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Primitivismus in der Kunst des 20. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Expressionismus

Examensarbeit 2010 94 Seiten

Kunst - Uebergreifende Betrachtungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorbedingungen des modernen „Primitivismus“
2.1. „Die Expansion des Abendlandes“
Exkurs: Entstehung einer Wissenschaft, vom Kuriositätenkabinett zur Ethnologie
2.2. Ordnung der Dinge
Von Evolutionismus und Kulturkreisen
2.3. Ethnologie
Die Entstehung einer Wissenschaft

3. „Primitiv“ und „Primitivismus“ in der Kunstgeschichte
3.1 Paul Gauguin
3.2. Der Fauvismus
3.3 Die „Entdeckung“ der Stammeskunst

4. „Primitivismus“ im deutschen Expressionismus
4.1. Expressionismus
4.2. Künstlergruppen im deutschen Expressionismus
4.2.1. Der Blaue Reiter
4.2.2. „Die Brücke“
4.3. „Primitivismus“ in der "Brücke"
4.3.1. Palau-Hausbalken und Afrikanische Impulse
4.4. Ernst Ludwig Kirchner
4.4.1. Kurzbiografie
4.4.2. „Primitivismus“ bei Kirchner
Exkurs: Atelierprimitivismus
4.5. „Die Brücke“ in der Südsee
4.6. Emil Nolde
4.6.1. Kurzbiografie
4.6.2. „Primitivismus“ bei Nolde
4.6.2. Noldes Reise in die Südsee
4.7. Hermann Max Pechstein
4.7.1. Kurzbiografie
4.7.2. „Primitivismus“ bei Pechstein

5. Begriffskritik und Schluss

6. Literatur

7. Internetquellen

8. Bildnachweise

„ Das ewig Meer schimmert in nie geglaubten Farben. Die glühende Sonne

schüttet Helligkeiten aus, von denen der Europä er nichts ahnt. “

Max Pechstein1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Emil Nolde, Meer mit hellvioletter Wolke, o.J., Aquarell, 36,5 x 50,8 cm, Nolde-Stiftung Seebüll

1. Einleitung

Der kunsthistorische Terminus „Primitivismus“ bezeichnet laut Metzlers Lexikon Kunstwissenschaft „ die Aufnahme sog. primitiver Kulturen in der Moderne “ . Allerdings ist darunter nicht die Aufnahme der Kunst der so genannten Primitiven selbst gemeint, „ sondern ihre Rezeption und Imitation “ .

Der Begriff in seiner heutigen Verwendung bezieht sich vor allem auf den bewuss- ten „ Zugriff auf Formen, Inhalte, Materialien und Techniken der Kunst vormoder- ner Völker in Malerei und Skulptur durch die klassischen Avantgarden zwischen 1890 und 1940 “ 2. Die Idee dahinter kann mit dem Versuch beschrieben werden, sich bestimmter Werte des Ursprünglichen, Elementaren oder kraftvoll Vitalen zu versichern, und sich damit vom bestehenden Zustand in Kultur, Kunst und Gesell- schaft abzugrenzen.

Seine Bedeutung für die Moderne bezeichnet William Rubin im Ausstellungskata- log „Primitivismus in der Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts“, das Standardwerk zum „Primitivismus“ bis heute, als eines der Schlüsselthemen der Kunst des 20. Jahrhunderts3. Der Begriff bezieht sich dabei vorrangig auf die Rezeption der „ sog. Negerkunst (art n è gre) Afrikas und Ozeaniens “ 4, die Anfang des 20. Jahr- hunderts zum gängigen Synonym primitiver Kunst wurde und moderne Richtun- gen wie den Fauvismus, Kubismus und Expressionismus nachhaltig beeinflusste.

Die vorliegende Arbeit versucht, ausgehend von den Vorbedingungen, die Ent- wicklung des künstlerischen „Primitivismus“ im Deutschen Expressionismus auf- zuzeigen. Hierbei soll zuerst die Frage beantwortet werden, wie und auf welchem Wege Künstler mit außereuropäischer Kunst in Berührung kamen. Dabei wird kurz das sich entwickelnde Interesse an sogenannter „primitiver“ Kunst aber auch an ihren Trägern, den Menschen anderer Kulturen, beleuchtet. Hierbei spielte die Entstehung der völkerkundlichen Museen und ihren Lehrmei- nungen eine Rolle, die die künstlerische Avantgarde auf der einen Seite anregte, aber auch Rezeptionsmuster vorgab. Auch das ein Punkt der Betrachtung.

Ein nicht unwesentlicher Anreiz für die Auseinandersetzung der deutschen Expressionisten mit der „Stammeskunst“, und wie sie erfolgte, ging sicher auch von Gauguin aus, genauso wie von den französischen Fauvisten. Aus diesem Grunde soll ihre Arbeit nicht ausgeschlossen bleiben.

Der Wunsch neuen Idealen zu folgen und die akademischen Schranken zu durch- brechen fand, gepaart mit dem Interesse für außereuropäische Kunst, im deut- schen Expressionismus einen Höhepunkt der klassischen Moderne. Vor allem die Künstlergruppe „Die Brücke“ in Dresden beschritt dabei neue Wege. Exempla- risch soll das plastische Werk Ernst Ludwig Kirchners für die Übernahme außer- europäischer Elemente betrachtet werden. Daneben stehen vor allem Emil Nolde und Max Pechstein im Blickpunkt, die beide den Schritt wagten, ihrem Traum bis in die Südsee zu folgen und sich radikal vom Althergebrachten und von der bür- gerlichen Gesellschaft abzusetzen um neue Perspektiven zu eröffnen.

