Lade Inhalt...

College Short Stories

Analyse und Vergleich dreier Kurzgeschichten Malcom Bradburys

Hausarbeit 2002 22 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Malcom Bradburys Leben im Universitätsmilieu

2. College Short Stories
2.1 Very Hospitable Person
2.1.1 Formale Textanalyse
2.1.2 Charaktere
2.1.3 Amerikanische Offenheit gegenüber englischer Zurückhaltung
2.1.4 Interpretation der Entwicklung der Konversation
2.2 Nobody here in England
2.2.1 Formale Textanalyse
2.2.2 Charaktere
2.2.3 Die Beziehung zwischen Mrs. Prokosch und Shaw
2.3 Composition
2.3.1 Formale Textanalyse
2.3.2 Charaktere
2.3.3 Composition als exemplarische „composition"

3. Vergleich der College Short Stories

4. Schlussbemerkung

Bibliographie

1. Malcom Bradburys Leben im Universitätsmilieu

„[...] universities are not better than life. They are just life.“ (Goch 1992: 200)

Die Aussage dieses Zitates aus Malcom Bradburys zweitem Roman Stepping Westward, dass Universitäten einfach das Leben sind - oder um es freier auszudrücken – bestimmen, läßt sich insbesondere auf Bradbury selbst übertragen. Evans schreibt in Vanatta (1985: 144) „Malcom Bradbury´s private world is a kind of overacademized Anglo-America [...]“. Bradbury verbringt die meiste Zeit seines Leben im Universitätsmilieu und wird dadurch im besonderen Maße geprägt. Dies spiegelt sich in der Tatsache wider, dass sich der Großteil der Handlungen seiner Romane und Kurzgeschichten an Universitätsschauplätzen abspielt und seine Charaktere oftmals ihn und seine eigenen Erfahrungen repräsentieren (vgl. Friedman 1986: 219).

Geboren 1932 in Sheffield, wächst er zunächst in Nottingham und später in London auf. Für sein Studium besucht er die Leicester und die London University. Als junger Dozent verbringt er einige Zeit an der Indiana University und in Yale in Amerika.

Seine Karriere als Universitätsprofessor beginnt im Jahr 1959 an der Hall University. Im selben Jahr erscheint auch sein erster Roman Eating people is wrong und er heiratet die Bibliothekarin Elisabeth Salt. 1961 ist er im English Department an der University of Birmingham tätig, an der er den Schriftsteller David Lodge trifft. Aus der Begegnung entwickelt sich eine lebenslange Freundschaft.

Bradburys Interesse gilt insbesondere der Amerikanistik, die sich in seinen kritischen Arbeiten widerspiegeln. Als er 1965 Lektor an der University of East Anglia in Norwich wird, hilft er das Department für Amerikanistik einzurichten, in dem er 1970 zum Professor ernannt wird. 1970 gründet er außerdem zusammen mit Angus Wilson einen „creative writing MA course“. Zu seinen Studenten gehören spätere populäre Schriftsteller wie Ian McEwan, Kazuo Ishiguro und Clive Sinclair. Bis zu seiner Pensionierung 1995 bleibt er als Professor in Norwich.

Im Jahr seines Todes, 2000, wird er aufgrund seines herausragenden Lebenswerkes als Autor, Professor, Fernsehdrehbuchautor und Literaturkritiker zu Sir Malcom Bradbury ernannt.

Bradbury kreierte in seiner short fiction unter anderem auch den Typus der college short story. Als Schauplatz der Kurzgeschichten dient das amerikanische Universitätsmilieu (vgl. Breitkreuz 1993: 67).

In meiner Arbeit möchte ich nun die Kurzgeschichten „A very hospitable person“, „Nobody here in England“ und „Composition“ aus Bradburys Sammelband „Who do you think you are?“ (1976), die zu dem Untertyp der college short story zählen, analysieren und miteinander vergleichen.

2. College Short Stories

Dem Vergleich der College Short Stories geht zunächst eine Textanalyse und Interpretation der einzelnen Kurzgeschichten voraus.

2.1 A Very Hospitable Person (Bradbury 1976: 23-39)

2.1.1 Formale Textanalyse

Die story der Kurzgeschichte spielt sich an einem Abend in New England ab. Das amerikanische Ehepaar Catherine und Glenn Nathan lädt zwei weitere Ehepaare zum Essen ein. Jedoch sagen die Tuckermans die Einladung aus persönlichen Gründen ab. So empfangen die Nathans das englische Ehepaar Lila und Richard Lawrence, die sie zuvor nur ein einmal getroffen haben.

Die gesamte Geschichte wird chronologisch (plot) aus der Sichtweise eines auktorialen Erzählers erzählt. Jedoch enthält sie auch personale Elemente, in denen die Gedanken der Gastgeberin Catherine beschrieben werden (Bsp.: „It was good to have a husband who appreciated what you had done for him, how you´d changed him, thought Catherine, [...]“ S.31, „ [...] Cathy congradulated herself on how she´d been managing the conversation;“ S.35). Die Kurzgeschichte besteht zum größten Teil aus den Konversationen der Figuren im Rahmen der Überleitungen und Beschreibungen des Erzählers.

