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Corporate Social Responsibility: Ein Ländervergleich zwischen den USA und Deutschland

Institutionelle Rahmenbedingungen für CSR-Aktivitäten im Vergleich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 28 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Corporate Social Responsibility - Definitionen und Diskurse

3 Institutionelle Rahmenbedingungen für CSR
3.1 Der Neo-Institutionalismus als Begründung
3.2 Institutionelle Rahmenbedingungen im Ländervergleich: USA - Deutschland
3.3 Implizites und explizites CSR - Deutsches vs. Amerikanisches CSR?
3.4 Exkurs: Lidl -Eine explizite Forderung nach implizitem CSR

4 Besonderheiten beim Corporate Social Responsibility in Deutschland
4.1 CSR im Branchenvergleich
4.2 Typische CSR-Maßnahmen in Deutschland

5 CSR-Aspekte im Ländervergleich: Arbeitnehmerrechte, umweltpolitische Maßnahmen und Diversity Management in Deutschland und den USA
5.1 Umweltbezogene CSR-Maßnahmen
5.2 CSR- Maßnahmen Arbeitnehmerrechte
5.3 CSR-Maßnahmen Diversity Management

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Corporate Social Responsibility, oder kurz CSR, ist heutzutage ein weitverbreiteter und in den Medien sowie in den Berichten von Unternehmen häufig verwendeter Begriff. Man könnte meinen, dass dieser Begriff fest etabliert ist und von allen Betei- ligten einheitlich verstanden und verwendet wird. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Weder gibt es eine allumfassende Definition, noch verstehen unterschiedliche An- spruchsgruppen, wie Mitarbeiter, Shareholder oder Umweltschutzorganisationen dasselbe unter sozial verantwortlichem Verhalten von Firmen, insbesondere wenn sie unterschiedlichen Nationalitäten angehören. Betrachtet man das ganze auf einer in- ternationalen Ebene fällt schnell auf, dass CSR als eine amerikanische Erfindung angesehen werden kann (Bassen et al. 2005). Vor dem Hintergrund, dass sich exten- sive CSR-Maßnahmen und Aktivitäten schon bedeutend länger bei Firmen aus den Vereinigten Staaten feststellen lassen, ist dies nicht weiter verwunderlich. In Europa halten kommunizierte CSR-Aktivitäten bei den Unternehmen erst seit den 1990er Jahren in größerem Umfang Einzug. Oft wird in der Literatur darauf hingewiesen, dass der Staat hier viele Verantwortlichkeiten der Unternehmen regelt (z. B. Kinder- mann 2008; Matten & Moon 2008). Aufgrund der evidenten und theoriebegründeten Unterschiede möchte sich diese Arbeit mit einem Vergleich der CSR-Ausgestaltung von Firmen aus den USA und Deutschland beschäftigen. Die Kernfrage dieser Arbeit lautet: Lassen sich die theoriebegründeten Unterschiede der CSR-Ausgestaltung deutscher und amerikanischer Firmen tatsächlich in der Praxis wiederfinden?

Als erstes sollen der CSR- Diskurs skizziert und Definitionen aus unterschied- lichen Perspektiven angeführt werden. Anschließend werden etablierte CSR- Konzepte vorgestellt, um die theoriebegründeten Unterschiede zwischen den Län- dern herauszuarbeiten und so auf einen Ländervergleich zwischen den USA und Deutschland hinzuarbeiten. Nach einem Abschnitt der auf Besonderheiten des deut- schen CSR hinweist, erfolgt dann der konkrete Vergleich zwischen den USA und Deutschland anhand der CSR-Ebenen Umwelt, Arbeitsrechtbestimmungen und Di- versity Management. Hierfür werden einerseits Studienergebnisse aus der CSR Forschung herangezogen, und andererseits eine Analyse der CSR- Aktivitäten der oben genannten Dimensionen von General Motors und Volkswagen, als jeweilige Repräsentanten eines landestypischen Industrieunternehmens, anhand ihrer Internet- auftritt und von CSR-Berichte vollzogen. Ein Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt die wesentlichen Unterschiede zwischen den Ländern gegenüber.

