Lade Inhalt...

Erfolgsfaktoren im Radiomanagement fremdsprachiger Radiosender am Beispiel von Radio Russkij Berlin

Bachelorarbeit 2010 81 Seiten

Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundbegriffe des Radiomanagements

3. Erfolgsmessung
3.1 Erfolg
3.2 Erfolgsmessung bei deutschsprachigen Radiosendern
3.2.1 Quantitative Erfolgsmessung
3.2.2 Qualitative Erfolgsmessung
3.3 Erfolgsmessung bei fremdsprachigen Radiosendern

4. Erfolgsfaktoren für fremdsprachige Radiosender
4.1 Externe Faktoren
4.1.1 Sendelizenz
4.1.2 Sprachkenntnisse der Bevölkerung
4.2 Interne Faktoren
4.2.1 Programmformatwahl
4.2.2 Nachrichtenthemen
4.2.3 Mitarbeiter
4.2.4 Moderatoren

5. Beispiel Radio Russkij Berlin
5.1 Bewertung des Erfolgs von Radio Russkij Berlin
5.1.1 Analyse der Erhebungen der ag.ma Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V
5.1.2 Aufbau und Auswertung der Hörerumfrage
5.1.3 Weitere Erfolgsindikatoren
5.1.4 Zwischenfazit
5.2 Erfolgsfaktoren für Radio Russkij Berlin
5.2.1 Erfolgsfaktor: Sendelizenz
5.2.2 Erfolgsfaktor: Sprachkenntnisse der Bevölkerung
5.2.3 Erfolgsfaktor: Programmformatwahl
5.2.4 Erfolgsfaktor: Nachrichtenthemen
5.2.5 Erfolgsfaktor: Mitarbeiter
5.2.6 Erfolgsfaktor: Moderatoren
5.2.7 Andere Erfolgsfaktoren

6. Zusammenfassung

Anhang I

Gesprächsprotokoll 1

Gesprächsprotokoll 2

Anhang II - Erhebungen der ag.ma Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V

Anhang III - Hörerumfrage

Fragebogen

Antworten der Umfrage

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Durchschnittlicher Kostendeckungsgrad des privaten Hörfunks

Abbildung 2: Verringerung der potenziellen Hörerschaft durch Spartenformate

Abbildung 3: Radionutzung der russischsprachigen Bevölkerung in Berlin

Abbildung 4: Halten Sie Radio Russkij Berlin für erfolgreich?

Abbildung 5: Welches Image hat Radio Russkij Berlin Ihrer Meinung nach?

Abbildung 6: Wie regelmäßig hören Sie Radio Russkij Berlin?

Abbildung 7: Wie wichtig istes Ihnen, einen russischsprachigen Radiosender zu haben?

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Die in Deutschland am häufigsten angewandten Programmformate

Tabelle 2: Preise undAuszeichnungenim SendegebietBerlin/Brandenburg

Tabelle 3: Programmformate privater Radioanbieter

Tabelle 4: Geschlechterverteilung der Befragten

Tabelle 5: Haben Sie schon einmal Radio Russkij Berlin gehört?

Tabelle 6: Wie gefällt/gefallen Ihnen

Tabelle 7: Zusammenfassung der Erfolgsmessung

Tabelle 8: Für wie wichtig halten Sie folgende Faktoren für den Erfolg eines russischsprachigen Radiosenders in Deutschland?

Tabelle 9: Welche anderen Radiosender hören Sie?

