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Möglichkeiten und Grenzen der Evaluierung von Hedgefonds für den Einsatz in der privaten und unabhängigen Vermögensverwaltung

von Leif Richter (Autor) Prof. Ludomir Slahor (Autor)

Hausarbeit 2010 48 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 AUFBAU UND BESCHREIBUNG DER VERMÖGENSVERWALTUNG
2.1 Definition der Vermögensverwaltung
2.2 Rechtliche Grundlagen der Vermögensverwaltung
2.3 Grundsätze einer Anleger- und anlagegerechten Beratung
2.4 Klassifizierung des Kundenprofils
2.5 Pflichten während der V erwaltung
2.5.1 Grundsätze der ordnungsgemäben Vermögensverwaltung
2.5.2 Anleger- und objektgerechte v erwaltung
2.5.3 Grundsätze zur sicheren Geldanlage
2.5.4 Pflicht zur Informationsbeschaffung für Anlageobjekte
2.5.5 Pflicht zur Überwachung
2.6 Die private und unabhängige Finanzportfolioverwaltung als praktisches Beispiel für diese Arbeit

3 DEFINITION DER HEDGEFONDSSTRATEGIEN
3.1 Managed Futures
3.1.1 Die Idee der Managed Futures im Grundsatz
3.1.2 CTA Handelsmethoden
3.1.3 Grundsätzliche Unterscheidung der Handelsansätze
3.1.3.1 Systematische Trendstrategien
3.1.3.2 Diskretionäre Trendfolgestrategien
3.1.4 Focus AHL bzw. Global Future Fund Zertifikat

4 RISIKOBETRACHTUNG
4.1 Grundlagen
4.2 Markt Risiko
4.3 Kreditrisiko
4.4 Style Risiko
4.5 Hebelrisiko
4.6 Sonstige Risiken

5 INSTRUMENTE ZUR ANLAYSE VON HEDGEFONDS
5.1 Grundsätzliche Bemerkung
5.2 Die AHL Strategie in der Zeit von 08.2008 bis 02.2010
5.2.1 Die Finanzkrise allgemein
5.2.2 Die Entwicklung des Global Futures Fonds

6 BEURTEILUNG DER HEDGEFONDSSTRATEGIEN IM HINBLICK AUF DEREN EINSATZ IN DER FINANZPORTFOLIOVERWALTUNG
6.1 Grundsätzliche Bemerkung
6.2 Erwartungen an die Investments
6.3 Klassifizierung der Kundenprofile in der privaten und unabhängigen Finanzportfolioverwaltung
6.4 Auswirkungen auf die Risikoprofile
6.4.1 Auswirkungen auf die Defensive Anlagestrategie
6.4.2 Auswirkungen auf die Ausgewogene Anlagestrategie
6.4.3 Auswirkungen auf die Aggressive Anlagestrategie
6.5 Abgleich der Erwartungen und ABSCHLIEßENDE Beurteilung

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Der Begriff der Hedgefonds ist in der heutigen Zeit zum Standard geworden und gehört in den Wertpapierportfolios - sowohl bei privaten als auch bei institutionellen Anlegern - zu den Standardinstrumenten. Können diese Anlegealternativen aber mit herkömmlichen Mitteln untersucht, beurteilt und verfolgt werden und eigenen sie sich damit überhaupt für den Einsatz in der privaten und unabhängigen Finanzportfo­lioverwaltung? Diese Fragen sollen im Rahmen dieser Arbeit des Autors untersucht werden bzw. geklärt werden, ob hier weiterer Untersuchungsbedarf angebracht ist.

Um den Weg und den Aufbau der Untersuchungen darzustellen, zeigt der Autor in dieser Arbeit exemplarisch an einer Hedgefondsstrategie - den Managed Futures - das Vorgehen und die Beurteilungskriterien auf.

Managed Futures bzw. die sogenannten Commodity Trading Advisors (abgekürzt CTA’s) galten bisher in der Finanzportfolioverwaltung aufgrund ihrer geringen Kor­relation zu anderen Assetklassen als willkommene Diversifikation in Portfolios. Wie sich diese Annahmen in der Bankenkrise behaupten konnten und welche Auswirkun­gen diese Strategien auf die Performance hatten, sollen in dieser Arbeit vorgestellt und kritisch analysiert werden.

