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Unterrichtsstunde: Die Getreidearten

Unterrichtsentwurf 2009 38 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Reflexionen zur Lerngruppe

2 Nennung der zu fördernden und zu erreichenden Kompetenzen

3 Überlegungen zum Inhalt und zur Sache

4 Didaktische Analyse

5 Methodische Analyse

6 Anhang

1 Reflexionen zur Lerngruppe

Die ist eine einzügige Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule, die im Schuljahr 2009/10 von ca. 190 Schüler/-innen besucht wird.

Die Klasse 3 besteht aus 19 Schüler/-innen, 11 Jungen und 8 Mädchen. Die Schüler/-innen sind zwischen 8 und 9 Jahre alt. 3 Schüler/-innen der Klasse haben einen Migrationshintergrund. Bei 2 von diesen Schüler/-innen mit Migrations- hintergrund macht sich dieser teilweise in ihren sprachlichen Leistungen bemerkbar, vor allem im grammatikalischen Bereich und beim Wortschatz. Beim Verstehen der Sprache gibt es allerdings kaum Schwierigkeiten, deshalb gehe ich nicht davon aus, dass diese Schüler/-innen in der vorliegenden Unterrichtsstunde eine spezielle Differenzierung benötigen werden. Auf den dritten Schüler mit Migrationshintergrund werde ich später noch eingehen.

Die soziale Situation in dieser Klasse ist meistens recht gut. Die Schüler/-innen gehen meist freundschaftlich miteinander um und können Konflikte teilweise selbst regeln.

Insgesamt handelt es sich um eine ziemlich aufgeweckte Klasse, die meisten Schüler/-innen lassen sich aber schnell zur Mitarbeit motivieren. Viele sind sehr interessiert an sachkundlichen Themen und verfügen hier teilweise auch über ein großes Allgemeinwissen. Einigen fällt es allerdings schwer sich zu konzentrieren und sich an die Gesprächs- und Klassenregeln zu halten.

Die Schüler/-innen haben das Lernen an Stationen im letzten Schuljahr bereits kennen gelernt, aber noch nicht intensiv eingeübt. Die Methode Lerntheke wurde aber im letzten Schuljahr sehr oft durchgeführt und ich werde in den vorhergehenden Stunden mit ihnen das Lernen an Stationen einüben. Deshalb rechne ich hier nicht mit größeren Schwierigkeiten.

Das Thema Getreide wurde in dieser Klasse bisher noch nicht behandelt. Da die Schüler/-innen aber in einer ländlichen Umgebung aufwachsen und es in der Umgebung sehr viele Getreidefelder gibt, sind sie mit diesem Thema sicherlich bereits in Berührung gekommen. Die meisten haben aber vermutlich die Zusammen- hänge noch nicht erfasst und können die verschiedenen Getreidearten noch nicht auseinanderhalten.

2 Nennung der zu fördernden und zu erreichenden Kompetenzen

„Die Schülerinnen und Schüler können

- Techniken der Naturbeobachtung, der Orientierung in der Artenvielfalt, des Vergleichs an Kriterien und des Entwickelns von Ordnungssystemen anwenden.
- Phänomene der belebten und unbelebten Natur beschreiben und begrifflich erfassen.
- Erfahrungen miteinander vergleichen und ordnen, Regelmäßigkeiten aufspüren und in anderen Kontexten wiedererkennen.“1

Im Hinblick auf die zu fördernden Kompetenzen aus dem Bildungsplan sollen folgende Stundenziele erreicht werden:

- Die Schüler/-innen lernen die verschiedenen Getreidearten kennen.
- Die Schüler/-innen üben sich darin, die Getreidearten zu unterscheiden.
- Die Schüler/-innen können Beispiele für Lebensmittel nennen, in denen Getreide enthalten ist.

3 Überlegungen zum Inhalt und zur Sache

Getreide zählt zu den Nutzpflanzen. Sehr viele unserer Lebensmittel werden aus Getreide hergestellt oder enthalten unter anderem Getreide. Die Getreidepflanzen gehören zur Familie der Süßgräser. Die am meisten verbreiteten Getreidearten sind Gerste, Hafer, Mais, Roggen und Weizen.

Gerste

Die bekannteste Art ist hier die Saatgerste. Die Gerstenpflanze hat sehr lange Grannen und eine flache Ähre. Im reifen Zustand ist die Ähre geneigt oder hängend. Gerste wird oft zu Malz verarbeitet und so vor allem zum Brauen von Bier oder zur Herstellung von Malzkaffee und Whiskey verwendet. Darüber hinaus findet man Gerste auch in Flockenform in Müsliprodukten.

