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Das Ronkalische Lehnsgesetz von 1158

Hausarbeit 2007 32 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Reichsitalien bis Friedrich Barbarossa

3. Der Konflikt mit Mailand

4. Das Ronkalische Lehnsgesetz

5. Das Regalienweistum

6. Umsetzung der Gesetzes

7. Zusammenfassung

8. Quellen- Literaturangaben

1. Einleitung

Wenn man den Namen Friedrich Barbarossa hört, denken die meisten zu allererst an das Kyffhäuserdenkmal auf dem Berg, in dem der Kaiser ruhen soll. Doch er war weit mehr als eine Sagengestalt, dessen roter Bart an einem großen steinernen Tisch festgewachsen ist. Er ist vielmehr einer der bedeutendsten und bis heute populärsten Kaiser des Mittelalters. Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Wirken des Kaisers in Reichsitalien, wo er versuchte gegen das Hegemonie- und Expansionsstreben der großen Kommunen, besonders Mailands, vorzugehen und die kaiserliche Autorität in einem Reichsteil wiederherzustellen, in dem schon seit einiger Zeit Handlungen stattfanden, die gegen die kaiserlichen Interessen liefen. Dies sollte auf dem Reichstag von Roncaglia geschehen. Die Handlungen des Kaisers sind in mehreren Quellen relativ übereinstimmend geschildert, sodaß wohl keine Zweifel am Wahrheitsgehalt der zu beschreibenden Ereignisse bestehen. In erster Linie sind dabei die „Gesta Frederici“ des Bischofs Otto von Freising und seines Fortsetzers Rahewin zu nennen. Beide gehörten zum engeren Umfeld des Kaisers, Otto von Freising war sogar dessen Onkel, womit sie Augen- und Ohrenzeugen der Gescheh- nisse waren. Der Verfasser einer weiteren Quelle über die Taten Friedrichs kann sich einer solchen Verwandtschaft und direkten Nähe zum Kaiser leider nicht erfreuen. Es war der Prager Domherr Vincenz. Er führte den böhmischen Heeresteil beim zweiten Zug nach Italien und war Zeuge des Reichstages von Roncaglia.

Des weiteren gibt es auch eine Anzahl Quellen aus dem italienischen Raum, zum Beispiel von Otto Morena und seinem Fortsetzer Acerbus Morena, der des Ersteren Sohnes war und über die Taten Kaiser Friedrichs berichteten.

Da Otto Morena Geschichtsschreiber von Lodi war und diese Stadt häufig von den Mailändern heimgesucht wurde, ist dies ein besonders kaiserteuer Bericht, der die „Verbrechen“ Mailands detailliert festhält. Dadurch sollte Antipathie gegen Mailand, Mitleid für Lodi und Zustimmung für die kaiserliche Politik erzeugt werden. Einen ähnlichen Ton schlägt das Werk Ottos von Freising an. In einer Beschreibung der Verhältnisse werden zunächst noch die Freiheitsliebe und die Klugheit der Norditaliener hervorgehoben. Kurz darauf tritt jedoch die Verachtung des Verfassers über die italienischen Verhältnisse offen zu Tage als er berichtet, daß in den Städten auch junge Leute aus den unteren Ständen und Handwerker zum Kriegsdienst und zu höheren Würden zugelassen werden.1

Doch Friedrich Barbarossa war nicht der erste Kaiser unter dem es in Italien zu Konflikten kam. Durch die kommunale Struktur Oberitaliens und der Unterschiede zwischen dem langobardischen und dem nordalpinen Lehnrecht gab es immer wieder Reibereien, in die auch häufig das „Staatsoberhaupt“ eingreifen mußte. Der Grund dafür, daß in Reichsitalien ein anderes Lehnrecht als in Deutschland herrschte war der, daß nach der Eroberung der Lombardei durch Karl den Großen, diese dem Reich nicht inkorporiert wurde, sondern der deutsche König nur in Personalunion auch langobardischer/italienischer König war. Damit war Oberitalien ein gewisses Maß an Eigenständigkeit geblieben, was sich im teilweise unterschiedlichen Lehnrecht widerspiegelte.

