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Die Schedelsche Weltchronik - Überblick zum Werk und seinen Karten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 31 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1 Einführender Überblick zur „Schedelschen Weltchronik“
1.1 Zum Druckwerk
1.2 Zum Aufbau und Inhalt
1.3 Zu den Illustrationen
1.4 Zu den Quellen
1.5 Zum Nachdruck

2 Wichtige Mitarbeiter der „Schedelschen Weltchronik“
2.1 Mitarbeiter und Mäzene
2.2 Der Verfasser Hartmann Schedel

3 Das Kartenmaterial in der „Schedelschen Weltchronik“
3.1 Das vorherrschende Weltbild Ende des 15. Jahrhunderts in Europa
3.2 Die Weltkarte
3.3 Die Europakarte

Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Der dritte und vierte Schöpfungstag.

Abb. 2: Die Stadtansicht Nürnbergs.

Abb. 3: Die T-O-Karte der Welt.

Abb. 4: Die Weltkarte der „Schedelschen Weltchronik“

Abb. 5: Die Europakarte der „Schedelschen Weltchronik“.

Abb. 6: Papst Pius II. (Enea Silvio de Piccolomini) und Kaiser Friedrich III.

Einleitung

Die „Schedelsche Weltchronik“ aus dem Jahr 1493 genießt in der Forschung ein hohes Ansehen. Die Chronik gilt neben den großen Bibeldrucken als das bedeutendste Verlagserzeugnis dieser Zeit.[1] Zum einen liegt dieses Ansehen darin begründet, dass die Chronik das spätmittelalterliche Welt- und Geschichtsbild beinhaltet, aber auch daran, dass es sich wohl um die aufwändigste und kostenintensivste Verlagsproduktion der Inkunabelzeit handelt. Darüber hinaus gilt es als das bildreichste Werk des ausgehenden 15. Jahrhunderts.[2]

In ihrer Detailfülle liegt wohl auch begründet, dass die „Schedelsche Weltchronik“ nach ihrem Erscheinen von zahlreichen Chronisten und Autoren als Quelle benutzt wurde. Dies wird auf der einen Seite durch die explizite Nennung als Quelle, aber auch mit Hilfe durchgeführter Textvergleiche deutlich. Dabei scheinen vor allem die Städteansichten der Weltchronik eine besondere Bedeutung zu erlangen.[3]

Allerdings lassen sich in der Literatur auch kritische Stimmen finden, die Schedels Werk neben allem Lob unter anderem „als eine imposante Ab-, Um- und Nachschreibe-Arbeit“[4] bezeichnen[5].

Nicht nur aus diesen weiter zu erörternden Vorwürfen sowie den Leistungen der Weltchronik hat sich die Schedelsche Weltchronik als Forschungsfeld etabliert, sondern auch aufgrund der einmaligen Funde zu diesem Nürnberger Projekt. So sind z.B. die handschriftlichen Manuskript- und Bildvorlagen sowie fünf abgeschlossenen Verträge aus den Jahren 1491 bis 1509 zu der Weltchronik erhalten geblieben. Darüber hinaus verfügt die Forschung auch über die Schedelsche Bibliothek, welche die Quellengrundlage zur Verfassung der Chronik darstellte und heute in weiten Teilen in der Bayrischen Staatsbibliothek in München aufbewahrt wird[6]. Doch auch die Kartographie hat einen bedeutenden Beitrag in Form von einer Welt- und Europakarte zur „Schedelschen Weltchronik“ beigetragen.

Der vorliegenden Arbeit liegt folgende Fragestellung zugrunde, die bearbeitet werden soll:

- Wie werden Europa und die Welt kartographisch in der „Schedelschen Weltchronik“ dargestellt?

Ausgehend von dieser Fragestellung soll es allerdings in einem ersten Schritt darum gehen, die „Schedelsche Weltchronik“ näher vorzustellen. Daher werden in einem ersten Kapitel zunächst die wichtigsten Daten der Weltchronik zusammengefasst. Hierbei soll neben dem Inhalt sowie dem Aufbau auch die Entstehung betrachtet werden. Daran anschließend werden in einem zweiten Kapitel wichtige Personen vorgestellt, die an der Herstellung und der Produktion der Weltchronik beteiligt waren. Hierbei wird insbesondere auf die Person Hartmann Schedels eingegangen, da er der Verfasser der Weltchronik ist.

Darauf folgt in dem dritten Kapitel der vorliegenden Arbeit die Erörterung der oben genannten Fragestellung. Wobei allerdings zunächst kurz auf das zum Ende des

15.Jahrhunderts vorherrschende Weltbild eingegangen werden soll, um einen Eindruck der Zeit zu geben. Daran schließt sich die Untersuchung der beiden in dem Werk enthaltenen Karten an. In einem abschließenden Fazit sollen die gesammelten Ergebnisse zusammengefasst werden.