Hafer

Die wichtigste Art ist auch hier der Saathafer. Die Haferpflanze hat nickende Ährchen, die in Rispen stehen. Dadurch ist der Hafer sehr deutlich von den anderen Getreidearten zu unterscheiden. Die Körner sind länglich und hellbraun. Aus Hafer werden vor allem Haferflocken hergestellt. In dieser Form wird der Hafer für Müsliprodukte und Haferbrei/-grütze verwendet. Außerdem wird er auch oft als Tierfutter eingesetzt.

Mais

Der Mais lässt sich anhand vieler Merkmale deutlich von den anderen Getreidearten unterscheiden. Er hat wie der Hafer keine Ähre, sondern eine Rispe, an der aber nicht die Körner wachsen. Diese wachsen an dem sogenannten Kolben. Die Maiskörner sind größer als die anderen Getreidekörner und sehr hart. Meistens sind sie leuchtend gelb, es gibt sie aber in verschiedenen Farben, wie z.B. rot oder blau. Das Maismehl ist ebenfalls deutlich gelb gefärbt. Mais ist die am häufigsten angebaute Getreideart und demnach in sehr vielen Lebensmitteln enthalten, so z.B. in Cornflakes oder anderen Müsliprodukten, Popcorn oder in Form von Mehl in verschiedenen Backwaren. Unreife Maiskolben werden als Gemüse gegessen. Außerdem wird er oft als Tierfutter eingesetzt und seit einiger Zeit auch als Energierohstoff.

Roggen

Die Ähre des Roggens ist rund und weist lange Grannen auf, die aber meist kürzer als die Grannen der Gerste sind. Charakteristisch für die Roggenpflanze ist auch die grünliche oder gräuliche Färbung der Körner und teilweise auch des Halmes und der Ähre. Das Roggenmehl ist grau gefärbt. Bei Lebensmitteln findet der Roggen fast nur in Form von Mehl beim Backen von Brot oder Brötchen Verwendung sowie bei der Alkoholherstellung (Wodka, „Korn“, Bier). Darüber hinaus wird Roggen als Tierfutter und als Energieträger genutzt.

Weizen

Der Weizen hat ebenfalls eine runde Ähre mit sehr kurzen oder keinen Grannen. Die Weizenkörner sind ebenfalls rund und hellbraun. Das Weizenmehl als Weißmehl ist strahlend weiß. Weizen ist die am dritthäufigsten angebaute Getreideart und wird vor allem in Form von Mehl zur Herstellung von Backwaren gebraucht. Zudem wird er oft als Tierfutter eingesetzt.2

4 Didaktische Analyse

Getreide ist in sehr vielen Lebensmitteln unseres täglichen Gebrauchs enthalten. Es ist sogar unser wichtigster Nahrungslieferant, denn Getreideerzeugnisse liefern über 40% der Nahrungsenergie, die der Mensch täglich braucht. Getreide wird sowohl für die Herstellung von Produkten verwendet, bei denen man nicht vermuten würde, dass hier Getreide zu den Zutaten zählt, wie z.B. Fruchtgummi, Hustenbonbons oder Tee, als auch für die Herstellung von Grundnahrungsmitteln, wie z.B. Brot oder Nudeln. Getreide begegnet den Kindern also ständig, teilweise sicherlich unbewusst. Manchen Kindern ist das Thema Getreide auch deshalb präsent, da sie jemanden kennen, der unter Zöliakie leidet. Je nachdem in welchem Umfeld die Kinder aufwachsen, haben sie Vorwissen und Vorerfahrungen zu diesem Thema. Da die Kinder aus dieser Klasse, wie bereits erwähnt, in einer Umgebung aufwachsen, in der sehr viele Getreidefelder zu beobachten sind, müssten alle Kinder bereits einmal ein Getreidefeld gesehen haben. Dies heißt aber nicht, dass es ihnen bewusst ist, dass diese Pflanzen Getreide genannt werden. Außerdem ist das Vorwissen sehr unterschiedlich, wenn es darum geht, die Zusammenhänge zwischen der Getreide- pflanze, den Körnern, dem Mehl und den fertigen Getreideerzeugnissen herzustellen. Diese Zusammenhänge sollen für die Schüler/-innen durch diese Unterrichtseinheit transparent gemacht werden, so dass die Schüler/-innen ein Bewusstsein entwickeln können für das, was sie essen und was darin enthalten ist. Dieses Bewusstsein ist sehr wichtig für eine gesunde Ernährung. Schließlich ist in vielen gesunden Lebens- mitteln Getreide enthalten und Wissen über Getreide kann helfen, gesunde von weniger gesunden Lebensmitteln zu unterscheiden (z.B. Weißmehl- und Vollkornmehlprodukte). Ebenso ist es wichtig, die verschiedenen Getreidearten unterscheiden zu können, um sich bewusst ernähren zu können und die verschiedenen Getreideprodukte auseinander zu halten und zuordnen zu können.