Als Otto I. die Vorherrschaft in der Lombardei wiederherstellte, setzte er Bischöfe ein, die als kaiserliche Stadthalter in Italien regieren sollten. Die Konflikte begannen als die Bischöfe ihre Herrschaftsrechte zum Großteil an weltliche Vasallen vergaben und sie gegen Ende des 10. Jahrhunderts diese Herrschaftsrechte wieder zurückbekommen wollten.2Da die Lehen zu dieser Zeit noch nicht erblich waren, gab es besonders bei den Aftervasallen, den Valvassoren, eine große Unsicherheit über die Herrschafts- verhältnisse und darüber ob sie „ihren“ Grund und Boden behalten konnten. Darüber kam es 1036 zum Valvassorenaufstand, der mit einem militärischen Sieg der Aufständischen endete. Deswegen sah sich Kaiser Konrad II. genötigt, die besitzrechtlichen Verhältnisse neu zu regeln (siehe Kapitel 4).

Den nächsten Einschnitt in die Verhältnisse Oberitaliens brachte der Investiturstreit, der sich in Italien zwischen der, dem Reich verbundenen, Aristokratie (vornehmlich die erwähnten Reichs- bischöfe) und den nach Autonomie strebenden Städten abspielte. Das Ergebnis des Investiturstreites in Italien war, daß sich der italienische Episkopat dem Einfluß des deutschen Königs entzog und die Bischöfe aus der Rolle des Stadtherren zurücktraten und sich in die Führungsschicht der Städte assimilierte.3Diese war es auch, die nun eigenverantwortlich das Stadtregiment führte und bestrebt war, den Herrschaftsbereich ihrer Stadt zu vergrößern. Dieser Prozeß fand in ganz Oberitalien statt. Nur wenige mächtige Adlige konnten die Oberhoheit über ihr Territorium bewahren und dem Druck der Kommunen standhalten. Das ist die Ausgangs- situation, die Barbarossa in Reichsitalien vorfand.

Auf einem der ersten Hoftage des kürzlich gekrönten Königs 1152 in Ulm, fanden sich auch mehrere italienische Reichsangehörige ein, um von ihrem neuen Oberhaupt alte Rechte bestätigt zu bekommen. Diese bekamen die erbetenen Urkunden und wurden zu-vorkommend behandelt. Daraufhin traten in der Folgezeit weitere Bewohner Reichsitaliens an den König heran, um Gleiches zu erbitten aber auch um Beschwerde gegen die Zustände in Oberitalien und anderer, dem Reich zugehöriger Gebiete, zu führen. So vernahm Friedrich auf einem weiteren Hoftag in Würzburg Klagen von aus Sizilien vertriebenen Apuliern gegen die normannische Herrschaft und nahm diese zum Anlaß, um die Fürsten einen Italienzug beschwören zu lassen.4Auf demselben Hoftag erreichten den König erste Klagen gegen Mailand. Die klageführende Partei war die strategisch bedeutende, weil den Zu- gang zu den Bündner Alpenpässen beherrschende, Stadt Chiavenna. Die Konsuln der Stadt beantragten die letztendlich gewährte Zugehörigkeit zum Herzogtum Schwaben zum Schaden der Kommune Como, die unter der Oberhoheit Mailands stand.5

Ein Jahr später wurde erneut gegen Mailand Klage geführt, diesmal von Einwohnern der Stadt Lodi. Diese beklagten sich darüber, daß ihnen die Mailänder die Abhaltung ihres ertragreichen Marktes untersagten und diesen auf Anordnung der Mailänder in einem abgelegeneren Teil des Lodeser Territoriums abzuhalten hätten, wodurch den Lodesen großer wirtschaftlicher Schaden entstünde.6

Die Anweisung welche diesem Problem Abhilfe schaffen sollten, wurden jedoch von den Mailändern nicht befolgt. Hier stieß der König erstmals auf das Expansionstreben der Mailänder. Das große Mailand, daß durch die Unterwerfung vieler angrenzender Kommunen, Grafschaften und durch die Zerstörung der Herrschaft der Reichsbistümer die feudale Herrschaftsordnung hinweg fegte und sich dadurch zur mächtigsten Stadt Oberitaliens entwickelt hatte7, wagte es aus eigener Machtvollkommenheit heraus den königlichen Befehl hochmütig zu ignorieren. Der König sollte dies nicht vergessen. Man plante ja sowieso bereits einen Italienzug und könnte bei dieser Gelegenheit in Mailand nach dem Rechten sehen. Der Zug nach Italien wurde aber nicht nur zur Bekämpfung der Normannen unternommen. Dies war vielmehr ein Kompromiß mit dem Papst, damit dieser Friedrich zum Kaiser krönte. Im Vertrag von Konstanz (1153) einigten sich der König und der Papst dahin- gehend, daß der zukünftige Kaiser den Papst gegen die stadt- römische Bevölkerung, die Normannen auf Sizilien und die byzantinische Expansion in Italien beschützen sollte. Im Gegenzug erklärte sich der Papst dazu bereit, Friedrich zum Kaiser zu krönen, Reichsfeinde zu exkommunizieren und die Rechte des Reiches in Italien zu festigen. Beim gemeinsamen Vorgehen gegen die Normannen wurde vereinbart, daß Friedrich ohne Zustimmung der Kurie keinen Frieden mit den Normannen schließen dürfe, während eine ähnliche Bestimmung für den Papst fehlte.8