1. Einleitung

Der Ausdruck „Russen" wird oftmals synonym für Einwanderer aus allen Ländern der ehemaligen Sowjetunion gebraucht. Die Anzahl der hier lebenden russischen Muttersprachler ist nicht genau bekannt, die Schätzungen reichen von 100.0001 bis zu 300.000, die von Rusmedia, dem Mutterunternehmen von Radio Russkij Berlin, angegeben werden.2 Als offiziell in Berlin gemeldete russische Staatsbürger werden 30.000 Menschen genannt.3 Die Botschaft der Russischen Föderation in Deutschland geht von ca. 200.000 bis 300.000 Menschen aus.4 Bereits in den 1920er Jahren gab es in Berlin eine große russische Gemeinde. „Man nimmt Bezug auf das russische Berlin der zwanziger Jahre, als Berlin nach Oktoberrevolution und Bürgerkrieg mit mehr als 300.000 Flüchtlingen vorübergehend Hauptstadt des russischen Exils und Zentrum der russischen Kultur außerhalb Russlands war, [,..]."5 Damals wie heute sprach man vom „russkij Berlin" (russisches Berlin), was - viel eher als reine Immigrantenzahlen - das wahrgenommene Gefühl ausdrückt, Berlin bisschen russisch geworden. „Man redet vom neuen russischen Berlin. Kein Wunder. Überall in der Stadt hört man Russisch."6 Das neue russische Berlin ist nach der Wende und dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden. Die Menschen wollten ihre neue Reise- und Lebensmöglichkeiten nutzen, um sich und ihren Kindern einen besseren Lebensstandard zu bieten. Nachdem sie über Generationen in einem starren sowjetischen System gelebt hatten, war 1990/1991 die Welt plötzlich nicht mehr zweigeteilt, sondern frei zugänglich. „Das neue Russische Berlin ist das Ergebnis einer Normalisierung und des Wiedereintritts von Berlin in den Kreis der großen Städte im Zeitalter der zweiten Globalisierung."7 Die Größe der heutigen russischen Gemeinde ist auch deswegen nicht leicht genau zu bestimmen, da sie sich seither aus unterschiedlichen Gruppen zusammengesetzt hat: Einige Immigranten gelten beispielsweise als (Spät-)Aussiedlern (auch Russlanddeutsche genannt). Sie sind Deutsche, deren Familien seit einer oder mehreren Generationen in Russland oder anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion gelebt haben und nun nach Deutschland zurückkehren. Die Anzahl dieser (Spät-)Aussiedler, die im Grundgesetz als „deutsche Volkszugehörige" bezeichnet werden,8 und ihrer Ehegatten wird auf 55.000 geschätzt.9 Die Größe der russischen jüdischen Gemeinde, die unter gesonderten Bedingungen nach Deutschland einwandern konnten,10 beläuft sich auf ca. 16.000 Menschen.11 „Dazu kommt eine große Zahl von Menschen aus den GUS-Staaten [Anm. d. Verf.: Gemeinschaft Unabhängiger Staaten], die in Berlin mit einer Arbeitserlaubnis oder auch schwarz arbeiten."12 Weiterhin gibt es russische Ehefrauen und Ehemänner deutscher Staatsbürger, Au-Pairs, Gaststudenten sowie Flüchtlinge und Asylbewerber beispielsweise aus Georgien, Armenien oder Tadschikistan. Je älter die Menschen bei ihrer Immigration waren, umso schwerer fällt es ihnen, sich die deutsche Sprache anzueignen und sich demnach im deutschen Umfeld zurechtzufinden.13 Dies ist sicherlich mit ein Grund dafür, dass im Laufe der letzten zwanzig Jahre viele Produkte und Dienstleistungen auf Russisch angeboten werden. Es gibt russische Ärzte und Anwälte, russische Geschäfte, russische Restaurants und Cafés, sowie Wladimir Kaminers „Russendisko" im Kaffee Burger. „Auch wenn man nicht von einer ,Stadt in der Stadt’ sprechen will, ist offensichtlich, daß [sic!] sich ein dichtes Netzwerk herausgebildet hat, in dem man im Grunde leben kann, ohne es je verlassen zu müssen [,..]."14 Zu dieser russischen Infrastruktur in Berlin zählen auch Medien, wie Zeitungen, Zeitschriften und eben der Radiosender Radio Russkij Berlin. Fremdsprachige Medien können einen Beitrag zur Integration der Immigranten leisten und sollten daher nicht unbeachtet bleiben: „Immigranten müssen sich wohl fühlen, um sich zu integrieren und für das Land etwas zu tun, zu arbeiten. Wenn also eine Behörde beschließt, einen russischen Radiosender zu erlauben, dann fühlen sich die Immigranten akzeptiert."15 Die Zielgruppe der russischsprachigen Immigranten nimmt Einfluss auf die Entstehung neuer Medien und auf diese Weise auch auf die Entwicklung der Medienlandschaft Berlins. Dies war der ausschlaggebende Grund für die Themenwahl dieser Abschlussarbeit, deren Ziel es ist, Erfolgsfaktoren für das Radiomanagement fremdsprachiger Radiosender herauszuarbeiten und herauszufinden, ob Radio Russkij Berlin ein erfolgreicher fremdsprachiger Radiosender ist. Dazu gehört auch die Überprüfung der gängigen Kennzahlen der Erfolgsmessung auf ihre Tauglichkeit bezüglich fremdsprachiger Radiosender. Die Methodik ergibt sich wie folgt: Nach einigen grundlegenden Erläuterungen zum Radiomanagement werden zunächst Kennzahl und Indikatoren der Erfolgsmessung vorgestellt und anschließend für die Anwendung am fremdsprachigen Radio analysiert. Anschließend werden Erfolgsfaktoren vorgestellt, die für fremdsprachige Radiosender erfolgsbestimmend sind. Darauf aufbauend soll durch Auswertung fremder Quellen und einer im Rahmen dieser Arbeit angefertigten Studie festgestellt werden, ob Radio Russkij Berlin erfolgreich ist. Es wird untersucht, ob die aufgezeigten Erfolgsfaktoren bei Radio Russkij Berlin zum Tragen kommen und welche Bedeutung ihnen von den befragten Hörern dieses Radiosenders beigemessen wird.

2. Grundbegriffe des Radiomanagements

In diesem Kapitel werden einige Begriffe und Definitionen des Radiomanagements erläutert, die zum weiteren Verständnis dieser Arbeit hilfreich sind. Radio zählt zum Rundfunk und wird auch als Hörfunk bezeichnet.

Zunächst soll auf die Übertragungswege des Radios eingegangen werden: Radioprogramme können heutzutage auf unterschiedlichen Wegen gesendet werden, die üblichste Nutzung ist dabei der per UKW-Frequenzen (Ultrakurzwelle) übermittelte Hörfünk. Die Modulationsart bei UKW-Frequenzen ist die Frequenzmodulation (FM),16 weshalb einige Radiosender FM im Namen tragen.17 Daneben kann Radio auch über Kurz-/Mittel-/Langwellen-Frequenzen, DAB/DRM (Digitales Radio), Kabel, Satellit und das Internet empfangen werden.18 Obwohl das digitale Radio in den nächsten Jahren den analogen Hörfunk (UKW, Kurz-/Mittel-/Langwelle) ersetzen soll, ist diese Entwicklung noch nicht sehr weit vorangeschritten.19 Es wird daher nicht in die folgenden Betrachtungen und Analysen einbezogen. Das Internetradio ist weltweit in theoretisch gleicher Qualität empfangbar, sodass eine Abgrenzung zwischen fremdsprachigen und nicht-fremdsprachigen Radiosendern und heimischen oder ausländischen Radiosendern schwierig ist und keinen Sinn macht. Ein russischsprachiger Internetradiosender wird in Deutschland als fremdsprachiger und in Russland inländischer Sender wahrgenommen. Die Nichtausschließbarkeit von Hörern anderer kultureller und geografischer Regionen macht eine Analyse potenzieller Erfolgsfaktoren für den Radiomarkt in Berlin beinahe unmöglich. Im Rahmen dieser Arbeit ist mit Radio daher stets der UKW-Hörfunk gemeint.

Zudem werden die Radioangebote neben der Übertragungsart weiterhin in öffentlich-rechtliche und private Radiosender gegliedert. Öffentlich-rechtliche Radiosender finanzieren sich über Rundfunkgebühren20 und verfolgen einen sogenannten Programmauftrag21, der den öffentlich-rechtlichen Radiosendern - wie auch den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern - den Auftrag erteilt, eine Grundversorgung mit Informations-, Bildungs- und Unterhaltungsangeboten zu gewährleisten.22 Private Radiosender sind nicht an diesen Programmauftrag gebunden. Sie erhalten Lizenzen der Landesmedienanstalten und müssen sich nach den Angaben richten, die sie selbst bei der Bewerbung um eine Frequenz gemacht haben. Des Weiteren gibt es Sonderformen des Hörfunks: „studentische Campusradios, offene Kanäle, Initiativradios, Militär- und Auslandssender und auch spezielle Ausbildungsradios."23

Ein Radiosender, der sich hauptsächlich über Werbeeinnahmen finanziert, wird als kommerzieller Radiosender bezeichnet. In der Regel sind private Radiosender kommerzielle Sender.