Die erzählte Zeit von der Dauer eines Abends von etwa drei Stunden entspricht fast der erzählenden Zeit von etwa zwei Stunden, da die Gespräche der Figuren in ganzer Länge aufgeführt werden und lediglich während des Essens - wenn auch nicht explizit erwähnt – die erzählende Zeit durch keine genaue Detailbeschreibung ein wenig kürzer ist, als die erzählte Zeit. Bradbury erleichtert es dem Leser durch die Annäherung der erzählenden zur erzählten Zeit, sich in die Situation der Kurzgeschichte besser einfühlen zu können.

2.1.2 Charaktere

Meiner Ansicht nach handelte es sich bei den vier wichtigsten handlungstragenden Figuren um flat characters, die den nationalen Clichévorstellungen von Engländern und Amerikanern entsprechen.

Catherine Nathan, die Gastgeberin, die ursprünglich aus Illinois stammt, entspricht in der Geschichte im besonders ausgeprägtem Maße einer extrovertierten Amerikanerin, die sich ohne Scheu in Gespräche einmischt und diese dominiert. So schneidet sie small talk untypische Themen an („How do they feel about wife-swapping in England?“ S.35) oder äußert unpassende und oftmals verletztende Kommentare („Hey, are they still as backward about childbirth in England? [...] A friend of mine came back from there with her vagina all ripped up. That kid´s three years old now and intercourse is still painful for her [...].“ S.29), die sich keinesfalls für eine Konversation mit Gästen eignen, die sie gerade erst richtig kennenlernt. Jedoch bemerkt sie nicht, dass sich die Lawrences in den Gesprächen nicht besonders wohl fühlen. Ihr Charakter wird in erster Linie showing präsentiert, da er sich aus ihren Äußerungen ergibt. Ihre selbstgefälligen Gedanken und der Kommentar ihres Mannes über sie („[...] she´s so outgoing“ S.31) werden hingegen in a telling way konkret erzählt.

Die Präsentation des Charakters des Gastgebers Glenn Nathan ist in erster Linie showing. Er bemerkt ebenfalls nicht, dass sich die Gäste, insbesondere Lila Lawrence, durch Cathys Äußerungen angegriffen und verletzt fühlen. Das Verhalten seiner Frau akzeptiert er voll und ganz, weil Cathy ihn in seinem Leben besonders beeinflußt hat („I had to teach him everything. From how to sew to how to screw.“ S.28) und er hält sie sogar für eine besonders außergewöhnliche Person („[...] in all my life I´d never met anyone like Cathy.“ S.31).

Er ist Lektor an einer nicht genannten Universität in New England und stammt aus Baltimore. Während eines Aufenthaltes als freshman composition - Dozent in Champaign, Illinois begegnet er Cathy.

Die Figur Lila Lawrence entspricht einer stereotypischen stuffy Engländerin, die sich im Gespräch am liebsten auf der Ebene von small-talk bewegen will. Sobald Cathy in unangenehmer Weise zu tief auf ein Gesprächsthema eingeht, versucht sie durch oberflächliche Kommentare, beispielsweise über das Essen, zu einem anderen Gesprächsstoff überzugehen. Ihre English politeness erlaubt es ihr nicht, ihre wahren Gedanken explizit zu äußern. So sind ihre positiven Kommentare besonders gegen Ende des Abends eher ironisch zu deuten. Als Cathy sie bittet, doch noch zu bleiben antwortet Lila: „No, we must go, really. [...] But many thanks for a lovely evening.“ (S.38).

Ihr Ehemann Richard Lawrence ist als Seminarlehrer vorübergehend an einer Universität in New England tätig. Seine Frau Lila begleitet ihn dabei. Er steht den amerikanischen Verhaltensweisen der Nathans im Gegensatz zu Lila sehr viel offener gegenüber. Er fühlt sich als Gast in der Gesellschaft wohler, weil ihm Catherine sehr viel Aufmerksamkeit schenkt, was von seiner Ehefrau nicht gern gesehen wird. Sein Charakter wird ebenfalls showing präsentiert.

2.1.3 Amerikanische Offenheit gegenüber englischer Zurückhaltung

Mit der Very Hospitable Person in der Kurzgeschichte ist die Gastgerberin Catherine Nathan gemeint. Jedoch zeigen die Entwicklungen in der Kurzgeschichte, dass diese Gastfreundschaft und die damit verbundenen Verhaltensweisen und Gesprächsstoffe aus der Perspektive von Amerikanern und Engländern unterschiedlich gesehen werden können.

Bradburys Intention diese Geschichte zu schreiben war, das Zusammentreffen der kulturellen Differenzen zwischen England und Amerika darzustellen. Dabei hält er sowohl den clichéhaften Engländern, als auch den stereotypischen Amerikanern einen Spiegel vor, indem er ihre vermeintlich landestypischen Eigenheiten kritisch beleuchtet. Die Kritik läßt sich nur indirekt aus der Geschichte herauslesen, daher ist die gesamte Kurzgeschichte mit einem ironischen Unterton behaftet.

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638209786
ISBN (Buch)
9783638644372
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v16020
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Englische Philologie
Note
2
Schlagworte
College Short Stories British

Autor

Teilen

Zurück

Titel: College Short Stories