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Kinderarmut in Deutschland - eine Analyse exemplarischer Präventionsstrategien

Examensarbeit 2009 80 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionen von Armut
2.1 Absolute und relative Armut
2.2 Ressourcenansatz
2.2.1 Das politische Armutskonzept
2.2.2 Relative Einkommensarmut
2.2.3 Definition von Kinderarmut anhand des Ressourcenkonzeptes
2.3 Lebenslagenansatz

3. Kinderarmut im Spiegel der Statistik: ein regionaler Vergleich

4. Ursachen der Armutsrisiken von Kindern
4.1 Kinder in Familien mit Erwerbslosigkeit
4.2 Kinder in Familien mit Niedrigeinkommen
4.3 Kinder in Ein-Eltern-Familien
4.4 Kinderreiche Familien
4.5 Kinder aus Migrationsfamilien

5. Auswirkungen von Kinderarmut
5.1 Materielle Lebenslage
5.2 Gesundheitliche Folgen
5.3 Auswirkungen auf Bildung

6. Zwischenfazit

7. Präventionsmaßnahmen zur Kinderarmutsbekämpfung
7.1 Kindersozialgeld
7.1.1 Berechnung des Kindersozialgeldes
7.1.2 Kritik am Kindersozialgeld
7.1.2.1 Kritik an der Berechnung des Kinderregelsatzes
7.1.2.2 Kritik an der Ableitung des Kinderregelsatzes vom Eckregelsatz
7.1.2.3 Kritik an der Streichung der Bildungspauschale
7.1.3 Bewertung des Kindersozialgeldes
7.2 Kindergeld
7.2.1 Kindergeld als soziale Transferleistung
7.2.2 Reformvorschläge zum Kindergeld
7.2.3 Bewertung des Kindergeldes
7.3 Kinderzuschlag
7.3.1 Berechnung des Kinderzuschlages
7.3.2 Vorteile des Kinderzuschlages
7.3.3 Reformvorschläge bezüglich des Kinderzuschlages
7.3.4 Bewertung des Kinderzuschlages
7.4 Krippenausbau und frühkindliche Bildung
7.4.1 Krippenbetreuung und Erwerbsarbeit
7.4.2 Krippenbetreuung und frühkindliche Bildung
7.5 Ganztagsschulen
7.5.1 Ganztagsschulen als Mittel zur Armutsreduzierung
7.5.2 Bewertung des Ausbaus von Ganztagsschulen

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Kinderarmut gibt es nicht in Deutschland!“ behauptete die damalige Bundesfamilienministerin Claudia Nolte sinngemäß auf einer Pressekonferenz zur Veröffentlichung des Achten Kinder- und Jugendberichtes 1998. Denn selbst wenn in dem besagten Bericht von armen Kindern die Rede sei, könnten diese nicht als arm gelten. Schließlich bezögen sie Sozialhilfe, die ihre Armut bekämpfe. Somit seien die Kinder nicht mehr arm, schlussfolgerte die Ministerin.1

Die Zeiten haben sich seitdem grundlegend geändert. Spätestens seit dem ersten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung fanden Kinderarmutsforscher und Sozialverbände Resonanz in Politik und Gesellschaft. Seither hat sich die Bundesregierung der Bekämpfung und Prävention von Kinderarmut verschrieben.2

Doch wie genau begegnet die Bundesregierung dem Problem der Kinderarmut?

Sie verfolgt drei Strategien: Sie fördert die Berufstätigkeit der Eltern durch den Ausbau des Kinderbetreuungsangebotes und lohnergänzenden Leistungen wie dem Kinderzuschlag. Ferner legt sie ihren Schwerpunkt auf kompensierende Leistungen wie das Kindergeld und das Kindersozialgeld. Schließlich strebt sie gleichzeitig eine Verringerung von Bildungsdefiziten mittels frühkindlicher Förderangebote und dem Ausbau der Ganztagsschulen an.3 Ziel dieser Arbeit ist es, diese fünf exemplarisch genannten Instrumente auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen, d.h. ihre Vorteile und Nachteile zu analysieren.

Dabei werden sich drei Aspekte herauskristallisieren. Erstens, dass die Strategie der Förderung der Selbsthilfekräfte nicht unproblematisch ist, da diese vor allem von der Arbeitsmarktsituation abhängt und diese wiederum von der wirtschaftlichen Konjunktur.

Bei der Analyse der Präventionsstrategien zeigt sich zweitens, dass der Osten Deutschlands samt seiner Strukturschwäche nur ungenügend berücksichtigt wird. Die Armutspolitik ist daher mit Ausnahme des Krippen- und Ganztagsschulausbaus westzentriert.

Drittens muss hinterfragt werden, welchen Stellenwert die Kinderarmut trotz wachsender Resonanz von Seiten der Kinderarmutsforschung in den Maßnahmen der Bundesregierung besitzt. Bei vier der fünf zu untersuchenden Instrumente scheint es so zu sein, dass die Armutsprävention nicht das primäre Ziel darstellt: Vielmehr ist die Vermeidung von Kinderarmut oft nur ein Nebeneffekt. Das Kindersozialgeld ist maßgeblich von finanziellen Engpässen und gewollten Kürzungen geprägt ist. Auch das Kindergeld hat vor allem den steuerlichen Lastenausgleich zum Ziel, während die Krippenbetreuung und Ganztagsschule primär die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verfolgen.