Radiosender sind neben der Einteilung in private und öffentlich-rechtliche Sender zudem bestimmten Programmformaten zuzuordnen. Das Programmformat legt die Musikrichtung, den Musikanteil, den Wortanteil und den Informationsanteil fest. Beschließt ein Radiosender ein bestimmtes Programmformat auszustrahlen, so entscheidet er sich auch für eine bestimmte Zielgruppe, die er mit diesem Programmformat ansprechen möchte. Das Programmformat sorgt für eine Wiedererkennbarkeit des Senders. Der Hörer kann den Radiosender von den Wettbewerbern unterscheiden.24 Zumeist bezieht sich das Programmformat in erster Linie auf die ausgewählten Musikrichtungen, da für die meisten Hörer die Musikrichtung das wichtigste Entscheidungskriterium für oder gegen einen Radiosender ist.25 Die Übergänge zwischen den Programmformaten können nicht immer klar abgegrenzt werden, außerdem gibt es Mischformen und Subformate. In Tabelle 1 werden die gängigsten Programmformate vorgestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Die in Deutschland am häufigsten angewandten Programmformate26

3. Erfolgsmessung

In diesem Kapitel wird zunächst definiert, wie Erfolg bei Radiosendern zu verstehen ist. Im Anschluss daran werden Kennzahlen und Indikatoren der quantitativen und qualitativen Erfolgsmessung vorgestellt, um abschließend zu überprüfen, ob und wie sie bei der Erfolgsmessung fremdsprachiger Radiosender angewendet werden können.

3.1 Erfolg

Erfolg bezeichnet im Allgemeinen das ,,[...] positive Ergebnis einer Bemühung oder das Eintreten einer erstrebten Wirkung."27 Daher ist die Messung des Erfolges direkt von der Definition des Zieles abhängig, die je nach Zweck des Radios unterschiedlich ausfallen kann. Ist es beispielsweise das Ziel eines Radiosenders persönliche Vorlieben des Eigentümers zu erfüllen oder eine bestimmte Gruppe von Menschen zu erreichen, wie beispielsweise bei einem Campusradio, so kann die Erreichung des Ziels direkt messbar und unabhängig von branchentypischen Kennzahlen oder der qualitativen Ausprägung sein. Bei einem Campusradio kann diese Gruppe befragt werden, ob sie den Radiosender empfängt und auch hört. Gibt ein Großteil der Befragten an, dass dies der Fall ist, ist der Radiosender erfolgreich, auch ohne seine eigenen Kosten mit Werbeeinnahmen zu können.

Ist es aber das Ziel eine bestimmte Musikrichtung auszustrahlen, so ist dieses Ziel dann erreicht, wenn der Radiosender die Lizenz erhalten hat auf einer bestimmten Frequenz sein Programm auszustrahlen, unabhängig davon, ob und wie viele Hörer der Sender hat oder, ob er wirtschaftlich erfolgreich ist.

Die Definition des Zieles ist also maßgeblich für die Überprüfung des Erfolges eines Radiosenders. In der Regel muss ein Radiosender sich allerdings selbst finanzieren und daher neben dem Hörermarkt auch den Werbemarkt im Blickfeld haben, um genügend Einnahmen aus Werbung generieren zu können. Trotz neuerer Einnahmequellen wie Sponsoring, Werbegewinnspielen oder eigenen Gewinnspielen stellen Werbeeinnahmen nach wie vor die Haupteinnahmequelle privater Radiosender dar.28 „Das primäre Ziel eines kommerziellen Hörfunksenders ist sein wirtschaftli- eher Erfolg."29 Dieser ist die Voraussetzung zur Erreichung aller anderen eventuell gesetzten Ziele und kann daher nicht außer Acht gelassen werden. Nur wenn die Finanzierung eines Radiosenders sichergestellt ist, kann er seine geplanten Vorhaben umsetzen, ohne um seine wirtschaftliche Existenz zu fürchten.

Neben dem wirtschaftlichen Erfolg können ebenfalls andere Faktoren für den Gesamterfolg eines Radiosenders sprechen. Wie viele Hörer den Radiosender wie wahrnehmen, ist ebenfalls von Bedeutung, da Radiosender in der Regel nicht aus reinem Selbstzweck existieren, sondern Menschen unterhalten oder informieren möchten.

In dieser Arbeit wird der Erfolg deswegen als eine Kombination aus positivem wirtschaftlichen Erfolg und einer positiven Wahrnehmung durch die Hörer definiert. Im Folgenden werden Wege der quantitativen und qualitativen Erfolgsmessung vorgestellt, anhand derer der Erfolg eines Radiosenders beurteilt werden kann. Die vorgestellten Kennzahlen und Indikatoren müssen stets ergänzend zu einander betrachtetwerden, da sie jeweils nur Teilaspekte des Erfolges berücksichtigen. Bei der Analyse des Erfolgs von fremdsprachigen Radiosendern müssen eine Reihe von Faktoren berücksichtigt werden, um die Aussagekraft der Daten richtig beurteilen zu können. Daher wird zunächst die Erfolgsmessung bei deutschsprachigen Radiosendern dargestellt, um anschließend die Besonderheiten fremdsprachiger Radiosender zu analysieren.

3.2 Erfolgsmessung bei deutschsprachigen Radiosendern 3.2.1 Quantitative Erfolgsmessung

Die quantitative Erfolgsmessung besteht aus einer Reihe von Kennzahlenanalysen, die vom Radiosender selber oder von unabhängigen Organisationen erhoben werden. Primäres Ziel einer Kennzahl im Sinne der quantitativen Erfolgsmessung ist die Selbstauskunft eines Unternehmens. Einige Kennzahlen können der Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens entnommen werden und dienen eher der internen Evaluierung des Unternehmenserfolges. Hinzu kommen Kennzahlen die genutzt werden, um Werbekunden zu akquirieren. Zur quantitativen Erfolgsmessung können beliebig viele Daten ermittelt werden, die den Erfolg widerspiegeln können. Im Folgenden wird sich allerdings auf die gängigsten Kennzahlen beschränkt: Weitester Hörerkreis, Tagesreichweite, Hördauer, Verweildauer, Stammhörer, Marktanteil, Reichweite, Hörer pro Stunde, Tausender-Kontakt-Preis, Werbeumsatz, Umsatz, Gewinn, Kostendeckungsgrad, Anzahl fester Mitarbeiter.

Im Raum Berlin/Brandenburg werden zweimal im Jahr einige Kennzahlen von der ag.ma Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. im Auftrag der mabb Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg erhoben.