In der Schlussbetrachtung muss auch noch ein Blick auf die Diskussion um den Begriff des „Primitivismus“ selbst geworfen werden, da seine Entstehung nicht ohne Kontroversen gesehen werden kann.

In diesem Zusammenhang deuten die einleitenden Zitate bereits an, dass der moderne „Primitivismus“ seine „e igene lange 'Vorgeschichte' des Verstehens (oder Mi ß verstehens), des Fremden/Anderen bzw. der Suche nach ihm “5 hat, was im folgenden etwas näher beleuchtet werden soll.

2. Vorbedingungen des modernen „Primitivismus“

2.1. „Die Expansion des Abendlandes“

Eine Beschreibung von kulturellen Unterschieden, in Abhängigkeit der eigenen angenommenen zivilisatorischen Reife, ist bereits in der Antike belegt. Oft ging damit auch eine Bewertung der anderen Kultur einher, sei es als barbarisch und primitiv oder im Sinne einer positiven Projektion zum Beispiel zur Kritik an der eigenen Gesellschaft. So finden sich dieältesten Berichte über andere Kulturen bei den „Kolonialgriechen“, und hier im besonderen bei Herodot (ca. 490-430 v. Chr.), dessen Berichte aus Ägypten, Libyen sowie den Gebieten des heutigen Sü- drusslands bis in die frühe Neuzeit als vorbildlich galten. Aufgrund seines syste- matischen Recherchierens und seiner genauen Beschreibungen hat ihn die neueren Literatur auch schon mit dem Titel des „Vaters der Ethnologie“6 bedacht.

Während im Mittelalter die Anzahl und auch das Interesse an ethnographischen Berichten etwas geringer war, da sie sich nicht mit dem geschlossenen christlichen Weltbild vertrugen, erweiterte sich der Horizont der Menschen schlagartig mit der Entdeckung der Neuen Welt. Natürlich soll in diesem Zusammenhang nicht ver- schwiegen werden, dass es auch in der Zeit vor 1492 bedeutende Berichte über fremde Kulturen gab, so zum Beispiel von Marco Polo (1254-132) oder Ibn Bat- tuta (1304-1377). Eine mehr oder weniger systematische Erfassung von Daten und Berichten begann aber erst mit der Notwendigkeit, sich ein Bild von einer Welt und ihren Menschen zu machen, die man zu kolonisieren gedachte.

Mit dem Vordringen nach Amerika nahmen auch die Berichte von Seeleuten, Händlern, ersten Forschungsreisenden und Missionaren zu. Vor allem letztere lie- ferten aufgrund tieferer Einblicke in Gegebenheiten, Sprachen und Gebräuchen erste gute Einblicke in das Leben außereuropäischer Kulturen. Diesen ersten Berichten haftete oft noch eine große Portion Fantasie an, wo von Riesen und Zwergen, sowie Zyklopen und anderen seltsamen Kreaturen die Rede war. Diese Gerüchte sollten sich noch lange halten, so dass selbst der berühmteste Naturforscher des 18. Jahrhunderts, Carl von Linné, in seinem System zur Klassi- fikation der natürlichen Arten eine extra Kategorie für den homo monstrosum frei ließ.7

Durch Berichte, die vielleicht nicht immer ganz der Wahrheit entsprachen, wurde das öffentliche Interesse hochgehalten, was durch erste Sammlungen und Ausstel- lungen von Ethnographika noch unterstützt wurde. Dies geschah zunächst recht ungesteuert im Zirkus, auf Märkten und in so genannten Kuriositäten-Kabinetten, wo zuweilen auch Menschen fremder Herkunft zur Schau gestellt wurden.8

In Verbindung mit der „Expansion des Abendlandes“ veränderte sich auch das Sammeln außereuropäischer Kulturgüter. Anfangs richtete sich das Interesse hauptsächlich auf „hochwertige“ und vor allem seltene Wertgegenstände der Hochkulturen Asiens und Lateinamerikas, sowie auf Elfenbein aus Afrika. Diese „Sammelstücke“ wanderten meist, für die Öffentlichkeit unzugänglich in die Schatzkammern der europäischen Königshäuser (Medici Sammlung in Florenz; Kunstkammern in Dresden und München).

Für die Entwicklung des so genannten „Primitivismus“ war es allerdings entscheidend, dass die Sammlungen zum einen ausgeweitet und zum anderen zugänglich wurden. Im Folgenden soll in einem kleinen Exkurs verdeutlicht werden, wie dies geschah und auch mit welchen Ideen dies ein herging.

Exkurs: Entstehung einer Wissenschaft, vom Kuriositätenkabinett zur Ethnologie

Im Zusammenhang mit der Recherche zu ihrer Doktorarbeit und dem späteren Buch „Matisse und Picasso als Kulturreisende“ deutet Bärbel Küster bereits im Untertitel „Primitivismus“ und Anthropologie um 1900“ an, dass der kunsthistori- sche „Primitivismus“ des 20. Jahrhunderts nicht losgelöst von den damaligen Ent- wicklungen im Bereich der Anthropologie, Ethnologie oder Völkerkunde gesehen werden kann.

