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Belastungen von Kindern psychisch kranker Eltern

Rückschlüsse für die Soziale Arbeit

Hausarbeit 2010 25 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1 Psychische Störung
2.2 Entwicklungspfade

3. Die Belastungen von Kindern psychisch kranker Eltern
3.1. Objektiver Zugang zu den Belastungen der Kinder psychisch kranker Eltern
3.1.1 Depressionen
3.1.2 Schizophrenie
3.1.3 Alkoholsucht
3.1.4 Persönlichkeitsstörungen
3.2. Subjektiver Zugang
3.2.1. Bindung
3.2.2. Auswirkungen auf den Familienalltag
3.2.3. Fehlende Unterstützung

4. Patenschaftsmodell

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Bringen sie mir blaue Flecken am Kind. Vorher kann ich nichts machen. Wie soll ich das begründen, das Psychische beim Kind sieht man ja nicht“

Aussage einer Sozialarbeiterin in einem Hilfeplangespräch In einer akuten depressiven Krise einer Mutter eines 7- jährigen Kindes forderten die zuständigen Familienhelfer eine Erhöhung der Betreuungs­stunden, da der suchtkranke Lebensgefährte der Mutter mit der aktuellen Situation allein vollends überfordert war. Durch das Nichtgewähren angemessener Hilfeangebote seitens der Jugendhilfe und weiteren nachfolgenden Krisen der Kindesmutter wurde ein Jahr später die Unterbringung des Kindes in einer Pflegefamilie, durch intensives Anraten des Jugendamts und der Eltern, initiiert. Einer Lösung der Krise durch zum Beispiel Erhöhung der Betreuungsstunden oder auch durch die Suche nach Alternativen wurde keine Chance gegeben.

Dies ist nur ein Erfahrungsbeispiel aus der Praxis und Grund dafür, sich in der vorliegenden Hausarbeit mit der Situation von Kindern psychisch kranker Eltern zu beschäftigen. Die gehäuften Anfragen bezüglich der Begleitung psychisch kranker Eltern, die ich in meiner alltäglichen Arbeit immer wieder erhalte und nicht bedienen kann, sind eine weitere Motivation zum Schreiben über dieses Thema. Es wird immer wieder deutlich, wie viele betroffene Familien es doch offensichtlich gibt.

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit richtet sich auf die Belastungen der betroffenen Kinder und die daraus entstehenden Anforderungen an die Soziale Arbeit.

Die Hausarbeit beginnt mit der Begriffsbestimmung. Im Anschluss daran werden ausgewählte Störungsbilder der Eltern und deren mögliche Auswirkungen auf die Kinder betrachtet. Weiterhin geht es um den subjektiven Zugang zu den Belastungen der Kinder.

Der letzte Teil beschäftigt sich mit dem Patenschaftsmodell und eigenen Rückschlüssen hinsichtlich der Sozialen Arbeit.

In der Fachöffentlichkeit wurden die Lebenswelten der Kinder psychisch kranker Eltern zum ersten Mal im Jahre 1996 auf dem Kongress Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern vorgestellt und diskutiert, obwohl die Forschung sich mit diesem Problem bereits seit den 30ger Jahren beschäftigt. Initiatoren dieses Kongresses waren der Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK) und der Dachverband Psychosozialer Hilfsvereinigungen.1

Die Anzahl der betroffenen Kinder bewegt sich in der Bundesrepublik scheinbar zwischen 500 0002 und 3.000 0003, wobei von einer enormen Dunkelziffer ausgegangen werden muss.

2. Begriffsklärung

2.1 Psychische Störung

In jüngerer Zeit wurde der Begriff der psychischen Störung anstelle der Begriffe psychische Erkrankung oder psychische Krankheit eingesetzt, um Stigmatisierungen zu vermeiden und eine Wertneutralität zu schaffen.

Eine einheitliche Definition des Störungsbegriffs ist aufgrund verschiedener Sichtweisen bisher nicht verfügbar. So sind im Rahmen des jeweiligen Weltbildes schlüssige Störungsmodelle aus verschiedenen Disziplinen und Fachrichtungen die Grundlage für Theorien und Forschungsansätze, als auch für Interventionsverfahren. Diese Modellvielfalt reicht von biologischen über psychologische bis hin zu soziokulturellen Modellen4.

Psychische Störungen sind von der Norm abweichende Verhaltens- und Erlebensweisen eines Menschen, die für ihn oder seine Umgebung mit Beeinträchtigungen verbunden sind. Sie gehen mit dem Verlust bereits erworbener Funktionen und mit psychosozialen Beeinträchtigungen einher.“5 Psychische Störungen werden anhand verschiedener Symptome charakterisiert und in kategorialen (z.B. ICD-10, DSM-IV) oder dimensionalen Klassifikations­systemen beschrieben.