Um die Kinderarmutsprävention und -bekämpfung detailliert zu erfassen, wird in dieser Arbeit zunächst darauf eingegangen wie Kinderarmut aus Sicht der Bundesregierung definiert wird, wie viele Kinder in Deutschland von Armut betroffen sind und welche Faktoren Kinderarmut verursachen. Im darauf folgenden Schritt werden die Auswirkungen von Armut auf Kinder benannt, um schließlich die fünf Instrumente zu analysieren und zu bewerten.

Diese Arbeit kann aufgrund ihrer exemplarischen Struktur nur einen Ausschnitt der Armutsprävention in der Bundesrepublik darstellen, denn armutspräventive Maßnahmen werden auf allen politischen Ebenen vorgenommen: denen des Bundes, der Bundesländer und der Kommunen. Sie werden ebenfalls von den verschiedensten Trägern wie beispielsweise den Sozial- und Kirchenverbänden, den Jugendhilfeeinrichtungen und Jugendämtern, Schulen und Kindergärten durchgeführt. Es wird sich zeigen, dass der Bundesregierung daher auch in ihrem Handeln Grenzen gesetzt sind, die sich u.a. durch das Erziehungsrecht der Eltern, aber auch die Verschränkungen des föderalen Systems ergeben.

2. Definitionen von Armut

Was versteht die Bundesregierung unter Armut? Wer ist arm? Ab wann sind Kinder arm? Und wie viele Kinder sind in Deutschland von Armut betroffen? Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten, denn eine universelle und vor allem objektive Definition von Armut gibt es nicht.4 Hinter jeder Definition und jeder Armutsgrenze stehen Werturteile, die bestimmen, wer als arm gilt und wer nicht.5 In der Armutsforschung und der Politik existieren mehrere Definitionen und Konzepte nebeneinander, um arme und nicht-arme Menschen von einander zu unterscheiden.6

2.1 Absolute und relative Armut

Grundsätzlich wird in der Armutsforschung zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden. Von absoluter Armut wird dann gesprochen, wenn einem Menschen Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wasser, Obdach, Heizung und elementare medizinische Versorgung nicht zur Verfügung stehen.7 In diesem Fall ist das Überleben des Menschen massiv gefährdet und das physische Existenzminimum nicht sichergestellt.8 Diese Form von Armut ist heute zumeist in Entwicklungsländern anzutreffen. In hoch entwickelten Industrieländern wie Deutschland tritt sie in der Regel nicht mehr auf.9

In Wohlstandsländern dagegen wird von einem relativen Armutsbegriff ausgegangen. Armut wird hier als extreme Form sozialer Ungleichheit definiert und orientiert sich damit an den jeweiligen Lebensbedingungen der Gesellschaft.10 Umstritten ist jedoch, wann genau soziale Ungleichheit zu Armut wird und wie diese gemessen werden kann.11 In den meisten Industrieländern gilt eine Person dann als relativ arm, wenn der Lebensstandard vom Durchschnitt der Bürger im Land abweicht und eine normativ festgelegte Grenze unterschreitet.12

In der aktuellen Armutsforschung finden für den relativen Armutsbegriff sehr häufig zwei unterschiedliche Ansätze Anwendung: der Ressourcenansatz und der Lebenslagenansatz.13 Die Bundesregierung versucht, beide Ansätze einzubeziehen, stützt sich jedoch zur Messung von Armut primär auf den Ressourcenansatz.14

2.2 Ressourcenansatz

Nach dem Ressourcenkonzept liegt Armut dann vor, wenn die finanziellen Ressourcen durch Einkommen, Vermögen, staatliche Leistungen, private Unterstützung und Ähnlichem einer Person oder eines Haushalts nicht ausreichen, um einen zuvor bestimmten Lebensstandard zu erreichen. Damit wird Armut mit dem Unterschreiten einer festgelegten Einkommensschwelle gleichgesetzt. Ob die vorhandenen finanziellen Mittel tatsächlich so eingesetzt werden, dass ein ausreichender Lebensstandard erreicht wird, ist dabei nebensächlich.15 Die Armutsschwelle wird hierbei entweder politisch festgelegt oder nach einem relativen Einkommen definiert.

2.2.1 Das politische Armutskonzept

Die politische Armutsgrenze orientiert sich an einem staatlich festgelegten Existenzminimum. Die Höhe des Existenzminimums wird anhand der durchschnittlichen Konsumausgaben der unteren Einkommensgruppen ermittelt. Personen erhalten dieses staatlich gewährte Existenzminimum, wenn sie nicht in der Lage sind, ihren notwendigen Lebensunterhalt aus eigenen Kräften zu sichern.16 Das bedeutet, dass Personen nur dann als arm gelten, wenn sie jene Leistungen zum Lebensunterhalt wie Sozialgeld oder Arbeitslosengeld II erhalten.17 Das politische Armutskonzept wird in der Armutsforschung häufig verwendet, da es eine sehr einfache und pragmatische Definition bietet.18 So kann beispielsweise auf eine Vielzahl von Statistiken zurückgegriffen werden.

Der wesentliche Nachteil dieses Armutskonzeptes besteht darin, dass nur Personen erfasst werden, die tatsächlich auch die Sozialleistungen beantragen. Personen, die trotz Einkommensarmut keine Leistungen in Anspruch nehmen, werden nicht registriert. Armutsforscher sprechen hierbei von der so genannten „verdeckten Armut“. Über das Ausmaß der „verdeckten Armen“ können nur Schätzungen abgegeben werden. Die Verteilungsforscherin Irene Becker geht davon aus, dass 2006 etwa 2,7 Mio. Personen in Deutschland, darunter 900.000 Kinder verdeckt in Armut lebten.19 Das politische Armutskonzept stellt daher prinzipiell nur das Mindestausmaß an Armut dar.