So beschreibt sie bereits im Vorwort ihre Feststellung, dass „j enseits der Ideenge- schichte der Primitivismus der Jahrhundertwende in eine ganz bestimmte kultu- relle und wissenschaftliche Praxis eingebunden ist. Die Fragestellungen der An- thropologie, ihr Vergleichen von Kulturen unterschiedlicher Zeitschichten und Orte, ihre Ordnungsweisen und das Fotomaterial, mit dem sie visualisiert wurden, belegen den Wandel der Sehgewohnheiten einer Epoche, der für den 'Primitivis- mus' grundlegend war. “9

In der Anwendung für die Kunst stellt sie dabei die These auf, dass die „ verallge- meinernde Formensprache in der Darstellung des Menschen, durch die sich so- wohl die Werke von Picasso als auch Matisse auszeichnen, ist eine künstlerische Umsetzung der bereits durch Fotomaterial visualisierten wissenschaftlichen Ver- gleiche und Verallgemeinerungen aus der Anthropologie ihrer Zeit. “10

Mit dem Aufstieg des Bürgertums im Zuge der Aufklärung (Liberalismus) ent- standen zunehmend mehr private Sammlungen. Einige der erwähnten aristokratischen Sammlungen wurden geöffnet oder später in Museen überführt (Vergl. Dresden). Mit verstärktem Zugang zu Objekten entstanden außerdem die ersten wissenschaftlichen Sammlungen wie die Sammlungen Worm in Kopenhagen, Plattner in Basel oder die Sammlung der Royal Society in London.11

Im Rahmen der Universität in Göttingen entstand 1780 ebenfalls eine größere Sammlung, die als wichtigen Bestandteil die so genannte Cook/Forster-Sammlung beherbergt, eine Reihe von außergewöhnlichen Exponaten, die auf der zweiten Cook-Reise 1772 bis 1775 von Johann Reinhold Forster und seinem Sohn Georg Forster in der Südsee gesammelt wurden.12

Verbunden mit den rousseauschen Ideen eines von Humanismus und Aufklärung geprägten Erziehungs- und Gesellschaftsideals öffneten sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts viele Sammlungen einer breiteren Öffentlichkeit, was gleichfalls die ersten Präsentationskonzepte notwendig machte.

Die während dieser Zeit ablaufende „zweite Welle“ des europäischen Kolonialis- mus, die hauptsächlich den afrikanischen und ozeanischen Raum betraf, bewirkte ein immenses Anwachsen der noch relativ neuen ethnographischen Sammlungen in ganz Europa. Seinen ersten Niederschlag fand dies in Deutschland in der Grün- dung des Völkerkundemuseums in Berlin 1873. Wie bereits oben erwähnt verfüg- ten aber auch verschiedene andere Städte über mehr oder weniger bedeutende Sammlungen, die zu dieser Zeit bereits zugänglich waren und in Museen über- führt wurden.

Für die, im Folgenden näher im Blickpunkt stehende, deutsche Avantgarde bedeu- tete dies, mit Jean-Louis Paudrat in seinem Artikel „Aus Afrika“ beschrieben: „ Da die meisten Großstädte in Deutschland öffentliche völkerkundliche Sammlun- gen besa ß en und 'Kuriositä ten' hier schon seit dem 19. Jahrhundert kommerziell verbreitet wurden, konnten die deutschen Avantgardisten wie etwa die Maler der Brücke oder des Blauen Reiters unweit ihrer Ateliers die exotischen Quellen stu- dieren. “13

2.2. Ordnung der Dinge

Von Evolutionismus und Kulturkreisen

Von Anfang an gab es verschiedene Versuche der Darstellung und Ordnung der Sammlungen, die gleichzeitig eine Idee der Fremde und der Fremden mit prägten und prägen. Es ist wichtig diese Konzepte wenigstens kurz zu erwähnen, da erst aus ihnen der Avantgarde die Möglichkeit zur Umdeutung und auch zur bewussten oder unbewussten Provokation erwuchsen.

August Henry Lane-Fox Pitt Rivers (14. April 1827 - 4. Mai 1900) versuchte als erster ein theoretisches Prinzip auf eine museale Ausstellung zu übertragen. Um 1868/70 richtete er das Pitt Rivers Museum in Oxford nach der Lehre des Evolutionismus an Hand von Entwicklungsreihen ein. Er setzte dabei eine unilineare Evolution (vom Rudimentären zum Komplexeren) von Gesellschaften voraus, die analog zur Evolution in der Biologie zu verstehen ist.

Der von Rivers vertretenen und zu seiner Zeit üblichen Idee von der scheinbaren Kenntnis der Anfänge und der Verlaufsgesetze der Entwicklung, leitete man den Schluss ab, Maßnahmen zu deren Beeinflussung ergreifen zu dürfen. Dadurch machte sich der Evolutionismus zum optimalen Lieferanten einer Kolonialideolo- gie.

