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Der geheime Lehrplan in der Erwachsenenbildung

Seminararbeit 2009 16 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Erste Fragen zu diesem Thema
2.1. Was bedeutet der Begriff „geheimer Lehrplan“?
2.2. Woher stammt der Begiff „geheimer Lehrpan“ ?
2.3. Warum ist der „geheime Lehrplan“ so wichtig für die Bildungswissenschaften ?

3. Siegfried Bernstein - „Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung “

4. Was versteht man unter dem Begriff Erwachsenenbildung?

5. Erwachsenenbildung vesus Schulbildung
5.1. Gemeinsamkeiten zwischen Erwachsenenbildung und Schulbildung
5.2. Unterschiede zwischen Erwachsenenbildung und Schulbildung

6. Ist der geheime Lehrplan in der Erwachsenenbildung auch vorhanden /präsent?
6.1. Die Wahl des Seminarraums
6.2. Regeln innhalb einer Veranstaltungseinheit
6.3. Hierarchische Ordnung innerhalb einer Veranstaltungseinheit
6.4. Geschlechterhierarchien und -rollen in der Erwachsenenbildung
6.5. Leistungsbezogene Konkurrenz
6.6. Zertifizierung informellen Lernens - Lebenslanges Lernen
6.7. Selektion in der Weiterbildung

7. Der „geheime Lehrplan“ als Inhalt von Seminaren und Vorlesungen

8. Zusammenfassung

9. Anhang: Zitate zum Thema „heimlicher Lehrplan“

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit wird im Rahmen des Seminars „Curriculare Entwicklung” geschrieben.

In dieser Arbeit werde ich mich mit dem Thema „geheimer Lehrplan“ oder auch „heimlicher Lehrplan“ genannt, auseinandersetzen. Ich konzentriere mich dabei auf bestimmte Themenbereiche, da diese Arbeit sonst den vorgegebenen Rahmen sprengen würde.

Zuerst werde ich den Begriff, die Herkunft und die Funktion des „geheimen Lehrplans“ erörtern, sowie auf den Unterschied zwischen Erwachsenenbildung und Schulbildung eingehen.

Danach werde ich mich der Frage zuwenden, ob dieser geheime Lehrplan für die Erwachsenenbildung überhaupt von Bedeutung ist, beziehungsweise Anwendung findet.

Zum Abschluss werde ich meine Ergebnisse noch einmal kurz zusammenfassen und meine daraus gezogenen Schlussfolgerungen kurz darstellen.

Als Anhang führe ich noch einige Zitate an, welche das Thema „geheimer Lehrplan“ nochmals kurz behandeln.

2. Erste Fragen zu diesem Thema

2.1. Was bedeutet der Begriff „geheimer Lehrplan“?

Der geheime Lehrplan, oder auch heimlicher Lehrplan genannt, wird definiert als ungewollte Lernziele oder nicht ausgesprochene Lerneffekte innerhalb des Erziehungsprozesses. Diese ungewollten Lernziele sind nicht im offiziellen Lehrplan angeführt. Das Wort „heimlich“ ist bewusst gewählt. Es beinhaltet eine negative Wertung, da der geheime Lehrplan unbewusst stattfindet und nicht beziehungsweise nur sehr selten in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Beispiele für den geheimen Lehrplan sind das Verhalten der Lehrenden, die Auswahl der Lehrinhalte sowie unter anderem auch die Sozialisierung der lernenden Personen.

Der geheime Lehrplan umfasst die Eingliederung in die Gesellschaft und somit eine politische und soziale Sozialisation. Eingeübte soziale Regeln werden fortgesetzt um die „gesellschaftspolitischen Vorstellungen im Sinne einer Stabilisierung des status quo“1 beizubehalten. Das ruft eine passive Anpassung der Teilnehmer hervor. So gesehen reproduziert die Schule sowie auch andere Weiterbildungsinstitutionen die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse. Diese Doppelmoral will der geheime Lehrplan aufdecken: denn einerseits wird von der Schule Aufklärung, selbständiges Denken und Emanzipation gefordert, doch auf der anderen Seite ist es unerlässlich sich in die Gesellschaft zu integrieren und sich anzupassen.

