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Sprachmittlung und ihre Rolle im gegenwärtigen gymnasialen Spanischunterricht

Hausarbeit 2008 15 Seiten

Didaktik - Spanisch

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist Sprachmittlung / Kulturmittlung?

3. Wozu Sprachmittlung im Gymnasialunterricht?

4. Beispielaufgaben und Problematik der Bewertung
4.1 Beispielaufgabe a: Sommerurlaub
4.2 Beispielaufgabe b: EU
4.3 Beispielaufgabe c: Übersetzungsvarianten

5. Eigene Aufgabe
5.1 Stefan und Alonso
5.2 Lösungsvorschlag
5.3 Bewertung

6. Bibliographie

1. Einleitung

Angesichts des gesellschaftlichen Wandels und der Verschiebung von Prioritäten im gesellschaftlichen Leben, welche sich für die Schüler in den Kompetenzen konkretisieren, die im Berufsleben von ihnen gefordert werden, sehen sich die Kultus- bzw. Bildungsministerien in der Pflicht, die schulische Ausbildung um praxisbezogenere Aspekte zu erweitern, um dem Erlernten der Schüler mehr Bezug zum realen Leben zu geben. Im Zuge dieser Entwicklung wird dem Sprachunterricht eine tragende weil interkulturell vermittelnde Rolle zuteil. Der Schüler soll in die Lage versetzt werden, neben seiner Muttersprache nicht nur weitere Sprachen fließend zu beherrschen, sondern sich frei und sicher zwischen beiden Kulturen bewegen und agieren zu können. Dazu ist ein gewisses Maß an Allgemeinwissen über die jeweilige Kultur ebenso vonnöten wie die Fähigkeit, Sachverhalte sprachlich aber vor allem inhaltlich korrekt zu vermitteln. Die Schüler zu letzterem zu befähigen ist der Grundgedanke, auf Grund dessen die Sprachmittlung Teil des Bildungsplans geworden ist.

2. Was ist Sprachmittlung?

Es gilt zunächst, Definitionen zu Unterscheiden: Allgemein fasst man unter dem Begriff des Sprachmittlers die Berufe des Übersetzers und des Dolmetschers zusammen. Dies entspricht natürlich nicht der Definition im schulischen Bereich.

Im gymnasialen Bildungsplan Baden-Württembergs für Spanisch als dritte Fremdsprache wird Sprachmittlung als Kompetenz unter den Kommunikativen Fähigkeiten wie folgt definiert:

„Die Schülerinnen und Schüler können in zweisprachigen Situationen, in denen alltägliche oder ihnen vertraute, in Bezug auf den Wortschatz nicht zu schwierige Themen angesprochen werden, die wesentlichen Aussagen in der jeweils anderen Sprache mündlich und schriftlich wiedergeben.“[1]

Die Schüler sollen also im Gegensatz zur früher üblichen Herübersetzung (Übersetzung aus der Fremdsprache in die eigene Sprache) in der Lage sein, in beide Richtungen zu übersetzen, wobei die Übersetzung von der Fremdsprache in die eigene Sprache eher als Übertragung zu bezeichnen wäre. Dass sie, übertragen auf den konkreten Fall des Spanischunterrichts, am Ende der Gymnasialzeit nicht in der Lage sein werden, ebenso deutsche Texte ins Spanische zu übersetzen, wie sie spanische Texte ins Deutsche übersetzen, ergibt sich allein aus der geringeren Stunden- und Schuljahreszahl, die den zweiten und dritten Fremdsprachen eingeräumt wird bzw. zur Verfügung steht. Dennoch wird eine andere Sicht- und Herangehensweise erzielt, wenn nicht von bloßer Übersetzung in eine Richtung die Rede ist. Wichtig ist, dass das Wissen des Schülers als Bindeglied zwischen beiden Sprachen wirken soll, er sich zwischen beiden sprachlichen Welten verhältnismäßig sicher bewegen kann.

Es wird also weniger Wert auf Wiedergabe des genauen Wortlauts, als vielmehr auf Vermittlung des Inhalts gelegt. Somit handelt es sich um eine Entwicklung weg vom bloßen Übertragen gelernter Vokabeln aus der Ausgangs- in die Zielsprache, hin zum Verstehen zweier Kulturen, um die adäquate Übersetzung aus der Situation heraus bestimmen zu können. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Kulturmittlung.

An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass der Begriff der Sprachmittlung auch in der DDR bereits Verwendung fand und es sogar einen Studiengang „Sprachmittlung“gab, welcher mit dem „Diplom-Sprachmittler“ abgeschlossen wurde. Der verfolgte Ansatz ähnelt aus sprachwissenschaftlicher Sicht dem heutigen:

„Der Charakter der Sprachmittlung als sprachlicher Prozeß manifestiert sich darin, daß Sprachmittlung eine spezifische Art der Sprachverwendung ist, nämlich Texterzeugung durch Umkodierung. Die Anfangsgröße dieses Prozesses bildet ein Text einer Sprache L1, die Endgröße ein Text einer Sprache L2. In der Kommunikation sind diese Texte zunächst einmal Kommunikate, also materielle Gebilde, denen (vermittelt über das menschliche Bewusstsein) ein ideelles Korrelat zugeordnet ist, nämlich ein subjektives Abbild einer bestimmten Situation als eines Ausschnittes der objektiven Wirklichkeit. Als Kommunikat ist der Text ein ganzheitliches Zeichen, denn nur Texte als größte Gliederungseinheiten der Rede können als Ganzheiten Kommunikationsfunktion ausüben. Als Kommunikate sind der L1-Text und der L2-Text also als Ganzes Zeichen und als Ganzes Träger einer Nachricht, ebenso wie etwa ein Werk der bildenden Kunst oder ein künstlich geschaffenes Symbol, z.B. ein Verkehrszeichen, als unteilbare Einheit die Existenzweise eines Kommunikats als eines Mittels zur Veräußerlichung von Bewußtseinsinhalten sein kann.“[2]