Für Finanzportfoliomandate, in denen die risikoadjustierte Performance von traditio­nellen Portfolios (Aktien und Anleihen) oder Funds of Hedge Funds verbessert wer­den sollte, waren CTA-Fonds bisher eine überzeugende Alternative. Solche Fonds waren mit fast allen anderen Anlagen nur schwach korreliert und konnten dadurch die Performance eines diversifizierten Portfolios verbessern. Stresstests und die günstige Renditeverteilung lieferten weitere gute Grunde, in Managed Futures zu investieren. Ihre Transparenz und Liquiditätseffizienz war für die Finanzportfo­lioverwaltung eine attraktive Alternative. Die traditionell strenge Reglementierung der meisten Managed-Futures-Manager war ein zusätzliches Argument für Asset Manager der Finanzportfolioverwaltung, die auf eine behördliche Aufsicht Wert le­gen.

Ob diese Annahmen in der Bankenkrise ihre angenommene Wirkung entfalten konn­ten und welche Auswirkungen die Strategien in der Finanzportfolioverwaltung mit sich brachten, sollen in dieser Arbeit anhand der MAN AHL Strategie diskutiert werden.

Zu Beginn dieser Arbeit stellt der Autor die grundlegenden Züge einer Finanzportfo­lioverwaltung dar, um dem Leser einen Überblick der Anforderungen und rechtli­chen Grundlagen an Investments zu geben.

Im Kapitel drei werden die unterschiedlichen Hedgefondsstrategien vorgestellt. Die­se Strategien gilt es umfassend zu verfolgen und zu beurteilen zu können. In dieser Ausarbeitung wird dabei nur eine Strategie vorgestellt, anhand derer das weitere Vorgehen skizziert werden soll. Eine umfassende Betrachtung aller Strategien wäre dann die Aufgabe für die Fortsetzung der Untersuchung in einer weiteren Arbeit.

Das Kapitel Risikobetrachtung soll die Vielschichtigkeit der möglichen Problemfel­der aufzeigen und die Notwendigkeit der Analyse der Strategien unterstreichen.

Die Instrumente zur Analyse von Hedgefonds soll in der Arbeit des Autors den höchsten Stellenwert einnehmen. In diesem Abschnitt sollen Ablaufprozeduren und Untersuchungsmethoden kombiniert werden, um Hedgefonds untersuchen zu können und aussagekräftige Beurteilungen zu diesen verfassen zu können. Zum Zeitpunkt dieser Arbeit ist die Erstellung dieses Abschnitts noch nicht abgeschlossen. Um dem Leser aber einen Eindruck über die Notwendigkeit dieser Instrumente zu geben, wird eine kurzzeitige Betrachtung der Managed Futures für die Zeit von 08.2008 bis 02.2010 vorgenommen. Diese Betrachtung würde im Rahmen einer weiterführenden Untersuchung durch die Entwicklung von Analyseinstrumenten vollständig ersetzt. Im letzten Abschnitt werden die tatsächlichen Auswirkungen auf die einzelnen Port­foliostrategien untersucht und die Ergebnisse mit den Erwartungen abgeglichen. Da­bei sollen unter anderem Erkenntnisse für den zukünftigen Einsatz dieser Anlageal­ternativen vorgestellt und abgewogen werden.

