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Militär und Gesellschaft im Treuenbrietzen des 18. Jahrhunderts

von Tim Olster (Autor)

Magisterarbeit 2007 134 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Forschungsstand
1.2. Literatur- und Quellensituation
1.3. Zielsetzung und Vorgehensweise

2. Treuenbrietzen – ein historischer Überblick.

3. Verwaltung der Stadt
3.1. Der „Staat“ in der Stadt
3.2. Der Magistrat
3.3. Das Militär

4. Militär in der Stadt

5. Entwicklung der Einwohnerschaft
5.1. Nichtmilitärische Bevölkerung
5.2. Militärische Bevölkerung

6. Das Militär als Stadtentwicklungsfaktor
6.1. Einquartierung und Sesshaftigkeit
6.2. Platzmangel in der Gastwirtschaft
6.3. Neuer Wohnraum für Bürger und Soldaten
6.3.1. Neubau und Reparatur baufälliger Häuser
6.3.2. Ausbau von Etagenwohnungen
6.3.3. Die Kaserne als Lösung?

7. Der Wirtschaftstandort Treuenbrietzen
7.1. Das Militär als Wirtschaftsfaktor
7.1.1. Textil- und Lederwaren für das Militär
7.1.2. Ansiedlung von Kolonisten
7.1.3. Arbeitskräfte aus dem Heer
7.2. Versorgung des Militärs mit Nahrungsmitteln

8. Normenverletzung durch Militärs
8.1. Wachsoldaten als Komplizen
8.2. Tuchhändler als Opfer

9. Bürger als Taufpaten – Soldaten und Geistliche als Lehrer
9.1. Patenschaft als Brückenschlag
9.2. Getrennte Schulen – Gemeinsame Lesegesellschaft

10. Fazit

11. Quellenverzeichnis

12. Literaturverzeichnis

13. Kartennachweis

1. Einleitung

1.1. Forschungsstand

Am Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts beklagte der Historiker Ernst Willi Hansen in seinem Bericht „Zur Problematik einer Sozialgeschichte des deut- schen Militärs im 17. und 18. Jahrhundert“ das inhaltliche Defizit der damaligen Militärgeschichte, sich mit ihrer vornehmsten Aufgabe, nämlich der Rekonstrukti- on der sozialen Wirklichkeit der Soldaten 1 nicht zu beschäftigen.2 Bernhard R. Kroener erneuerte diesen Vorwurf fast eine Dekade später in seinem Literatur- und Forschungsbericht, in dem er resümierte, dass es noch an einer modernen Mi- litärgeschichte in Deutschland fehle. Gleichzeitig verwies er auf die englische und französische Militärhistorie, die diesbezüglich fortschrittlicher sei.3

Seit mehr als zwei Jahrzehnten hat sich in Deutschland die Einstellung zur Mili- tärgeschichte geändert. Dabei erfolgte eine Abkehr von einer reinen schlachten- und operationsgeschichtlichen Perspektive hin zu einer nun stärker sozialge- schichtlich betonten Betrachtungsweise.

Dadurch öffnete sich die Militärgeschichte thematisch für einen größeren Perso- nenkreis. Beispiele dafür sind die Untersuchungen zur Geschlechter- und Mentali- tätsgeschichte von Beate Engelen und Jutta Nowosadtko.4

Ursächlich für das Ausblenden von sozialen Fragestellungen in der deutschen Militärgeschichte in der Vergangenheit waren vor allem zwei Aspekte: Zum einen hatten die deutschen Militärs, von denen der Großteil der militärgeschichtlichen Literatur noch bis heute stammt, bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts nur wenig Interesse an der Erforschung der sozialen Lebensumstände der Solda- ten. Für sie war, wie bereits angedeutet, die Militärgeschichte bis dahin gleichbe- deutend mit der Kriegsgeschichte.5

Die Sozialwissenschaftler ihrerseits hatten kaum Ambitionen sich auf das gesell- schaftlich „schwierige Terrain“ des Militärs einzulassen.6 Zu stark waren nach wie vor ihre Vorbehalte gegen die Armee, da ihr die Katastrophen der beiden Weltkriege aus der jüngeren deutschen Geschichte anhafteten.7

Bereits 1816 war im preußischen Generalstab eine kriegsgeschichtliche Abtei- lung gegründet worden, in der Offiziere, nicht Historiker, eine „amtliche Kriegs- geschichte“ schrieben.8

Sie sollten vorrangig Erfahrungen aus der Praxis für die Praxis (Applikations- wissenschaft) nutzbar machen – daher standen Themen wie Heeresaufbringung, - verfassung und -verwaltung, Kriegsrecht und vor allem Taktik und Strategie im Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses.9

Gegen eine inhaltliche Öffnung und universitäre Einbindung, wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts z. B. Hans Delbrück in seinem programmatischen Werk „Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte“10 gefordert hatte, verwehrten sich aber nicht nur die meist aus dem Kreise der Militärs stam- menden Apologeten der Generalstabshistorie, sondern auch veritable Universi- tätsprofessoren, wie Leopold von Ranke.

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und der danach 1920 von den Alliier- ten verfügten Auflösung des deutschen Generalstabes und seiner Kriegsgeschicht- lichen Abteilung setzten die amtlichen Stellen ihre Arbeit in einer eigenen For- schungsabteilung im neu gegründeten Reichsarchiv fort. Sie residierten in dem Gebäude der alten Kriegsschule auf dem Potsdamer Brauhausberg.11

Nun wurden den Militärs auch zivile Mitarbeiter zur Seite gestellt, die zum Teil nach historisch-kritischen Methoden arbeiteten und damit zu einer zunehmenden Versachlichung der Kriegsgeschichte beitrugen und in Ansätzen auch eine sozial- historische Öffnung beförderten.12

In diesem Kontext führte besonders das Aufkommen soziologischer Theorien in dieser Zeit zu neuen Impulsen. Zwar war das Militär nicht im direkten Fokus der Forscher, doch wurde es peripher vor allem im Hinblick auf seine „disziplinieren- de Wirkung“ untersucht.

Disziplin, so der Soziologe Max Weber, erzeuge eben jene Zuverlässigkeit, die für das Funktionieren eines modernen Staates unerlässlich sei. So käme dem Mili- tär als Mutterschoß der Disziplin eine herausragende Bedeutung im Staatsbil- dungsprozess zu.13

Nach der Instrumentalisierung und Deformierung der traditionellen „Kriegsge- schichte“ hin zur „Wehrgeschichte“ - die ihren Beitrag zur wehrpolitischen Erzie- hung des Volkes während des Nationalsozialismus leisten sollte14 - musste nach 1945 eine Neuorientierung der Militärgeschichte erfolgen, um sie in ihrer Form als Teildisziplin der Geschichte zu rechtfertigen.15

Die Grundlage für die breit gefächerte Öffnung der deutschen Militärgeschichte in der letzten Zeit bildeten militärhistorische Arbeiten aus den sechziger und sieb- ziger Jahren.16

Obwohl sie in vielen inhaltlichen Punkten nicht mehr den aktuellen Forschungs- stand wiedergeben, liegt ihr besonderer Verdienst in der Vorreiterrolle bei der Aufdeckung der Wechselbeziehung zwischen Militär und Gesellschaft. Damit bil- den sie die Basis für die Theorien der modernen deutschen Militärgeschichte.17 Besonders die Arbeit von Otto Büsch, in der er die Agrargesellschaft mit dem Militärsystem gleichsetzte,18 und die von Gerhard Oestreich formulierte Theorie der Sozialdisziplinierung, die die Erziehung der Gesellschaft mit dem Militär ver- band, rüttelten am Bild von statisch getrennten zivilen und militärischen Welten.19 Beide Arbeiten gelten nach wie vor als entscheidende Impulsgeber - vor allem für die Auseinandersetzung mit der preußischen Militärgeschichte. Darüber hin- aus beeinflussten ihre Betrachtungsperspektiven auch den regionalgeschichtlichen Bereich. Deswegen sollen die wesentlichen Kernpunkte beider Arbeiten kurz vor- gestellt und den Ergebnissen der neusten Forschung gegenübergestellt werden.

Die Theorie der Sozialdisziplinierung als Teil eines umfangreichen Vergesell- schaftungsprozesses ging laut Oestreich von höchster hierarchischer Ebene aus und übertrug sich in Form von Mandaten, Reskripten und Gesetzen auf die unte- ren gesellschaftlichen Schichten.

Ein starkes, gut diszipliniertes, ständiges Heer mit anexerziertem Gehorsam galt als Wegbereiter für eine Disziplinierung der ganzen Gesellschaft. Vor allem die Verwaltung - in Form einer straff organisierten Bürokratie - und die Ökonomie waren wichtige Bereiche für die gesellschaftliche Disziplinierung.20

Diese Entwicklung beeinflusste auch die Kultur. In der Architektur kreierte man symmetrische Schlösser mit ihren kunstvoll beschnittenen Parkanlagen. Beim Ge- sellschaftstanz der Zeit, dem Menuett, achtete man auf den Synchronismus der Bewegung.

Der Landesherr griff insgesamt also massiv in das soziale und ökonomische Le- ben der Bevölkerung ein, und bewirkte eine Vereinheitlichung und Reglementie- rung ihrer Handlungen und Haltungen.21

Das Ziel dieser Fundamentaldisziplinierung sollte demnach die Normierung des „Untertanenverbandes“ unter Ausschaltung der ständischen Repräsentation sein. Parallel dazu verlief der Prozess der Konfessionalisierung.22

Nach dem Dreißigjährigen Krieg entstanden die ersten Bemühungen, die für die Sozialdisziplinierung der Gesellschaft als Basis angesehene Soldateska langfristig an einen Herrscher zu binden. Dieser Prozess verlief unstetig, so dass sich in der neueren Militärgeschichte der Begriff vom Stehengebliebenen Heer 23 etabliert hat, da Mobilisierungs- und Demobilisierungseffekte bei den europäischen Armeen die Regel waren.24

Johannes Burckhardt bemerkt dazu: Die Verstetigung und Verstaatlichung der Heere war an sich ein langer Prozeß, der weit vor dem Dreißigjährigen Krieg be- gonnen hat und nach ihm nicht gleich zum Abschluß kam. 25

Die Herausbildung des Stehenden Heeres mit seinen Bedürfnissen bildete die Grundlage für den Auf- bzw. Ausbau der fürstlich-staatlichen Verwaltung. Das bedeutete auch die Schaffung eines rechtskräftigen Verhältnisses von vertragli- chen Bindungen, die den Befehlsgehorsam festschrieben und somit eine eindeuti- ge hierarchische Struktur etablierten:

Mit der Übernahme langfristiger Verträge auch in Friedenszeiten, wandelte sich die privatrechtliche Bindung Söldner-Fürst allmählich in eine staatsrechtliche Verpflichtung um; „Treue“ und „Eid“ des Soldaten standen der Fürsorgepflicht des Fürsten als Landesherrn gegenüber. Dieses neue öffentlich-rechtliche Ver- hältnis zwischen Militär und Landesherrn führte zum Regelzwang (…). 26

Als Exekutiv-, Schutz-, und Kontrollorgan für den Souverän sollte es den Staats- bildungsprozess einleiten und ihn gegen Übergriffe von innen und von außen schützen.27

Zur Finanzierung der Armee musste der Landesherr immer neue Geldquellen in Form von Abgaben und Steuern erschließen. Damit verbunden war der Aufbau eines Beamtenapparats.

