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John Maynard Keynes

Leben, Zeitkontext und Theorien

Seminararbeit 2008 26 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Biographie

2. Der Zeitkontext Keynes’

3. John Maynard Keynes' Widerlegung der klassischen Paradigmen

4. Keynes Theorieinnovationen und Bewältigungsmechanismen der Wirtschaftskrise(n)

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis:

Einleitung

Jede Krise sucht ihren Meister. Überraschend an der aktuellsten Krise, die auf den Immobilien- und Finanzmärkten begann und sich nun auf einem verheerenden Weg kreuz und quer durch die Realwirtschaft schlägt, scheint, wie einhellig auf einen Theoretiker zurückgegriffen wird, der nicht weniger als bereits sechs Dekaden unter den Toten weilt.

John Maynard Keynes war der Begründer einer neuen Wirtschaftsära. Seine Theorieinnovationen lösten die (Neo-)Klassik ab, die im Angesicht der Großen Depression nur staunen konnte, wie groß die Unterschiede zwischen Modell und Wirklichkeit waren. Mit messerscharfem Verstand gelang es Keynes, die paradigmatischen Probleme aufzuzeigen und eigene Ideen zur Lösung der Schwierigkeiten zu erarbeiten. Er setzte an die Stelle einer analytischen Theorie eine realistische, wenn auch allerdings z.B. soziologische Faktoren in seinen Überlegungen noch keine Rolle spielten.

In einem ersten Teil dieser Arbeit soll das Leben und Werk von John Maynard Keynes, der einen Ruf als brillantes Genie genoss, überblicksartig dargestellt werden. Ersichtlich wird hier vor allem seine Bedeutung in der zeitgeschichtlichen Politik.

Es folgt ein Versuch, die Große Depression sowie ihre Folgen und Lösungsansätze als den historischen Kontext von Keynes' Ideen zu zeichnen. Der Fokus liegt dabei auf einer Chronologie dieser ersten großen Kapitalismuskrise.

Im dritten Abschnitt begeben wir uns direkt in die Gedankenwelt des John Maynard Keynes und betrachten sein Hauptwerk, die „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ aus dem Jahr 1936. Erklärt wird im Detail die Widerlegung der Thesen der Klassik.

Der vierte Teil geht ein auf die Lösungsstrategien, die Keynes für eine Krise anrät, und auf die plötzliche Wiederbelebung dieser Strategien im Rahmen der aktuellen Politik zur gegenwärtigen Finanzkrise.

Der Schluss soll die Kernaussagen dieser vier Schwerpunkte noch einmal kurz zusammenfassen.

1. Biographie

John Maynard Keynes war nicht nur Ökonom, sondern auch Politiker, Professor an der Cambridge Universität und leidenschaftlicher Mathematiker. Außerdem ist er Namensgeber des Keynesianismus.

„Sein Geburtsjahr 1883 war auch das Jahr, in dem Marx starb“ (Heilbroner 1986: 252). Diese beiden Ökonomen, die einen derartigen Einfluss auf die „Philosophie des kapitalistischen Systems“ (Heilbroner 1986: 252) nahmen, hätten nicht unterschiedlicher sein können. Während Marx als verbittert, abwehrend, und mürrisch beschrieben wurde, war Keynes einer, der Spaß am Leben hatte und ausgelassen, locker und mit großem Erfolg durchs Leben ging (vgl. Heilbroner 1986: 252).

Sein Vater John Neville Keynes war ebenfalls bekannter Ökonom. Aber auf die „gewöhnlichen vererbten Begabungen“ (Heilbroner 1986: 252), kann man den Fall seines Sohnes nicht zurückführen, für viele Menschen ist Keynes ein Genie und ein Multitalent, was sich bereits in seiner Kindheit bemerkbar machte. „Im Alter von 4 ½ Jahren enträtselte er für sich die wirtschaftliche Bedeutung der Zinsen, mit 6 fragte er sich, wie sein Gehirn arbeite […]“ (Heilbroner 1986: 252 f.).

Keynes bewarb sich mit 14 Jahren für ein Stipendium für Eton, welches ihm auch zugeteilt wurde. Ungeachtet der schrecklichen Geschichten über die englischen Public Schools wurde er dort weder gequält, noch geistig unterdrückt. Keynes war ein hervorragender Schüler und überwiegend glücklich während seiner Zeit in Eton. „Er blühte auf, seine Noten waren die besten, und er gewann die Preise im Dutzend“ (Heilbroner 1986: 253; siehe auch Skidelsky 1983: 75), wie es Heilbroner auf den Punkt bringt. Zur selben Zeit entwickelte er seine Schwäche für Champagner, legte sich einen Schnauzbart zu, fing an zu rudern und wurde ein hervorragender Debattierer, das alles jedoch ohne zum Snob zu werden.

