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Dementielle Erkrankungen im Alter

Krankheitsbild und Ansätze sozialarbeiterischer Intervention

Hausarbeit 2007 12 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Definition von Demenz

3. Krankheitsbild Alzheimer Demenz

4. Folgen für die Betroffenen

5. Probleme der Angehörigen von Betroffenen

6. Unterstützung der pflegenden Angehörigen

7. Behandlung, Rehabilitation und Pflege

8. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn das Thema Altern und Alter betrachtet wird, dann bleibt ein Faktum nicht außen vor: Etwa 1,2 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Form der Demenz. Demenzen gehören zu den häufigsten und folgenreichsten psychiatrischen Erkrankungen im höheren Alter. Mit 55% ist die Alzheimer Demenz die am häufigsten vorkommende Form der Demenz. Da laut demographischen Erkenntnissen die Bevölkerung immer älter wird und mit zunehmendem Alter der Anteil der Alzheimerpatienten zunimmt, wird eine Behandlung dieser Krankheit folglich immer mehr zum Erfordernis.

Deshalb gehören neben der Beschreibung des Krankheitsbildes und den Folgen auch Behandlungsansätze der Alzheimer Demenz zum Thema dieser Arbeit. Zum besseren Verständnis habe ich einige Fremdwörter auf den entsprechenden Seiten mit einer Übersetzung versehen.

2. Allgemeine Definition von Demenz

Demenz ist ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns mit Störung vieler höherer kortikaler Funktionen, einschließlich Gehirn, Denken, Orientierung, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Begleitet werden diese geistigen Beeinträchtigungen von Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation. (vgl. Weyerer 2005, S.7). Das Klassifikationsschema ICD 10 (WHO, 1993) formuliert in dem Zusammenhang eine Abnahme von Urteilsfähigkeit, Denkvermögen und Affektkontrolle beim Betroffenen sowie Veränderungen des Sozialverhaltens und des Antriebs.(vgl. Hampel, Padberg, Möller 2003, S.118).

Symptome, die das Demenzsyndrom aufweist sind unter anderem Depressivität, Apathie, Angst, Ratlosigkeit oder auch Wahn. Ein wesentlicher Gesichtspunkt ist das Zeitkriterium. Für die zuverlässige Diagnose einer Demenz müssen die erwähnten Symptome und Störungen mindestens 6 Monate bestanden haben. (vgl. Hegerl, Zaudig, Möller 2001, S.26). „Der Oberbegriff Demenz umfasst eine Reihe von Krankheitsbildern mit unterschiedlicher Ursache“, wie folgt:

- „degenerative* Demenzen (z.B. Alzheimer Demenz)

- vaskuläre* Demenzen (z.B. Multiinfarkt-Demenz)

*degenerativ rückbildend (S.111)

*vaskulär zu einem Gefäß gehörig (s.592)

(vgl. Fremdwörterbuch, ebd.)

- nutritiv-toxisch* oder metabolisch* verursachte Demenzen (z.B. Alkoholdemenz)

- entzündlich bedingte oder übertragbare Erkrankungen, die zur Demenz führen können (z.B. AIDS-Demenz)

- durch Schädel-Hirn-Trauma bedingte Demenzen.

Die häufigste Form ist die Demenz vom Alzheimer Typ.“(Weyerer 2005, S.8). Daher lege ich in dieser Arbeit das Augenmerk hauptsächlich auf die Erkrankung Alzheimer Demenz.