Bereits Otto Hintze äußerte in seinem Buch „Die Hohenzollern und ihr Werk“ aus dem Jahr 1915, dass die Grundlage des Deutschen Kaiserreichs schon im Wirken Friedrich Wilhelm I. lag. Dieser hätte eine militärisch-monarchische Staatsordnung begründet, die in ihrer Straffheit und Schlagfertigkeit etwas Neues und Unerhörtes war. Grundpfeiler dieses preußischen Staates, der bis zum heuti- gen Tage das unvertilgbare Gepräge seiner Persönlichkeit trage, seien eben das Heer und das Beamtentum. 28

Auf der anderen Seite wurden die eingenommenen Finanzen für den Auf- und Ausbau des Heeres in die heimische Wirtschaft investiert, und bildeten somit die Grundlage für ökonomisches Wachstum.29

Das Stehende Heer galt generell als Garant für Ordnung und somit als „Erzie- hungsstube des Bürgers“. Äußerlich begründete sich dieser Eindruck mit den Uni- formen, die die Menge von Individuen eines Söldnerhaufens zugunsten eines gleich gekleideten Heeres von Soldaten ersetzten. Die anexerzierten mechani- schen Handgriffe der Soldaten beim Umgang mit der Waffe untermauerten diesen Eindruck.30

Neben den neuen Steuern stellten vor allem die Zwangswerbungen und die Ein- quartierung von Soldaten einen massiven Eingriff des Landesherrn in das Alltags- leben seiner Bevölkerung dar.

Büsch sah in seiner eingangs erwähnten Publikation über das Militärsystem und Sozialleben im alten Preußen im 18. Jahrhundert eine Verschmelzung der Heeres- und Agrarverfassung:

Das Militärsystem als soziales System war unauflöslich verflochten mit der in den östlichen Landesteilen bestehenden Agrarverfassung, die mit Gutsherrschaft verbunden auftrat. 31

In der Kantonverfassung von 1733 glaubte er die Grundlage für die Militarisie- rung aller gesellschaftlichen Bereiche zu erkennen, wobei er eine Identität zwi- schen Gutsbesitzer und adligem Offizier konstruierte. Damit versuchte Büsch nicht nur die Beziehung innerhalb der preußischen Gesellschaft im Zeitfenster von 1713 bis 1807 zu erklären, sondern er skizzierte vielmehr einen stringenten Weg bis ins 20. Jahrhundert. Nach seiner Auffassung führte die Entscheidung Friedrich Wilhelms I. Adlige als Offiziere für sein Heer zu gewinnen, zu einer engen Bin- dung an den Landesherrn. Diese Entwicklung setzte sich bei seinen Nachfolgern fort.

Die militärischen Erfolge und der damit verbundene Aufstieg Preußens zur euro- päischen Großmacht sowie der Prestigegewinn des Militärs innerhalb der Gesell- schaft führten zu einer Obrigkeitshörigkeit, die sich die Nationalsozialisten zu Nutze machten. Die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges ist für Büsch nur eine logische Folge der vorangegangenen gesellschaftlichen und politischen Prozes- se.32

Erst in den letzten Jahren formierten sich immer mehr Zweifel an einer umfas- senden sozialen Disziplinierung der „Untertanen“ durch den Souverän.

Nicolas Henshall verwies nach intensivem Quellenstudium in seinem Werk „The Myth of Absolutism. Change and Continuity in Early Modern European Monar- chies“ auf eine Konsensbeziehung zwischen Landesherrn und Landesständen. Damit ließ er die absolute Herrschaftsform des Monarchen fraglich erscheinen.33 Achim Landwehr wertete die neuen Erkenntnisse als Aufweichung der festge- setzten Grenzlinie zwischen Herrschendem und Beherrschtem, die mitten durch die Gemeinde [verlief], [denn] sie variierte ständig und konnte auch, wenn man so

möchte, durch die einzelnen Personen hindurch verlaufen.

Die „Untertanen“ waren für ihn nicht nur passive Empfänger obrigkeitlicher Weisungen und Gesetze gewesen, sondern verlangten sogar teilweise nach Nor- men, die sie für sich nutzen konnten.34

Das Absolutismuskonzept, das noch aus den dreißiger Jahren des 19. Jahrhun- derts stammte35 und Herrschaft als Einbahnstraße zwischen Souverän und Unter- tan darstellte, verlor dadurch weiter an Konturen.36

1986 hatte auch Rudolf Vierhaus auf die semantischen Mängel des Wortes Abso- lutismus und die Probleme bei dessen historischer Einordnung hingewiesen: Was

„Absolutismus“ sei; ob, wann, in welcher Erstreckung es ein „Zeitalter des Abso- lutismus“ gegeben hat, erscheint heute fragwürdiger denn je. 37

Reinhard Blänkner entkräftete die These vom gehorsamen „Untertanen“ in sei- nem Aufsatz „¸Absolutismus' und ¸frühmoderner Staat'. Probleme und Perspekti- ven der Forschung“38 weiter. Er stellte fest, dass der Souveränitätsanspruch die prinzipielle Auflösung der intermediären Gewalt (also Adel, Städte und Klerus), nicht mit einschloss.39

Jürgen Schlumbohm ging noch einen Schritt weiter, in dem er die heutige For- schung mit der Suche nach dem Nichtabsolutistischen im Absolutismus be- schrieb.40 Für ihn bestand ein Phänomen der Frühen Neuzeit darin, dass der „Staat“ einerseits zwar viele Gesetze erließ, diese andererseits aber nur zum Teil um- bzw. durchsetzte.41

So wurde in den letzen Jahren nicht nur das Absolutismuskonzept angezweifelt, sondern auch die Hypothese der Militarisierung der Gesellschaft und des Sozial- disziplinierungsprozesses in Frage gestellt.

Im Fokus der heutigen Militärhistorie wird das Militär als komplexes Sozialsys- tem gesehen. Dabei ist die Verflechtung mit Wirtschaft, Gesellschaft und Staat von besonderem Interesse für die Forschung.42

Zur landesgeschichtlichen Perspektive In aktuellen Forschungsarbeiten werden der Militarisierungs- und Sozialdiszipli- nierungsthese „Verbürgerlichungs“-Tendenzen43 für das Militär und der „Eigen- sinn der Untertanen“ gegenübergestellt.44 Dazu heißt es bei Lieselott Enders:

Die Quellen des 18. Jahrhunderts belegen nicht nur eine Fülle teils offensiver, teils defensiver Maßnahmen adliger Stadtherren, sondern auch vielfältige latente und offene Widerständigkeit der Bürger und Bürgergemeinden, die dem verbreite- ten Bild der geduckten, passiven Bürgerschaft im 18. Jahrhundert geradezu Hohn spricht. 45

Thomas Rudert bemerkt zum Punkt der Renitenz der „Untertanen“ in kleinen Städten ergänzend:

Was bei aller differenzierten Vielfalt des konkreten städtischen Alltags auffällig hervortritt, ist ein ganz beachtlicher Selbstbehauptungswille, ein erstaunliches bürgerliches Beharrungsvermögen, auch und gerade in kleinen Städten. 46

Und Wolfgang Neugebauer stellt nach Auswertung seiner Untersuchungen über den „Absolutismus“ in Brandenburg im 17. und 18. Jahrhundert fest:

Der Brandenburger ist nie nur Untertan gewesen. 47

Besonders Enders ging auf die Emanzipationsbewegung der Bürger ein, die wäh- rend des gesamten 18. Jahrhunderts um die Wiedergewinnung verlorener (…) Be- fugnisse stritten. Vereinzelt erwarben sie sogar die herrschaftlichen Güter der Stadt unter hohen finanziellen Aufwendungen, um sich von der adligen Herr- schaft und deren Gerichtsbarkeit über die Stadt zu befreien. 48

Das auch die Einbeziehung des Militärs in die sozialgeschichtliche Betrach- tungsweise für die Analyse der Gesellschaft der Frühen Neuzeit nur folgerichtig ist, verdeutlicht das Beispiel Preußens, dessen Militärbevölkerungsanteil an der Gesamteinwohnerzahl im 18. Jahrhundert bei mindestens drei Prozent (teilweise sogar bei fast acht Prozent) lag. Obwohl ein nicht unerheblicher Teil der Armee außerhalb von Preußen geworben wurde, nimmt dennoch der preußische Staat un- ter den europäischen Großmächten eine Sonderstellung ein.49

In der Kurmark, wo sich der Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit – die Gar- nisonsstadt Treuenbrietzen - befindet, lag der Anteil des Militärs an der Gesamt- bevölkerung bei ca. 20 Prozent.50 In Treuenbrietzen selbst machte das Militär am Ende der Amtszeit Friedrichs II. (1786) mehr als ein Drittel der Gesamtbevölke- rung aus.51

Für die historische Darstellung der brandenburgischen Städte ist das Militär als Teil eines komplexen aussagekräftigen Soziogramms unverzichtbar, da nahezu jede größere Stadt in der Mark Brandenburg eine Garnison beherbergte.52

Damit läutete der bereits eingangs erwähnte Forschungsaufschwung in der mo- dernen Militärgeschichte nicht nur eine „Neuentdeckung“ des Militärs aus der so- zialgeschichtlichen Perspektive ein, sondern wirkte sich auch positiv auf die Stadt- und Regionalgeschichte aus.

