Lade Inhalt...

Vermitteln, Üben und Bewerten in drei Stunden? Warum die Ausbildung der Leichtathletik in der Schule grundlegend geändert werden sollte

Schwerpunktsetzung in der schulischen Leichtathletikausbildung am Beispiel des Hochsprungs in einer 8. Klasse

Examensarbeit 2009 38 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eröffnung des pädagogischen Problems

3. Theoretische Eckpfeiler der Leichtathletikvermittlung
3.1 Aspekte des Lehrplans
3.2 Wissenschaftliche Vermittlungsaspekte - Die Leistungsstruktur
3.3 Motorische Entwicklung der Schüler
3.4 Die Floptechnik
3.5 Erstes Zwischenfazit

4. Lerngruppe und Lernausganglage
4.1 Beschreibung der Lerngruppe
4.2 Bestimmung der Lernausgangslage
4.3 Rahmenbedingungen

5. Umsetzung der Theorie in die Praxis
5.1 Didaktische Begründung der Unterrichtsreihe
5.2 Methodische Überlegungen zur Unterrichtsreihe
5.3 Lernziele der Unterrichtsreihe
5.4 Beispielstunden
5.4.1 Erste Beispielstunde (Stunde 3)
5.4.1.1 Didaktische Analyse
5.4.1.2 Methodische Analyse
5.4.1.3 Lernziele
5.4.2 Zweite Beispielstunde (Stunde 7+8)
5.4.2.1 Didaktische Analyse
5.4.2.2 Methodische Analyse
5.4.2.3 Lernziele
5.4.2.4 Diagnostisches Instrument
5.5 Beobachtung zweier Schüler
5.5.1 Patrick-Philipp
5.5.2 Julia

6. Evaluation
6.1 Ergebnisse Posttest
6.2 Eine Möglichkeit der Bewertung
6.3 Schülerbefragung
6.4 Selbstreflexion
6.5 Zweites Zwischenfazit

7. Ausblick auf G8

8. Zusammenfassung

9. Literatur

10. Anhang

1. Einleitung

Im Laufe meiner Ausbildung zum Sportlehrer bin ich durch verschiedene Schulen und Schulsportanlagen gegangen. Immer wieder konnte ich mit Fachkollegen über die sport- liche Leistungssituation der Schüler[1] sprechen. Das Bild vieler Kollegen über die heuti- gen Schüler hatte dabei eine negative Ausstrahlung, die Kinder seien zu dick, zeigen deutliche Bewegungsmängel und verfügen nur noch über einen geringen motorischen Erfahrungsschatz. Diese Aussagen wurden auch dadurch gestützt, dass die sportlichen Schulrekorde kaum noch erreicht werden und die absoluten Bestmarken noch aus den neunziger Jahren stammen. Diese subjektiven Eindrücke vieler Sportkollegen werden auch durch verschieden sportwissenschaftliche Studien (vgl. „SPRINT-Studie“ 2004, KATZENBOGNER 2004:12f) bestätigt.

Wie ist es aber zu einer solch starken Veränderung gekommen? Wieso nimmt die sport- liche Leistungsfähigkeit der Schüler immer weiter ab? Dies hat mindestens zwei Ursa- chen. Zum einen hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten das Lebensumfeld der Schü- ler/Kinder extrem verändert. Die intakten Bewegungswelten der Kinder, wie z.B. Bolz- plätze, Wälder, Wiesen und Abenteuerplätze, wurden immer weiter durch den Prozess der Verstädterung verdrängt. Der zunehmende Straßenverkehr drängt die Kinder immer weiter in die eigenen vier Wände zurück. Gleichzeitig werden viele Kinder immer mehr von einem Ort zum anderen mit dem Auto gefahren z.B. vom Elternhaus zur Schule im gleichen Ort. Dies hat, wie es KATZENBOGNER (2004:13) trefflich nennt, eine „Verhäus- lichung“ und eine „Verinselung“ der Lebenswelten zur Folge. Es erfolgt eine „Verpla- nung“ und „mediale Überlastung“ der Freizeit. Eine musikalische Früherziehung, stun- denlanger Fernsehkonsum (bis zu 30 Stunden pro Woche), Computerspiele und nicht zuletzt der steigende Leistungsdruck in der Schule durch neue Lehrpläne stehlen den Kindern immer mehr Freizeit. Den Kindern wird das Sammeln von aktiven Primär- erfahrungen erschwert oder gar verhindert, indem viele Bereiche ihrer Lebenswelt nur noch nach vorgeschriebenen Regeln erlebt werden dürfen.

