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Universitätsgründung im Ernestinischen Gebiet – Einfluss der landesherrlichen Politik in Wittenberg

Gründung der Universität Wittenberg

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 23 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die politische und soziale Lage im Ernestinischen Sachsen nach der Leipziger Teilung unter der Regentschaft von Friedrich dem Weisen

3. Spekulative Ansätze zum Anlass der Gründung der Universität Wittenberg

4. Ziel und Zweck der Hochschulgründung

5. Das Vorgehen Friedrichs des Weisen bis zur Gründung der Hochschule

6.1 Einschlagen eines ‚neuen Weges’
6.2 Das Stiftungsdiplom
6.3 Das Patent
6.4 Gründung und Anfänge der Universität Wittenberg

7.1 Gründungstag am 18. Oktober
7.2 Struktur und Organisation
7.3 Verfassung
7.4 Finanzierung
7.5. Berufungspolitik und Hinwendung zum Humanismus

8. Das Vorgehen Friedrichs des Weisen nach der Gründung der Hochschule

9. Fazit

10. Bibliographie

1. Einleitung

„O Jahrhundert! Die Geister erwachen, die Studien blühen, es ist eine Lust zu leben!“ Mit diesen Worten beschrieb der Humanist Ulrich von Hutten den Anbruch des 16. Jahrhunderts, der vom Übergang des Mittelalters zur Frühen Neuzeit und der Reformation geprägt war. Zu dieser komplexen Entwicklung in der deutschen Geschichte gehört unweigerlich der Begriff Wittenberg dazu. Von hier aus hatte die deutsche Reformation nicht nur ihren Ausgangspunkt genommen, sondern leuchtete der deutschen Gesellschaft auch den Weg in das neue Jahrhundert hinein.[1]

Von größter Bedeutsamkeit wurde in Wittenberg die dort von Kurfürst Friedrich dem Weisen gegründete Universität, die von den aufstrebenden Humanisten bald ‚Leucorea’, übersetzt „weißer Berg“, genannt wurde. Von Historikern unangefochten wurde die Wittenberger Hochschule „diejenige alma mater, von der aus das deutsche Geistesleben in der einzigartigsten und tiefgreifendsten Weise befruchtet und erneuert worden ist“[2].

Im Folgenden soll dargelegt und untersucht werden, inwiefern und in welchem Ausmaß der Kurfürst selbst Einfluss auf die Gründung der Universität ausgeübt hatte und ihr durch seine persönliche Prägung den Charakter einer Landesuniversität verliehen hatte. Dazu werde ich zunächst beleuchten, aus welchen Gründen es zur Gründung kam und welche Ziele der Kurfürst damit verfolgte. Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Vorgehen Friedrichs im Vorfeld und in den Anfangsjahren der Universitätsgründung. Hierbei ist der Stiftsbrief von König Maximilian I. eine wichtige Quelle, um das Einschlagen des ‚neuen Weges’ durch den Kurfürst genauer zu betrachten. Sein Wirken in den Bereichen Finanzierung, Verfassung und Struktur und Organisation der Universität soll ebenso näher analysiert werden, um den Grad seines Einflusses einschätzen zu können. Nicht zuletzt ist die Berufungspolitik ein wichtiges Untersuchungsfeld, das große Auskunft darüber gibt, wie stark Friedrich der Weise den Charakter der Universität geprägt hatte.

Als Hauptquelle dient der vom König ausgestellte Stiftsbrief, der die Gründung der Universität ausdrücklich erlaubte. Des Weiteren werden die Statuten der Universitätsverfassung von 1508, als auch die Satzung von Friedrich dem Weisen für die Wittenberger Universität in die Arbeit eingeflochten, um seinen kontinuierlichen Einfluss zu verdeutlichen und zu belegen. Eine Auswahl an Sekundärliteratur fundiert die Untersuchungsergebnisse. Hierbei stehen vor allem die Ausführungen von Anton Blaschka selbst zu seiner Übersetzung der Stiftsurkunde und die Biographie über Friedrich den Weisen von Ingetraut Ludolphy im Mittelpunkt. Schlussendlich soll verdeutlich worden sein, welche Besonderheiten bei der Wittenberger Universitätsgründung im Ernestinischen Gebiet aufgetreten waren und welchen Einfluss der Landesherr selbst dabei hatte.