2.2.2 Relative Einkommensarmut

Bei der relativen Einkommensarmut wird auf ein festgelegtes Existenzminimum verzichtet und sich stattdessen auf die Haushaltseinkommen und deren Verteilung innerhalb der Gesellschaft bezogen. Dabei liegt die Armutsgrenze bei 60% des Nettoäquivalenzeinkommens20.21 Haushalte, die ein Einkommen unterhalb dieser Grenze erreichen, gelten als relativ arm. Die Marke von 60% wird auch als Armutsrisikoquote bezeichnet und wird von der Bundesregierung wie auch von der Europäischen Union und den OECD-Ländern als offizielle Armutsgrenze verwendet.22

Bei der Definition der relativen Armutsgrenze ist von Bedeutung, dass diese maßgeblich von methodischen Entscheidungen wie z.B. der Wahl der Äquivalenzskala23 und des Medians24 abhängen und jeweils unterschiedliche Armutsquoten bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen hervorbringen kann.

Eine Entscheidung für eine spezifische Methodik kann demnach auch ein politisches Interesse und Maßnahmen für bestimmte Bevölkerungsgruppen beinhalten.25 Zurzeit verwenden die Europäische Union und die Bundesregierung die modifizierte OECD-Skala, die nach Berechnungen von Richard Hauser eine höhere Armutsbetroffenheit von Ein-Personen-Haushalten und eine geringere Betroffenheit von Familien impliziert.26

Wie bei dem politischen Armutskonzept besteht der Vorteil der Armutsmessung anhand relativer Einkommensverteilung darin, dass die Einkommensquote gut dokumentiert ist und dadurch Untersuchungen und Vergleiche auf internationaler Ebene erleichtert werden.27 Nachteile dieses Konzeptes liegen bei seiner Eindimensionalität, die sich nur auf das Einkommen bezieht. Andere Lebensbereiche wie Bildung, Gesundheit oder Wohnsituation werden gänzlich unbeachtet gelassen.28 Weiterhin bleiben nicht-monetäre Leistungen wie Dienst- und Sachleistungen in der Kinderbetreuung oder Schulbildung, von denen einkommensarme Familien profitieren, unberücksichtigt.29

2.2.3 Definition von Kinderarmut anhand des Ressourcenkonzeptes

Beim Ressourcenkonzept wird Kinderarmut ausschließlich über die Armut der Eltern definiert. Ein Kind ist danach dann arm, wenn dessen Familie auf staatliche Unterstützung wie Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld angewiesen ist oder wenn dessen Familie ein Einkommen unterhalb der Armutsrisikoquote von 60% erzielt.30

Damit sind Kinder von der Armut ihrer Eltern mitbetroffen, weil sie mit diesen zusammenleben bzw. Eltern für ihre Kinder unterhaltspflichtig sind.31

Die Nachteile dieser Herangehensweise liegen jedoch darin, „dass sich die materielle Situation der Kinder von der ihrer Eltern unterscheiden kann, je nachdem wie Eltern ihre finanziellen Mittel einsetzen.“32 Das bedeutet, dass der alleinige Befund von Sozialhilfebezug oder Einkommensarmut das breite Spektrum eines Lebens in Armut nicht erfasst. Besonders bei Kindern kann ein Mangel an Bildung und Kultur, an Freunden und Aktivitäten oder elterlicher Fürsorge die kindliche Entwicklung und Lebenssituation stark beeinträchtigen.33 Gleichzeitig kann ein Kind, dessen Familie unterhalb der Armutsgrenze lebt, von den Folgen dessen verschont bleiben.34 Aus diesem Grund wird das Ressourcenkonzept mittlerweile in der Kinderarmutsforschung nur noch als Ausgangspunkt verwendet, da die konkreten Lebensbedingungen und deren komplexe Vernetzung nicht berücksichtigt werden.

2.3 Lebenslagenansatz

In der deutschen Kinderarmutsforschung findet der Lebenslagenansatz, der eine breitere Herangehensweise ermöglicht, Verwendung. Dieses Konzept geht zwar von der Einkommensarmut aus, sieht Armut jedoch primär als Folge eingeschränkter Handlungs- und Entwicklungsspielräume.35

Im Lebenslagenkonzept wird nicht nach den vorhandenen Ressourcen gefragt, die einen bestimmten Lebensstandard ermöglichen könnten, „sondern nach der tatsächlichen Versorgungssituation von Personen und Haushalten.“36 Dabei wird in empirischen Studien die konkrete Versorgung in ausgewählten Lebensbereichen untersucht. Dazu gehören Einkommen, Wohnsituation, Bildung, Erwerbsbeteiligung, soziale Netzwerke, Gesundheit, soziale Teilhabe und subjektives Wohlbefinden. Diese werden nach zuvor festgelegten Unterversorgungsschwellen analysiert. Liegt in einem oder mehreren Lebensbereichen eine Unterversorgung vor, wird dieses als Armut interpretiert.37

Kinder gelten in diesem Konzept dann als arm, wenn in kindtypischen Lebensbereichen Unterversorgungen vorliegen. Diese Lebensbereiche schließen zumeist die Grundversorgung (Ernährung, Wohnraum), Gesundheit, materielle, soziale und kulturelle Teilhabe (Spielzeug, Fahrrad, Freundeskreis, Hobbys, Schule etc.) ein. Je nach Forschungsschwerpunkt finden sich jedoch verschiedene Umsetzungen des Lebenslagenkonzeptes.38

Aufgrund des mehrdimensionalen Ansatzes sind quantitative und repräsentative Studien nur schwer durchführbar bzw. sehr aufwendig. Für einen Überblick über den Umfang von Kinderarmut werden in dieser Arbeit daher amtliche Statistiken auf der Grundlage des Ressourcenkonzeptes verwendet.