Die Folgen dieser Veränderung sind vielfältig. Bei vielen Kindern sind muskuläre Dysbalancen, koordinative und konditionelle Defizite sowie Konzentrationsstörungen festzustellen, was sich negativ auf die Schule und nicht zuletzt auch auf den Schulsport auswirkt. Somit müssen Bewegungsaufgaben schnell und einfach zu bewältigen sein, dürfen keine Verpflichtung (längeres Üben) nach sich ziehen und dürfen nicht als körperliche Belastungen empfunden werden (KATZENBOGNER 2004:14).

Als zweite Ursache für diesen Rückschritt sehe ich die Lehrplansituation, die im Gegen satz zur Lebenswelt der Schüler steht. Statt auf reduzierte, individuellere Inhalte zu set- zen, wurde im Zuge der G8-Reform nur der zeitliche Rahmen gekürzt, immer mehr in kürzerer Zeit. So stehen für den achten Jahrgang im Bereich der Leichtathletik nur zwölf Unterrichtsstunden zur Verfügung um mit den Schülern das Bewegungsfeld „Laufen, Springen, Werfen“ durchzuführen (HKM 2005:60). Dies bedeutet, dass theo- retisch für jeden Themenbereich nur vier Unterrichtsstunden zur Verfügung stehen. Dies führt dann zu dem unrühmlichen Dreiklang „Vermitteln, Üben und Bewerten in drei Unterrichtsstunden“.

Um aber einen individuellen Leistungsanstieg bei den Schülern zu erreichen, bedarf es einer längerfristigen Konzentration auf ein Themengebiet. Gemäß den trainingswissen- schaftlichen Grundsätzen bedarf es zirka sechs Wochen regelmäßigen Übens um eine Adaption zu erzielen (vgl. SCHNABEL ET AL. 2005). Somit ist es aufgrund von organisa- torischen Vorgaben durch den Lehrplan in der Kürze der Zeit kaum möglich, die not- wendigen Impulse zur Anpassung und Entwicklung des Körpers zu setzen. Diese Pro- blematik wurde bereits 2003 durch eine Stichprobenuntersuchung der Friedrich- Schiller-Universität Jena im Rahmen eines Fachdidaktischen Projektes zur Schulleicht- athletik bestätigt (MAHLER ET AL. 2003). Nicht zuletzt ist dieses Arrangement, aus Le- benswelt und Lehrplan, mit verantwortlich für das schlechte Abschneiden der Leichtath- letik in der Beliebtheit der Schüler.

Aus den genannten Problemen des „Ist-Zustandes“ ergibt sich der Aufbau der hier vor- liegenden Arbeit. Nach der Eröffnung des pädagogischen Problems soll zunächst auf einige theoretische Aspekte eingegangen werden. Diese umfassen die Lehrplanvorga- ben, die Leistungsstruktur als auch die Floptechnik und die motorische Entwicklung der Lerngruppe. Es sei an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen, dass es sich bei der Lerngruppe um die letzte G9 Klassenstufe an der Georg-August-Zinn Schule handelt. Aus diesem Grund soll unter Kapitel sieben ein Übertrag auf das G8-System erfolgen. Nach der Beschreibung der Lerngruppe erfolgt die Umsetzung der theoretischen Über- legungen in die Praxis, die Reihenplanung (erster Schwerpunkt). Exemplarisch werden hier zwei Stunden näher betrachtet, die stellvertretend für weitere Stunden innerhalb der Unterrichtsreihe angesehen werden können.

Als zweiten Schwerpunkt erfolgt die Evaluation der Unterrichtsreihe. Hier wird zum einen der Posttest ausgewertet und zum anderen erfolgt eine Auswertung aus Schüler- sicht.

Abschluss dieses Schwerpunktes bildet der Übertrag der Erkenntnisse auf den G8 Lehrplan und damit eine Empfehlung für künftige Lerngruppen im Fach Sport.

2. Eröffnung des pädagogischen Problems

Aus dieser Gegensätzlichkeit zwischen Lehrplan und Trainingswissenschaft ergibt sich zum einen das pädagogische Problem einer adäquaten Leichtathletikvermittlung und zum anderen damit einhergehend das pädagogische Problem einer individuellen Förderung und Bewertung. Beides bedarf meines Erachtens eines größeren Zeitumfangs als es der aktuelle Lehrplan zulässt.