Friedrichs I. in Italien und der Brief über den Kreuzzug Kaiser Friedrichs I., Darmstadt 1986 (=Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Bd. 17a), S. 34-239, hier S. 37ff.

Ein Jahr später zog man nach Italien. Den ersten Hoftag in Reichsitalien hielt Friedrich Barbarossa auf den ronkallischen Feldern am Po, in der Nähe von Piacenza. Die anwesenden Adligen, kleinere Städte und Geistlichen klagten dem König über das ihnen von den größeren Städten zugefügte Unrecht und forderten ein Einschreiten des Königs. Am meisten wurden gegen die Verhaltensweise der Städte Mailand, Asti und Chieri geklagt.9 Während erstere zu mächtig, zu stark befestigt und das königliche Heer nicht schlagkräftig genug war, zog man gegen Asti und Chieri, die mit Mailand verbündet waren und zerstörte beide Städte.

Für die Bestrafung Mailands mußte es vorläufig genügen dessen Umland zu verwüsten und nach schwieriger Belagerung dessen wichtigsten Verbündeten, Tortona, zu zerstören bevor Friedrich weiter nach Rom zog, um sich die Kaiserkrone abzuholen. Nachdem das eigentliche Ziel des Zuges, die Kaiserkrönung, erreicht war und bereits einige Schlachten gefochten waren, zu den erwähnten traten noch Kämpfe gegen die stadtrömische Bevölkerung hinzu, erbaten mehrere der teilnehmenden deutschen Fürsten die Rückkehr nach Deutschland.10Da der Zeitraum für den sich die Fürsten zur Reichsheerfahrt verpflichtet hatten bald überschritten war und Friedrich sein primäres Ziel, die Kaiserkrönung, erreicht hatte, trat man den Rückweg nach Hause an, bei dessen Gelegenheit man Mailand in Bann und Acht tat und das mailändische Münzrecht an Cremona, eine Rivalin Mailands, übertrug. Durch den Abzug des kaiserlichen Heeres ohne nennens- werte Intervention gegen die Normannen auf Sizilien wurde gegen die genannten Bestimmungen des Vertrages von Konstanz vertoßen und somit gegen die päpstlichen Interessen.

[...]


1Ottonis Episcopi Frisingensis et Rahewini: Gesta Frederici, herausgegeben von FranzJosef Schmale, Darmstadt 1965 (=Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Bd. 17), S. 308.

2 Ludger Körntgen: Ottonen und Salier, Darmstadt 2002, S. 77. 5

3Gerhard Dilcher: Artikel „Reichsitalien“, in: Adalbert Erler und Ekkehard Kaufmann (Hg.): Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Bd. IV, 1990, Sp. 642-648, hier S. 645.

4Ferdinand Opll: Friedrich Barbarossa, Darmstadt 1990, S. 44.

5W. Heinemann: Artikel „Chiavenna“, in: Robert-Henri Bautier, u.a. (Hg.): Lexikon des Mittelalters, Bd. II, München/Zürich 1983, Sp. 1809.

6Ottonis Morenae eiusdemque continuatorum libellus de rebus a Fredrico imperatore gestis, in: Franz-Josef Schmale (Übersetzer): Italische Quellen über die Taten Kaiser

7Eberhard Otto: Friedrich Barbarossa, Potsdam 1943, S.25.

8Bernhard Töpfer und Evamaria Engel: Vom staufischen Imperium zum Hausmachtkönigtum. Deutsche Geschichte vom Wormser Konkordat 1122 bis zur Doppelwahl von 1314, Weimar 1976, S. 113.

9Gesta Frederici, S. 312.

10Opll: Barbarossa, S. 51.

Details

Seiten
32
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640767649
ISBN (Buch)
9783640768004
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v162145
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
Friedrich I. Barbarossa Reichstalien Reichtag von Roncaglia Regaliendefintion Regalienweistum Lehnrecht Städtebund Mailand Italienpolitik Oberitalien

Autor

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Titel: Das Ronkalische Lehnsgesetz von 1158