2 Corporate Social Responsibility - Definitionen und Diskurse

Der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) wurde erstmalig in den USA im Jahre 1953 von Bowen genannt, als er in seiner Publikation „Social Responsibility of the Businessmen“, konstatierte, dass Unternehmer sich an Erwartungen und Zielen einer Gesellschaft zu orientieren haben (vgl. Bowen 1953). Der Gedanke, dass sich Firmen über ein gesetzliches Mindestmaß hinaus sozialverantwortlich engagieren hat in den angelsächsischen Ländern, insbesondere in den USA, eine deutlich längere Tradition. In Europa hingegen, so scheint es, wird CSR deutlich seltener praktiziert, da hier viele soziale Verantwortlichkeiten der Firmen per Gesetz definiert und vorge- schrieben sind (vgl. Barth & Wolff 2009, S. 3). Daher ist auch ein einheitliches Ver- ständnis von CSR schwierig, was zu verschiedenen Definitionen führt. Denn wo bei europäischen Firmen nur einer gesetzlichen Pflicht nachgekommen wird, gehen US-Fimen bereits über eine Regelbefolgung hinaus.

Oft wird CSR auch als ein Überbegriff oder auch Synonym für verwandte Kon- zepte gesehen, wie Corporate Citizenship, Corporate Social Performance, Stakehol- der Management angesehen (vgl. Bassen et al. 2005, Matten & Moon 2008, Jackson & Apostolakou 2009). Darüber hinaus macht es die Vielfalt der CSR Instrumente und Aktivitäten nicht einfacher sich auf eine Definition zu verständigen (Barth & Wolff 2009, S. 5). Campbell (2007) sieht als eines der Kernprobleme bei der Defini- tion, dass CSR für unterschiedliche Leute an verschiedenen Plätzen und zu un- terschiedlichen Zeiten nicht das gleiche bedeutet. Nichtsdestotrotz lässt sich eine konventionelle und breite Definition von verschiedenen Autoren identifizieren. Hier- bei wird CSR als „ actions taken by a firm that are intended to further social welfare beyond the direct economic, technical and legal interests of the firm ” ( Campbell 2007, S. 951) bezeichnet. Auch die europäische Kommission (2001, S.6) schlägt eine ähnliche Definition vor: „ A concept whereby companies integrate social and envi- ronmental concerns in their business operations and in their interactions with their stakeholders on a voluntary basis. “ Den meisten allgemeinen Definitionen sind fol- gende Aspekte gemein:

- Freiwilligkeit
- Soziale Ziele und Umweltschutz
- Über gesetzliche Bestimmungen hinausgehend

Eine neuere und engere Definitionsperspektive schaut aus der Sicht der Stakeholder auf das Problem (Jackson & Apostolakou 2009) und unterstellt, dass die Stakeholder moralisch nötige Forderungen der Gesellschaft an die Unternehmungen weitergeben. Bei dieser Sichtweise wird klar wie kontrovers und dynamisch das CSR-Konzept ist, denn je nach Stakeholder-Perspektive werden unterschiedliche Schwerpunkte bei den Forderungen zur Ausgestaltung von CSR gesetzt. Im Allgemeinen sind mit CSR zwar Sozial- und Umweltaspekte gemeint, jedoch unterscheiden sich die Elemente und deren Gewichtung in Abhängigkeit der Interessen der Stakeholder-Gruppen. Der Diskurs um CSR ist interessengesteuert und dynamisch und erfährt durch aktuel- le gesellschaftliche Gegebenheiten und durch Medienberichterstattungen ständig inhaltliche Wandlungen (vgl. Bassen et al. 2005).