Nicht nur die Schüler fragen sich, wie sie innerhalb von vier bis fünf Unterrichtsstunden eine neue Technik erlernen bzw. verbessern können. Auch als Lehrer bleibt meist nur ein unbefriedigendes Bild am Ende einer Unterrichtseinheit zurück. Denn aufgrund der Rahmenbedingungen profitieren die Leistungsstarken und die weniger Leistungsstarken verlieren oder wie es der Matthäus-Effekt besagt. „Denn wer hat, dem wird gegeben. Wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat“ (WAHL 2006:2f). Dies führt, nachvollziehbar, zu einer ablehnenden Haltung der Schüler gegenüber der Leicht- athletik, wovon ich mir zu Beginn meiner Unterrichtseinheit ein gutes Bild machen konnte. Lediglich zwei von 27 Schülern hatten eine positive Einstellung zum Thema Leichtathletik. Bei der Ankündigung einer Fokussierung auf den Hochsprung (vgl. Ka- pitel 5.1) wurden Aspekte geäußert, die bereits in verschiedenen Studien genannt wur- den. Erstens die Angst vor monotonem Üben, zweitens die tradierte, auf absolute Lei- stung orientierte Bewertung und die damit verbunden Angst der Benachteiligung durch physiologische Voraussetzungen wie z.B. der Körpergröße. Beiden Punkten werde ich durch eine angepasste Vermittlung und Bewertung begegnen, denn ich habe den Wunsch, dass besonders die Leichtathletik im Sportunterricht anders gestaltet wird. Die Schüler sollen begreifen können, dass man sich mit Übung und Anstrengung verbessern kann und damit auch Leistungen vollbringen kann, auf die sie Stolz sein können und durch die sie Anerkennung bei ihren Mitschülern und der Gesellschaft erlangen können. Hierzu bedarf es einer Umstrukturierung der Leichtathletikvermittlung, einer Fokussie- rung auf eine Disziplin in einem angepassten Zeitrahmen.

Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es nicht um ein Üben und Trainieren im Sinne des Leistungssportes geht. Dies kann und soll die Schule nicht leisten, denn das ist Aufgabe der Vereine.

3. Theoretische Eckpfeiler der Leichtathletikvermittlung

Im Folgenden sollen einige Aspekte der Leichtathletikvermittlung näher betrachtet wer- den. Dies umfasst sowohl die Vorgaben durch den Lehrplan inklusive der Benotung als auch die wissenschaftlichen Aspekte. Diese sollen als Grundlage für die spätere Rei- henplanung dienen.

Da die hier betrachtete Lerngruppe die letzte des G9-Zuges ist, werde ich mich hier auch auf den G9-Lehrplan für das Fach Sport konzentrieren. Einen Ausblick auf eine mögliche Anpassung an den G8 Lehrplan erfolgt unter Kapitel acht.

3.1 Aspekte des Lehrplans

Der G9-Lehrplan sieht für die achte Jahrgangsstufe 18 Unterrichtsstunden zum Thema Leichtathletik vor. Inhaltlich wird gefordert, dass eine umfassende Vorbereitung auf die Bundesjugendspiele bzw. Jugend trainiert für Olympia erfolgt. Hierzu sollen die Bereiche Lauf, Sprung und Wurf behandelt werden (vgl. HKM 2002:24f). Im internen Schulcurriculum der Georg-August-Zinn Schule erfolgt in der 8. Klasse zusätzlich die Einführung des ‚Flops’ als Hochsprungtechnik.

Die Leistungsbewertung erfolgt unter verschiedenen Bezugsnormen. Die Anwendung einer reinen Sachnorm ist nicht gestattet. Vielmehr muss die Individualnorm und die Sozialnorm herangezogen werden. Ebenso müssen Sozialverhalten und Engagement berücksichtigt und transparent bewertet werden. Die Schüler sollen ihren gegenwärtigen Leistungsstand erfahren und ihren Leistungsfortschritt dokumentieren können. (vgl. HKM 2002:30).