Dennoch konstatierte Brigitte Meier, dass es erstaunlich sei, wie wenig man nach wie vor über das Miteinander oder Gegeneinander von Militär- und Zivilbevölke- rung in den brandenburgischen Städten wisse [ n ] . 53

Rudert äußerte sich in ähnlicher Form, bezogen auf die Ergebnisse der Stadtfor- schung im östlichen Deutschland:

Mißt man den Grad der Erforschung der ostelbischen Städtelandschaft – vor al- lem bezogen auf die kleinen Städte, aber nicht nur darauf beschränkt (…) so ist in der Tat ein deutliches Gefälle zu Ungunsten der Untersuchungsregionen östlich der Elbe nicht zu übersehen. 54

Standen aufgrund ihrer ökonomischen, kulturell-repräsentativen und militäri- schen Bedeutung zunächst die großen Städte der Mark55, wie beispielsweise Pots- dam, Frankfurt an der Oder oder Brandenburg an der Havel im Blick der „neuen“ Stadt- und Militärgeschichte,56 so breitet sich die Erforschung nun verstärkt auf die brandenburgischen Mittel- und Kleinstädte aus, wie die Publikationen von Do- rit Schneider, Carmen Winkel, Jörg Muth, Brigitte Meier, Alexander Kessler, Martin Winter und Olaf Gründel zeigen.57

Die Gründe für den Publikationszuwachs in jüngster Vergangenheit sind sehr un- terschiedlich. Zum einen sind die Kleinstädte erst seit knapp zwei Dekaden wieder mehr ins Blickfeld der deutschen Historiker gerückt. Davor haftete ihnen der Ruch vom Hort des provinziellen Konservatismus und der kleinbürgerliche [n] Be- schränktheit an.58 In der aktuellen europäischen Forschung werden diese Vorstel- lungen stark abgemildert und den Ortschaften ein kommunales Eigenleben auch in der Mark Brandenburg entgegengesetzt.

Ein weiteres Problem ist die unbefriedigende Forschungssituation der kleinen Städte hinsichtlich der Frühen Neuzeit und des 19. und 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus fokussierte sich die Forschung in den letzten Jahren, so Evamaria Engel, vor allem auf einzelne Kleinstädte oder sie nimmt die Kleinstädte innerhalb einer historisch gewachsenen Landschaft ins Visier.59 Dabei spielten vor allem Grund- lagen- und Nachschlagewerke zur Geschichte Brandenburgs eine wichtige Rol- le.60

Diese Untersuchungen sind das Fundament für die Einordnung der kleinen Stadt in übergeordnete[r] gesellschafts- und/oder allgemeingeschichtliche[r]Fragen und Probleme der jeweiligen National- und Territorialgeschichte, so Holger Gräf, denn:

Trotz einer ganzen Fülle von Einzelstudien und langfristig angelegten For- schungsprojekten steht die Erforschung der kleinen Städte in Europa erst an ih- rem Anfang. 61

Das Archivprojekt der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) unter der Lei- tung des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz, des Brandenburgi- schen Landeshauptarchivs und des Lehrstuhls für Militärgeschichte an der Uni- versität Potsdam, das eine umfangreiche Erschließung der Archivquellen zur brandenburgisch-preußischen Militärgeschichte der Frühen Neuzeit auf dem Ge- biet zwischen Elbe und Oder zum Ziel hatte, kann diesbezüglich verstärkt zur Er- hellung beitragen. Die Quellen wurden systematisch in einer mehr als 30.000 Ak- tentitel umfassenden Datenbank erfasst.62

Die Auswertung des wieder entdeckten Materials bietet eine gute Möglichkeit, bestehende Lücken in der brandenburgischen Regional- und Stadtgeschichte zu schließen.63

Dass ein zusätzlicher Erkenntnisgewinn über die Kleinstädte ein unbedingtes Anliegen sein müsse, äußerte Engel, die ihrerseits aber auch einräumte, dass sie bei der Erstellung des Städtebuchs von Brandenburg zusammen mit ihren Mitar- beitern in vielen Punkten immer wieder auf erhebliche Schwierigkeiten stieß. 64

1.2. Literatur- und Quellenlage

Die in den letzten Jahren publizierten Arbeiten, die sich mit der Wechselbezie- hung von Militär und Gesellschaft in brandenburgischen Kleinstädten befassten, orientierten sich im Wesentlichen an der Veröffentlichung „Stehendes Heer und städtische Gesellschaft im 18. Jahrhundert. Göttingen und seine Militärbevölke- rung 1713-1756“ von Ralf Pröve, die Mitte der neunziger Jahre herausgegeben wurde.

Der hohe Informations- und Aussagegehalt über die Garnisons-, Festungs- und Universitätsstadt Göttingen lässt sich für Abhandlungen über die brandenburgi- schen Kleinstädte nicht realisieren, da die vorzügliche Quellenlage, wie es Pröve formuliert, nicht gegeben ist.65

Stattdessen existieren nur einzelne Dokumente, die einen fragmentarischen Ein- blick in die Garnisonsgeschichte der Städte im 18. Jahrhundert geben. Eine in sich konsistente Darstellung des damaligen städtischen Mikrokosmos ist daher nicht möglich. Oft sind die Akten unvollständig, so dass sich kein abgeschlossenes Bild zu einem Sachverhalt ergibt.

Trotzdem gestaltet sich der Quellenbestand für den Untersuchungsgegenstand Treuenbrietzen quantitativ so umfangreich, dass nicht alle historischen Dokumen- te über die Garnisonsgeschichte aus dem 18. Jahrhundert berücksichtigt werden konnten.

Die Ursachen für das begrenzte Quellenmaterial sind die Zerstörung des preußi- schen Heeresarchivs auf dem Brauhausberg in Potsdam im April 1945 durch ei- nen alliierten Bombenangriff und die Vernichtung von Quellenmaterial während der DDR-Zeit.66

Der Hauptgrund für letzteres liegt in der Beschränkung der Erforschung der preußischen Militärgeschichte unter dem Aspekt des Klassenkampf-Konzepts, wie es Stefan Kroll ausdrückte. Zu dessen Schwerpunkten zählten vor allem Aufstän- de und Revolten zwischen Bauernkrieg und Französischer Revolution.67 Jürgen Angelow bemerkte dazu:

Militärgeschichte war demnach nicht nur in die allgemeine Geschichtsbetrach- tung eingeschlossen, sie beruhte daneben – und das war die Besonderheit – auf einer unveränderlichen ideologischen Basis, dem historischen Materialismus und dessen Lehre von der Geschichte als Aufeinanderfolge von Klassenkämpfen. 68 Andere Punkte der modernen Militärgeschichte wurden dagegen komplett aus- geklammert. Die Vernichtung von Treuenbrietzener Akzise- und Serivisabrech- nungen noch Ende der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts sind ein Beleg dafür.69 Das Militär wurde meistens auf seine Funktion als ausführendes Organ der lan- desherrlichen Gewalt reduziert. Daher skizzierte man ein Bild von den Soldaten als Haufen von Abenteurern, Desperados und Ansammlung von asozialen und halbkriminellen Elementen.70 Im Hinblick auf die Einquartierung der Soldaten bei den Bürgern sollen Schlägereien, Diebstähle, selbst Einbrüche und Gräueltaten an der Tagesordnung (…) gewesen sein.71

Das Drill- und Strafsystem der preußischen Armee des 18. Jahrhunderts wertete man als Mittel, um das Selbstbewusstsein und die Moral der Soldaten zu einem absoluten Gehorsam zu deformieren. 72

Diese Darstellung deckt sich nicht mit den aktuellen Forschungsergebnissen, nach denen der Militärdienst keinesfalls nur ein Refugium der gesellschaftlichen Unterschicht war. Eher bedeutete er eine regelmäßige Einnahmequelle auch in ökonomisch schwierigen Zeiten.73

Trotz der marxistisch-ideologischen Einfärbung der DDR-Militärgeschichte trug sie mit ihren Ansätzen besonders auf dem Gebiet der Protestforschung und der Erhellung der subjektiven Ebene des Individuums in der Frühen Neuzeit zu wert- vollen Erkenntnisgewinnen bei.74

Besondere Erwähnung soll an dieser Stelle das „Wörterbuch zur Deutschen Mili- tärgeschichte“ finden, in dem u. a. Begrifflichkeiten der Frühen Neuzeit wissen- schaftlich erläutert sind. Das zweibändige Nachschlagewerk genügt den heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen jedoch nicht mehr.75

Die wichtigste historische Gesamtdarstellung der Stadt Treuenbrietzen stammt aus dem 19. Jahrhundert. Allerdings wird in ihr die Beziehung zwischen Militär und Gesellschaft nur oberflächlich abgehandelt, im Vordergrund stand die allge- meine, zusammenfassende Ereignisgeschichte der Stadt. Der Verfasser, Carl Na- thanael Pischon, richtet in seinem Werk den Blick vorrangig auf den jeweiligen Landesherren, so dass die Bewohner der Stadt teilweise in den Hintergrund ge- drängt wurden.

Überdies hätte die Komplexität des Themas Militär und Gesellschaft auch die Dimensionen einer Stadtchronik weit überstiegen. Dennoch stellt die von Pischon verfasste Gesamtdarstellung eine unverzichtbare Grundlage für die Arbeit dar, da sie sich überwiegend aus Quellen speist, die aufgrund der besagten Entwicklun- gen heute nicht mehr zur Verfügung stehen.76

Die Publikationen über die Stadtgeschichte Treuenbrietzens aus dem letzten Jahrhundert beziehen sich überwiegend auf die Stadtchronik von Pischon und ge- ben seine Ausführungen komprimiert wider.77

Neben vereinzelten Veröffentlichungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die regionalhistorischen Vorgänge in der Stadt, wie beispielsweise Zunftgründungen, die Geschichte der Schützengilde oder Ereignisse aus dem Dreißigjährigen Krieg, erfolgte eine relativ intensive Quellenerforschung der Garnisonsgeschichte des 18. Jahrhunderts zur Zeit des Nationalsozialismus. Die veröffentlichten Quellen sind transkribiert und liegen in Form von kleinen Artikeln in der „Zauche- und Flä- ming- Heimat“ (ZFH) vor. Die ZFH war eine heimatgeschichtliche Beilage zur nationalsozialistischen Zeitung „Der Streiter“.78

Daraus ergibt sich eine ähnliche Situation, wie sie Enders für ihre Untersuchun- gen über die Prignitz äußerte:

Meine Beschäftigung mit den urkundlichen Quellen der Prignitzstädte frischte die Erfahrung auf, daß die Texte in der Regel seit langem bekannt sind, daß aber die Interpretation vom Stand der Forschung insgesamt sowie von den konkreten Fragestellungen des Forschers abhängig ist. 79

Insofern müssen für die Untersuchung der Garnisonsgeschichte von Treuenbriet- zen auch die bereits bekannten Quellen erneut gelesen und interpretiert werden.80 Dies gilt besonders für den Umgang mit den Artikeln der ZFH, da ihren Beiträ- gen der Nachweis über den Ursprung fehlt, sie teilweise einen antisemitischen Charakter haben und sich an ihrer Auswahl der Zeitgeist des Dritten Reiches able- sen lässt.

