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Partnerschaft und Krise - Die deutsch-amerikanischen Beziehungen

Von der Wiedervereinigung bis in die Gegenwart 1990-2009

Diplomarbeit 2010 123 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Historische und theoretische Grundlagen
2.1 Historische Grundlagen der deutsch-amerikanischen Beziehungen 1945-1989
2.1.1 Deutschland und die USA nach dem Zweiten Weltkrieg
2.1.2 Von der Gründung der Bundesrepublik bis zum Ende der 1960er Jahre
2.1.3 Von der Ostpolitik bis zur Wiedervereinigung
2.2 Theoretische Entwürfe der Weltordnung nach dem Kalten Krieg

III Deutsch-amerikanische Beziehungen von der Wiedervereinigung bis zum Kosovo-Konflikt 1991-1999
3.1 Die USA und die Bundesrepublik nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes
3.1.1 Ausgangsbedingungen und außenpolitische Leitlinien der wiedervereinigten Bundesrepublik
3.1.2 Ausgangsbedingungen und außenpolitische Leitlinien der USA
3.2 Neue Krisen und Kriege und die deutsch-amerikanischen Beziehungen
3.2.1 Der Erste Irak-Krieg und die Zivilmacht Bundesrepublik
3.2.2 Der UNO-Einsatz in Somalia und das Scheitern kollektiver Sicherheit
3.2.3 Die Kriege in Jugoslawien und das Scheitern Europas
3.2.4 Bosnien und die Rückkehr der europäischen Ordnungsmacht USA
3.2.5 Der Kosovo-Krieg und die veränderte Bundesrepublik
3.3 Die Entwicklung von EU und NATO im Kontext der deutsch-amerikanischen Beziehungen
3.3.1 USA und Europa zwischen Konkurrenz und Partnerschaft
3.3.2 Die Anpassung der NATO an die neue Weltordnung: Erweiterung und Strategiewechsel
3.4 Zusammenfassung

IV Deutsch-amerikanische Beziehungen und der Krieg gegen den Terror
4.1 Deutschlands „Uneingeschränkte Solidarität“ und der amerikanische Kreuzzug
4.1.1 Der 11. September und die Folgen
4.1.2 Der Krieg in Afghanistan
4.2 Exkurs: Die Macht der Ideen: Die neue Ausrichtung der US-Außenpolitik
4.3 Der Irak-Krieg und die Krise der deutsch-amerikanischen Beziehungen
4.3.1 Entwicklung der Irak-Krise im deutschen Wahlkampf 2002
4.3.2 Der Irak-Krieg und der Streit in der UNO
4.3.3 Deutschland, die USA und der Irak - Nachbetrachtung
4.4 Die Beinahe-Spaltung Europas
4.5 Zusammenfassung

V Normalisierung der deutsch-amerikanischen Beziehungen und Ausblick
5.1 Entwicklung der Beziehungen nach dem Amtsantritt Angela Merkels
5.2 Die erweiterte EU, Deutschland und die transatlantischen Beziehungen
5.2.1 Europa als internationaler Akteur und das Verhältnis zu den USA
5.2.2 Von deutsch-amerikanischen zu europäisch-amerikanischen Beziehungen?
5.3 Der Westen - Quo vadis?
5.3.1 Ideelle und moralische Herausforderungen
5.3.2 Der Westen und die neue Weltordnung
5.4 Die USA und die Bundesrepublik: Neue Perspektiven mit Barack Obama?
5.4.1 Chancen und Risiken der Obama-Präsidentschaft
5.4.2 Partnership in Leadership? - Nagelprobe Afghanistan

VI Fazit

VII Literaturverzeichnis

VIII Abkürzungsverzeichnis

I Einleitung

Das vergangene Jahr 2009 war ein Jahr der großen Jubiläen. Gefeiert wurden 60 Jahre Bundesrepublik und 60 Jahre NATO. Begleitet von großer internationaler Aufmerksamkeit wurden im November schließlich auch 20 Jahre Mauerfall begangen. Dieses Ereignis verkörpert symbolisch das Ende der kommunistischen Herrschaft in Europa und des Kalten Krieges. In der Realität war der Mauerfall nur das sichtbarste Zeichen großer Umwälzungen im gesamten Ostblock, die schließlich zum Ende des kommunistischen Regimes geführt haben. Für die Bundesrepublik waren der Fall der Mauer und die ein Jahr später folgende Wiedervereinigung ein Glücksfall der Geschichte. Das Ende des Ost-West-Konfliktes stellte die Bundesrepublik und die westliche Welt aber auch vor gewaltige Herausforderungen. Die internationalen Institutionen, die politischen Leitlinien der Akteure, die gesamten Rahmenbedingungen des internationalen Systems waren geprägt vom Konflikt zwischen den USA und der UdSSR, zwischen West und Ost. Auch die deutsch-amerikanischen Beziehungen waren seit den Anfängen der Bundesrepublik durch die Parameter des Kalten Krieges dominiert worden und waren in ihrer damaligen Form eine direkte Folge des Kalten Krieges. Mit dem Ende des Kalten Krieges stellte sich jedoch die Frage, auf welcher Basis die deutsch-amerikanischen Beziehungen in Zukunft aufbauen sollten.

Die entscheidende Rolle der USA im Prozess der deutschen Vereinigung wird in der Forschung sowie in der Öffentlichkeit überwiegend anerkannt.[1] Heinrich Bortfeld bezeichnet die Wiedervereinigung als den „Glanzpunkt der deutsch-amerikanischen Beziehungen in den achtziger Jahren“.[2] Hierbei spielte das gewachsene Vertrauen und die Zusammenarbeit beider Staaten über vier Jahrzehnte eine wichtige Rolle, die trotz aller vorherigen Krisen und Probleme jetzt zum Tragen kam. Gleichzeitig wuchsen auch die Ansprüche des Hauptverbündeten an Deutschland, dem US-Präsident George Bush Sr. bereits im Mai 1989 eine größere Rolle als Führungspartner der USA in Europa angeboten hatte.[3]

Nach der Wiedervereinigung 1990 und mit dem Ende des Kalten Krieges wurde das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik und den USA aber auch ambivalenter. Deutschland konzentrierte sich stärker auf die europäische Ebene. Im Zeitalter der Globalisierung folgte Amerika den Märkten, die z.B. in Asien neue Chancen eröffneten. Die Kontakte zu Europa blieben eng, doch die USA waren längst nicht mehr so auf Europa fixiert, wie in den Jahrzehnten des Ost-West-Konfliktes. Sicherheitspolitisch jedoch blieb das zusammenwachsende Europa auf die USA angewiesen. Die Konflikte auf dem Balkan bezeugen das eindrücklich. Die USA waren als letzte verbliebene Supermacht und „Weltpolizist“[4] die einzige Kraft, die genug Durchsetzungsvermögen zur Lösung solcher Konflikte hatte. Die neu geborene europäische „Großmacht“[5] oder, wie Hans-Peter Schwarz schreibt, „Zentralmacht“[6] Bundesrepublik Deutschland musste hingegen ihre neue Rolle erst allmählich finden. Die Anpassung Deutschlands und der USA an die Herausforderungen der neuen Weltlage sind ein wichtiger Aspekt, um die Entwicklung ihrer Beziehungen zu verstehen.

Der Terroranschlag vom 11. September 2001 in New York war der bedeutendste weltpolitische Umbruch seit dem Ende des Kalten Krieges und brachte Deutschland zuerst in „uneingeschränkter Solidarität“ an die Seite der USA. Im Vorfeld des Zweiten Irak-Krieges[7] kam es dann 2002/03 zu einer tiefgehenden Krise in den deutsch-amerikanischen Beziehungen. Das Verhältnis zwischen der deutschen und der amerikanischen Regierung war, durch Fehler auf beiden Seiten, zeitweise erheblich gestört. Die Bundesrepublik übernahm in der Auseinandersetzung um den Zweiten Irak-Krieg teilweise sogar eine „Führungsrolle als Gegenmacht zu den USA“.[8] Dies war in der Tradition der Bundesrepublik ein bisher einmaliger Bruch. Noch 20 Jahre zuvor wäre eine so ernste Situation in den deutsch-amerikanischen Beziehungen undenkbar gewesen.

In der Forschung wurde durch diese Krise eine Diskussion um die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen angeregt. Gregor Schöllgen spricht vom Ende der „transatlantischen Epoche“[9] und fordert eine neu begründete Partnerschaft zwischen Europa und den USA. Helga Haftendorn plädiert für „gleichgewichtige und stabile [...] Beziehung[en]“[10] zwischen Deutschland und den USA im Rahmen eines stärkeren Europa. Auch Christian Hacke mahnt ein neues außenpolitisches Selbstverständnis von „transatlantischer Gemeinsamkeit“[11] an. Die in der Krise offen gelegten konzeptionellen Unterschiede erfordern nach Michael Rühle „neue Formen der transatlantischen Zusammenarbeit“.[12] Offensichtlich hat sich seit der Wiedervereinigung eine Entfremdung zwischen den USA und der Bundesrepublik entwickelt, die tiefer geht als gedacht. Diese hängt eng mit der Entwicklung des größer gewordenen Deutschlands in einer stärker gewordenen EU zusammen. Schon seit längerem wird grundsätzlich diskutiert, welcher Art die Beziehungen zwischen EU und USA zukünftig sein sollen.

Die Krise von 2003, die ja auch eine allgemeine transatlantische Krise war, gab diesen Diskussionen neuen Auftrieb. Hans-Peter Schwarz plädiert in einem kürzlich erschienenen Aufsatz für die „Wiederherstellung und Konsolidierung sehr enger, partnerschaftlicher Beziehungen zu den USA“[13] und verweist neben handfesten Interessen auf die lange Tradition der guten Beziehungen und auf die historisch-kulturellen Gemeinsamkeiten des „Westens“. Werner Link hingegen befürwortet ein „balanciertes europäisch-nordamerikanisches Bündnissystem“[14], ohne eine Juniorpartnerschaft Deutschlands gegenüber den USA. Die Frage ob die deutsche Außenpolitik einen eher transatlantischen oder europäischen Fokus haben sollte, geht bis auf die Anfangstage der Bundesrepublik zurück. Steht die Bundesrepublik vor der Wahl zwischen Europa und den USA, oder kann sie ihre traditionelle Rolle als transatlantischer Vermittler weiter ausfüllen?

