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Aristoteles vs. Hobbes

Begründung politischer Ordnungen

Seminararbeit 2010 17 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Gliederung:

Hinweis

Einleitung

1. Das anthropologische Bild Aristoteles'
1.1. Der Zweck eines Staates

2. Ausgestaltung der staatlichen Gemeinschaft nach Aristoteles
2.1.Staatsform/-verfassung
2.2. „Gewaltenteilung“? / Gesetze/ Staatsmännische Aufgaben

3. Thomas Hobbes
3.1. Das anthropologische Bild Hobbes'
3.2. Unterschiede zum anthropologischen Bild bei Aristoteles
3.3. Der Zweck eines Staates bei Hobbes
3.4. Unterschiede zum Zweck eines Staates bei Aristoteles

4. Ausgestaltung der staatlichen Gemeinschaft bei Hobbes 4.1.Souverän
4.2. „Gewaltenteilung“?
4.3. Unterschiede in der Ausgestaltung der staatlichen Gemeinschaft

5. Wer wirkt heute noch wie nach?

Literaturverzeichnis und Quellenverzeichnis

Hinweis

In meiner Arbeit benutze ich als Textgrundlage ausschließlich für Aristoteles' „Politik“ die im Proseminar ausgehändigte Übersetzung, das Gleiche gilt für Thomas Hobbes: Aristoteles: „Politik“, übersetzt und hrsg. von Olaf Gigon, München 1986. Thomas Hobbes: „Leviathan“, übersetzt von Jacob Mayer, Stuttgart 1980.

Des Weiteren wird, insofern aus Aristoteles' Werk „Politik“ zitiert wird, im Anschluss dieses Buch innerhalb der Literaturangabe mit „P“ abgekürzt. Bei Zitierung aus Hobbes' Leviathan wird das Kürzel „L“ verwendet.

Einleitung

„Die heutige Unruhe und Unsicherheit im Staatenleben beruht in der Hauptsache auf der Verschiedenheit der politischen Weltanschauungen der Völker. “ (Figge 1938:S. 441)

Auf den ersten Blick mag sich einem vielleicht nicht sofort erschließen, warum ausgerechnet Aristoteles (384-322 v. Chr.) und der erst über 1900 Jahre später lebende Thomas Hobbes (1588-1679) zu einem Vergleich ihrer jeweiligen Begründung der politischen Ordnung herangezogen werden.

Allerdings wird der Zusammenhang zwischen diesen beiden großen Denkern schnell deutlich. Es war eben jener Thomas Hobbes, der als erstes nach fast 2000 Jahren die zuvor unangetastete Autorität der (politischen) Schriften Aristoteles' kritisch begutachtete (Höffe 2006: S.11).

Hobbes beließ es aber nicht nur bei der kritischen Begutachtung der staatsphilosophischen Ansichten Aristoteles'. Vielmehr sah er in seiner Philosophie einen Bruch mit der aristotelischen Denkweise, schließlich habe laut Hobbes die bisherige Moral- und Staatsphilosophie es nicht geschafft, den „Geist zu erleuchten“ (Wolfers 1991: S.09).

Doch wie sieht der zitierte Bruch Hobbes' gegenüber der Moral- und Staatsphilosophie des antiken Philosophen aus, worin liegen die Unterschiede in der Begründung der politischen Ordnung von Aristoteles zu Hobbes? Von welchem Menschenbild gehen diese beiden Meisterdenker aus, auf dem sie dann wiederum ihre politischen Ordnungen begründen?

Zur Erläuterung meiner Arbeit sei nur kurz erwähnt, dass ich, wie schon der Gliederung zu entnehmen ist, zuerst Aristoteles' Begründung politischer Ordnung dargestellt habe und im Anschluss Hobbes und seine Sicht der Dinge. Dabei stellte sich für mich die Frage der Strukturierung, und zwar, wann ich am Besten den Vergleich Aristoteles zu Hobbes ziehe. Die Gliederung, wie ich sie nun vorliegend getroffen habe, hielt ich für die sinnvollste.

Nun aber zum Kern der Arbeit mit dem Thema „Aristoteles und Hobbes: Begründung politischer Ordnungen“.

1. Das anthropologische Bild Aristoteles’

Aristoteles setzte mit seinem acht Bücher umfassenden Werk und seiner zugleich wichtigsten politischen Schrift „Politik“ einen Meilenstein in der Staatsphilosophie, welche noch heute Gegenstand politischer Diskurse ist.