So unterstreicht die einseitige Verehrung Friedrichs II. während der Zeit des Na- tionalsozialismus und die Instrumentalisierung seiner Person als Feldherr, „abso- luten und aufgeklärten“ Monarchen und Vorreiter einer ostwärts gerichteten Ex- pansionspolitik die Vereinahmung durch die nationalsozialistische Propaganda.

Er wird beispielsweise als uneigennütziger Förderer Treuenbrietzens dargestellt. Daher muss es u. a. eine Aufgabe der Arbeit sein, die Interessen, die hinter der Einflussnahme des Königs auf die Stadtentwicklung steckten, offen zulegen.

Trotz aller Kritikwürdigkeit enthalten die Sekundärquellen der ZFH viele wert- volle Informationen und sind für die Rekonstruktion eines Gesamtbildes der Gar- nison im 18. Jahrhundert unverzichtbar.

Der Umgang mit der Garnisonsgeschichte zu DDR-Zeiten beschränkte sich im Wesentlichen auf die kurze Erwähnung in Reiseführern. Von einer Erforschung Treuenbrietzens kann man aus den eingangs benannten Motiven für diesen Zeit- raum nicht sprechen.81

Für die Untersuchung der Garnisonsgeschichte müssen also bisher unberücksich- tigte bzw. unbekannte mit schon bekannten Quellen kombiniert und unter der so- zialgeschichtlichen Perspektive der modernen Militärgeschichte neu ausgewertet werden.

Neben der bereits erwähnten Literatur stützt sich meine Untersuchung haupt- sächlich auf die Auswertung von Quellenmaterial aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Die Akten des ehemaligen Treuenbrietzener Stadtarchivs befinden sich derzeit im Brandenburgischen Landeshauptarchiv (BLHA) zur Verwahrung.82 Weitere Aktentitel zur Stadtgeschichte des 18. Jahrhunderts lassen sich im Findbuch BLHA Pr. Br. Rep. 2 Kurmärkische Kriegs- und Domänenkammer und Findbuch BLHA Pr. Br. Rep. 19 Potsdam finden.

Ein kleinerer Aktenbestand ist im Geheimen Staatsarchiv des Preußischen Kul- turbesitzes (GStAPK) in Berlin Dahlem archiviert. Die Kirchenbücher der beiden Treuenbrietzener Kirchengemeinden befinden sich im Treuenbrietzener Pfarrhaus in der Großstr. 48.

1.3. Zielsetzung und Vorgehensweise

Mit der Rekonstruktion des Verhältnisses von Militär und Gesellschaft im Treu- enbrietzen des 18. Jahrhunderts soll ein regionalgeschichtlicher Erkenntnisgewinn erfolgen.

Die Arbeit analysiert dazu die Schnittpunkte des Zusammenlebens, die sich auf die administrative, ökonomische und soziale Ebene abstrahieren lassen:

Im ersten Teil erfolgt eine kurze Einführung in die Stadt-, Verwaltungs- und Gar- nisonsgeschichte des 18. Jahrhunderts. Daran schließt sich die Darstellung der Entwicklung der Einwohnerschaft von Treuenbrietzen an, wobei zur besseren Dif- ferenzierung militärische und nichtmilitärische Bevölkerung getrennt voneinander untersucht werden. Durch diese Betrachtungsweise wird die Entwicklung der Mi- litärbevölkerung im 18. Jahrhundert besonders hervorgehoben.

An die Untersuchung der Bevölkerungsentwicklung schließt sich die Betrachtung der Einquartierung des Militärs in der Stadt an. In diesem Kapitel werden auch die aus der Unterbringung erwachsenen Konsequenzen für die nichtmilitärischen Stadtbewohner und die Stadtentwicklung beleuchtet.

Im anschließenden Teil der Arbeit wird die enge Vernetzung des Militärs mit der städtischen Ökonomie dargestellt. Neben der Erforschung der Einbindung der Mi- litärangehörigen in das städtische Handwerk und Gewerbe liegt ein Schwerpunkt auf der Veranschaulichung der Bedeutung der Garnison als Konsument.

Der letzte Teil der Arbeit beleuchtet die sozialen Verhältnisse zwischen Militärs und Nichtmilitärs: Das Kapitel „Normenverletzung durch Militärs“ geht dabei auf das ambivalente Verhältnis zwischen Militärangehörigen und nichtmilitärischen Stadtbewohnern ein, und verweist auf die Schwierigkeit, klare Trennlinien her- auszuarbeiten. Besonders deutlich wird dieses Problem auch im letzten Kapitel. Auf der einen Seite zeigen die bürgerlichen Taufpatenschaften von Soldatenkin- dern und die Lesegesellschaft die Teilhabe an der städtischen Gemeinschaft. Auf der anderen Seite stehen sich die getrennten Bildungswege von Bürger- und Sol- datenkindern gegenüber.

Für Treuenbrietzen war das Militär im 18. Jahrhundert der wesentliche Stadtent- wicklungsfaktor. Die Investitionssummen, die mit dem Militär in Verbindung standen, prägten das Gesicht und die Ökonomie der Stadt auch über das 18. Jahr- hundert hinaus.

2. Treuenbrietzen – ein historischer Überblick

Ursprünglich war Brietzen eine slawische Ansiedlung, deren Name „berza“ so- viel wie „Birke“ bedeutete. Der Zusatz „Treuen“ beschreibt die besondere Loyali- tät der Stadteinwohner zu ihrem Landesherren und stammt aus dem 15. Jahrhun- dert.83

Die Stadt ging aus einer 1216 nachgewiesenen Burg der Askanier hervor, die zum Schutz vor den Wettinern und Magdeburgern diente. Treuenbrietzen ist ver- mutlich aus zwei Siedlungskernen entstanden, wobei sich der ältere nordöstlich bei der markgräflichen Burgsiedlung mit der St. Marien Kirche befand - der etwas jüngere dagegen südwestlich bei der Marktsiedlung mit der Kirche St. Nikolai. Die Siedlungen sind wahrscheinlich 1290 als „civitas“ unter erheblicher Vergrö- ßerung der Stadtflur vereinigt worden.84

Im 18. Jahrhundert befand sich Treuenbrietzen unweit der kursächsischen Gren- ze, auf einer Ebene an der Nieplitz, ungefähr 59 km in südwestlicher Richtung von Berlin entfernt. Durch den Ort verlief die Post- und Heerstraße von Berlin nach Leipzig und Halle an der Saale85 sowie die West-Ostverbindung von Mag- deburg über Belzig und Treuenbrietzen nach Jüterbog.86 Ende des 18. Jahrhun- derts sollen aufgrund der günstigen Verkehrslage des Ortes an den Handelsstraßen allein rund 100 Fuhrleute mit der Einfuhr und Ausfuhr von Waren beschäftigt ge- wesen sein.87

Treuenbrietzen war von einer im 13. Jahrhundert errichteten Stadtmauer und höl- zernen Palisaden umgeben. Sie erstreckten sich entlang der Flussarme der Nieplitz, die die Stadt umschlossen. Die teilweise acht bis zehn Meter hohen Schutzwälle der Stadtmauer bestanden aus Feld- und Ziegelsteinen.88 Sie wurden auf einer 60 bis 70 cm dicken Lehmschicht errichtet, die allerdings kein stabiles Fundament für den Bau bot.89 Die Mauer trennte die Stadt vom platten Land und ermöglichte so die Kontrolle des Warenverkehrs und die Einkassierung der Akzi- se. Darüber hinaus sollten Stadtmauer und Palisaden die Soldaten an der Deserti- on hindern. Bereits vor dem 18. Jahrhundert waren aber große Teile des Walls ab- getragen und in Bürgergärten umgewandelt worden.90

Der Weg in die Stadt führte durch eines der drei Stadttore – das Steintor im Sü- den, das Leipziger Tor im Südwesten und das Berliner Tor im Osten.91

Der Grundriss Treuenbrietzens in der Frühen Neuzeit war ellipsoid, wobei die Straßen sich gitterförmig anordneten. Im Ganzen existierten vier Längs- und meh- rere Querstraßen.92 Das Stadtbild prägten vor allem enge Gassen mit vielen klei- nen Häusern. Etliche der Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind auch heu- te noch erhalten.93 Daher unterscheidet sich der aktuelle Grundriss des Stadtkerns nur unwesentlich von dem des 18. Jahrhunderts.

Das Bauholz für die Häuser stammte aus dem städtischen Forst – er versorgte die Einwohner auch mit Feuerholz. Das Holzrevier besaß 6.733 Morgen Land und 159 Quadrat-Ruthen Forstgrund:

Sehr ausgedehnt waren die Waldungen und Gebüsche, die zur Stadt gehörten. Sie umgaben die Stadt und erstreckten sich teilweise stundenweit. 94

Die Qualität des Holzes kann jedoch in früheren Zeiten nicht sehr gut gewesen sein - um 1800 setzte sich der Waldbestand entweder aus sehr jungen oder im schlechten Zustand befindlichen Bäumen zusammen, die bis dato noch nicht den eigenmächtigen Abholzungen der benachbarten Dorfbewohner zum Opfer gefal- len waren.95 Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte die eine Hälfte des städti- schen Forstes noch der Bürgerschaft. Die Erträge der anderen Hälfte flossen ent- weder dem Magistrat oder der Kämmereikasse zu.96

Karte1: Grundriss von Treuenbrietzens Stadtkern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Karte 1: Dehio, G., Handbuch für Deutsche Kunstdenkmäler. Brandenburg, Berlin 2000, S. 1060.

