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Buchrezension von Dietrich Dörners "Die Logik des Mißlingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen."

Rezension / Literaturbericht 2010 9 Seiten

Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung

Leseprobe

1. Buchrezension

Buch: Dörner, D. (2003). Die Logik des Misslingens: Strategisches Denken in komplexen Situationen (9. Auflage). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

1.1 Inhalt

"Die Logik des Misslingens" von Dietrich Dörner ist mittlerweile schon so was wie ein Klassiker. Seit dem Erscheinen der Erstausgabe im Jahr 1989 sind bereits mehr als 20 Jahre vergangen. Trotzdem ist das Buch erstaunlich aktuell und interessant. Wie der Titel schon sagt, geht es in diesem Buch hauptsächlich darum, was Menschen bei Entscheidungen in komplexen, vernetzten Systemen alles falsch machen (können). Versuchspersonen werden in einer Reihe von Computersimulationen mit komplexen, dynamischen, vernetzten Systemen konfrontiert und müssen verschiedenste Aufgaben meistern, wie z.B. als Entwicklungshelfer in "Tanaland" beim Volk der "Moros", als Bürgermeister in der Stadt "Lohausen", als Feuerwehrmann/frau bei einem Waldbrand, als Manager einer Schokoladenfirma, als Techniker in einem Tiefkühlhaus, und weitere. Dörner zieht auch ein praktisches Beispiel aus dem wirklichen Leben heran, um Fehlentscheidungen zu untersuchen: Das Reaktorunglück von Tschernobyl.

Anhand der Analysen des Versuchspersonenverhaltens beschreibt Dörner nach jedem Simulationsexperiment die verschiedenen Mechanismen, die Menschen zu Fehleinschätzungen und Fehlverhalten führten.

Erfolglose Versuchspersonen verabsäumten es beispielsweise, ihre Ziele zu konkretisieren, kontradiktorische Ziele (= Ziele, die sich widersprechen und nicht gleichzeitig erreicht werden können) als solche zu erkennen, klare Schwerpunkte zu bilden, eine notwendige Modellbildung, die es erlaubt Neben- und Spätfolgen zu antizipieren, durchzuführen. Sie haben eine falsche Auffassung über die Gestalt von Zeitverläufen (besonders bei nicht-linearen Wachstumsprozessen), planen falsch oder gar nicht, nehmen nur die Informationen wahr, die hypothesengerecht sind und verwenden die immunisierende Marginalkonditionalisierung ("meine Hypothese stimmt eigentlich, nur unter dieser speziellen Bedingung stimmt sie nicht") anstatt ihre falschen Hypothesen zu verwerfen und neue Hypothesen zu generieren. Anstatt Fern- und Nebenwirkungen ihres Handelns schon von vornherein miteinzubeziehen, ist ihr Handeln von Reparaturverhalten geprägt. Anstatt sich jede Situation spezifisch anzuschauen, verfallen sie dem unreflektierten Methodizismus. Sie schaffen es nicht, die Welt im für die Aufgabe adäquaten Auflösungsgrad wahrzunehmen und verfallen entweder in blinden Aktionismus oder kapseln sich mit endlos verlaufenden Planungs- und Informationsstrukturierungsprozessen von der Realität ab. Sie machen es sich zur Gewohnheit, sich nicht an Sicherheitsvorschriften zu halten. Sie passen ihre Strategien nicht an die wechselnden Anforderungen und Umstände an sondern behalten sie ewig bei. Sie neigen dazu, alle Geschehnisse in einem bestimmten Bereich auf eine zentrale Ursache zu reduzieren. Unter Zeitdruck zeigen sie die Tendenz zur Überdosierung von Maßnahmen, was besonders bei zeitverzögerten Systemen besonders negative Auswirkungen haben kann. Sie denken in linearen Kausalketten (isoliertes Ursache-Wirkungs-Denken) anstatt in nichtlinearen Kausalnetzen. In der Gruppe unterliegen sie dem Zwang der Gruppensolidarität, der zu einer strategischen Inflexibilität und Gruppendenke (Groupthink) führt, und sind so nicht mehr fähig, die eingeführten Gruppennormen zu hinterfragen.

Bei offensichtlichem Scheitern kommt es zur Horizontalflucht (die Versuchsperson widmet sich nur den Spezialaufgaben, die sie wirklich beherrscht) oder zur Vertikalflucht (die Versuchsperson nimmt nur mehr ein geschöntes, verzerrtes Abbild der Realität war - eines, dass zu ihren Hypothesen passt). Weiters werden die Versuchspersonen zynisch oder erstellen Verschwörungstheorien. Klare Zielverfehlungen werden auch oft schöngeredet (Sprichwort: Zielinversion) und Entscheidungen nicht auf ihre Wirkungsweise überprüft (ballistisches Handeln). Dörner beschreibt drei große Ursachen, die für diese inadäquaten Verhaltensweisen verantwortlich sind.

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Details

Seiten
9
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640744008
ISBN (Buch)
9783640744022
Dateigröße
372 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161301
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1
Schlagworte
Buchrezension Dietrich Dörners Logik Mißlingens Strategisches Denken Situationen

Autor

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Titel: Buchrezension von Dietrich Dörners "Die Logik des Mißlingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen."