Lade Inhalt...

Kindheit und Jugend im Wandel

Konsequenzen für die Gestaltung von Schule

Hausarbeit 2007 6 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Kindheit und Jugend im Wandel - Konsequenzen für die Gestaltung von Schule

Die heutige Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen unterscheidet sich stark von der früherer Generationen. Dieser Wandel stellt auch neue Ansprüche an die Institution Schule, deren Strukturen von Bildung und Erziehung jener Zeit sich bis heute kaum verändert haben. Daher sollen hier zunächst einige wesentliche Beispiele der veränderten kindlichen Lebenswelt genannt, sowie die aktuelle Situation in der Schule erörtert werden, um schließlich der Frage nachzugehen, wie die Institution Schule strukturell und auch ich als zukünftiger Lehrer und Teil dieser Institution auf diese Veränderungen reagieren kann.

In der heutigen Zeit sehen sich Kinder vor allem im familialen Bereich im Vergleich zu früheren Generationen großen Veränderungen gegenüber. Die allgemeinen Tendenzen werden zusammenfassend als „Pluralisierung und Individualisierung familialer und familienähnlicher Lebensformen“ (Büchner 1994, 15) bezeichnet. Die große Vielfalt privater Lebensformen zeigt sich in der stetig wachsenden Zahl alleinerziehender Eltern, viele Kinder wachsen in nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften auf und auch die Tendenz zur Kleinfamilie nimmt zu (vgl. Nave-Herz 2007, 318).

Die Veränderungen der Familienzusammensetzung und des Aufwachsens als Einzelkind gehen mit veränderten Ansprüchen an das Kind und seiner Rolle innerhalb der Familie einher. Insbesondere die Rolle der Frau weicht heutzutage von der traditionellen Vorstellung der Hausfrau und Mutter ab; heute ist die Mehrzahl der Mütter berufstätig (vgl. Nave-Herz 2007, 319). Ebenso hat sich das Erziehungsleitbild und damit die Rolle des Kindes stark verändert. Das Verhältnis ist moderner und der Umgang ‚lockerer’ geworden. Anstatt ihren Kindern ‚Befehle’ zu erteilen, handeln Eltern mit ihnen gemeinsam die Regeln des Zusammenlebens und Verhaltens aus (vgl. Meyer 2002, 426). Eltern und Kinder müssen sich in den Verhandlungen gleichermaßen erklären und ihre Meinung rechtfertigen. Zwar haben die Eltern noch immer eine übergeordnete Position und üben Kontrolle aus, diese findet aber nur partiell statt.

Darüber hinaus ergibt sich aus der Erwerbstätigkeit der Eltern ein größerer Betreuungs- und Erziehungsanspruch der Kinder außerhalb der Familie. Diese Aufgabe weisen viele Eltern gern der Schule zu. Dass die Schule und ihre Lehrer in der heutigen Schulsituation diesen Aufgaben oft nicht gewachsen sind, ergibt sich aus den Berichten von Schülern und Lehrern gleichermaßen.

Auch im Freizeitbereich ist ein deutlicher Wandel zu verzeichnen. In der heutigen Zeit gibt es mehr und mehr außerfamiliale und außerschulische Sozialisationsbereiche für Kinder und Jugendliche. Ihre Freizeitaktivitäten spielen sich zunehmend in größerer Distanz zum Elternhaus ab. Kommunale und kommerzielle Angebote werden von vielen Kindern genutzt, da ihre Eltern berufsbedingt keine Zeit haben, sie nachmittags zu betreuen. Kinder verabreden sich heute meist nur noch in Kleingruppen zum Spielen und man kann nicht automatisch davon ausgehen, dass Kinder heutzutage ihre Freunde zufällig treffen, da sie oftmals nicht - wie in früheren Generationen der Regelfall - in der Nachbarschaft wohnen.

