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Graffiti an der Technischen Universität Darmstadt

Seminararbeit 2010 19 Seiten

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

0. Abstract

1. Einleitung
1.1 Historische Vorbetrachtungen
1.2 Vorgehensweise

2. Graffiti an der Universität Darmstadt
2.1 Die bunten Wände des „Campus Stadtmitte“
2.2 „Tischgraffiti“ im Hörsaal
2.3 Klokritzelei an der „Lichtwiese“ - Die Toilette als öffentlicher Raum

3. „Darmstadt Sucks!“ - Graffiti im gesellschaftlichen Kontext

4. Fazit und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

0. Abstract

In der vorliegenden Arbeit werden Graffiti als kulturelles und linguistisches Phänomen untersucht. Es wird eine mögliche Typisierung vorgeschlagen und Beispiele rings um das Campusgelände, auf den Tischen eines Hörsaals und an den Toilettenwänden der Technischen Universität analysiert. Des Weiteren beinhaltet die Hausarbeit einen kurzen historischen Abriss und eine knappe Erörterung zu Graffiti im gesellschaftlichen und Stadtkontext. Das Ziel dieser Arbeit ist es zu verdeutlichen, dass Graffiti in jeglicher Form Kommunikationsmedien Jugendlicher und auch junger Erwachsener sind und diesen zur Erschließung und Gestaltung der eigenen Umwelt dienen.

1. Einleitung

Ob groß und bunt, oder doch klein und unscheinbar, Graffiti gehören nunmehr in fast allen Städten zum Erscheinungsbild. „Fuck the Cops“ oder „Darmstadt Sucks“ tönt es von den Wänden, doch auch auf Tischen und Toiletten finden sich Namensignaturen, Auforderungen, Gedichte und Ähnliches. Schon in der Antike war die Mauer Protestfläche und ist es bis Heute geblieben. Jugendliche toben sich auf den leeren Wänden aus und sprühen Botschaften mit politischem, kulturellem oder auch gar keinem Inhalt.

Ferner sind Graffiti auch ernstzunehmender Gegenstand der linguistischen Forschung. Diese beschäftigt sich mit Literatur und definiert man Literatur im weitesten Sinne als alles Geschriebene, so gehören auch die gesprühten Wörter und Graphismen dazu.

Im Folgenden sollen diese Sprühbilder näher untersucht werden, wie sie entstehen und was sie sind. Dabei wird aufgezeigt, dass Graffiti, ob nun auf Wänden, Bänken oder auf der Toilette kommunikatives Medium für Jugendliche sind. Als solches hilft es den jungen Menschen sich die Umwelt im städtischen Kontext neu zu erschließen und zu gestalten.

1.1 Historische Bezüge

Das Wort Graffito bedeutet ursprünglich „Kratzen“ und wurde von italienischen „s’graffitere“ abgeleitet. Somit könnte man das Einkratzen von Figuren und Zeichen an prähistorischen Höhlenwänden als älteste Form des Graffitis bezeichnen. Genau wegen diesen Ideen rückten die Malereien an Wänden erstmal ins Interesse der Wissenschaft. Insbesondere während den Ausgrabungen in Pompeji um 1930, denn bereits in dieser antiken Stadt fanden sich Textfragmente und Polemiken an den alten Mauern.

Dennoch war es von den Hieroglyphen im alten Ägypten bis hin zu den Kritzeleien an der Klowand ein langer Weg, der auch immer in Verbindung zur Entwicklung von Schrift und deren Verbreitung zu sehen ist. Jedoch wird deutlich, dass die Wandbotschaften schon früh zum kulturellen Medium der Gesellschaft wurden und das diese „als Ausdruck von Frustration, Hassgefühlen, Phantasien, Wünschen, Alltagsproblemen und dergleichen mehr nicht nur Rückschlüsse auf die Menschen, die sie schreiben, sondern auch auf die je herrschenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse [zulassen]“ (Schmiedel, Förster, Thöle, Nelkowski 1998: S. 26). Nichtsdestotrotz wurden die Schmierereien zunächst größtenteils negativ ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Wie auch der HipHop oder Break Dance wurde auch das Graffito aus dem amerikanischen Raum übernommen und entstand dort ursprünglich in den afroamerikanischen Ghettos in New York. Hier verbreiteten sich die Sprühbilder immer rascher und gehörten in U- Bahn Stationen und an Zügen bald zum Stadtbild der Metropole (vgl. Schmiedel, Förster, Thöle, Nelkowski 1998: S. 36). Doch auch in Deutschland und anderen Teilen Europas entdeckten die Jugendlichen diese „neue“ Ausdrucksform und sie gewann speziell nach 1968 an immer größerer Bedeutung und wurde von den europäischen Jugendlichen zunächst kopiert, schließlich auch weiterentwickelt und abgeändert. Ferner begann man sich in den Achtzigern auch von Seiten der Wissenschaft für das Phänomen zu interessieren und es wurden erste Sammlungen von Graffiti veröffentlicht und frühe Klassifizierungsversuche unternommen (vgl. Neumann 1986: S. 12). Dieses anfängliche Interesse ging von verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen aus, so untersuchte man in der Psychologie zum Beispiel die „Schulbank- Graffiti“ und auch die Germanistik oder die Pädagogik begannen die neue Kuriosität zu analysieren. Das Besondere ist hierbei eben die Komplexität des Phänomens Graffiti, weshalb sie auch in den Blickpunkt mehrerer Wissenschaften geraten sind und jeweils von anderen Perspektiven aus beleuchtet werden können.