Fragestellung und Ziele

Die Klärung aller offenen Fragen der deutsch-amerikanischen Beziehungen übersteigt die Ambitionen dieser Arbeit. Der Schwerpunkt liegt vielmehr darauf, bestimmte Aspekte der deutsch-amerikanischen Beziehungen zu untersuchen und daraus auf den allgemeinen Stand der Beziehungen zu schließen. Wie konnten sich die deutsch-amerikanischen Beziehungen von einem Höhepunkt zur Zeit der Wiedervereinigung hin zu einer massiven Vertrauenskrise in der Zeit des Zweiten Irak-Krieges 2003 entwickeln? War diese Krise ein Zeichen einer allgemeinen Entfremdung zwischen beiden Staaten oder ein singuläres Ereignis? In dieser Arbeit geht es nicht darum, außenpolitische Entscheidungsprozesse bis ins Detail zu durchleuchten, sondern um eine Analyse von Entwicklungsprozessen. Dabei sollen folgende Leitfragen beantwortet werden: Welche Determinanten bestimmten nach dem Ende des Kalten Krieges die Beziehungen zwischen den USA und der Bundesrepublik und wie entwickelte sich die Zusammenarbeit beider Staaten in den ersten Kriegen und Krisen der 1990er Jahre? Konnte die Bundesrepublik die ihr angebotene Rolle als Führungspartner der USA ausfüllen? Welche Veränderungen erfuhren die Beziehungen durch den Anschlag vom 11. September 2001, den Krieg gegen den Terror und den Zweiten Irak-Krieg? Wie ist der heutige Stand der Beziehungen? Wie beeinflussten das politische Zusammenwachsen der EU und die Erweiterung der NATO die transatlantischen Beziehungen? Ziel der Arbeit ist es, ein Bild von den grundlegenden Prinzipien der deutsch-amerikanischen Beziehungen ab 1990 zu gewinnen und Kontinuitäten und Brüche aufzuzeigen. Am Ende soll zudem ein Beitrag zur Lösung der Frage geleistet werden, welcher Art die deutsch-amerikanischen Beziehungen in Zukunft sein sollten und können.

Methodik

In der Einleitung werden die Motivation der Arbeit, die Herangehensweise und der Forschungsstand dargestellt. Ohne die Betrachtung einiger historischer Grundlagen ist die Bewertung der deutsch-amerikanischen Beziehungen nach der Wiedervereinigung unmöglich. Zu diesem Zwecke werden im ersten Teil des zweiten Kapitels die wichtigsten historischen Grundlagen der deutsch-amerikanischen Beziehungen seit 1945 dargestellt. Im zweiten Teil des zweiten Kapitels werden dann einige wichtige theoretische Entwürfe der Politikwissenschaft zur Entwicklung der Welt nach dem Kalten Krieg vorgestellt. Ausgehend von dieser Grundlage werden dann ab dem dritten Kapitel die deutsch-amerikanischen Beziehungen seit der Wiedervereinigung untersucht. Hierzu werden bestimmte Schlüsselereignisse, die einen Einblick in die Mechanismen der deutsch-amerikanischen Beziehungen ermöglichen, in den Fokus der Untersuchung gerückt.

Heraklit nannte bereits um 500 v. Chr. im alten Griechenland den Krieg den „Vater aller Dinge“[15]. Diese These ist sicher nie unumstritten gewesen und lässt verschiedene Deutungen zu. Eines ist jedoch sicher: Es bestand stets und besteht noch immer ein großes Interesse am Krieg als Katalysator politischer und sozialer Veränderungen. In der Analyse der internationalen Beziehungen spielt der Krieg seit mindestens drei Jahrhunderten eine bedeutende, wenn nicht die zentrale Rolle.[16] Mark Webber spricht vom Krieg als „central animating condition of human affairs“.[17] Unzweifelhaft ist, dass die großen Kriege des 20. Jahrhunderts 1914-18 und 1939-45 bedeutende Veränderungen im internationalen Staatensystem, in der Sozialstruktur der Gesellschaften und im Selbstverständnis der Nationen mit sich brachten. Obwohl die Kriege und Krisen ab 1990 nicht das Ausmaß dieser Weltenbrände erreichten, hatten sie Implikationen für die betroffenen Staaten bzw. Institutionen. Die Anschläge von 2001 sind in ihrer Bedeutung für die transatlantischen Beziehungen und das internationale System sogar entscheidend gewesen. In einem kürzlich erschienenen Aufsatz zu 60 Jahren bundesrepublikanischer Außenpolitik bezeichnet Christian Hacke die neuen „Krisen und Kriege“ der 90er Jahre sowie den „Krieg gegen den Terror“ als entscheidende Wegmarken für die Entwicklung deutscher Außenpolitik nach der Wiedervereinigung.[18] Die Arbeit setzt sich kritisch mit diesen Wegmarken auseinander und untersucht diese Schlüsselereignisse auf ihre Signifikanz für die deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Im dritten Kapitel wird der Schwerpunkt deshalb auf dem Ersten Irak-Krieg 1990/91 und den Krisen im ehemaligen Jugoslawien von Bosnien bis zum Kosovo liegen. Nach einer Einführung in die Ausgangslage von USA und Bundesrepublik nach der Wiedervereinigung wird untersucht, wie beide Staaten im Ersten Irak-Krieg interagierten. Im Krieg gegen den Irak erwarteten die USA erstmals die Unterstützung der gerade wiedervereinigten Bundesrepublik. Die verschiedenen kriegerischen Konflikte im ehemaligen Jugoslawien, von den Auseinandersetzungen in Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina bis zum Kosovo-Krieg 1999 brachten Krieg und Vertreibung zurück nach Europa. Diese Kriege, waren große außenpolitische Herausforderungen für das wiedervereinigte Deutschland und für die USA. Deshalb lassen sich Handlungsmuster und die Entwicklung außenpolitischer Maximen an diesen Fallbeispielen besonders gut herausarbeiten. Auch auf die Entwicklung von EU und NATO in Hinsicht auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen wird eingegangen. Im vierten Kapitel stehen die amerikanische Reaktion auf den Anschlag vom 11. September 2001 und der Krieg gegen den Terror im Mittelpunkt der Untersuchung. Die „feste Solidarität“[19] der Bundesrepublik, die sich in der Mitwirkung am Afghanistan-Krieg manifestierte, wandelte sich vor dem Zweiten Irak-Krieg 2003 in Skepsis und Ablehnung gegenüber dem aggressiven weltpolitischen Kurs der USA. Die aus dieser Episode hervorgegangene Krise in den deutsch-amerikanischen Beziehungen wirkt bis heute nach und muss in jeder Untersuchung der Beziehungen seit der Wiedervereinigung einen zentralen Platz einnehmen. Auch die Auswirkungen der Krise auf die EU und die transatlantischen Beziehungen werden hier eine Rolle spielen. Im abschließenden fünften Kapitel wird die Entwicklung der deutsch-amerikanischen Beziehungen nach dem Amtsantritt Angela Merkels im Jahre 2005 betrachtet. Unter Beachtung zuvor gewonnener Erkenntnisse wird untersucht, inwiefern es der neuen deutschen Regierung gelungen ist, die deutsch-amerikanische Partnerschaft wieder neu zu beleben. Die Entwicklung von EU und NATO sowie ein Blick auf das sich schnell verändernde internationale System spielen bei dieser Betrachtung ebenfalls eine Rolle. Zum Abschluss wird hinterfragt, welche Chancen und Risiken sich für die deutsch-amerikanischen Beziehungen mit dem Amtsantritt von Barack Obama Anfang 2009 und den damit verbundenen Hoffnungen auf einen außenpolitischen Kurswechsel der USA ergeben.

Durch die Untersuchung einiger begrenzter außenpolitischer Handlungsfelder werden also die Grundzüge der deutsch-amerikanischen Beziehungen und deren Veränderung seit 1990 herausgearbeitet. Der historische Hintergrund ab 1990 muss dabei weitgehend vorausgesetzt werden, da dessen Beschreibung den thematischen Rahmen sprengen würde. Der Schwerpunkt wird auf den Beziehungen zwischen Bundesrepublik und USA liegen, ohne jedoch die vielfältigen Vernetzungen beider Staaten in internationalen Organisationen und die Rahmenbedingungen und Restriktionen des internationalen Systems auszuklammern. Vor allem die transatlantischen Beziehungen im Rahmen von NATO und EU spielen hier eine entscheidende Rolle. Weiterhin liegt, auch aus der Natur der untersuchten Krisen resultierend, ein Schwerpunkt auf der sicherheitspolitischen Interaktion. Außenpolitische Prozesse sind nicht auf Krisen und Kriege beschränkt. Um innerhalb des gesetzten zeitlichen und inhaltlichen Rahmens der Arbeit zu Ergebnissen zu kommen, muss hier aber eine gewisse Konzentration auf die genannten Ereignisse und deren Folgen stattfinden. Gesellschaftliche und ökonomische Prozesse sowie Veränderungen der politischen Kultur in beiden Staaten, die die deutsch-amerikanischen Beziehungen beeinflusst haben, werden im Rahmen der Untersuchung erwähnt, insofern sie für den gewählten Untersuchungsrahmen relevant sind. Vor allem die Veränderungen der politisch-kulturellen Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik, im Hinblick auf die veränderte Rolle des wiedervereinigten Deutschlands in der Welt, spielen hierbei eine wichtige Rolle. Eine detaillierte Untersuchung der wirtschaftlichen oder kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA wurde hinsichtlich der oben genannten Zielsetzung bewusst ausgeklammert und kann nur in weiteren spezifischen Untersuchungen geleistet werden.

Literatur und Forschungsstand

Das deutsch-amerikanische Verhältnis ist von allen Bereichen der Außenpolitik aufgrund seiner „in jeder Hinsicht elementaren Bedeutung“[20] am umfassendsten untersucht worden. Auch wenn die in dieser Arbeit untersuchte Periode erst kurze Zeit zurückliegt, kann daher an dieser Stelle nur eine Auswahl an geeigneten Quellen zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen präsentiert werden. Ein von Detlef Junker herausgegebener zweiteiliger Sammelband zu den Beziehungen zwischen den USA und Deutschland, „im Zeitalter des Kalten Krieges“[21], enthält Aufsätze zu Wirtschaft, Kultur, Sicherheit und Politik. Der Sammelband „Deutschland und die USA im 20. Jahrhundert“[22] bietet eine gelungene chronologische Darstellung der Beziehungen zwischen den beiden Staaten. Beide Werke enden 1990. Ein von Hans-Peter Schwarz kürzlich herausgegebener neuer Sammelband enthält zahlreiche Aufsätze zur Entwicklung der Bundesrepublik in den letzten 60 Jahren.[23] Einen umfassenden Überblick über alle Aspekte der bundesdeutschen Außenpolitik bis 2007 bieten neue Handbücher zur deutschen Außenpolitik mit vielen Aufsätzen renommierter Autoren.[24] Zur deutschen Außen- und Sicherheitspolitik seit 1990 existiert eine große Bandbreite an weiterführender Literatur.[25] Zu den sicherheitspolitischen Krisen der 90er Jahre und zur Herausforderung durch den Krieg gegen den Terror ab 2001 wird hier auf einige thematisch fundierte Arbeiten verwiesen.[26] Ein 2008 neu erschienenes Werk von Jochen Stöger informiert detailliert über die Rolle Deutschlands in den Krisen und Kriege seit 1990 und bietet einen guten Überblick über den bisherigen Forschungsstand.[27] Zur Außenpolitik der USA in der Clinton-Zeit gibt es bisher noch relativ wenige umfassende Arbeiten.[28] Patrick Kellers Arbeit zur frühen Außenpolitik der Clinton-Regierung war für diese Arbeit eine aufschlussreiche erste Informationsquelle.[29] Zu den allgemeinen Veränderungen in der deutschen und amerikanischen Außenpolitik nach dem Ende des Kalten-Krieges liegen einige interessante Arbeiten vor.[30] Zur Außenpolitik George W. Bushs und zur Krise in den deutsch-amerikanischen bzw. europäisch-amerikanischen Beziehungen existiert, trotz des geringen zeitlichen Abstandes, bereits eine Vielzahl an Veröffentlichungen. Unter anderem analysierten Steven F. Szabo sowie Peter H. Merkl umfassend Ursachen, Entstehung und Verlauf der Krise.[31] Szabo konzentriert sich dabei auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Merkl mehr auf die europäisch-amerikanische Entfremdung. Matthias Rüb beschreibt kulturelle, historische und religiöse Unterschiede zwischen Europa und den USA.[32] Der neokonservativ geprägte Publizist Robert Kagan beschreibt ebenfalls gravierende weltanschauliche Unterschiede zwischen Europäern und Amerikanern.[33] Bob Woodward zeichnete den Weg zum Zweiten Irak-Krieg detailliert aus der Innenperspektive der Bush-Regierung nach, ebenso Robert A. Clarke.[34] In Fachzeitschriften und Sammelbänden wurde und wird das Thema ausgiebig behandelt.[35] Der letzte Teil dieser Arbeit stützt sich aufgrund der zeitnahen Thematik vor allem auf Aufsätze in Zeitschriften und Internetquellen sowie die bereits genannten Sammelbände und Handbücher. Peter Rudolf und Stefan Kornelius bieten einen interessanten Blick auf die aktuellen außenpolitischen Herausforderungen für die USA und die Bundesrepublik und erörtern mögliche Lösungsansätze.[36]