Der „weiteste Hörerkreis" beispielsweise gibt an, wie viele Menschen den betreffenden Radiosender innerhalb der letzten 14 Tage gehört haben. Im Rahmen dieser Erhebungen wird auch die „Tagesreichweite" ermittelt. Sie gibt die Anzahl der Menschen wieder, die im Verlauf eines Tages über einen Zeitraum von mindestens 15 Minuten den betreffenden Radiosender gehört haben. Weiterhin wird die „Hördauer" und „Verweildauer" erhoben: Während die „Hördauer" die durchschnittliche Dauer des Hörens aller Befragten angibt, bezieht sich die „Verweildauer" auf die durchschnittliche Dauer des Hörens der Hörer. Sie gibt also an, wie lange der Hörer bei einem Radiosender „verweilt", während die Hördauer einen Durchschnittswert der Bevölkerung bildet. Neben den Hörern wird auch die Anzahl der „Stammhörer,, ermittelt, die alle einschließt, die den Radiosender an vier bis sechs Tagen pro Woche hören. Die beiden Kennzahlen „Marktanteil" und „Reichweite" sind relative Grö­ßen, die sich auf die Befragten insgesamt oder eine bestimmte Zielgruppe beziehen. Der „Marktanteil" beschreibt den Anteil der „Hördauer" an der Gesamthördauer des Mediums Radio. Die „Reichweite" gibt den Anteil der erreichten Personen an der Gesamtzahl der Bevölkerung oder der Zielgruppe an.30

Neben den von der ag.ma Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. erhobenen Daten gibt es auch weitere Kennzahlen, die von den Radiosendern selbst erhoben werden oder von den Daten der ag.ma Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. abgeleitet werden. So gibt die Kennzahl „Hörer pro Stunde" an, welche die durchschnittliche Anzahl von Hörern innerhalb einer Stunde ist. Dazu wird vom Radiosender - in der Regel von 06:00 bis 18:00 Uhr - mehrfach gemessen, wie viele Menschen den Radiosender innerhalb einer Stunde hören, um dann das Mittel der gemessenen Werte zu bestimmen.31 Dieser Wert ist vor allem für Werbekunden von Interesse und wird daher auch in den Mediadaten von Radiosendern angegeben.32 Der „Tausender­Kontakt-Preis" (TKP) stellt ebenfalls eine werberelevante Kennzahl dar. Sie hat die „Tagesreichweite" als Grundlage und gibt an, wie viel es das werbende Unternehmen kostet, dass ein Radiospot tausend Kontakte erreicht. Der Preis pro Werbespot wird mit tausend multipliziert und durch die Tagesreichweite dividiert.33 Dadurch können werbetreibende Unternehmen leichter die Preise von verschiedenen Radiosendern vergleichen.34 Diese Kennzahl kann zur Erfolgsmessung verwandt werden, da ein erfolgreicherer Radiosender auch im Stande ist, höhere Preise für seine Werbeplätze zu verlangen. Der Preis der Werbeplätze wird durch den Markt - Angebot und Nachfrage - reguliert. Die Hörerzahlen oder das Image (vergleiche 3.2.2) beeinflussen, welche Preise ein Radiosender fordern kann. Ist ein Radiosender erfolgreich oder wird er als erfolgreich wahrgenommen, so sind seine Preise vermutlich höher. Unter der gleichen Erwägung kann der Werbeumsatz eines Radiosenders als Kennzahl der Erfolgsmessung herangezogen werden. Der Werbeumsatz bezeichnet alle aus Werbung generierten Umsätze. Da sich der Werbepreis am Markt orientieren muss, kann anhand des Werbeumsatzes ebenfalls beurteilt werden, wie die werbetreibende Wirtschaft den Radiosender als Werbeträger einschätzt.

Der Umsatz gibt an, wie viel Geld der Radiosender in der letzten Abrechnungsperiode eingenommen hat, er lässt sich aus der Gewinn- und Verlustrechnung entnehmen (Umsatzerlöse). Neben den Werbeeinnahmen gibt es auch andere Erlösquellen wie Gewinnspiele, die beispielsweise von dem niedersächsischen Privatsender Hit­Radio Antenne Niedersachsen in einer neuen Art und Weise als zusätzliche Erlösquelle genutzt werden.35 Der Gewinn wird durch Abzug in der Abrechnungsperiode entstandenen Kosten vom Umsatz ermittelt. Umsatz und Gewinn können im Vergleich zu früheren Abrechnungsperioden oder im Vergleich zu Wettbewerbern betrachtet werden, um aus der Konstanz oder Entwicklung dieser Kennzahlen eine Aussage über den unternehmerischen und wirtschaftlichen Erfolg des Radiosenders treffen zu können. Umsatz und Gewinn geben Auskunft darüber, wie der Radiosender geführt wird. Während die anderen Kennzahlen den Hörer analysieren und damit Aufschluss darüber geben, ob das Programm den Hörern gefällt, sind Umsatz und Gewinn rein wirtschaftliche Daten.

Um den wirtschaftlichen Erfolg zu beurteilen, muss stets die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland betrachtet werden: eine veränderte Mediennutzung, Branchenkrisen oder außergewöhnliche Ereignisse können den Gewinn und den Umsatz schmälern oder erhöhen. Um sich mit anderen Radiosendern leichter zu vergleichen, kann der Kostendeckungsgrad herangezogen werden. Dieser gibt prozentual an, zu welchem Teil die Kosten innerhalb einer Abrechnungsperiode gedeckt werden konnten. Der durchschnittliche Kostendeckungsgrad wird in unregelmäßigen Abständen von den Arbeitsgemeinschaften der Landesmedienanstalten in der Bundesrepublik Deutschland erhoben (vergleiche Abbildung 1) und kann dazu dienen, einen Radiosender mit der durchschnittlichen Entwicklung auf dem privaten Radiomarkt zu vergleichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

AlleAnbieter Bundesweiter Landesweiter LokalerUKW- DAB-Hörfunk UKW-Hörfunk UKW-Hörfunk Hörfunk

Abbildung 1 Durchschnittlicher Kostendeckungsgrad des privaten Hörfunks36

Ein weiterer Indikator, der zur Erfolgsmessung dienlich sein kann, ist die Anzahl der festen Mitarbeiter. In der Medienbranche ist es üblich, auf Festangestellte vor allem bei der redaktionellen Arbeit zu verzichten und einen hohen Anteil von freien Mitarbeitern zu beschäftigen. Im Raum Stuttgart konnte im Jahr 2002 eine Zahl von 78.750 freien Mitarbeitern bei 231.000 festen Mitarbeitern in der Medienbranche gemessen werden.37 Die Zahl freier Mitarbeiter entsprach also einem Viertel der Gesamtbeschäftigten. Eine hohe Anzahl fester Mitarbeiter kann daher auf finanzielle Stabilität im Unternehmen hindeuten, was für den Erfolg eines Unternehmens spricht.