Letztendlich wurde deutlich, dass die Wandmalereien schon eine lange Tradition haben. Das Faszinierende an Graffiti ist, dass sie in vielerlei Hinsicht gedeutet werden können und durch den Einfluss der Anonymität und das Wirken im Raum zur „Nahtstelle von Subkultur und Öffentlichkeit, von Text und Aktion“ (Neumann 1986: S. 16) werden.

1.2 Vorgehensweise

Nun sollen konkrete Beispiele, welche im Umkreis der Technischen Universität Darmstadt gefunden und fotografiert wurden, analysiert werden. Einerseits fanden sich eine Vielzahl von Graffiti an Parkbänken und Außenwänden rund um die Universitätsgebäude der Stadtmitte und das Schloss, andererseits wurden auch die Klokritzeleien in den Toiletten der Mensa an der Lichtwiese mit aufgenommen. Des Weiteren wurden einige Bemalungen von Tischen im Vorlesungssaal S 103/ 123 festgehalten.

Die gesamte Sammlung wird hier jedoch nicht betrachtet, sondern nur exemplarische Beispiele. Diese werden hinsichtlich ihrer sprachlichen Besonderheiten und ihrer Darstellung untersucht. Dabei soll aufgezeigt werden, dass den Wandmalereien und Kloinschriften als Medien der Kommunikation unter Jugendlichen (in diesem Fall auch Studenten) und als kulturelle Erscheinungen eine wichtige Bedeutung zukommt. Hierbei sollen verschiedene Faktoren, wie der Einfluss der Anonymität und das Wirken von Graffiti im Raum in die Analyse einbezogen werden. Des Weiteren wird betrachtet, inwieweit ein Graffito als Kunstwerk oder gar als literarisches Werk zu deuten ist.

2. Graffiti an der Universität Darmstadt

Bevor nun im Konkreten die gesammelten Beispiele betrachtet werden, soll zunächst die Bandbreite der möglichen Realisierungsformen von Graffiti in den Blick genommen werden. Als Graffiti können beispielsweise an Wände gesprühte oder geschriebene Sprüche, Bilder, Figuren, Zeichen, Namen und Ähnliches verstanden werden. Aufgrund dieser weitreichenden Bedeutung des Begriffs ist es häufig schwer eine klare Klassifizierung vorzunehmen.

Dennoch soll im weitesten Sinne zwischen Schriftgraffiti, Symbolen und Zeichen, sowie Figuren und Bildern (vgl. Schmiedel, Förster, Thöle, Nelkowski 1998: S. 30) unterschieden werden. Unter Graffiti im engeren Sinne sollen hingegen die sogenannten ‚American Graffiti’ gefasst werden, bei welchen wiederum in Tags, Throw Ups und Pieces unterteilt wird (vgl. Schneider 2002: S 11). Bei Erstgenanntem handelt es sich um einfache und schnell herstellbare Buchstabenfolgen. Im Konkreten stellen die Tags meist „die persönliche Signatur, den Namensschriftzug eines Writers1 oder einer Crew [dar]“ (Schneider 2002: S. 18). Throw Ups sind meist auch die Signaturen von Writern oder Crews, jedoch in ihrer Herstellung bereits aufwendiger und stellen in gewisser Weise eine Zwischenstufe dar, auf der sich insbesondere die „Toys“ erproben können (vgl. Schmiedel, Förster, Thöle, Nelkowski 1998: S. 41). Die aufwendigste und komplexeste Form des ‚American Graffiti’ stellt das Piece dar. Auch dieses besteht zunächst aus dem Namenskürzel des Sprayers, ist jedoch stärker als das Tag vom individuellen Stil seines Herstellers geprägt und soll diesem Ruhm („Fame“) einbringen. Ein Piece wird in mehreren Schichten aufgetragen und besteht zumeist nicht nur aus Schrift, sondern auch aus bildlichen Teilen, die als Verzierungen fungieren. Ein gutes Piece sollte „in Farbkomposition, Originalität und Einfallsreichtum als auch in der Umriss-, Buchstaben- und Hintergrundgestaltung sowie in der Auswahl der Schmuckelemente und nicht zuletzt in der technischen Ausführung möglichst perfekt sein“ (Schmiedel, Förster, Thöle, Nelkowski 1998: S. 42).

[...]


1 Als Writer wird der Schreiber eines Graffitis bezeichnet. Wie viele andere Begriffe der Szene, wurde auch dieser aus dem Englischen übernommen. Eine Gruppe von Writern nennt sich Crew und ein Neuling in einer solchen Crew wird als ‚Toy’ bezeichnet (vgl. Schmiedel, Förster, Thöle, Nelkowski 1998).

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640756728
ISBN (Buch)
9783640757022
Dateigröße
10 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161968
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Schlagworte
Graffiti Jugendsprache Darmstadt

Autor

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Titel: Graffiti an der Technischen Universität Darmstadt