2. Die politische und soziale Lage im Ernestinischen Sachsen nach der Leipziger Teilung unter der Regentschaft von Friedrich dem Weisen

Auf Grundlage der Goldenen Bulle von 1356 erfolgten die Veränderungen, die in Europa den Beginn der Frühen Neuzeit markierten, im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation auf territorialstaatlicher Ebene. 1485 kam es außerdem zu einer Teilung des Kurfürstentums Sachsen, ausgelöst durch die bis dahin gemeinsam regierenden Brüder Ernst und Albrecht, bei der der ältere Bruder Ernst zum Kurlande den Großteil Thüringens, das Wettinische Franken mit Coburg, das Vogtland und einen Teil vom Pleißen- und Osterland bekam.[3] Dieses einschneidende Ereignis in der sächsischen Geschichte hatte dazu geführt, dass Leipzig mit seiner Universität in das Gebiet der Albertiner fiel und sich in den Ernestinischen Landen keine Hochschule mehr befand.[4] Alles in allem war die Teilung bezüglich der Macht und des Ansehens nachteilig für das gesamte Haus Wettin.

In genau dieser Zeit wurde Friedrich der Weise zum Kurfürst von Sachsen gewählt. Er hatte eine gute Erziehung und Bildung genossen, die schon von Regungen des Humanismus berührt worden war. Somit galt er von an Anfang an den humanistischen Wissenschaften freundlich gesinnt.[5] Zeit seines Lebens schon wurde er als Freund der Wissenschaften betitelt[6] und pflegte ein nahes Verhältnis nicht nur zur Wissenschaft, sondern auch zur Kunst. Indem er seine eigene Stellung trotz verschiedener Antriebe seiner Epoche weise zu wählen wusste, verhalf er dem Neuen zum Durchbruch und prägte damit die Übergangszeit vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit.[7] Der Kurfürst las die Schriften berühmter Gelehrter, wie zum Beispiel Erasmus von Rotterdam, und wurde von vielen Humanisten seiner Zeit wegen seiner friedliebenden, freigebigen und aufgeschlossenen Art und Weise gepriesen.[8] Des Weiteren war Friedrich „von wahrer und tiefer Frömmigkeit beseelt“[9] und unternahm 1493 eine Pilgerreise ins Heilige Land. Auf Grund seines unbedingten Gottvertrauens und seiner Umsichtigkeit[10] strebte er auch keinen Bruch mit der herrschenden Kirche an, obwohl er ihre Missstände deutlich sah.[11] Mit diesem Hintergrund ließ sich der Kurfürst Friedrich der Weise in seinem Aktionismus nicht bremsen und gründete 1502 die Universität Wittenberg.

3. Spekulative Ansätze zum Anlass der Gründung der Universität Wittenberg

Aus welchem genauen Grund Friedrich der Weise die Universität zu Wittenberg letztendlich gründen ließ, lässt sich heute nicht exakt nachvollziehen. In der Forschung werden diverse Meinungen vertreten, von denen die plausibelsten im Folgenden vorgestellt werden.

Eine These, die von Historikern vertreten wird, hat ihren Ausgangspunkt auf dem Reichstag zu Worms, den der spätere Kaiser 1495 einberufen hatte. Hier könnte Maximilian I. dem Kurfürsten Friedrich dem Weisen die Errichtung einer Universität in seinem Kurland entweder empfohlen oder sogar ausdrücklich nahe gelegt haben.[12] König Maximilian I. hatte durch seine geschickte Heiratspolitik die Vorbedingungen zur Weltherrschaft der Habsburger geschaffen und verfolgte eine gute „Hausmachtpolitik“[13]. Als „vielseitiger Geist“ interessierte er sich für alle Gebiete menschlicher Kultur im Sinne seiner Zeit und wurde, dem Humanismus sehr zugetan, zum echten „Renaissancemensch“. Er selbst wollte sich ein Andenken schaffen, „damit die Erinnerung nicht mit dem letzten Schlage der Totenglocke dahinschwinde“[14]. Nichtsdestotrotz sah Maximilian I., dass sich die römisch-deutsche Königsmacht in einem Verfallsstadium befand, und Schritte notwendig wurden, um dem entgegenzuhalten. Infolgedessen ist eine Empfehlung des Königs an Friedrich den Weisen zu einer Universitätsgründung nicht abwegig, da es von Vorteil war, wenn jeder Kurfürst in seinem Herrschaftsgebiet eine Hochschule besaß.[15] Ob es diese Ermunterung durch Maximilian I. allerdings wirklich gab, kann durch keinen Beleg nachgewiesen werden.[16] Aus diesem Grund vertreten auch einige Historiker die Meinung, dass Friedrich der Weise schon vor 1495 die Errichtung einer Universität in seinem Gebiet in Erwägung gezogen hatte. Für ihn gehörte Kultur zum Lebensstil und diente der Erhöhung der Lebensqualität.[17] Deshalb scheint es nicht verwunderlich, dass Friedrich in seinem ersten Testament die Möglichkeit andeutete, dass im ernestinischen Sachsen eine Universität entstehen könnte. Dieses Dokument wurde noch vor seiner Wallfahrt ins Heilige Land 1493 aufgesetzt.[18] Nicht zuletzt sorgte die Tatsache, eine eigene Universität im Land zu haben, für einen enormen Anstieg an Prestige für den Kurfürsten.[19]

