Lade Inhalt...

Das Grab von Altlußheim

von Steffen Gansmann (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 22 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Fundsituation

3. Forschungsgeschichte

4. Fundbeschreibung
a. Bestattete
b. Langsax
c. Schnalle
d. Bronzestück
e. Spatha

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Altlußheim gehört zur Region Rhein-Neckar und liegt in der Oberrheinischen Tiefebene, direkt am rechten Ufer einer Schleife des Flusses in etwa 4 Kilometer Entfernung von Speyer.[1]

Mit seiner Lage auf einem nordwärts gerichteten Sporn einer Rheinterrasse besitzt die Gemarkung von Altlußheim gute Voraussetzungen für die Gründungen von Siedlungen. Durch einzelne Funde aus dem Neolithikum und der Bronzezeit sind Siedlungen nachgewiesen.

Durch die Ausdehnung des römischen Reiches nach Norden im 1. Jahrhundert nach Christus wurde der Siedlungsplatz Altlußheim zu einem bedeutenden Brückenkopf des Imperium Romanum. Eine befestigte römische Siedlung ist derzeit nicht nachgewiesen, aber durch Grabfunde aus dem 1-3. Jahrhundert konnte eine römische Bevölkerungsgruppe nachgewiesen werden. Die Lokalisierung eines römischen Feldlagers nördlich von Altlußheim lässt den Schluss zu, dass römische Truppen aus der Festung Speyer das rechtsrheinische Ufer nicht ständig besetzt hatten, jedoch dort durchaus Präsenz zeigten.

In der 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts nach Christus gehörte das Gebiet zum Teil des Burgundischen Reiches am Rhein, welches im Jahre 436 durch hunnische Hilfstruppen im Dienste Roms endgültig vernichtet wurde und als historische Vorlage für das Nibelungenlied gilt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Lage der Gemeinde Altlußheim im Rhein-Neckar-Kreis (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f0/Altlu%C3%9Fheim_in_HD.svg)

1932 kam es zur Bergung eines spätantiken Grabes, in dem sich die Skelette eines Mannes und eine Frau mitsamt Grabbeigaben befanden.

2. Zur Fundsituation

Der Fund wurde 1932 bei Bauarbeiten aus einem Grab geborgen. Er ist unvollständig erhalten,[2] da er bei Bauarbeiten des Freiwilligen Arbeitsdienstes, dem Vorläufer des Reichsarbeitsdienstes, über den durch groß angelegte Programme wurden arbeitslose Jugendliche oder Erwachsene in der Weimarer Republik beschäftigt wurden, zufällig angeschnitten und vor Eintreffen eines Sachverständigen dem Boden entnommen wurde.[3]

Aufgrund des Fundes eines Schwertes wurde bei der Suche nach weiteren wertvollen Funden die bestatteten Überreste der Körper zertrümmert und ebenso eine vorgefundene Tierkopfbronze gewaltsam zerbrochen[4] sowie gefundene Gegenstände unter den Mitgliedern des Freiwilligen Arbeitsdienstes verteilt, wofür auch die Unvollständigkeit der Skelette spricht.[5]

Eine wissenschaftliche Aufnahme des Fundes wurde unter diesen Umständen verhindert, und somit handelt es sich um einen geschlossenen, aber nicht vollständigen Fund.

Es handelte sich um ein Skelett eines 40-60jährigen Mannes sowie ein weibliches Skelett etwa selben Alters, welches von den Arbeitern zuerst übersehen wurde[6] und 3 Schweineknochen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Fundobjekte (1 Schwert, 2 Bronzestück, 3 Schnalle, 4 Langsax)(Garscha 1936, Tafel 39)

Der Fund bestand des Weiteren aus einer prunkvollen Spatha mit Teilen einer mit Goldblech und einer Silberfassung verzierten Schwertscheide,[7] ein einschneidiger Langsax, eine silberne Schnalle mit Spuren von Vergoldung sowie ein nicht näher identifizierbares Bronzestück, welches in einen ehemals vergoldeten Tierkopf auslief.[8]