2 Aufbau und Beschreibung der Vermögensverwal­tung

2.1 Definition der Vermögensverwaltung

Die Vermögensverwaltung (auch Finanzportfolioverwaltung genannt) wird allge­mein als die „Verwaltung eines Vermögens, welches wirtschaftlich nicht dem Ver­walter, sondern einem Dritten zuzurechnen ist“ definiert.1 2 Der Verwalter trifft die Entscheidung über die Anlage von Vermögenswerten im Interesse seines Auftragge­bers, jedoch nach eigenem Ermessen, wobei ggf. vereinbarte Anlagerichtlinien zu berücksichtigen sind.3

Anders als bei der Anlagevermittlung oder Anlageberatung, wo der Kunde die Ent­scheidung trifft, zeichnet sich die Vermögensverwaltung durch das Recht zur eigenen Disposition aus.4 Der Verwalter allein hat Sorge für die Entwicklung der Vermö­genswerte zu tragen. Unter Wahrung der Interessen des Anlegers entscheidet er nach eigenem, pflichtgemäßem Ermessen.5

Ein weiteres Merkmal welches die Vermögensverwaltung von der Anlageberatung und -Vermittlung unterscheidet ist deren Dauer. Während die Aufklärung und Bera­tung regelmäßig mit der Erteilung der Information bzw. der Anlageempfehlung ab­geschlossen und dementsprechend das Rechtsverhältnis beendet ist6, obliegt dem Vermögensverwalter die fortlaufende Verpflichtung, für das Vermögen des Anlegers Sorge zu tragen.7 Dieses Rechtsverhältnis endet erst mit dem Ablauf der vereinbarten Zeit bzw. durch Kündigung des Vertragsverhältnisses.

Trotz dieser Abgrenzung zu anderen Wertpapierdienstleistungen kann von einem einheitlichen Begriff der Vermögensverwaltung keine Rede sein.8 In extensiver Aus­legung werden unter Vermögensverwaltung alle Tätigkeiten verstanden, die im Ent­ferntesten mit der Kapitalanlage privater und institutioneller Anleger zu tun haben.9 Richtigerweise wird man die Vermögensverwaltung als „die Betreuung sämtlicher Vermögensdispositionen institutioneller wie privater Anleger in Form von Sachwer­ten und Forderungen durch einen mit der Wahrnehmung dieser Aufgaben beauftrag­ten Verwalter“10 definieren können.

Eine Vermögensverwaltung kann sich grundsätzlich auf Vermögensgegenstände und -werte aller Art beziehen.11 In Betracht kommt die Verwaltung von Immobilien, Wertpapieren und Gesellschaftsbeteiligungen, etwa Anteilen an Investment- und geschlossenen Immobilienfonds, Edelmetallen, Kunstgegenständen, Antiquitäten, Münzen sowie die Anlage in solchen Vermögenswerten.

Üblicherweise wird zwischen kollektiver und individueller Vermögensverwaltung unterschieden. Die kollektive Vermögensverwaltung wird insbesondere von Kapital­anlagegesellschaften und Versicherungsunternehmen angeboten. Sie besteht aus dem Erwerb von Fondsanteilen oder dem Abschluss von Versicherungsverträgen.12 Bei der kollektiven Vermögensverwaltung ist die Einflussnahme des Anlegers durch An­lagerichtlinien oder Einzelanweisungen regelmäßig ausgeschlossen. Die kollektive Vermögensverwaltung ist häufig mit einer Anlageberatung oder -vermittlung gekop­pelt, etwa wenn ein Kreditinstitut dem Kunden empfiehlt, sein Vermögen in einem bestimmten Fonds anzulegen. In diesem Fall ist die Bank Anlageberater oder - vermittler, während die Fondsgesellschaft - regelmäßig eine Kapitalanlagegesell­schaft nach dem KAGG - die Rolle des Vermögensverwalters übernimmt.

Legt der Anleger Wert darauf, auf die Anlageentscheidung Einfluss nehmen zu kön­nen oder beabsichtigt er eine intensivere Kontrolle, so wählt er für die Verwaltung seines Vermögens eine individuelle Vermögensverwaltung. Als Anbieter einer sol­chen fungieren neben Kredit- und Finanzdienstleistungsinstituten vor allem sog. freie Vermögensverwalter (sog. Finanzportfolioverwalter), d.h. solche Unternehmen, die nicht gleichzeitig Bankgeschäfte betreiben, sowie die Angehörigen der rechts- und steuerberatenden Berufe wie Rechtsanwälte13, Steuerberater oder Wirtschaftprüfer bzw. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.14 Zu diesen sog. freien Finanzportfo­lioverwaltern zählt die Finanzportfolioverwaltung, für die die Ergebnisse dieser Ar­beit praktische Anwendung finden sollen.15

