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Muslime in Europa

Zur Integration von muslimischen Minderheiten in den säkularen Rechtsstaat

Seminararbeit 2007 13 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Muslimische Minderheiten in Europa
2.1 Einführendes
2.2 Integration von Muslimen in Großbritannien
2.3 Integration von Muslimen in Frankreich
2.4 Fazit

3 Reflexion

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, anhand der Darstellung unterschiedlicher westeuropäischer Integrationskonzepte, mehr über die verschiedenen Integrationsmöglichkeiten muslimischer Minderheiten und deren Dienlichkeit zu erfahren.

Vorab muss jedoch geklärt werden, dass es „den Muslimen“, von dessen Begrifflichkeit im Folgenden der Einfachheit halber immer Gebrauch gemacht wird, im eigentlichen Sinne überhaupt nicht gibt. Muslime gehören nicht alle einer islamischen Richtung an, wie teilweise vor allem auf Grund der Angst vor weltweiten Terroranschlägen propagiert wird. Unter den Muslimen besteht vielmehr eine ebenso große Spannweite von Einstellungen und Vereinigungen wie in christlichen Konfessionen. Dieses Faktum muss man als Rezipient dieser Arbeit, aber auch als europäischer Staatsbürger im alltäglichen Leben immer in Hinterkopf haben.

Im Folgenden soll zunächst eine allgemeine Übersicht bezüglich der Thematik Muslime in Europa gegeben werden, um auf diese Weise einen ersten Einblick in die Themenstellung zu geben. Dabei wird unter anderem zwischen den unterschiedlichen Faktoren differenziert, welche die Rechtslage der europäischen Muslime bedingen und zudem drei Grundkonzepte unterschiedlicher Integrationsmöglichkeiten vorgestellt.

Im Hauptteil werden daraufhin zwei prägnante Beispiele für unterschiedliche Formen der Integration dargelegt. Anhand von Großbritannien soll das Konzept der segmentären Insertion näher erläutert werden, wohingegen Frankreich als Beispiel für eine Assimilationspolitik dienen soll. Im Anschluss wird ein kurzes Fazit geschlossen, ob eines der aufgeführten Konzepte eine Ideallösung darstellt und wenn nicht, welche Alternativen eine gelungene Integration bedingen.

Den Schluss stellt die Reflexion in Form einer Einordnung in den Kontext des Seminars dar. Hierbei sollen zentrale Punkte des Seminars auf die Integrationsproblematik bezogen und ein Ausblick auf einen möglichen Fortschritt gegeben werden.

2 Muslimische Minderheiten in Europa

2.1 Einführendes

Jeder westeuropäische Staat hat hinsichtlich der Entwicklung der muslimischen Stellung im Land seine eigene Geschichte. Generell kann man jedoch sagen, dass Muslime unter anderem als Studenten, später aus politischen Gründen, außerdem als Arbeiterimmigranten und auch als Asylanten nach Westeuropa kamen und ein neues Leben begannen.

Heute leben nahezu 13 Millionen Muslime in Westeuropa, was etwa 3 % der westeuropäischen Bevölkerung ausmacht. Die geographische Verteilung der muslimischen Bevölkerung ist dabei jedoch sehr ungleichmäßig. Frankreich und die Niederlanden weisen beispielsweise die größte Konzentration auf, wohingegen die Anzahl muslimischer Bewohner in Spanien oder Finnland nur eine minimale Größe darstellt.[1]

Mit dieser Gegebenheit ist zugleich das erste Faktum angesprochen, welches die Rechtslage der Muslime in Europa als ein Faktor bedingt[2]: Die Gesamtzahl der in Westeuropa lebenden Muslime ist nicht sehr hoch, sie entspricht in etwa der Einwohnerzahl eines kleinen EU-Mitgliedsstaats. Da sie jedoch weitläufig verteilt sind, stellen muslimische Mitbürger in jedem Land eine Minderheit dar. Ein zweiter zentraler Faktor ist das rechtliche respektive gesellschaftliche Problem der Einwanderung. Staaten werden sich erst seit jüngsten Einreisen bewusst, dass sie zur Regulierung der Immigration betonen müssen, kein traditionelles Einwanderungsland zu sein. Eine weitere Schwierigkeit stellt die nicht selten unterschiedliche Ausgestaltung des Staatsbürgerschaftsrechts der westeuropäischen Länder dar. Den dritten Faktor bildet das negative Bild vom Islam, welches Europäer vor allem auf Grund der Medien besitzen. Damit hängt der vierte Faktor sehr stark zusammen, bei dem es um den islamischen Pluralismus geht, welcher anerkannt werden muss. Den fünften und letzten Faktor stellt das unterschiedliche religionsrechtliche System der jeweiligen europäischen Staaten dar. Die Ausgestaltung der muslimischen Rechtsstellung hängt somit auch erheblich von dem staatlichen Religionsrecht ab.