Im Laufe dieser Arbeit soll es nicht explizit darum gehen, die Stellung Nürnbergs Ende des 15. Jahrhunderts als Zentrum des Handels, Handwerks sowie des Humanismus herauszustellen.

Im Folgenden wird die „Schedelsche Weltchronik“ als Weltchronik bezeichnet, um den Lesefluss zu erleichtern.

1 Einführender Überblick zur „Schedelschen Weltchronik“

1.1 Zum Druckwerk

Die zu untersuchende Weltchronik zählt zu den bedeutendsten Werken der Frühgeschichte des Buchdruckes[7] und gehört dem Typus imago mundi[8] an[9]. Die ursprüngliche Fassung dieser Weltchronik erschien in lateinischer Sprache am 12. Juli 1493 in Nürnberg. Sie wurde auf Papier im sogenannten Königsformat mit dem Seitenmaß 44 x 67 cm[10] gedruckt und hatte einen Umfang von 326 Blättern. Nach ca. fünf Monaten erschien am 23. Dezember desselben Jahres ebenfalls in Nürnberg eine deutsche Ausgabe der Weltchronik. Hierbei handelte es sich um eine Übersetzung der lateinischen Fassung ins Frühneuhochdeutsche, genauer in die Nürnberger Mundart, von Georg Alt. Sie wurde ebenfalls auf Papier gedruckt, hatte zwar dasselbe Format wie die lateinische Ausgabe jedoch einen geringeren Umfang von 297 Blättern.[11] Die Bücher wurden in der Regel unkoloriert und ungebunden herausgegeben, konnten aber je nach finanzieller Situation im Nachhinein individuell ausgestaltet werden. Die Vertriebsstruktur zeigt, dass die Ausgaben über Mitteleuropa, entsprechend dem Nürnberger Fernhandelsnetz, ausgeliefert und verkauft wurden.[12]

Auf dem ersten Blatt der lateinischen Ausgabe stehen folgende „aus dem Holzstock geschnittene Worte: ,Registrum huius operis libri cronicarum cum figuris & imaginibus ab initio mundi’“[13]. Auch in der deutschen Fassung stehen einleitende Worte, die sich nicht auf das gesamte Werk, sondern lediglich auf das den Anfang bildende Register beziehen: „,Register Des buchs der Croniken und geschichten mit figuré und pildnussen von anbegin der welt bis auf diese unsere zeit’“[14]. Da diese Weltchronik, ganz der Tradition der Handschriftenkunde folgend, keinen eigenen Titel besitzt, finden sich in der Forschungsliteratur unterschiedliche Benennungen[15]. Die verwendeten Bezeichnungen reichen von „Liber cronicarum“[16] bis „Liber cronicarum. Opus de temporibus mundi“[17]. Im deutschsprachigen Raum hat sich „Schedelsche Weltchronik“ als Titel durchgesetzt, im angelsächsischen Bereich wird hingegen die Bezeichnung „Nuremberg chronicle“ bevorzugt[18].

Sowohl zur lateinischen als auch zur deutschen Ausgabe sind die handschriftlichen Vorlagen erhalten geblieben und befinden sich bis heute in der Stadtbibliothek Nürnberg[19]. Auf die Beteiligung unterschiedlicher Schreiber an der handschriftlichen Vorlage zur Weltchronik wird in Kapitel 2.1 (S. 12) näher eingegangen.

In welcher Auflagenhöhe die Weltchronik in Kobergers Offizin gedruckt wurde, ist hingegen nicht überliefert, weshalb in der Fachliteratur verschiedene Angaben veröffentlicht sind. Jedoch scheinen sich alle Autoren darüber einig zu sein, dass die lateinische Ausgabe eine höhere Auflage gehabt haben muss als die deutsche Fassung[20], dies verwundert aber angesichts der Tatsache nicht, dass Latein die vorherrschende Sprache im Schriftwesen war. Diese Arbeit bezieht sich in dieser Frage auf Reske[21], der von einem derzeitig weltweit erhaltenen Bestand der Weltchronik von 889 lateinischen und 243 deutschen Exemplaren ausgeht. Allerdings betont er, dass auch diese Angabe nicht mit Sicherheit der Wahrheit entspricht, da es auch noch Exemplare in Privatbesitz gibt, deren Zahl nicht explizit ermittelt werden kann. Aus diesem Grund geht er von mindestens 1300 gedruckten Exemplaren in lateinischer und maximal 600 Exemplaren in deutscher Sprache aus[22].