Eine individuelle Vermögensverwaltung wird häufig von einem bestimmten Min­destanlagevermögen abhängig gemacht, das - je nach Anbieter und Zielgruppenaus­richtung - zwischen 50.000 und 500.000 EUR schwanken kann.16 Im Hause der betrachteten Finanzportfolioverwaltung wird die Auffassung vertreten, dass bereits mit geringen Anlagevolumina eine effiziente und effektive Vermögens­verwaltung durchgeführt werden kann, vorausgesetzt es werden entsprechende In­strumente eingesetzt. Z.B. können bei der Verwaltung von kleinen Volumina Dach­fonds zur Diversifikation zum Einsatz kommen.

2.2 Rechtliche Grundlagen der Vermögensverwaltung

In Umsetzung der EG-Wertpapierdienstleistungsrichtlinie,17 der Kapitaladäquanz­richtlinie18 und der BCCI-Folgerichtlinie hat der Gesetzgeber am 5. Juni 1997 das Gesetz zur Umsetzung von EG-Richtlinien zur Harmonisierung bank- und wertpa­pieraufsichtrechtlicher Vorschriften (6. KWG-Novelle) vom 22. Oktober 199719 be­schlossen. Im Rahmen dieses am 1. Januar 1998 in Kraft getretenen Gesetzes wurde „die Verwaltung einzelner in Finanzinstrumenten angelegter Vermögen für andere mit Entscheidungsspielraum“ (Finanzportfolioverwaltung) als Finanzdienstleistung nach Maßgabe des §1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 3 in das KWG integriert.20 Diejenigen Un­ternehmen, die Finanzdienstleistungen für andere gewerbsmäßig oder in einem Um­fang erbringen, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert,21 und die keine Kreditinstitute sind, werden dementsprechend als Finanz­dienstleistungsinstitute bezeichnet.22 Diejenigen Personen und Unternehmen, die Vermögensverwaltungen anbieten, unterliegen somit seit dem 1. Januar 1998 der Aufsicht durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (seit dem 1.5.2002: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) und bedürfen einer Erlaubnis zu deren Durchführung nach Maßgabe des § 32 KWG.23 Nach §1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 3 KWG unterliegt auch die Tätigkeit als Geschäftsführer eines Investmentclubs, der in der Rechtsform der Gesellschaft bürgerlichen Rechts ausgestaltet ist, der Erlaubnis- pflicht.24

Des Weiteren wurde die Vermögensverwaltung durch das Umsetzungsgesetz 199725 als Wertpapierdienstleistung in das Wertpapierhandelsgesetz integriert.

§ 2 Abs. 3 Nr. 6 WpHG definiert die Vermögensverwaltung (Finanzportfolioverwal­tung, vgl. § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 3 KWG) als die „Verwaltung einzelner in Wertpa­pieren, Geldmarktinstrumenten oder Derivaten angelegter Vermögen für andere mit Entscheidungsspielraum“.26

2.3 Grundsätze einer anleger- und anlagegerechten Bera­tung

Die für das Standardeffektengeschäft entwickelten Grundsätze hinsichtlich Explora­tion und Information sind durchaus auf die Vermögensverwaltung27 und zwar sowohl im Rahmen eines vorvertraglichen Schuldverhältnisses als auch nach Abschluss des Vermögensverwaltungsvertrages, übertragbar. Auch hier wird man gleichwohl zwi­schen dem vorvertraglichen Schuldverhältnis bis zum Abschluss eines Vermögens­verwaltungsvertrages den Pflichten aus dem Vermögensverwaltungsvertrag selbst unterscheiden müssen. Bis zum Abschluss eines Vermögensverwaltungsvertrages treffen den Vermögensverwalter die ,,allgemeinen" Pflichten, zumeist aus einem (eigenständigen) Beratungsvertrag.28 Es kann keinen Unterschied machen, ob die Beratung auf den Erwerb eines bestimmten Papiers oder auf den Abschluss eines Vermögensverwaltungsvertrages gerichtet ist. In beiden Fällen geht es darum, dem Anleger eine sachgerechte Entscheidung zu ermöglichen, die bei der Vermögens­verwaltung etwa in der Vereinbarung entsprechender Anlagerichtlinien liegt. Die sich aus dem Beratungsvertrag ergebenden Pflichten enden im Falle der Anlagebera­tung mit dem Erwerb des konkreten Papiers. Ist der Beratungsvertrag hingegen auf eine Vermögensverwaltung gerichtet, so endet er mit Abschluss des Vermögensver- waltungsvertrages.29 Primäre Handlungspflichten des Vermögensverwalters ergeben sich in diesem Fall nicht mehr aus dem Beratungsvertrag, sondern unmittelbar aus dem Vermögensverwaltungsvertrag.30

