedlichen Schemata sich offen- sichtlich auf unterschiedliche Objekte beziehen. Die wiedererkennende Unter- scheidung von Schemata führt zur allmähliches Differenzierung der Ausgangs- schemata. (vgl. Trautner, 1997)

Beispiel: Ein Säugling greift in seinem Bett immer und immer wieder zu seiner Rassel (reproduktive Assimilation). Der anfangs zufällig erzeugte Ton durch greifen und hin und her bewegen wird bald gezielt herbeigeführt und auf andere Gegenstände wie Ball oder Kuscheltier übertragen (generalisierende Assimilation). Die unterschiedlichen Erfahrungen beim Umgang mit verschiedenen Gegenständen führt allmählich zur Differenzierung des Ausgangsschemata (rekognitive Assimilation).

Unter Akkommodation (lat. accommodare anpassen) versteht Piaget die Erweiterung bzw. Anpassung eines Schemas an eine wahrgenommene Situation, die mit den vorhandenen Schemata nicht bewältigt werden kann. Akkommodation kommt nur zustande, wenn die Assimilation nicht ausreicht um eine Situation zu bewältigen, d.h. eine Situation oder eine Reizgegebenheit sich nicht in ein vorhandenes Schema integrieren lässt. Die vorhandenen Schemata sind unzureichend und müssen erweitert werden. Der Mensch passt sich dem Vorgefundenen an, wobei das Schema erweitert und somit ausdifferenziert wird. Akkommodation bedeutet die vorhandenen Schemata so anzupassen, dass sie der Realität (wieder) entsprechen und zukünftig für eine verbesserte, ausdifferenzierte Problemlösung dienlich sind. (vgl. Buggle, 1997)

Beispiel: Der Säugling weiß, dass durch das Greifen und hin und her bewegen der Ras sel ein Geräusch entsteht. Nun vergreift es sich und greift nach einem ähnlich geformten Bauklotz, welches der Säugling auch hin und her bewegt. Aber das gewünschte auditive Element des Rasselns bleibt aus. Nun wird sich die Aufmerksamkeit des Säuglings auf die visuellen Schemata des Bauklotzes richten, welche eine Unterscheidung zur Rassel ermöglichen. Ist die Unterscheidung getroffen werden die neuen Schemata (mit Hilfe der Akkommodation) mit den alten Schemata zu Neuen verknüpft. Dies ist Ausgang- punkt für weitere Assimilationen. Nach Piaget setzt ein so entstandenes Gleichgewicht die optimale Balance zwischen Akkommodations- und Assimilationsaspekten voraus. (vgl. Trautner, 1997)

Piaget definiert Organisation als die „innere Seite“ (Buggle, 1997, S.26) jeder Adaption. Organisation bedeutet „die Tendenz aller Organismen, Strukturen und Aktivtäten zu systematisieren, hierarchisch zu koordinieren, in immer höhere, komplexere, übergreifendere funktionale Systeme zu integrieren, um so übergeordnete, immer umfassendere und komplexere Funktionen zu realisieren“ (Buggle, 1997, S. 26).

Äquilibrationsprinzip

Kognitive Entwicklung ist laut Piaget ein Wechselspiel von Assimilation und Akkommodation. Diese Unterliegen dem Äquilibrationsprinzip, die fortlaufende Folge von Gleichgewichts- und Ungleichgewichts. Der Mensch besitzt von Geburt an das System der Selbstregulation zur Wiederherstellung oder Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts. (vgl. Trautner, 1997)

3. Kognitive Entwicklung als Abfolge strukturell verschiedener Perio- den - Entwicklungsstufen Jean Piagets

Piagets Theorie gliedert sich in vier Perioden (auch Stufen oder Stadien genannt), die weiter in verschiedene Perioden eingeteilt sind. Dabei wird immer auf die vorrangegan- gene, abgeschlossene Periode aufgebaut. Piagets Altersangaben sind allerdings nur als Richtwerte aufzufassen, denn das Auftrittsalter sowie die Dauer der Perioden variieren aufgrund verschiedener Faktoren wie Sozialisation, Intelligent oder Erfahrungen. Au- ßerdem geht Piaget in den jeweiligen Entwicklungsstufen immer von der höchstmögli- chen zu erreichenden Leistung des Kindes in der jeweiligen Periode aus.