Der Historiker Gerd Heinrich bringt bei diesen Spekulationen des Weiteren die Person Martin Pollich von Mellerstadt in die Diskussion ein und ist der Meinung, dass ein Streit zwischen ihm und den Medizinern Pistoris und Wimpina die Gründung der Wittenberger Universität eingeläutet habe. Mellerstadt war seit 1482 der Leibarzt des Kurfürsten und begleitete Friedrich auf dessen Pilgerreise nach Palästina. Er beschäftigte sich viel mit Wissenschaft und verfügte über wichtige wissenschaftliche Beziehungen. Schon immer fand er bei Friedrich ein offenes Ohr für seine Ideen.[20] Somit ist es nicht auszuschließen, dass Mellerstadt nach seinem Streit mit den Kollegen in Leipzig dem Kurfürsten eine Universitätsgründung ans Herz gelegt hatte.[21] Schlussendlich lässt sich festhalten, dass es einige Anstöße zur Gründung einer Universität in Wittenberg gab. Jedoch lassen sich der exakte Zeitpunkt des Entschlusses und die entscheidenden Motive nicht unmittelbar durch Überlieferungen abdecken, sondern verbleiben im Verschwommenen.[22]

4. Ziel und Zweck der Hochschulgründung

Der wohl wichtigste Anlass zur Gründung der Universität Wittenberg ergab sich aus den Folgen der Leipziger Teilung von 1485, bei der die alte wettinische Landesuniversität in Leipzig an die Albertiner gefallen war. Allein schon aus Prestigegründen verlangte diese Tatsache einen Ausgleich.[23] Dass die Ernestiner viel Wert auf eine eigene Universität im eigenen Land legten, zeigte sich später erneut, als nach dem Verlust Wittenbergs aus den ernestinischen Gebieten die Hochschule in Jena gegründet wurde.[24]

Die Gründung einer eigenen Universität im Land erwies sich jedoch nicht allein aus Repräsentationsgründen als sinnvoll, sondern wurde auch wegen eines großen Bedarfs an Pfarrern, Juristen und Ärzten ratsam.[25] Somit wurde es zum Ziel des Kurfürsten, Professoren als Berater relativ kostengünstig und dauerhaft an sich und das Land zu binden. Vor allem gut ausgebildete Juristen waren für das Land wichtig, um es fortschrittlich leiten zu können.[26] Hierbei zeigte sich schon bei der Gründung der Universität der Einfluss einer neuen humanistischen Weltanschauung.[27] Friedrich der Weise wollte einer Abwanderung der Intelligenz aus dem eigenen Land vorbeugen[28] und verfolgte deswegen das Ziel, „dass die Wissenschaften, edlen Künste und freien Studien in glücklichem Fortgang zunehmen, damit Unsere Untertanen aus der Quellen göttlicher Weisheit schöpfen und zur Verwaltung des Staatswesens und zur Besorgung der übrigen menschlichen Geschäfte geschickter werden“[29]. Damit verwies der Kurfürst auf die ‚bonae artes’, die edlen Künste, und verfolgte fortan die neuen humanistischen Studien[30]. Als Gründungszweck betonte Friedrich der Weise allerdings nicht ausschließlich die Humanioria im Besonderen, sprich die ‚bonae artes’, sondern hob ebenso die artistischen Fächer im Allgemeinen, also die ‚studia liberalia’, hervor.[31]

Zum Regieren seines Landes gehörte für den Kurfürsten neben der Kunst vor allem der Ausbau der Wirtschaftspolitik, wofür er Fachkräfte im eigenen Land ausbilden lassen musste. Durch eine intensivierte Verwaltung hatte sich ein Mangel und damit die Notwendigkeit von Fachkräften vor allem auf dem juristischen Gebiet ergeben; doch auch für das politische Leben wurden gut ausgebildete Bürger benötigt. Im Stiftsbrief von Maximilian I., der am 6. Juli 1502 ausgestellt wurde, hat man dieses Anliegen folgendermaßen formuliert:

Zu dieser Höhe des Römischen Reiches durch göttlichen Ratschluss erhoben, müssen Wir vor allem fleißig Umschau halten, dass die Wissenschaften, edlen Künste und freien Studien in glücklichem Fortgang zunehmen, damit Unsere Untertanen aus der Quelle göttlicher Weisheit schöpfen und zur Verwaltung des Staatswesens und zur Besorgung der übrigen menschlichen Geschäfte geschickter werden.[32]

