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Seminararbeit zum ersten Buch der Nikomachischen Ethik

Seminararbeit 2009 12 Seiten

Philosophie - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1. Die Handlungstheorie des Aristoteles
1.1 Handeln – praxis und poiesis
1.2 Ziel und Gut – telos und agathon
1.3 Das höchste Gut – ariston

2. Aristoteles’ methodische Reflexion
2.1 Erster Exkurs
2.2 Zweiter Exkurs
2.3 Dritter Exkurs

3. Die Lehre von der arete

4. Zusammenfassung

5. Literaturangaben

0. Einleitung

Diese Seminararbeit behandelt das erste Buch der Nikomachischen Ethik von Aristoteles.[1]. Als Textgrundlagen dienten die Übersetzung von Gigon und ein Online-Text[2]. Hilfreich bei der Textanalyse waren das Metzler Lexikon Philosophie[3] und die Textinterpretation von Ursula Wolf.[4] In der Arbeit wird versucht, die aristotelischen Kernaussagen und die Argumentationsweisen im ersten Buch verständlich zusammenzufassen und es soll gezeigt werden, wie Aristoteles in seiner Nikomaischen Ethik den Zusammenhang zwischen Tugend (arete) und Glückseligkeit (eudaimonia) erklärt.

In einem ersten Schritt wird die Handlungstheorie des Aristoteles vorgestellt und es werden die Begriffe Handeln, Herstellen, Ziel, Gut und höchstes Gut (praxis, poiesis, telos. Agathon und ariston) erläutert. In einem zweiten Schritt wird auf die methodischen Überlegungen eingegangen, die Arisoteles Exkurs ähnlich in sein erstes Buch einbaut. Erst in einem dritten Schritt werden die Begriffe Tugend und Glückseligkeit (arete und eudaimonia) näher zu erläutern sein, um zu verstehen, inwiefern es sich bei der aristotelischen Ethik um eine Tugendethik handelt.

„Was wir heute die Nikomachische Ethik in zehn Büchern nennen, wird (...) vermutlich repräsentiert durch eine Ethik in fünf Büchern (die keineswegs einfach fünf Bücher der Nikomachischen Ethik gleichgesetzt werden dürfen), ferner durch je ein Buch über die Freundschaft, über die Lust und über die Verantwortlichkeit. Manches spricht dafür, dass es außerdem noch eine besondere Studie über die Glückseligkeit gegeben hat, die in unserer Nikomaischen Ethik teils auf das erste, teils auf das zehnte Buch verteilt worden ist.“[5]

Die Nikomachische Ethik will eine „Theorie des guten Lebens, richtigen Handelns und vernünftigen Überlegens entwickeln, die darüber hinaus in eine Theorie des Politischen eingebettet ist.“[6] Der Ausgangspunkt im ersten Buch ist die Frage nach dem letzten Ziel des Handelns, nach dem Gut für den Menschen.

1. Die Handlungstheorie des Aristoteles

1.1 Handeln – praxis und poiesis

Im ersten Buch der Nikomachischen Ethik beschreibt Aristoteles zunächst die Struktur menschlichen Handelns. Dabei beschäftigt er sich in gleicher Weise mit Handeln im allgemeinen Sinn (praxis), mit wissenschaftlichem Handeln im Besonderen und auch mit dem Handeln im Bereich der Künste und des Handwerkes (techne). Es wird in der Untersuchung zwischen diesen Bereichen teilweise gewechselt, sodass es nicht ganz einfach ist zu entscheiden, für welchen Bereich einzelne Aussagen gelten. Wichtig ist aber, zwischen den Begriffen praxis und techne zu unterscheiden, um zu wissen, dass Handeln für Aristoteles nicht ausschließlich moralisches Handeln bedeutet, sondern Herstellen oder Forschen oder ganz einfach Arbeiten und Tätigsein meinen kann. Am Beginn seiner Ethik steht also eine Reflexion über das menschliche Handeln ganz allgemein und es geht nicht sofort um ethisches Handeln.

„Alle künstlerische und alle wissenschaftliche Tätigkeit, ebenso wie alles praktische Verhalten und jeder erwählte Beruf hat nach allgemeiner Annahme zum Ziele irgendein zu erlangendes Gut. Man hat darum das Gute treffend als dasjenige bezeichnet, was das Ziel alles Strebens bildet.“[7]

Aristoteles stellt fest, dass jedes Handeln ein Ziel (telos) verfolgt. Das heißt, mit jeder Handlung wird ein Ziel angestrebt, das daher auch ein Erstrebenswertes, ein Gutes (agathon) ist. Nun ist aber zu unterscheiden zwischen Handlungen, die um ihrer selbst willen erstrebt werden und Handlungen, die durch anderes motiviert sind. Es gibt für Aristoteles Handlungen, die ihr Ziel in sich selber tragen und Handlungen, deren Ziel außerhalb liegt. Handlungen, die ihr Ziel in sich selber tragen, deren Ziel im Ausführen der Tätigkeit selber besteht, beschreibt Aristoteles mit dem Begriff praxis (im engeren Sinn). Tätigkeiten, die nun aber verfolgt werden, nicht um der Tätigkeit willen, sondern um eines anderen Zieles willen (z.B. um etwas anderes herzustellen) nennt Aristoteles poiesis.