Die vorliegende Stunde ist die achte Stunde der Unterrichtseinheit „Getreide“. Bisher ging es bereits um den Aufbau des Getreidekorns und der Getreidepflanze.

Außerdem haben die Schüler/-innen selbst Getreidekörner eingepflanzt und beobachten nun deren Wachstum. Die Arbeit an den Stationen zu den Getreidearten haben die Schüler/-innen bereits letzte Woche begonnen, die vorliegende Stunde ist die dritte Stunde. Ich hatte eigentlich geplant, dass die Schüler/-innen mit den Stationen in der vorliegenden Stunde fertig werden. Da ich die Schüler/-innen aber noch nicht so gut kenne un]d mit ihnen bisher noch nicht diese Methode durchgeführt habe, war es für mich schwierig das Arbeitstempo der Schüler/-innen einzuschätzen. Manche Schüler/-innen werden vermutlich in der vorliegenden Stunde fertig werden, aber einige werden noch mehr Zeit benötigen. Deshalb werde ich bereits in dieser Stunde einige Zusatzaufgaben für die Schüler/-innen, die fertig sind, bereit halten und in der nächsten Stunde den Schüler/-innen noch die Möglichkeit geben, an den Stationen weiterzuarbeiten.

Ich entschied mich mit den Schüler/-innen die Getreidearten Gerste, Hafer, Mais, Roggen und Weizen zu behandeln, da diese zu den bekanntesten Getreidearten zählen und in der Umgebung der Schule häufig angebaut werden. Außerdem lassen sich bei diesen fünf Arten bei den meisten Vergleichsobjekten deutliche Unterschiede erkennen. Darüber hinaus hätte man noch beispielsweise die Arten Reis oder Dinkel hinzunehmen können. Dinkel wird seit einiger Zeit wieder verstärkt angebaut, vor allem in Baden-Württemberg. Trotzdem gehe ich davon aus, dass er den Schüler/- innen kaum bekannt sein wird, da es im „normalen“ Supermarkt nur wenig Dinkelprodukte zu kaufen gibt. Reis kennen die Schüler/-innen sehr wahrscheinlich. Trotzdem entschied ich mich dazu ihn nicht zu behandeln, da er in Deutschland nicht angebaut wird.

Zu Beginn der Stunde präsentiere ich den Schüler/-innen je Getreideart ein Produkt, das bei den Stationen nicht verwendet wurde. Die Schüler/-innen werden durch die Produkte in ihrer Lebenswelt abgeholt und für die Arbeit an den Stationen motiviert.

5 Methodische Analyse

Die Stunde beginnt mit dem Begrüßungsritual. Dadurch ist der Stundenbeginn klar gekennzeichnet und eine freundliche Atmosphäre und Beziehung zwischen Schüler/- innen und Lehrerin geschaffen.

Da die Schüler/-innen das Thema dieser Unterrichtsstunde bereits kennen, kommt ein Rätsel o.ä. als Einstieg nicht in Frage. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass der Wissensstand der Schüler/-innen sehr unterschiedlich ist, je nachdem welche Station sie bereits bearbeitet haben. Deshalb werde ich die Schüler/-innen zur Weiterarbeit an den Stationen motivieren, indem ich ihnen Lebensmittel präsentiere, die sie sicherlich kennen und oft zu sich nehmen. Einzig bei dem Produkt Malzbier kann es sein, dass es einige Kinder nicht kennen. Hier werde ich auch betonen, dass dies kein „richtiges“ Bier ist, da es alkoholfrei ist und somit auch von Kindern getrunken werden darf, so dass hier keine Missverständnisse entstehen. Für die Schüler/-innen wird durch die Produkte auch noch mal deutlich gemacht, dass die Materialien, mit denen sie sich an den Stationen beschäftigen, in vielen Lebensmitteln enthalten sind. Anschließend sollen die Schüler/-innen die Regeln, die für die Arbeit an den Stationen gelten, wiederholen, so dass sie ihnen präsent sind. Zusätzlich sind die Regeln auf einem Plakat visualisiert.