3.1. Die Periode der sensomotorischen Intelligenz

Die erste Periode der kognitiven Entwicklung des Menschen lässt sich von der Geburt bis zum vollendeten zweiten Lebensjahres einrahmen. Zentrales Merkmal ist, dass das Kind sich eine stufenweise Orientierung in der Umwelt, durch dem Umgang mit dem ihm umgebenen konkreten Dingen im äußeren Anschauungs- und Wirkungsraum, auf- baut. Schon kurz nach der Geburt entwickelt das Kind, für diese Periode kennzeichnen- de, sensomotorische Schemata. Es wiederholt immer wieder die gleichen Dinge (repro- duktive Assimilation) wie saugen an der Brust oder greifen des Kuscheltiers. Diese Handlung weitet es auf immer mehr zu assimilierende Gegenstände aus, mehr und neue Gegenstände zum saugen und greifen (generalisierende Assimilation). Somit lernt das Kind Unterschiede der Außenwelt kennen (rekognitive Assimilation). Somit hat die sensomotorische Periode einen ganz konkreten Auftrag, sie legt den Grundstein für das logische Denken. Piaget untergliedert die sensomotorische Periode in sechs Untersta- dien.

Erstes Stadium, das Vorstadium der eigentlichen sensomotorischen Intelligenz (ca. 0 – 1. Monat)

Das erste Unterstadium ist gekennzeichnet durch das ständige Üben von angeborenen Reflexen, die noch weitestgehend unverändert ausgeführt werden. Piaget sieht in den postnatalen Reflexen die Bausteine für die spätere kognitive Entwicklung. So ist z.B. der Saugreflex Ausgangsmaterial für das Saugschema.

Zweites Stadium, die Primäre Zirkulärreaktion (ca. 1. - 4. Monat)

Die primäre Zirkulärreaktion sind zufällig entdeckte Handlungen, die zu einem ange- nehmen Ergebnis führen und durch permanente Wiederholung versucht werden beibe- halten und stabilisiert zu werden. Desweiteren beginnt die Ausweitung der postnatalen Reflexe auf immer neue Gegenstände und das Verhalten wird modifiziert (Akkommo- dation). Kennzeichnend sind weiterhin die ersten Koordinationen einzelner Schemata durch reziproke Assimilation. Eine besonders wichtige Koordination für die weitere Entwicklung des Kindes ist die Koordination von Sehen und Greifen, wenn auch nur innerhalb des gleichen Wahrnehmungsfeldes, die gegen Ende des zweiten Untersta- diums erreicht wird.

Drittes Stadium, die Sekundäre Zirkulärreaktion (ca. 4. - 8. Monat)

In diesem Stadium beginnt das Kind visuell zu erfassen und es versucht nach Objekten zu greifen die es sieht. Hierbei müssen die Hand und das zu greifende Objekt nicht in einem Wahrnehmungsfeld liegen. Weiterhin werden bei dem Kind Handlung und Effekt kognitiv verbunden. Das Kind entdeckt (zunächst zufällig), dass eine bestimmte Hand- lungsweise (freudiges strampeln im Kinderwagen) immer wider zum gleichem Ergebnis führt (klappern der am Verdeck angebrachten Rasseln). Das Kind lernt, dass das stram- peln Mittel zum Ergebnis, klappern der Rasseln, ist. Mit der Zuwendung zur Objektwelt beginnt eine Vorform von dem, was Piaget als Intentionalität des Verhaltens (Zielge- richtetes Verhalten) bezeichnet. Es ist eine Vorform, weil die gewünschten Ergebnisse erst nach ihrer zufälligen Entdeckung zum Ziel wurden. Gegen Ende des dritten Sta- diums beginnen Kinder aktiv nach verschwundenen Gegenständen zu suchen, was in den vorhergehenden Stadien nicht der Fall war („Aus dem Auge, aus dem Sinn“). Die- ses suchen bezeichnet Piaget als Objektpermanez.