Für die gesamte Arbeit werden zudem Kommentare und Berichte aus der Presse eingebunden. Damit wird die Arbeit immer nah an aktuellen Entwicklungen bleiben. Auch das Internet stellt gerade zu aktuellen Themen, die von der Aktenlage her noch nicht vollständig erschlossen sind, ein unverzichtbares Hilfsmittel dar. Für die US-Außenpolitik ermöglichen besonders die Public Papers of the President einen guten Zugang zu Originalquellen. Die Online-Auftritte der Presidential Libraries und vieler anderer US-Einrichtungen ergänzen diese Möglichkeit.[37] In Deutschland bieten die Web-Seiten des Auswärtigen Amtes, der Bundesregierung oder des Bundesverteidigungsministerium Zugang zu etlichen Quellendokumenten.[38] Viele Referenzen, vor allem zum abschließenden Kapitel, verweisen auf Fundstellen im Internet. Sämtliche Internet-Quellen wurden am 20.01.2010 nochmals geprüft und waren zu diesem Zeitpunkt abrufbar. Mit Hilfe der hier genannten Quellen soll ein historisch fundiertes aber auch stets auf die aktuelle Lage bezogenes Bild der deutsch-amerikanischen Beziehungen gezeichnet werden.

II Historische und theoretische Grundlagen

2.1 Historische Grundlagen der deutsch-amerikanischen Beziehungen 1945-1989

2.1.1 Deutschland und die USA nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Hauptziele der USA waren nach dem Ende des Krieges die „Ausrottung der Überreste von Faschismus und Militarismus […] und die Errichtung einer stabilen politischen Ordnung auf dem Kontinent“.[39] In diesem Kontext stand der Aufbau einer harten aber gerechten Ordnung in Deutschland, wie sie im Potsdamer Abkommen und in den frühen Direktiven der US-Besatzungstruppen beschrieben wird.[40] Deutschland sollte danach als „besiegtes, feindliches Land“[41] betrachtet werden und ausdrücklich nicht als „befreit“.[42] Die „spätere Wiederherstellung […] [des] politischen Lebens […] auf demokratischer Grundlage“[43] war jedoch ebenfalls von Anfang an Bestandteil der Planungen. Das Schicksal Deutschlands unterlag aber zuerst weitgehend dem Diktat der Sieger. Der sich abzeichnende Ost-West-Konflikt besiegelte Deutschlands Teilung und bestimmte seine Handlungsoptionen. Westdeutschland wurde für die USA, die sich ab 1947 dem „Containment“ des Kommunismus verschrieben hatten, jedoch politisch und wirtschaftlich der entscheidende Knotenpunkt für den Wiederaufbau Europas. Die sich ab 1946/1947 immer deutlicher abzeichnenden Spannungen zwischen den Alliierten beschleunigten die Bemühungen der USA um eine Stabilisierung Westdeutschlands, wozu die Einbeziehung aller drei Westzonen in den europäischen Marshallplan beitrug. Durch die wirtschaftliche Angleichung der Westzonen wurde, gegen die anfänglichen Wünsche der USA, auch die politische Einheit Westdeutschlands präjudiziert.[44]

Die Vorstellung eines in den Westen eingebundenen und schließlich sogar eines mit ihm verbündeten Deutschland war nach 1945 keinesfalls eine absehbare Entwicklung. Nach Christian Hacke war die Position des besiegten Deutschland geprägt von zwei wesentlichen Faktoren. Zum Ersten durch den totalen Verlust der staatlichen und damit der politischen sowie außenpolitischen Souveränität infolge des Krieges. Zum Zweiten durch den aufkommenden Ost-West-Konflikt und die dadurch entstandene Zuordnung der deutschen Besatzungszonen zum westlichen oder zum sowjetischen Machtbereich.[45] Haftendorn stimmt im Wesentlichen dieser Beurteilung der deutschen Ausgangslage zu.[46]

Trotz gegenseitiger Vorbehalte und Misstrauen überwog bei Deutschen und Amerikanern die Einsicht in die Notwendigkeit der Zusammenarbeit. Viele US-Amerikaner stimmten der These zu, dass jene Weltmacht, die die „Kontrolle über Deutschland erlangen würde, […] auch den kalten Krieg gewinnen“[47] würde. Die amerikanische Deutschlandpolitik operierte aber noch lange vom Konzept des „dual Containment“[48] bestimmt, das die Eindämmung der UdSSR, gleichzeitig aber auch die des alten „Feindstaats“ Deutschland vorsah. Mit der Berliner Luftbrücke bewiesen die USA ihre Bereitschaft, die „Containment-Doktrin" praktisch umzusetzen und traten als Schutzmacht der Deutschen auf. Dadurch wandelte sich auch in der deutschen Bevölkerung das Verhältnis zu den westlichen Besatzern zum Besseren.

2.1.2 Von der Gründung der Bundesrepublik bis zum Ende der 1960er Jahre

Die Alliierten bestimmten auch nach 1949 die Richtlinien der Politik in einem geteilten, nicht souveränen Deutschland.[49] Dies drückte sich in den sehr umfassenden Eingriffsrechten des Besatzungsstatuts aus. Solange das Besatzungsstatut gültig blieb, würde die Republik auch außenpolitisch ein „Protektorat“[50] der USA oder, nach Hermann-Josef Rupieper, der „[b]esetzte Verbündete“[51] bleiben. Die Einbindung Deutschlands in den Westen wurde schließlich erreicht, „als die Westmächte ein integrationspolitisches Zelt über die unreife Demokratie aufspannten“[52] und damit die Entwicklung Westdeutschlands zu einem demokratischen Staat ermöglichten. Helga Haftendorn sieht dabei die „freiwillige Abgabe von Souveränitätsrechten und die Einordnung in integrative Zusammenhänge“[53] als wesentlich für die schnelle Entwicklung der Bundesrepublik. In der Regierungszeit Konrad Adenauers, der die Bedeutung dieser Strategie erkannte, wurde die europäische Integration, gestützt von sehr guten Beziehungen zu Amerika, zu einem Hauptpfeiler deutscher Außenpolitik. Die Westbindung versprach andauernde Politische Integration, wirtschaftliche Prosperität und militärische Sicherheit für die junge Bundesrepublik.[54]

Konrad Adenauer erhob die guten Beziehungen zu den USA zur Staatsräson der Republik. „Westbindung und Westintegration wiesen in eine neue Richtung deutscher Geschichte“[55], schrieb Waldemar Besson bereits 1970 und wies damit auf den Beginn einer neuen außenpolitischen Traditionslinie hin. Dieser Neuanfang wurde zwar in erheblichem Maße von den Bedingungen der weltpolitischen Lage vorgegeben. Adenauer verstand es aber, diese Lage, anders als die meisten seiner politischen Rivalen zu jener Zeit, zu analysieren und zu nutzen. Adenauer wollte keine neue „Schaukelpolitik“, der Blick ging klar nach Westen, wenn auch am Ende zwischen Frankreich und USA pendelnd.

Nach dem Erreichen der Westbindung und weitgehender Souveränität 1955 waren die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den USA aus verschiedenen außenpolitischen, militärstrategischen und ökonomischen Gründen wachsenden Spannungen ausgesetzt. Diese Spannungen beruhten prinzipiell auf auseinander laufenden Zielsetzungen beider Staaten. Die Entwicklung des Ost-West-Konfliktes dominierte weitgehend den Status der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Die USA suchten seit Ende der 50er Jahre und verstärkt ab 1963[56] nach Alternativen zum totalen Atomkrieg im Sinne der Strategie der „massive Retaliation"[57] und arbeiteten auf eine Entspannung mit der UdSSR hin.[58] Dieser Entspannungskurs der Supermächte rief in Deutschland Misstrauen hervor. Konrad Adenauer zweifelte an der amerikanischen Nukleargarantie und fürchtete, die Supermächte könnten die so genannte "deutsche Frage"[59] ohne Mitsprache der Deutschen unter sich regeln.

Die Bundesrepublik sah in den Jahren nach der Kuba-Krise ihre Sonderstellung im Kalten Krieg schwinden. Die in den 50er Jahren betriebene „Politik der Stärke“ und starres Blockdenken wurden nun relativiert. In einer Zeit der Entspannungsbemühungen wurden bisherige Leitsätze überprüft und revidiert. Diese Entwicklung war für die Bundesrepublik besonders schwierig. Das ganze außenpolitische Fundament der Republik beruhte auf der Ablehnung des Kommunismus, der Nichtanerkennung der DDR und der Projektion von Stärke und Abwehrbereitschaft.[60] Jede Entspannung zwischen USA und UdSSR könnte auf Kosten Westberlins oder der Anerkennung der DDR erreicht werden, fürchtete man in Westdeutschland. Auf die Veränderungen im internationalen System und in der US-Außenpolitik reagierte die Bundesrepublik daher nur zögerlich.