3.2.2 Qualitative Erfolgsmessung

Bei der qualitativen Erfolgsmessung werden Indikatoren untersucht, die sich schlecht oder gar nicht quantifizieren lassen. Die benötigten Daten sind häufig rein subjektive Einschätzungen oder nur mit sehr großem Aufwand zu ermitteln oder beides.

Zu dieser Art der Erfolgsmessung zählt unter anderem das Image, welches beschreibt, wie eine Person, ein Unternehmen oder ein Objekt von der Masse wahrgenommen wird. Es ist deswegen schwer festzustellen, da es auf unterschiedlichste Art und Weise beschrieben werden kann: So kann durch Erhebungen beispielweise festgestellt werden, ob die Schallplatte als Tonträger ein positives oder negatives Image hat. Es ist allerdings anzunehmen, dass die Ergebnisse einer solchen Umfrage ähnlich den Ergebnissen einer Umfrage bezüglich der CD wären. Beide Medien sind Tonträger und unterscheiden sich in anderen Werten. Zur Unterscheidung kann gefragt werden, wie die beiden bzgl. der Modernität, der Nostalgie, des Traditionsbewusstseins, der Praktikabilität oder anderen Werten beurteilt werden. Das Image der Schallplatte ebenso wie das der CD ist eine Kombination unterschiedlichster Werte, deren Gesamtheit erst das „Image" beschreibt. Daher gestaltet es sich schwierig, das Image als konkrete Zahl oder konkreten Begriff auszudrücken. Dennoch ist ein Radiosender mit einem positiven Image beziehungsweise einem Image, das zur Zielgruppe passt, als erfolgreicher einzustufen als einer mit einem negativen oder unpassenden Image. Menschen bilden das Image aus persönlichen Erfahrungen, Berichten Dritter (Freunde, Bekannte, Medien, etc.) und Werbung. Das bedeutet, dass ein positives Image nicht notwendigerweise auch den realen Eigenschaften des Radiosenders entspricht.38 Dennoch erfüllt das Image für den Radiosender wichtige Funktionen. Zum einen dient das Image zur Abgrenzung und Unterscheidung von Wettbewerbern. Zum anderen kann ein positives Image dazu beitragen, neue Hörer zu gewinnen.39 Letztendlich wird sich ein unberechtigt positives Image eines Radiosenders nicht lange halten können, da jeder Radiokonsument sich mit geringem zeitlichen und ohne finanziellen Aufwand ein eigenes Bild des Radiosenders bilden kann. Ein (dauerhaft) positives Image spricht daher für den Erfolg eines Radiosenders und kann zur Erfolgsmessung herangezogen werden.

Ein ähnlicher qualitativer Erfolgsindikator ist die Loyalität der Hörer, die nicht mit der Zahl an Stammhörern zu verwechseln ist. Unter der Loyalität versteht sich eher die Tatsache, ob die Hörer auch unter veränderten, insbesondere schwierigen Verhältnissen zum Radiosender halten. Wenn beispielsweise ein Radiosender sein Programm nur noch kostenpflichtig anbieten würde oder ein zweiter Sender mit dem gleichen Profil in den Markt einträte, würde sich zeigen, wie loyal die Hörer gegen­über dem Radiosenders sind. Die Loyalität der Hörer ist daher eine hypothetische Größe und nur sehr schwer feststellbar. Am ehesten ist die Loyalität der Hörer zu überprüfen, indem man die Hörer- und Stammhörerentwicklung während schwieriger Phasen in der Vergangenheit analysiert. Allerdings müssen dabei Faktoren beachtet werden, die von der Art der Veränderung abhängen. Weiterhin kann eine ermittelte Loyalität dem Sender gegenüber auch ein Trugschluss sein, wenn die Loyalität nicht dem Sender gilt, sondern dem Moderator, einer bestimmten Radioshow, o.a.. Wird ein Moderator ausgewechselt, so können sich auch Radiohörer abwenden. Nimmt ein Moderator eine Tätigkeit bei einem anderen Radiosender auf, wird ein Teil seiner Hörerschaft ihm vielleicht zum neuen Radiosender folgen.

Ebenso wie in vielen anderen Medienbranchen werden Radiosender bzw. einzelne Programme oder Moderatoren eines Radiosenders mit Auszeichnungen und Preisen geehrt. Ob, wie viele und welche Preise der Radiosender im Verlauf seiner Tätigkeit erwerben konnte, gibt ebenfalls Aufschluss über den Erfolg eines Radiosenders. Allerdings kann die reine Anzahl der Preise nicht als alleiniger Erfolgsindikator herangezogen werden, da die Preise verschiedenartige Leistungen würdigen. Es muss stets betrachtet werden, ob die erhaltenen Auszeichnungen den gesetzten Zielen des Radiosenders entsprechen. Die Vergleichbarkeit wird auch durch unterschiedliche Sendegebiete und Zielgruppen erschwert. Einige Preise werden bundesweit ausgeschrieben, andere ehren die Besten eines Bundeslandes. Weiterhin gibt es Preise, die ein Lebenswerk ehren, das der Autor oder Moderator während seiner Tätigkeit bei verschiedenen Radiosendern geschaffen hat. Andere Preise zeichnen Autoren einer bestimmten Darstellungsform - wie beispielsweise Hörfunkfeature - aus. Viele Radiosender strahlen solche Darstellungsformen nicht aus. Demnach spricht es zwar für den Erfolg, dass ein Radiosender einen Preis oder eine Auszeichnung erhalten hat, aber nicht dafür, erfolgreicher zu sein als ein anderer Sender.

