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Zuflucht im Paradies? Deutschsprachige Filmarchitekten in Hollywood

Hausarbeit 2003 15 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Filmarchitekt

III. Filmexil

IV. Rudi Feld

V. Harry Horner

VI. Scheitern oder Bestehen in der Fremde?

VII. Reimmigration

VIII. Schluss

IX. Bibliographie

X. Abbildungen

I. Einleitung

Der Beginn des Dritten Reiches und die Machtübernahme Adolf Hitlers 1933 setzten den Anfang für die systematische Vertreibung der kreativsten Köpfe des deutschsprachigen Films. Der deutsche Film hat sich von dieser Vertreibung seiner Elite nicht wieder erholt.

In meiner Arbeit soll es um die Exilerfahrung einer bisher wenig beachteten Gruppe der deutschen Filmindustrie gehen: Die Filmarchitekten. Dabei werde ich mich ausführlich mit zwei dieser Filmexilanten und ihrem jeweiligen Schicksal beschäftigen. Die Exilbeispiele Rudi Felds und Harry Horners sollen exemplarisch aufzeigen, wie es deutschsprachigen Filmarchitekten in Hollywood in den 1930er und 1940er Jahren erging.

Bei der Betrachtung dieser zwei Filmarchitekten, die ins amerikanische Exil gingen, stehen folgende Fragen im Vordergrund: War es notwendig, dass man als Filmarchitekt bereits etablierte Künstler der Filmbranche in Hollywood kannte, damit überhaupt eine Chance bestand wieder im eigenen Beruf arbeiten zu können? War es notwendig, mehrere künstlerische Begabungen zu haben, damit man vielfältiger in Hollywood einsetzbar war? Und inwieweit haben Filmexilanten und insbesondere deutschsprachige Filmarchitekten den Stil des amerikanischen Films geprägt?

Ferner möchte ich in einem zweiten Teil meiner Arbeit das Scheitern beziehungsweise das Bestehen deutschsprachiger Filmarchitekten im amerikanischen Exil analysieren. Dabei soll auch die Frage der eventuellen Reimmigration nach Deutschland eine Rolle spielen, die gerade für die weniger erfolgreichen Exilanten ein wichtiger, wenn auch schwieriger Ausweg aus dem beruflichen Scheitern im Exilland darstellten konnte.

Um über die verschiedenen Aufgabenbereiche und künstlerischen Tätigkeiten dieser Gruppe von Filmschaffenden aufzuklären, möchte ich im Folgenden eine kurze Definition des Berufsbildes „Filmarchitekt“ voranstellen.

II. Filmarchitekt

Diese Definition des Begriffs „Filmarchitekt“ stammt aus Harald Heckers Buch „Der urheberrechtliche Schutz von Bühnenbild und Filmkulisse.“ Hier heißt es: „Neben der Bezeichnung „Filmarchitekt“ werden auch die Berufsbezeichnungen „Szenenbildner, „Filmausstatter“, „Filmbildner“, „Bühnenbildner“, „Production-Designer“ oder „Film-Designer“ verwendet. Die Betroffenen selbst nennen sich „Artdirector“, da diese Bezeichnung ihrer Meinung nach die Arbeit der Filmarchitekten am besten beschreibt. Der Beruf des Filmarchitekten ist kein Lehrberuf, sondern ein sogenannter Anlernberuf. Es gibt auch keine Ausbildungsrichtlinien. Die meisten Filmarchitekten haben ein abgeschlossenes Hochschulstudium absolviert zum Beispiel Malerei, Kunstgeschichte [oder oftmals Architektur]. Nach einer zwei- bis dreijährigen Assistenzzeit bei einem erfahrenen Filmarchitekten kann der Assistent selbstständig als Filmarchitekt eingesetzt werden. Der Aufgabenbereich der Filmarchitekten umfasst die künstlerische und eigenschöpferische Gestaltung und technisch-organisatorische Planung und Realisation der szenischen Ausstattung von Spielfilm-, Fernseh- und Videoproduktionen sowie Industrie- und Werbefilmen, in die er seine Ideen und Entwürfe einbringt.“[1]

Ein Filmarchitekt prägt durch seine Entwürfe und Bauten, seine Dekorationen und Ausstattungen entscheidend den Stil, die Atmosphäre und die Wirkung des Filmes.