Die Annäherung an das seit 1960 nuklear bewaffnete Frankreich war in der Bundesrepublik Mittelpunkt einer innenpolitischen Kontroverse. Die politisch „schwache[n] aber publizistisch lautstarke[n]“[61] Gaullisten mit Adenauer und Franz Josef Strauß im Zentrum bauten auf General de Gaulles Vision einer dritten weltpolitischen Kraft „Europa“ mit einer deutsch-französischen Achse als Zentrum, eigener Verteidigung mit nuklearer Komponente und mehr Distanz zu den USA. Dieses Konzept drohte die NATO zu schwächen oder zu spalten.[62] Der Streit zwischen „Gaullisten“ und „Atlantikern“ um die Frage, wo der Hauptfokus deutscher Außenpolitik liegen sollte, kennzeichnet ein bis heute aufkeimendes Spannungsverhältnis der Bundesrepublik zwischen Europa und den USA sowie zwischen Frankreich und den USA. Allein aus sicherheitspolitischen Erwägungen war eine Abkoppelung von den USA und der NATO in den 60ern für die Bundesrepublik keine Option.

Am Ende der 60er Jahre waren die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den USA von harmonischen Verhältnissen weit entfernt. Die Schwierigkeiten in den Beziehungen beruhten zum Teil auf den Problemen, die die Bundesrepublik mit der Anpassung an den Entspannungskurs der Supermächte hatte. Beide Staaten scheinen in den 60er Jahren zeitweise auf verschiedenem Kurs und mit verschiedenen Geschwindigkeiten gefahren zu sein. Ende der 60er Jahre jedoch fügte sich die Bundesrepublik „in die Struktur der Entspannung […], wie zuvor in die Struktur des kalten Krieges“[63], während die USA unter Nixon neue Entspannungsinitiativen begannen. Die 60er Jahre lassen sich demgemäß als Zeit der Neuorientierung einstufen. Ziele und Interessen mussten neu definiert und abgestimmt werden, da die Welt sich gewandelt hatte und die Regeln der 50er Jahre nicht mehr galten.

2.1.3 Von der Ostpolitik bis zur Wiedervereinigung

In den 70er Jahren prägten militärstrategische, entspannungspolitische und währungs- und wirtschaftspolitische Probleme die deutsch-amerikanischen Beziehungen, die starke Interdependenzen aufwiesen. Der behandelte Zeitraum war gekennzeichnet durch den Verlust der hegemonialen Position der USA, was sich besonders deutlich in den politischen und ökonomischen Krisen der 70er Jahre abzeichnete. Die Bundesrepublik verfügte hingegen über ein gewachsenes ökonomisches und politisches Gewicht, konnte dies aber weiter nur in Übereinstimmung mit den USA zur Geltung bringen.[64]

Die Bundesrepublik unter Willy Brandt und Walter Scheel akzeptierte mit den Ostverträgen[65] de facto die Tatsache zweier deutscher Staaten und die bestehenden Grenzen in Europa. Die „Politik der Stärke“ und die strikte Abgrenzung nach Osten wurden zusammen mit der Hallstein-Doktrin und dem Alleinvertretungsanspruch aufgegeben. Diese Prozesse waren innenpolitisch hoch umstritten, da sie sozusagen das „Tafelsilber“ der alten Bundesrepublik betrafen, fanden jedoch Ende der 60er die Zustimmung der Mehrheit in der Gesellschaft. Die Wiedervereinigung wurde im Rahmen des „Wandels durch Annäherung“ als Langfristziel in eine Gesamtkonzeption eingeordnet. Die USA fürchteten jedoch immer noch die Rückkehr der Deutschen zu einer „Schaukelpolitik“ zwischen Ost und West, also die Rückkehr zu den Traditionen der Außenpolitik vor 1945.[66] Langfristig gab es hier unterschiedliche Zielkonzeptionen der deutschen und amerikanischen Ostpolitik. Während die USA den europäischen Status quo und die Rüstungsparität zwischen Ost und West in die Entspannungspolitik der Supermächte einbinden wollten, strebte die sozialliberale Koalition nach der Veränderung der Verhältnisse und einer umfassenden europäischen Sicherheitsordnung, die langfristig zur Einheit Europas und Deutschlands sowie zum Ende der Blöcke führen sollte.[67] Unter den Kanzlern Brandt und Schmidt „verschmolzen Ost- und Westpolitik“[68] zur neuen Staatsräson der Bundesrepublik. Auch die nachfolgende christlich-liberale Regierung unter Helmut Kohl behielt, trotz einer rhetorisch schärferen Abgrenzung, die guten Kontakte nach Osten bei.[69] Die Bundesrepublik nutzte ihren außenpolitischen Spielraum hier soweit wie möglich aus und setzte, auch im Verhältnis zu den USA, eigene Akzente. Die Aufrechterhaltung der Kontakte zu den östlichen Nachbarn und vor allem in die DDR lag schließlich im ureigensten Interesse der Bundesrepublik.

Trotz vieler Problemfelder zwischen USA und Bundesrepublik in den 80er Jahren, vor allem in der Sicherheits- und Wirtschaftspolitik, erwiesen sich die Beziehungen Ende der 80er als tragfähig und gut ausgebaut. Präsident George H. Bush kündigte in einer Rede im Mai 1989 in Mainz sogar eine ganz neue Rolle für Deutschland an: „The United States and the Federal Republic have always been firm friends and allies, but today we share an added role: partners in leadership.”[70] Dieses Angebot hob die deutsch-amerikanischen Beziehungen auf ein neues Niveau und wird bis heute oft als Richtschnur für die weitere Entwicklung der Beziehungen zitiert. Obwohl die USA anschließend genau wie die allermeisten Beobachter von den Entwicklungen in der DDR im Herbst 1989 überrascht wurden, unterstützten sie die Möglichkeit einer deutschen Wiedervereinigung frühzeitig. Im September und Herbst 1989 sprach sich Präsident Bush öffentlich für die Einheit aus und entkräftete die Sorgen mancher Europäer vor einem wiedervereinigten Deutschland.[71] Die USA sahen in ihrer Führungsrolle im Einigungsprozess natürlich auch die Möglichkeit, dessen Verlauf und Ausformung in ihrem Sinne steuern zu können.[72] Die Unterstützung der Einheit war aus Sicht der USA der beste Weg, deutsche Sonderwege in Zukunft zu vermeiden, da so ganz Deutschland fest im Westen und in seinen Strukturen verankert werden konnte.[73] Auch in der Bundesrepublik setzte man zunächst ganz auf Kontinuität.

Helmut Kohl bekannte sich am 25. Februar 1990 in Camp David zu den Konstanten der „transatlantischen Beziehungen“ [und der] deutsch-amerikanische[n] Partnerschaft“[74] und unterstrich damit, dass das neue Deutschland nicht weniger verlässlich sein würde als die alte Bundesrepublik. Aber die Welt und die außenpolitischen Rahmenbedingungen des Kalten Krieges, die die Außenpolitik der Republik seit ihren Anfängen beherrscht hatten, waren genauso vergangen, wie die alliierten Vorbehaltsrechte. Die bisherigen äußeren Bezugspunkte der deutsch-amerikanischen Beziehungen waren damit aufgelöst, auch wenn die dazugehörigen Strukturen noch existierten. Der frühere US-Botschafter George C. McGee sprach 1989 von bis dahin gleich gebliebenen „geschichtlichen Konvergenzen und gemeinsamen Interessen“[75] als Grundlage der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Mit dem Ende des Kalten Krieges und seiner außenpolitischen Rahmenbedingungen stellte sich nun die Frage, auf welcher Basis diese Partnerschaft weiter bestehen sollte. Würde Deutschland in der neuen Weltordnung seinen Platz als „Partner in Leadership“ der USA einnehmen können?

2.2 Theoretische Entwürfe der Weltordnung nach dem Kalten Krieg

Zum Ende des Kalten Krieges hin wurden in der Politikwissenschaft viele Theorien über die weitere Entwicklung des internationalen Systems und der Welt entwickelt. Die einflussreichsten dieser Theorien sollen hier kurz vorgestellt werden, da sie später in der Arbeit als Richtschnur und Vergleichsinstrument der tatsächlichen Entwicklung dienen werden und einen Einblick in die politikwissenschaftliche Diskussion jener Zeit erlauben.

Inmitten einer bereits ausgebrochenen Debatte um die zukünftige Ordnung der Welt sorgte Francis Fukuyama mit einem Artikel in der Zeitschrift National Interest Mitte 1989 für Aufsehen. Beruhend auf seinen Beobachtungen des zerfallenden Ostblocks und des Kommunismus in anderen Teilen der Welt, stellte Fukuyama das „End of history“[76] fest. Fukuyama sprach dabei vom „triumph of the west”[77] und vom „victory of economic and political liberalism”.[78] Er ging dabei vom Sieg der liberalen Idee[79] über alle ideologische Alternativen aus. Das „Ende der Geschichte“ bedeutete hier lediglich die Feststellung, dass die ideologischen Alternativen zum Liberalismus versagt hatten. Die endgültige Wandlung der ganzen Welt zu diesen liberalen Werten hin sah er aber selber klar als Langzeitperspektive.

Fukuyama bezog sich in seinem Aufsatz auf Georg Friedrich Wilhelm Hegel, der Ideen und einen dadurch eventuell auch unterbewusst ausgeprägten Bewusstseinszustand als Grundlage materieller Entwicklungen betrachtete.[80] Also definiert aus dieser Sicht nicht allein das ökonomische Sein, im Sinne von Karl Marx, das Bewusstsein, sondern das Bewusstsein bestimmt die Entwicklung des Seins.[81] Fukuyama betrachtete deshalb besonders die liberale Wirtschaftsordnung, aber auch kulturelle Liberalität als Vorläufer einer politischen Liberalisierung. Die Ideen würden quasi mit den globalen Warenströmen in alle Winkel der Welt gelangen. Daher prognostizierte er für Staaten wie China und Russland erst den Einzug liberaler Kultur- und Wirtschaftselemente und erst später liberaler Politikelemente. Eine zunehmende wirtschaftliche Globalisierung und eine weltweite Ökonomisierung der Außenpolitik kann man als Teil dieser Entwicklung betrachten. Fukuyama beschrieb den Nationalismus und die Religion als die letzten potentiellen Gegenspieler der Liberalisierung, räumte ihnen aber langfristig kaum Chancen ein.[82] Fukuyamas im Kern optimistische Sicht auf die Welt wurde von anderen Beobachtern der „Post-Cold War“-Welt nicht geteilt.