Allerdings können sich Aufklärungs- und Beratungspflichten nach Abschluss des Vermögensverwaltungsvertrages aus diesem selbst ergeben, sei es als Haupt-, sei es als Nebenpflicht dieses Rechtsgeschäfts.31 Anders als bei der Anlageberatung endet das zwischen Vermögensverwalter und Vermögensinhaber begründete Rechtsver­hältnis nämlich keinesfalls nach Abschluss des Vermögensverwaltungsvertrages, sondern setzt sich im Gegenteil, wenn auch mit anderem Inhalt, fort.

Soweit die Voraussetzungen für den Abschluss eines Beratungsvertrages nicht vor­liegen, etwa wenn der Kunde eine Beratung ausdrücklich oder konkludent nicht wünscht,32 so bestehen dennoch vorvertragliche Pflichten, deren Verletzung Ansprü­che nach den Grundsätzen der „culpa in contrahendo“ nach sich ziehen kann.33 Durch die Aufnahme von Vertragsverhandlungen oder einem diesem gleichzustel­lenden geschäftsähnlichen Kontakt kommt ein vertragsähnliches Verhältnis zustande (§§ 311 Abs. 2, 241 Abs. 2 BGB), aus dem sich aufgrund des entgegengebrachten Vertrauens Sorgfaltspflichten manifestieren, die sich u.a. in vorvertraglichen Aufklä- rungs- und Prüfungspflichten konkretisieren.34

2.4 Klassifizierung des Kundenprofils

Die Exploration des Kunden mündet üblicherweise in die Vereinbarung entsprechen­der Anlageziele oder Risikoprofile („guidelines“).35 Mit dem Anleger werden dabei entsprechende Anlagerichtlinien zum Zwecke der näheren Konkretisierung des Ver­mögensverwaltungsvertrages zu vereinbart. Diese „guidelines“ sind nicht lediglich „unverbindliche Anregungen und Wünsche des Vermögensinhabers“, sondern stellen verbindliche Anlagerichtlinien dar,36 die den Ermessensspielraum des Vermögens­verwalters festlegen und ggf. einschränken sollen.37 Die Vereinbarung von Anlage­richtlinien hat nicht nur für den Anleger, sondern auch für den Finanzportfoliover­walter wesentliche Vorteile. Zum einen wird der Finanzportfolioverwalter nicht um­hin können, den Anleger anlegergerecht und objektgerecht zu den im Rahmen der Vermögensverwaltung in Frage kommenden Anlageformen zu informieren. Nur die ordnungsgemäße Beachtung der Pflichten aus §§ 31, 32 WpHG ermöglichen Finanz­portfolioverwalter und Anleger, eine realistische, auf die Person des Anlegers zuge­schnittene Anlagestrategie zu vereinbaren. Die Erfüllung der Pflichten nach §§ 31, 32 WpHG als wesentliche Grundvoraussetzung für Inhalt und Ziel der Vermögens­verwaltung soll durch die Vereinbarung von Anlagerichtlinien sichergestellt werden. Für den Finanzportfolioverwalter hat das Vorliegen einer entsprechenden Vereinba­rung Vorteile haftungsrechtlicher Art. Durch die Erkundigungspflicht wird er näm­lich erst in die Lage versetzt, mit dem Anleger eine Anlagepolitik zu vereinbaren, die sich mit dessen Kenntnissen und Erfahrungen, dessen Risikofähigkeit und Risikonei­gung sowie dessen Zielen und Motiven deckt. Soweit er sich an die im Rahmen die­ser Anlagerichtlinien festgelegten Vorgaben hält, ist sein Haftungsrisiko, z.B. wegen erlittener Verluste, wenngleich zwar nicht in Gänze ausgeschlossen, so jedoch ein­schätzbar.