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts versuchte Wilhelm Schmidt das Missionsmuseum des Vatikans an Hand von Kulturkreisen zu ordnen. Eine Ordnung nach der Kulturkreislehre sollte an Stelle evolutionistischer Rekonstruktionen eine möglichst objektive Erfassung des historischen Werdeganges der Primitivkulturen verdeutlichen. Dies sollte durch die Zuordnung zu Urkultur, Mischformen mit Primärkulturen, bzw. höheren, sog. Sekundärkulturen, erfolgen.

Die Theorie der „Kulturkreislehre“, die auf Untersuchungen Friedrich Ratzels (1844-1904) fußt und auf Leo Frobenius (1873-1938) zurückgeführt wird, war bis in die 1960er Jahre eine der führenden Lehrmeinungen in der Völkerkunde. Das Problem aus heutiger Sicht besteht vor allem in der Einteilung in Kultur- und Na- turvölker in Verbindung mit der Kulturmorphologie Frobenius. Der Kulturmorphologie liegt die Annahme zugrunde, dass Kulturen analog zur in- dividuellen Entwicklung des Menschen die Phasen von Jugend, Blütezeit, Alter und Tod durchlaufen. Diese Phasen folgen einem ihnen innewohnenden Pro- gramm, auf das der Mensch nur sehr begrenzten Einfluss nehmen kann. Kultur wird damit als etwas den Menschen Übergeordnetes angesehen, nicht als etwas von ihnen Geschaffenes, d.h. ein auf einer „niederen Stufe“ geborener „Natur- mensch“ kann nicht oder nur schwer zum „Kulturmenschen“ werden.

Die starke Verknüpfung mit der Theoriebildung macht auch klar, warum ethnogra- phische Museen des 19. Jahrhunderts meist die ersten institutionalisierten Arbeits- stellen für Ethnologen bildeten, noch vor der Etablierung der Völkerkunde als ei- genem Fach. Später verlor die Museumsethnologie jedoch zunehmend an Bedeu- tung und die Sammlungen bedienten mehr ein öffentliches Interesse.14

Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, im Zuge einer verstärkten Beschäftigung mit materieller Kultur, wurde die Museumsethnologie erneut, für kurze Zeit, ein wichtiger Punkt des wissenschaftlichen Interesses.

Unter dem Einfluss „Postkolonialer Tendenzen“ seit den 1960er Jahren verlagerte sich das Interesse in den ethnologischen Museen. Auch als Reaktion auf die Inter- pretation moderner Strömungen in der Kunst betonten Ausstellungen in den 1980er Jahren verstärkt den Kunstwert bei der Präsentation materieller außereuro- päischer Kultur. Eine Tendenz, die in der aktuellen Diskussion ebenfalls des öfte- ren als „Primitivismus“ bezeichnet wird.15 In diesem Kontext kam es zu sehr arti- fiziellen Ausstellungen und einer bisweilen an Überhöhung grenzenden Ausstel- lungsästhetik in den Museen. Die Idee, dass die Präsentation nachästhetischen Kriterien die Hochachtung und Wertschätzung erzeugen sollten, wird von Susan Vogel in ihrer Arbeit „ART/Artifact - African art in Anthropology Collections“ kritisch hinterfragt.

Als weiterer wichtiger Aspekt soll noch der Einbezug von Präsentationen des kulturellen Wandels in den ehemaligen traditionellen Kulturen erwähnt werden. So können heute ethnologische Museen in der „Dritten Welt“ teilweise die Funktion zur Wahrung der kulturellen Tradition und des „nationalen Kulturerbes“ erfüllen. Aus welchem Grund auch immer wieder die Frage nach der Rückführung von Kulturgütern aus Europa diskutiert wird.16

2.3. Ethnologie

Die Entstehung einer Wissenschaft

Im Zuge dieser wachsenden Sammlungstätigkeiten entstand auch eine neue Wis- senschaftsdiziplin, die Ethnologie. Der früheste Beleg für die Begriffe „Völker- kunde“ und „Ethnographie“ stammen von 1771, aus einer Publikation des Göttin- ger Historikers August Ludwig Schlözer (1735-1809). In seinem Kontext begriff Schlözer den Ausdruck Völkerkunde analog zu Erdkunde, sowie Ethnographie analog zu Geographie, eine Verbindung, die bis ins 19. Jahrhundert auszumachen ist. Das Wort „Ethnologie“ findet zum ersten Mal seinen Niederschlag in einer 1783 erschienen Abhandlung des in Wien lebenden Historikers und Orientalisten Adam Frantisek (Franz) Kollár (1723-1783).17

Der Begriff der Ethnologie begann sich zunächst auch international durchzuset- zen, da er die Ziele der Disziplin genauer zu treffen schien als eben der rein be- schreibende Charakter im Wort Ethnographie. In Deutschland wurde allerdings dem Begriff der Völkerkunde bei der Gründung der ersten Museen und Universi- tätsinstitute der Vorzug gegeben. Erst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhun- derts und dann nach dem zweiten Weltkrieg setzte sich der Begriff der Ethnologie allgemein durch.

Die Entscheidung, dieser Bezeichnung den Vorzug gegenüber dem Begriff Völ- kerkunde zu geben, deutet bereits eine wichtige fachspezifische Diskussion um Begrifflichkeiten an, die hier nur angedeutet werden soll, aber in der näheren Betrachtung des „Primitivismus“-Begriffes eine wichtige Rolle spielt. In diesem Umgang mit Sprache drückt sich heute auch die Verantwortung aus, die für historische Fehler übernommen werden soll.