Tabelle 1: Gebäude und Brachen in Treuenbrietzen im 18. Jahrhundert 97

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einen wirtschaftlichen Höhepunkt erlebte die Stadt vor dem Dreißigjährigen Krieg. Insbesondere die Bierbrauerei sowie der Wein- und Tabakanbau spielten dabei eine bedeutende Rolle. Darüber hinaus wurden in Treuenbrietzen Schuhwa- ren produziert und Flachs, Hanf und Hirse angebaut, die der Stadt einen gewissen Wohlstand bescherten. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts bildeten Knochenhauer (Fleischer), Bäcker, Schneider und Schuhmacher die Viergewerke – die vier wich- tigsten Gewerbe der Stadt.98

Vom Töpfergewerbe gingen dieser Zeit noch wichtige wirtschaftliche Impulse aus99 – so lebten 1726 14 Töpfer in der Stadt. Ihre Zahl reduzierte sich bis 1801 auf einen.100

1726 lebten 51 Schuster, 40 Leinenweber, 60 Tuchmacher, 29 Schneider, vier Tuchscherer, 22 Bäcker, sechs Fleischer, ein Konditor und weit über 100 Brauer in der Stadt. Sie gewährleisteten im Wesentlichen die Versorgung der Bevölke- rung mit Gebrauchs- und Lebensmitteln. Die Fischerei und Fischzucht hatten für die Versorgung der Bevölkerung ebenfalls eine große Bedeutung.101

Während der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. prägten überwiegend verfal- lende Gebäude und Häuser, deren Zerstörungen zumeist noch eine Folge des Dreißigjährigen Krieges waren, das Bild der Stadt.102

Ähnlich wie in Neuruppin wuchs in Treuenbrietzen die Zahl der Bürgerhäuser im 18. Jahrhundert kontinuierlich - damit einhergehend reduzierte sich die Anzahl der wüsten Stellen in der Stadt (siehe dazu Tabelle 1).103 Zwischen 1722 und 1800 wurden insgesamt 118 Häuser und 15 Scheunen errichtet. Die Anzahl der unbe- bauten Stellen reduzierte sich von 30 auf eine.104

Treuenbrietzen besaß im ausgehenden 18. Jahrhundert sechs Jahr-, Vieh- und Flachsmärkte und zwei Wollmärkte sowie ein königliches Postamt. Das Akzise- und Hauptlandzollamt, das zur zweiten kurmärkischen Direktion gehörte, befand sich ebenfalls dort.105

Die beiden Kirchen, die Schule und das Rathaus waren die zentralen öffentlichen Gebäude. Letzteres wurde nach seinem Umbau, der von 1735 bis 1737 andauerte, von den zur Messe nach Leipzig ziehenden Kaufleuten häufig als Unterkunft ge- nutzt. Darüber hinaus beherbergte es das Königliche Amtsgericht bis in die An- fänge des 20. Jahrhunderts hinein, und diente bis 1878 als Wachlokal für die Gar- nisonstruppen.106 Ob darin auch in den Wintermonaten, wie in Rathenow und Brandenburg, exerziert wurde, ist durch die Quellen nicht belegt.107

Die Kirchengebäude von St. Marien und St. Nicolai befanden sich in der Mitte des 18. Jahrhunderts in einem reparaturbedürftigen Zustand. Sie waren die so ge- nannten Mutterkirchen der sich in der Umgebung neu gründenden Dörfer. Beide Diakonien genossen Akzisefreiheit und Ziesegelder.108 Zur lutherischen Pfarrkir- che gehörten drei Prediger, ein Pastor, der zugleich Inspektor der Treuenbrietze- ner Diözese war, ein Archidiakonus und ein Diakonus.109 Die Kirchenrechnungen wurden jährlich von den Kirchenvorstehern vorgelegt und von dem Magistrat un- ter Zuziehung des Inspektors dechargiert – also kontrolliert, wobei die Oberauf- sicht noch dem königlichen Consistorium oblag.110

Bereits Ende des 17. Jahrhunderts siedelten sich mehrere jüdische Familien in der Stadt an. Noch vor 1720 wurde eine Synagoge errichtet. Bis 1925 hatten die Treuenbrietzener Juden, die offiziell zu Beelitz gehörten, auch einen eigenen Friedhof. Zum Ende des 18. Jahrhunderts lebten fünf jüdische Familien in der Stadt – insgesamt 19 Personen.111

Zum Ende des 18. Jahrhunderts befanden sich außerhalb der Stadt drei Wasser-, Mahl-, Schneide-, und Ölmühlen sowie die Stein-, die Zindel,- und die Neue Mühle. Ebenfalls außerhalb der Stadt lagen die Ziegelscheune, das Armenhaus, das 1738 gestiftet wurde und das Hospital,112 das bereits 1713 erweitert worden war.113 Zur weiteren medizinischen Versorgung der Einwohner Treuenbrietzens wurde 1747 eine Apotheke eröffnet.114

Im Zuge des Aufschwungs der preußischen Seidenindustrie unter Friedrich II. waren in Treuenbrietzen vor allem die Lehrer und Geistlichen mit der Aufzucht von Maulbeerbäumen betraut. Diese befanden sich daher auf den Kirchhöfen von St. Marien und St. Nicolai und später auf den Stadtwällen sowie im Garten des Hospitals.115 Das Aus für die Treuenbrietzener Seidenraupenzucht kam bereits 1806, da sie sich als nicht rentabel erwiesen hatte.116

3. Verwaltung der Stadt

Die Geschichte der brandenburgischen (Kammer-) Verwaltung im 18. Jahrhun- dert ist erst noch zu schreiben, doch ist soviel jetzt schon sicher, daß nämlich zwi- schen dem Wortlaut der Behördeninstruktionen und der Verwaltungsrealität in Berlin und erst recht vor Ort eine erhebliche Differenz bestehen blieb. 117

Dieses Zitat von Neugebauer verdeutlicht die Diskrepanz zwischen den erteilten Verordnungen des Landesherrn und der wirklichen Umsetzung vor Ort. Eine Vielzahl von machtpolitischen Konflikten war charakteristisch für die preußische Verwaltung im 18. Jahrhundert, wie sie im Folgenden kurz skizziert wird.

3.1. Der „Staat“ in der Stadt

Seit dem Jahr 1701 war die Mark Brandenburg die Zentralprovinz des neu ge- schaffenen Königreichs Brandenburg-Preußen. Damit einher ging auch der Wan- del der brandenburgischen Regierungs- und Verwaltungsorgane, die von nun an als Königliche Preußische Amts=Kammer das Leben der Untertanen regulieren sollten.

Die Verwaltung Preußens wurde im 18. Jahrhundert zu großen Teilen von Fried- rich Wilhelm I. geprägt. 1713 griff der König durch die Veränderung der Verwal- tungsorganisation aktiv in die Stadtverfassung ein. Im Zuge der Neuordnung des staatlichen und städtischen Finanzwesens kam es zur Gründung des so genannten Generaldirektoriums. Die kurmärkische Kriegs- und Domänenkammer (Kammer) unterstand dem Generaldirektorium.118 Der Aufgabenbereich der Kammer um- fasste die Finanz-, die Militär-, die innere und die Wirtschaftverwaltung. Die Steuerräte, die vor Ort tätig waren, gehörten der Kammer an. Neben den Re- gimentschefs standen sie symbolisch für die landesherrliche Einflussnahme auf die Magistratspolitik. Gerd Heinrich bezeichnete sie deshalb auch als Auge des Königs. 119

Für das Gebiet der Kurmark gab es insgesamt sieben Steuerräte, denen neun bis 14 Städte unterstellt waren. Sie mussten jede Stadt mindestens zweimal im Jahr besuchen und anschließend an die Kammer in Potsdam direkt Bericht erstatten.120 Friedrich Wilhelm I. setzte 1721 einen Kriegs- und Steuerrat ein, dessen Depart- ment neben Treuenbrietzen die Städte Potsdam samt Nowawes, Brandenburg, Beelitz, Trebbin, Zossen, Teltow, Luckenwalde, Werder, die Flecken Saarmund und Zinna umfasste. Er repräsentierte die Kammer bei den Versammlungen des Havelländischen, Teltowischen und Zauchischen Kreises.121

Die Aufgabenfelder der Steuerräte umfassten die Handhabung der „Policey“,122 wobei den Polizeiausreuter weiterhin die Kontrolle über die Polizeigesetze vor Ort oblag, die Erhebung der direkten landesherrlichen Steuern, die Anordnung und Ausführung von Militärangelegenheiten123 sowie die Beaufsichtigung aller städtischen Vermögens- und Gewerbeangelegenheiten, wie beispielsweise über die Bau- und Garten- oder Plantagenkasse, über die Fabriken- und Manufaktur- kommission, über die Salzfaktorei, die Eisen und Hüttenfaktorei und die Stempel- kasse.124

In den kurmärkischen Klein- und Mittelstädten unterstanden den Steuerräten Be- amte zur Unterstützung. Durch ihre Schlüsselposition beim Einnehmen der Steuer kam ihnen in der städtischen Verwaltung scheinbar ein hohes Maß an Mitbestim- mung zu. Tatsächlich leiteten sie jedoch nur Informationen an eine landesherrli- che Kommission weiter, die diese auswertete und ihnen daraufhin wieder Anwei- sungen erteilte.125

Die Folge war der Aufbau einer staatlichen „Bürokratie“, deren Effektivität auf- grund der damaligen Kommunikationsverhältnisse und der Struktur und Qualität des Beamtenapparats eher begrenzt war.126 Die Form der Einflussnahme durch die Steuerräte bestand also vermutlich nur in der Darstellung der städtischen Proble- me vor der Kammer. Damit hatten sie insgesamt eine begrenzte Macht über die Entwicklung der Stadt. Die Stadtverwaltung war zwar in vielen wesentlichen Punkten auf ihre Arbeit als Berichterstatter angewiesen, dennoch bewirkten die Räte selbst nur selten durchgreifende Veränderungen. Insofern kam ihnen eher die Rolle als Vermittler zwischen städtischen und staatlichen Interessen zu. Trotzdem sahen sie sich mitunter der Kritik der Stadtbürger ausgesetzt - so machten bei- spielsweise die Neuruppiner Bürger den Steuerrat für die schlechte ökonomische und bauliche Lage der Stadt verantwortlich.127

Ab 1740 scheint es, so Neugebauer, zu einer Verringerung des Einflusses der Steuerräte gekommen zu sein. Die Ursache war die Beschneidung ihres steuerrät- lichen Aufgabenbereichs - besonders ab 1766, da in diesem Jahr eine Steuerver- waltung, die Regie, gegründet wurde, die nun mit der Kommunalaufsicht betraut war.128

Eine wirkliche Schwächung der städtischen Eigenständigkeit und Bürgerschaft erfolgte durch die Abschaffung des Ratswechsels und den Verkauf von hohen staatlichen Ämtern zur Amtszeit Friedrich Wilhelms I. – so wurde in Treuenbriet- zen 1719 der jährlich wechselnde Rat durch ein ständiges Kollegium ersetzt.129 Nun bestimmte der König wer Ratsmitglied wurde und wer nicht.

Die Ursachen für die Verminderung der städtischen Selbstbestimmung sieht Schmoller im wirtschaftlichen Verfall der Städte sowie der Korruption und Vet- ternwirtschaft auf lokaler Verwaltungsebene.130

Beispielsweise beschwerten sich die Stadtbewohner von Neuruppin mehrfach ü- ber die Arbeitsweise des Magistrates, so dass letztendlich eine Untersuchungs- kommission eingesetzt wurde.131 Überwiegend der Teil der Stadtbürgerschaft, die dem Rat oppositionell gegenüberstanden, bat um eine stärkere staatliche Kontrol- le. Ein Grund für den Verlust der städtischen Autonomie waren die ausbleibenden finanziellen Leistungen der Städte an den König, die jedoch für den Aufbau der Armee fest eingeplant waren.132

[...]