Ein weiterer Aspekt, der diesen Wandel unterstreicht und zu mehr Isolation von Kindern führt, ist der heutige Mangel an kindgerechten Spielflächen, insbesondere in städtischen Gebieten. Darüber hinaus haben die meisten Kinder heute ein eigenes Zimmer, das häufig mit Fernseher und Computer ausgestattet ist. Dies verführt natürlich viele, zuhause zu bleiben und alleine zu spielen, da sich auch keine Notwendigkeit eines Spielpartners ergibt. Dies kommt zum einen durch mangelnde Betreuung zustande, besonders wenn beide Eltern berufstätig sind und das Kind unbeaufsichtigt ist oder weil die Eltern aus pädagogischen Gründen ihrem Kind selbst die Entscheidung überlassen wollen, wie es seine Freizeit gestaltet.

Zusammenfassend kann man bei der Entwicklung der heutigen Lebenswelt von Kindern einen Trend zur „Konzentration, Zentralisierung, Enttraditionalisierung, Spezialisierung und Verinselung der räumlichen Gegebenheiten für Kinder“ (Büchner 1994, 20) beobachten.

Was das Verhalten von Kindern und Jugendlichen in der Schule betrifft, so berichten Lehrer immer wieder über unruhige, nervöse und im Allgemeinen verhaltensauffällige Kinder. Ihr Verhalten in der Schule wird oft als störend und destruktiv beschrieben. Sie sind oft unkonzentriert, gewaltbereiter und häufig sinnesgeschwächter als früher. Kinder tragen heute ihre Probleme aus dem außerschulischen Bereich in die Schule hinein. Vieles ist auf Defizite in der elterlichen Erziehung zurückzuführen. Angesichts der großen Klassenstärken und der wenigen Stunden, die ein (Klassen-)Lehrer mit seinen Schülern verbringt, ist die mehr oder weniger alleinige Verantwortung der Erziehung des Kindes nicht allein durch die Schule zu kompensieren.

Darüber hinaus gibt es neben den klassischen Störenfrieden in der Schule auch solche, die immer wieder die ungeteilte Aufmerksamkeit des Lehrers einfordern. Dies ist wiederum auf ihren Anspruch auf individuelle Zuwendung bzw. Behandlung zurückzuführen. Solche Kinder fügen sich schlecht in die Klassengemeinschaft ein, verweigern Gruppenarbeit oder brauchen stets eine persönliche Aufforderung von Seiten des Lehrers. Die schwierige Situation in der Schule ist teilweise auch darauf zurückzuführen, dass sich Kinder und Jugendliche häufig von ihren Eltern und/oder Lehrern unverstanden fühlen. Sie werden häufig nicht ernst genommen, bzw. als unreif betrachtet und leben ihren Frust öffentlich aus. Viele verbinden mit dem täglichen Schulbesuch oft auch nur das Treffen von Freunden. Der Kern des Problems liegt meist darin, dass sich viele Kinder nur deshalb in der Schule auffällig verhalten, weil von ihnen hier oft ein komplett anderes Verhalten gefordert wird als im Alltag außerhalb der Schule. Doch das traditionelle Bild und die Rolle des passiven Schülers, der sich den Aufforderungen des Lehrers unterordnet, sind noch in vielen Lehrerköpfen vorherrschend und gelten gemeinhin als das Schüler-Ideal. Davon abweichendes Verhalten wird daher eher als auffällig bzw. störend betrachtet. Heute weigern sich aber viele Kinder, sich auf die Schülerrolle reduzieren zu lassen und reagieren entsprechend ‚unterrichtsbehindernd’, indem sie reden, ohne sich zu melden, persönliche Dinge erzählen, statt zum Unterrichtsthema beizutragen oder anderen ins Wort fallen.

[...]

Details

Seiten
6
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640771622
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v162090
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1
Schlagworte
Kindheit Jugend Wandel Konsequenzen Gestaltung Schule

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Kindheit und Jugend im Wandel