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Das Erinnern nicht vergessen

Vom Vergessen, Verdrängen und Erinnern des Holocausts in Deutschland

Seminararbeit 2010 15 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Erinnern nicht vergessen- Vom Vergessen, Verdrängen und Erinnern des Holocaust in Deutschland
2.1 Der Weg vom Vergessen und Verdrängen zum Erinnern
2.2 Die verschiedenen Arten des Erinnerns und Reflektierens des Holocaust
2.2.1 zwischen Kriegsende und dem Ende des 20. Jahrhunderts
2.2.2 in unserer Gegenwart

3. Schlusswort

4. Literatur- und Quellenverzeichnis

1.Einleitung

Je weiter ein historisches Geschehnis von der Gegenwart entfernt liegt, umso stärker erlischt das Erinnern an die Einzelheiten der Ereignisse, ganz gleich welcher Art- ob heroisch, grausam, wohltätig, erschütternd- sie gewesen sind. Doch im Laufe der Jahrtausende unserer Menschheitsgeschichte gibt es kaum ein Erlebnis in der Vergangenheit, dass die Menschen wie einen Schatten länger verfolgt, als die Taten im Nationalsozialismus.

Obwohl jene Geschehnisse weit über ein halbes Jahrhundert her sind, bleiben die Ereignisse der damaligen Zeit weiterhin gegenwärtig und in den Köpfen der Menschen. Doch das war nicht von Anfang an so. Nachdem der Zweite Weltkrieg und damit die Zeit des Holocaust beendet wurden, begann zunächst eine Zeit des Verdrängens und Vergessens in Deutschland. Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts beginnt die Aufarbeitung der Vergangenheit mit dem Prozess gegen Adolf Eichmann, dem SS- Obersturmbannführer und Hauptverantwortlicher der Deportation und Ermordung der Juden, die im deutschen Bereich lebten1, in Jerusalem und seiner anschließenden Hinrichtung. Aufgrund dieses Prozesses und jenes Auschwitz-Prozesses aus dem Jahre 1963 in Frankfurt, zerbrach die Mauer des Vergessens und Verdrängens. Über 200 Überlebende der Konzentrationslager legten Zeugenschaft ab, sagten aus und in Folge dessen begann die juristische und seelische Aufarbeitung des Nationalsozialismus.2 Doch selbst in unserer Zeit werden die Taten nicht vergessen und ein halbes Jahrhundert nach den Ereignissen noch juristisch verfolgt.

Die nun folgende Hausarbeit wird sich damit befassen, welche Gründe die deutsche Bevölkerung hatte, zu vergessen und verdrängen, was passiert war und aufgrund welches Ereignisses und Prozesses die Menschen doch zum Erinnern bewegt wurden. Welche verschiedenen Arten und Perspektiven des Erinnerns gibt es und welche Bedeutung haben sie für die Menschen? Und was noch viel wichtiger ist: Wieso sollte die Zeit des Nationalsozialismus nie wieder vergessen, sondern stattdessen auch in Zukunft erinnert und reflektiert werden?

2. Das Erinnern nicht vergessen- Vom Vergessen, Verdrängen und Erinnern des Holocaust

Das Vergessen, Verdrängen und Erinnern besitzt besonders aufgrund der Geschehnisse des Holocaust Bedeutung. Doch zunächst muss, der Verständlichkeit halber, kurz darauf eingegangen werden, was unter dem Begriff des Holocaust zu verstehen ist. Der Begriff Holocaust stammt aus dem Griechischen und steht für die „Massenvernichtung, bes. die Vernichtung während des Nationalsozialismus.“3 Die Vernichtung der Juden im Nationalsozialismus beginnt 1933 mit den Nürnberger Gesetzen, in denen die Grundlage der Judendiskriminierung beginnt. Jahre darauf werden die Juden Stück für Stück aus der Gesellschaft verstoßen. Am 9. November 1938 beginnt schlussendlich der Holocaust mit der Zerstörung von jüdischen Geschäften und der Verbrennung von Synagogen. Ab diesem Zeitpunkt werden die Menschen deportiert, gequält und ermordet. Nach der Wannsee-Konferenz 1942 werden die Juden systematisch in Konzentrationslager gebracht. Die Zeit der Konzentrationslager endete mit der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz4, nachdem insgesamt global weit über sechs Millionen Menschen durch jene Lager und außerhalb dieser durch Massenerschießungen starben.5