3.2 Wissenschaftliche Vermittlungsaspekte - Die Leistungsstruktur

Unter wissenschaftlichen Vermittlungsaspekten muss zuerst ein Blick auf die bestimmenden Leistungsfaktoren geworfen werden. BAUERSFELD & SCHRÖTER (1998:216) nennen hier charakterliche und psychische Eigenschaften, Taktik, technische Bedingungen, Wettkampfbedingungen, Koordination/Technik, Kondition und Konstitution als bestimmende Faktoren. Für den Schulsportunterricht lassen sich einige Faktoren ausblenden, da sie entweder nur schwer veränderbar sind (charakterlichen & psychischen Eigenschaften), eine geringe Bedeutung haben (Taktik, Wettkampfbedingungen) oder nicht beeinflussbar sind (Konstitution, technische Bedingungen).

Für eine kurze, nähere Betrachtung bleiben somit die drei Faktoren Koordination, Technik und Kondition.

Kondition: Alle drei konditionellen Grundfähigkeiten, die Schnelligkeits-, die Kraft und die Ausdauerfähigkeit, nehmen Einfluss auf die sportliche Leistung im Sprung. Eine hohe Bedeutung erfahren dabei besonders die Schnelligkeits- und Kraftfähigkeiten. Im Hochsprung kommt es dabei nicht auf eine maximale Anlaufgeschwindigkeit an. Vielmehr geht es um eine optimale Anlaufgeschwindigkeit und einen schnellkräftigen Absprung (BAUERSFELD & SCHRÖTER 1998:15ff).

Koordination: Dieser „Leistungsfaktor hat die höchste Bedeutung für die Ausnutzung der konditionellen Voraussetzungen [...] (BAUERSFELD & SCHRÖTER 1998:218). Die koordinativen Fähigkeiten sind dabei grundlegend für einen ökonomischen Bewegungs- ablauf und die Umsetzung der Technik. In Anlehnung an MARTIN ET AL. (1999:84) sind besonders die Orientierungsfähigkeit (Flugphase), die Reaktionsfähigkeit (Absprung) und die Differenzierungsfähigkeit (Abstimmung zwischen den einzelnen Bewegungs- phasen) hervorzuheben.

Technik: Die Technik beinhaltet verschieden automatisierte Teilbewegungen (Fertig- keiten), die nach Möglichkeit variabel beherrscht sein müssen. Nicht selten erfolgt eine Verbesserung der persönlichen Leistung durch eine effektivere Technik (ZEUNER ET AL. 2005:65).

3.3 Motorische Entwicklung der Schüler

Die Schüler der achten Klasse befinden sich nach dem Entwicklungsstufenmodell im Übergang von der ersten puberalen Phase, Pubeszenz, in die zweite puberale Phase, Adoleszenz (ASMUS 1991:168 IN: MARTIN ET AL. 1999:38). Die körperliche Entwick- lung der Schüler ist dabei von verschiedenen sensitiven Phasen gekennzeichnet. So ist die Adoleszenz als eine sensible Phase für das Fertigkeits- und Techniklernen definiert. Pubeszenz und Adoleszenz sind zugleich sensible Phasen zur Schulung der Orientie- rungsfähigkeit und der Maximalkraftfähigkeit (MARTIN ET AL. 1999:152). Im Bereich der koordinativen Fähigkeiten ist anzumerken, dass es aufgrund von Wachstumsschü- ben in der Pubeszenz zu einer Instabilität kommt und es einer Neuanpassung bedarf (MARTIN ET AL. 1999:85).

Im Alter von 13 Jahren ist das Nervensystem, welches für das motorische Lernen die Grundlage bildet, bereits vollständig ausgebildet. Das Zentralnervensystem hat die Fä- higkeit dauerhafte Bewegungsmuster zu fixieren. Die Hirnrinde bietet darüber hinaus günstige Analysebedingungen. Im Gegenzug dazu haben jedoch die Erregungsreize die Tendenz zur Irradiation, was die motorische Lernleistung durch das frühe Ermüden der Konzentrationsfähigkeit und Willensschwäche herabsetzt. So lässt das Nachahmungs lernen schnell nach und muss durch ein Lernen über die Sprache ersetzt werden.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Gesamtsystem des Organismuses (Körperhöhe, Körpermasse, Muskulatur, innere Organe) ca. 80% der vollständigen Entwicklung erreicht hat (MARTIN ET AL. 1999:39).

