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Grundlagen und Bedeutung des Makroinstitutionalismus für das Strategische Management

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 23 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Heranführung an die Thematik des Makroinstitutionalismus
1.2 Aufbau der Arbeit und Zielsetzung

2 Die Neo-Institutionalistische Organisationstheorie
2.1 Begriffliche und theoretische Hintergründe
2.2 Meilensteine der Neo-Institutionalistischen Organisationstheorie
2.3 Die 2-Teilung des Neo-Institutionalismus

3 Der Makroinstitutionalismus
3.1 Kernelemente der Theorie
3.2 Verknüpfung des Makroinstitutionalismus mit dem Strategischen Management

4 Fazit und Diskussion

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Organisationales Überleben

Abbildung 2: Die Ursprünge und Entwicklungen formaler Organisationen

Abbildung 3: Kombination institutioneller und technischer Umwelten in den USA

Abbildung 4: Analyseebenen organisationalen Verhaltens

1 Einleitung

1.1 Heranführung an die Thematik des Makroinstitutionalismus

Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Thema des Makroinstitutionalismus und soll Grundlagen des Ansatzes und daraus resultierende Implikationen für das strategische Management aufzeigen.

Einzuordnen ist der Makroinstitutionalismus in die neo-institutionalistische Organisationstheorie. Diese thematisiert die Grundannahme, dass Verhalten und Strukturen von Organisationen primär durch gesellschaftliche Normen und Werte und weniger durch Effizienzkriterien determiniert werden. In der organisationalen Umwelt herrschen folglich Meinungen und Erwartungen vor, welche festlegen, wie eine Organisation auszusehen hat, und wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollte. Diesem Prozess der Institutionalisie- rung werden verschiedene Ursprünge zugesprochen. Innerhalb der institutio- nalistischen Organisationstheorie wird deswegen zwischen einer Mikro- und eine Makroebene unterschieden. Der Schwerpunkt dieser Ausarbeitung soll auf der Makroebene liegen, welche den Entstehungsort der Institutionalisie- rung in den Erwartungsstrukturen der organisationalen Umwelt sieht. Analy- siert werden soll, innerhalb einer makroanalytischen Perspektive, wie institu- tionalisierte Erwartungen entstehen, wie und aus welchen Gründen Organi- sationen auf diese reagieren, und wo die Konsequenzen der strukturellen Angleichung liegen können. Neben einer eingehenden Darstellung und Ana- lyse des Ansatzes soll außerdem die Verbindung zum strategischen Mana- gement aufgezeigt werden. Es soll geklärt werden, wie sich das unterschied- liche Umweltverständnis beider Ansätze begründen lässt und ob eine Integ- ration der Theorien möglich ist.

1.2 Aufbau der Arbeit und Zielsetzung

Um die eben aufgezeigten Fragen beantworten zu können, soll zu Beginn dieser Ausarbeitung eine knappe Darstellung des Neo-Institutionalismus, mittels der drei zentralen Beiträge von Meyer/Rowan (1977), DiMag- gio/Powell (1983) und Zucker 81977) für ein tiefergehendes Verständnis sor- gen. Im Anschluss soll die Zweiteilung des Neo-Institutionalismus betrachtet werden, wobei ab diesem Punkt der Fokus auf die Makroperspektive des institutionalistischen Ansatzes gerichtet sein soll. Nach einer ausführlichen Analyse der Perspektive, soll das Festgestellte im Kontext des strategischen Managements untersucht werden und mögliche Implikationen offenlegen.

2 Die Neo-Institutionalistische Organisationstheorie

2.1 Begriffliche und theoretische Hintergründe

Zur korrekten theoretischen Einordnung und zur Schaffung eines besseren Verständnisses der vorliegenden Arbeit, erscheint es wichtig, den institutio- nalistischen Ansatz, im Folgenden IA genannt, zu erläutern und abzugren- zen. Der IA ist nicht als geschlossene Theorie zu verstehen, sondern viel- mehr als Portfolio von Sichtweisen und Konzepten, und ist somit als Orientie- rung oder auch theoretische Perspektive einzuordnen (Millonig 2002, 12). Generell lassen sich drei verschiedene Sichtweisen klassifizieren: die öko- nomische, die politische und sie soziale. Das wesentliche Unterscheidungs- merkmal dieser Sichtweisen ist die Auslegung dessen, was unter dem Kon- strukt der Institution zu verstehen ist. Die vorliegende Ausarbeitung soll sich hauptsächlich mit dem soziologischen Institutionalismus der Organisations- theorie befassen. Hierbei wird eine Unterscheidung in den so genannten al- ten und neuen Institutionalismus vorgenommen, wobei der Fokus dieser Ar- beit auf dem neuen Neo-Institutionalismus liegen soll.