Nach Aristoteles ist der Mensch ein „zóon politikón“ , d.h. ein von Natur aus auf Gemeinschaft angelegtes Wesen. Aristoteles, einst Schüler Platons (ca. 428-347 v. Chr.), zudem er übrigens ein durchaus „kritisches Verhältnis“ (Buchheim 2004: S.10) pflegte, sieht somit die Voraussetzungen des Zusammenschlusses der Menschen zu einer staatlichen Gemeinschaft als naturgegeben an. Diesen Zusammenschluss legt er in mehreren Schritten dar. So ist der erste Schritt zu einer staatlichen Gemeinschaft die natürliche Bindung von Mann und Frau zum Zwecke der Fortpflanzung, welcher laut Aristoteles nicht aus einer freier Entscheidung hervorgeht, sondern eben aus einem „naturgemäßen Streben“ (P, Erstes Buch: S.47). Beide bilden zusammen eine Hausgemeinschaft (oikós) und streben nach Autarkie. Die erste größere Gemeinschaft ist das Dorf, welche laut Aristoteles durch den Zusammenschluss von mehreren Häusern entsteht. Die letztendlich „vollkommene Gemeinschaft“ ist der Staat (P, Erstes Buch:S.49), der durch den Zusammenschluss von mehreren Dörfern vollzogen wird. Mit Errichtung des Staates ist für ihn auch die „vollendete Autarkie“ erreicht (ebenda).

Die Rolle des „Regierenden“ sowie des „Regierten“ verteilen sich zudem für Aristoteles auch „naturgemäß um der Lebenserhaltung willen“ (P, Erstes Buch:S.48). Denn es kann nur derjenige der Regierende sein, der „von Natur aus mit dem Verstand vorauszuschauen“ ausgestattet ist, wobei die Rolle des Regierten (oder auch Diener) daraus resultiert, dass diese Person nur das vom Regierenden mit dem Verstand Geleistete ausführt (ebenda).

Insgesamt wird deutlich, dass der einzelne Mensch auf andere Menschen angewiesen ist und sobald jemand von seiner „Natur aus außerhalb des Staates steht, ist er entweder schlecht oder Gott“ (P, Erstes Buch:S.49). Daraus lässt sich auch schließen, dass Aristoteles einen Vorteil in dem Zusammenschluss zu einer staatlichen Gemeinschaft darin begründet sieht, dass somit jeder Mensch seinen Teil zu Verrichtung der anfallenden Arbeit beiträgt und davon wieder jeder Einzelne profitiert (P, Drittes Buch:S.112; Rembold 2007:S.58)

Für Aristoteles existiert jeder Staat von Natur aus, weil schon seine vorhergehenden Gemeinschaften aus der Natur heraus entstanden sind. Somit kann das daraus Folgende nicht künstlich oder zufällig sein. Somit verfolgt Aristoteles einen teleologischen Ansatz (Höffe 2006: S.11), d.h. gewisse Handlungen sind an einen (End-)Zweck gebunden. Diese natürliche Kette, angefangen bei dem Zusammenfinden von Mann und Frau bis hin zum

Zusammenschluss mehrerer Dörfer, besteht aus natürlichen Handlungen, die auf das laut Aristoteles naturgegebene Endziel eines autarken Staates abzielen. Aus diesem Grund ist für Aristoteles der Staat als Ganzes auch natürlicher als jeder einzelne Teil des Staates, wie beispielsweise eine Person oder ein Haus (P, Erstes Buch:S.50). Der teleologische Ansatz nach Aristoteles, dass in der Natur nichts zufällig geschieht, lässt auch schlussfolgern, dass der Mensch ein „zóon politikón“ sein muss, da der Staat an sich sonst überhaupt keine Sinngrundlage besitzen würde. Somit ist der Staat von allen Gemeinschaften die bedeutendste (P, Erstes Buch:S.47). Summa summarum ist die staatliche Gemeinschaft ein „naturgemäßes Gebilde“ und der Mensch, wie bereits erwähnt, ein „von Natur aus staatenbildendes Wesen“ (P, Erstes Buch:S.49).