Bei einer etwaig erforderlichen Auslegung von Anlagerichtlinien sind die Umstände der Vertragsverhandlungen zu berücksichtigen.38 Durch die Vereinbarung, die Ver­waltung solle „nach dem beruflichen Ermessen“ des Verwa1ters erfolgen, wird dem Verwalter im Innenverhältnis keine uneingeschränkte Vollmacht erteilt. Die Einhal­tung der Anlagerichtlinien des Anlegers - auch wenn diese relativ abstrakt gehalten sind - bildet somit eine vertragstypische Hauptpflicht des Finanzportfolioverwalters, so dass eine formularvertragliche Aufhebung der Weisungsgebundenheit gegen § 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB (§ 9 Abs. 2 Nr. 2 AGBG) verstößt. Der Klausel kann daher nur die Bedeutung beigemessen werden, dass der Verwalter innerhalb der vereinbar­ten Anlagerichtlinien die Anlageentscheidungen nach seinem pflichtgemäßen Ermes­sen treffen soll. Auch in diesem Zusammenhang ist die Verpflichtung des Finanz­portfolioverwalters, den Anleger vor Vertragsschluss über die grundsätzlichen Risi­ken der beabsichtigten Anlageformen aufzuklären, von Bedeutung. Die nähere in­haltliche Ausgestaltung können die Parteien frei vereinbaren und ausgestalten. So können sich die Anlagerichtlinien auf eine kurz und knapp gehaltene Beschreibung der Anlagepolitik beschränken. Im Anlagegeschäft wurden zu diesem Zwecke ver­schiedene Fachbegriffe entwickelt, die schlagwortartig die Anlageziele und die Risi­koneigung des Anlegers definieren sollen. Hinsichtlich der Anlageziele wird z.B. zwischen der „Vermögenserhaltung“, der „Vermögensmehrung“ und der „Liquidität“ unterschieden, während unter dem Aspekt des Risikos häufig zwischen „konservati­ver“, „renditeorientierter“ oder „spekulativer“ Anlagepolitik differenziert wird.39 Allerdings bergen derartige standardisierte Klauseln, gleichwohl sie als „Anlage­richtlinie“ zu verstehen sind,40 ihre Gefahren.41 So sind etwa Begriffe wie „konserva­tive“, „renditeorientierte“ oder „spekulative“ Vermögensanlage weder gesetzlich normiert noch exakt definiert;42 wie derartige Klauseln jeweils für den konkreten Fall zu verstehen sind, bedarf daher einer - für beide Seiten interessengerechten Ausle­gung (§§ 133, 154 BGB).43 Wie bereits festgestellt, sind marketingorientierte Cha­rakterisierungen wie „Ertrag“, „Wachstum“, „Chance“ nicht immer hinreichend prä­zise, um eine sachgerechte Definition der Anlegermentalität sicherzustellen.44

Derartige Einstufungen können nur dann zur Festlegung der Anlagepolitik herange­zogen werden, wenn der Vermögensinhaber den Inhalt der Begriffe und deren Trag­weite überblicken kann.45 Diesen Überblick kann der Finanzportfolioverwalter dem Vermögensinhaber im Rahmen der anleger- und anlagegerechten Aufklärung und Beratung verschaffen. Soweit dies ordnungsgemäß erfolgt ist, mag eine schlagwort­artige Definierung der Anlagerichtlinien ausreichen. Allerdings sind auch bei relativ detailliert gefassten Vereinbarungen zwischen Vermögensinhaber und Finanzportfo­lioverwalter Auslegungsschwierigkeiten möglich, sofern die Anlagestrategie und - politik nur mit dem Begriff „konservativ“ umschrieben wird.