III. Filmexil

Einen Tag nach Goebbels sogenannter „Kaiserhof-Rede“ am 28. März 1933, die er vor den Vertretern der deutschen Filmwirtschaft hielt, und in der er ausdrücklich davor warnte weiterhin jüdische Filmschaffende zu beschäftigen, beschloss der Vorstand der Ufa, dass „nach Möglichkeit die Verträge mit den prominenten jüdischen Mitarbeitern gelöst werden sollen.“[2] Diese Empfehlung führte zu Entlassungen in allen Tätigkeitsfeldern der Ufa und der deutschen Filmbranche insgesamt.

Betroffen waren Regisseure, Produzenten, Drehbuchautoren, Komponisten, Schauspieler, Kameraleute, Cutter, Tontechniker, Agenten, Verleiher, Kinobesitzer und eben auch Filmarchitekten. Insgesamt wird die darauf folgende Filmemigration auf ca. 2000 Personen geschätzt und Helmut Asper zählt diese Exilantengruppe zu der jüdischen Emigration, da nur sehr wenige nichtjüdische Filmkünstler freiwillig ins Exil gegangen sind.[3]

Zunächst emigrierten viele Filmschaffende in europäische Länder, um dort ihre Karrieren fortzusetzen. Im Laufe der Zeit wurde allerdings Hollywood in zunehmendem Maße der zentrale Fluchtpunkt der Filmemigration und circa 800 Filmemigranten fanden Zuflucht in Kalifornien. Dies gilt auch für den Berliner Filmarchitekten Rudi Feld.

IV. Rudi Feld

Dieser wurde am 22. Dezember 1896 in Berlin geboren. Er studierte Malerei, Architektur, Plastik und Klavier und arbeitete in den frühen 1920er Jahren als Maler, Illustrator, Bühnenbildner und Filmarchitekt.

Für den Produzenten Erich Pommer entwarf er Stummfilmdekorationen und gestaltete diverse Ufa-Kabarettfilme des Regisseurs Kurt Gerrons. Zusätzlich arbeitete er für Theaterbühnen und entwarf Dekorationen für die Berliner Scala, das Kabarett der Komiker, das Große Schauspielhaus und Juschnis Russenkabinett „Blauer Vogel“. Am 1. August 1926 übernahm Rudi Feld die gesamte künstlerische und kaufmännische Leitung der Reklameabteilung der Ufa, wobei sein Aufgabenbereich unter anderem Bühnen- und Theaterbauten und Fassadenreklame umfasste.

Für den Film „Asphalt“ von Joe May, der am 11. März 1929 im Ufa-Palast am Zoo uraufgeführt wurde, entwarf und baute Rudi Feld eine riesige Reklametafel, die die Premiere mit elektrischen Lichtern und beweglichen Autos ankündigte. Rudi Feld knüpfte mit seiner modernen Reklametafel an die Großstadtatmosphäre des Films an und entsprach damit der visionären Metropolenvorstellung von „Asphalt“. Für den Film wurde eigens eine 15 Meter breite und 230 Meter lange Atelierstrasse gebaut. Auch wenn Rudi Feld an dieser Filmproduktion nicht als Filmarchitekt beteiligt war, zeugen sein Ölgemälde „Filmen von Asphalt im Studio“, das 1928 entstand und sich heute in der Stiftung Deutsche Kinemathek in Berlin befindet, und seine innovativen Reklametafeln von enger Zusammenarbeit mit den Spitzen des damaligen Stummfilms in Deutschland.

[...]


[1] Harald G. Heker, Der urheberrechtliche Schutz von Bühnenbild und Filmkulisse, Baden-Baden, 1990, S. 63-65.

[2] Helmut G. Asper, Etwas Besseres als den Tod – Filmexil in Hollywood, Marburg, 2002, S. 15.

[3] Helmut G. Asper, Film. In: Claus Dieter Krohn, Patrik von zur Mühlen, Gerhard Paul und Lutz Winckler (Hrsg.), Handbuch der deutschsprachigen Emigration 1933-1945, Darmstadt, 1998, S. 957-959.

Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638211376
ISBN (Buch)
9783638771436
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v16229
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Kunstgeschichte
Note
1
Schlagworte
Zuflucht Paradies Deutschsprachige Filmarchitekten Hollywood Künste Exil Scheitern Bestehen Fremde

Autor

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