Für die Bundesregierung spielt bei der Messung von Kinderarmut das Ressourcenkonzept die zentrale Rolle. Es wird jedoch erkannt, dass bei der Erfassung und Prävention von Kinderarmut diese Herangehensweise zu einseitig ist. So wird im Dritten Armuts- und Reichtumsbericht darauf hingewiesen, dass es das Ziel sozialstaatlichen Handelns sei, Ungleichheiten schon bei den zur Verfügung stehenden Chancen zu reduzieren.39 Das lässt darauf schließen, dass die Bundesregierung bemüht ist, einen komplexen Armutsbegriff anzuwenden und demnach Armut als multidimensionales Phänomen begreift. Die folgenden Analysen werden zeigen, dass es sich um ein multidimensionales Problem handelt.

3. Kinderarmut im Spiegel der Statistik: ein regionaler Vergleich

Der Anstieg der Kinderarmut wird in mehreren Statistiken nachgewiesen. In ihnen zeigt sich, dass im Vergleich zur Gesamtbevölkerung und dem Anteil der armen Bevölkerung, Kinder besonders von Armut betroffen sind. Wie das Statistische Bundesamt im Datenreport 2008 veröffentlichte, lebten im Jahr 2006 13,9% der gesamtdeutschen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze und insgesamt 36,4% im Niedrigeinkommensbereich.40 Die Autoren des Datenreportes 2008 beschreiben drei Tendenzen: Erstens, dass sich die Anzahl der Personen, die von einem Niedrigeinkommen abhängig sind, in den letzten 20 Jahren stetig erhöht hat. Zweitens, dass auch die Schwere der relativen Armut41 zugenommen hat und daher immer mehr Menschen mit einem Einkommen weit unter der 60%-Schwelle leben. Und drittens, dass sich die Dauer von Armut ausgeweitet und in der deutschen Gesellschaft qualitativ verfestigt hat.42 Erhebungen des Sozioökonomischen Panels ergaben, dass zwischen den Jahren 2000 bis 2004 mindestens 8% der deutschen Bevölkerung in extremer Armut43 lebten und durchschnittlich 43% des Medians zur Verfügung hatten.

Ähnliche Entwicklungen können auch in Bezug auf Kinderarmut festgestellt werden. Denn ganz gleich wie Armut definiert wird, die Anzahl der Kinder, die von Armut betroffen sind, ist seit den 1980er Jahren kontinuierlich gestiegen.44 Laut Datenreport lebten 2006 von 14,1 Mio. minderjährigen Kindern in Deutschland 2,3 Mio. (16,5%) in Familien mit relativer Einkommensarmut.45 Kinder weisen damit ein höheres Armutsrisiko als die Gesamtbevölkerung auf. Die Sozialwissenschaftler Marcus Tamm und Michael Fertig kommen zu dem Ergebnis, dass der Anstieg der Armutsrate in den letzten Jahren besonders Kinder betroffen hat. Sie schreiben:

„Die Armutsrate für die Gesamtbevölkerung und jene für Erwachsene ohne Kinder haben in den letzten Jahren zwar ebenfalls einen Anstieg erfahren, dieser fiel jedoch deutlich geringer aus. Kinder sind nunmehr wesentlich stärker von Armut betroffen als andere Mitglieder der Gesellschaft - ein Phänomen, das in früheren Jahren nicht zu beobachten war.“46

Nimmt man die Sozialhilfestatistiken als weitere Grundlage, zeigt sich auch hier, dass im September 2008 16,1% der Kinder unter 15 Jahren in Familien mit Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfebezug lebten. Im September 2005 betrug diese Quote noch 14,9%. 47

Den Anstieg der Kinderarmutsrate verdeutlicht Abbildung 1, in der die minderjährigen Sozialhilfeempfänger/innen nach Altersgruppen unterteilt im zeitlichen Verlauf von 1991 bis 2004 dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Deutsche Empfänger/-innen von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen am Jahresende nach ausgewählten Altersgruppen von 1991 bis 2004, prozentualer Anteil an der deutschen Bevölkerung gleichen Alters

(Quelle: Statistisches Bundesamt (2006), S. 9)

Aus der Abbildung wird ersichtlich, dass die Quote der Sozialhilfebeziehenden im Zeitraum von 1991 bis 2004 von 2% auf 3% gestiegen ist. Verglichen mit dieser Quote ist das Sozialhilferisiko von Kindern zum Teil mehr als doppelt so hoch.

Insbesondere die Sozialhilfequote der Unter-7-Jährigen hat sich im angegebenen Zeitverlauf von rund 4,5% auf 9% verdoppelt. Damit weist die jüngste Altersgruppe das höchste Armutsrisiko auf.

