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Die selbstständige Erarbeitung von Körpertäuschungen im Handball in der Klassenstufe 9

Unterrichtsentwurf 2010 16 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

1. Bemerkungen zur Lerngruppe

Seit dem 01.02.2010 unterrichte ich den männlichen Teil der Klasse 9b eigenverantwortlich. Mit Beginn des aktuellen Schuljahres ist die Klasse wieder zusammengesetzt worden, so dass seitdem koedukativ unterrichtet wird. Die Lerngruppe setzt sich aus 19 Schülerinnen1 und zwölf Schülern 5 im Alter von 13;07 bis 16;01 Jahren ( : 14;11, :02;04) zusammen. Der Großteil der männlichen Schüler befindet sich bezüglich ihres biologischen Alters in der Phase des frühen Jugendalters (Pubeszens) (Meinel & Schnabel 2004, S. 288ff). Diese Phase zeichnet sich insbesondere durch Schwierigkeiten bei der koordinativen Entwicklung aus.

Die Schülerinnen hingegen stehen zum Großteil am Anfang der zweiten puberalen Phase (Adoleszenz). 10 Diese Phase zeichnet sich durch eine zunehmende Ausdrucksstärke und Variabilität der Motorik aus. Dies gilt jedoch nicht lediglich geschlechtsintern, denn auch innerhalb der dieser Gruppen sind starke Entwicklungsunterschiede auszumachen (z.B. ____ und ______). Dieser breiten Streuung hinsichtlich des biologischen Alters gilt es bei der Planung zu berücksichtigen.

In Bezug auf die Ballsportart Handball reduzieren sich die Erfahrungen der Schüler mit vier Ausnahmen 15 (_____, _____, ____ und ____) auf den Schulsport2. Dadurch ließen sich bei einem Großteil der Schüler Defizite hinsichtlich ihrer technischen und taktischen Fertigkeiten bzw. Fähigkeiten zu Beginn der Unterrichtsreihe ausmachen, die jedoch im Verlauf bereits verringert werden konnten. Folglich besteht eine Heterogenität hinsichtlich ihrer handballspezifischen taktischen und motorischen Kompetenzen. Diese wirkt sich jedoch nicht negativ auf die Motivation aus. Gerade die motorisch weniger 20 leistungsstarken Schüler können in kognitiven und in offenen Unterrichtsphasen des Sportunterrichts wichtige Impulse zum Fortschreiten des Lernprozesses leisten. Bei auftretenden Problemen oder der Erarbeitung von Lösungsansätzen sind diese im Vergleich zu Vereinshandballern oft weniger voreingenommen und können dadurch kreative und neue Möglichkeiten herausarbeiten. Es hat sich außerdem gezeigt, dass Schüler, die eine Vereinszugehörigkeit in anderen Mannschaftsspielen 25 aufweisen, eine hohe allgemeine Spielfähigkeit und ein gutes Spielverständnis aufweisen. Dadurch konnten die Schüler einzelne taktische sowie technische Elemente auf den Handball übertragen und anwenden. Zu diesen leistungsstarken Schülern zählen vor allem ______, _____, _______ und____, die Fußball oder Basketball im Verein spielen. Besonderer Förderbedarf besteht hingegen bei _____ und _______.

2. Curriculare Einordnung

Der Lehrprobenstunde gingen vier Doppelstunden der Unterrichtsreihe „Entwicklung und Erweiterung der Spielfähigkeit und der Grundfertigkeiten im Handball durch die Schulung technischer und taktischer Elemente“ voraus. Nach einer Evaluation des handballspezifischen Leistungsstandes wurden in den 35 folgenden Doppelstunden grundlegende Fertigkeiten, wie das Fangen, das Passen, das Prellen und der Torwurf wiederholt und in variablen Spielsituationen gefestigt. Darüber hinaus wurden insbesondere

das Parallelstoßen und Abwehrmaßnahmen als gruppentaktische Elemente eingeführt und geübt. Das Zielspiel ist dabei eine Variante des Handballspiels: Minihandball. Während in den bisherigen Sportstunden vor allem die gruppentaktischen Mittel fokussiert wurden, soll in der Lehrprobenstunde ein individualtaktisches Element eingeführt werden, das zum individuellen Gelingen der grundlegenden 5 Spielidee führen soll. Minihandball wird in den folgenden Doppelstunden weitergehend vertieft und mündet zum Abschluss der Unterrichtsreihe in eine Leistungsüberprüfung.