Anlagerichtlinien können andererseits auch sehr detailliert und umfangreich ausfal- len.46 In diesen Fällen beinhalten die Anlagerichtlinien dezidierte Vereinbarungen über die Art der einzelnen Anlagen, ihr Verhältnis zueinander sowie das Verhalten des Finanzportfolioverwalters in Sondersituationen, ferner die Befugnisse des Fi­nanzportfolioverwalters zur Durchführung von Termingeschäften oder zur Inan­spruchnahme von Darlehen.

2.5 Pflichten während der Verwaltung

2.5.1 Grundsätze der ordnungsgemäßen Vermögensverwaltung

Neben der Beachtung der §§ 31, 32 WpHG und der Wahrung der Grundsätze einer anleger- und anlagegerechten Beratung besteht ein weitergehender Pflichtenkreis, der zu den anerkannten Grundsätzen der Vermögensverwaltung zu zählen ist. In Deutschland hat der „Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V.“ (VuV) den sog. „Ehrenkodex“ entwickelt, die Finanzportfolioverwalter wie Anleger konkretisierende Empfehlungen geben sollen.47 Es liegt auf der Hand, dass diese Gebote bzw. Verbote nicht isoliert nebeneinander bestehen.

[...]


1 Vgl. Richter, Possibilities and limitations of internal softwareengineering and the implementation of applications in independent asset management, S. 7ff.

2 Vgl. Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 13.

3 Vgl. Roll, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 24.

4 Vgl. Wicke, Individuelle Vermögensverwaltung für Privatkunden, S.19; Balzer, Vermögensverwal­tung durch Kreditinstitute, S. 15; Jendralski und Oehlenschläger, Vermögensverwaltung und Vermö­gensbetreuung, S. 10.

5 Assmann und Schneider, Wertpapierhandelsgesetz (Kommentar), §31 Rn. 22.

6 Vgl. OLG Düsseldorf WM 1994, 1468, 1469: OLG Karlsruhe WM 1992, 577; OLG Köln WM 1989, 402, 404; Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 15.

7 Vgl. Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 15.

8 Vgl. Becker und Wicke, Rechtsfragen der Vermögensverwaltung, S. 4ff.

9 Vgl. Brunner und Vollath, Handbuch Finanzdienstleistungen, S. 338-339; Becker und Wicke, Rechtsfragen der Vermögensverwaltung, S. 5.

10 Vgl. Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 12.

11 Vgl. Roll, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 9,28; Becker und Wicke, Rechtsfragen der Vermögensverwaltung, S. 4; Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 12; Jendralski und Oehlenschläger, Vermögensverwaltung und Vermögensbetreuung, S. 10.

12 Vgl. Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 19.

13 Vgl. Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 25.

14 Vgl. Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 25.

15 Vgl. Kommentar des Autors.

16 Vgl. Brunner und Vollath, Handbuch Finanzdienstleistungen, S. S.308, 310; Balzer, Vermögens­verwaltung durch Kreditinstitute, S. 25.

17 Richtlinie 93/22/EWG, Abl. Nr. L 141/27ff.

18 Richtlinie 93/6/EWG, Abl. Nr. L 141/1ff

19 Gesetz zur Umsetzung von EG-Richtlinien zur Harmonisierung bank- und wertpapieraufsichtrecht­licher Vorschriften (6. KWG-Novelle) vom 22.10.1997, BGBI. I. S. 2518 ff: Begleitgesetz zum Ge­setz zur Umsetzung von EG-Richtlinien zur Harmonisierung bank- wertpapieraufsichtrechtlicher Vorschriften (6. KWG-Novelle) vom 22.10.1997, BGB1. I, S. 2567ff; Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 59ff.