Im Gegensatz dazu steht der offizielle Lehrplan. Dieser hält die Ziele für die Schule und den Unterricht fest, welche das Lehrpersonal bewusst durchführt.

ABBILDUNG 1: Offizieller und „Heimlicher“ Lehrplan2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2. Woher stammt der Begriff „geheime Lehrplan“?

Der Begriff des „geheimen Lehrplans“ wurde erstmals 1925 von dem österreichischen Psychoanalytiker Siegfried Bernfeld in seinem Buch „Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung“ thematisiert. Er machte darauf aufmerksam, dass „die Schule - unabhängig von den Lerninhalten - durch ihre Strukturen erzieht und diszipliniert.“3 Daraus folgt, dass in Lerninstitutionen Verhaltenskonformität und Normierung angestrebt werden; doch dazu später mehr.

In den 1960er Jahren taucht der Begriff wieder auf, unter anderem von Philip W. Jackson. Er benutzt im englischen Sprachraum den Begriff „hidden curriculum“.

Anfang der 70er Jahre wurde der Begriff dann häufiger in gesellschaftskritischen Diskursen in den Erziehungswissenschaften verwendet. Der Begriff als solcher wurde in dieser Zeit geprägt. 1975 erschien das Buch „Der heimliche Lehrplan“ von Jürgen Zinnecker. Letztendlich wird der geheime Lehrplan als pädagogisches Phänomen etabliert. Gegenwärtig wird der Begriff „geheimer Lehrplan“ oft mit Themen wie Benachteiligung aufgrund des Geschlechts, der Herkunft oder der Ethnizität verwendet.

2.3. Warum ist der „geheime Lehrplan“ so wichtig für die Bildungswissenschaften?

Die Schule, sowie Institutionen der Weiter- und Erwachsenenbildung vermitteln nicht nur fachliches Wissen, sondern erfüllen auch eine gesellschaftliche Funktion. Somit geht es hier nicht nur um absichtliche Lernprozesse, sondern auch um einen Sozialisationsprozess. Das kann unter anderem das Verhalten in Gruppen implizieren, aber auch Strategien wie beispielsweise Unwissen verheimlichen, unangenehme Arbeiten zu vermeiden oder auch das Wissen wie man Erfolg bei Mitlernenden oder der Lehrperson hat.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Geschlechtersozialisation und -hierarchie in der Schule. Rollenklischees sind in den Schulbüchern zu finden, aber auch in den Unterrichtsfächern selbst. Ab der Volksschule haben Buben dann meistens Werkunterricht und Mädchen gehen in den Hauswirtschaftsunterricht, wo sie nähen, stricken und kochen lernen sollen. Geschlechterrollen werden aber auch vom3

Lehrpersonal vorgelebt. Schüler die sich nicht in ihren Geschlechterrollen anpassen werden weniger akzeptiert, abgelehnt und sanktioniert; beispielsweise das laute, aggressive Mädchen, das sich immer durchsetzen will, aber auch der stille, ängstliche Junge, der nicht auffallen will.

Der heimliche Lehrplan ist ausgerichtet wie unterrichtet werden soll und nicht was. Es geht nicht darum die Schüler zum mündigen Menschen zu erziehen, sondern sie anzupassen. Das Hauptziel des heimlichen Lehrplans ist somit eine Konformitätsorientierung des Individuums um bestehende Macht- und Herrschaftsverhältnisse der Gesellschaft zu erhalten.

3. Siegfried Bernstein - „Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung“

Siegfried Bernfeld,4 österreichischer Psychoanalytiker, befasst sich in seinem Buch „Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung“ im ersten Kapitel „Von der Erziehung“ mit den Begriffen Didaktik, Schule und Erziehung. Vom Lehrpersonal verlangt das Schulprogramm „die Erziehung zum sittlich-religiösen Menschen - und zählt dann die Fächer und den Stoffplan auf.“5 Laut Bernfeld wird von den Lehrern an erster Stelle Erziehung ihrer Schüler verlangt und erst in zweiter Linie das Lehren von Kenntnissen wie Lesen, Schreiben, Rechnen und anderem. „Das Schulwesen hat offenbar Wirkungen, die über den eigentlichen Unterricht weit hinaus reichen. Die Schule - als Institution - erzieht“ und sie macht aus jeder Generation eben das, was sie heute ist.“5 Somit ist die Schule eine der wichtigsten gesellschaftlichen Institutionen.