Des Weiteren sollte eine florierende Universität der Stadt Wittenberg einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung verschaffen. Das Geld von Studenten sollte im eigenen Land bleiben anstatt nach Italien, Frankreich oder in andere Herrschaften, gar Leipzig, zu fließen.[33] Von Italien hatte man jedoch noch eine andere Lehre übernommen: dort war ein Promovierter einem Adligen gleichgestellt. Somit konnte der Landesherr die Zahl der Edelleute im eigenen Gebiet ganz einfach vergrößern, indem die Ausbildung der Bürger in einer landeseigenen Universität erfolgte und dem wachsenden Bürgertum einen ‚Weg nach oben’ öffnete.[34] Alles in allem hatte die Errichtung einer Universität für den Kurfürsten entscheidende Vorteile und diente ausdrücklich der Zukunft des Landes. Deshalb ließ Friedrich der Weise seine Hoffnung erneut 1508 im Vorwort der Universitätsverfassung niederschreiben:

Unsere Hochschule […] möge […] dauernd und rühmlich bestehen als ein Markt der freien Wissenschaften, auf dem die Besucher löbliche Kenntnisse und […] verfeinerte Sitten sich aneignen und dadurch fähig werden mögen, die Geschäfte Gottes wie auch der Welt […] um so besser zu besorgen; wo aber auch wir selbst mit unseren Getreuen und der umwohnenden Bevölkerung in schwierigen Fällen wie zu einem Orakel unsere Zuflucht nehmen können, um, wenn wir zweifelnd und unschlüssig herbeikommen, hier eine Antwort entgegenzunehmen, mit der wir sicher und jedem Zweifel entrückt heimkehren mögen.[35]

5. Das Vorgehen Friedrichs des Weisen bis zur Gründung der Hochschule

Die übliche Vorgehensweise bei einer Universitätsgründung begann damit, dass der Gründer das päpstliche Privileg für die Gründung einholte, im Mindestens aber ein königliches Privileg, was unmittelbar von einem päpstlichen ergänzt wird.[36] Dass Friedrich der Weise jedoch im Fall der Universitätsgründung in Wittenberg anders vorging, als es die bisherige Tradition vorgab, soll im Folgenden gezeigt werden. Des Weiteren erfolgt eine Analyse des Stiftungsdiploms und des Patents, welches die Eröffnung der Universität im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation ankündigte.

5.1 Einschlagen eines ‚neuen Weges’

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts hatte sich das Tempo des Weltgeschehens beschleunigt. Diese Tatsache hatte auch Friedrich der Weise erkannt und wollte bei der Gründung seiner Universität nicht auf die Zustimmung des Papstes warten, sondern holte stattdessen zunächst die Genehmigung der Reichsgewalt ein. Damit wurde er zum Vertreter einer neuen, völlig unbestrittenen und anerkannten Rechtsanschauung, die besagte, dass Universitätsgründungen ein Reichsregal sind. Außerdem stellte Friedrich öffentlich dar, dass er die päpstliche Bulle als sonst höchste anerkannte Macht trotz seiner Kirchengläubigkeit nicht als grundlegend einstufte. Somit wurde die Genehmigung des Gründungsprivilegs durch den Papst im Falle Wittenberg unscheinbar und bedeutungslos.[37] Stattdessen ist Friedrichs Eile beim Gründungsakt hervorzuheben, die jedoch kein singulärer Fall ist, sondern sich ebenso bei der Hochschulgründung in Mainz 1476/77 nachweisen lässt.[38] Des Weiteren zeigte die Parallelgründung der Universität in Frankfurt / Oder, dass viel Zeit bis zu einer Genehmigung verstreichen konnte. Dort hatten die Frankfurter Ratsherren 1493 eine Hochschulgründung beim Kurfürsten beantragt; das Privileg durch den Papst wurde jedoch erst fünf Jahre später erteilt; zur eigentlichen Gründung kam es erst 1506.[39] Soviel Zeit wollte der sächsische Kurfürst nicht verstreichen lassen. Nichtsdestotrotz zeichnete sich Friedrich bei der Gründung der Hochschule durch eine sorgsam bedächtige Art aus, die ihn weder unüberlegt noch überstürzt handeln ließ.[40] Der Antragssteller hatte sein Bittschreiben nicht nur gründlich vorbereitet, sondern den Gründungsakt ohne Ablenkung mit zäher Entschlossenheit bis zur Vollendung vollzogen.[41]

Mit der Bevorzugung der weltlichen Obrigkeit, statt der Befolgung des vorherrschenden Brauchs, verband Friedrich der Weise die „Befreiung unseres Vaterlandes vom geistigen Drucke Roms“[42]. Trotz seiner engen Verbindung zur Kirche legte der Kurfürst vorerst keinen Wert auf deren Zustimmung.[43] Dieser Verstoß gegen den Brauch im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation war revolutionär.[44] Jedoch sollte die Gründung nicht im Gegensatz zum Papsttum stehen, und Friedrich bemühte sich nachträglich um die Zustimmung der Kirche.[45] Die eigenartige Reihenfolge betonte dennoch unweigerlich die Bedeutung des Landesherrn bei der Gründung und setzte Friedrichs persönliches Engagement in den Fokus.