Je nach Region variieren die Armutsquoten von Kindern. In Ostdeutschland stellt sich das Phänomen der Kinderarmut flächendeckend weitaus verschärfter dar als in Westdeutschland. Nach den Angaben des Datenreports 2008 sind insbesondere in den neuen Bundesländern die Armutsquoten überproportional gestiegen und „liegen inzwischen nahezu doppelt so hoch wie in den südwestlichen Flächenländern.“48 In den neuen Ländern lebte 2006 jedes dritte minderjährige Kind unter 18 Jahren (30,3%) in relativer Armut.49 Das Bundesfamilienministerium relativierte in seiner letzten Veröffentlichung diese Zahlen jedoch und meinte, diese Quoten seien kein Indikator für eine drastisch höhere Kinderarmut sondern lediglich ein Indikator für die generelle soziale Ungleichheit zwischen Ost und West. Nach ihren Berechnungen ergeben sich zwischen den alten und neuen Bundesländern keine Unterschiede.50

Die Mehrheit der Kinderarmutsforschenden widerspricht diesen Aussagen des Ministeriums jedoch und weist auf die höhere Anzahl an Sozialhilfeempfänger/innen und Niedriglohnarbeitenden in Ostdeutschland hin.51 Die folgende grafische Darstellung der Sozialgeldbezieher/innen unter 15 Jahren (Abbildung 2) verdeutlicht die regionalen Unterschiede bezüglich der Kinderarmut zwischen Ost und West aber auch zwischen Nord und Süd.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Sozialgeldbezug von Kindern unter 15 Jahren; Stand: September 2008; eigene aktualisierte Version der Darstellung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes basierend auf den Daten des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendhilfe e.V.

(Quelle: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband (2005); Schröder (2009), S. 4-12)

Je intensiver die Rotfärbung der Kennzeichnung eines einzelnen Landkreises desto höher ist der Prozentsatz der Kinder unter 15 Jahren, die Sozialgeld beziehen. Es zeigen sich große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern, aber auch von Landkreis zu Landkreis. Die Quote der Kinder, die im September 2008 Sozialgeld bezogen, reichte von 40,9% in Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern bis 2,3% in Eichstätt in Bayern. Mit knapp 37% führt Berlin den Länderdurchschnitt an, gefolgt von Sachsen-Anhalt (31,7%), Bremen (31,3%) und Mecklenburg- Vorpommern (30,4%). Bayern und Baden-Württemberg liegen mit Quoten von 7,7% und 8,5% deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von 16,1%. Der Osten Deutschlands weist eine mittlere Quote von 29,3% auf und liegt damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt.52

Anhand dieser Zahlen ist nicht zu leugnen, dass der Osten Deutschlands von einer höheren Kinderarmut betroffen ist. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn davon auszugehen ist, dass diese amtlichen Zahlen nur das Mindestausmaß der Armut widerspiegeln. Die Ursachen für diese Armutsverschärfung sehen Forscher/innen darin, dass gerade in den ostdeutschen Bundesländern die armutsauslösenden Risikofaktoren gehäuft auftreten.53 Besonders für ostdeutsche Großstädte wird eine weitere Verschärfung der Armutsproblematik prognostiziert, da sie sich durch die Abwanderung von jungen und qualifizierten Bevölkerungsgruppen in Schrumpfungsprozessen befinden.54

Diese Beschreibung des Umfanges und Ausmaßes der Kinderarmut in Deutschland zeigt, dass es in manchen Regionen akuter Handlungsbedarf besteht. Besonders die jüngsten Kinder sind von Armut betroffen und gerade für den Osten Deutschlands stellt sich die Situation dramatisch dar.

4. Ursachen der Armutsrisiken von Kindern

Nicht alle Kinder sind gleich stark armutsgefährdet. Bestimmte Familienformen und Bevölkerungsgruppen sind stärkeren armutsauslösenden Faktoren ausgesetzt als andere. Als Hauptursachen werden von der Bundesregierung Arbeitslosigkeit und Niedrigeinkommen gesehen, aber auch Lebensereignisse wie Trennung oder Scheidung. Desgleichen können Verschuldung, Erkrankungen oder Unfälle Armutsprozesse in Familien auslösen. Kinder und die Geburt eines Kindes stellen selbst für viele Familien ein Armutsrisiko dar.55 Einem besonders hohen Armutsrisiko sind Kinder in Ein-Eltern-Familien, in kinderreichen Familien und auch in Migrationsfamilien ausgesetzt. Im folgenden Kapitel werden diese wesentlichen Ursachen genauer betrachtet, um die Ansätze der Armutsbekämpfung der Bundesregierung nachvollziehen zu können.

4.1 Kinder in Familien mit Erwerbslosigkeit

Das zur Verfügung stehende Einkommen der Eltern ist für die Lebenslage und Entwicklung von Kindern von zentraler Bedeutung. Wie die Europäische Kommission in ihrer Untersuchung zum Wohlbefinden von Kindern schreibt:

„The labor market situation of parents is a key determinant of the conditions in which children live and develop. Earnings from work are naturally the main source of income for parents in their prime age, and joblessness represents the main risk of poverty for households with children.”56

Arbeitslosigkeit ist nach Auffassung der Europäischen Union, der Bundesregierung und der Kinderarmutsforscher/innen die entscheidende Ursache für (Kinder)Armut. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese durch den Verlust des Arbeitsplatzes, ein ungenügendes Kinderbetreuungsangebot, niedrige Schul- und Berufsausbildung, Sprachdefizite oder Erwerbsunfähigkeit hervorgerufen wurde.57

Statistiken zeigen, dass für Paarfamilien, in denen beide Erwachsene vollzeiterwerbstätig sind, Armut so gut wie keine Bedeutung hat.58 Ganz anders verhält sich die Situation bei Familien, in denen Eltern keiner Beschäftigung nachgehen. Bei ihnen liegen die Armutsquoten der Kinder (60% des Medians) je nach Alter und Familienform bei über 70%.59