Eine Auswahl der wichtigsten Preise oder Auszeichnungen, die an private Radiosender des Sendegebietes Berlin/Brandenburg vergeben werden können, sind in Tabelle 2 aufgelistet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Preise und Auszeichnungen im Sendegebiet Berlin/Brandenburg40 41 42 43 44 45

3.3 Erfolgsmessung bei fremdsprachigen Radiosendern

Die Erfolgsmessung bei fremdsprachigen Radiosendern stützt sich in der Regel auf dieselben quantitativen Kennzahlen und qualitativen Indikatoren wie bei deutschsprachigen Radiosendern, gestaltet sich aber dennoch etwas schwieriger. Viele der werbekundenrelevanten quantitativen Kennzahlen werden von der ag.ma Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. im Auftrag der mabb Landesmedienanstalt Berlin­Brandenburg erhoben, um Unabhängigkeit und Vergleichbarkeit zu garantieren. Im Rahmen dieser Analyse werden in Berlin und Brandenburg ansässige deutsche Staatsbürger im Alter von 14-70+ - seit 2008 ab 10 Jahren und auch EU-Ausländer - befragt. Die Erhebungen können von den Radiosendern mit in Auftrag gegeben werden, sodass sie die Ergebnisse ebenfalls erhalten und publizieren dürfen. Nimmt ein Radiosender diese Möglichkeit nicht in Anspruch, werden die Daten des Senders auch von der mabb Landesmedienanstalt nichtveröffentlicht. Die Grundmenge jeder Kennzahl ist eine Gruppe von Menschen, die in ihrer Zusammensetzung der Berliner bzw. Brandenburger Bevölkerung gleicht. Die Ergebnisse der Befragungen werden so hochgerechnet, dass die Umfrage repräsentativ ist. Bei fremdsprachigen Radiosendern jedoch erfüllt ein großer Teil der Bevölkerung die Grundanforderung an den Hörer nicht: Der Hörer muss die Sendesprache so gut beherrschen, dass er dem Programm des Radiosenders folgen kann. Dabei reichen durchschnittliche Schulkenntnisse in der Regel nicht aus. Das reine Verstehen kann nicht mit dem unterhaltenem Zuhören gleichgesetzt werden. Die Nutzung fremdsprachiger Medien kann für Nicht-Muttersprachler durchaus mit Anstrengung verbunden sein. Da das Radio allerdings in aller Regel als Begleitmedium genutzt wird,46 wird sich nur derjenige für einen fremdsprachigen Radiosender entscheiden, der das Programm ohne Mühe erfassen kann. Die primäre Zielgruppe beispielsweise von Radio Russkij Berlin sind daher laut der mabb Landesmedienanstalt Berlin Brandenburg in Berlin lebende Russen.47 Somit wird die Grundmenge einer aussagenkräftigen Analyse um einen wesentlichen Faktor reduziert. Die Anzahl der in Berlin lebenden Russen lässt sich nur schätzen, da viele als Aussiedler nach Deutschland gekommen sind und mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Deshalb werden sie in den offiziellen Statistiken nicht mehr berücksichtigt.48 Außerdem werden meist alle russischsprachigen Menschen zu den Russen hinzugezählt, die aus anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion, den GUS-Staaten, stammen. GUS bezeichnet die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten und besteht aus allen Ländern der ehemaligen Sowjetunion mit Ausnahme der baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland.49 Da es in Berlin und Brandenburg selten mehrere Sender der gleichen Fremdsprache gibt, werden Analysen, die die Sprachkenntnisse mit einbeziehen, nicht durchgeführt. Aus diesen Gründen ist es für fremdsprachige Sender nur von geringem Interesse, die Daten der ag.ma Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. zu nutzen. Radio Russkij Berlin nimmt sie nicht in Anspruch. Die Verantwortung, ersatzweise eine entsprechende Untersuchung durchzuführen, liegt bei den Radiosendern selbst. Solche Analysen in einem vergleichbaren Umfang durchzuführen wie die ag.ma Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e.V. ist allerdings teuer und aufwendig. Zudem ist die Unabhängigkeit des Radiosenders dann nicht gegeben. In der Regel beschränken sich Radiosender daher darauf, die Daten zu erheben, die für Werbekunden von größtem Interesse sind oder in einer anderen Art und Weise für das Marketing des Senders genutzt werden können.

Absolute Zahlen, wie der „weiteste Hörerkreis", die „Tagesreichweite", die „Verweildauer" oder die „Stammhörer" können noch am leichtesten aus der Studie der ag.ma Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse entnommen werden. Bei der Beurteilung muss die geringere Zahl potenzieller Hörer zwar bedacht werden, die Zahlen müssen jedoch nicht neu ermittelt werden. Anders ist dies bei der „Hördauer", dem „Marktanteil" und der „Reichweite", da sie sich auf eine Zielgruppe beziehen, die nicht erhoben wird. Die „Reichweite" eines fremdsprachigen Senders sollte beispielsweise angeben, wie viele Menschen, die der Sendesprache mächtig sind, durch den Radio- sender erreicht werden. Auch die „Hördauer" sollte nicht den Anteil der Dauer des Hörens an der Gesamthördauer aller Menschen beschreiben, sondern den Anteil der Dauer des Hörens an der Gesamthördauer der die Sendesprache sprechenden Menschen. Um diese neue Gesamthördauer in Erfahrung zu bringen, müssen eigene Erhebungen durchgeführt werden. Die wirtschaftlichen Daten lassen sich leichter auswerten. In dieser Hinsicht bietet ein fremdsprachiger Radiosender ein Nischenprodukt an, welches mit anderen Spartensendern oder Radiosendern mit kleiner Hörerschaft gleichzusetzen ist. So können Umsatz, Gewinn oder die Anzahl der festen Mitarbeiter mit kleineren deutschsprachigen Radiosendern verglichen werden, um festzustellen, ob und wie erfolgreich der fremdsprachige Radiosender ist. Der Kostendeckungsgrad ist ohnehin eine prozentuale Größe und kann leicht im Vergleich zu der Branchenentwicklung beurteilt werden (vergleiche 3.2.1). Eine Ausnahme stellen hier die Kennzahl TKP und Werbeumsatz dar, die sich auf den Preis beziehen, den ein Radiosender für seine Werbeplätze verlangen kann. Prinzipiell sind sie natürlich vergleichbar mit den Zahlen deutschsprachiger Radiosender. Allerdings ist das Beschaffungsmanagement etwas komplizierter, sofern die Werbung ebenfalls in der Sendesprache ausgestrahlt werden soll. Sowohl bei Radio Russkij Berlin als auch bei Metropol FM (türkischsprachiger Radiosender)50 wird die Werbung in der Sendesprache ausgestrahlt. Dies ist vor allem für deutsche werbende Unternehmen eine Hürde. Daher haben beide Radiosender die Beratung und Konzeption der Werbung für ausländische Kunden im Angebot.51 Mikhail Vorobiev von Radio Russkij Berlin gab an, dass die Texte der Werbespots meist von den Moderatoren des Senders eingesprochen werden. ,,[...] wir bieten das an, weil die Werbekunden uns ja nur als zusätzlichen Part ihres bestehenden Media-Mixes buchen."52 Der fremdsprachige Radiosender ist dazu gezwungen, die Produktion der fremdsprachigen Werbung zu erleichtern, um den Radiosender als Werbeplattform attraktiv zu machen. Er hat daher einen größeren Aufwand bei der Beschaffung und Bearbeitung von Werbeaufträgen. Dies muss berücksichtigt werden, wenn beispielsweise der Werbeumsatz eines fremdsprachigen Radiosenders mit dem eines deutschen verglichen wird, um den Erfolg zu beurteilen.