Das Gründungsprivileg für die Hochschule in Wittenberg wurde am 6. Juli 1502 durch König Maximilian I. in Ulm ausgestellt.[46] Wie sich im Laufe der Geschichte noch zeigen sollte, war dies ein Tag mit symbolischer Bedeutung. Genau 100 Jahre zuvor war an diesem Tag Jan Hus als Ketzer auf dem Konzil in Konstanz verbrannt worden. Nur wenige Jahre nach 1502 würde von Wittenberg, ermöglicht durch die königliche Bewilligung der Hochschule, eine große Wirkung im Sinne der Bestrebungen von Jan Hus ausgehen. Diesen Verlauf konnte im Juli 1502 jedoch noch niemand ahnen.[47]

Friedrich der Weise hatte sich von der Reichsgewalt eine Genehmigung zur Errichtung einer Volluniversität eingeholt, das heißt, dass eine hohe Schule für alle vier Fakultäten entstehen konnte. In Anlehnung daran wurden die Fakultäten im kaiserlichen Diplom in der bekannten absteigenden Reihe aufgeführt: Theologie, Jurisprudenz, Artes und Medizin. Mit der Philosophie kam eine sehr heterogene Fakultät zu den drei traditionellen hinzu.[48] Des Weiteren bezeichnete das Gründungsprivileg die Wittenberger Region als Kernbereich der zukünftigen Studentenschaft. Der erweiterte Einzugsbereich sollte sich ebenfalls im deutschsprachigen Gebiet befinden.[49] Durch die oberherrliche Bewilligung der neuen Stiftung sollten sich die Lehrangebote außerdem ausdrücklich den humanistischen Disziplinen widmen. Somit wurden beispielsweise die traditionellen freien Künste und die Poeterei Lehrfächer der artistischen Fakultät, wobei humanistische Studien in der Poeterei ein dauerndes Präsenzrecht hatten.[50] Diese Ausführungen im Gründungsdiplom vom 6. Juli 1502 zeigen, dass sich der Kaiser die Pflege der Wissenschaften und der schönen Literatur zur Aufgabe machte. Sein Ziel der akademischen Entwicklung war es, die „Jugend für das weltliche Regiment, sowie das öffentliche Leben tüchtig und geschickt“[51] zu machen. Deshalb sollte ein Generalstudium in allen vier Fakultäten erfolgen.[52]

Im Verlauf dieses ‚neuen Weges’ kündigte Friedrich der Weise am 24. August 1502 die Eröffnung der Universität in Wittenberg an, ohne dass ihm eine Zustimmung des Papstes oder eines apostolischen Legaten vorlag.[53] Der Kurfürst und sein Bruder Johann von Sachsen verkündigten den 18. Oktober 1502 als Eröffnungstag der Universität und hofften auf regen Besuch.

5.2 Das Stiftungsdiplom

Uns überliefert wurde das Stiftungsdiplom der Universität Wittenberg. Es wurde in lateinischer Sprache abgefasst. Friedrich der Weise beherrschte selbst Latein. Inwiefern auch der König unmittelbar Einfluss auf die Textgestaltung der Urkunde hatte, ist nicht überliefert, wird jedoch von einigen Historikern angenommen.[54] Eine deutsche Übersetzung der Urkunde liegt von Anton Blaschka in seinem Band 450 Jahre Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg vor. Sie lässt sich in normalem Tempo in etwa 15 Minuten lesen und weist im Original keine einheitliche Orthographie und keine konsequente Zeichensetzung auf. Allerdings lassen sich stereotype Teile eines formelhaften Charakters finden.[55]

