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Die Schilderung der Lechfeldschlacht bei Widukind

Hausarbeit 2010 11 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellen- und Forschungslage

3. Die Schlacht auf dem Lechfeld
3.1 Die Schlacht im Spiegel zeitgenössischer Quellen
3.2 Die Kaiserakklamation bei Widukind

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Sie gilt wohl als eines der bedeutendsten Ereignisse des Frühmittelalters: die Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955. Die Schlacht, in der König Otto I. die Ungarn besiegte und dadurch ihren Raubzügen nach Westeuropa ein Ende bereitete. Dieser Sieg hatte nicht nur fundamentale Auswirkungen auf das ungarische Volk, auch für Otto bedeutete er einen Wendepunkt seiner Herrschaft. Denn seit seinem Regierungsantritt 936 durch Aufstände, zuerst dem seines Bruders und danach seines Sohnes, mehrmals an den Rand einer Niederlage gebracht, ging Otto I. nun gestärkt und in seiner Position gefestigt aus dieser Auseinandersetzung. Der Erfolg auf dem Lechfeld hat nicht nur sein Ansehen in Europa sehr gesteigert, auch innenpolitisch festigte er damit seine Herrschaft endgültig.[1]

Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die damaligen Ereignisse, wie sie uns in zeitgenössischen Quellen geschildert werden. Darüber hinaus soll das Problem der Kaiserakklamation im Werk Widukinds von Corvey erörtert werden.

2. Quellen- und Forschungslage

Führt man sich die große Bedeutung, die der Sieg gegen die Ungarn für die Menschen des 10. Jahrhunderts gehabt haben muss, vor Augen, so verwundert es wohl nicht, dass die Lechfeldschlacht in zahlreichen Quellen Erwähnung findet. Jedoch können viele dieser Niederschriften von der modernen Geschichtswissenschaft nicht uneingeschränkt zur Erforschung der damaligen Ereignisse genutzt werden. Das kann unter anderem daran liegen, dass ihre Verfasser nachweislich nur aus anderen Werken kopierten, oder aber Hergang und Umstände der Schlacht verfälschten. Geschah dies nun lediglich infolge der zeitlichen Entfernung des Autors zum Geschehen oder aufgrund der Intention desselben, mit der er sein Werk verfasste. Der Wert solcher Quellen für die Klärung der Umstände während und im Umfeld des Kampfes muss als relativ gering angesehen werden. Dagegen gelten die Werke Widukinds von Corvey, Adalberts von Magdeburg und Thietmars von Merseburg als wohl wichtigste Referenzquellen zur Lechfeldschlacht.

Adalberts Fortsetzung der Chronik Reginos, geschrieben 966-968, zählt zu den authentischsten Quellen über die Herrschaft Ottos des Großen. Zwar beschränkt sich die Schilderung der Schlacht lediglich auf wenige Sätze, jedoch lässt die Tatsache, dass Adalbert erst als Mitglied der Kanzleien sowohl Ottos I. als auch Ottos II. und später in seiner Funktion als Erzbischof von Magdeburg voll im politischen Leben stand und somit auch am königlichen Hof Zugang zu Informationen aus erster Hand hatte, ihn als sehr glaubwürdig erscheinen.[2]

Ähnlich Adalberts Fortsetzung Reginos zählt auch Thietmar von Merseburgs „Chronik“ zu den bedeutendsten historiographischen Quellen über die Schlacht auf dem Lechfeld und der Herrschaft Ottos. Thietmar ist zwar kein Zeitzeuge im eigentlichen Sinn (er wurde erst 975 geboren und verfasste sein Werk erst ab 1012) und muss sich somit auf ihm bekannte Schriften, namentlich Widukinds Sachsengeschichte oder auch die Quedlinburger Annalen, stützen, aber der Umfang seines Werkes in Verbindung mit der detaillierten Schilderung der Ereignisse während Ottos Regentschaft machen ihn für Historiker so interessant.[3]

Die wohl wichtigste Quelle zur Lechfeldschlacht ist aber nach wie vor die Sachsengeschichte Widukinds von Corvey. Dieses Werk berichtet nicht nur sehr ausführlich über das Leben und Wirken Ottos des Großen, es beinhaltet auch den umfangreichsten Bericht der Kampfhandlungen gegen die Ungarn. Dennoch ist Widukind mit einer gewissen Zurückhaltung in Bezug auf seine Äußerungen zu behandeln. Das liegt daran, dass er sich bei seinen Ausführungen mitunter große erzählerische Freiheiten in der Darstellung historischer Ereignisse erlaubt. Über die Gründe einer derartigen Ungenauigkeit ist bereits ausführlich in Fachkreisen diskutiert worden.[4] Möglicherweise resultiert sie daraus, dass er bei den Geschehnissen, die er beschreibt, nie persönlich anwesend war und somit auf Augenzeugenberichte und ältere Aufzeichnungen angewiesen war. Auch eine bewusste Ausschmückung und „Umgestaltung“ der sächsischen Geschichte, insbesondere während Ottos Herrschaft, aus Gründen einer übergeordneten Darstellungsabsicht, kann nicht ausgeschlossen werden (schließlich war das gesamte Werk Ottos Tochter Mathilde gewidmet). Gerd Althoff wies in diesem Zusammenhang auf die Tatsache hin, dass zum Entstehungszeitpunkt der Sachsengeschichte Otto I. ebenso wie sein Sohn Otto II. in Italien weilten. Mathilde war demnach die einzige Vertreterin des Kaiserhauses nördlich der Alpen.[5] Folglich sei es durchaus möglich, so Althoff weiter, dass die Sachsengeschichte als Mittel zur „Befähigung Mathildes zum selbständigen politischen Handeln in Kenntnis aller wesentlicher Aspekte“[6] verfasst wurde.

[...]


[1] H. Hiller, Otto, 167f.

[2] H. Wunder, 2VL 1, 1978, 32f.

[3] H. Beumann, 2VL 9, 1995, 795f.

[4] G. Althoff, LexMA 9, 1998, 76f.

[5] Ders., FMSt 27, 1993, 260f.

[6] Ebd., 270.

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640738250
ISBN (Buch)
9783640804627
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160829
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,0
Schlagworte
Schilderung Lechfeldschlacht Widukind

Autor

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Titel: Die Schilderung der Lechfeldschlacht bei Widukind