3.4 Die Floptechnik

Die komplexe Floptechnik kann im Rahmen des Schulsports nur in ihrer Grobform er- lernt werden, da den Schülern „doch wesentliche konditionelle Voraussetzungen [feh- len], um den Flop wie die „Großen“ zu springen. Hier ist das im Schüleralter noch kaum ausgeprägte Kraftniveau zu bedenken, dass den Einsatz bestimmter technischer Elemen- te wenig sinnvoll macht“ (KILLING 1995:30). Aus diesem Grunde soll an dieser Stelle nur ein reduziertes Technikleitbild dargestellt werden (didaktische Reduktion).

Der Flopsprung lässt sich in drei Hauptphasen einteilen, Anlauf, Absprung und Flug- phase/Landung. Eine graphische Darstellung des Technikleitbildes gibt Abbildung 1 (Anhang 1).

Der Anlauf sollte mit der optimalen Geschwindigkeit in Form eines Kurvenlaufs erfolgen. Die Absprungvorbereitung erfolgt mit dem allmählichen Aufrichten des Oberköpers aus dem Kurvenlauf heraus. Der explosive Absprung ist mit einer Rotation um die Körperlängsachse gekoppelt und führt zu einer aktiven Streckung des ganzen Körpers. Die Flugphase ist durch eine gute Überstreckung der Hüfte im höchsten Punkt der Flugkurve gekennzeichnet. Die Landung erfolgt dabei auf dem Rücken, mit nach oben gestreckten Beinen und Armen (KATZENBOGNER 2004:104).

3.5 Erstes Zwischenfazit

Wie sich zeigt, stehen die genannten Inhalte der Kapitel 3.1 bis 3.4 in einem deutlichen Gegensatz zueinander. Die komplexe Floptechnik bedarf einer umfassenden Schulung der koordinativen Fähigkeiten. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Schüler in ei- ner motorischen Umbruchphase befinden, die sich negativ auf die koordinativen Fähig- keiten auswirkt. Es wäre jetzt falsch zu sagen, dass an dieser Stelle auf die Floptechnik verzichtet werden soll. Vielmehr bedarf es einer gezielten Schulung der koordinativen Fähigkeiten um das Niveau der Schüler zu stabilisieren bzw. neu aufzubauen. Dies er- fordert jedoch mehr Zeit als es der Lehrplan an dieser Stelle zulässt oder aber die Kon- zentration auf eine zu vermittelnde Technik, wie ich es in Kapitel fünf darstellen möch- te.

4. Lerngruppe und Lernausganglage

4.1 Beschreibung der Lerngruppe

Die Lerngruppe besteht aus 27 Schülern, elf Mädchen und 16 Jungen. Es handelt sich hierbei um die letzte G9-Klasse an der Georg-August-Zinn Schule in Reichelsheim. Die Schüler zeigen im Vergleich zu anderen Klassen eine durchschnittliche bis hohe Begei- sterung für das Fach Sport. Dies zeigt sich immer wieder durch das aktive und konstruk- tive Mitgestalten des Sportunterrichts. Allerdings konnte ich bei der Ankündigung des Themas Leichtathletik feststellen, dass sich nur zwei Schüler für dieses Thema motivie- ren konnten. Beim Rest der Schüler überwog die Ablehnung. Die angeführten Argu- mente wurden bereits unter Kapitel 2 angesprochen (motivationaler Aspekt).

Da die Technik des Flopsprungs neu eingeführt wird, kann ich auf keine spezifischen Erfahrungen der Schüler aufbauen. Dennoch zeigte sich, dass viele Schüler bereits eine vage Bewegungsvorstellung vom Flopsprung haben und bereits allgemeine Sprungefah- rungen (z.B. Sprung ABC) aus vorangegangen Schuljahren mitbrachten. Innerhalb der Lerngruppe gibt es nur wenige Schüler, die sich in einem Sportverein en- gagieren. Zu diesen zählen Jonas (Fußball), Melanie (Tennis) und Heinrich (Fußball). Die allgemeine sportliche Leistungsfähigkeit der Lerngruppe ist im Vergleich zu den Parallelklassen als durchschnittlich einzustufen. Dies zeigte sich unter anderem in der Auswertung der letzten Bundesjugendspiele.

Innerhalb der Lerngruppe gibt es ein lernförderliches Klima, das soziale Gefüge ist so gut ausgeprägt, dass Gruppenarbeiten kein Problem darstellen. Im Laufe des Halbjahres sind die Schüler mit verschiedenen Methoden und Sozialformen konfrontiert worden und haben gelernt, diese effektiv zu nutzen. So wurde z.B. das selbstständige Bewe- gungsbeobachten in der Kleingruppe beim Volleyball geübt. Insgesamt wurde viel Wert auf die Selbstständigkeit gelegt und die Schüler immer wieder dazu aufgefordert.

