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Eine Gegenüberstellung von traditioneller und relationaler Fokustheorie

Seminararbeit 2009 15 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die traditionelle Fokustheorie
1.1. Zu den Begriffen Fokus und Hintergrund
1.1.1. Die Dichotomie des Satzes
1.1.2. Der Fokus als Teil einer Alternativmenge
1.2. Möglichkeiten zur Erfassung von Fokus und Hintergrund
1.2.1. Der Fragetest
1.2.2. Die Hierarchie des „communicative dynamism“ (CD)
1.3. Funktionen der Fokussierung
1.3.1. Kontrastiver Fokus
1.3.2. Informativer Fokus
1.3.3. Spezifizierender Fokus
1.3.4. Introduzierender Fokus
1.3.5. Emphatischer Fokus

2. Die relationale Fokustheorie nach Joachim Jacobs
2.1. Fokusoperatoren
2.1.1. Illokutionstyp-Operatoren
2.1.2. Die Negation als Fokusoperator
2.1.3. Gradpartikel und weitere FHG-sensitive Elemente

3. Literaturverzeichnis

Diese Arbeit stellt die traditionelle Fokustheorie der relationalen gegenüber und versucht darzulegen, inwieweit letztere den vorangehenden Konzepten zur Bestimmung von Hintergrund und Fokus überlegen ist. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die Ansätze der Vertreter der Prager Schule Petr Sgall, Jan Firbas und Eva Hajičová sowie außerdem Joachim Jacobs. Letzterer knüpfte in den Achtzigerjahren nicht nur an die Forschung zur Dichotomie des Satzes an, sondern leistete in seiner Studie „Fokus-Hintergrund-Gliederung und Grammatik“ eine Weiterentwicklung der bestehenden Theorien hin zur relationalen Fokuskonzeption, die in ihren wesentlichen Zügen im zweiten Teil dieser Arbeit vorgestellt werden soll. Zunächst aber ist die traditionelle Fokustheorie Gegenstand der Untersuchung, da sie in ihren wichtigsten Grundzügen auch heute noch relevant ist.

1. Die traditionelle Fokustheorie

In diesem ersten Abschnitt der Arbeit werden die Grundzüge der traditionellen bzw. der „absoluten“ Fokustheorie dargestellt. Dabei werden zunächst die Begriffe „Fokus“ und „Hintergrund“ mit Bezug zur Fokus-Hintergrund-Gliederung unter Berücksichtigung der Ansätze Joachim Jacobs’, Jan Firbas’ sowie František Daneš’ erläutert und Möglichkeiten zur genaueren Bestimmung dieser Dichotomie aufgezeigt. Des Weiteren sollen die unterschiedlichen Funktionen der Fokussierung im Sinne der traditionellen Fokustheorie erörtert werden.

1.1. Zu den Begriffen Fokus und Hintergrund

Die Zweiteilung eines Satzes in einen semantisch hervorgehobenen und einen nicht hervorgehobenen Teil führt Joachim Jacobs auf die Fokus-Hintergrund-Gliederung (FHG) zurück. Die Begriffe Fokus und Hintergrund sollen daher anhand Jacobs’ FHG-Konzeption erläutert werden. Im Anschluss daran soll dargestellt werden, inwieweit der fokussierte Bereich eines Satzes als Teil einer bestimmten Alternativmenge zu verstehen ist, um so eine wichtige, generelle Eigenschaft der Fokussierung aufzuzeigen.

1.1.1. Die Dichotomie des Satzes

Joachim Jacobs definiert die FHG in seiner einschlägigen Studie grob „als eine Gliederung von Sätzen in hervorgehobene und nicht-hervorgehobene Teile.“[1] So lässt sich durch eine unterschiedliche Akzentuierung ein Satz auf verschiedene Weise in Fokus und Hintergrund

zerlegen:

(1) „TINA läuft einen Marathon am Staffelsee.“
(2) „Tinas LÄUFT einen Marathon am Staffelsee.“
(3) „Tinas läuft einen MARATHON am Staffelsee.“
(4) Tina läuft einen Marathon am STAFFELSEE.“

Als eine Repräsentation auf semantischer Ebene schlägt Jacobs folgende Formel vor - hier im Bezug auf (1):

(1’) PRÄS(LAUFEN(TINA, EINEN MARATHON AM STAFFELSEE)

Unter Berücksichtigung der FHG entwickelt er hieraus die Formel:

(1’’) #λX(PRÄS(LAUFEN(X, EINEN MARATHON AM STAFFELSEE))), TINA[2]

An diesem Beispiel wird die Zweiteilung des Satzes in den hervorgehobenen Teil („TINA“) und den nicht hervorgehobenen Rest deutlich.