Das Image eines fremdsprachigen Radiosenders kann durch Umfragen auf gleichem Weg ermittelt werden, wie dies bei deutschsprachigen Radiosendern geschieht. Die Loyalität der Hörer, die ohnehin schwierig zu bestimmen ist, kann höher ausfallen, als sie unter anderen Umständen wäre. Hier ergibt sich ein Vorteil für die fremdsprachigen Radiosender: Da meist nur ein oder zwei Radiosender derselben Sendesprache empfangbar sind, hat der fremdsprachige Radiosender unter den Menschen, die einen Radiosender einer bestimmten Sendesprache hören wollen, beinahe eine Monopolstellung. Die Loyalität gegenüber dem Sender kann daher als recht hoch empfunden werden, obwohl die Loyalität eigentlich der Sendesprache gilt. Eine Loyalität der Sendesprache gegenüber kann solange als Loyalität dem Radiosender gegenüber betrachtet werden, bis ein weiterer Radiosender derselben Sendesprache in den Markt eintritt. Sollte dies der Fall sein, zeigt sich die wirkliche Loyalität der Hörer. „Wenn ein weiterer russischer Sender auftauchen würde, hängt es von dem angebotenen Programm ab, ob die Hörer bei Radio Russkij Berlin bleiben."53

Als weiterer Indikator der qualitativen Erfolgsmessung wurden Preise oder Auszeichnungen genannt. Da jedoch die Zugangsbedingung für einige Auszeichnungen die deutsche Sprache oder die deutsche Staatsbürgerschaft des Autors ist, kommen ein fremdsprachiger Radiosender und seine Mitarbeiter weniger für in Deutschland verliehene Preise oder Auszeichnungen in Frage. Hinzu kommen indes Auszeichnungen für die Völkerverständigung, die im Rahmen von Initiativen oder von Regierungen, Stiftungen oder Organisationen einzelne Menschen, Sendereihen oder Radiosender würdigen können. Der Medienunternehmer Boris Feldmann (Russische Zeitung: Germanskaja Gaseta), der Bruder des Programmdirektors von Radio Russkij Berlin Dimitrij Feldmann, bekam beispielsweise den Orden Peter des Gro­ßen für die Förderung der Freundschaft und Zusammenarbeit des russischen und deutschen Volkes von der Russischen Föderation verliehen.54

[...]


1 Vgl. Schmiemann, B. (2004). BerlinerMorgenpost. Abgerufen am 8. Oktober 2009 von www.morgenpost.de: http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article390278/Die_Russen_sind_an gekommen.html.

2 Vgl. RusMedia. (2008). Radio RB. Abgerufen am 9. Oktober 2009 von www.radio- rb.de: www.radio-rb.de/de/md_radio.pdfSeite 2.

3 Vgl. Schlögel, K. (2007). Das Russische Berlin - Ostbahnhof Europas. München: Pantheon Verlag. Seite 426.

4 Suchov, M., Telefonische Auskunft der Botschaft der Russischen Föderation in Deutschland durch den russischen Diplomaten Michail Suchov.

5 Schlögel, K. (2007). DasRussische Berlin - OstbahnhofEuropas. München: Pantheon Verlag. Seite 425.

6 Ebd. Seite 425.

7 Ebd. Seite 425.

8 Vgl. Schneider, J. (2005). bpb Bundeszentralefür politische Bildung. Abgerufen am 10. Januar 2010 von www.bpb.de: http://wwwl.bpb.de/themen/960RR8,0,0,Aussiedler.html.

9 Vgl. Schlögel, K. (2007). Das Russische Berlin - Ostbahnhof Europas. München: Pantheon Verlag. Seit 426.

10 vgl. Kissau, K. (2008). Das Integrationspotential des Internets für Migranten. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Seite 110.

11 Vgl. Schlögel, K. (2007). Das Russische Berlin - Ostbahnhof Europas. München: Pantheon Verlag. Seite 426.

12 Schlögel, K. (2007). Das Russische Berlin - Ostbahnhof Europas. München: Pantheon Verlag. Seite 426.

13 Ebd. Seite 428.

14 Schlögel, K. (2007). Das Russische Berlin - Ostbahnhof Europas. München: Pantheon Verlag. Seite 432.

15 Vorobiev, M., Gesprächsprotokoll 2, Anhang I.

16 Vgl. Altendorfer, O. (2006). Medienmanagement (Bd. 4). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Seite 435.

17 Vgl. Wirtz, B. W. (2006). Medien- und Internetmanagement (5. Ausg.). Wiesbaden: GWV Fachverlage GmbH. Seite 413.

18 Vgl. Altendorfer, O. (2006). Medienmanagement (Bd. 4). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Seiten 435 ff.. und Wirtz, B. W. (2006). Medien- und Internetmanagement (5. Ausg.). Wiesbaden: GWV Fachverlage GmbH. Seite 413.

19 Ebd. Seite 419.

20 Ebd. Seite 407.

21 Vgl. Spang, W. (2006). Qualität im Radio - Determinanten der Qualitätsdiskussion im öffentlich-rechtlichen Hörfunk in Deutschland (Bd. 24). St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag GmbH. Seite 22.

22 Ebd. Seite 23.

23 Wirtz, B. W. (2006). Medien- und Internetmanagement (5. Ausg.). Wiesbaden: GWV Fachverlage GmbH. Seite 409.

24 Vgl. Dieter Müller, E. R. (2007). Praxiswissen Radio - Wie Radiogemachtwird - und Radiowerbung anmacht. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Seiten 25 f.