Charles Krauthammer beschrieb in der Winterausgabe der Foreign Affairs 1990/91 eine Welt, in der die USA, unterstützt von ihren westlichen Alliierten, zumindest noch eine Generation lang einen „unipolar moment“[83] erleben würden. Die USA sah Krauthammer, auch im Lichte des sich anbahnenden Ersten Irak-Krieges als „unchallenged superpower“[84], als einzige global handlungsfähige Macht. Eine multipolare Weltordnung sei noch mindestens eine Generation entfernt. Krauthammer betrachtete die als potentielle neue Mächte gehandelten Deutschen, Japaner und Europäer bereits zu diesem Zeitpunkt durch ihr zurückhaltendes bzw. uneiniges Verhalten im Vorfeld des ersten Irak-Krieges diskreditiert.[85] Auch aus dieser Beobachtung folgerte der Publizist, dass die USA in nächster Zeit noch keine ernsthaften Konkurrenten haben würden. Gleichzeitig schätzte Krauthammer die Gefahrenlage nach dem Kalten Krieg sogar als höher ein, als im Kalten Krieg. Kleine aggressive „Weapon States“[86] mit Massenvernichtungswaffen sah er als die Bedrohung der nahen Zukunft. Krauthammer nannte bereits 1990 u.a. Irak, Nordkorea und Iran als Beispiele für solche Staaten.[87] Die UNO und das Konzept kollektiver Sicherheit betrachtete Krauthammer ohne die Führung der USA als prinzipiell nicht-existent, die Abhängigkeit von diktatorischen Regimes zur Legitimation multilateraler Aktion in der UNO als falsch. Langfristig sah er die Gefahr, die eigene unilaterale Handlungsfähigkeit der USA könnte durch die UNO eingeschränkt werden.[88] Ausgehend von der Abwesenheit anderer globaler Mächte oder einer effektiven multilateralen Ordnung plädierte Krauthammer deshalb gegen einen Rückfall der USA in eine isolationistische Außenpolitik und für eine aktive, interventionistische Politik gegenüber den bereits genanten „Weapon States“. Auch der Aufbau eines Raketenabwehrsystems zum Schutz des Westens wurde von Krauthammer bereits angedacht.[89]

Samuel Huntington entwarf 1993 ebenfalls eine eher pessimistische Vision der Zukunft. Fukuyama und anderen Theoretikern gestand er zu, Teilwahrheiten erkannt, aber einen wesentlichen Konflikt übersehen zu haben. Nach Huntington würde die primäre Konfliktquelle der Zukunft „cultural“[90] sein und sich in einem „Clash of Civilizations“[91] ausdrücken. Eine Zivilisation definierte Huntington als menschliche Gemeinschaften mit von anderen Zivilisationen unterschiedlichen „distinct cultures“, die sich auf Sprache, Geschichte, Religion, Gewohnheiten und Institutionen gründen.[92] Huntington gestand zu, dass Zivilisationen selten präzise Grenzen oder eindeutige Zuordnungen erlauben, meinte aber, dass sie trotzdem politische Bedeutung entfalten. Huntington beschrieb die westliche, konfuzianische, japanische, islamische, slawisch-orthodoxe, lateinamerikanische und - mit einem Fragezeichen - die afrikanische Kultur als die acht Hauptzivilisationen der Welt.[93]

Entlang der „Fault Lines“, also den Bruch- und Berührungspunkten dieser Zivilisationen sah er die zukünftigen Krisenherde. Samuel Huntington führte so z.B. den Konflikt auf dem Balkan (1991-1995) auf die dort bestehende Überschneidung der christlich-westlichen, der orthodoxen und der muslimischen Zivilisationen zurück.[94] Aus dieser Sicht sind die Unterschiede zwischen Zivilisationen sehr viel stärker und tiefgehender als die zwischen Ideologien und Nationen. Das Erstarken des religiösen Fundamentalismus wie auch die wirtschaftliche Globalisierung wertete Huntington als Faktoren, die Zivilisationen über Staatsgrenzen hinweg vereinen würden.[95] Huntington ging dabei davon aus, dass sich nach dem Ende des Kalten Krieges die nicht-westlichen Zivilisationen erstmals vom jahrhundertealten Objekt der globalen Politik zum Subjekt hin entwickeln würden. Der Westen diene diesen Zivilisationen als Reibungsfläche, die ihre eigenen Ambitionen stärke. Huntington prognostizierte insgesamt eine Zunahme von Konflikten auf Grundlage religiöser oder ethnischer Unterschiede, die aus einer „Wir gegen die“-Mentalität entstehen würden. Der Politikwissenschaftler prognostizierte das Aufkommen einer multipolaren Welt mit vielen Machtzentren, in der der Westen viel Mühe in die Selbstbehauptung investieren und gleichzeitig mit den nicht-westlichen Zivilisationen Formen der Koexistenz finden müsse.[96]

Wie in der Arbeit zu sehen sein wird, wurden viele Aspekte der tatsächlichen Entwicklungen in der Welt nach dem Kalten Krieg von diesen Forschern bereits vorausgesagt. In der heutigen Welt erscheinen viele der genannten Ideen äußerst vertraut. Die Realität entspricht dabei natürlich nie vollständig einer These. Die hier genannten Theorien haben aber die Entwicklung, vor allem in der US-Außenpolitik, auch selber beeinflusst und somit die „Post-Cold War“-Welt zu einem gewissen Grad sogar mitgeprägt. Die Verschränkung von Theorie und Praxis ist hier besonders gut nachzuvollziehen. Auf diesen Aspekt wird später auch in dieser Arbeit eingegangen. Alle drei Wissenschaftler stimmten in dem Punkt überein, dass die Welt nach dem Kalten Krieg eine sehr veränderte sein würde. Neue Konzepte und Ideen würden nötig sein, um dieser Herausforderung zu begegnen.

III Deutsch-amerikanische Beziehungen von der Wiedervereinigung bis zum Kosovo-Konflikt 1991-1999

3.1 Die USA und die Bundesrepublik nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes

3.1.1 Ausgangsbedingungen und außenpolitische Leitlinien der wiedervereinigten Bundesrepublik

Deutschland vergrößerte sich nach der Wiedervereinigung von 253.000 auf 357.000 km² und die Bevölkerungszahl stieg von 63 auf 80 Mio. Menschen. Die Bundesrepublik hatte damit eine politische und wirtschaftliche Schlüsselrolle in Europa und war der bevölkerungsreichste Staat.[97] Durch den Zwei-plus-Vier-Vertrag erlangte Deutschland zudem seine volle außenpolitische Souveränität wieder. Diese neue Bundesrepublik wurde aufgrund ihrer Lage im Zentrum Europas und ihrer Bevölkerungszahl als natürlicher Kandidat für eine europäische Vormachtstellung gesehen. Dies erschien vielen Nachbarn, aber auch Bündnispartnern, als geradezu naturgegebenes Faktum, auch wenn die Deutschen zuerst einmal alles taten, um diesen Eindruck zu verwerfen.[98]

Die deutsche Wiedervereinigung wurde von einigen Europäern keineswegs so positiv gesehen, wie von den USA. Die Angst vor einem erstarkten Deutschland und die Gefahr eines „Vierten Reiches“ geisterte Anfang der 90er durch Europa. Gerade Deutschlands Nachbarn und ehemalige Kriegsgegner betrachteten die wiedervereinigte Bundesrepublik mit Skepsis. In dieser Situation setzte Deutschland, wie bereits unter Konrad Adenauer, auf eine integrative Ausrichtung seiner Außenpolitik. In der ersten Zeit nach der Wiedervereinigung betonten deutsche Politiker immer wieder, man wolle „nach innen wie außen gute Nachbarn sein“.[99] Die Bundesrepublik bemühte sich zudem darum, von Anfang an durch „nationalen Souveränitätsverzicht“[100] zugunsten europäischer und internationaler Institutionen die Zuverlässigkeit der wiedervereinigten Republik zu unterstreichen. Trotz der geographischen und politischen Veränderungen betonte die Bundesregierung Kohl die Konstanz der Grundlinien und Traditionen der alten Bundesrepublik.[101] Selbst die „uneingeschränkte Integrationsbereitschaft“[102] Deutschlands rief jedoch bei manchen Europäern die Sorge vor einer deutschen Hegemonie in Europa hervor, die jetzt eben unter dem Begriff der Integration verkauft werde. Laut Wolfram Hanfrieder interpretierten Deutschlands Nachbarn misstrauisch seinen Integrationswillen als Hegemoniestreben und mangelnden Integrationswillen als nationalen Alleingang.[103]

Die USA unterstützten die Integration der vereinigten Bundesrepublik in die westlichen Strukturen. Präsident George Bush Sr. legte größten Wert auf die Erhaltung der westlichen Strukturen, vor allem der NATO und die Einbindung der Bundesrepublik in dieselben. „Europa had been transformed by the acceptance of the Western Status Quo“[104], urteilen dazu später Philip Zelikow und Condoleezza Rice. Dies diente einerseits der Sicherung US-amerikanischer Interessen in Europa und der weiteren Verankerung der USA in Europa. Daneben sollte es aber auch die europäischen Nachbarn der Bundesrepublik beruhigen und ihnen die Sorge vor dem neuen größeren Deutschland nehmen. Die USA traten hier folglich wieder als Bürge für Deutschland auf und unterstützten damit die Stabilisierung Europas. Für die Bundesrepublik war die enge Beziehung zu den USA in dieser Phase entscheidend.

Die überspitzten Sorgen vor einem aggressiven, dominanten Deutschland waren ohnehin eher ein irrationaler historischer Reflex, als ein Spiegel der Realität. Im Grunde hatten die Deutschen nach der Wiedervereinigung, wie es Hacke beschreibt, einen Höhepunkt außenpolitischer „Unschuld“[105] erreicht. Der zivilisatorische Grundcharakter deutscher Außenpolitik versprach „weltpolitische Verantwortung im Zeichen von Harmonie und Fortschritt“.[106] Die dominierende, in den letzten 50 Jahren geprägte außenpolitische Leitlinie der alten Bundesrepublik war die Rolle als „Zivilmacht“[107].

Die Bundesrepublik hatte damit auf die negativen Erfahrungen des Nationalsozialismus reagiert und Integration, wirtschaftliches Wachstum sowie konstante Berechenbarkeit und Verlässlichkeit an die Stelle von Machtgewinn und Großmachtpolitik gesetzt. Die zivile Natur der Bundesrepublik drückte sich auch durch eine Kultur der außenpolitischen Zurückhaltung und eine Skepsis gegenüber militärischen Lösungen aus.[108] Deutsche Interessenvertretung erfolgte vorzugsweise, gefiltert durch multilaterale Kanäle und nicht durch nationale Machtpolitik. Der Tradition als Zivilmacht standen nun aber zunehmend höhere Anforderungen an die „europäische Großmacht“[109], oder wie Schwarz schreibt, „Zentralmacht“[110] Deutschland, entgegen. Die USA erwarteten diesbezüglich von Deutschland schon seit Ende der 80er Jahre ein stärkeres transatlantisches „Burden-Sharing“[111] im militärischen aber auch politischen Bereich, um seiner Mitführungsrolle gerecht zu werden. Dieser Konflikt zeichnet sich in den Kontroversen der 90er Jahre deutlich ab und wirkt bis heute nach.

Bezüglich der USA setzte Kohl als „Enkel Adenauers“ auf eine Außenpolitik, die versuchte, die deutsche Integration in Europa und eine freundschaftliche Bindung an Frankreich mit einer engen Anlehnung an die USA auszutarieren. Trotz Helmut Kohls grundsätzlich pro-atlantischer Perspektive taten sich im Laufe der 90er Jahre aber neue Distanzen und Gräben zu den USA auf und die europäische Perspektive sowie die Zusammenarbeit mit Frankreich gewann für Deutschland an Gewicht.[112] Die wirtschaftliche und politische Vereinigung Europas sowie die weitere Integration Deutschlands in Europa beschleunigten diesen Prozess. Zudem erforderten die Beziehungen zu den neuen mittel- und osteuropäischen Staaten sowie das Verhältnis zu Russland zunehmend die Aufmerksamkeit der Bundesrepublik.