1.2 Zum Aufbau und Inhalt

Inhaltlich betrachtet, handelt es sich bei der Weltchronik um eine universalhistorische Abhandlung der Geschichte der Welt, die in sieben Weltalter aufgeteilt ist[23]. Dieser im Mittelalter traditionsgemäße Aufbau folgt den sieben Wochentagen der biblischen Schöpfungsgeschichte. Nach der Darstellung der heilgeschichtlichen Schöpfungsgeschichte schließt sich dann das erste Weltalter mit dem Leben Adams an. Das Werk endet in der geschichtlichen Gegenwart des Verfassers. Es ist auffällig, dass in der Beschreibung der Weltgeschichte religiöse und weltliche Themen nebeneinander existieren. Außerdem weichen die einzelnen Weltalter im Umfang erheblich voneinander ab. Darüber hinaus ist es von großer Bedeutung die Weltchronik als eine Text-Bild-Einheit zu betrachten, wie sich im Laufe der vorliegenden Arbeit herausstellen wird.

Zu Beginn stellt Schedel neben der Schöpfungsgeschichte auch die Urzeugungslehre als einen möglichen Anfang der Menschheit vor, schließt sich dann aber der kirchlichen Lehre der Genesis an. Es wird einzeln jeder der sieben Schöpfungstage beschrieben und jeweils mit einem Sphärenkreis mit Gottes Hand illustriert. Um einen beispielhaften Eindruck für die Darstellungsweise in der Weltchronik zu erhalten, ist in Abbildung 1 eine Doppelseite der Weltchronik dargestellt, die den dritten und vierten Schöpfungstag zeigt.

Abb. 1: Der dritte und vierte Schöpfungstag.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: (a) www.commons.wikimedia.org)

An die heilsgeschichtliche Schöpfungsgeschichte der Welt schließt sich im weiteren Verlauf der Weltchronik die Weltgeschichte im Sinne der Bibel an. Sie beginnt dementsprechend mit dem ersten Weltalter. Hier wird das Leben Adams wiedergegeben. Dieser Abschnitt beginnt zunächst mit der Erschaffung Adams und Evas durch Gott, beschreibt das Paradies und das Tagewerk Adams und Evas, berichtet vom Sündenfall sowie der anschließenden Vertreibung aus dem Paradies. Die Erzählung geht mit der Geschichte Kains und Abels weiter, bis hin zur „Linea Christi“ von Adam und zu Lamech, Noahs Sohn.

Das zweite Weltalter beginnt mit dem Bau der Arche Noah. Der Holzschnitt, der den Bau darstellt, zeigt eine zeitgenössische Schiffsbauszene, was darauf hinweist, dass die Holzschnitte als Zeitzeugen der Abfassungszeit zu sehen sind und nicht als historische Abbildung. Dieses Weltalter endet mit der Zerstörung von Sodom und Gemorrha bzw. mit dem Auszug Loths aus Sodom. Außerdem werden hier die monstra, die in india leben vorgestellt und eine Weltkarte nach Ptolemäus abgebildet, auf die in Kapitel 3.2 (S. 17) näher eingegangen wird. Daran schließt sich die weiterführende Beschreibung der „Linea Christi“ mit Noah als Stammvater an. Des Weiteren lässt sich in diesem Abschnitt die Stadtbeschreibung Jerusalems finden sowie die Geschichte um den Turmbau zu Babel und die Amazonen.

[...]


[1] Schedel (1988), S.608.

[2] ebd., S.607f.

[3] Bott, S. 15.

[4] Schedel (1988), S. 609.

[5] Schmalzriedt, S.868.

[6] Bott, S. 7.

[7] ebd., S. 3.

[8] Hierbei handelt es sich um eine schriftliche bzw. literarische Beschreibung der Weltgeschichte. Ihnen konnten durchaus kartographische Illustrationen oder auch mappae mundi beiliegen, wobei eine genaue Abgrenzung der Begriffe schwer ist.

[9] Reske, S. 46.

[10] bzw. beim Folio-Format ergibt sich ein Durchschnittsmaß von 47 x 32,5 cm (vgl. Rücker, S. 10.).

[11] Reske, S. 22-23.

[12] Füssel (1996), S. 46, 48.

[13] zitiert nach: Rücker, S. 8.

[14] zitiert nach: ebd.

[15] Füssel (1994), S. 8.

[16] Jäschke, S. 8.

[17] Schmalzriedt, S. 868.

[18] Füssel (1994), S. 8.

[19] Reske, S. 19-22.

[20] Reske fasst die bisherigen Forschungsergebnisse zu diesem Punkt anschaulich auf den S. 272-274 auf der beiliegenden CD-ROM zusammen und stellt anschließend eigene Ergebnisse vor.

[21] Reske, S. 276-278 (CD-ROM).

[22] ebd., S. 278 (CD-ROM).

[23] Hierbei beziehe ich mich auf folgende Quelle: Füssel (1994), S. 16-19, 81; Schedel (1933) und Rücker, S. 20-42.

Details

Seiten
31
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640748228
ISBN (Buch)
9783640748440
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160772
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Institut für Deutsche Philologie
Note
1,7
Schlagworte
Hartmann Schedel Weltchronik imago mundi Schedels Weltchronik mittelalterliches Weltbild

Autor

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