Die physiologische Entwicklung der Schüler ist sehr heterogen. Einige Schüler haben bereits eine beachtliche Körperhöhe (>190cm) erreicht. Andere fallen durch ihre kindli- chen Körpermerkmale auf. Gerade bei den großgewachsenen Schülern ist deutlich zu erkennen, dass im Bereich der koordinativen Fähigkeiten Instabilitäten auftreten. Diese Unterschiede betreffen sowohl die Mädchen als auch die Jungen und macht es erforder- lich gezielt koordinative Übungen in den Unterricht einzubauen (vgl. Kapitel 5.1), um das vorhandene Niveau zu stabilisieren und neu auszurichten (motorischer Aspekt).

Bei fast allen Schülern dieser Lerngruppe ist festzustellen, dass es problematisch ist ein Ziel längerfristig zu verfolgen und daraufhin zu arbeiten. Aus diesem Grunde habe ich mich entschieden, zum Ziel führende Spiele in den Unterricht zu integrieren. Des Wei teren bietet der Flop als Hochsprungtechnik einen neuen motivationalen Anreiz und ermöglicht den Schülern ein neues Fluggefühl (motivationaler Aspekt).

4.2 Bestimmung der Lernausgangslage

Die Bestimmung der Lernausgangslage der Schüler erfolgt mit Hilfe eines Prätests. Hier können zum einen die Schüler ihre momentane Leistung selbst erfahren, zum anderen habe ich mir ein Bild von den Vorerfahrungen der Schüler machen können. Gleichzeitig habe ich die festgestellt, dass Robin S. bereits eine gut ausgeprägte Floptechnik be- herrscht und in der Reihe als „Experte“ von mir eingesetzt werden kann, da er die an- gewendete Technik sehr gut demonstrieren und verbalisieren kann. In Tabelle 2 (An- hang 10.3) wird ersichtlich, dass sich die Lerngruppe in drei, fast gleich große, Lei- stungsgruppen einteilen lässt.

Die im Prätest erbrachten Leistungen entsprechen einer an der Sachnorm gewerteten durchschnittlichen Leistungsnote von 2,7 oder einer durchschnittlichen Sprunghöhe von knapp 112cm. Die von den Schülern angewendete Sprungtechnik beschränkt sich auf den Schersprung, mit Ausnahme von Robin S.

Es sei an dieser Stelle bemerkt, dass die Schüler nicht wissen, dass es sich um einen Prätest handelt, da sonst die Gefahr besteht, dass die Schüler absichtlich eine Minderleistung abgeben um eine möglichst große Verbesserung zu erreichen.

4.3 Rahmenbedingungen

Der Sportunterricht in der achten Klasse findet dreistündig statt, eine Einzelstunde und eine Doppelstunde. Idealerweise stehen mir in der Doppelstunde immer zwei Hallen- drittel zur Verfügung, so dass genügend Platz für zwei Sprunganlagen und verschiedene Übungsanordnungen ist. Die Einzelstunde erfolgt hingegen in einem Hallendrittel.

5. Umsetzung der Theorie in die Praxis

Die im ersten Teil der Arbeit angeführten theoretischen Überlegungen sollen nun im zweiten Teil der Arbeit in die Praxis übertragen werden. Nach der didaktischen Begründung und den methodischen Überlegungen werden anschließend einzelne Facetten genauer betrachtet. Durch die Dokumentation zweier Schüler soll beispielhaft festgehalten werden, wie sich der Lernzuwachs nachvollziehen lässt. Eine tabellarische Übersicht über die Reihenplanung gibt Tabelle 1 (Anhang 10.2).

[...]


[1] Die Bezeichnung ‚Schüler’ soll hier stellvertretend für Schülerinnen und Schüler verwendet werden.

Details

Seiten
38
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640745739
ISBN (Buch)
9783640746408
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160612
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2
Schlagworte
Vermitteln Bewerten Stunden Warum Ausbildung Leichtathletik Schule Schwerpunktsetzung Leichtathletikausbildung Beispiel Hochsprungs Klasse

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Vermitteln, Üben und Bewerten in drei Stunden? Warum die Ausbildung der Leichtathletik in der Schule grundlegend geändert werden sollte