Helga Haftendorn beschreibt das Verhältnis zwischen den USA und der Bundesrepublik als eine von jeweiligen „Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen“[113] geprägte Beziehung. Das Verhältnis zwischen den USA und der Bundesrepublik unterlag so im Kalten Krieg relativ festgelegten Regeln. Vor allem sicherheitspolitisch war die Bundesrepublik im Kalten Krieg auf die USA angewiesen. Durch diese Abhängigkeit konnte die Bundesrepublik selten aus der Rolle des Juniorpartners oder Vasallen ausbrechen. Die Sicherheit der Bundesrepublik war nach dem Ende des Kalten Krieges zwar nicht mehr unmittelbar gefährdet. Ein direkter Angriff auf ihre Landesgrenzen war äußerst unwahrscheinlich geworden. Die Bundesrepublik blieb aber de facto weiter auf die sicherheitspolitische Rückversicherung der USA angewiesen. Im Osten Europas lagerten weiterhin enorme Arsenale an atomaren, chemischen und konventionellen Waffen.[114] Diese Waffen stellten gerade in den teilweise politisch instabil gewordenen Regionen der ehemaligen UdSSR eine enorme Bedrohung dar. Die Verteidigungsstrategien und Einsatzkonzepte der NATO und auch die Struktur und Bewaffnung der Bundeswehr selber waren zudem erst einmal überholungsbedürftig und nicht auf neue Bedrohungen eingestellt.[115] Die Krisen im Mittleren Osten und auf dem Balkan sollten bald zeigen, wie sehr Europa und die Bundesrepublik weiterhin auf die Führung der USA angewiesen waren.

3.1.2 Ausgangsbedingungen und außenpolitische Leitlinien der USA

Nach dem Ende des kalten Krieges mussten die USA ihre außenpolitischen Leitlinien neu bestimmen. Im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg gab es immer ein starkes Bedrohungsbild, das die Außenpolitik der USA prägte und vorantrieb. Nach Detlef Junker ruhte die US-Außenpolitik von 1939 bis 1989 auf der „Trias von globalen Interessen, Furcht und Missionsidee“.[116] Nach dem Ende des Kalten Krieges fehlte den USA, wie Junker schreibt, auf dem Kompass der „Nordpol“.[117] Das Fehlen eines großen Feindbildes führte nach Samuel Huntington zu „Euphorie, Stolz, Arroganz und Ratlosigkeit“[118] bei der außenpolitischen Elite der USA. Trotz dieser Ratlosigkeit gab es dennoch wenig Zweifel an der objektiven Rolle der USA als einziger Supermacht - eine Einschätzung, die von nahezu der gesamten außenpolitischen Entscheidungselite der Vereinigten Staaten mitgetragen wurde. Die unipolare Verteilung von Macht und Ressourcen zugunsten der USA war unübersehbar. Diese globale Rolle wurde daher in den Ministerien, im Kongress, in den Medien oder in den berühmt-berüchtigten „Think-Tanks“ kaum angezweifelt.[119]

Zweifelhaft war jedoch die genaue Ausprägung der zukünftigen Rolle der USA in der Welt. Wie die Entwürfe von Fukuyama, Huntington und Krauthammer gezeigt haben, gingen die Vorstellungen über die Entwicklung der neuen Weltordnung stark auseinander. Der bis 1993 amtierende Präsident Bush Sr. proklamierte 1991 die Idee der „New World Order“[120], ein idealistisches Konzept, dass eine aktive Rolle der USA zur Verbreitung von Freihandel und Demokratie und zum Schutz der Menschenrechte proklamierte. Nur durch eine sichere, weitgehend demokratische Welt glaubte man auch die Sicherheit, Stabilität und Prosperität der Industrienation USA garantieren zu können. Die genaue Ausprägung dieser geplanten Weltordnung blieb indessen unklar, auch weil Bush nach nur einer Amtszeit 1993 gehen musste. Der Erste Irak-Krieg von 1990/91 unterstrich aber, dass die USA nicht bereit waren, ihre globalen Interessen aufzugeben, sondern sich an die Spitze eines neuen Systems kollektiver Sicherheit stellen wollten.[121] Ähnlich wie nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, versuchten die USA, die Welt nach ihrem Bilde neu zu gestalten und den Siegeszug liberaler Werte zu fördern, was im Endeffekt ihren eigenen Interessen dienen sollte.

Obwohl ein neuer Isolationismus in Amerika kaum zur Debatte stand, gab es dennoch ein tiefes Bedürfnis nach einer „Friedensdividende“. Nach fünf Jahrzehnten „globaler kalter Konfrontation war der Zeitgeist im Westen auf Rückzug eingestimmt“, schrieb Joschka Fischer 2005.[122] Dieser Rückzug drückte sich im von der 1993 angetretenen Clinton-Administration vertretenen Primat der Innenpolitik aus. Präsident Bill Clintons Fokus lag hauptsächlich auf innenpolitischen Themen: Schaffung von Jobs, Beseitigung von Rassen- und sozialen Schranken, Senkung der Kriminalität und Steigerung des Lebensstandards, besonders der sozial Schwachen.[123] Außenpolitische Verstrickungen sollten zu Gunsten der Innenpolitik so weit möglich vermieden werden.

Das zentrale Papier zur Außenpolitik Clintons, „A national Security Strategy of Engagement and Enlargement“[124], das der nationale Sicherheitsberater Anthony Lake im Herbst 1993 vorlegte, wurde zur Grundlage der „National Security Strategy of Engagement and Enlargement“.[125] Die zentralen Ziele der US-Außenpolitik waren danach eine Vertiefung der Partnerschaft mit bestehenden Demokratien und freien Märkten sowie die Unterstützung neu entstehender Demokratien und Marktwirtschaften, vor allem in Asien und Osteuropa. Begleitet werden sollte diese Strategie von einer Mischung aus Anreiz und Drohung gegenüber Staaten, die sich weiterhin der Demokratisierung und Öffnung ihrer Märkte verweigerten.[126] Die Clinton-Regierung handelte im Glauben an den langfristigen Sieg einer liberalen Weltordnung und nahm an, der zukünftige globale Wettbewerb würde primär „ein friedlicher ökonomischer“[127] sein. In dieser Zeit akzeptierten viele Beobachter einen, im Sinne Fukuyamas, „ökonomische[n] und ideologische[n] Determinismus“[128], der über kurz oder lang zum weltweiten Sieg des liberal-demokratischen Systems führen würde. Besonders in der Clinton-Regierung waren diese „Liberals“ dominant vertreten. Die gewaltige industrielle Übermacht der USA würde aus ihrer Sicht neben Waren auch die amerikanische Kultur und Werte verbreiten. Die „Ökonomisierung der Außenpolitik“[129] erschien als Erfolg versprechendes Konzept und hatte den Vorteil, das Angenehme, also profitablen Handel, mit dem Nützlichen, also der Demokratisierung und Amerikanisierung, verbinden zu können.

Die Ausweitung von Zonen demokratischer und marktwirtschaftlicher Freiheit hatte für die Clinton-Administration folglich Priorität vor militärischem Engagement.[130] Größere militärische Interventionen waren zudem innenpolitisch schwer vermittelbar. Aufgrund der fehlenden „großen Bedrohung“ war die Rechtfertigung solcher Aktionen erschwert. Die Clinton-Administration selber sah ihren außenpolitischen Spielraum als eher begrenzt an.[131] Die US-Bevölkerung würde nur Interventionen mit überschaubarem Risiko und minimalen Verlusten mittragen. Keinesfalls wollte man die Last und die Kosten solcher Operationen alleine tragen. Man setzte daher auf internationale Lastenteilung.

Die USA waren zwar auch unter Clinton nicht bereit, ihre Sicherheit und Interessen komplett der UNO zu übertragen, sahen aber gleichwohl eine wichtige Rolle für internationale Organisationen zur Konfliktschlichtung zwischen Staaten vor.[132] Im Rahmen eines „assertive multilaterism“[133] befürwortete die Clinton-Administration zu Beginn ihrer Amtszeit eine starke Rolle der USA in der UNO. Der UNO-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali strebte Anfang der 90er gleichzeitig nach einer aktiveren Rolle der UNO. Der Sicherheitsrat sollte sogar über eine „peace-enforcement unit“[134] verfügen, die auf weltweite Krisen schnell reagieren sollte. Diese Pläne passten gut in das Konzept der USA. Notwendige Interventionen der USA für Demokratien und freie Märkte sollten vorzugsweise im Rahmen oder zumindest unter dem Deckmantel „kollektiver Sicherheit“ stattfinden.[135] Das Konzept einer liberalen, durch internationale Regeln gestalteten Weltordnung im Sinne eines Woodrow Wilson oder Franklin D. Roosevelt erlebte mit Bush Sr. und Clinton eine Renaissance. Die Zeit nach dem Kalten Krieg war eine Zeit der Hoffnung und Ideale. Das Ende des Kalten Krieges war allerdings keinesfalls das Ende „blutiger Geschichte“[136] gewesen. Der Zerfall der bipolaren Welt brachte neue Konflikte hervor und erweckte alte zum Leben.

[...]


[1] Vgl. Lappenküper, Ulrich: Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949-1990, (Enzyklopädie deutscher Geschichte 83), München 2008, S. 113.

[2] Bortefeld, Heinrich: Die vereinigten Staaten und die deutsche Einheit. Amerikanische Sondierungen im Herbst 1989, in: Larres, Klaus; Oppelland, Torsten (Hrsg.): Deutschland und die USA im 20. Jahrhundert. Geschichte der politischen Beziehungen, Darmstadt 1997, S. 256-276, hier S. 256.

[3] Vgl. Baker, James A.: The policy of diplomacy, New York 1995, S. 153.

[4] Vgl. Schwabe, Klaus: Weltmacht und Weltordnung. Amerikanische Außenpolitik von 1898 bis zur Gegenwart. Eine Jahrhundertgeschichte, Paderborn u.a. 2006, S. 428.

[5] Schöllgen, Gregor: Zehn Jahre als europäische Großmacht. Eine Bilanz deutscher Außenpolitik seit der Wiedervereinigung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) (24/2000), S. 6-12, hier S. 6.

[6] Schwarz, Hans-Peter: Die Zentralmacht Europas. Deutschlands Rückkehr auf die Weltbühne, Berlin 1994, S. 8.

[7] In dieser Arbeit wird der Krieg von 1991 als Erster Irak-Krieg, der Krieg von 2003 als Zweiter Irak-Krieg bezeichnet. In der Forschung wird teilweise eine abweichende Terminologie verwendet.