25 Ebd. Seiten 25 f..

26 Wirtz, B. W. (2006). Medien- und Internetmanagement (5. Ausg.). Wiesbaden: GWV Fachverlage GmbH. Seite 440 f..

27 Brockhaus Online Enzyklopädie. (2010). BibliographischesInstitut&F.A. BrockhausA.G. Abgerufen am 16. Januar 2010 vonwww.brockhaus- enzyklopaedie.de: http://www.brockhaus-enzyklopaedie.de/be21_article.php#2.

28 Vgl. Wirtz, B. W. (2006). Medien- und Internetmanagement (5. Ausg.). Wiesbaden: GWV Fachverlage GmbH. Seiten 426 f..

29 Haas, M. H., Frigge, U., &Zimmer, G. (1991). Radio-Management, Ein Handbuchfür Journalisten. München. Seite 151.

30 Vgl. ag.maArbeitsgemeinschaftMedia-Analyse e.V. (2009). ma 2009 Radio I Programm - Sonderbericht für die Medien Anstalt Berlin/Brandenburg (mabb). Frankfurt am Main. Seite III.

31 Vgl. ARD Sales &. Services. (2009). AS'&S'. Abgerufen am 11. Februar 2010 von www.reichweiten.de: http://www.reichweiten.de/index.php?mainSel=def.

32 Vgl. RusMedia. (2008). Radio RB. Abgerufen am 9. Oktober 2009 von www.radio- rb.de: www.radio-rb.de/de/md_radio.pdfSeite 3.

33 Vgl. Fritz Unger, N.-V. D. (2007). Mediaplanung - Methodische Grundlagen und praktischeAnswendung (5. Ausg.). Heidelberg: SpringerVerlag. Seite 339.

34 Wirtz, B. W. (2006). Medien- und Internetmanagement (5. Ausg.). Wiesbaden: GWV Fachverlage GmbH. Seite 448.

35 Vgl. Radio Zentrale. (2009). Radio Zentrale. Abgerufen am 12. Februar 2010 von www.radiozentrale.de: http://www.radiozentrale.de/site/330.0.html?&no_cache=l&tx_ttnews[tt_news]=8 94&tx_ttnews[backPid]=328&cHash=a0943d09ca.

36 Vgl. Wirtz, B. W. (2006). Medien- und Internetmanagement (5. Ausg.). Wiesbaden: GWV Fachverlage GmbH. Seite 430 undvgl. ALM . (2010). ALMArbeitsgemeinschaftderLandesmedienanstalten in der BundesrepublikDeutschland. Abgerufen am 16. Januar 2010 vonwww.alm.de: http://www.alm.de/263.html.

37 Vgl. Bösel, S., &. Suttheimer, K. (2002). Freie Mitarbeit in den Medien. Wiesbaden: WestdeutscherVerlag. Seite 36.

38 Vgl. Lieske, S. (2008). Daslmage vonjournalisten: eine qualitative Untersuchung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Seite 19 f..

39 Vgl. Drengner, J. (2006). Imagewirkung von Eventmarketing - Entwicklung eines ganzheitlichen Messansatzes (2 Ausg.). Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag. Seite 85.

40 Vgl. Medienstiftung der Sparkasse Leipzig. (2010). AxelEggebrechtPreis. Abgerufen am 19. Januar 2010 von www.axel-eggebrecht-preis.de: http://www.axel-eggebrecht-preis.de/preis-reglement.html.

41 Vgl. Ernst Schneider Preis e.V. (2006). ErnstSchneiderPreis. Abgerufen am 19. Januar 2010 vonwww.ernst-schneider-preis.de: http://www.ernst-schneider- preis.de/frame/index.htm.

42 Vgl. Medienstiftung der Sparkasse Leipzig. (2010). GünterEich Preis. Abgerufen am 20. Januar 2010 von www.guenter-eich-preis.de: http://www.guenter-eich- preis.de/reglement.html.

43 Vgl. Voß, P. (2002). SWR.de. Abgerufen am 20. Januar 2010 von www.swr.de: http://www.swr.de/swr2/hoerspiel/karl-sczuka-preis/preis/- /id=661164/nid=661164/did=637882/mpdid=2180826/lvbwxjx/index.html.

44 Vgl. Rias Berlin Kommission. (2010). RiasBerlin. Abgerufen am 20. Januar 2010 von www.riasberlin.de:www.riasberlin.de.

45 Vgl. Rat der Evangelischen Kirche Deutschland. (2003). Robert Geisendörfer Preis. Abgerufen am 20. Januar 2010 von www.gep.de: http://www.gep.de/geisendoerferpreis/index.html.

46 Vgl. Altendorfer, 0. (2006). Medienmanagement (Bd. 4). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. Seite 95.

47 Vgl. mabb LandesmedienanstaltBerlin Brandenburg. (2010). mabb. Abgerufen am 06. Januar 2010 von www.mabb.de:http://www.mabb.de/radio-tv/radio/radio- russkij.html#c569.

48 Vgl. Schlögel, K. (2007). DasRussischeBerlin - OstbahnhofEuropas. München: PantheonVerlag. Seite 426.

49 Schubert, K., & Klein, M. (2006). bpb Bundezentrale für politische Bildung. Abgerufen am 10. Januar 2010 von www.bpb.de: http://www1.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=NAR2TQ.

50 Vgl. Metropol FM. (2010). MetropolFM. Abgerufen am 20. Januar 2010 von www.metropolfm.de:http://www.metropolfm.de/b2b/unser-verkaufsteam.html.

51 Ebd..

52 Vorobiev, M., Gesprächsprotokoll 2, Anhang I.

53 Vorobiev, M., Gesprächsprotokoll 2, Anhang I.

54 Vgl. RusMedia. (2010). RusMedia. Abgerufen am 3. Februar 2010 von www.RusMedia.de:http://www.rus-media.de/nag/01.htm.

Details

Seiten
81
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668673571
ISBN (Buch)
9783668673588
Dateigröße
928 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161378
Institution / Hochschule
Mediadesign Hochschule für Design und Informatik GmbH Berlin
Note
1,3
Schlagworte
Erfolgsfaktoren Radio Radiomanagement Radiosender fremdsprachige Radiosender Russkij Medienmanagement Erfolgsmessung quantitative Erfolgsmessung qualitative Erfolgsmessung interne Faktoren externe Faktoren

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Erfolgsfaktoren im Radiomanagement fremdsprachiger Radiosender am Beispiel von Radio Russkij Berlin