Die Fundstelle liegt zwischen Altlußheim und dem Rhein, innerhalb eines sogenannten Hochgestades,[9] der Geländekante zwischen Niederterrasse und Flussaue des Rheins. Die Nachbargemeinde Zwerggraben stand in der Neuzeit regelmäßig - obwohl 1934 durch einen Damm vom Rhein getrennt - bis zur Fundstelle des Grabes unter Wasser.[10]

Forschungsgeschichte

Der Fund wurde erstmals wissenschaftlich durch Ernst Wahle in der Zeitschrift „Forschungen und Fortschritte“ 1934 publiziert und von Friederich Garscha in der archäologischen Fachpublikation „Germania“ 1936 erstmals ausführlich vorgestellt.[11]

Aufgrund der Aufsatzes in der Germania kam es zur Entdeckung der Skelettfunde im Depot des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, welche aufgrund der unsachgemäßen Hebung vollkommen zerhackt und zersplittert waren,[12] jedoch wieder zusammengefügt werden konnten. Diese Rekonstruktionen wurden allerdings bei dem im Jahre 1944 erfolgten Bombenangriff auf das Karlsruher Schloss vollkommen vernichtet.[13]

Die Spatha, Langsax, Gürtelschnalle und Schwerttragebügel befinden sich heute im Besitz des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe und wurden vielfach in Publikationen über die Zeit der Völkerwanderung publiziert.

4. Fundbeschreibung

a. Bestattete

Es handelte sich um ein Skelett eines 40-60jährigen Mannes, der in Rückenlage nach Osten blickte und circa 1,20m tief frei im Boden lag,[14] sowie ein weibliches Skelett etwa selben Alters, welches von den Arbeitern zuerst übersehen wurde[15] und 3 Schweineknochen, welche Teile eines Speiseopfers sein können oder aus der oberen Humusschicht mit eingebracht wurden.[16]

Bei dem männlichen Skelett lag der Schädel angeblich auf der Brust und die Beine waren leicht gespreizt.[17] Zwischen den Beinen fand sich ein Schwert.

Von der männlichen Bestattung waren der Unterkiefer mit wenigen, stark abgenutzten Zähnen erhalten sowie mehrere Teile des Schädels mit stark fliehender Stirn,[18] beide Oberarmknochen und Teile des Ober und Unterschenkels und der Rippen erhalten.[19]

Von der weiblichen Bestattung konnten Teile des Schädels, Unterarms sowie Unterschenkels identifiziert werden.[20]

Ob beim Mann oder Frau künstliche Schädelverformungen vorgenommen wurden, konnte nicht festgestellt werden.

[...]


[1] Wahle 1934, S. 65

[2] Gross/Hildebrandt 2007, S. 129

[3] Wahle 1934, S. 65

[4] Wahle 1934, S. 65

[5] Ausschuss Baden 1933, S. 64

[6] O.A. 2001, S. 121, Garscha 1960, S. 317.

[7] Garscha 1936, S. 191

[8] Wahle 1934, S. 65

[9] Wahle 1934, S. 65

[10] Wahle 1934, S. 65

[11] Garscha 1936, S. 191

[12] Garscha 1960, S. 317

[13] Garscha 1960, S. 318

[14] Ausschuss Baden 1933, S. 64

[15] O.A. 2001, S. 121, Garscha 1960, S. 317.

[16] Garscha 1960

[17] Ausschuss Baden 1933, S. 64

[18] Garscha 1960, S. 318

[19] Garscha 1960, S. 318

[20] Garscha 1960, S. 318

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640743889
ISBN (Buch)
9783640743971
Dateigröße
2.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161093
Note
Schlagworte
Grab Altlußheim Hunnen Völkerwanderung Spätantike Waffen Spatha Föderat

Autor

  • Steffen Gansmann (Autor)

Teilen

Zurück

Titel: Das Grab von Altlußheim