So wird im DSM-IV zum Beispiel die psychische Störung als ein klinisch bedeutsames Syndrom des Verhaltens und Erlebens aufgefasst, das bei einer Person mit momentanem Leiden oder einer Funktionsbeeinträchtigung oder mit einem stark erhöhten Risiko einhergeht, Schmerz, Beeinträchtigung oder einen tief greifenden Verlust an Freiheit zu erleiden. Dieses Syndrom darf nicht nur eine verständliche Reaktion auf ein bestimmtes Ereignis (wie z.B. den Tod eines geliebten Menschen) sein. Ferner muss gegenwärtig eine Störung psychischer und biologischer Funktionen bei der Person zu beobachten sein“6

Sowohl in der Literatur als auch in der vorliegenden Arbeit werden die Begriffe psychische Störung, psychische Krankheit und psychische Erkrankung weitgehend synonym benutzt, auch wenn sich zukünftig der Begriff der psychischen Störung durchsetzen sollte.

2.2 Entwicklungspfade

Innerhalb entwicklungspsychopathologischer Überlegungen können so genannte Entwicklungspfade als Metaphern helfen, die komplexen Beziehungen innerhalb der kindlichen Entwicklung zu beschreiben. Dabei ist mit Entwicklung der Raum zwischen aufeinander folgenden psychosozialen Anpassungsniveaus von Personen gemeint. So kann untersucht werden, warum Kinder innerhalb ihrer Entwicklung eine Abweichung von der Norm, eine fehlangepasste Entwicklung, zeigen. Dieses Modell der Entwicklungspfade beruht dabei auf fünf Hauptannahmen:

1. „Störungen sind Abweichungen vom normalen Entwicklungsverlauf über die Zeit.
2. Unterschiedliche Pfade können zu einem ähnlichen manifesten Entwicklungsausgang führen (Äquifinalität).
3. Unterschiedliche Entwicklungsausgänge können auf den gleichen Pfad zurückführbar sein (Multifinalität).
4. Veränderung ist zu vielen Punkten möglich.
5. Veränderung wird durch vorhergehende Anpassungsprozesse einge­schränkt.“7

Ob ein Kind einen Entwicklungspfad einschlägt, der zu einer Fehlanpassung und damit zum Risiko der Ausbildung einer Störung führt, hängt von der Gesamtheit aller biopsychosozialen Umgebungsbedingungen ab. Dabei werden risikoerhöhende Bedingungen beschrieben, die das Risiko einer fehl- angepassten Entwicklung erhöhen und risikomildernde Bedingungen, die dieses Risiko senken.8

In der vorliegenden Arbeit kann nach diesem Modell die psychische Erkrankung der Eltern als eine risikoerhöhende Bedingung für das Kind gesehen werden. Pathologie ist dabei dann das Ergebnis wiederholter Fehlanpassungen, die das Kind auf einen Pfad lenken, der potenziell in eine Störung mündet.

Nach den oben genannten Hauptannahmen besteht aber jederzeit die Möglichkeit der Rückkehr zu einem positiven Entwicklungsverlauf (siehe 4. Hauptannahme). Um innerhalb der Sozialen Arbeit den Kindern psychisch kranker Eltern eine wirksame Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen, scheint es daher notwendig, zum einen risikoerhöhende Bedingungen wenn möglich auszuschließen und zum anderen risikomildernde Bedingungen zu untersuchen, um diese in Form von konkreten Maßnahmen und Angeboten in die berufliche Praxis zu übertragen.

3. Die Belastungen von Kindern psychisch kranker Eltern

„Neben den akuten Symptomen, der Dauer und dem Verlauf der Krankheit werden verschiedene Auswirkungen auf das alltägliche Leben als Belastungen genannt."9

Diese Belastungen können aus verschiedenen Sichtweisen heraus betrachtet werden . Zum einen beschrieb Albert Lenz einen objektiven Zugang:

„Mit objektiven Zugang zu den Belastungen ist der Forschungsstand zu den Folgewirkungen der elterlichen psychischen Erkrankung auf die Entwicklung gemeint.“10

Zum anderen wurden die untersuchten Belastungen aus einem subjektiven Zugang heraus betrachtet:

„Der subjektive Zugang eröffnet einen Einblick,..., in ihre Gefühle, Erfahrungs­und Erlebniswelten...“11

Im folgenden soll diese Zweiteilung des Zugangs zu den individuellen Belastungen der Kinder übernommen werden.

[...]


1 Vgl. http:// www.psychiatrie.de/familienselbsthilfe/article/Einladung_zum_09-03-2010.html (15.01.2010)

2 Vgl. Remschmidt/ Mattejat 1994, S.5

3 Vgl. Lägel 2009, http:// Kindertagung.de/handout/content/html/PDF/Handouts/D-106-laegel.pdf (24.01.2010)

4 Vgl. Petermann/Niebank/Scheithauer 2004, S. 295 ff.

5 Petermann,/Niebank/Scheithauer 2004, S. 299

6 Becker 2005, S. 511

7 Vgl. Petermann/Nienbank/ Scheithauer, 2004, S. 282

8 Vgl. ebd.

9 Lenz 2008a, S. 26

10 Ebd. S. 11

11 Ebd. S. 24

Details

Seiten
25
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640745838
ISBN (Buch)
9783640746439
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161387
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Note
1,3
Schlagworte
Belastungen Kindern Eltern Rückschlüsse Soziale Arbeit

Autor

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Titel: Belastungen von Kindern psychisch kranker Eltern