Der Neoinstitutionalismus verzeichnet seine Ursprünge in der Organisations- forschung der USA und zählt heute zu den global führenden Ansätzen der Organisationstheorie (vgl. Hasse/Krücken 2005, 5). Fundamentale Gedan- kengänge aus der so genannten alten Organisationstheorie und dem Kontin- genzansatz werden aufgegriffen, jedoch aus einem anderen Blickwinkel be- trachtet und interpretiert (vgl. Walgenbach/Meyer 2008, 22). Den Bezugs- punkt bildet in erster Linie nicht das Individuum, sondern die Organisation.

Dies wird auf die gestiegene Bedeutung der Organisationen auf die moderne Gesellschaft zurückgeführt. Außerdem wird die zunehmende gesellschaftli- che Handlungsfähigkeit, welche durch, und auch in Organisationen geschaf- fen wird als Erklärung aufgeführt (vgl. Lawrence/Suddaby 2006, )Im Fokus des Neo-Institutionalismus steht die Annahme, dass Strukturen, Verhalten und Routinen von Organisationen nicht etwa durch den Wettbewerb oder Effizienzfragen, sondern durch kulturell und gesellschaftlich geprägte Werte, Normen und Vorstellungen entstehen (vgl. Millonig 2002, 2). Durch die Um- welt werden demnach Erwartungen und Richtlinien geschaffen, welche als verbindlich betrachtet werden und dazu dienen der Organisation Legitimität zu verschaffen (Suddaby/Greenwood 2005, 41 ff.). Diese Erwartungen und Richtlinien sind in modernen Gesellschaften stark ausgeprägt und bilden eine Art Leitbild, wie effiziente und effektive Organisationen funktionieren sollen (vgl. Meyer/Rowan 1977, 343). Verdeutlichen kann man sich dies an dem Beispiel der EDV. Heutzutage gilt die Nutzung von EDV in Organisationen als Standard und die, die auf eine Nutzung verzichten, gelten als nicht zeit- gemäß und unmodern (vgl. Kieser/Ebers 2006, 554). Ableiten lässt sich hie- raus eine Art Zwang der Nutzung, selbst wenn diese der Organisationen an sich keinen Vorteil verschafft. Übertragen lässt sich dieses Phänomen auf eine Vielzahl an Bereichen: Organisationale Verantwortung, Management- konzepte, bestimmte Techniken, Buchführung und vieles mehr (vgl. Lederle 2007, 26). Im Zuge des IA werden diese Annahmen vertieft und ausgebaut. Hierbei wird zugrunde gelegt, dass die Gesellschaft generell festlegt, wie In- stitutionen aufgebaut sein sollen, worin ihre Aufgaben und ihre Nutzenfunkti- on bestehen und auf welche Art und Weise Dienstleistungen und Güter zu produzieren sind (Scott/Meyer 1994, 3). Diese Annahme suggeriert, dass lediglich aufgrund von Erwartungen und Forderungen wichtiger Anspruchs- gruppen einer Institution, viele Konzepte, Programme und Verfahrensweisen unabhängig von ihrem Effizienzbeitrag adoptiert werden. Organisationen un- terliegen folglich dem Zwang, diese Vorgaben zu übernehmen, um Legitimi- tät zu erhalten und ihren Fortbestand und Ressourcenfluss zu sichern. Inso- fern kann man sagen, dass im IA die Kompetenz und Autorität vom Mana gement hin zu einer Makroebene, also hin zu Reglementierungen und Erwartungen der Gesellschaft verschoben wird (DiMaggio/Powell 1983, 15). Ergebnis dieses Prozesses ist die strukturelle Angleichung, auch Isomorphie genannt, zwischen formalen Strukturen einer Organisation und den institutionalisierten Erwartungen der Umwelt.

2.2 Meilensteine der Neo-Institutionalistischen Organisationstheorie

Als Meilensteine der neo-institutionalistischen Organisationstheorie gelten, unter anderen, die Aufsätze von Meyer/Rowan (1977), DiMaggio/Powell (1983) und Zucker (1977). Ebendiese versuchen den zuvor erläuterten Pro- zess der strukturellen Angleichung zu beleuchten und zu interpretieren.

Meyer/Rowan (1977) knüpfen (wie auch DiMaggio/Powell (1977)) mit ihrer Arbeit „ Institutionalized organizations: Formal structure as myth and ceremony “ an die Bürokratietheorie von Max Weber (1952) an und versu- chen zu erläutern, warum Organisationen Erwartungen ihrer Umwelt reflek- tieren zu Lasten ihrer eigenen Arbeitsanforderungen (Meyer/Rowan 1977, 341). Als Antwort proklamieren sie, dass Managementkonzepte primär nach außen gerichtet sind, um Legitimität zu erzielen und Effektivität nur unterge- ordnet eine Rolle spielt. Legitimität wird ihrer Meinung nach durch die Einhal- tung gesellschaftlicher Rationalitätserwartungen des jeweiligen institutionel- len Kontextes einer Organisation erzielt. Diese Rationalitätserwartungen werden von den Autoren auch als Mythen bezeichnet. Mythen umfassen zahlreiche Elemente der formalen Struktur, wie z.B. Technologien, Ausbil- dungen und Programme. Die strukturelle Anpassung der Organisation an diese gesellschaftlich geprägten Mythen hat gemäß den Autoren eine Maxi- mierung der Legitimität, sowie einen gesteigerten Ressourcenfluss und eine erhöhte Überlebenswahrscheinlichkeit zur Folge, vgl. Abb. 1 (Meyer/Rowan 1977, 352).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Organisationales Überleben (vgl. Meyer/Rowan 1977, 353)