Bernfeld ist jedoch der Ansicht, dass der Lehrer dem Erziehungsauftrag nicht gerecht werden kann, da er erstens die erzieherischen Resultate nicht überprüfen kann im Gegensatz zu den fachlichen Leistungen. Außerdem befasst sich die Lehrerausbildung nicht mit erzieherischen Fragen, sondern wie man den zu unterrichtenden Stoff an die Schüler vermitteln kann. Schlussfolgernd sagt Bernfeld damit, dass der Lehrer selbst nicht erziehen kann, aber die Institution Schule schon. Dennoch ist der Lehrer in gewisser Weise an dem Erziehungsprozess beteiligt, da er Regeln während der Unterrichtszeit durchsetzen muss, welche von der Schulleitung festlegt wurden. Der geheime Lehrplan schreibt nun dem Lehrer vor, wie er seinen Unterricht durchzuführen hat. Die Schule legt Regeln fest und der Lehrer übernimmt diese dann, weil es von ihm gefordert wird.

Es gibt so wenig Transparenz in den gesellschaftlichen Bildungs- und Erziehungsprozessen, „daß [dass] wir nicht zu sagen vermögen, welchen Anteil das Schulwesen an dem schließlichen Resultat der vereinten Bemühungen geheimer Kräfte hat.“6 Hier beschreibt Siegfried Bernfeld das pädagogische Phänomen, welches erst in den 70er Jahren unter dem Begriff „geheimer Lehrplan“ definiert wurde und viele Diskurse hervorrufte.

Bernfeld beschränkt sich in seinen Ausführungen auf die gesellschaftliche Grenze der Erziehung und behandelt das Thema, welche Einflüsse die Institution Schule auf die Erziehung ausübt, nicht weiter. Eine ausführlichere Auseinandersetzung findet man beispielsweise bei Jürgen Zinnecker in dem von ihm verfassten Text „Der heimliche Lehrplan“ erschienen 1979, auf den ich jedoch in dieser Arbeit nicht weiter eingehen werde.

4. Was versteht man unter dem Begriff Erwachsenenbildung?

Der deutsche Bildungsrat hat Erwachsenenbildung im Jahr 1970 definiert als die „Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase.“7

Eine weitere Definition lautet: „Erwachsenenbildung bezeichnet spezielle Bildungsveranstaltungen für Erwachsene, die sowohl allgemeinbildende als auch fachlich qualifizierender Art sein können. Sie reicht von schulisch-universitärem Wissen bis hin zu Steno-, Schreibmaschinen- und Yogakursen.“8 Auf die Unterscheidung zur Schulbildung gehe ich später noch genauer ein.

Die Begriffe Erwachsenenbildung und Weiterbildung werden in der Fachliteratur meistens synonym verwendet, obwohl Weiterbildung die Begriffe Fortbildung, Umschulung und Erwachsenenbildung umfasst.

[...]


Böhm, Winfried: Wörterbuch der Pädagogik; 15. überarbeitete Auflage, Alfred Kröner Verlag in Stuttgart, 2000; S. 235

2 Siehe Literaturverzeichnis: Abbildung 1

3 Bernfeld, Siegfried: Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main; 1973;

4 28

5 Bernfeld, Siegfried: Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main; 1973 s.o., S. 23 s.o., S. 28

6 s.o., S. 28

7 http://www.kmk.org/wissenschaft-hochschule/studium-und-pruefung/wissenschaftliche- weiterbildunglebenslanges-lernen.html

8 Böhm, Winfried: Wörterbuch der Pädagogik; 15. überarbeitete Auflage, Alfred Kröner Verlag in Stuttgart, 2000; S. 155

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640750764
ISBN (Buch)
9783640751402
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161479
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1
Schlagworte
Lehrplan Erwachsenenbildung

Autor

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