Daraufhin rufe ich die Paare auf, die mit den Stationen beginnen dürfen. Ich habe mich dazu entschieden, die Stationen im Tandem bearbeiten zu lassen, da für jede Station sehr viel Material benötigt wird und ich ansonsten 19 Stationen bereitstellen müsste. Außerdem können die Schüler/-innen sich gegenseitig unterstützen, eventuelle Schwächen ausgleichen und üben im Team zu arbeiten. Die Einteilung der Tandems übernahm ich, da ich so Einfluss nehmen konnte, dass möglichst immer ein(e) leistungsschwächere(r) Schüler/-in mit einer/einem leistungsstärkeren zusammen arbeitet. Dies war allerdings nicht immer möglich, da es einige Schüler/- innen in der Klasse gibt, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben und mit der Konzentration haben. Ich konnte also nicht für jede(n) dieser Schüler/-innen eine(n) leistungsstärkere(n) Schüler/-in finden. Hinzu kam, dass ich selbstverständlich auch darauf achten musste, welche Schüler/-innen miteinander arbeiten können, ohne dass es hier ständig zu Konflikten kommt.

Die Methode Lernen an Stationen wählte ich aus, da die Schüler/-innen sich den Lerninhalt möglichst handlungsorientiert aneignen sollen. Ich habe durch die Stationen die Möglichkeit den Schüler/-innen vielfältiges Material zur Verfügung zu stellen, mit dem sie individuell umgehen können. Die Schüler/-innen können die Materialien mit verschiedenen Sinnen wahr nehmen, sie können sie sehen, riechen, fühlen und schmecken. Dadurch ist eine ganzheitliche Aufnahme des Lerninhaltes möglich. Zudem wird das selbständige und selbstverantwortliche Lernen und

Arbeiten gefördert, da die Schüler/-innen ihr eigenes Lerntempo wählen können, aber auch darauf achten müssen, dass sie mit diesem nicht zu sehr hinter ihren Mitschüler/-innen zurückbleiben. Durch das Lernen an Stationen „soll den Kindern verweilendes und in die Tiefe gehendes Arbeiten ermöglicht werden. Die vorhandene Zeit steht den Kindern für die Klärung von Sachen und Beziehungen zur Verfügung. Dies fällt ihnen leicht, weil die Lebenswirklichkeit aufgegriffen ist, zur Klärung ansteht und die Kinder bereichert. Der Unterricht berücksichtigt Dinge, die für die Kinder bedeutsam sind. Sie werden angeregt, über Dinge aus ihrem Lebensinhalt nachzudenken, und sehen ihren Wunsch, etwas zu entdecken, auszuprobieren, bestärkt.“3

Im Folgenden werde ich die Stationen kurz vorstellen. Jede Station ist zweimal vorhanden und die Station „Körner“ dreimal, so dass alle neun Paare gleichzeitig an einer Station arbeiten können. Die Schüler/-innen bekamen zu Beginn der Arbeit an den Stationen fünf Arbeitsblätter, für jede Getreideart eines. Auf diesen Arbeitsblätter gibt es jeweils einen Bereich für die vier verschiedenen Stationen. Die Schüler/-innen sollen bei jeder Station auf jedem Arbeitsblatt den zu der Station passenden Bereich ausfüllen. Wenn sie alle Stationen bearbeitet haben, haben sie zu jeder Getreideart ein Arbeitsblatt, auf dem die Körner, der Halm, das Mehl und ein Produkt beschrieben sind.

Bei der Station „Halme“ geht es darum, die verschiedenen Halme der Getreidearten zu unterscheiden. Die Schüler/-innen bekommen dazu Infokarten, auf denen das Aussehen der verschiedenen Halme beschrieben ist. Diese sollen sie zu den auf Karten aufgeklebten Halmen zuordnen. Zusätzlich sollen sie von einem Blatt Bilder von den Halmen ausschneiden und auf das passende AB aufkleben. Die Station „Körner“ zeigt den Schüler/-innen die verschiedenen Körner der Getreidearten. Die Schüler/-innen können die Körner anschauen, um Unterschiede in der Farbe und der Form festzustellen, und sie können sie schmecken, um Unterschiede im Geschmack (wobei es hier kaum Unterschiede gibt) und dem Härtegrad feststellen. Hier liegen ebenfalls Infokarten bereit, auf denen die Körner beschrieben sind. Da die Körner teilweise nur schwer unterscheidbar sind, gibt es zusätzlich einen Hilfe-Umschlag, in dem die Körner auf Karten mit dem Namen der Getreideart aufgeklebt sind.

[...]


1 Bildungsplan 2004, S. 106.

2 vgl. Danert u.a. 1976, S. 385ff, 388ff, 402 u. Wikipedia.

3 Bauer 1997, S. 126.

Details

Seiten
38
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640764853
ISBN (Buch)
9783640765195
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160454
Note
Schlagworte
Unterrichtsstunde Getreidearten Getreide

Autor

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Titel: Unterrichtsstunde: Die Getreidearten