Folgt man jedoch diesen breiten Definitionen für einen Ländervergleich, stößt man auf Probleme. Denn insbesondere die rechtlichen Interessen unterscheiden sich zwischen den USA und Europa bedingt durch Unterschiede in den institutionellen Rahmenbedingungen (vgl. Kindermann 2008, Jackson & Apostolakou 2009, Matten & Moon 2008). Festzuhalten ist, dass man für einen Ländervergleich weder auf eine enge (aus Stakeholder-Perspektive), noch auf eine weitgefasste CSR-Definition be- ziehen kann. Insbesondere, wenn es sich um Länder handelt die unterschiedliche Wirtschaftsysteme haben, welche die Rahmenbedingungen, hinsichtlich gesetzlicher Standards und Forderungen der Stakeholder unterschiedlich ausgestalten. Dies ist bei einem CSR - Ländervergleich zwischen USA und Deutschland, welcher Thema die- ser Arbeit ist, der Fall. Hierzu sollen die institutionellen Rahmenbedingungen der jeweiligen Länder beleuchtet werden.

3 Institutionelle Rahmenbedingungen für CSR

Jede Handlung die in einem gesellschaftlichen Gefüge unternommen wird ist in ir- gendeiner Weise von einem sozialen und institutionellen Kontext beeinflusst. Die Institutionen legen die Regeln des Spiels fest an denen die Spieler, ob nun Individuen oder Organisationen, ihre Handlungen ausrichten müssen (vgl. Carson et al. 1999). Dies gilt für normale Wirtschaftsaktivitäten, wie auch für das soziale Engagement einer Unternehmung. Im Folgenden soll daher der institutionelle Rahmen des CSR beleuchtet werden und Unterschiede zwischen Ländern verschiedener Wirtschafts- systeme aufgezeigt werden.

3.1 Der Neo-Institutionalismus als Begründung

Die Unterschiede in den institutionellen Rahmenbedingungen zwischen den USA und Europa (Deutschland) lassen sich durch die Neo-Institutionalismustheorie be- gründen. Der Neo-Institutionalismus besagt unter anderem, dass Firmen sich in einen sozialen Kontext einfügen und ihre Verhaltensweisen nach einem Kong- lomerat an formalen und informellen Regeln anpassen, um ihre Legitimität zu bewahren. Der formelle und informelle Druck kann dabei durch Gesetze oder durch normative Einflüsse der Gesellschaft (z.B. durch Stakeholder/ Anspruchgruppen) entstehen, oder einfach von der Bestrebung erfolgreiches Verhalten der Konkurrenz zu imitieren (DiMaggio & Powell 1991, Bresser & Millonig 2003). Auch Entschei- dungen die CSR-Aktivitäten betreffen sind in einem sozialen Kontext eingebettet. Dieser Kontext unterscheidet sich zwischen verschiedenen Ländern und ist durch nationale Institutionen geprägt bzw. begründet. Die Institutionalismustheorie erlaubt es nun diese Unterschiede aufzudecken (vgl. Matten & Moon 2008). So sind CSR- Aktivitäten amerikanischer Firmen deutlich umfangreicher als die ihrer europäischen Konkurrenten.1 Wenn man sich an den oben genannten Definitionen hält, würde dies heißen, dass europäische Firmen verantwortungsloser und unsozialer agieren. Jedoch lässt sich dieses Phänomen auf Basis der genannten Unterschiede in den institutionellen Rahmenbedingungen der betreffenden Länder begründen was im Folgenden anhand der Theorie „Varieties of Capitalism“ näher beleuchtet werden soll.

3.2 Institutionelle Rahmenbedingungen im Ländervergleich: USA - Deutschland

Um diese institutionellen Gegebenheiten international zu vergleichen wird oft das Konzept von Hall and Soskice (2001) herangezogen. In ihrer Arbeit „ The Varieties of Capitalism “ wird davon ausgegangen, dass sich die institutionellen Rahmenbe- dingungen zwischen verschiedenen kapitalistisch geprägten Wirtschaftsblöcken nach einem bestimmten Muster unterscheiden. Angelsächsische Systeme werden hierbei als Liberal Market Economies (LME) bezeichnet, wohingegen kontinentaleuropäi- sche Systeme unter dem Begriff Coordinated Market Economies (CME) zusammen- gefasst werden. Hall und Soskice kategorisieren fünf Sphären, wonach sich Unter- nehmen im spezifischen Länderkontext unterscheiden. Zu diesen zählen:

- die Beziehung zwischen Arbeitnehmer und Gewerkschaften (Dezentrale Gewerkschaften in LMEs vs. branchenweite Gewerkschaften in CMEs),
- das Ausbildungssystem (privatisiert und individualisert in LMEs vs. Staat- lich gestützte duale Ausbildung mit Firmenbezug in CMEs),
- die Corporate Governance Strukturen (insb. Finanzierungspraktiken),
- die Beziehungen zwischen Unternehmen (Arm-length Relationship in LMES vs. Konzentrierte Eigentumsverh ä ltnisse in CMEs) ,
- sowie die koordinatorischen Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Ar- beitgebern (insb. Arbeitnehmerrechte und Mitbestimmung).

Die identifizierten institutionellen Unterschiede, welche hier nicht weiter erörtert werden sollen2, manifestieren sich in unterschiedlichen StakeholderMitwirkungen bei den Entscheidungsprozessen der Unternehmen. Stakeholder werden auch von Maignon und Ralston (2002) als eines von drei Motiven von Unternehmen für die Ausübung von CSR gesehen. Dabei wird CSR als Antwort auf den Druck einer oder mehrerer Anspruchsgruppen bzw. Stakeholder verstanden. Wie weiter oben bereits erwähnt haben die Stakeholder im CSR-Diskurs einen erheblichen Einfluss, was letztlich dazu führt, dass die institutionellen Unterschiede auch auf die Ausgestaltungen der CSR-Praktiken von Firmen die unterschiedlichen Marktwirtschaften angehören einen Einfluss haben.

Im Folgenden werden diese instituionellen Unterschiede angeführt, um eine Katego- risierung von CSR-Maßnahmen unterschiedlicher Wirtschaftsblöcke zu vollziehen und so den Blick für den Ländervergleich zwischen den USA und Deutschland zu schärfen.

3.3 Implizites und explizites CSR - Deutsches vs. Amerikanisches CSR?

Basierend auf den oben behandelten institutionellen Unterschieden zwischen LME und CME Ländern, leiten Matten und Moon (2008) ein Konzept ab, dass CSR in explizites und implizites CSR unterscheidet. Sie argumentieren, dass explizites CSR in liberalwirtschaftlichen (LME) Ländern wie den USA häufiger auftritt, da den Un- ternehmen in den Wirtschaftssystemen mehr Möglichkeiten und Anreize gegeben werden. Die Schlüsseleigenschaften des historisch gewachsenen nationalen Rah- mens, wie das politische System, das Finanz-, das Bildungs- und Arbeitsmarktsystem und das kulturelle System umfassen, liefern mehr Freiheiten und vor allem auch otwendigkeit für die Firmen sich sozial verantwortlich zu verhalten. In Europa hingegen ist der institutionelle Rahmen enger geschnürt und viele CSR-Maßnahmen liegen quasi implizit im System in Form von rechtlichen Bestimmungen und Geset- zen vor.

[...]


1 Die institutionelle Umwelt unterscheidet sich auch bezüglich der Branchen und Industriesektoren. Dies hat Auswirkungen auf die CSR Aktivitäten von Firmen die sich ebenfalls durch den NeoInstitutionalismus begründen lassen (vgl. Jacksons & Apostolakou 2009).

2 Der interessierte Leser möge sich der angegebenen Quelle von Hall & Soskice bedienen.

Details

Seiten
28
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640756780
ISBN (Buch)
9783640757107
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161817
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Management
Note
1,7
Schlagworte
CSR Corporate Social Responsibility Social Responsibility Vergleich Comparison CSR USA

Autor

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Titel: Corporate Social Responsibility: Ein Ländervergleich zwischen den USA und Deutschland