Die Bundesregierung sieht daher Arbeitslosigkeit als Hauptursache von Kinderarmut und konzentriert sich in ihren Präventionsstrategien auf die Aktivierung des Erwerbspotentials von Vätern und Müttern. Von den fünf zu untersuchenden Instrumenten zur Kinderarmutsbekämpfung stehen drei im direkten Zusammenhang mit dem Ziel, die Berufstätigkeit und damit die Selbsthilfekräfte der Eltern zu fördern. Es werden entweder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert (Krippen- und Ganztagsschulausbau), Arbeitsanreize trotz staatlicher Transfers erhalten (Kinderzuschlag) oder im Sinne des Zweiten Sozialgesetzbuches die Aufnahme einer Erwerbsarbeit gefördert bzw. durch Leistungskürzungen forciert (Kindersozialgeld).60 Eine detaillierte Analyse hierzu findet sich im Kapitel 7 dieser Arbeit.

4.2 Kinder in Familien mit Niedrigeinkommen

Als weitere Ursache von Kinderarmut wird von Experten und der Bundesregierung der Niedriglohnsektor gesehen. Die Struktur des deutschen Arbeitsmarktes steht in einem Wandlungsprozess infolgedessen die Anzahl an geringverdienenden Erwerbstätigen ansteigt.61 Teilzeittätigkeiten und geringfügige Beschäftigungen haben zugenommen, ebenso wie befristete Arbeitsverträge und selbstständige Erwerbstätigkeiten.62 Die Anzahl jener Personen, denen es trotz Vollzeiterwerbstätigkeit nicht gelingt über die Armutsschwelle zu gelangen, umfasst nach Erhebungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftforschung (DIW), eine Gruppe von rund 1,4 Millionen Beschäftigten.63 Besonders Arbeitnehmer/innen in Ostdeutschland sind davon betroffen.64 210.000 Erwerbstätige erhalten einen Bruttostundenlohn unterhalb von 4,50 Euro.65 Besonders Frauen sind von Niedriglöhnen betroffen, wie die Arbeitsmarktforscherin Claudia Weinkopf herausstellt: „Sie stellen fast zwei Drittel der Niedriglohnbeschäftigten in Deutschland. Knapp 31% der weiblichen Vollzeitbeschäftigten arbeiten für Niedriglöhne, während der Niedriglohnanteil bei den Männern mit zehn Prozent weitaus niedriger liegt.“66 Auch die Gruppen der Migranten und Geringqualifizierten sind überdurchschnittlich von dieser Problematik betroffen.67

Von Seiten der Bundesregierung wurden in den letzten Jahren sozialpolitische Maßnahmen initiiert, welche die Einkommenssituation geringverdienender Eltern kompensieren sollen. So wurden beispielsweise Kombilohnmodelle68 aber auch der Kinderzuschlag eingeführt. In Anbetracht der Tatsache jedoch, dass die Ursache der Kinderarmut von Seiten der Bundesregierung hauptsächlich den Arbeitsverhältnissen zugeordnet wird, sollten Präventionsstrategien gegen Kinderarmut nicht nur sozialpolitisch ausgelegt sein, sondern ebenfalls in den Feldern der Arbeitsmarkt-, Beschäftigungs- und Wirtschaftspolitik ansetzen.

4.3 Kinder in Ein-Eltern-Familien

Am stärksten von (dauerhafter) relativer Armut betroffen sind alleinerziehende Eltern und deren Kinder, denn rund ein Drittel aller armutsgefährdeten Kinder wächst in dieser Familienform auf.69 In Deutschland leben 2,2 Mio. minderjährige Kinder bei 1,6 Mio. zumeist alleinerziehenden Müttern. Die Zahl der Alleinerziehenden hat sich in den letzten Jahren stetig erhöht. In Westdeutschland besteht knapp jede fünfte und in Ostdeutschland jede vierte Familie aus einem alleinerziehenden Elternteil.70

[...]


1 Vgl. Brandes/Suljak (1998)

2 Vgl. Bundesregierung (2006), S. 61-65

3 Vgl. BMFSFJ (2008d), S. 29-45

4 Vgl. Piachaud (1992), S. 63-87

5 Vgl. BMGS (2005), S. 5

6 Vgl. Hauser (2008), S. 94

7 Vgl. Hauser (2008), S. 96; vgl. Hauser/Neumann (1992), S. 245-246

8 Vgl. Hauser (2008), S. 96; vgl. Hauser/Neumann (1992), S. 245-246

9 Vgl. Hauser (2008), S. 96

10 Vgl. Hölscher (2003), S. 15

11 Vgl. Hölscher (2003), S. 15

12 Vgl. Hauser/Neumann (1992), S. 246

13 In der internationalen Armutsforschung hat sich ebenfalls der multidimensionale Ansatz von Amartya Sen etabliert, der auch im Zweiten und Dritten Reichtums- und Armutsbericht der Bundesregierung parallel zum Lebenslagenansatz verwendet wurde. Sen setzt dabei Armut einem Mangel an Teilhabechancen gleich. Da sich die deutsche Kinderarmutsforschung jedoch in ihrer Operationalisierung zurzeit allein auf den Lebenslagenansatz bezieht, wird Amartya Sens Konzept in dieser Arbeit keine weitere Erwähnung finden.