Da die gesellschaftlichen Rationalitätserwartungen oft nicht im Einklang mit der effektiven Produktionsweise der Organisation stehen, führen Meyer/Rowan zwei miteinander verknüpfte Techniken ein: Die Entkopplung und die Logik des Vertrauens. Gemäß den Autoren macht es die Entkopp- lung Organisationen möglich, formale, legitimierte Strukturen zu adoptieren, während tatsächlich durchgeführte Aktivitäten entsprechend aktueller Erfor- dernisse variieren. Entkoppelt werden also zwei organisationale Wirklichkei- ten: zum einen die Ebene der Formalstrukturen und zum anderen die Ebene der Aktivitätsstrukturen. Der gute Glaube und das Vertrauen externer und interner Akteure der institutionellen Umwelt legitimieren so dennoch die Or- ganisation, ohne die tatsächliche Verknüpfung der Ebenen in Frage zu stel- len (Meyer/Rowan 1977, 357).

Der Beitrag von DiMaggio/Powell (1983) „ The iron cage revisited: Institutional isomorphism and collective rationality in organizational fields “ beschäftigt sich zentral mit der Frage, warum eine so große Homogenität zwischen Organisa- tionen und ihren Handlungen und Formalstrukturen herrscht. Im Blickpunkt hierbei stehen Organisationen, welche ein gemeinsames organisationales Feld teilen. Gemäß den Autoren setzt sich dieses Feld aus einer Vielzahl an Organisationen zusammen, welche in ein gemeinsames Sinnsystem einge- bunden sind und dessen Handlungen sich aufeinander beziehen (DiMag gio/Powell 1983, 148). Strukturangleichungsprozesse in diesen Feldern, werden von den Autoren mit Hilfe von drei Mechanismen erklärt: Zwang, Imi- tation und normativer Druck. Zwang meint hierbei vor allem staatliche Reg- lementierungen, sowie z.B. bindende Rechtsvorschriften. Die Imitation, oder auch mimetischer Isomorphismus genannt, entsteht bei einer hohen Unsi- cherheit und führt zu einer gestiegenen Observation und Imitation anderer Unternehmen. Imitiert wird hierbei vor allem von Organisationen, welche als besonders legitim und/oder erfolgreich innerhalb eines organisationalen Fel- des wahrgenommen werden. Als dritten Mechanismus zur Erzeugung von Isomorphie nennen DiMaggio/Powell den normativen Druck, welcher vor al- lem durch Professionen und sich angleichende Ausbildungsgänge hervorge- rufen wird (DiMaggio/Powell 1983, 150 ff.).

Mit ihrem Konzept des Neo-Institutionalismus und der Argumentation mit Hilfe des Organisationalen Feldes haben DiMaggio/Powell (1983) das Konstrukt der Isomorphie von Meyer/Rowan (1977) nicht nur konkretisiert, sondern auch leichter empirisch zugänglich gemacht.

Einen vollkommen anderen Betrachtungswinkel nutzt Zucker (1977) in ihrem fundamentalen Aufsatz: „ the role of institutionalization in cultural persistance “. Sie lenkt den Blickwinkel weg von der Makrostruktur, hin zu einer Ebene des handelnden Subjekts zur Erklärung der Institutionalisierung. Dabei spielt das Merkmal der relativen Beständigkeit eine dominierende Rol- le. Die Beständigkeit einer Kultur erklärt sie mit Hilfe von drei Aspekten: die Weitergabe von Handlungsweisen von einer Generation zur Nächsten, den Grad der Institutionalisierung als Erhaltungsfaktor dieser Handlungsweisen, sowie die Resistenz der Handlungsweisen gegenüber Veränderungsversu- chen (Zucker 1977, 728). Betont wird durch die Autoren ebenfalls, die Wich- tigkeit des sozialen Kontextes. Bestimmte Handlungen weisen demnach nicht automatisch einen bestimmten Institutionalisierungsgrad auf, sondern sind abhängig von der Situation und dem sozialen Kontext der Akteure. Ihre Annahmen prüft Zucker mit Hilfe eines Laborexperiments (Zucker 1977, 730 ff.), auf welches im Rahmen dieser Ausarbeitung nicht weiter eingegangen werden soll.

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Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640753437
ISBN (Buch)
9783640753536
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161845
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Management
Note
2,0
Schlagworte
Neoinstitutionalismus Makroinstitutionalismus Strategisches Management NI Neo-Institutionalismus

Autor

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