1 Hansen, E. W., Bericht und Kritik, Zur Problematik einer Sozialgeschichte des deutschen Militärs im 17. und 18. Jahrhundert, in: Zeitschrift für Historische Forschung, 6 (1979), S. 425-460, hier S. 426.

2 Ähnliches äußerte F. Kopitzsch drei Jahre zuvor als er die Sozialgeschichte des deutschen Heerwe- sens im 18. Jahrhundert als ein unerfülltes Desiderat der Forschung bezeichnete. Vgl. Kopitzsch, F., Die Sozialgeschichte der deutschen Aufklärung als Forschungsaufgabe, in: Derselbe (Hrsg.), Aufklärung, Absolutismus und Bürgertum in Deutschland, München 1976, S. 11-169, hier S. 27.

3 Auf die französische und britische Literatur zur Militärgeschichte kann an dieser Stelle nicht ein- gegangen werden, da es den Rahmen der Arbeit übersteigt. Vgl. Kroener, B. R., Vom „extraordi- nari Kriegsvolck“ zum „miles perpetuus“. Zur Rolle der bewaffneten Macht in der europäischen Gesellschaft der Frühen Neuzeit, Ein Forschungs- und Literaturbericht, in: Militärgeschichtliche Mitteilungen, 43 (1988), S. 141-188; Derselbe, Militär in der Gesellschaft. Aspekte einer neuen Militärgeschichte in der Frühen Neuzeit, in: Kühne, T. (Hrsg.), Was ist Militärgeschichte? Pader- born 2000, S. 283-299, hier S. 284 f.

4 Vgl. Engelen, B., Warum heiratet man einen Soldaten? Soldatenfrauen in der ländlichen Gesell- schaft Brandenburg-Preussens im 18. Jahrhundert, in: Kroll, S. (Hrsg.), Militär und ländliche Ge- sellschaft in der Frühen Neuzeit, Münster 2000, S. 251-273; Dieselbe, Soldatenfrauen in Preußen. Eine Strukturanalyse der Garnisonsgesellschaft im späten 17. und im 18. Jahrhundert, Münster 2005; Nowosadtko, J., Soldatenpartnerschaften. Stehendes Heer und weibliche Bevölkerung im 18. Jahrhundert, in: Hagemann, K. (Hrsg.), Landsknechte, Soldatenfrauen und Nationalkrieger: Militär, Krieg und Gesellschaftsordnung im historischen Wandel, Frankfurt/Main 1998, S. 297- 321.

5 Unter Kriegsgeschichte verstand man vor allem die detaillierte Beschäftigung mit großen Heerfüh- rern, ansatzweise die Ausbildung und Formierung von militärischen Eliten sowie Führungs- und Organisationsfragen.

6 Hansen, E. W., Sozialgeschichte, (wie Anm. 1), S. 429.

7 Ähnliches galt auch für die deutschen Geschichtswissenschaftler, denen die Ideologisierung der Militärgeschichte während des Dritten Reiches noch allgegenwärtig war. Vgl. Pröve, R., Vom Schmuddelkind zur anerkannten Subdisziplin? Die „neue Militärgeschichte“ der Frühen Neuzeit – Entwicklung, Perspektiven, Probleme, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, 51 (2000), S. 597-612, hier S. 598.

8 Umbreit, H., Von der preußisch-deutschen Militärgeschichtsschreibung zur heutigen Militärge- schichte, in: Gersdorff, U. v. (Hrsg.), Geschichte und Militärgeschichte. Wege der Forschung, Frankfurt/Main 1974, S. 17-54, hier S. 18.

9 Beispielsweise: Jähns, M., Geschichte der Kriegswissenschaften vornehmlich in Deutschland, 3 Bde., München / Leipzig 1889 – 1891.

10 Delbrück, H., Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte, 4 Bde., Berlin 1900 – 1920.

11 Helmut, O., Das ehemalige Reichsarchiv. Streiflichter seiner Geschichte und der wissenschaftli- chen Aufarbeitung des Ersten Weltkriegs, in: Kroener, B. R. (Hrsg.), Potsdam. Staat, Armee, Re- sidenz in der preußischen Militärgeschichte, Berlin 1993, S. 421-434.

12 Beispielsweise: Demeter, K. (Archivrat im Reichsarchiv), Das deutsche Offizierkorps in seinen historisch-soziologischen Grundlagen, Berlin 1930; Hobohm, M. (Historiker und Mitglied des Un- tersuchungsausschusses des Reichstages), Soziale Heeresmißstände als Teilursache des deutschen Zusammenbruchs von 1918, Berlin 1929.

13 Weber, M., Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie, Tübingen 1972, S. 686.

14 Wohlfeil, R., Überlegungen zum Begriff „Militärgeschichte“, in: Kroll, S./Krüger, K. (Hrsg.), Mi- litär und ländliche Bevölkerung in der frühen Neuzeit, Münster 2000, S. 15-20, hier S. 17.

15 Kroener, B. R., Militär in der Gesellschaft, (wie Anm. 3), S. 283.

16 Otto Büschs Werk wurde bereits 1952 verfasst, aber erst 1962 publiziert. Vgl. Büsch, O., Militär- system und Sozialleben in Preußen 1713-1806. Die Anfänge der sozialen Militarisierung der preu- ßisch-deutschen Gesellschaft, Berlin 1962; Redlich, F., The German Military Enterpriser and his Work Force. A Study in European Economic and Social History, Vol. I und II, Wiesbaden 1964.

17 Kroener, B. R., „extraordinari Kriegsvolck“, (wie Anm. 3), S. 146.

18 Büsch, O., Militärsystem und Sozialleben, (wie Anm. 16), S. 167.

19 Oestreich, G., Strukturprobleme des deutschen Absolutismus, in: Derselbe, Geist und Gestalt des frühmodernen Staates. Ausgewählte Aufsätze, Berlin 1969, S. 179-197, hier S. 183 u. 194.

20 ebd., S. 194 ff.

21 Kroener, B. R., „Das Schwungrad an der Staatsmaschine?“ Die Bedeutung der bewaffneten Macht in der europäischen Geschichte der Frühen Neuzeit, in: Kroener, B. R./Pröve, R. (Hrsg.), Krieg und Frieden. Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit, Paderborn 1996, S. 1-23, hier S. 9.

22 Pröve, R., Dimension und Reichweite der Paradigmen „Sozialdisziplinierung“ und „Militarisie- rung“ im Heiligen Römischen Reich, in: Schilling, H. (Hrsg.), Institutionen, Instrumente und Ak-

teure sozialer Kontrolle und Disziplinierung im frühneuzeitlichen Europa, Frankfurt/Main 1999, S. 65-85, hier S. 66 f.

23 Burkhardt, J., Der Dreißigjährige Krieg, Frankfurt/Main 1992, S. 213.

24 Kroener, B. R., „Das Schwungrad an der Staatsmaschine?“, (wie Anm. 21), S. 4, 9 und 13 f.

25 Burkhardt, J., Dreißigjährige Krieg, (wie Anm. 23), S. 213.

26 Pröve, R., Stehendes Heer und städtische Gesellschaft im 18. Jahrhundert. Göttingen und seiner Militärbevölkerung 1713-1756, München 1995, S. 1.

27 Gräf, H. T., Militarisierung der Stadt oder Urbanisierung des Militärs?, in: Pröve, R. (Hrsg.) Klio in Uniform? Probleme und Perspektiven einer modernen Militärgeschichte der Frühen Neuzeit, Köln 1997, S. 89-108, hier: 93 f.

28 Hintze, O., Die Hohenzollern und ihr Werk. Fünfhundert Jahre vaterländische Geschichte, Ber- lin 1915, S. 319 f.

29 Pröve, R. „Sozialdisziplinierung“ und „Militarisierung“, (wie Anm. 22), S. 67 f; Pröve, R., Göt- tingen, (wie Anm. 26), S. 2.

30 Oestreich, G., Absolutismus, (wie in Anm. 19), S. 194 ff.

31 Büsch, O., Militärsystem und Sozialleben“, (wie Anm. 16), S. 73 und 167.

32 ebd.

33 Vgl. Henshall, N., The Myth of Absolutism. Change and Continuity in Early Modern European Monarchies, London 1992.

34 Landwehr, A., „Normdurchsetzung“ in der Frühen Neuzeit? Kritik eines Begriffs, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 48 (2000), 2. Heft, S. 146-162, hier S. 155 f.

35 Blänkner, R., „Absolutismus“ und „frühmoderner Staat“. Probleme und Perspektiven der For-

schung, in: Vierhaus, R. (Hrsg.), Frühe Neuzeit – Frühe Moderne?, Göttingen 1992, S. 48-74, hier S. 51.

36 Löffler, U., Herrschaft als soziale Praxis zwischen Dorf und Obrigkeit, in: Meumann, M./Pröve, R. (Hrsg.), Herrschaft in der Frühen Neuzeit. Umrisse eines dynamisch-kommunikativen Prozesses, Münster 2004, S. 97-117, hier S. 104 ff.

37 Vierhaus, R., Absolutismus, in: Hinrich, E. (Hrsg.), Absolutismus, Frankfurt/Main 1986, S. 35-62, hier S. 57.

38 Blänker, R., „Absolutismus“. Eine begriffsgeschichtliche Studie zur politischen Theorie und zur Geschichtswissenschaft in Deutschland 1830-1890, Göttingen 1993.

39 Blänkner, R., „Absolutismus“ und „frühmoderner Staat“, (wie Anm. 35), S. 62.

40 Schlumbohm, J., Gesetze, die nicht durchgesetzt werden – eine Strukturmerkmal des frühneuzeit-

lichen Staates, in: Geschichte und Gesellschaft, in: Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft, 23 (1997), S. 647-663, hier S. 647.

41 ebd.

42 Pröve, R., Vom Schmuddelkind, (wie Anm. 7), S. 601.

43 Vgl. Pröve, R., Göttingen, (wie Anm. 26); Derselbe, Der Soldat in der ¸guten Bürgerstube´: Das frühneuzeitliche Einquartierungssystem und die sozioökonomischen Folgen, in: Kroener, B. R./Pröve, R. (Hrsg.), Krieg und Frieden. Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit, Pader- born 1996, S. 191-217; Göse, F., Zwischen Garnison und Rittergut. Aspekte der Verknüpfung von Adelsforschung und Militärgeschichte am Beispiel Brandenburg-Preußens, in: Klio in Uniform?, Pröve, R. (Hrsg.), Probleme und Perspektiven einer modernen Militärgeschichte der Frühen Neu- zeit, Köln 1997, S. 109-142, hier: 122 ff.