[8] Schöllgen, Gregor: Die Zukunft der deutschen Außenpolitik liegt in Europa, in: APuZ (11/2004), S. 9-16, hier

S. 10.

[9] Schöllgen, Gregor: Der Auftritt. Deutschlands Rückkehr auf die Weltbühne, München 2003, S. 159.

[10] Haftendorn, Helga: Deutsche Außenpolitik zwischen Selbstbeschränkung und Selbstbehauptung. 1945-2000, München 2001, S. 445.

[11] Hacke, Christian: Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Von Konrad Adenauer bis Gerhard Schröder, 2. Auflage der aktualisierten Neuausgabe, Berlin 2004, S. 581.

[12] Rühle, Michael: Entwicklungslinien des Atlantischen Bündnisses, in: APuZ (43/2006), S. 3-9, hier S. 5.

[13] Schwarz, Hans-Peter: Amerika ist unentbehrlich: Plädoyer für ein atlantisches Europa, in: Jäger, Thomas; Höse, Alexander; Oppermann, Kai (Hrsg.): Deutsche Außenpolitik. Sicherheit, Wohlfahrt, Institutionen und Normen, Wiesbaden 2007, S. 569-584, hier S. 572.

[14] Link, Werner: Europa ist unentbehrlich. Plädoyer für ein europäisches Deutschland, in: Jäger u.a. (Hrsg.): Deutsche Außenpolitik. Sicherheit, Wohlfahrt, Institutionen und Normen, S. 585-595, hier S. 588.

[15] Heraklit, Fragmente, B 53, zit. nach: Reichardt, Tobias: Recht und Rationalität im frühen Griechenland, Würzburg 2003, S. 170.

[16] Vgl. z.B. Holsti, Kalevi J.: The state, war and the state of war, Cambridge 1996, S. XI.

[17] Webber, Mark: The Kosovo. A recapitulation, in: International Affairs (85/3, May 2009), S. 447-459, hier S. 447.

[18] Vgl. Hacke, Christian: 60 Jahre Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, in: Schwarz, Hans-Peter (Hrsg.): Die Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz nach 60 Jahren, Köln u.a. 2008, S. 487-510.

[19] Schröder, Gerhard: „Solidarität mit unseren amerikanischen Freunden“. Rede des Bundeskanzlers am

13.09.2001, in: Steininger, Rolf: Deutsche Geschichte. Darstellung und Dokumente in vier Bänden, Bd. 4: 1974 bis zur Gegenwart, Frankfurt a.M. 2002, S. 360-361, hier S. 360.

[20] Vgl. Lappenküper: Die Außenpolitik der Bundesrepublik 1949-1990, S. 53.

[21] Zu Politik, Kultur und Wirtschaft umfassend: Vgl. Junker, Detlef. u.a. (Hrsg.): Die USA und Deutschland im Zeitalter des kalten Krieges 1945-1990, Bd. 1: 1945-1968, Bd. 2: 1968-1990, Stuttgart/München 2001;

zur jüngsten Geschichte der Beziehungen: Vgl. Ninkovich, Frank: Germany and the United States. The

transformation of the German Question since 1945, 2. erw. Auflage, New York u.a. 1995.

[22] Larres; Oppelland (Hrsg.): Deutschland und die USA im 20. Jahrhundert.

[23] Schwarz, Hans-Peter (Hrsg.): Die Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz nach 60 Jahren, Köln u.a. 2008.

[24] Schmidt, Siegmar; Hellmann, Gunther; Wolf, Reinhard (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Außenpolitik,

Wiesbaden 2007; Jäger u.a. (Hrsg.): Deutsche Außenpolitik. Sicherheit, Wohlfahrt, Institutionen und Normen.

[25] Von Bredow, Wilfried: Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, Wiesbaden 2006; Gareis, Sven-Bernhard: Deutschlands Außen- und Sicherheitspolitik, Opladen 2005; Hellmann, Gunther; Baumann, Rainer: Deutsche Außenpolitik, Wiesbaden 2006.

[26] Hubel, Helmut: Der zweite Golfkrieg in der internationalen Politik. Mit ausgewählten Dokumenten (Arbeitspapiere zur Internationalen Politik 62), Bonn 1991; Markovits, Andrei S.; Reich, Simon: Das deutsche Dilemma: Die Berliner Republik zwischen Macht und Machtverzicht, Berlin 1998; Joetze, Günter: Der letzte Krieg in Europa? Das Kosovo und die deutsche Politik, München 2001; Broder, Henryk M.: Kein Krieg nirgends: Die Deutschen und der Terror, Berlin 2002; Paulsen, Thomas: Die Jugoslawienpolitik der USA 1989-1994. Begrenztes Engagement und Konfliktdynamik, Baden-Baden 1995; Henriksen, Thomas H.: Clinton’s foreign policy in Somalia, Bosnia, Haiti and North Korea, Stanford University 1996; Braun, Stefan; Enzmann, Hannes; Wimmer, Michaela: Brennpunkt Golf - Hintergründe, Geschichte, Analysen, München 1991.

[27] Vgl. Stöger, Jochen: Krisen und Kriege, Deutschland und die Niederlande und die außen- und sicherheitspolitischen Herausforderungen der neuen Ära seit 1990, Münster 2008.

[28] Z.B. Roy, Ludovic: Die Außenpolitik von Präsident William Jefferson Clinton, Dissertation an der Uni Mannheim, Berlin 2008; Klein, Joe: Das Naturtalent. Die verkannte Präsidentschaft Bill Clintons, Berlin 2003; Brzezinski, Zbigniew: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft, Berlin 1997.

Überblick zur US-Außenpolitik: Vgl. Hacke, Christian: Zur Weltmacht verdammt. Die amerikanische

Außenpolitik von J. F. Kennedy bis G. W. Bush, München 2005; Bierling, Stephan: Geschichte der amerikanischen Außenpolitik von 1917 bis zur Gegenwart, München 2003.

[29] Keller, Patrick: Von der Eindämmung zur Erweiterung. Bill Clinton und die Neuorientierung der amerikanischen Außenpolitik, Bonn 2008; Vgl. ebf. Keller, Patrick: Neokonservatismus und amerikanische Außenpolitik. Ideen, Krieg und Strategie von Ronald Reagan bis George W. Bush, Paderborn 2008.

[30] Z.B. Schild, Georg: Die bedrohte Supermacht. Die Außen- und Sicherheitspolitik der USA nach dem Ende des Kalten Krieges, Opladen 2002; Sterling-Folker, Jennifer: Between a Rock and a Hard Place. 'Assertive Multilateralism' and Post-Cold War U.S. Foreign Policymaking, in: Scott, James M. (Hrsg.): After the End. U.S. Foreign Policy in the Post-Cold War World, Durham NC 1998, S. 277-304; Zelikow, Philipp; Rice, Condoleezza: Germany unified and Europa transformed. A study in statecraft, Harvard u.a. 1995; Haftendorn, Helga: Der gütige Hegemon und die unsichere Mittelmacht: deutsch-amerikanische Beziehungen im Wandel, in: APuZ (29-30/1999), S. 3-11.

[31] Z.B. Rudolf, Peter: Imperiale Illusionen. Amerikanische Außenpolitik unter George W. Bush, Baden-Baden 2007; Szabo, Stephen F.: The Parting of Ways. The Crisis in German-American Relations, Washington D.C. 2004; Merkl, Peter H.: The rift between America and old Europe. The distracted eagle, New York 2005.

[32] Rüb, Matthias: Der atlantische Graben. Europa und Amerika auf getrennten Wegen, Wien 2004.

[33] Robert Kagan, Macht und Ohnmacht. Amerika und Europa in der neuen Weltordnung, Berlin 2003.

[34] Woodward, Bob: Der Angriff (Plan of Attack), München 2004; Clarke, Robert A.: Against all Enemies. Der Insiderbericht über Amerikas Krieg gegen den Terror, Hamburg 2004.

[35] Thies, Jürgen: Partner oder Konkurrent? – die deutsch-amerikanischen Beziehungen, in: APuZ (45/2004), S.3-5; Dettke, Dieter: Deutschland als europäische Macht und Bündnispartner, in: APuZ (15-16/2009), S. 41-46; Hedstück, Michael; Hellmann, Gunther: „Wir machen einen deutschen Weg.“ Irakabenteuer, das transatlantische Verhältnis und die deutsche Außenpolitik, in: Kubbig, Bernd W. (Hrsg.): Brandherd Irak. US-Hegemonieanspruch, die UNO und die Rolle Europas, Frankfurt a.M. 2003, S. 224-234.

[36] Rudolf, Peter: Das "neue" Amerika. Außenpolitik unter Barack Obama, Berlin 2010; Kornelius, Stefan: Der unerklärte Krieg. Deutschlands Selbstbetrug in Afghanistan. Ein Standpunkt, Hamburg 2009.

[37] Zu empfehlen: Linksammlung zur Außenpolitik der USA, in: Lehrstuhl für Internationale Politik und Außenpolitik der Universität zu Köln, Prof. Thomas Jäger/ Linksammlungen/ Außenpolitik der USA (abgerufen am 08.08.2009, 16:00): http://www.jaeger.uni-koeln.de/index.php?id=linksammlung_ap_usa

[38] Internetquellen zur Politik (Bundesrepublik, NATO etc.), in: Universitätsbibliothek Frankfurt/ Internetquellen/ Internetquellen zur Politik (abgerufen am 08.08.2009, 16:00): http://www.ub.uni-frankfurt.de/webmania/ webpolitik.html

[39] Vgl. Haftendorn: Deutsche Außenpolitik, S. 95.

[40] Vgl. Schröder, Hans-Jürgen: USA und westdeutscher Wiederaufstieg (1945-1952), in: Larres, Oppelland (Hrsg.): Deutschland und die USA im 20. Jahrhundert, S. 95-118, hier S. 95-96.

[41] Direktive an den Oberkommandierenden der amerikanischen Besatzungstruppen (JCS 1067), in: Pommerin, Reiner; Fröhlich, Michael (Hrsg.): Quellen zu den Deutsch-Amerikanischen Beziehungen 1917-1963 (Quellen zu den Beziehungen Deutschlands zu seinen Nachbarn 2), Darmstadt 1996, S. 167-172, hier S. 170.

[42] Ebd.

[43] Ebd.

[44] Vgl. Gimbel, John: Amerikanische Besatzungspolitik in Deutschland 1945-1949, Frankfurt a. M. 1971, S. 117-122.

[45] Vgl. Ha>

[46] Vgl. Haftendorn: Deutsche Außenpolitik, S. 10.

[47] Vgl. ebd., S. 95.

[48] Rearden, Steven L.: Das Dilemma der zweifachen Eindämmung, in: Junker u.a. (Hrsg.): Die USA und Deutschland im Kalten Krieg (I), S. 317-324, hier S. 317.

[49] Vgl. Ha>

[50] Vgl. Ha>

[51] Rupieper, Hermann-Josef: Der besetzte Verbündete. Die amerikanische Deutschlandpolitik. 1949-1955

(Studien zur Sozialwissenschaft 95), Opladen 1991, S. 1.