20 Vgl. Horn und Schimansky, Bankrecht 1998, S. 265, 267, 271.

21 Einzelheiten siehe BAKred, Infoblatt 1/97 für inländische Unternehmen im Finanzdienstleistungs­sektor.

22 Vgl. Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 57ff.

23 Vgl. Horn und Schimansky, Bankrecht 1998, S. 265, 271.

24 Vgl. BAKred, Hinweise für Investmentclubs in der Rechtsform der Gesellschaft bürgerlichen Rechts im Hinblick auf den Tatbestand der Finanzportfolioverwaltung im Sinne von § 1 Abs. la Satz 2 Nr. 3 KWG.

25 Vgl. Assmann und Schneider, Wertpapierhandelsgesetz (Kommentar), Rn. 32ff.

26 Vgl. Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 64.

27 Vgl. Horn und Schimansky, Bankrecht 1998, S. 265, 285; Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 50.

28 Vgl. Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 51.

29 Vgl. Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 51.

30 Dies verkennt der BGH in seinem Urteil vom 4.4.2002 (BKR 2002, 397 = ZIP 2002, 795 = WM 2002, 913); wie hier Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 51.

31 Siehe hierzu BGH BKR 2002, 397, 398 = ZIP 2002, 795, 796 = WM 2002,913,914.

32 Vgl. BGH WM 1996,906.

33 Vgl. Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 52.

34 Nach Auffassung von Balzer, Vermögensverwaltung durch Kreditinstitute, S. 52, dürfte indessen im Rahmen der Gespräche, die auf den Abschluss eines Vermögensverwaltungsvertrages abzielen, für das Rechtsinstitut der „culpa in contrahendo“ regelmäßig kein Raum sein, da aufgrund der weit rei­chenden Folgen, die der Abschluss eines Vermögensverwaltungsvertrages mit sich bringt, in aller Regel voll einem eigenständigen Beratungsvertrag auszugehen sei. Vgl. dazu Horn und Schimansky, Bankrecht 1998, S. 265, 285, die vor Abschluss eines Vermögensverwaltungsvertrages eine Haftung aus „culpa in contrahendo“ als Regel betrachteten.

35 Vgl. Schäfer und Müller, Haftung für fehlerhafte Wertpapierdienstleistungen. Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Börsentermingeschäfte, Rn. 244.

36 Vgl. Schwintowski und Schäfer, Bankrecht. Commercial Banking - Investment Banking, § 12 Rn. 39ff.

37 Vgl. BGH ZIP 1997,2149, 2150.

38 Vgl. Schäfer und Müller, Haftung für fehlerhafte Wertpapierdienstleistungen. Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Börsentermingeschäfte, Rn. 286.

39 Vgl. Assmann und Schneider, Wertpapierhandelsgesetz (Kommentar), § 31 Rn. 84.

40 Vgl. Schäfer und Müller, Haftung für fehlerhafte Wertpapierdienstleistungen. Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Börsentermingeschäfte, Rn. 281.

41 Vgl. Horn und Schimansky, Bankrecht 1998, S. 265, 273f.

42 Vgl. Schäfer und Müller, Haftung für fehlerhafte Wertpapierdienstleistungen. Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Börsentermingeschäfte, Rn. 282.

43 Siehe hierzu OLG Köln WM 1997, 570, 572f.; Schäfer und Müller, Haftung für fehlerhafte Wert­papierdienstleistungen. Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Börsentermingeschäfte, Rn. 282, 284.

44 Vgl. Assmann und Schneider, Wertpapierhandelsgesetz (Kommentar), § 31 Rn. 84; Schäfer und Müller, Haftung für fehlerhafte Wertpapierdienstleistungen. Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Börsentermingeschäfte, Rn. 282.

45 Vgl. Assmann und Schneider, Wertpapierhandelsgesetz (Kommentar), § 31 Rn. 84.

46 Vgl. Schäfer und Müller, Haftung für fehlerhafte Wertpapierdienstleistungen. Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Börsentermingeschäfte, Rn. 277.

47 Siehe hierzu ausführlich http://www.vuv.de/ehrenkodex.html.

Details

Seiten
48
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640773763
ISBN (Buch)
9783640773626
Dateigröße
7.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v161064
Institution / Hochschule
Univerzita Komenského v Bratislave
Note
Schlagworte
Möglichkeiten Grenzen Evaluierung Hedgefonds Einsatz Vermögensverwaltung

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