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Luxemburg im Ersten Weltkrieg

In Kohabitation mit dem deutschen Reich

Wissenschaftlicher Aufsatz 2010 13 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhalt

Das Tagebuch von Jean-Pierre Flohr

Vor 1914: Eine Großbourgeoisie, die nach Deutschland schielt

Ungewollte Böllerschüsse zum Einmarsch der deutschen Truppen

Großherzogin und Regierung protestieren

Im Palais Festessen für den Kaiser und seine Suite

In Kohabitation mit den deutschen Okkupanten

Luxemburg: In vier Jahren acht Regierungen

Totales Versagen von Legislative und Exekutive

Luxemburg hungert wie nie zuvor

Unabhängigkeit Luxemburgs in Frage gestellt

Das kleinere Übel: Wirtschaftsunion mit Belgien

Im Laufe des Jahres 2008 sollte mein Enkelsohn Nicolas Hammadou im Lyzeum über „Luxemburg im ersten Weltkrieg“ vortragen. Da er trotz emsiger Suche im Internet nur wenige, dazu noch äußerst dürftige Angaben über das vorgenannte Thema fand, bat er mehrere Erwachsene um Hilfe. Nach Bestandsaufnahme verfügte er über folgende nicht gerade überwältigende Informationen: „Von 1914 bis 1918 besetzten die Deutschen das neutrale Luxemburg. Großherzogin Marie-Adélaïde beging den unverzeihbaren Fehler, den Deutschen Kaiser im Großherzoglichen Palais zu empfangen und musste darum auch nach dem Kriege abdanken. Unsere Großeltern haben die Jahre 1914 – 1918 insbesondere in schlechter Erinnerung, da sie übermäßig unter der im Land herrschenden Hungersnot litten“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

D ie blutjunge Großherzogin Marie -Adélaïde

So wandte sich der junge Mann in seiner Bedrängnis an mich, seinen Großvater, mit der Bitte um möglichst schnelle Hilfe. Ich wollte bereits kapitulieren. Doch stieß ich in letzter Minute im Internet auf das „Kriegstagebuch von Jean-Pierre Flohr über das tägliche Leben im Großherzogtum Luxemburg im Verlauf des Großen Krieges (1914-1919)“. Für einen Geschichtsforscher eine wahre Fundgrube!

Weiterhin fand ich in der Luxemburger Nationalbibliothek Einsicht in folgende Publikationen:

1921: Kriegstagebuch eines Neutralen in Luxemburg.

1939: Kriegstagebuch eines Neutralen.

1954 – 1958: Kriegstagebuch eines Neutralen. Aufzeichnungen und Stim- mungen (Zeitschrift: Letzebuerger Ex-Militär).

Für die nun hier vorliegende Arbeit konsultierte ich des Weiteren die wissen-schaftlichen Abhandlungen – über das Geschehen in Luxemburg in den Jahren 1914-1918, der Historiker Christian Calmes, Gilbert Trausch, Jean Kill und Emile-Théodore Melchers.

Das Tagebuch von Jean-Pierre Flohr

Nach seinem Kriegstagebuch zu urteilen war Jean-Pierre Flohr in jeder Hinsicht der wohl Bestinformierte über „Luxemburg im zweiten Weltkrieg“ ist. In seinen Bemühungen um eine möglichst objektive Berichterstattung hat er gleichwohl gewisse Sympathien für die Großherzogin Marie-Adélaïde nicht unterdrücken können. In sich verständlich, da Jean-Pierre Flohr (1875 - 1935) als großherzoglicher Hofkommissar im Dienste der Großherzogin stand!

Vor 1914: Eine Großbourgeoisie, die nach Deutschland schielt

Zum allgemeinen Verständnis gebe ich dem Kriegstagebuch des Luxemburger Jean-Pierre Flohr einen historischen Rahmen. Ein Luxemburg, das infolge seines Beitritts zum deutschen Zollverein industriell regelrecht aufblüht. So sind zu Ende des 19. Jahrhunderts an dem Aufbau der Stahlindustrie, mit deutschem Kapital, vornehmlich Deutsche beteiligt. Die so eingeleitete Industrialisierung des Landes führt zu einer starken Einwanderung von deutschen Staatsbürgern. So wird auch verständlich, dass die Großbourgeoisie Luxemburgs rein wirtschaftlich nach Deutschland ausgerichtet ist. Was nicht verhindert, dass sie kulturell eher nach Frankreich tendiert. Dagegen schwimmen die anderen Bevölkerungsschichten des Landes, vom einfachen Bürgertum bis zu den Arbeitern, eher auf einer patriotisch-nationalistischen Welle. So ist das Volk je nach Agieren seiner Nachbarländer einmal gegen Deutschland, das andere Mal gegen Frankreich und wenn erforderlich gegen Belgien.

Ungewollte Böllerschüsse zum Einmarsch der deutschen Truppen

Die eigentliche Invasion Luxemburgs durch die Deutschen Truppen datiert auf den 2. August 1914.

Doch als am Nachmittag des 1. August die Luxemburger Musikföderation „Union Grand-Duc Adolphe“ (UGDA) in Clerk ein großes Musikfest eröffnet, meldet sich bereits aus Bahnhof Ulflingen per Telefon ein Offizier der deutschen Vorhut, mit der Forderung, sofort das Schießen auf die deutsch-kaiserliche Armee einzustellen.

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Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640769674
ISBN (Buch)
9783640769957
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161345
Note
Schlagworte
Luxemburg im ersten Weltkrieg Kohabitation mit dem deutschen Reich Großbourgeosie Totales Versagen der Legislative und Exekutive

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Titel: Luxemburg im Ersten Weltkrieg