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Untersuchung der Machtbeziehungen zwischen Beratern und Klienten anhand zweier Fallstudien

Seminararbeit 2010 25 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1. EINFÜHRUNG

2. MACHTBEGRIFF NACH CROZIER UND FRIEDBERG
2.1. Definition und Kennzeichen von Macht
2.2. Macht und Spiele in Organisationen
2.3. Machtquellen

3. MACHTBEZIEHUNGEN ZWISCHEN BERATERN UND KLIENTEN
3.1. Mikropolitische Fallstudie von Umsetzungsschwierigkeiten in Beratungsprozessen von Fitsch
3.1.1. Vorbemerkungen zur Studie
3.1.2. Interessen und Handlungen der Klienten
3.1.3. Interessen und Handlungen der Berater
3.2. Mikropolitische Fallstudie einer Organisationsberatung von Muhr
3.2.1. Vorbemerkungen zur Studie
3.2.2. Interessen und Handlungen der Klienten
3.2.3. Interessen und Handlungen der Berater

4. FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

„In Organisationen tobt das Leben. Weit von jenen anämischen Gebilden entfernt, die in der althergebrachten Forschung unter dem Namen ’Organisationsstruktur’ ihr schattenhaftes Dasein fristen und von oben bis unten vermessen werden, sind Orga- nisationen in Wirklichkeit Arenen heftiger Kämpfe, heimlicher Mauscheleien und ge- fährlicher Spiele mit wechselnden Spielern, Strategien, Regeln und Fronten“ (Küpper / Ortmann 1992, S.7).

In Beratungsprozessen tobt auch das Leben. Es gibt jedoch nur wenige, die wissen, was Organisationsberater wirklich tun, wenn sie ein Unternehmen beraten. Der Bera- tungsprozess, verstanden als Interaktionsprozess zwischen Beratern und Klienten und damit entstehende Dynamiken, werden bis heute als Black Box bezeichnet (vgl. Fitsch 2008, S. 165). Doch was machen Berater, wenn sie beraten? Warum wurden die Berater vom Klienten überhaupt beauftragt? Wie interagieren Klienten und Bera- ter? Und warum kommt es in Beratungsprozessen zu bestimmten Handlungen?

Um Beratung verstehen zu können, ist es wichtig die Handlungen und Interaktionen der Berater und Klienten näher zu betrachten. Leider sind bisherige Beiträge über Beratungsinteraktionen in der Beratungsforschung sehr rar. Es fällt auf, dass bisher hauptsächlich quantitative Studien erscheinen, die sich entweder mit dem Bera- tungsmarkt und dessen Entwicklung beschäftigen (vgl. z.B. Ernst / Kieser 2002; Kolbeck 2001) oder auch Erklärungen für den großen Wachstum der Beraterbranche liefern (vgl. z.B. Armbrüster / Kieser 2001; Faust 2000). Ein Mangel besteht dagegen auf qualitativer Ebene. Es gibt kaum detaillierte qualitative Studien zum Thema Bera- tungshandeln. Ausnahmen bilden die Arbeiten von Mingers 1996, Iding 2000, Muhr 2004, Fitsch 2007 und Wieandt-Ledebur 2009. Sowohl Fitsch 2007 als auch Muhr 2004 beziehen sich in ihren Arbeiten auf den organisationstheoretischen Ansatzes von Crozier und Friedberg. Aus diesem Grund wurden beide qualitative Studien für diese Seminararbeit gewählt.

Im Einzelnen ist diese Arbeit wie folgt aufgebaut:

Das folgende zweite Kapitel enthält die wesentlichen Aussagen des organisationstheoretischen Ansatzes von Crozier und Friedberg. Zu Beginn wird auf die Definition und die Merkmale von Macht aus der Sicht des Akteurs eingegangen (2.1.). Danach folgen Ausführungen zu Macht und Spielen in Organisationen (2.2) sowie die Vorstellung vier verschiedener Machttypen in Organisationen (2.3.).

Das dritte Kapitel enthält wesentliche Aussagen zu den Machtbeziehungen zwischen Beratern und Klienten in den qualitativen Studien von Fitsch 2007 (3.1.) und Muhr 2004 (3.2.). Zunächst erfolgen zu jeder Studie einige allgemeine Vorbemerkungen zur Untersuchung und anschließend werden jeweils in beiden mikropolitischen Fall- studien sowohl die Interessen als auch die Handlungen der Klienten und Berater dar- gestellt.

Die Arbeit endet mit dem Fazit in Kapitel vier.

2. Machtbegriff nach Crozier und Friedberg

In diesem Kapitel wird ein umfassendes Verständnis des Machtbegriffes nach Crozier / Friedberg (1979) vermittelt. Der Begriff Macht wird zuerst aus der Sicht des Akteurs definiert, Macht und Spiele in Organisationen werden betrachtet sowie vier große Machtquellen vorgestellt.

2.1. Definition und Kennzeichen von Macht

Gegenstand dieser Seminararbeit ist das Thema Macht. Obwohl Macht ein universelles und triviales Phänomen ist, kann im Gegensatz dazu der Machtbegriff sehr vielfältig und schwer zu erfassen sein (vgl. Crozier / Friedberg 1979, S. 39). Daher bedarf es zuerst der Klärung dieses Begriffes.

