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Der Bildbegriff in Platons Dialog „Sophistes“: Inhalt und argumentative Bedeutung

Essay 2009 8 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Der Bildbegriff in Platons Dialog „ Sophistes “ : Inhalt und argumentative Bedeutung

Platons „Sophistes“ gehört zu den Spätwerken des Autors, der in seinen philosophischen Abhandlungen so gerne den Griechen Sokrates zur Hauptperson macht und mit seiner Hilfe im „dialektischen Verfahren“ so manche überraschende Erkenntnis gewinnt. In diesem Fall jedoch ist Sokrates zwar anwesend und gibt ein zu untersuchendes Problem vor, greift aber selbst nicht in den Dialog ein. Diesen prägt vor allem ein Gast aus Elea, den Theodoros in den Gesprächskreis mitgebracht hat. Das vorrangige Ziel soll es sein, die Frage des Sokrates nach dem Unterschied zwischen Sophist, Staatsmann und Philosoph zu klären, vorausgesetzt es existiert überhaupt ein solcher.1 Der Fremde wählt sich den Theaitetos zum Dialogpartner und schlägt nun die Vorgehensweise bei der Untersuchung vor.

Die Methode

Man einigt sich darauf, zuerst das Wesen des Sophisten zu ergründen. Dazu will man die Form der dihairetischen Untersuchung wählen. Bei dieser Vorgehensweise sucht man gewissermaßen den „Platz im System“ des zu definierenden Begriffes und geht dabei wie beim Passieren von Wegeskreuzungen vor, versucht also in diesem Fall dem Sophisten immer weiter zu folgen und ihn einzuengen, bis man am Ende der Reise und somit der Erkenntnis seines Wesens angelangt ist. Nachdem Theaitetos und der Eleate einen Beispielfall durchgespielt haben, gehen sie „in medias res“.

Scheinwissen - der Bildbegriff

Im Folgenden soll es nun darum gehen, wie die Dialogpartner den Begriff „Bild“ definieren. Dabei gilt es, nicht nur den Inhalt zu analysieren, sondern auch klarzustellen, warum diese Erklärung so wichtig ist. Was ist also die argumentative Bedeutung für die ganze Untersuchung?

Im Laufe des Gesprächs kommt man an den Punkt, die Art des sophistischen Wissens zu bestimmen. Der Gast aus Elea stellt klar, dass doch das Wissen des Sophisten offensichtlich nur ein Scheinwissen sein kann, dieser aber nicht die Wahrheit besitze.2 Dazu findet er Zustimmung bei Theaitetos. Dies will man nun an einem Beispiel untersuchen und beginnt wiederum die Dihairese - Theaitetos stimmt zu oder hakt nach. Es geht nun also um eine Person, die behauptet alles erschaffen zu können und bei diesem Hervorbringen ist nicht das der bäuerlichen Tätigkeit gemeint, sondern das von Lebewesen. Pflanzen werden also im alten Griechenland nicht als Lebewesen betrachtet.

Das heißt diese Person ist in der Kunst unterrichtet, jedem Menschen alles beibringen oder besser vermitteln zu können. Diese Behauptung scheint den Gesprächspartnern jedoch einem Witz gleichzukommen. Höchstens könne der Sophist doch in der Nachahmungskunst versiert sein und da man nur nachahmen kann, was bereits existiert, bezieht sich seine Kunst nur auf das „Seiende“.3 Mit diesem Begriff wird sich später noch auseinander zu setzen sein. Hier wird aber schon angedeutet, dass der somit implizierte Wahrheitsgehalt des sophistischen Wissens noch Probleme machen wird.

Der Fremde stellt nun dar, dass es sich mit dieser Kunst nur wie mit dem Maler verhält, der von weitem betrachtet den Eindruck mache etwas hervorzubringen, das aber nur denselben Namen wie ein Original trägt. Bei unerfahrenen Schülern könne er damit vielleicht noch punkten. Solch eine Kunst könne es doch nun auch bei den Rednern geben und auch Theaitetos hält dies für möglich. Mit gesprochenen Bildern könne der Sophist den Schein erwecken, die Wahrheit zu sagen und weise zu sein. Durch die harte Lebenserfahrung werden seine Schüler später aber durchaus erkennen, dass die Scheinwahrheiten in der Praxis nicht vernünftig anzuwenden sind.4 Dem jungen Teaitetos will der Fremde nun aber die Erkenntnis ohne jegliche Empirie also a priori ermöglichen und so geht die Untersuchung weiter. Man setzt also voraus, dass der Sophist Nachahmer und Gaukler sei und will ihn nun als „Wundermacher“5 erweisen. Dafür will man bei der Dihairese mit der bilderhervorbringenden Kunst fortfahren und die Nachahmungskunst immer weiter teilen, bis man beim Sophisten angelangt ist. Die eine Art der Nachahmungskunst sei also die abbildende Kunst.6 Sie orientiert sich an den Maßen, Längen, Breiten und Farben des Vorbildes. Auf die Frage, ob dies nicht auf alle Nachahmer zuträfe, nennt der Fremde das Beispiel von Künstlern, die ein sehr großes Werk schaffen wollen und die sichtbaren Maße verwenden.

[...]


1 Vgl. Platon: Der Sophist. übers. von Otto Apelt, Hamburg 1985, St. I, p. 217a.

2 Vgl. 233c.

3 Vgl. 234b 8.

4 Vgl. 234d 8.

5 Vgl. 235b 7.

6 Vgl. 237d 7.

Details

Seiten
8
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640750078
ISBN (Buch)
9783640750122
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161659
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
Schlagworte
Bildbegriff Platons Dialog Inhalt Bedeutung

Autor

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