3. Krankheitsbild Alzheimer Demenz

Zur Beschreibung der Alzheimer Demenz nutze ich die gängige Unterscheidung in drei Stadien, die Zaudig in der genutzten Lektüre folgendermaßen darstellt: Die Krankheit beginnt schleichend und selten vor dem 65. Lebensjahr. Zunächst wird vom frühen Stadium gesprochen, in dem die selbständige Lebensführung leicht beeinträchtigt wird. Insbesondere Vergesslichkeit, Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, räumliche Orientierungsstörungen sind anfängliche Beeinträchtigungen. In diesem frühen Stadium, welches im Durchschnitt 1-3 Jahre dauert, sind auf emotionaler Ebene Depression, Reizbarkeit sowie Traurigkeit über die eigenen Defizite zu beobachten. Im mittleren Stadium ist die selbständige Lebensführung bereits deutlich eingeschränkt. Nun ist auch das Langzeitgedächtnis beeinträchtigt. Räumliche und zeitliche Desorientierung gehören zu der 2-8 Jahre langen Phase dazu. Kognitive Störungen wie Aphasie*, Apraxie*, Agnosie* treten in den Vordergrund. Patienten sind mehr und mehr antriebslos, apathisch, verlangsamt, oder das Gegenteil tritt ein, sie sind agitiert, unruhig, aggressiv und reizbar. Die selbständige Lebensführung ist im fortgeschrittenen Stadium völlig unmöglich, denn die intellektuellen Fähigkeiten sind schwer beeinträchtigt, wie auch das unmittelbare Behalten von Gedächtnisleistungen. Motorisch bestehen meist Versteifung, Beugehaltung, Spasmen und Urin- und Stuhlinkontinenz. Der Rhythmus von Tag und Nacht ist durch schwere Schlafstörungen häufig vertauscht. Emotionale Störungen finden sich unter anderem in den Affekten. Aggressivität, Feindseeligkeit und Angst sind die häufigsten Symptome. Die Patienten sind intensiv pflegebedürftig, denn in den Endstadien sind Epilepsie, Mutismus* und Stupor* keine Seltenheit. (vgl. Hegerl, Zaudig, Möller 2001, S.26 f.).

**nutritiv-toxisch nahrhaft (S.387)-giftig (S.572)

*metabolisch zum Stoffwechsel gehörig (S.355)

*Aphasie Sprachverlust (S.45)

* Apraxie Unfähigkeit zu sinnvollen Bewegungen (S.49)

*Agnosie krankhafte Unfähigkeit, gesehene Dinge zu erkennen (S.24)

*Mutismus Stummheit (S.372)

*Stupor Reglosigkeit (S.547)

(vgl. Fremdwörterbuch, ebd.)

4. Folgen für die Betroffenen

Die bereits genannten Symptome der Alzheimer Demenz beschreiben vorrangig die körperlichen, affektiven sowie kognitiven Beeinträchtigungen als Auswirkungen der Erkrankung auf die Betroffenen. Wie es hingegen mit den psychischen, sozialen und ökonomischen Folgen aussieht, soll in diesem Abschnitt Gegenstand meiner Betrachtung sein.

Zu den tiefenpsychologischen Folgen für den Alzheimerpatienten gehören die mit der Erkrankung verbundenen vielfältigen Ängste und damit die Verdrängung als natürlicher Abwehrmechanismus. Die Abwehr dient zur Nichtwahrnehmung der Erkrankung bzw. ihrer Bedrohung. Rationalisierung als weiterer Abwehrmechanismus schreibt die Symptome dem Alter zu. (vgl. Hampel, Padberg, Möller 2003, S.17).

Zu den sozialpsychologischen Überlegungen zählt das Problem der Stigmatisierung, das bedeutet, dass die Patienten die Rolle der Außenseiter übernehmen, während die soziale Gemeinschaft der `Normalen´ von außen auf den Patienten blickt. Ambivalenz zeigt sich darin, dass Ärzte einerseits die Aufgabe haben, das Problem zu erkennen, also die Diagnose zu stellen und das Tabu der Demenz zu durchbrechen, dass sie andererseits aber ebenfalls zur Stigmatisierung beitragen, indem sie die AD verleugnen und verdrängen. (vgl. ebenda, S.18). Als Grund für den Mythos Alzheimer Demenz wird Angst genannt,...“Angst davor, die Wahrheit auszusprechen und damit `quasi´ ein inneres `Todesurteil´ zu fällen, denn diese Krankheit zerstört das Elementarste des Menschen, seine Persönlichkeit und Individualität“. (ebenda).