44 Vgl. Göse, F., Zwischen beanspruchter Selbstverwaltung und landesherrlicher Regulierung: Die brandenburgischen Städte um 1700., in: Derselbe (Hrsg.), Im Schatten der Krone. Die Mark Bran- denburg um 1700, Potsdam 2002, S. 99-142; Lüdtke, A., Einleitung: Herrschaft als soziale Praxis, in: Derselbe (Hrsg.), Herrschaft als soziale Praxis: historische und sozialanthropologische Studien, Göttingen 1991, S. 9-63, hier S. 12 f.

45 Enders, L., Emanzipation der Agrargesellschaft im 18. Jahrhundert-Trends und Gegentrends in der Mark Brandenburg, in: Peters, J. (Hrsg.) Konflikt und Kontrolle in Gutsherrschaftsgesellschaften. Über Resistenz- und Herrschaftsverhalten in ländlichen Sozialgebilden der Frühen Neuzeit, Göt- tingen 1995, S. 404-433, hier S. 430.

46 Rudert, T., Kleine Landstädte in Mecklenburg, Pommern und Brandenburg in der Frühen Neuzeit. Bemerkungen zu Fragestellungen und zum Stand der Forschung, in: Rudert, T./ Zückert, H. (Hrsg.), Gemeindeleben. Dörfer und kleine Städte im östlichen Deutschland (16.-18. Jahrhundert), Köln 2001, S. 201-216, hier S. 214.

47 Neugebauer, W., Zentralprovinzen im Absolutismus. Brandenburg im 17. und 18. Jahrhundert, Berlin 2001, S. 155.

48 Enders, L., Emanzipation der Agrargesellschaft, (wie Anm. 45), S. 430 f.

49 Kroener, B. R., „Das Schwungrad an der Staatsmaschine?“, (wie Anm. 21), S. 7.

50 Vgl. Bratring, F. W. A., Statistisch-topographische Beschreibungen der gesamten Mark Branden- burg, Büsch, O./Heinrich, G., verbesserte Neuauflage der 1804-1809 erschienenen Ausgabe, Ber- lin 1968, S. 61.

51 Derselbe, Statistisch-topographische Beschreibungen der gesamten Mark Brandenburg, 2. Bd., Berlin 1805, S. 383.

52 Vgl. Büsch, O., Garnisonen und Garnisonsorte in Brandenburg 1640-1806, in: Historischer Hand- atlas von Brandenburg und Berlin, 17. Bd., Berlin 1967.

53 In ihrem Aufsatz fordert Meier geradezu die Erforschung der frühneuzeitlichen brandenburgi- schen Städte, um das Allgemeine und Besondere der Städteregion zu ergründen; in: Meier, B., Die „Sieben Schönheiten“ der frühneuzeitlichen brandenburgischen Städte, in: Pröve, R. (Hrsg.), Leben und Arbeiten auf märkischen Sand. Wege in die Gesellschaftsgeschichte Brandenburgs 1700-1914, Bielefeld 1999, S. 220-265, hier S. 227 und 233, Zitat S. 235 f.

54 Rudert, T., Kleine Landstädte, (wie Anm.46), S. 202; Liselott Enders äußerte bereits 1998 einen ähnlichen Gedanken: Obwohl die Stadtgeschichtsschreibung eine Jahrhunderte alte Tradition und die moderne Stadtgeschichtsforschung besonders seit der Mitte dieses Jahrhunderts einen enormen Aufschwung genommen hat, stehen wir in vielen Fragen noch am Anfang, sind viele Problem noch ungelöst, ja oft noch gar nicht angegangen und ins Bewusstsein gerückt. Das be- trifft sowohl die einzelnen Städte als auch die regionale Erforschung von Städtelandschaften bis hin zu größeren politischen Gebilden wie z. B. die Mark Brandenburg, (…). in: Enders, L., Auf- gaben der brandenburgischen Stadtgeschichtsforschung, in: Dieselbe/Neitmann, K. (Hrsg.), Brandenburgische Landesgeschichte heute, Potsdam 1999, S.69-79, hier: S. 69.

55 Enders bemerkt zur brandenburgischen Kleinstadtforschung: Besonders vernachlässigt erweist sich die wissenschaftliche Erforschung der Kleinstädte. ebd., S. 70.

56 Vgl. Kotsch, D., Potsdam. Die Garnisonsstadt, Braunschweig 1992; Derselbe, Holländerviertel und Bornstedter Feld. Die soziale Funktion von Bürgerquartier und Kaserne, in: Kroener, B. R. (Hrsg.), Potsdam. Staat, Armee, Residenz in der preußisch-deutschen Militärgeschichte, Berlin 1993, S. 306-322; Derselbe, Bürgerquartier und Kasernen – Brandenburg als Garnisonsstadt (1815-1945), in: Heinrich, G. (Hrsg.), Stahl und Brennabor. Die Stadt Brandenburg im 19. und 20. Jahrhundert, Potsdam 1998, S. 125-141; Winter, M., Preußisches Kantonsystem und städti- sche Gesellschaft. Frankfurt an der Oder im ausgehenden 18. Jahrhundert, in: Pröve, R. (Hrsg.), Leben und Arbeiten auf märkischen Sand. Wege in die Gesellschaftsgeschichte Brandenburgs 1700-1914, Bielefeld 1999, S. 243-265.

57 Vgl. Schneider, D., Soldaten in der Stadt: Militär und Gesellschaft in Nauen 1763-1806, in: magi- e-forum historicum, 01.04.2003; Winkel, C., Militär und Gesellschaft in Rathenow 1733-1806, Potsdam 2005 (unveröffentlichte Magisterarbeit); Muth, J., Flucht aus dem militärischen Alltag. Ursache und individuelle Ausprägung der Desertion in der Armee Friedrich des Großen, Frei- burg/Br. 2003; Meier, B., Neuruppin 1700 bis 1830. Sozialgeschichte einer kurmärkischen Hand- werker- und Garnisonsstadt, Berlin 1993; Kessler, A., Stadt und Herrschaft Liebero- se/Niederlausitz im 17. und 18. Jahrhundert. Alltagsleben in der Gutsherrschaft, Berlin 2003; Win- ter, M., Untertanengeist durch Militärpflicht? Das preußische Kantonsystem in brandenburgischen Städten im 18. Jahrhundert, Bielefeld 2005; Gründel, O., Bürgerrock und Uniform. Die Garnisons- stadt Prenzlau 1685-1806, in: Museumsverband des Landes Brandenburg e.V.: Ortstermine. Stati- onen Brandenburg-Preußens auf dem Weg in die moderne Welt, Berlin 2001, S. 6-24.

58 Gräf, H., Probleme, Aufgaben und Methoden historischer Kleinstadtforschung, in: Derselbe (Hrsg.), Kleine Städte im neuzeitlichen Europa, Berlin 1997, S. 11-24, hier S. 22; Engel, E., Zur Situation der brandenburgischen Kleinstädte, in: Enders, L./Nietmann, K. (Hrsg.), Brandenburgi- sche Landesgeschichte heute, Potsdam 1999, S. 81-89, hier S. 85.

59 ebd., S. 82.

60 Beispielsweise: Historische Ortslexikon für Brandenburg, Weimar 1977; Engel, E./Enders, E. (Hrsg.), Städtebuch Brandenburg und Berlin, 2. Bd., Berlin 2000.

61 Gräf, H., Probleme, Kleinstadtforschung, (wie Anm. 58), S. 13.

62 www.dfg.de, 23.07.2006.

63 Kroener, B. R., Militär in der Gesellschaft, (wie Anm. 3), S. 289. Enders, L., brandenburgischen Stadtgeschichtsforschung, (wie Anm. 54), S. 70.

64 Bezogen auf das neu entstandene Städtebuch heißt es: außer Punkt 1, (…) 2a und (…) 2c (…), gibt es keinen Unterpunkt, den die Bearbeiter ohne Schwierigkeiten nach dem gegenwärtigen For- schungsstand vollständig für alle Zeiträume der Stadtgeschichte beantworten konnten; in: Engel, E., brandenburgische Kleinstädte, (wie Anm. 58), S. 83.

65 Pröve, R., Göttingen, (wie Anm. 26), S. 8.

66 Helmut, O., Das ehemalige Reichsarchiv, (wie Anm. 11), S. 432; Kroener, B. R., Militär in der Gesellschaft, (wie Anm. 3), S. 288.

67 Kroll, S., Aushandeln von Herrschaft am Beispiel der Landrekrutenstellung in Kursachsen im 18. Jahrhundert, in: Meumann, M./Pröve, R. (Hrsg.), Herrschaft in der Frühen Neuzeit. Umrisse eines dynamisch-kommunikativen Prozesses, Münster 2004, S. 161-194, hier S. 165 f.

68 Angelow, J., Forschung in ungelüfteten Räumen. Anmerkungen zur Militärgeschichtsschreibung in der ehemaligen DDR, in: Kühne, T./Ziemann, B. (Hrsg.), Was ist Militärgeschichte? Paderborn 2000, S. 73-89, hier S. 78.

69 Einige Aktentitel zu Treuenbrietzen sind aus dem Findbuch gestrichen - also vernichtet worden. Dabei handelt es sich vorrangig um Aktenbestände aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Aus dem 18. Jahrhundert sind vor allem die Belege zu den Servisrechnungen von 1786 bis 1820 sowie die Nachweise zu den Garnison- und Wachtgelderrechnungen von 1780 bis 1809 nicht mehr vorhan- den. Vgl. Findbuch BLHA Pr. Br. Rep. 8 Treuenbrietzen, S. 139 f.

70 Schnitter, H./Schmidt, T., Absolutismus und Heere, Berlin 1987, S. 52.

71 Kuczynski, J., Geschichte des Alltags des deutschen Volkes. Studien 2: 1650-1810, Berlin 1981, S. 355.

72 Schnitter, H./Schmidt, T., Absolutismus und Heere, (wie Anm. 70), S. 177.

73 Kroener, B. R., „Das Schwungrad an der Staatsmaschine?“, (wie Anm. 21), S. 22.

74 Kroll, S., Aushandeln von Herrschaft, (wie Anm. 67), S. 165 f.

75 Wörterbuch zur Deutschen Militärgeschichte, 2. Bde., Berlin 1985.

76 Vgl. Pischon, C. N., Urkundliche Geschichte der kurmärkischen Stadt Treuenbrietzen und Umge- gend, nach den ungedruckten und gedruckten Quellen beschrieben, Treuenbrietzen 1871.

77 Vgl. Thürmann, K., Mitteilungen aus der Pischon´schen Chronik der Stadt Treuenbrietzen., in: 39. Jahresbericht über die städtischen Schulen zu Treuenbrietzen für das Schuljahr 1911-1912, Treu- enbrietzen 1912, S. 3-9.