[52] Vgl. Ha>

[53] Haftendorn: Deutsche Außenpolitik, S. 10.

[54] Vgl. Ha>

[55] Besson, Waldemar: Die Außenpolitik der Bundesrepublik. Erfahrungen und Maßstäbe, München 1970, S. 39.

[56] Als Folge der Kuba-Krise im Oktober 1962, die fast zu einem atomaren Schlagabtausch geführt hatte.

[57] Als Abschreckung diente damals die Androhung gegenseitiger totaler Vernichtung im Falle eines Krieges.

Zu den ökonomischen und strategischen Implikationen: Vgl. Pöttering, Hans-Gert: Adenauers

Sicherheitspolitik 1955-1963. Ein Beitrag zum deutsch-amerikanischen Verhältnis, Düsseldorf 1975, S. 40-50.

[58] Vgl. Görtemaker, Manfred: Deutschland zwischen den Supermächten, in: Junker u.a. (Hrsg.): Die USA und

Deutschland im Kalten Krieg (I), S. 181-190, hier S. 188-189.

[59] Betreffend die Frage um die zukünftige Gestalt des deutschen Staates in Europa und seine Grenzen.

[60] Vgl. Stützle, Walter: Kennedy und Adenauer in der Berlin-Krise 1961-1962 (Schriftenreihe des Forschungsinstituts der Friedrich-Ebert-Stiftung), Bonn-Bad Godesberg 1973, S. 245.

[61] Ebd., S. 164.

[62] Vgl. Ninkovich, Frank: Die vereinigten Staaten und die deutsche Frage 1949-1968, in: Larres; Oppelland (Hrsg.): Deutschland und die USA im 20. Jahrhundert, S. 191-201, hier S. 199-201.

[63] Görtemaker: Deutschland zwischen den Supermächten, S. 190.

[64] Vgl. ebd., S. 196-197.

[65] Eine Reihe von Verträgen zwischen der Bundesrepublik und ihren östlichen Nachbarn sowie der UdSSR, in denen u.a. der Verlust der deutschen Ostgebiete anerkannt und de facto auch die DDR als Staat akzeptiert wurde.

[66] Memoiren Kissingers (Auszug S. 441-444), in: Pommerin, Reiner; Fröhlich, Dorothee (Hrsg.): Quellen zu den Deutsch-Amerikanischen Beziehungen 1964-1990 (Quellen zu den Beziehungen Deutschlands zu seinen Nachbarn 2a), Darmstadt 1998, S. 125-129, hier S. 125.

[67] Krieger, Wolfgang: Verteidigung durch Entspannung? Die deutsch-amerikanischen Sicherheitsbeziehungen 1968-1990, in: Junker u.a. (Hrsg.): Die USA und Deutschland im Kalten Krieg (II), S. 177-199, hier S. 184-185.

[68] Ha>

[69] Niedhart, Gottfried: Der alte Freund und der neue Partner. Die Bundesrepublik und die Supermächte, in: Junker u.a. (Hrsg.): Die USA und Deutschland im Kalten Krieg (II), S. 46-55, hier S. 46-47.

[70] Remarks to the Citizens in Mainz, Federal Republic of Germany (31.05.1989), in: George Bush Presidential Library and Museum/Home/Resarch/Public Papers/1989/May (abgerufen am 03.11.2009, 17:00): http://bushlibrary.tamu.edu/research/ public_papers.php?id=476&year=1989&month=5

[71] Vgl. Bortefeld: Die vereinigten Staaten und die deutsche Einheit, S. 256.

[72] Vgl. ebd. S. 262-264.

[73] Vgl. Szabo, Stephen F.: Die USA und die deutsche Wiedervereinigung. Ein amerikanischer Erfolg, in: Junker

u.a. (Hrsg.): Die USA und Deutschland im Kalten Krieg (II), S. 163-173, hier S. 163-166.

[74] Erklärung Kohls (Bulletin Nr. 30, 28.2.1990) Camp David 25.2.1990, in: Pommerin; Fröhlich (Hrsg.):

Quellen zu den Deutsch-Amerikanischen Beziehungen 1964-1990, S. 234-236, hier S. 235.

[75] Memoiren George C. McGhees (Auszug S. 383-386), 1989, in: ebd., S. 232-234, hier S. 233.

[76] Fukuyama, Francis: The End of history?, in National Interest (16/1989), S. 3-18, hier S. 3.

[77] Ebd.

[78] Ebd., S. 4.

[79] Fukuyama definiert die Freiheit, garantiert durch das Recht und demokratische Repräsentation, als die grundlegenden Merkmale eines liberalen Systems.

[80] Fukuyama bezieht sich in seinem Aufsatz auf die Ideen Georg Friedrich Wilhelm Hegels, der bereits 1806 das „Ende der Geschichte“ ankündigte und sich damit auf den Sieg der Prinzipien der Aufklärung bezog. Dieser historische Determinismus wurde später auch von Karl Marx übernommen, nach Fukuyama allerdings von Marx falsch interpretiert. Zu den Ideen Hegels: Vgl. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: System der Wissenschaft (Erster Teil). Phänomenologie des Geistes, Bamberg und Würzburg 1807.

[81] Vgl. Fukuyama: The End of History?, S. 6-7.

[82] Vgl. ebd., S. 13-14.

[83] Krauthammer, Charles: The Unipolar Moment, in: Foreign Affairs (70/1, Winter 1990/1991), S. 23-33, hier S. 23.

[84] Ebd., S. 23.

[85] Vgl. Krauthammer: The Unipolar Moment, S. 24.

[86] Krauthammer: The Unipolar Moment, S. 23.

[87] Ebd., S. 31.

[88] Vgl. ebd., S. 25-26.

[89] Ebd., S. 31-32.

[90] Ebd., S, 22.

[91] Huntington, Samuel: The Clash of Civilizations?, in: Foreign Affairs (72/3, Summer 1993), S.22-49, hier S. 22.

[92] Vgl. ebd., S. 24.

[93] Vgl. ebd., S. 25.

[94] Vgl. ebd., S. 31.

[95] Vgl. ebd., S. 26.

[96] Vgl. ebd., S. 49.

[97] Vgl. Ha>

[98] Vgl. Haftendorn: Deutsche Außenpolitik, S. 386-388.

[99] Regierungserklärung von Bundeskanzler Dr. Kohl vom 3. Oktober 1990 (Auszüge), in: Auswärtiges Amt (Hrsg.): Aussenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Dokumente von 1949 bis 1994, herausgegeben anlässlich des 125. Jubiläums des Auswärtigen Amtes, Köln 1995, S. 727-733, hier S. 729.

[100] Haftendorn: Deutsche Außenpolitik, S. 388.

[101] Vgl. Ha>

[102] Hanfrieder, Wolfram F.: Deutschland, Europa, Amerika. Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1949-1994, 2. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Paderborn u.a. 1995, S. 128.

[103] Vgl. ebd., S. 127-128.

[104] Zelikow; Rice: Germany unified and Europa transformed, S. 368.

[105] Vgl. Ha>

[106] Vgl. ebd., S. 501.

[107] Maull, Hanns, W.: Deutschland als Zivilmacht, in: Schmidt u.a. (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Außenpolitik, S. 73-84, hier S. 77.

[108] Vgl. ebd., S. 77-78.

[109] Schöllgen, Gregor: Zehn Jahre als europäische Großmacht. Eine Bilanz deutscher Außenpolitik seit der

Wiedervereinigung, in: APuZ (24/2000), S. 6-12, hier S. 6.

[110] Schwarz: Die Zentralmacht Europas, S. 8.; Zum Begriff der "Zentralmacht" in der Diskussion: Vgl. Baumann, Rainer: Deutschland als Europas Zentralmacht, in: Schmidt u.a. (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Außenpolitik, S. 62-72.

[111] Sloan, Stanley R.: A strategic partnership between Germany and the United States: American expectations, deutsche Zusammenfassung, Arbeitspapier der Konrad-Adenauer-Stiftung (Hrsg.), St. Augustin 1995, S. I.

[112] Vgl. Ha>

[113] Haftendorn: Der gütige Hegemon und die unsichere Mittelmacht, S. 3.

[114] Vgl. Hanfrieder: Deutschland, Europa, Amerika, S. 123.

[115] Vgl. ebd., S. 114.

[116] Junker, Detlef: Power and Mission. Was Amerika antreibt, Freiburg im Breisgau 2003, S. 129.

[117] Ebd.

[118] Huntington, Samuel P.: Who are we? Die Krise der amerikanischen Identität, Hamburg 2004, S. 332.

[119] Vgl. Junker: Power and Mission, S. 133.

[120] Bush, George H.W.: Address Before a Joint Session of the Congress on the State of the Union (January 29, 1991), in: Public Papers of The President – 1991 Book I, S. 75 (abgerufen am 28.08.2009, 16:10): http://frwebgate5.access.gpo.gov/cgibin/TEXTgate.cgi?WAISdocID=467440216513+6+1+0&WAISaction=retrieve

[121] Vgl. Lösche, Peter: George Bush 1989-1993. Die Suche nach der neuen Weltordnung, in: Mauch, Christoph (Hrsg.): Die amerikanischen Präsidenten. 44 historische Porträts von George Washington bis Barack Obama, S. 408-411, hier S. 411.

[122] Vgl. Fischer, Joschka: Die Rückkehr der Geschichte. Die Welt nach dem 11. September und die Erneuerung des Westens, Köln 2005, S. 11.

[123] Vgl. Junker: Power and Mission, S. 132.

[124] Lake, Anthony: „From Containment to Enlargement“, in: U.S. Department of State Dispatch, 27. September 1993, Vol. 4, No. 39, S. 658-664.

[125] The White House: A National Security Strategy of Engagement and Enlargement, Washington D.C. July 1994.

[126] Vgl. Keller: Eindämmung zur Erweiterung, S. 11-12.

[127] Kagan, Robert: Die Demokratie und ihre Feinde. Wer gestaltet die neue Weltordnung? (BpB-Schriftenreihe 714), Bonn 2008, S. 12.

[128] Ebd., S. 9.

[129] Keller: Eindämmung zur Erweiterung, S. 180.

[130] Vgl. Junker: Power and Mission, S. 136-137.

[131] Vgl. Ha>

[132] Vgl. Schild: Die bedrohte Supermacht, S. 50.

[133] Sterling-Folker: Between a rock and a hard place, S. 278.

[134] Müller, Joachin (Hrsg.): Reforming the United Nations. New initiatives and past efforts (Volume 1), 3 Volumes, The Hague 1997, S. 167.

[135] Vgl. Schild: Die bedrohte Supermacht, S. 41.

[136] Hacke: 60 Jahre deutsche Außenpolitik, S. 501.

Details

Seiten
123
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640771974
ISBN (Buch)
9783640772148
Dateigröße
975 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v162434
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie
Note
1.3
Schlagworte
Außenpolitik Deutsch-Amerikanische Beziehungen Internationale Beziehungen

Autor

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Titel: Partnerschaft und Krise - Die deutsch-amerikanischen Beziehungen