3. Wozu Sprachmittlung im Gymnasialunterricht?

Studien wie PISA haben gezeigt, dass es den Schülern in Deutschland vor allem schwerfällt, Transfer zu leisten. Als beispielhaft hierfür galten Mathematikaufgaben, die Transfer forderten. Hier erreichten deutsche Schüler im internationalen Vergleich auffallend schlechte Ergebnisse, während sie bei der Anwendung eingeübter Lösungsabläufe durchschnittliche Ergebnisse erzielten. Dieser Mangel ließ sich auch auf andere Fächer übertragen.

So auch im Spanischunterricht. Letztlich ist es das Ziel der Sprachmittlung, den Schüler dazu zu bringen, dass er sich beim Übersetzen nicht fragt „Wie heißt das auf Spanisch?“, sondern vielmehr „Wie kann ich das auf Spanisch sagen?“. Es wird schlichtweg ein Stück kreatives Denken gefordert und damit auch gefördert. Außerdem entsteht so auch beim Schüler selbst ein Bewusstsein dafür, über welches Wissen und Vokabular er verfügt.

Auch kann es als Motivation angesehen werden, dass Kenntnisse und Fähigkeiten der Sprachmittlung in typischen Urlaubssituationen unmittelbar Anwendung finden, dem Schüler also klar wird, was er lernt und wozu.

Schließlich ist die Fähigkeit zur Übertragung von textlichen Inhalten in eine Zielsprache in ihrer Anwendung für die Schüler auch um einiges realitätsnäher und im Lebensverlauf wahrscheinlicher als die altbekannte Übersetzung, selbst wenn sie in ihrer späteren Karriere nicht explizit mit Fremdsprachen konfrontiert werden. Die Übersetzung hingegen dürfte konkrete Anwendung nur dann finden, wenn der Schüler später tatsächlich Dolmetschen oder Übersetzung studiert, und ihm für den alltäglichen Gebrauch nur bedingt hilfreich sein. Er soll aber befähigt werden, sich Texte mit unbekannten Vokabeln erschließen zu können, auch wenn er nicht in der vermittelnden Position ist, wie es die klassische Situation des Sprachmittlers impliziert, sondern ebenso für den eigenen Gebrauch. Zwilling spricht in diesem Zusammenhang vom „Übersetzen ohne Übersetzer“:

„Dabei ist nicht an maschinelle Übersetzung gedacht, bei der der Computer den Menschen scheinbar vertritt, in Wirklichkeit aber nur als sein weitgehend automatisiertes und durch den Menschen vorprogrammiertes Werkzeug fungiert, sondern jener Fall, wo die Rolle des Sprachmittlers vom Textbenutzer selbst übernommen wird – außerstande, die Information ,auf Anhieb‘ zu empfangen (aus Mangel an Sprachkenntnis), „verwandelt“ er sich in den eigenen Sprachmittler, indem er seine beschränkten Möglichkeiten zielstrebig mobilisiert und verschiedene Hilfsmittel einsetzt.“[3]

Der Fokus liegt also auf dem sprachlichen Zusammenhang, den der Schüler verstehen muss. Soll ein Text von ihm als Übung zur Sprachmittlung von einer Ausgangssprache in eine Zielsprache übertragen werden, so ist zunächst nötig, dass er weiß, in welchem Umfeld er sich sprachlich bewegt. Hier spielen also auch weitere Bestandteile des Fremdsprachenunterrichts wie Landeskunde und länderspezifische Vokabeln eine Rolle. Wenn er beispielsweise einen spanischen Text aus Argentinien ins Deutsche überträgt, in dem von „facturas“ die Rede ist, muss er wissen, dass es sich bei „facturas“ um Rechnungen oder Kaffeegebäck handeln kann, während bei einem Text aus Spanien davon auszugehen ist, dass von Rechnungen die Rede ist. Derlei Beispiele finden sich viele, vor allem im hispano-amerikanischen Spanisch. Somit muss dem Schüler, um erfolgreich Sprachmittlung betreiben zu können, auch ein kulturelles Grundwissen zur Verfügung stehen.

[...]


[1] Bildungsstandarts für Spanisch (3. Fremdsprache) Gymnasium – Klasse 10, Kursstufe, S. 356, unter: www.bildung-staerkt-menschen.de

[2] Otto Kade „Die Sprachmittlung als gesellschaftliche Erscheinung und Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung“, Leipzig: Enzyklopädie Leipzig (1980), S. 17

[3] Stefan Zwilling „Zur Definierbarkeit des Translationsbegriffs“, in: Wissenschaftliche Grundlagen der Sprachmittlung, herausgegeben von Heidemarie Salevsky. Frankfurt am Main: Peter Lang (1992), S.169

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640753147
ISBN (Buch)
9783640753345
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161406
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,5
Schlagworte
Sprachmittlung Rolle Spanischunterricht

Autor

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Titel: Sprachmittlung und ihre Rolle im gegenwärtigen gymnasialen Spanischunterricht