„Was in Eton ein riesiger Erfolg war, sollte am King´s College von Cambridge zum Triumph werden“ (Heilbroner 1986: 253). Alfred Marshall, sein Professor, welcher ebenfalls Ökonom war und die Theorie der Neoklassik vertrat, hielt ihn an, Vollzeitökonom zu werden. Außerdem wurde er zum Secretary of the Union, was ihm den Vorsitz über eine der bekanntesten nicht staatlichen Debattiergesellschaften der Welt in Aussicht stellte. Für viele war Keynes ein Genie, eine schöpferische Persönlichkeit, doch das ändert nichts an der Tatsache, dass auch diese auf irgendeine Weise Geld verdienen müssen. Da er nur wenig Geld in Händen hatte und die Chancen einer akademischen Laufbahn noch düster waren, kam für ihn die Frage nach einer Beschäftigung auf (vgl. Heilbroner 1986: 253). Anfangs hatte er folgende Vorstellungen:

„Ich möchte eine Eisenbahn leiten oder eine Treuhandgesellschaft verwalten, oder zumindest die investierende Öffentlichkeit beschwindeln“, er fügt hinzu, „es ist so einfach und faszinierend, das Prinzip dieser Dinge zu verstehen“ (Skidelsky zitiert nach Heilbroner 1986: 254).

Da ihm schlussendlich niemand eine Eisenbahn oder eine Treuhandgesellschaft in Aussicht stellte, entschied sich Keynes für eine Karriere im öffentlichen Bereich.

1907 kam er in das India Office, es war für ihn jedoch unerträglich, mit der Begründung, dass er den größten Teil seiner Energie zu Hause aufwandte, sich an diesem Ort die meiste Zeit zu Tode langweilte und seine Stellung als kleinerer Beamter im öffentlichen Dienst weit von der Leitung einer Eisenbahn entfernt war. „Seine Arbeit, erklärte er, habe darin bestanden, einen Zuchtbullen nach Bombay zu verschiffen, und alles, was einem die Verwaltungsarbeit einbrächte, sei „schroffe Abweisung“ aufgrund einer unüberlegten Bemerkung“, so Heilbroner (Heilbroner 1986: 254; siehe auch Skidelsky 1983: 181). Also gab er diesen für ihn anspruchslosen Beruf auf und ging nach Cambridge zurück. Da er aber nun mit den indischen Umständen vertraut war, schrieb er im Jahr 1913 das Buch Indian Currency and Finance (dt. Indische Währung und Finanzen), von welchem man eine hohe Meinung hatte und das vielerorts großen Lob erntete. Nicht allzu spät wurde eine „königliche Kommission zur Untersuchung des indischen Währungsproblems“ (Heilbroner 1986: 254; siehe auch Moggridge 1993: 49) geschaffen, zu der man ihn um seine aktive Beteiligung bat, mit seinen nur 29 Jahren eine außergewöhnlich große Ehre.

Cambridge war für ihn besser geeignet. Keynes genoss dort ebenfalls hohes Ansehen und zum Zeichen der Anerkennung wurde er zum Chefredakteur des Economic Journal befördert, der bedeutungsvollsten Zeitschrift für Wirtschaftstheorie in Großbritannien. Diese Funktion übte er 33 Jahre lang aus (vgl. Heilbroner 1986: 254).

Die Tätigkeiten bei Bloomsbury jedoch, fand er noch amüsanter als in Cambridge. „Bloomsbury bezeichnete sowohl einen Ort als auch einen Geisteszustand. Die kleine Gruppe der Intellektuellen, der Keynes im Grundstudium angehört hatte, besaß nun ein Zuhause, eine Philosophie und einen Ruf. Es gehörten nie mehr als vielleicht 20 oder 30 Leute zu diesem magischen Zirkel, doch ihre Meinungen setzten die künstlerischen Standards in England […]“ (Heilbroner 1986: 255), immerhin bestand die Gruppe unter anderem aus Leonard und Virginia Woolf, E. M. Forster, Clive Bell, Roger Fry und Lytton Strachey. Mit letzterem verband ihn auch eine Liebesbeziehung.

Keynes spielte in sämtlichen Positionen eine zentrale Rolle, er war sowohl Ratgeber und Beigeordneter, als auch Schiedsrichter. Eine seiner bemerkenswertesten Eigenschaften war es, über jede Angelegenheit mit absoluter Gewissheit sprechen zu können. Auf Grund dessen bekam er den Spitznamen Pozzo, der Name eines korsischen Diplomaten, der für seine weit reichenden Interessen und sein tückisches Wesen bekannt war (vgl. Heilbroner 1986: 255).

Während des ersten Weltkrieges waren die Tätigkeiten von Bloomsbury weit gehend eingeschränkt. Keynes sollte sich nun im Finanzamt um das britische Kapital im Ausland kümmern. Bald war er auch dort eine richtungsweisende Persönlichkeit. Die Neuordnung Europas nach dem Krieg stand nun bevor und so wurde Keynes zu einer der bedeutungsvollen aber unbekannten Personen, „ die man hinter dem Stuhl eines Staatsoberhauptes bereit stehen sieht, um diesem Ratschläge ins Ohr zu flüstern“ (Heilbroner 1986: 256). Er kam an den Obersten Wirtschaftsrat in Paris, wo er als Abgeordneter des Finanzministeriums totale Entscheidungsfreiheit hatte, außerdem wohnte er als Beauftragter des Finanzministeriums selbst der Friedenskonferenz bei. Er hatte aber trotz allem nicht die Erlaubnis direkt ein Machtwort zu sprechen, was für ihn die reine Tortur und eine große Last war, denn Keynes war eigentlich für einen versöhnlichen Friedensvertrag, als für einen Racheplan (vgl. Heilbroner 1986: 256).