3. Rahmenbedingungen

Die zweite A-Lehrprobe findet planmäßig in der Sporthalle des Gymnasiums in ____im zweiten Teil 10 einer Doppelstunde von 11.10 Uhr bis 11.55 Uhr statt. Es stehen drei Minihandballfelder und Handbälle in ausreichender Zahl zur Verfügung.

4. Relevantes Eingangsverhalten

Die Schüler…

- sind mit den Grundregeln des Handballspiels vertraut, bedürfen jedoch noch Hilfe bei der Beachtung der 3-Schrittregel.
- beherrschen in weiten Teilen das sichere Passen und Fangen.
- verfügen über vielseitige handballerische Grundfertigkeiten und Taktiken, führen diese jedoch zum Großteil intuitiv aus.
- verhalten sich gegenüber ihren Mitschülern fair und verantwortungsbewusst.
- haben aufgrund eines differenzierten Vereinssports großteils allgemeine Ideen zur Ausführung von Körpertäuschungen.
- bearbeiten Aufgabenstellungen in Kleingruppen zielorientiert.

5. Didaktische Entscheidungen

Das Mannschaftsspiel Handball wird durch das geltende Kerncurriculum Sport (Nds. Kultusministerium, 2007, S. 16) sowie durch die Grundsätze und Bestimmungen des Schulsports legitimiert (Nds. Kultusministerium, 2005, S. 14). Das Hauscurriculum des gymnasiums sieht das Handballspiel für die neunte Klasse im ersten Halbjahr als verbindlich vor.

Der Sportunterricht in der Mittelstufe dient in weiten Teilen der Qualifikation für das Prüfungsfach Sport in der gymnasialen Oberstufe (Nds. Kultusministerium, 2010, S. 11). Diesbezüglich orientiert sich der Kompetenzerwerb der Lehrprobenstunde an den hier geforderten Qualifikationen „Problemanalyse, Erarbeitung von Lösungsstrategien, Auseinandersetzung mit der Problemstellung durch Erproben und Experimentieren, Ergebnisanalyse und Sicherung“ (ebd. S. 20).

Handball wird dem Erfahrungs- und Lernfeld „Spielen“ zugeordnet. Unter diesem Aspekt wird gefordert, dass die Schüler eine spielformbezogene Spielfähigkeit in den Bewegungs- und Sportspielen erwerben. Insbesondere in regelgeleiteten Wettkampfspielen sollen die Schüler ihre taktischen und motorischen Grundfertigkeiten verbessern (Nds. Kultusministerium, 2005, S. 16). Der Erwerb bzw. die

Erweiterung der Spielfähigkeit in den Ballsportarten soll in dieser Unterrichtsreihe erzielt werden. Das Sportspiel Handball bietet sich in besonderer Weise dafür an, da es in der Erfahrungs- und Lebenswelt der Schüler äußerst präsent ist. Dies lässt sich u. a. auf die räumliche Nähe der Schüler zum hochklassigen 2. Bundesligaverein HSG-Nordhorn-Lingen zurückführen. Jüngste Erfolge der deutschen

Herrennationalmannschaft (WM-Sieger 2007 in Deutschland) und deren Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2011 in Schweden sowie die der Damennationalmannschaft für die EM im Dezember 2010, sprechen für eine hohe Medien- und Vereinspräsenz dieser Sportart. Handball lässt sich ohne großen Material- und Platzaufwand nahezu überall selbstorganisiert spielen. Die recht einfache

Spielidee - Tore werfen und Tore verhindern - (Dietrich & Dürrwächter & Schaller, 2007, S. 112) führt 10 zu schnellen Erfolgserlebnissen. Die Variation der normierten Spielorganisation erlaubt dabei ein anspruchvolles Spiel, auch mit geringer Teilnehmerzahl.