Trotz der aufgeführten Faktoren, die den Muslimen ein Leben in Europa nicht leicht machen, haben sich diese nach den Familienzusammenführungen auf einen längeren Aufenthalt in Westeuropa eingestellt. Moscheen wurden gegründet, welche sich heutzutage immer mehr zu multifunktionalen islamischen Zentren ausbilden, in denen erzieherische wie soziale Aktivitäten stattfinden (wie beispielsweise Sprachkurse, PC-Unterricht etc.). Die Muslime errichten vor allem in den achtziger und neunziger Jahren unterschiedliche soziale, wirtschaftliche und kulturelle Einrichtungen respektive Aktivitäten (wie islamische Schlachtereien, Medien oder Friedhöfe), die ihnen ein Leben in Europa angenehmer machen.[3]

Mit besagten Einrichtungen herrscht in den unterschiedlichen Staaten eine große Sichtbarkeit an muslimischen Organisationen, was für westeuropäische Länder gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen bedeutet. Diese Veränderungen rufen Spannungen und politische Gegensätze hervor, welche letzten Endes die Frage aufkommen lassen, inwieweit ein Entgegenkommen bei der Integration muslimischer Bürger möglich respektive willentlich ist.

Man differenziert bei der Unterstützung respektive Integration von (muslimischen) Minderheiten durch öffentliche Mittel zwischen drei Konzepten: zum einen besteht die Möglichkeit, dass nur einer Kirche im Land besondere Privilegien zukommen. In Großbritannien, Finnland oder Portugal ist dies beispielsweise der Fall. Diese Handhabung ist nicht zwingend negativ zu bewerten, da sich die Hauptkirche durchaus für die Interessen muslimischer Minderheiten einsetzen kann. Das Ziel dieses Konzepts der segmentären Einfügung ist ein konfliktfreies Leben nebeneinander, „bei weitgehender Aufrechterhaltung der kulturellen Identität.“[4]

Des Weiteren besteht die Möglichkeit, dass eine besondere Anerkennungsprozedur gänzlich nicht vorhanden ist. Diese Konzeption geht von einer Gleichbehandlung aller religiösen Gemeinschaften aus, von denen keine einzige bestimmte Vorteile gegenüber einer anderen Gruppierung besitzt. Diese Angleichung (Assimilation) hat das Ziel „einer strikt egalitären Bürgerschaft ohne Ressentiments und Diskriminierung im Auge“[5], wobei nicht die Gruppe sondern das Individuum, jeder Einzelne, im Vordergrund steht. In Staaten wie Frankreich und den Niederlanden wird dieses Konzept angewandt. Vor allem in die Niederlanden wurden Muslime bis zum Jahr 2002 problemlos integriert. Ihnen wird viel Raum geboten, eigene Organisationen (wie Schulen oder Krankenhäuser) im öffentlichen Bereich zu verwalten. Zudem besitzen die muslimischen Mitbürger Stimmrecht für Gemeinderäte und werden auch in das soziale, öffentliche Leben aktiv miteingebunden. Seitdem die Integration von der liberalen Partei VVD im Jahr 2002 jedoch als wichtiges gesellschaftliches Problem proklamiert wurde, werden in den Niederlanden immer mehr antiislamische Stimmen laut. Dennoch entstand 2004 das Contactorgaan Moslims en Overheid (CMO), welches viele große Moscheen vereint und als offizieller Gesprächspartner des Staats anerkannt wurde.

[...]


[1] Eine tabellarische Übersicht zu geschätzten Zahlen von Muslimen in einer Auswahl europäischer Länder ist zu finden bei: Ende, W./Steinbach, U. (Hrsg.): Der Islam in der Gegenwart, München 2005, S. 562.

[2] Vgl. Heuberger, V. (Hrsg.): Der Islam in Europa, Frankfurt am Main u.a. 1999, S. 46ff.

[3] Vgl. Ende, W./Steinbach, U. (Hrsg.): Der Islam in der Gegenwart, S. 564ff.

[4] Heuberger, V. (Hrsg.): Der Islam in Europa, S. 48.

[5] Ebd.

Details

Seiten
13
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640740161
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160992
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,7
Schlagworte
Integration Islam Moslems muslimische Minderheit

Autor

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