Die Urkunde zur Gründung der Wittenberger Hochschule selbst ist ein Denkmal der Schreibkunst und fällt in den Rahmen der Urkunden jener Zeit. Die Universitätsgründung war kein Anlass, um eine kostspielige Ausstattung zu gerechtfertigen. Nichtsdestotrotz wurde der Text fortschrittlich in der humanistischen Kursive abgefasst. Für die Textmenge war ein Lammfell mit einer Länge von 58,5 cm und einer Breite von 49,5 cm ausreichend. In der klassischen Diplomform wurde das Blatt von unten nach oben etwa zehn Zentimeter umgeknickt, sodass eine feste Falte entstand. Der Kunst und Gewandtheit des Schreibers fiel es zu, mit dem vorgegebenen Platz auszukommen und ein schönes Schriftbild zu entwerfen, das heißt, dass er bis zu der Falte fertig sein und einen regelmäßigen Rand einhalten musste. Die Unterschrift des Königs wurde anschließend eigenhändig unter den Fließtext gesetzt.[56]

Des Weiteren sollte das Siegel der Urkunde erwähnt werden. Durch die eigenhändige Unterschrift wäre es entbehrlich. Dennoch hängt es am Pergamentdiplom und kann als symbolisches Wappensiegel gedeutet werden. Der einfache Reichsadler, der vom Orden des Goldenen Vlieses umgeben wird, gebührt dem deutschen König. Außerdem lassen sich die Wappen von Ungarn, Österreich, Burgund, Tirol und Habsburg wieder finden. Eine Wappenumschrift dient als Umrahmung für das rote Wachs in einer weißen Wachsschale.[57] Alles in allem war für Friedrich eine unkomplizierte und schnelle Ausstellung der Urkunde wichtig und ließ ihn deshalb den ‚neuen Weg’ einschlagen und energisch voranschreiten.

5.3 Das Patent

Ein gedrucktes Patent kündigte die feierliche Eröffnung der Universität Wittenberg für den 18. Oktober 1502 an, dem Fest des Evangelisten Lukas.[58] Es wurde am 24. August 1502 von Kurfürst Friedrich dem Weisen und seinem mitregierenden Bruder Herzog Johann von Sachsen in Weimar veröffentlicht und stellte ein Informations- und Einladungsschreiben dar.[59] Durch die Neuerfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern war eine rasche Verbreitung des Patents möglich. Friedrich wollte, dass das Großereignis, das sowohl für das Land als auch für die Kulturpolitik enorme Bedeutung erlangen sollte, von einem möglichst großen Kreis vernommen wird.[60]

Eine absolute Neuerung bei diesem Patent war, dass es vom Kurfürsten in der deutschen Sprache verfasst worden war. Das war für die Zeit um 1500 sehr ungewöhnlich.[61] Zwar beherrschte Friedrich der Weise Latein sehr gut, jedoch sprach er es nicht gern.[62] Dass nun die deutsche Sprache für solch einen feierlichen Anlass von ihm gebraucht wurde, war sehr bedeutsam. Nichtsdestotrotz sollte es keine Absicht darstellen, die Muttersprache fortan im akademischen Milieu einzuführen.[63]

Obwohl zwischen der Gründung der Universität in Wittenberg und der in Prag 150 Jahre liegen, lassen sich in Friedrichs Patent ähnliche Gedanken wiederfinden, wie im vorausgegangenen Stiftsbrief von Karl IV. Eingangs wird der Mangel einer wissenschaftlichen Bildungsgelegenheit aufgezeigt. Zentral betont wird die Absicht der Neugründung von einer solchen Hochschule in Wittenberg. Abschließend wird die oberherrliche Bewilligung betont, die zu einer Verwirklichung führt, und der genehmigte Fächerkanon aufgeführt. Informationen zum Studienbeginn und Promotionen, für die in den ersten drei Jahren die Gebühren entfallen sollten, beantworten letzte Fragen beim Leser des Patents.[64] Der Inhalt des Schreibens bleibt damit sachlich und schlicht. Der schmucklose Text nutzt fast keine stilistischen Schnörkel und enthält ebenso wenig eine Laudatio Urbis. Stattdessen wird das Lob Gottes hervorgehoben, dem das Studium dienen soll.[65] Das spiegelt Friedrichs tiefe Gottesfürchtigkeit wider und betont seinen persönlichen Einfluss auch in religiösen Fragen bei der Universitätsgründung.

6. Gründung und Anfänge der Universität Wittenberg

Die Universität Wittenberg wurde „im Jahre 1502 unter der Ägide des sächsischen Kurfürsten Friedrich III., des Weisen, gegründet“[66]. Schon innerhalb der ersten vier bis fünf Jahrzehnte ihres Bestehens sollte die Hochschule eine hervorragende Bedeutung erlangen.[67] Sie wurde zu einer der modernsten Universitäten ihrer Zeit. Die Entwicklung dahin bestand aus vielen Einzelschritten, vollzog sich generell aber sehr rasch, was für die kontinuierliche Initiative des Kurfürsten spricht.[68] Im Folgenden sollen die einzelnen Schritte und Bedingungen zur Gründung der Hochschule unter dem Einfluss der Politik des Landesherrn beleuchtet werden.