Viertes Stadium, das Intentionale Verhalten (ca. 8. - 12. Monat)

Dies ändert sich mit dem vierten Unterstadium, in dem sich Mittel, - instrumentelle Handlungen und Zielhandlungen deutlich voneinander trennen. Nun kann das setzten von Zielen unabhängig von der Mittelhandlung gesehen werden und es entspricht Pia- gets bezeichnetem intentionalem Verhalten. Dies wird möglich, da das Kind die in den früheren Stadien einzeln aufgetretenen Schemata, zu Gesamtverhaltenskomplexen koordinieren kann. Dabei werden die Handlungsschemata koordiniert und differenziert.

Der erste Haupttyp einer solchen Koordinierung stellt die Beseitigung von Hindernissen dar, um eine Zielhandlung realisieren zu können. Bei einem zweiten Haupttyp geht es um die Benützung von Mittelobjekten um die jeweiligen Zielobjekte zu erreichen.

Fünftes Stadium, die Tertiäre Zirkulärreaktion (ca. 12. - 18. Monat)

Dieses Unterstadium ist gekennzeichnet durch aktives Experimentieren neuer Hand- lungsschemata. Das Kind findet heraus, wann und warum Ereignisse auftreten. Durch die experimentelle Variation kommt es zu Entdeckung neuer Mittel um Ziele zu errei- chen. Diese Erfindung neuer Mittel vollzieht sich in drei Schritten. Zunächst versucht das Kind mit bekannten Mitteln (wegschlagen) die Situation (Hindernis) zu lösen. Führt dies nicht zu Erfolg variiert es die Mittel (Verwendung eines Stocks) in dem es auf Er- fahrungen zurück greift oder das Mittel erstmalig in dieser Situation anwendet. Im drit- ten Schritt kann die Variation zur Umwandlung des alten Schemas in neue führen, wel- che weiterentwickelt und verfestigt werden. Aufgrund dessen haben sich Mittel - und Zielhandlung weiter voneinander differenziert und die Intelligenz des Kindes weiter ausgeprägt. Desweiteren wird Akkommodation nicht mehr von der Umwelt erzwungen, sondern aktiv angestrebt, was eine ausgeprägte Differenzierung zwischen Assimilations und Akkommodationsprozessen bedeutet.

Sechstes Stadium, der Übergang zur voroperationalen Phase (ca. 18. - 24. Monat)

Das Sechste Unterstadium kennzeichnet den Übergang zum symbolischen Denken. Handlungen werden nun verinnerlicht, so dass das praktische experimentieren nicht mehr notwendig ist. Die Objektpermanenz ist ein wichtiger Faktor für die Verinnerli- chung von Handlungen. Im sechsten Stadium verläuft diese wesentlich systematischer, wie zu Anfang. Die Verinnerlichung charakterisiert den Übergang zum Denken. Der Übergang vollzieht sich vom äußeren Wahrnehmungs - und Handlungsraum zur will- kürlichen Abrufbarkeit innerer Repräsentationen was einen sehr großen Entwicklungs- schritt darstellt. Das Kind ist nun Unabhängig von äußeren Gegebenheiten, was ein we- sentlich gezielteres, flexibleres und schnelleres Anpassen an neue Situationen ermög- licht.

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Details

Seiten
33
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640782062
ISBN (Buch)
9783640782130
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v162882
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thürigen in Gera)
Note
2,0
Schlagworte
Kognitive Entwicklungstheorie Jean Piaget

Autor

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Titel: Kognitive Entwicklungstheorie nach Jean Piaget