2.1 Der Weg vom Vergessen und Verdrängen zum Erinnern

Nachdem der Zweite Weltkrieg 1945 beendet wurde, folgte in den Nürnberger Prozessen die Verurteilung des Gipfels der nationalsozialistischen Hierarchie. Aber erst nachdem, wie bereits erwähnt, Adolf Eichmann in den sechziger Jahren in Jerusalem gerichtet wurde, begann die wesentliche Verurteilung des Völkermords in Deutschland.6 Doch welche Gründe kann es gegeben haben, dass über Jahrzehnte von deutscher Seite nicht darauf eingegangen wurde, was innerhalb der Grenzen zu jener Zeit passiert ist?

Wieso die Menschen Verdrängen und Vergessen wollten, was passiert war, findet sich zunächst in der unmittelbaren Vorkriegsgeschichte. Nachdem Deutschland durch historische Ereignisse- so zum Beispiel der Erste Weltkrieg, die Geschehnisse der Weimarer Republik, in der die Arbeitslosenzahl in die Höhe schnellte, Straßenschlachten ausbrachen und der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise- eine negative Position in der Welt annahm, spitzte sich jenes Ansehen durch die Taten im Nationalsozialismus enorm zu. All jene schlimmen Geschehnisse der deutschen Geschichte ließen die Menschen sich von ihrer Nation und der damit verbundenen Vergangenheit distanzieren. Aber nicht nur die negative Präsens und Vergangenheit Deutschlands ließ ihre Menschen vergessen, was im Speziellen im Nationalsozialismus geschehen ist. Denn ein weiterer Aspekt des Verdrängen und Vergessens ist dieser, dass zu jener Zeit eine Vielzahl Deutscher an der Durchführung der systematischen Verfolgung und anschließender Vernichtung der Juden beteiligt waren. Viele der Deutschen stimmten den Taten der Zeit zu, einige von ihnen verrieten ihre jüdischen Nachbarn oder halfen ihnen nicht in der Not. Aber selbst jener Teil der Bevölkerung, der den Antisemitismus nicht unterstützte oder ihn ablehnte und stattdessen die Taten der Nationalsozialisten ignorierte und weg sah, trägt ein Stück Verantwortung und Schuld mit bei., denn ganz Deutschland unterlag aus der Sicht der Welt einer kollektiven Schuld an den Taten dieser Zeit. Aufgrund dieser Tatsachen innerhalb der deutschen Grenzen ist es nachvollziehbar, dass die Bevölkerung sich dieser Zeit zunächst nicht besinnen wollte, da sie ihre Scham und ihren Gedanken an eine Mitschuld7 in dieser Zeit nicht reflektieren wollten.8

Weitere Gründe für das kollektive Vergessen und Verdrängen dieser Zeit finden sich außerdem in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Nachdem der Zweite Weltkrieg endete, überwiegte zunächst in den fünfziger Jahren das Schweigen über das Vergangene. Im sogenannten Wirtschaftswunder, der „Bezeichnung für den raschen Wiederaufbau der westdeutschen Wirtschaft nach der Währungsreform von 1948“9, waren die Deutschen mit anderem beschäftigt, als sich zu erinnern, denn „[d]ie destruktive Kraft der Erinnerung steht dem Geist des Wiederaufbaus im Wege.10

[...]


1 Vgl. Bauer-Jonis (1996:215).

2 Vgl. http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/specials/79035/index.html (03.06.2010).

3 Bauer- Jonis (1996:374).

4 Vgl. Silbermann (2000:13f).

5 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Konzentrationslager (03.06.2010).

6 Vgl. Silbermann(2000:15).

7 Mitschuld kann man es deshalb wohl nennen, da selbst die, die nicht aktiv dabei gewesen sind und stattdessen weggesehen haben, ebenso schuldig sind, da sie ebenfalls nichts an der Situation änderten.

8 Vgl. Harrassowitz (1998:33-40).

9 Bauer- Jonis (1996:933).

10 http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/specials/79035/index.html (06.06.2010).

Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640751020
ISBN (Buch)
9783640751631
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161704
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
Nationalsozialismus Erinnern Vergessen Verdrängen Zweiter Weltkrieg Weltkrieg Konzentrationslager Holocaust Mahnmale Dokumentation Vernichtungslager Geschichte Zeugenschaft Zeuge

Autor

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Titel: Das Erinnern nicht vergessen