1.2 Ziel und Gut – telos und agathon

So ist von Anfang an klar, dass es eine Menge unterschiedlicher Ziele und auch viele unterschiedliche Formen des Tätigseins gibt. Dabei ist es für Aristoteles wichtig zu sehen, dass nicht alle Formen des Handelns gleichwertig nebeneinander stehen. Er konstruiert eine Hierarchie des Handelns und der Ziele und nennt jene Handlungen überlegen, die um ihrer selbst willen erstrebt werden. Eine Handlung (oder eine Kunst, techne) ist dann einer anderen übergeordnet, wenn ihr Ziel nicht ein anderes Ziel verfolgen hilft. Am Beispiel der Reitkunst versucht Aristoteles das zu verdeutlichen:

„Wie es nun eine Vielheit von Handlungsweisen, von künstlerischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten gibt, so ergibt sich demgemäß auch eine Vielheit von zu erstrebenden Zielen. So ist das Ziel der ärztlichen Kunst die Gesundheit, dasjenige der Schiffsbaukunst das fertige Fahrzeug, das der Kriegskunst der Sieg und das der Haushaltungskunst der Reichtum. Wo nun mehrere Tätigkeiten in den Dienst eines einheitlichen umfassenderen Gebietes gestellt sind, wie die Anfertigung der Zügel und der sonstigen Hilfsmittel für Berittene der Reitkunst, die Reitkunst selbst aber und alle Arten militärischer Übungen dem Gebiete der Kriegskunst, und in ganz gleicher Weise wieder andere Tätigkeiten dem Gebiete anderer Künste zugehören.“[8]

Im ersten Kapitel findet man schließlich die These, dass letztendlich alles um einer einzigen Sache willen erstrebt wird, in der die Struktur der Handlungshierarchie zusammenläuft. Alle Handlungen, die um etwas willen erstrebt werden, laufen schlussendlich auf dieses letzte Ziel hin und dieses Ziel nennt Aristoteles daher auch letztes Ziel oder höchstes Gut. Dabei bleibt aber zunächst noch offen, was dieses höchste Gut konkret sein soll. Diese Hierarchie führt Aristoteles dazu, alle anderen Möglichkeiten von Relationen zwischen Zielen und Handlungen auszuschließen. Mehrere höchste Güter gleichberechtigt nebeneinander sind so bei Aristoteles nicht möglich.

Aristoteles versucht zum Reflektieren über dieses höchste Gut anzustoßen, weil er meint, dass es ethisch hilfreich ist, über dieses Ziel nachzudenken. Im Folgenden geht es daher darum, das letzte Ziel, bzw. das höchste Gut, näher zu bestimmen.

1.3 Das höchste Gut – ariston

Aristoteles fragt zuerst, welche Wissenschaft dieses höchste Gut am unmittelbarsten als Ziel erstrebt. Er fragt also, welches Handeln, welche Kunst (techne) am ehesten das höchste Gut (ariston) verfolgt. Das heißt, zu Beginn wurde erläutert, dass jedes Handeln ein Ziel verfolgt. Nun wird gefragt, welches Handeln, dass letzte Ziel am unmittelbarsten verfolgt. Außerdem gilt es zu klären, was dieses letzte Ziel inhaltlich sein soll.

[...]


[1] Aristoteles: Die Nikomachische Ethik. Aus dem Griechischen und mit einer Einführung und Erläuterungen versehen von Olof Gigon. München 7. Auflage: Deutscher Taschenbuch Verlag 2006.

[2] http://www.aristoteles-heute.de/sein_a/sein_A/bewegt/organisch/mensch/aristoteles/ethik/ftp/Ethik0101.htm

[3] Burkard, Franz-Peter und Peter Prechtl (Hg.): Metzler Lexikon Philosophie. Stuttgart, Weimar: 3. Auflage: Metzler 2008.

[4] Wolf, Ursula: Aristoteles. Nikomachische Ethik. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2002.

[5] Gigon, Olof: Einführung. In: Aristoteles: Die Nikomachische Ethik,. Aus dem Griechischen und mit einer Einführung und Erläuterung versehen von Olof Gigon, 46.

[6] Wolf, U: Aristoteles Nikomachische Ethik, S.13.

[7] Aristoteles, NE zitiert nach http://www.aristoteles-heute.de/sein_a/sein_A/bewegt/organisch/mensch/aristoteles/ethik/ftp/Ethik0101.htm Buch 1, Kapitel 1. (Jänner 2010)

[8] Ebd. Buch 1, Kapitel 1 (Jänner 2010)

Details

Seiten
12
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640761913
ISBN (Buch)
9783640762156
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v162511
Institution / Hochschule
Fachhochschule Wien – Philosophie
Note
1,0
Schlagworte
Seminararbeit Buch Nikomachischen Ethik

Autor

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Titel: Seminararbeit zum ersten Buch der Nikomachischen Ethik