78 Zauche- und Fläming- Heimat (ZFH), Beilage zu „Der Streiter“. Die Zeitung „Der Streiter für völkische Politik und soziale Gerechtigkeit“ erschien von 1923 bis 1934 in Treuenbrietzen. 1934 wurde die Zeitung in „Der Streiter für Volk und Heimat“ umbenannt und war bis 1945 das lokale amtliche Organ der NSDAP. Das Heft verfügt über keine Seitenangaben, daher werden fortlaufend nur die Ausgabennummer, das Erscheinungsjahr und die Heftnummer angegeben. Vgl. Engel, E./Enders, L. (Hrsg.), Städtebuch, (wie Anm. 60), S. 522.

79 Enders, L., brandenburgischen Stadtgeschichtsforschung, (wie Anm. 54), S. 70.

80 Engel, E., brandenburgische Kleinstädte, (wie Anm. 58), S. 85 ff.

81 Rat der Stadt (Hrsg.), Stadtführer Treuenbrietzen, Potsdam 1988.

82 Findbuch BLHA Pr. Br. Rep. 8 Treuenbrietzen.

83 Erst 1420 tritt in einer urkundlichen Erwähnung das erste Mal der Zusatz „Treuen“ auf, da sie beim Auftreten des falschen Waldemar dem Landesherrn die Treue hielt. 1606 wurde diesbezüg- lich am Rathaus eine lateinische Inschrift befestigt, die besagte: „HAEC URBS PROMERUIT, QUAE BRIETZIA FIDA VOCETR; PRINCIPIBUS BELLI TEMPORE FIDA FUIT“ [ Das ist die Stadt, die verdient Treuenbrietzen benannt zu werden, denn in den Zeiten des Krieges blieb sie dem Fürsten treu ]. Vgl. Brendicke, H. (Hrsg.), Geschichte der Stadt Treuenbrietzen nach einem Vortrag von Thürmann, in: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 21 (1904), S. 114-117, hier S.114 f.; Fischer, R. E., Die Ortsnamen der Zauche, in: Bielefeldt, H. H./ Wit- kowski, T. (Hrsg.), Berliner Beiträge zur Namensforschung, Brandenburgische Namensbuch, 1. Bd., Teil 1, Weimar 1967, S. 127 f.; Pischon, C. N., Kurmärkische Treuenbrietzen (wie Anm. 76), S. 25 ff.; Engel, E./ Enders, L. (Hrsg.), Städtebuch, (wie Anm. 60), S. 517.

84 Dehio, G., Handbuch für Deutsche Kunstdenkmäler. Brandenburg, Berlin 2000, S. 1060 f; Engel, E./Enders, L. (Hrsg.), Städtebuch, (wie Anm. 80), S. 517; Rohrlach, P. R. (Bearb.), Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil V Zauch-Belzig, Weimar 1977, S. 437.

85 Bratring, F. W. A., Statistiken der Mark, (wie Anm. 51), S. 384.

86 Engel, E./Enders, L. (Hrsg.), Städtebuch, (wie Anm. 60), S. 517.

87 Brendicke, H., Geschichte der Stadt Treuenbrietzen, (wie Anm. 83), S. 115.

88 Ursprünglich befanden sich viele größere Findlinge im Gebiet um Treuenbrietzen. In den vergan- genen Jahrhunderten wurden die meisten davon gesprengt und als Baumaterial für Fundamente von Häusern, zum Bau von Straßen oder für die Errichtung von Umgrenzungen verwendet. Ande- re wurden entfernt, um die Feldarbeit zu erleichtern. Die Felssteine sind im Fundament vieler Wohnhäuser, die im 17. und 18. Jahrhundert gebaut wurden, noch sichtbar; in: Steinhardt, G., Die Riesenblöcke bei Treuenbrietzen, in: Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin, 11 (1903), S. 399-420, hier S. 402 ff.

89 ebd.

90 Steinhardt, G., Eigenartige Fundamentierung der Stadtmauer von Treuenbrietzen, in: Brandenbur- gia, 15 (1907), S. 231; Engel, E./Enders, L. (Hrsg.), Städtebuch, (wie Anm. 60), S. 518.

91 ebd.

92 Dehio, G., Kunstdenkmäler, (wie Anm. 84), S. 1060 f; Engel, E./Enders, L. (Hrsg.), Städtebuch, (wie Anm. 60), S. 517., Rohrlach, P. R. (Bearb.), Ortslexikon Zauch-Belzig, (wie Anm. 84), S. 437.

93 Bratring, F. W. A., Statistiken der Mark, (wie Anm. 51), S. 384.

94 Pischon, C. N., Kurmärkische Treuenbrietzen, (wie Anm. 76), S. 160.

95 BLHA, Pr. Br. Rep. 2, S-Nr. 8222 unpag.

96 Pischon, C. N., Kurmärkische Treuenbrietzen, (wie Anm. 76), S. 213 f.

97 Bratring, F. W. A., Statistiken der Mark, (wie Anm. 51), S. 383.

98 Engel, E./Enders, L. (Hrsg.), Städtebuch, (wie Anm. 60), S. 518 f.

99 Der frühneuzeitliche Begriff „Wüste Stellen“ bedeutet soviel wie unbebaute Stellen in der Stadt.

100 Engel, E./Enders, L. (Hrsg.), Städtebuch (wie Anm. 60), S. 518; Rohrlach, P. R. (Bearb.), Ortsle- xikon Zauch-Belzig, (wie Anm. 80), S. 439 f; BLHA, Pr. Br. Rep. 8 Treuenbrietzen, Nr. 1731 un- pag.

101 Demnach sollen die Treuenbrietzener Fischer wegen der Lieferung von Forellen und Welsen so- gar mit dem preußischen Hof in Kontakt gestanden haben. Vgl. BLHA, Pr. Br. Rep. 8 Treuen- brietzen, Nr. 1713 unpag; BLHA, Pr. Br. Rep. 2, S-Nr. 8204 unpag.

102 Pischon, C. N., Kurmärkische Treuenbrietzen, (wie Anm. 76), S. 202 ff. und ZFH, „Treuenbriet- zen im Dreißigjährigen Krieg“, 8, (1941), 8.,9.,10.,11.,12. Hefte.

103 Meier, B., Neuruppin (wie Anm. 57), S. 43; Bratring, F. W. A., Statistiken der Mark, (wie Anm. 51), S. 383.

104 ebd.

105 ebd., S. 384 f.

106 ebd.

107 Otto Tschirch und Ernst Anderson beschreiben, wie das Brandenburger Rathaus in den Winter- monaten des 18. Jahrhunderts als „Exerzierplatz“ umfunktioniert wurde. Sie sahen darin ein Indiz für das schlechte Verhältnis zwischen Militär und Stadtbürgern, da die Selbstverwaltung und das städtische Bewusstsein von den Soldaten buchstäblich mit Füßen getreten wurden. Allerdings er- wähnen sie nicht, dass das Rathaus das einzige öffentliches Gebäude war, das einen großen Saal besaß, in dem auch in den Wintermonaten exerziert werden konnte. In Rathenow übten die Solda- ten im Audienz-Saal des Rathauses. Vgl. Tschirch, O., Geschichte der Chur- und Hauptstadt Bran- denburg an der Havel, 2. Bd., Brandenburg 1928, S. 118, Anderson, E., Geschichte Brandenburgs als Garnisonsstadt, Weißenfels 1902, S. 26, Winkel, C., Rathenow, (wie Anm. 57 ), S. 50.

108 Pischon, C. N., Kurmärkische Treuenbrietzen, (wie Anm. 76), S. 183 und 192.

109 Bratring, F. W. A., Statistiken der Mark, (wie Anm. 51), S. 386.

110 Pischon, C. N., Kurmärkische Treuenbrietzen, (wie Anm. 76), S. 184.

111 Engel, E./Enders, L. (Hrsg.), Städtebuch, (wie Anm. 60), S. 518 und 521.

112 Pischon, C. N., Kurmärkische Treuenbrietzen, (wie Anm. 76) , S. 202.

113 ebd., S. 189.

114 Engel, E./Enders, L. (Hrsg.), Städtebuch, (wie Anm. 60), S. 521.

115 BLHA, Pr. Br. Rep. 8 Treuenbrietzen, Nr. 3152 unpag.

116 ebd.

117 Neugebauer, W., Brandenburg im absolutistischen Staat. Das 17. und 18. Jahrhundert, in: Mater- na, I./Ribbe, W. (Hrsg.), Brandenburgische Geschichte, Berlin 1995, S. 291-394, hier S. 341.

118 Neugebauer, W., Zentralprovinzen im Absolutismus, (wie Anm. 47), S. 110.

119 Heinrich, G., Staatsaufsicht und Stadtfreiheit in Brandenburg-Preußen unter dem Absolutismus, in: Rausch, W. (Hrsg.), Die Städte Mitteleuropas im 17. und 18. Jahrhundert, Linz 1981, S. 155- 172, hier S. 164.

120 Neugebauer, W., Zentralprovinz im Absolutismus, (wie Anm. 47), S. 95.

121 Nicolai, F., Beschreibungen der königlichen Residenzstadt Potsdam und der umliegenden Umge- bung, o. A. 1786, Eine Auswahl Herausgegeben von Karlheinz Gerlach, Leipzig 1993, S.146 f.

122 Beabsichtigt war die Herstellung »guter Policey«, das heißt die durch den Staat kontrollierte Ordnung aller privaten und öffentlichen Angelegenheiten.

123 Schneider, D., Nauen, (wie Anm. 57), S. 23.

124 Nicolai, F., Potsdam, (wie Anm. 121), S. 147.

125 Schmoller, G. v., Deutsche Städtewesen in älterer Zeit, Bonn 1922, S. 400 ff.

126 Neugebauer, W., Zentralprovinz im Absolutismus, (wie Anm. 47), S. 95 ff.

127 Meier, B., Neuruppin (wie Anm. 57), S. 31 ff.

128 Neugebauer, W., Zentralprovinz im Absolutismus, (wie Anm. 47), S. 114.; Nicolai, F., Potsdam, (wie Anm. 121), S. 148.

129 Rohrlach, P. R. (Bearb.), Ortslexikon Zauch-Belzig, (wie Anm. 84), S. 438.

130 Schmoller, G. v., Deutsche Städtewesen, (wie Anm. 125), S. 299.

131 Meier, B., Neuruppin, (wie Anm. 57), S. 27.

132 Göse, F., Die brandenburgischen Städte um 1700, (wie Anm. 44), S. 136.

Details

Seiten
134
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640775262
ISBN (Buch)
9783640775286
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v162165
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Historische Institut, Lehrstuhl für Militärgeschichte
Note
1,5
Schlagworte
Militär Gesellschaft Treuenbrietzen Jahrhunderts

Autor

  • Tim Olster (Autor)

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Titel: Militär und Gesellschaft im Treuenbrietzen des 18. Jahrhunderts