Auf der Suche nach der Definition des Faches und seines eigentlichen Untersu- chungsgegenstandes selbst hat sich der Begriff Volk als wenig hilfreich und damit irreführend erwiesen. So stellt Karl-Heinz Kohl fest, „ erstaunlicherweise bringt uns der Begriff 'Volk' kaum weiter, wenn wir danach fragen, womit sich die Völ- kerkunde eigentlich beschäftigt. Wären dies tatsä chlich die [...] 'großen gewach- senen Gemeinschaften', dann müssten sich die Vertreter des Faches vorrangig mit den Russen, den Spaniern, den Englä nder, den Italienern und nicht zuletzt den Deutschen befassen. Dies aber ist in der Völkerkunde bisher kaum geschehen. “ 18 Und nach dem Wegstreichen aller mit dem Begriff Volk verbundenen Attribute ge- langt Kohl zu der scheinbar einfachen Formel: „ Gegenstand der Ethnologie ist - zunä chst einmal ganz allgemein formuliert - das kulturell Fremde. “19

Das „Kulturell Fremde“ ist dabei ein bewusst weit gefasster wertfreier Begriff, der eben alle Konnotationen auszusparen versucht, mit denen außereuropäische Kul- turen bisweilen belegt worden sind (wild, kulturlos, tierhaft, triebhaft und eben „primitiv“). Diese Formen der Herabsetzung geschahen nicht zuletzt um eine Ord- nung zu schaffen, die den Kolonialismus des 19. und 20. Jahrhunderts rechtferti- gen sollte und die Überlegenheit der europäischen Zivilisationen zu stützen ver- suchte.

In diesem Kontext wurde auch lange Zeit die außereuropäische Kunst gesehen, bevor die Avantgarde ihren Kunstwert zu betonen begann.

Davor wurden sie von der Ethnologie mit Begriffen belegt wie „Fetische“, „Göt- zenbilder“ oder „Fratzen“, die wenig mit Kunst zu tun hatten, „ sie wurden nicht als 'Kunstwerke' betrachtet sondern als kindlich-missglückte plastische Versuche oder als missratene Produkte einer tief stehenden Völkergruppe “20 In seinem Buch „Primitivismus und Afrikanismus“ schreibt Béchié Paul N'guessan damit der Avantgarde den Verdienst zu, mit der Umdeutung evolutionärer Begriffe begonnen und damit die Möglichkeit zur Annäherung an Fremdkulturen eingeleitet zu haben.21 Auf der anderen Seite muss sich die Ethnologie den Vorwurf gefallen lassen, dass „ die Fremdkulturenwissenschaft par exellence [...] in ihrer frühen Phase kaum einen Beitrag zum interkulturellen Verstehen geleistet “ 22 hat.

Heute beschäftigt sich im Rahmen der Ethnologie die Subdisziplin der Kunstethnologie intensiv mit der außereuropäischen Kunst. Dies ist nicht zuletzt dem Avantgardisten Carl Einstein zu verdanken, der die formale bzw.ästhetische Analyse der afrikanischen Plastiken, die die Kunstethnologie zu ihrem Hauptanliegen ihrer Untersuchungen machte, 1915 eingeführt hat.

Entgegen dem Evolutionismus und dem Ethnozentrismus erkannten die Avantgarden und die sich in den 20er Jahren herausbildende Kunstethnologie den außereuropäischen Kulturen die Fähigkeit zur Kunstausübung zu. Herta Haselberger ist in dieser Hinsicht deutlich: „ Die Kunst entspringt einem Urtrieb des Menschen. Sie ist seit Alters eines seiner wichtigsten Ausdrucksmittel und einer der universalen Aspekte der Kultur. “ 23 Der Ausgangspunkt der (neueren) Kunstethnologie ist die Universalität derästhetischen Aktivität des Menschen.

Deswegen muss bei der Beobachtung und der Beurteilung fremder Künste die Relativierung der eigenen Werte und Normen das höchste Gebot sein. Die frühe Kunstethnologie schaffte dies jedoch nicht immer ohne Problem, und blieb oft dem Evolutionismus verhaftet.

In diesem Zusammenhang muss auch die Frage und die Kritik am „Primitivismus“-Begriff in der Kunstgeschichte gesehen werden, die weiter unten noch einmal aufgegriffen werden soll. Zunächst gilt es aber darzustellen, was kunsthistorisch unter dem Begriff zu verstehen ist.

3. „Primitiv“ und „Primitivismus“ in der Kunstgeschichte

Sucht man in der kunstgeschichtlichen Literatur nach dem Begriff des „Primiti- ven“ oder „Primitivismus“, so wird sein Auftauchen meist in der Mitte des 19. Jahrhundert verortet. Dies macht gleichzeitig klar, dass die seit den achtziger Jah- ren des 20. Jahrhunderts festgeschriebene Bedeutung von „Primitivismus“ erheb- liche Differenzen zur historischen Verwendung des Begriffes aufweist.