14 Siehe Armutsdefinitionen der Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesrepublik sowie des Familienberichts 2009.

15 Vgl. Hölscher (2003), S. 16

16 Vgl. Chassé/Zander/Rasch (2005), S. 12

17 Vgl. Holz u.a. (2006), S. 37

18 Vgl. Hölscher (2003), S. 18

19 Vgl. Becker (2007a), S. 37

20 Beim Nettoäquivalenzeinkommen handelt es sich um eine Einbeziehung der unterschiedlichen

Größe und Zusammensetzung der verschiedenen Haushalte, um einen Vergleich zu erleichtern. Mit Hilfe von Äquivalenzskalen werden Erwachsenen und Kindern bestimmte Gewichtungsfaktoren zugeordnet, die Einspareffekte bei größeren Haushalten und altersabhängige Bedarfe berücksichtigen sollen. Nach der „alten OECD-Skala“ erhält der Haushaltsvorstand ein Bedarfsgewicht von 1, jede weitere erwachsene Person ein Gewicht von 0,7 und jedes Kind ein Gewicht von 0,5. Nach der modifizierten OECD-Skala werden weiteren Personen über 14 Jahren ein Gewicht von 0,5 und Kindern unter 14 Jahren 0,3 zugeordnet. Für eine ausführliche Definition vgl. Hauser (2008), S. 100ff

21 Diese relative Armutsgrenze wurde von der Europäischen Union 2001 festgelegt. Insgesamt wurde sich auf eine Liste von 18 Indikatoren geeinigt, mit Hilfe derer die Erhebung vergleichbarer Daten in allen Staaten der Europäischen Union ermöglicht werden soll. Für weitere Informationen vgl. Dennis/Guio (2003), S. 1-6

22 Vgl. BMAS (2001), S. 6

23 Siehe Fußnote 18

24 Das Statistische Bundesamt gibt folgende Definition: „Um das mittlere Einkommen zu ermitteln, wird der Median (Zentralwert) verwendet. Dabei werden die Personen ihrem Äquivalenzeinkommen nach aufsteigend sortiert. Der Median ist der Einkommenswert derjenigen Person, die die Bevölkerung in genau zwei Hälften teilt. Das heißt, die eine Hälfte hat mehr, die andere weniger Einkommen zur Verfügung. 60% dieses Medianwertes stellen die Armutsgefährdungsgrenze dar.“ Statistisches Bundesamt (o.J.). Seit der Festlegung der einheitlichen Armutsmessung in Europa wird das mittlere Einkommen mit Hilfe des Medians ermittelt, zuvor galt als relative Armutsgrenze 50% unterhalb des arithmetischen Mittels. Die Autoren Jenkins und Micklewright geben einen ausführlichen Überblick über die verschiedenen Entwicklungen der Armuts- und Ungleichheitsbestimmungen: vgl. Jenkins/Micklewright (2007)

25 Für weitere Ausführungen siehe Becker (2002), S. 128-143; vgl. Hauser (2008), S. 100ff

26 Vgl. Hauser (2008), S. 100ff

27 Vgl. BMAS (2001), S. 8

28 Diese Bereiche werden im Lebenslagenansatz untersucht. Weitere Ausführungen finden sich in Kap. 2.3.

29 Vgl. Honig/Ostner (2001), S. 298; zur weiteren Kritik am relativen Armutsbegriff siehe Krämer (2000)

30 Vgl. Holz u.a. (2006), S. 37

31 ergibt sich aus Art.6 GG und §1601 BGB; vgl. Hölscher (2003), S. 23f

32 Hölscher (2003), S. 24

33 Vgl. UNICEF Innocenti Research Centre (2005), S. 10

34 Vgl. UNICEF Innocenti Research Centre (2005), S. 10

35 Das Lebenslagenkonzept geht auf den Soziologen Otto Neurath zurück und wurde von Kurt Grelling und später von Gerhard Weisser und Ingeborg Nahnsen weiterentwickelt. Weitere Informationen bezüglich der Entwicklung des Lebenslagenkonzepts siehe: Voges u.a. (2003)

36 Hanesch (1995), S. 11

37 Vgl. Zander (2005), S. 123; Hanesch (1995), S. 11

38 Für eine Übertragung des Lebenslagenkonzeptes auf kindspezifische Lebenssituationen vgl. Zander (2005), S. 123-127, vgl. Studien von Chassé/Zander/Rasch (2005); Holz u.a. (2006); Imholz/Wuttke (2003); Butterwegge/Klundt/Zeng (2005)

39 Vgl. BMAS (2008), S. 1

40 Diese Berechnungen des Statistischen Bundesamtes basieren auf den Daten des

Sozioökonomischen Panels (2001-2006). Vgl. Goebel/Habich/Krause (2008), S. 166

41 Diese Begrifflichkeit wird im Datenreport 2008 als Armutsintensität bezeichnet und nach dem „Foster/Greer/Thorbecke-Maß“ berechnet. In anderen Studien wird dieses Phänomen auch Armutslücke oder Einkommenslücke genannt und unterschiedlich berechnet.