Dass diese Zweiteilung auch auf kommunikativer Ebene relevant ist, zeigen die Vertreter der Prager Schule. So bezeichnet František Daneš die Dichotomie in seiner „linguistischen Analyse der Textstruktur“ (1970) als „Thema-Rhema-Gliederung“, bzw. „Topic-Comment- Articulation”.[3] Unterschieden wird dabei zwischen dem Teil der Aussage, über den etwas mitgeteilt wird (dem Thema) und dem, was darüber mitgeteilt wird (dem Rhema).[4] Oft findet sich in der einschlägigen Literatur auch die Gegenüberstellung von alter bzw. bekannter Information (thematisch) und neuer Information (rhematisch).[5] In Beispiel (4) wäre folglich „Tina läuft einen Marathon irgendwo“ als Thema und „am Staffelsee“ als Rhema aufzufassen. Nach der traditionellen Fokustheorie wird der thematische Teil des Satzes mit dem nicht fokussierten und der rhematische mit fokussierten Bereich gleichgesetzt. Dass die Gleichsetzung von Rhema bzw. Fokus mit neuer Information und Thema bzw. Hintergrund mit alter Information kaum haltbar ist, lässt sich allerdings sehr leicht an folgendem Beispiel verdeutlichen:

(20) A: „München ist immer noch eine SPD-Hochburg.“

B: „Ja, deshalb kommt Kurt Beck auch nach MÜNCHEN.“ (und nicht nach STUTTGART).

Weitere Beispiele ergeben sich laut Jacobs bei der Negation, oder im Optativ-Modus:

(21) A: „Österreich hat die höchsten Berge Europas.“

(22) B: „Aber nicht in ÖSTERREICH befindet sich der höchste Berg Europas. (sondern in der Schweiz).“

(23) A: „Kanada ist doch eigentlich schöner als die Nordsee.“

B: „Hätten wir doch unsere Ferien lieber DORT verbracht.“[6]

In den genannten Fällen stellt das fokussierte bzw. rhematische Element offensichtlich bereits bekannte Information dar. Es kam daher innerhalb der traditionellen Fokustheorie zu weiteren Definitionsversuchen, die z. T. voneinander abwichen.[7] In Abschnitt 1.2.2. soll hierzu das Konzept des „communicative dynamism“ von Jan Firbas vorgestellt werden.

Festzuhalten bleibt jedoch, dass durch Fokusintonation die Thema-Rhema-Gliederung innerhalb einer Dialogsituation gegenüber dem Kommunikationspartner signalisiert wird:[8]

(5) F: „Wo wandert Tina? “

A: „Tina wandert am TEGERNSEE südlich von München.“

Die in der Antwort gegebene Information „am TEGERNSEE“ ist das Rhema (auch: „Comment“), d. h. die eigentliche Aussage, während die Information „Tina wandert irgendwo“ als Thema bzw. „Topic“ zu bezeichnen ist.[9] Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Intonation und Fokus. Zum Fokusbereich gehört in diesem Falle beispielsweise auf semantischer Ebene nicht nur der durch Intonation akzentuierte Teil „TEGERNSEE“, sondern die gesamte dazugehörige Nominalphrase „am Tegernsee südlich von München“.

[...]


[1] Jacobs: Fokus-Hintergrund-Gliederung, S. 89.

[2]Ebd., S. 90.

[3] Daneš: Zur linguistischen Analyse, S. 72. Schnitzer: Fokustheorie, S. 54.

[4] Daneš: Zur linguistischen Analyse, S. 72f. Lenerz: Satzglieder, S. 12. Schnitzer: Fokustheorie, S. 54f.

[5] Schnitzer: Fokustheorie, S. 57.

[6] Vgl. Jacobs: Fokus-Hintergrund-Gliederung, S. 97. Lenerz: Satzglieder, S. 11.

[7] Lenerz: Satzglieder, S. 11.

[8] Ebd., S. 30.

[9] Schnitzer: Fokustheorie, S. 55.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640738120
ISBN (Buch)
9783640738151
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160568
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Deutsche Philologie
Note
1
Schlagworte
Fokus Thema Rhema Fokustheorie

Autor

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