Unter den historisch als „Primitive“ begriffenen Künstlern „spielen 'les primitifs flamands', 'les primitifs italiens' und 'les primitifs français' - die spätmittelalterli- che Malerei in den Niederlanden, im französischen Raum und die Malerei vor- nehmlich des Trecento in Italien - eine zentrale Rolle.“24 Die Bezeichnung „pri- mitifs“ lässt sich in diesem Kontext allerdings nicht komplett auf die Kunst des Mittelalters einschränken, sondern schloss auch Künstler ein, die eigentlich zur italienischen Renaissance gehören, wie Mantegna und Botticelli. Bärbel Küster versucht dies dadurch zu begründen, dass „ beispielsweise die Bilder der Botticel- li-Schule in der 'Galerie des primitifs italiens' des Louvre hä ngen. “ 25 Die Malerei dieser Epochen rückte um 1800 wieder in den Blickpunkt der Kunstbetrachtung.

Im deutschsprachigen Raum waren es vor allem die so genannten Nazarener, die sich fast vergessenen Künstlern wie Cranach, Dürer, Holbein und Hans Baldung Grien zuwandten. Ihr Ziel war es, der aktuellen technisch hoch versierten Kunst- welt wieder Leben einzuhauchen, ihr zu einer neuen Spiritualität im Realismus zu verhelfen. Auf der Suche nach Begriffen, die den Unterschied ihrer Werke zur herrschenden Kunstauffassung berücksichtigten fand „Primitivismus“ seine erste Anwendung. Die Bezeichnung „primitiv“ war dabei nicht primär abwertend ge- meint, sondern sollte herausstellen, dass diese sich nicht an der klassischen Antike orientierten.26

Seine erste Erweiterung erfuhr der Begriff des „Primitiven“ in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als er auf die archaischen Hofkulturen Ägyptens und Südamerikas sowie die Kunst Chinas und Japans ausgedehnt wurde. Die so genannte „Stammeskunst“ Afrikas und Ozeaniens wurde in den Betrachtungen erst an der Schwelle zum 20. Jahrhunderts mit einbezogen. Damit löste sich der Begriff nun zunehmend von seiner ursprüngliche Bedeutung hin zu einer Benennung der Kunst aller nichteuropäischen Kulturen.

Entscheidend hervorzuheben ist dabei, dass sich, gerade durch den Einbezug der „Stammeskunst“, die negativ wertende Tendenz des Begriffes manifestierte. Dies war vor allem deshalb der Fall, da den „ 'Negervölkern' bis zu dieser Zeit [gemeint ist die Avantgarde] das 'Kunst'-Schaffen abgesprochen wurde “ 27. In der Beurtei- lung von Gegenständen außereuropäischer Kulturen trafen ethnozentrische Über- heblichkeit und die Ende des 19. Jahrhunderts gängigen Theorien des Evolutionis- mus zusammen. Bei der Suche nach den Entwicklungsstufen der Menschheit stan- den alle außereuropäischen Kulturen per se auf einer niedrigeren Stufe und in den Kulturen Afrikas und der Südsee sah man den Menschen im Urzustand repräsen- tiert.

Deutlich wird dies in einem Zitat des Zoologen, Geographen und Begründer der Anthropogeographie Friedrich Ratzel:

„ In der Darstellung des Häß lichenübertrifft kein Volk diese Westafrikaner, welche zum Überflusse die Skulptur so sehr lieben, da ß sie sich gar nicht genugthun können mit den Fratzen, die sie in jedem zugä nglichen Materiale ausprä gen. Um von der Indezenz derselben nicht zu reden, sind sie in der Mehrzahl hauptsä chlich so häß lich, weil sie absolut nichts Stilisiertes an sich haben, sondern brutal naturwahr sein oder höchstens ins Häß licheübertreiben wollen. Zum letzten trä gt die Ungeschicklichkeit noch bei, mit der besonders die Götzenbilder gearbeitet sind, welche menschliche Gestalten darstellen. “ 28

Diese negativen Konnotationen des Begriffes „primitiv“ in der Bedeutung von wild, nackt, naturnah, unzivilisiert, triebhaft, zurückgeblieben, hausend, men- schenfressend, zügellos, abergläubisch usw. halten sich bis in die Gegenwart, daran konnte auch die so genannte „positive Umdeutung“ all dieser Attribute durch die Avantgarde nur wenigändern.

Die Bedeutung und Verwendung des Begriffes „Primitivismus“ ist jedoch von dem Begriff des „Primitiven“ zu unterscheiden. So bezeichnet „Primitivismus“ aus kunsthistorischer Sicht, wie Eingangs erwähnt, die Aufnahme so genannter „primitiver“ Kulturen in die Moderne. Allerdings ist darunter nicht die Aufnahme der Kunst und Künstler der so genannten „Primitiven“ selbst gemeint, sondern ihre Rezeption und Imitation in der Moderne.29 „Primitivismus“ bezeichnet dem- nach eine praktische wie theoretische Auseinandersetzung mit den Kultur- und Kunstformen.

Bereits vor der so genannten Avantgarde des angehenden 20. Jahrhundert wurde der in einer fernen Welt lebende „Primitive“ oder „Wilde“ in Philosophie und Literatur als Projektionsfläche zur Kritik an der eigenen Gesellschaft benutzt. Schon Michel de Montaigne (1533-1592) lies in seinem Essay „Des cannibales“ von 1580 nach Frankreich gebrachte brasilianische Gefangene die französische Gesellschaft kommentieren, um die expansive Zivilisation zu kritisieren.