Aristoteles hebt des Weiteren in seinem Menschenbild die Sprache des Menschen hervor. Schließlich existieren auch andere Lebewesen, die aus ihrer ihnen gegebenen Natur heraus Staaten bilden, wie zum Beispiel die Bienen, doch diese können sich nicht über die Sprache verständigen. Die Sprache diene dem Menschen auf einzigartige Weise vor allem dazu, sich darüber auszutauschen was das „Nützliche“ oder das „Schädliche“ sei. Daraus ergibt sich, dass der Mensch sich ebenfalls darüber verständigen kann, was das „Gerechte“ und das „Ungerechte“ sei (P, Erstes Buch: S.49). Es sei an dieser Stelle die Schrift „Nikomachische Ethik“1 von Aristoteles erwähnt, die oftmals mit seiner Schrift „Politik“ inhaltlich einhergeht und deswegen zum besseren Verständnis „auf das engste zusammen gehört“ (Brauweiler 1938:S.477). Zur Vervollständigung des Menschenbildes sei hierbei gesagt, dass Aristoteles von den Bürgern einer staatlichen Gemeinschaft auch einen gewissen Umgang miteinander erwartet. So ist Aristoteles ein Verfechter der „mittleren Haltung“, d. h. es soll zwischen zwei extremen Polen einer Charaktereigenschaft immer die passende Mitte im Umgang miteinander gewählt werden (Rembold 2007:S.59). Die Gerechtigkeit spiegelt zum Beispiel die Mitte zwischen „gerecht sein“ und „Schaden zufügen“ wider und ist die am höchsten einzuschätzende Tugend, die ein Mensch besitzen kann. Daraus erklärt sich auch die gewichtige Rolle der Gerechtigkeit für Aristoteles innerhalb einer staatlichen Gemeinschaft, wobei „die Gerechtigkeit der staatlichen Gemeinschaft eigen ist“ (P, Erstes Buch:S.50). Das Prinzip der Mitte soll uns an späterer Stelle bei Aristoteles' Ansicht zur besten Verfassung noch einmal begegnen.

Die Tugendhaftigkeit des Menschen ergibt sich gemäß Aristoteles nach der richtigen Übereinstimmung der naturgegebenen Dinge wie der Anlage, Gewöhnung und der Einsicht, wobei durch deren richtigen (oder eben auch durch deren nicht richtigen) Übereinstimmung der Charakter eines Menschen geprägt wird. Wenn der Mensch zudem die Fähigkeit der Vernunft, die ihm laut Aristoteles als einziges Lebewesen gegeben ist, richtig anwendet, so wird er tugendhaft. So besitzt er einen starken und gut geprägten Charakter. Der Staat hat nach Aristoteles durch Erziehung allerdings die Möglichkeit, auf die Menschen einzuwirken (P, Siebentes Buch:S.239).

1.1.Der Zweck eines Staates

Jeder Mensch strebt gemäß Aristoteles nach einem höchsten Gut. Dieses höchste Gut stellt für Aristoteles die Glückseligkeit (eudaimonia) dar (P, Siebentes Buch:S.220) und ist zugleich das „Leitziel menschlichen Handelns“ (Höffe 2006: S.189). Schließlich ist die Glückseligkeit der Indikator schlechthin für ein gelungenes und edles Leben. Dieses Leben kann nur in staatlicher Gemeinschaft gelingen, woraufhin sich die Menschen eben zu einem Staat zusammenschließen (P, Drittes Buch:S.118). Dabei kommt eben dem Staat die Aufgabe zu, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein Streben nach Glückseligkeit für den Einzelnen möglich macht. Denn nur wenn der Einzelne im Staat glückselig ist, so kann auch der Staat glückselig sein, da der Bürger ihn „seligpreisen wird“ (P, Siebentes Buch:S.220). Doch dem anschließend stellt sich die Frage nach der Verfassung, die am besten dazu geeignet ist, möglichst allen Bürgern das Streben nach dem höchsten Gut zu ermöglichen.

2.Ausgestaltung der staatlichen Gemeinschaft nach Aristoteles

2.1.Staatsform/-verfassung

Die Verfassung ist gemäß Aristoteles eine „Art von Ordnung unter denjenigen, die den Staat bevölkern“ (P, Drittes Buch:S.103). Da der Staat das Ganze darstellt, muss für ihn zuerst die Frage geklärt werden, wer denn den kleinsten Teil des Ganzen bildet. Dies ist für ihn der Bürger. Dem schließt sich wiederum an, wie der Bürger definiert werden kann, d. h. wer rechtmäßig als Staatsbürger gilt.

Der rechtmäßige, ohne Einschränkung als Staatsbürger geltende ist nach Aristoteles derjenige, der das Recht besitzt, „an der beratenden oder richtenden Behörde teilzunehmen“ (P, Drittes Buch:S.105). Von dem Punkt des Zivilstandes her betrachtet ist eine Person dann rechtmäßiger Staatsbürger, wenn beide Elternteile auch schon Staatsbürger sind (ebenda).

[...]


1 Dieses Werk behandelt u.a. das „Leitziel des menschlichen Handelns“; Tugenden des Menschen; Freundschaft; usw. Viele dieser Themenbereiche finden sich bei Aristoteles auch in der „Politik“ wieder.

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640753093
ISBN (Buch)
9783640753321
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161452
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,7
Schlagworte
Politikwissenschaft Politische Theorie Aristoteles Thomas Hobbes Politische Ordnung Begründung politischer Ordnungen

Autor

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Titel: Aristoteles vs. Hobbes