Die Einführung in das Sportspiel Handball ist laut dem Hauscurriculum des gymnasiums in der Klassenstufe 7 festgelegt. Der Verlauf der Unterrichtsreihe hat gezeigt, dass der Großteil der Schüler bereits über grundlegende handballspezifische Taktiken und Fertigkeiten verfügt. 15 Im Sinne der Unterrichtsreihe gilt es diese sukzessiv zu verfestigen und zu erweitern. Die motorische

Ausführung in handballspezifischen Spielsituationen vollzieht sich, bei Vereinsspielern sowie bei Anfängern der Lerngruppe, jedoch eher intuitiv und erfordert laut den Vorgaben des Kerncurriculums Sport (2007, S. 17) eine Bewusstseinschaffung ihrer Handlungsentscheidungen durch die Reflektion von Spielprozessen. Der Unterrichtsgegenstand der Lehrprobenstunde eignet sich dafür in besonderer 20 Weise, da individualtaktische Entscheidungen und deren motorische Ausführung auf engem Raum über das Gelingen bzw. Scheitern einer Körpertäuschung entscheiden und diese Spielsituation somit direkt Antworten auf die Qualität der eigenen Körpertäuschung liefert. Durch die Reduktion der Spielsituation auf eine Eins-gegen-Eins-Situation mit der Zielvorgabe der Durchführung einer Körpertäuschung mit abschließendem Torwurf unter der Beachtung der 3-Schrittregel sind diese scheinbar individuell 25 einfachen Lösungswege genauestens hinsichtlich ihrer Funktionalität zu untersuchen. Schwierigkeiten bei der Einhaltung der 3-Schrittregel können durch methodische und situationsangemessene Abwandlungen entgegengewirkt werden (Nds. Kultusministerium, 2005, S. 14). Das Thema der Lehrprobenstunde lässt sich einem der beiden Kernelemente des Handballspiels zuordnen „Herausspielen der Torgelegenheit“ (Dietrich & Dürrwächter & Schaller, 2007, S. 112). Das 30 Parallelstoßen steht den Schülern bereits als raumgewinnende Mannschaftstaktik zur Verfügung3. Die Durchbruchsaktionen einzelner Offensivspieler beschränken sich bisweilen jedoch stark auf die Schüler mit handballerischem Vereinshintergrund. Die Körpertäuschung stellt ein handballübergeordnetes Element der Spielfähigkeit dar (Trosse, 2002, S. 12) und sollte aufgrund der Transfermöglichkeiten in weiteren Sportspielen besondere Beachtung erhalten. Aufgrund der beschriebenen Heterogenität der 35 Lerngruppe bietet das Thema körperlich unterlegenen Schülern die Möglichkeit sich gegenüber stärkeren durchzusetzen und fördert dabei zusätzlich die Motivation und das Selbstvertrauen sich in solchen Situationen zu behaupten.

[...]


1 Zur besseren Lesbarkeit wird im Folgenden die geläufige maskuline Form verwendet.

2 Vgl. Klassenspiegel (Anhang)

3 Siehe curriculare Einordnung

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640765294
ISBN (Buch)
9783640765430
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160365
Institution / Hochschule
Studienseminar in Bensheim Heppenheim – Gymnasium Niedersachsen
Schlagworte
Handball Köpertäschung Finte Sport Unterstufe Oberstufe Selbstständigkeit Gymnasium Niedersachsen Kl

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