Ein gängiges Bild beschwor lange Zeit die Vorstellung eines Lebens im Einklang mit der Natur. Von Menschen, die weder Lüge noch Verrat kennen und ein Leben ohne Geld und Bedürfnisse leben. Diese positiven Ideen bestimmten das Bild der außereuropäischen Gesellschaften. Der „Edle Wilde“, der in seiner vermeintlich natürlichen Lebensform einen idealen Gesellschaftszustand repräsentiert, wurde mit der Formel „Zurück zur Natur“, bereits bei Rousseau (1712-1778) manifes- tiert.30

So träumte man von einem Eingeborenenleben in idyllischer Sorglosigkeit, wie in einem Garten Eden auf Inseln, die die Interpreten selber nur vom Hörensagen kannten.

Doch auch wenn sie sich selber auf Reisen begeben hatten, schien im Nachhinein der Mythos des „Primitiven“ oftmals die Entbehrungen und Schwierigkeiten der eigenen Erlebnisse zu überschatten. So schrieb Bougainville (1729-1811) über die Tahitianer: „ Ein jeder pflückt Früchte am ersten Baum, auf den er st öß t und bringt sie in alle möglichen Hä user, in die er kommt […] . Überall begegnete uns Gastfreundlichkeit, Wohlstand, unschuldige Glückseligkeit und alle Erscheinungsformen des menschlichen Glücks. “ 31

Der „Primitivismus“ in der Bildenden Kunst wurde, wie im Falle der Nazarener bereits angedeutet, aus der Unzufriedenheit der modernen europäischen Künstler mit ihrer eigenen Kultur mit Bezug auf den Akademismus, den Naturalismus und Realismus der zeitgenössischen Künstler geboren. Im Bezug auf die Kunst der so genannten „Primitiven“ und in deren (angenommenen) Lebensweise spürten die Avantgardisten ein tiefes Bedürfnis, einfache und „natürliche“ Alternativen zu entdecken, um Industrialisierung und wirtschaftlichem und technischem Fort- schritt ihrer Zeit zu entfliehen. Gebunden an eine Bewunderung für so genannte „primitive“ Mentalitäten und Bräuche wollten einige Europäer diese ursprüngli- che Weltsicht aufgreifen um so neue Möglichkeiten ihres eigenen Schaffens zu er- weitern.

William Rubin beschreibt den sich selbst verstärkenden Mechanismus hinter die- ser Entwicklung wie folgt: „ Je mehr die bürgerliche Gesellschaft Virtuositä t und Finesse der Stile des Salons hochhielt, um so mehr fingen bestimmte Maler an, das Einfache und Naive wert zuschä tzen, sogar das Rauhe und Grobe - bis zu dem Punkt, an dem einige primitivistische Künstler schlie ß lich am Ende des 19. Jahrhunderts jene au ß ereuropä ische Kunst, die sie 'wild' nannten, verehrten. Vol- ler Bewunderung für diesen Begriff, verwendeten sie ihn zur Beschreibung prak- tisch jeder Kunst, die von der griechisch-römischen Linie des westlichen Realis- mus und seiner Neufassung und Systematisierung in der Renaissance abwich. “32

Als Vertreter des Impressionismus empfand Gauguin, wie viele seiner Zeitgenos- sen auch, den westlichen Realismus als „überfeinert und blutleer“33. Sein gerade- zu elementares Unbehagen an der westlichen Zivilisation trieb ihn auf die Suche nach einer ursprünglichen Welt, wo er Reinheit, Aufrichtigkeit und Naivität zu finden hoffte. Auf der Suche nach den Anfängen des modernen „Primitivismus“ erscheint Gauguin immer als der Künstler, dessen Unzufriedenheit zu radikalen Brüchen führte, zuerst mit der Familie und den damit verbundenen Konventionen, dann mit Europa als Lebensraum. Aus diesem Grund soll kurz auf ihn eingegan- gen werden.

3.1 Paul Gauguin

Bereits einen Teil seiner Kindheit verbrachte Gauguin (1848-1903) in Peru. Später folgten verschiedene kürzere Aufenthalte auf Martinique und in Panama in den 1880er Jahren. Einen endgültigen Bruch mit der Gesellschaft Frankreichs wollte er 1891 vollziehen und ging nach Tahiti. Aufgrund gesundheitlicher und finanzieller Probleme kehrte er 1893 nach Frankreich zurück und verbrachte zwei Jahre in Paris, bis es in 1895 endgültig in den Pazifik zog. Nach weiteren Jahren auf Tahiti zog er 1901 auf die Marquesas-Inseln, wo er 1903 verstarb.

Kirk Varnedoe nennt Gauguin, bezogen auf die Geistesgeschichte und die zu seiner Zeit, aktuellen Tendenzen der Kunst, den „Vorfahr des modernen künstlerischen „Primitivismus“ und „Erbe einer langen Tradition.“34 Als Begründer des modernen „Primitivismus“ gilt Paul Gauguin vor allem, da er als erster moderner Maler eine längere Zeit in einer außereuropäischen Gesellschaft zugebracht hat. Nach Flam war er „ der einzige bedeutende Künstler, der wirklich lä ngere Zeit an Orten lebte, wo primitive Kunst geschaffen wurde. “ 35

Das Zitat Flams trägt bereits das Problem der Rolle Gauguins im modernen „Pri- mitivismus“ in sich. Denn er war zwar der erste Künstler, der aus der Gesellschaft unter der er litt, ausbrach um sich seinem Idealbild eines unbeschwerten Lebens zu nähern, erst in der ländlichen Bretagne, und dann im Pazifik. Allerdings lebte er dort „wo“ „primitive“ Kunst geschaffen wurde, aber er nahm deren Stil nicht in seine eigene Kunst auf. Seine Form- und Farbgebung blieb eher fortschrittlichen europäischen Künstlern wie Degas und Cézanne verhaftet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Paul Gauguin, Der Markt oder Heute kein Markt (Ta Matete), 1892, Öl auf Leinwand, 73 x 91 cm, Kunstmuseum Basel.