Weil er gegen Ende des Krieges die Reparationszahlungen, die Deutschland auferlegt wurden, als ökonomisch widersinnig erachtete, legte er also niedergeschlagen seine Ämter nieder. Seinen Frust drückte er in dem Buch The Economic Consequences of the Peace (dt. Die wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrages) aus, welches er unmittelbar nach Inkrafttreten des Vertrages schrieb. Im selben Jahr noch war er in aller Munde (vgl. Skidelsky 1983: 384 f.)

Keynes hatte es wieder einmal geschafft in kürzester Zeit Bekanntheit zu erlangen, es kam jedoch aufs Neue die Frage nach einer Arbeit auf. Er hatte sich für den Weg eines Geschäftsmannes entschlossen und mit seiner nicht allzu guten Finanzlage begab er sich auf ein sehr unsicheres Terrain, der Börse. Er begann nun an den internationalen Märkten zu spekulieren. Doch Keynes war stets mit mehreren Dingen gleichzeitig beschäftigt, und während er auf der Börse spekulierte, schrieb er für den Manchester Guardian, setzte in Cambridge seine Lehrtätigkeit fort und heiratete nach einem aufregenden Liebesleben und einigen männlichen Liebhabern am Ende die russische Primaballerina Lydia Lopokova (vgl. Heilbroner 1986: 259 ff.). Außerdem brachte er 1930 A Treatise on Money (dt. Vom Gelde) heraus, das trotz seiner Länge und Kompliziertheit doch ein hervorragender Versuch ist, das gesamtwirtschaftliche Geschehen auszulegen.

Das Prachtexemplar jedoch kam erst sechs Jahre danach. Obwohl der Titel etwas abschreckend klingt, The General Theory of Employment, Interest and Money (dt. Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes), war das Buch nichtsdestotrotz bahnbrechend. „Es stellte die Ökonomie ebenso auf den Kopf, wie Der Wohlstand der Nationen und das Kapital es getan hatten“ (Heilbroner 1986: 268).

Keynes war ein jahrelanger Anhänger von Edmund Burke, dem „geistigen Vater des Konservatismus“ und der „Tradition des eingeschränkten Staats“ (Heilbroner 1986: 276), die Burke vertrat. Wie auch Burke, war Keynes tief im Innern ein Konservativer. 1931 schrieb er: „Wie kann ich die [kommunistische] Lehre akzeptieren, die als ihre Bibel, über jede Kritik erhaben, ein veraltetes Lehrbuch setzt, von dem ich weiß, dass es nicht nur wissenschaftlich fehlerhaft ist, sondern auch sonst ohne Interesse oder Anwendung in der modernen Welt? Wie kann ich einen Glauben annehmen, der den Schlamm den Fischen vorzieht, das ungehobelte Proletariat über das Bürgertum und die Intellektuellen stellt, die bei all ihren Fehlern für die Qualität des Lebens stehen und sicherlich die Saat aller menschlichen Errungenschaften tragen?“ (Charles Hession zitiert nach Heilbroner 1986: 276).

1937 erlitt Keynes einen Herzinfarkt, hörte aber trotzdem nicht mit seinen Tätigkeiten als Geschäftsmann auf und schrieb weiter für Wirtschaftspublikationen während er weitere Schriften zur Verteidigung der General Theory ablegte (vgl. Heilbroner 1986: 277).

„Als der Krieg schließlich kam, war Keynes zu krank, um ständiges Mitglied der Regierung zu sein. Er erhielt ein Zimmer im Finanzministerium und stellte sein Wissen zur Verfügung“ (Heilbroner 1986: 278). In dem Buch How to Pay for the War (Die Finanzierung des Krieges) skizzierte er gründlich, wie man Ersparnisse am besten zur Subventionierung des Krieges einsetzten könnte (Skidelsky 2000: 138 f.).

1946 kehrte Keynes zurück nach Hause, um sich auszuruhen und die letzten Jahre seines Lebens zu genießen, überdies hatte er vor weiter in Cambridge zu unterrichten. Im April 1946 starb er jedoch eines morgens an Herzversagen. „Das Land trauerte um einen großen Führer, der zu eben der Zeit davonging, als es seiner Verstandesschärfe und Weisheit am meisten bedurft hätte“, wie die Times es ausdrückte (Heilbroner 1986: 281).

2. Der Zeitkontext Keynes’

Nach dieser ausführlichen Darstellung von Keynes’ Leben wird nun der zeitliche Kontext, in welchem Keynes gelebt hatte, näher beleuchtet.

[...]

Details

Seiten
26
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640738410
ISBN (Buch)
9783640738717
Dateigröße
654 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160778
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
2,0
Schlagworte
John Maynard Keynes Leben Zeitkontext Theorien

Autor

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Titel: John Maynard Keynes