42 Vgl. Goebel/Habich/Krause (2008), S. 166; vgl. Groh-Samberg (2008), S. 45

43 Extreme Armut nach der Definition des Sozioökonomischen Panels bedeutet, dass Haushalte

zusätzlich zur Einkommensarmut auch in anderen Bereichen wie der Wohnungsversorgung,

finanziellen Rücklagen, Erwerbstätigkeit unterversorgt sind. Die Quote von 8% kann, laut Aussagen Groh-Sambergs, nur als Mindestzahl verstanden werden, da in den Berechnungen bestimmte Risikogruppen wie Obdachlose, illegale Einwanderer oder Personen in Einrichtungen nicht einbezogen wurden. Vgl. Groh-Samberg (2008), S. 44

44 vgl. Chassé (2006), S. 76f

45 Der Datenreport 2008 stützt sich auf die Berechnungen des Sozioökonomischen Panels. Allerdings bewegt sich die Armutsquote je nach Definition und Datengrundlage zwischen beispielsweise 10,9% (OECD - 50% des Medians, Erhebungsjahr 2001) bis 18,8% (SOEP - 60% des Medians, Erhebungsjahr 2003). UNICEF Innocenti Research Centre (2007), S. 42; vgl. Noll/Weick (2005), S. 5; vgl. Goebel/Habich/Krause (2008), S. 169; vgl. Krieger/Weinmann (2008), S. 35

46 Fertig/Tamm (2008), S. 155

47 Vgl. Schröder (2009), S. 2

48 Goebel/Habich/Krause (2008), S. 167

49 Vgl. Goebel/Habich/Krause (2008), S. 167

50 Das Kompetenzzentrum des Bundesfamilienministeriums argumentiert erstens damit, dass sich die relativen Armutsquoten in diesem Fall am bundesdurchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommen orientierten, welches jedoch in den neuen Bundesländern allgemein geringer ausfiele. Zweitens, dass gleichermaßen die Kaufkraft einbezogen werden müsse, da wirtschaftlich schwächere Regionen bei gleichem Einkommen zu höherer Kaufkraft tendierten. Drittens müssten regional unterschiedlich ausgeprägte Sachleistungen für Kinder berücksichtigt werden. Diese Argumentation findet sich auch im Siebten Familienbericht von 2006. Vgl. BMFSFJ (2008d), S. 14f; vgl. BMFSFJ (2006b), S. 182ff

51 Vgl. Chassé/Zander/Rasch (2005), S. 29; Chassé (2006), S. 77-80;

52 Vgl. Schröder (2009)

53 Vgl. Chassé (2006), S. 74

54 Vgl. Häußermann/Läpple/Siebel (2008), S. 18f

55 Vgl. BMAS (2001), S. 109

56 Übersetzung: “Der Erwerbsstatus der Eltern ist der wichtigste Einflussfaktor für die Lebens- und Entwicklungsbedingungen von Kindern. Das Erwerbseinkommen ist natürlicherweise die Haupteinkommensquelle der Eltern während Arbeitslosigkeit das Hauptarmutsrisiko für Haushalte mit Kindern darstellt.“ The Social Protection Committee (2008), S. 27

57 Vgl. Schönig (2000), S. 209; vgl. Frick/Grabka (2008), S. 556f

58 Die Armutsrisikoquote bei Kindern liegt hier bei 4,1% laut den Zahlen des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT. Vgl. BMFSFJ (2008d), S. 21

59 Vgl. BMFSFJ (2008d), S. 19

60 Die Fokussierung auf Arbeitslosigkeit der Eltern als Hauptursache von Kinderarmut wird zwar von den meisten Armutsforschern unterstützt, aber nicht von allen sozialpolitischen Fachleuten. So wird dieses beispielsweise von Jürgen Borchert, Richter am hessischen Landessozialgericht, bezweifelt. Seiner Meinung nach sind auch in den Jahren, in denen die Arbeitslosenzahlen signifikant zurückgingen, die Zahlen der Sozialhilfeempfänger/innen weiterhin angestiegen. Daher sieht er die Hauptursache von Familien- und Kinderarmut in einer ungleichen Verteilungspolitik, die besonders zu Lasten der Familien geht. Vgl. Borchert (2003), S. 163ff

61 Vgl. BMAS (2008), S. 75; vgl. Brenke/Ziemendorff (2008), S. 40; vgl. Weinkopf (2008), S. 23

62 Vgl. Strengemann-Kuhn (2001), S. 131

63 Wie auch bei der Armutsmessung ist die genaue Anzahl der ‚armen Erwerbstätigen’ umstritten und unterliegt den jeweiligen Definitionsansätzen und Berechnungsmethoden. Die Erhebungen des DIW beziehen sich auf die Daten des Sozioökonomischen Panels von 2006.

64 Vgl. Brenke/Ziemendorff (2008), S. 35

65 Vgl. Brenke/Ziemendorff (2008), S. 35

66 Weinkopf bezieht sich bei ihren Berechnungen auf die Daten der Bundesagentur für Arbeit von 2003. Vgl. Weinkopf (2008), S. 19

67 Vgl. Weinkop (2008), S. 19

68 Vgl. Bundesregierung (2009c)

69 vgl. Fertig/Tamm (2008), S. 159; vgl. BMFSFJ (2008d), S. 16

70 vgl. Krieger/Weinmann (2008), S. 30

Details

Seiten
80
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640748358
Dateigröße
976 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161162
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Sozialpolitik
Note
1,5
Schlagworte
Armut; Kinderarmut Niedriglohn Kindergeld Kinderzuschlag Hartz Hartz IV Bildung Bildungspolitik Erwerbslosigkeit Alleinerziehend Ein-Eltern-Familien Migration Migranten Kinder Kind Regelsatz Krippe Kinderbetreuung Ganztagsschule Armutsrisiko

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Titel: Kinderarmut in Deutschland - eine Analyse exemplarischer Präventionsstrategien