In seiner dichten, geschlossenen Kompositionsart zitiert er eher die nicht-illusio- nistische Kunst Ägyptens (Abb. 2), des Mittelalters, Persiens, Perus oder eben der bretonischen Volkskunst. Dazu kommen noch nachweisbare Einflüsse indischer und kambotschnischer Hofkunst, deren vergleichsweise klassischen Stil er auf die Motive seiner Umgebung anwendete. In dieser „Verschmelzung zur eklektischen Vision“ sieht Rubin etwas hilflos wirkende mimetische Neuinszenierung des „Mythos vom Primitiven“ oder des Rousseauschen „Edlen Wilden“. Dabei schei- nen die Plastiken und sonstigen Hinweise auf polynesische Kunst eher einem de- korativen Zweck zu dienen.

[...]


1 Zitiert nach: Melcher, Ralph: Die Brücke in der Südsee - Exotik der Farbe. In: Melcher 2005, S. 11- 25

2 Vergl. Hackenschmidt 2003, S. 287 ff.

3 Vergl. Rubin 1985, S. 9.

4 Hackenschmidt 2003, S. 288

5 Olbrich 1993, S. 745

6 So zum Beispiel Wilhelm Emil Mühlmann in seiner Geschichte der Athropologie von 1984, hier zitiert nach Kohl 1993, S. 100.

7 Vergl. Kohl 1993, S. 100 ff.

8 Als einen der frühesten Belege hierzu bildet Rubin einen Handzettel von 1566 in „Primitivismus in der Kunst des 20. Jahrhunderts“ ab, der die zur Schaustellung einer „Eskimofrau“ mit ihrem Kind in Bayern bewirbt. Vergl. Rubin 1985, S. 97.

9 Küster 2003, S. 9 ff.

10 Küster 2003, S. 10

11 Vergl. Hirschberg 1988. S 322 ff.

12 Vergl. Hauser-Schäublin 1998

13 Jean-Louis Paudrat: Aus Afrika. In: Rubin 1985, S. 161

14 Vergl. Hirschberg 1988. S. 322 ff.

15 Vergl. Price 1989. und Vogel 1989.

16 Vergl. Hirschberg 1988. S. 323

17 Vergl. Briskorn 2000. S. 21 ff.

18 Kohl 1993, S. 15

19 Kohl 1993, S. 16

20 N'guessan 2002, S. 56

21 Vergl. N'guessan 2002, S. 57 ff.

22 N'guessan 2002, S. 31

23 Zitiert nach N'guessan 2002, S. 46

24 Küster 2003, S. 50

25 Küster 2003, S. 50

26 Als Gegenbewegung zu den strengen Lehrplänen in der klassischen Akademieausbildung entstand in Wien um 1800 die Kunstrichtung der Nazarener. Der Vorrang technischer Aspekte vor dem künstlerischen Ausdruck und die strenge Orientierung an antiken Vorbildern störte viele Studenten. Gut zum Ausdruck bringt dies ein Zitat von Friedrich Overbeck 1808: „ Man lernt einen vortrefflichen Faltenwurf malen, eine richtige Figur zeichnen, lernt Perspektive, Architektur, kurz alles - und doch kommt kein richtiger Maler heraus. Eins fehlt ... Herz, Seele und Empfindung “ . Maler wie Albrecht Dürer, Hans Holbein oder Hans Baldung Grien wurden vom Klassizismus als Primitive gewertet. Vergl. Online.wikipedia.org/wiki/Nazarener_(Kunst) [02.05.2010]

27 N'guessan 2002, S. 19

28 Zitiert nach N'guessan 2002, S. 38

29 Vergl. Hackenschmidt 2003, S. 287 und Rubin 1985, S. 10 ff.

30 Vergl. Hackenschmidt 2003, S. 288

31 Vergl. Online im WWW unter URL: http://www.voyagesdafrique.com/index.php?page=946 [03.05.2010]

32 Rubin 1985, S. 10

33 Rubin, 1985 S. 11

34 Varnedoe, Kirk: Paul Gauguin. In: Rubin 1985, S. 188

35 Vergl, Flam, Jack D.: Matisse und die Fauvisten. In: Rubin 1985, S. 220 ff.

Details

Seiten
94
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640756308
ISBN (Buch)
9783640756421
Dateigröße
50.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161631
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Primitivismus Expressionismus deutscher Expressionismus Kirchner Pechstein Nolde Ethnologie Ethnographie Kunst Moderne Südsee Malerei Palau Neuguinea deutsche Kolonien Fauvismus Gauguin Völkerkunde Avantgard

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Titel: Primitivismus in der Kunst des 20. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Expressionismus