Nach Crozier / Friedberg (1979, S. 39) beinhaltet Macht ganz allgemein „immer die bestimmten Individuen oder Gruppen verfügbare Möglichkeit, auf andere Individuen oder Gruppen einzuwirken“. Auf andere einzuwirken bedeutet, in Beziehung zu ihnen treten und in dieser Beziehung seine Macht über die anderen Individuen zu entfalten. Crozier / Friedberg gehen dabei von der Grundannahme aus, dass Akteure Ziele und Interessen haben und diese versuchen durchzusetzen. Um die jeweiligen Interessen tatsächlich verwirklichen zu können, werden die Akteure versuchen, andere Akteure zu einem Handeln zu veranlassen, dass ihren Interessen dient. Macht kommt also in einer Beziehung zum Tragen, die zwei oder mehrere Akteure aneinander bindet, de- ren persönliche Interessen durch die Erreichung eines gemeinsamen Ziels bedingt werden und die somit voneinander abhängig sind (vgl. Crozier / Friedberg 1979, S. 39). Eine solche Beziehung wird durch Austausch und gegenseitige Anpassung be- stimmt. Macht ist damit unlösbar an Verhandlungen gebunden und kann als Tausch- und Verhandlungsbeziehung von mindestens zwei Individuen bezeichnet werden (vgl. Crozier / Friedberg 1979, S. 40).

Aus diesen Überlegungen leiten Crozier / Friedberg (1979, S. 40 f.) folgende Eigenarten einer Machtbeziehung her:

Macht ist eine instrumentelle Beziehung, die sich „wie jede Verhandlungsbeziehung nur unter der Perspektive eines Ziels begreifen lässt, das in einer instrumentellen Logik die Mobilisierung von Ressourcen seitens der Akteure motiviert“ (Crozier / Friedberg 1979, S. 40).

Macht ist eine nicht-transitive Beziehung. Macht ist einerseits untrennbar von den an der Beziehung beteiligten Akteuren und andererseits untrennbar von den in der Be- ziehung vollzogenen Handlungen. „Jede Handlung bildet einen spezifischen Spiel- raum, um den herum sich eine eigene Machtbeziehung ansiedelt“ (Crozier / Fried- berg 1979, S. 40). A wird von B mit Leichtigkeit eine Handlung X bewirken, schwerer schon eine Handlung Y und es wird ihm unmöglich sein, eine Handlung Z herbeizu- führen.

Macht ist eine gegenseitige, aber unausgewogene Beziehung. Jede Verhandlungs- beziehung setzt gegenseitigen Tausch voraus, den jeweils ein Akteur zu seinen Gunsten entscheiden kann. Damit ist Macht „ein Kräfteverhältnis, aus dem der eine mehr herausholen kann als der andere, bei dem aber gleichfalls der eine dem ande- ren nie völlig ausgeliefert ist“ (Crozier / Friedberg 1979, S. 41). Die Macht von A über B ist also die Fähigkeit von A, für seine Verhandlungen mit B Tauschbedingungen auszuhandeln, die ihn begünstigen.

Friedberg (1993, S. 158) definiert Macht als den unausgeglichenen bzw. asymmetri- schen Austausch von Verhaltensmöglichkeiten zwischen einer Gruppe von interde- pendenten (wechselseitig voneinander abhängigen) institutionellen und / oder sozia- len Akteuren. Der Erfolg einer Machtbeziehung ist dabei abhängig von den Hand- lungsmöglichkeiten bzw. -freiraums der beteiligten Akteure. Macht ist also von der Möglichkeit abhängig, das zu verweigern, was der Gegenspieler von einem verlangt. Inwiefern ein Akteur die Handlungen anderer Akteure beeinflussen kann, ist abhän- gig von den Ressourcen, die ihm zur Verfügung stehen. Nach Crozier / Friedberg ist dies vor allem Ungewissheit.

Die Macht eines sozialen Akteurs ist abhängig von der Größe der Ungewissheitszo- ne, die er durch sein Verhalten kontrollieren kann. Diese Ungewissheitszone kann dabei nur zu Macht führen, wenn sie für die beteiligten Akteure von Relevanz ist, d.h. sich auf deren Probleme oder auch Interessen bezieht. „Es muss sich also um eine Ungewissheitszone handeln, deren Vorhandensein und Beherrschung die Hand- lungsfähigkeit der einen und der anderen bedingt“ (Crozier / Friedberg 1979, S. 43). Demzufolge wird jeder Akteur der Strategie nachgehen, die Vorhersehbarkeit seines Verhaltens zu manipulieren. Jeder Akteur wird also versuchen, den eigenen Hand- lungsspielraum möglichst auszudehnen, um das zukünftige Verhalten so offen wie möglich zu halten und gleichzeitig den Freiheitsspielraum des Gegenspielers so weit wie möglich einzuschränken, um dessen potentielle Verhaltensweisen bereits im Voraus zu kennen (vgl. Crozier / Friedberg 1979, S. 43). Andere Ressourcen eines Akteurs, wie z.B. Kraft, Reichtum Prestige oder Autorität, sind nur in dem Maße rele- vant, in welchem sie dem Akteur eine größere Handlungsfreiheit geben.

Ein Akteur verfügt aufgrund seiner Situation über ein mögliches Repertoire an indivi- duellen, kulturellen, ökonomischen oder sozialen Ressourcen, die wiederum den zeitlichen, räumlichen und sozialen Rahmen bilden, in den sich die Strategie des Ak- teurs eingliedern muss (vgl. Crozier / Friedberg 1979, S. 44).

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Details

Seiten
25
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640750771
ISBN (Buch)
9783640751433
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161613
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
2,0
Schlagworte
Untersuchung Machtbeziehungen Beratern Klienten Fallstudien Crozier Friedberg Fitsch Muhr

Autor

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Titel: Untersuchung der Machtbeziehungen zwischen Beratern und Klienten anhand zweier Fallstudien