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Analyse: "Und in Arizona geht die Sonne auf" von Sibylle Berg

Referat / Aufsatz (Schule) 2010 3 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Analyse: Und in Arizona geht die Sonne auf

Sibylle Bergs Kurzgeschichte "Und in Arizona geht die Sonne auf" wurde um etwa 2000 in "Bewegte Welt", Hamburg veröffentlicht und handelt von einem Mann der sich von seiner Frau und seiner Tochter unverstanden fühlt und nur in seinem Auto auf dem Weg zur Arbeit wirklich glücklich ist. Der Mann wird als jemand beschrieben, der unglücklich mit seinem Leben ist, das er laut eigener Aussage (z.96) nicht verdient hat. Er wird von allen als störend empfunden (Z.20ff), jedoch bleibt hierbei offen ob dies wirklich die Meinung der Familie ist oder er sich nur vorstellt das sie so denken.

In seinem Wagen ist er ein anderer Mensch, er sieht sich selbst als einen Helden bzw. richtigen Mann an und hat auf einmal ein hohes Selbstwertgefühl oder auch Selbstvertrauen. Diese Tatsache wird durch seine eigene Aussage unterstrichen, laut der er den Typen nicht kennt der "...im Anzug mit seiner Frau ins Theater geht..." (Z. 81). Der Mann der er im Wagen ist, ist eine Idealfigur oder man könnte auch sagen ein Idol, welches er sich in seiner Kindheit in seinen Träumen vorgestellt hat (Z.86). Da er es im echten Leben nicht geschafft hat so jemand zu werden, muss er es sich halt am einzigen Ort vorstellen an dem er für sich und ungestört ist, seinem Auto. Er bezeichnet das Autofahren als letzten Kampf den ein Mann noch schlagen darf (Z.58) oder im übertragenen Sinne das Auto als letztes Refugium wo ein Mann noch Wirklich frei ist.

Der Text selbst ist einigermaßen geradlinig aufgebaut auch wenn er mit einer strikten Aussage beginnt. Es fängt an mit dem Frühstück bei dem alles nicht so richtig passen mag und sofort klar wird, das etwas im Verhältnis zwischen Mann und Familie nicht stimmt. Im Verlauf des weiteren Lesens erfährt der Leser mehr darüber und dass der Mann anscheinend nur geduldet wird, weil er nichts von "wichtigen" Dingen versteht und ständig stört. In diesem Abschnitt wird auch deutlich, wie sehr unverstanden er sich von seiner Frau und Tochter fühlt, weil sie ihm nicht glauben können oder wollen was ihn glücklich macht (Sport zu schauen, zur Decke zu starren, in einer Kneipe zu sitzen und mit anderen Männern zu schweigen).

Daraufhin findet ein Stil-wechsel im Text statt, denn plötzlich beginnt die Kurzgeschichte an Zug zu gewinnen und aus dem vorher hauptsächlich nur beschriebenen Mann wird eine handelnde Person.

Auf einmal ist er wer und es findet eine Vermischung von Realität und Wunschtraum statt indem er über mehrere Themengebiete geht (Cowboy, Panzer-, Rennfahrer wieder Cowboy und schlussendlich Pilot). Während der Fahrt findet eine geistige Entwicklung statt während der er realisiert das er sich eigentlich vieles einbildet es aber die einzige Möglichkeit ist dem Alltag und dem Nicht-wirklich-Mannsein zu entkommen. Im Endeffekt gesteht er sich ein, wie unzufrieden er mit seinem Leben ist. Jedoch gibt er nicht sich die Schuld daran, sondern seiner Umwelt, nichteinmahl speziell seiner Familie sondern einfach der Gesamtsituation. Es wird auch deutlich, dass er denkt, dass die Welt ihn irgendwie fehlgelenkt hat, wobei er jedoch vergisst das "Ein Mann manchmal seines eignen Glückes Schmied ist" (Shakespeare) und er selbst auch Schuld an seiner Situation besitzt. Hierbei will ich nicht auf konkrete Beispiele eingehen, jedoch steht einem in der Jugend alles offen und Mann/man hat alle Chancen dieser Welt das zu tun was man will, es braucht nur den Mut nicht nur von Dingen zu Träumen sondern sie auch zu tun. Um mich auf den Text zu beziehen, halte ich die Schlussfolgerung des Mannes nicht für 100%tig richtig, was ich mit meiner obrigen Aussage begründe.

Vom sprachlichen Aspekt her ist auffällig wie häufig die Autorin Assoziative Reihungen bzw. Parallelismen benutzt. Dies verdeutlicht, denke ich, den träumerischen Charakter des Textes allgemein und des Mannes speziell. Die Gedanken die auf diese Weise wiedergegeben werden sind sehr greifbar aber an manchen Stellen nicht sofort nachvollziehbar.

Bei der Lektüre ab Zeile 91 "...Rasen und Kuppeln, das Chrom, das Leder und dann beginnt er zu fliegen..." war nicht sofort klar ob er es sich nur vorstellt, oder ob gerade reale Dinge geschildert werden (Ich dachte erst er hätte einen Unfall gebaut). Dies ist ein weiteres Merkmal bei den benutzten assoziativen Reihungen: es beginnt mit etwas Realem und endet oder geht bei etwas Erträumten weiter. So kann man die Vorstellungen des Mannes nachvollziehen und das auf eine Weise die gut vorstellbar ist. Es wäre ein komplett anderes Leseverständnis stände dort beispielsweise: "Er steuert. Er lenkt. Er denkt an die starke Maschine an die vielen Pferde". Das würde nicht passen und den Effekt des Nachvollziehens (Nachfühlens) zerstören, denn wir würden sofort denken, was denkt der denn?!

Weiterhin kommt ein Neologismus vor: "Asphaltcowboy" was die Verschmelzung von Wirklichkeit und Träumerei schon zu Beginn verdeutlicht jedoch erst im Nachhinein einen wirklichen Sinn ergibt. Der Asphalt ist real und der Cowboy stammt aus der Vorstellung. Dann einige Repetitionen: "Er möchte sich kratzen, kratzen, kratzen was uns nahe bringen soll wie groß der Drang ist.

Und einige Alliterationen: "...die Weiber, die Kunstbücher, die Ringe vom Bierglas..." die symbolisch für alles stehen was ihn in seinem Leben nervt.

[...]

Details

Seiten
3
Jahr
2010
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161277
Note
sehr gut -, (1-)
Schlagworte
Analyse Und in Arizona geht die Sonne auf Sybille Berg

Autor

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Titel: Analyse: "Und in Arizona geht die Sonne auf" von Sibylle Berg