6.1 Gründungstag am 18. Oktober 1502

Beim Gründungsfestakt am 18. Oktober 1502 wurde die Universität mit 20 Dozenten und 416 immatrikulierten Studenten feierlich eröffnet.[69] An diesem Tag waren beide ernestinischen Brüder nicht anwesend.[70] Dies zeigt, dass der Kurfürst es vorzog seine Gaben zur Gründung der Hochschule zu spenden, sich selbst aber im Hintergrund zu halten.[71] Bei der Eröffnung hatten er und sein Bruder jedoch noch nicht mit so einem riesigen Erfolg gerechnet, wie er sich einstellen sollte. Der Reiz der Neuheit hatte viele angezogen. Die Scharen strömten von Wittenberg selbst, dem Kurkreis, den Kurlanden, dem Herzogtum Sachsen, mittel- und niederdeutschen Ländern, Oberdeutschland und sogar aus Franken und Schwaben heran, um an der neuen Universität zu studieren.[72] Viele hofften darauf, dass ihnen ein erworbener akademischer Titel den Weg in ein Amt, die Kirche, Schule oder Staatsverwaltung öffnet.[73]

Mit dem Privileg von König Maximilian I., eine Volluniversität mit Promotionsrecht in allen Fakultäten zu gründen, nahm die Universität Wittenberg am 18. Oktober 1502 ihren Lehrbetrieb auf.[74] Erstmals wurden an diesem Samstag der zukünftige Rektor und die Dekane der Fakultäten in der Sakristei der Wittenberger Schlosskirche gewählt.[75] Hierbei hatte jedoch der Kurfürst schon im Vorhinein seinen Leibarzt Martin Pollich von Mellerstadt als Rektor vorherbestimmt, sodass man von keiner freien Wahl sprechen kann. Dekan der Theologen wurde Johann von Staupitz, Dekan der Juristen Wolfgang Stähelin und Dekan der Artisten Sigismund Epp. Die Medizinische Fakultät wurde am besagten Samstag noch nicht konstituiert, da noch keine Lehrer vorhanden waren. Abgesehen davon begannen jedoch alle anderen Vorlesungen und Promotionen unverzüglich.[76]

[...]


[1] Vgl. Blaschka, Anton: Der Stiftsbrief Maximilian I. und das Patent Friedrichs des Weisen zur Gründung der Wittenberger Universität, in: 450 Jahre Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Wittenberg 1502-1817, Band 1, Halle-Wittenberg 1952, S. 69-85, hier: S. 69.

[2] Bruchmüller, Wilhelm: Die Anfänge der Universität Wittenberg. Ein Gedenkblatt zur Vierhundertjahrfeier ihrer Gründung, in: Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung, Leipzig, Nr. 131 (1902), S. 521-523, hier: S. 521.

[3] Vgl. Friedensburg, Walter: Geschichte der Universität Wittenberg, Halle 1917, S. 3.

[4] Vgl. Gross, Reiner: Geschichte Sachsens, Leipzig 2001, S. 30f.

[5] Vgl. Bruchmüller: Anfänge, S. 522.

[6] Vgl. Kathe, Heinz: Die Wittenberger Philosophische Fakultät 1502-1817, Köln / Weimar / Wien 2002, S. 1.

[7] Vgl. Friedensburg: Geschichte, S. 6.

[8] Vgl. Ludolphy, Ingetraut: Friedrich der Weise. Kürfürst von Sachsen 1463-1525, Leipzig 2006, S. 329.

[9] Friedensburg: Geschichte, S. 6.

[10] Vgl. Blaschka: Stiftsbrief, S. 85.

[11] Vgl. Friedensburg: Geschichte, S. 6.

[12] Vgl. Blaschka: Stiftsbrief, S. 70.

[13] Ebd. S. 70.

[14] Beide Zitate: Ebd. S. 70.

[15] Vgl. Friedensburg: Geschichte, S. 8.

[16] Vgl. Ludolphy: Friedrich, S. 316.

[17] Vgl. Ebd. S. 315.

[18] Vgl. Ebd. S. 316.

[19] Vgl. Ebd. S. 315.

[20] Vgl. Heinrich, Gerd: Frankfurt und Wittenberg. Zwei Universitätsgründungen im Vorfeld der Reformation, in: Baumgart, Peter: Beiträge zu Problemen deutscher Universitätsgründungen der frühen Neuzeit, Nendeln/Liechtenstein 1978, S. 111-129, hier: S. 120.

[21] Vgl. Friedensburg: Geschichte, S. 10.

[22] Vgl. Heinrich: Frankfurt, S. 119.

[23] Vgl. Ebd. S. 119.

[24] Vgl. Bruchmüller: Anfänge, S. 522.

[25] Vgl. Lück, Heiner: Wittenberg, Universität, in: Theologische Realenzyklopädie, 2004 (36), S. 232-243, hier: S. 232.

[26] Vgl. Stievermann, Dieter: Wittenberg als Universitätsstandort zwischen Mittelalter und Neuzeit, in: Dingel, Irene: Die Theologische Fakultät Wittenberg 1502-1602, Leipzig 2002, S. 51.

[27] Vgl. Bruchmüller: Anfänge, S. 522.

[28] Vgl. Ludolphy: Friedrich, S. 315.

[29] Kathe: Wittenberger, S. 1. Deutsche Übertragung der Stiftungsurkunde bei Anton Blascha.

[30] Vgl. Buck, August: Die „studia humanitatis“ im italienischen Humanismus, in: Wolfgang Reinhard (Hg.): Humanismus im Bildungswesen des 15. und 16. Jahrhunderts, Weinheim 1984, S. 11-24, hier: S. 15.

[31] Vgl. Kathe: Wittenberger, S. 1.

[32] Übersetzung der Stiftsurkunde nach Anton Blaschka, zu finden in: Blaschka: Stiftsdiplom, S. 78.

[33] Vgl. Ludolphy: Friedrich, S. 315.

[34] Vgl. Ebd., S. 315.

[35] Vorwort zu den Statuten der Universitätsverfassung von 1508; abgedruckt in: Ludolphy: Friedrich, S. 322f.

[36] Vgl. Ludolphy: Friedrich, S. 317.

[37] Vgl. Blaschka: Stiftsbrief, S. 71.

[38] Vgl. Stievermann: Wittenberg, S. 53.

[39] Vgl. Ludolphy: Friedrich, S. 317.

[40] Vgl. Friedensburg: Geschichte, S. 8.

[41] Vgl. Blaschka: Stiftsbrief, S. 70.

[42] Friedensburg: Geschichte, S. 16.

[43] Vgl. Scheible, Heinz: Gründung und Ausbau der Universität Wittenberg, in: Baumgart, Peter: Beiträge zu Problemen deutscher Universitätsgründungen der frühen Neuzeit, Nendeln/Liechtenstein 1978, S. 131-147, hier: S. 133.

[44] Vgl. Kathe: Wittenberger, S. 1.

[45] Vgl. Ludolphy: Friedrich, S. 317.

[46] Vgl. Lück: Wittenberg, S. 232.

[47] Vgl. Blaschka: Stiftsbrief, S. 71.

[48] Vgl. Kathe: Wittenberger, S. 1.

[49] Vgl. Ebd., S. 2.

[50] Vgl. Ebd., S. 2.

[51] Bruchmüller: Anfänge, S. 522.

[52] Vgl. Ebd., S. 522.

[53] Vgl. Heinrich: Frankfurt, S. 121.

[54] Vgl. Blaschka: Stiftsbrief, S. 71.

[55] Vgl. Ebd., S. 73.

[56] Vgl. Ebd., S. 73.

[57] Vgl. Ebd., S. 73.

[58] Vgl. Ludolphy: Friedrich, S. 318.

[59] Vgl. Blaschka: Stiftsdiplom, S. 84..

[60] Vgl. Kathe: Wittenberger, S. 1.

[61] Vgl. Ebd., S. 1.

[62] Vgl. Blaschka: Stiftsdiplom, S. 84.

[63] Vgl. Kathe: Wittenberger, S. 1.

[64] Vgl. Blaschka: Stiftsdiplom, S. 84.

[65] Vgl. Ebd., S. 85.

[66] Kathe: Wittenberger, S. 1.

[67] Vgl. Bruchmüller: Anfänge, S. 521.

[68] Vgl. Ludolphy: Friedrich, S. 325.

[69] Vgl. Bruchmüller: Anfänge, S. 522; Vgl. Lück: Wittenberg, S. 234.

[70] Vgl. Ludolphy: Friedrich, S. 318.

[71] Vgl. Friedensburg: Geschichte, S. 18.

[72] Vgl. Ders.: Professoren, S. 17.

[73] Vgl. Ebd., S. 32.

[74] Vgl. Scheible: Gründung, S. 133.

[75] Vgl. Friedensburg: Geschichte, S. 19.

[76] Vgl. Ebd., S. 20.

Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640768523
ISBN (Buch)
9783640768974
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v162851
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Geschichte
Note
1,7
Schlagworte
Universität Wittenberg Ernestiner Sachsen Universitätsgründung Mittelalter Friedrich der Weise Humanismus Berufungspolitik Hochschulgründung 1507

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