Anhand der drei bereits beschriebenen Stadien des Krankheitsbildes Alzheimer Demenz lässt sich erkennen, dass sich unweigerlich umfassende Pflegebedürftigkeit einstellt. „Besteht in den frühen Krankheitsstadien vor allem Beaufsichtigungsbedarf, so entwickelt sich in den mittelschweren und schweren Stadien eine wachsende Hilflosigkeit, die den Kranken in allen Verrichtungen des täglichen Lebens von der Versorgung durch Familienangehörige und Pflegekräfte abhängig werden lässt.“ (Hampel, Padberg, Möller 2003, S.32). Tatsächlich wird kaum mehr gezweifelt, dass Demenzen vorrangig für den Pflegebedarf in der Altenbevölkerung und die Inanspruchnahme von Pflegeheimen verantwortlich sind. Eine Befragung von Angehörigen von Pflegebedürftigen deutet darauf hin, dass wenigstens 40% aller neuen Fälle von Pflegebedürftigkeit im Alter durch Demenzen verursacht werden. (vgl. ebenda). Untermauert wird die These anhand durchgeführter Studien an Heimbewohnern. „International übereinstimmend wird berichtet, dass zwischen 50 und 70% der in Pflegeheimen versorgten älteren Menschen an einer Demenzerkrankung leiden und dass etwa die Hälfte aller Neuaufnahmen demenzielle Störungen aufweisen.(...) In den meisten westlichen Ländern sind 40 bis 50% der Demenzpatienten in einem Heim untergebracht, wobei die Anteile mit dem Schweregrad der Demenz eng korreliert sind.(...) Die aus der Versorgung resultierenden Kosten machen die Demenzen zu einer der gesundheitsökonomisch wichtigsten und aufgrund der wachsenden Zahl von Kranken zunehmend an Bedeutung gewinnenden Krankheitsgruppen.(...) Demenzen, insbesondere AD, zählen zu den gesamtwirtschaftlich teuersten Erkrankungen.“ (ebenda, S.33).

5. Probleme der Angehörigen von Betroffenen

Um das Thema Alzheimer Demenz im Rahmen dieser Arbeit prägnant zu umreißen, komme ich an dieser Stelle von der Betrachtung gesellschaftlicher und finanzieller Aspekte zurück zum Betroffenen selbst bzw. mache darauf aufmerksam, dass nicht nur der Betroffene, sondern auch sein Umfeld, vorrangig seine Angehörigen, unter den Folgen der Erkrankung leiden. Ich erwähnte bereits, dass der Verlauf der Krankheit die Pflege durch Familienangehörige und Pflegekräfte erforderlich macht. „Insbesondere in den frühen Stadien der Krankheit werden nur wenige Alzheimerkranke in ein Heim eingewiesen.(...) In der Familie übernehmen vor allem die Ehefrauen und Töchter die Betreuung des Kranken, aber auch Schwiegertöchter und Ehemänner, in weit geringem Umfang hingegen die Söhne oder andere Verwandte.“ (Hampel, Padberg, Möller 2003, S.415).

„Die Mehrzahl dementer älterer Menschen wird von Angehörigen in der häuslichen Umgebung gepflegt. Dabei führt die Alzheimer-Demenz mit ihren irreversibel voranschreitenden Beeinträchtigungen in der Alltagsbewältigung und den immer wieder auftretenden Verhaltensstörungen der Kranken zu einer schweren andauernden psychischen und physischen Belastung der pflegenden Bezugspersonen.“ (ebenda, S.414). Vor allem die unter Punkt 3 aufgezeigten affektiven Verhaltensschwankungen der Patienten, wie Unruhezustände oder auch aggressive Reaktionsweisen „...sind eng mit der Ausprägung dieser Belastung der Angehörigen verknüpft und führen zur vorzeitigen Heimunterbringung“. (ebenda). Ein Grund für vorzeitige Heimeinweisung kann auch der unter Punkt 4 genannte sozialpsychologische Aspekt sein, dass auch die Angehörigen sehr genau die Stigmatisierung spüren, „...mit der Konsequenz, dass sie versuchen, das soziale Leben in der Öffentlichkeit zu meiden, um sich den Blicken und Tuscheleien der Außenstehenden zu entziehen“. (ebenda, S.18).

Die genannten Autoren stellten bereits bei ihren sozialen und ökonomischen Überlegungen fest, dass die wenigsten Kranken bis zum Lebensende in ihrer häuslichen Umgebung versorgt werden können und dass 65 bis 80% der Patienten im Krankheitsverlauf in ein Pflegeheim eingewiesen werden.

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Details

Seiten
12
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640752676
ISBN (Buch)
9783640752850
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161184
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,3
Schlagworte
Demenz Alzheimer

Autor

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Titel: Dementielle Erkrankungen im Alter