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Der Tagesablauf im mittelalterlichen Spital

Seminararbeit 2006 12 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Eine kurze Einleitung zum mittelalterlichen Spitalswesen
2.1 Eine Definition
2.2 Die Geschichte der Spitaler
2.3 Die Finanzierung der Spitaler

3 Der Tagesablauf im mittelalterlichen Spital
3.1. Die Bewohner
3.2. Die Aufnahme
3.3. Die Unterbringung und Pflege
3.4. Die Verpflegung
3.5 Sonstige Beschaftigung

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschaftigt sich mit dem speziellen Tagesablauf eines mittelalterlichen Spitals.

Hierzu werde ich nach einer kurzen Definition des Spitals im Generellen neben einer Klarung der geschichtlichen Entwicklung auch dessen unterschiedlichen Arten der Finanzierung sowie der inneren Organisation erlautern, um ein besseres Verstandnis fur das Thema zu erzeugen. Nach diesen eingehenden Erlauterungen werde ich anschlieBend auf das eigentliche Thema, den Tagesablauf im Spital, zu sprechen kommen.

Hierbei beleuchte ich den Alltag aus der Sicht der Spitalsbewohner und klare die Verpflegungs- und Unterbringungssituation, bevor ich ein abschlieBendes Fazit ziehen werde. Zeitlich beschrankt sich diese Arbeit auf das Mittelalter, daher werden auch die Geschichte, Finanzierung und Organisation der Spitaler nur im Hinblick auf mittelalterliche Ablaufe beleuchtet.

2 Eine kurze Einleitung zum mittelalterlichen Spitalswesen

Der folgende Abschnitt wird die mittelalterlichen Spitaler und ihren generellen Aufbau behandeln. Ich werde die Fragen nach der historischen Entwicklung und ihrem organisatorischen Aufbau betrachten und darlegen.

Um Hospitaler in monasterialem Zusammenhang historisch zuruckzuverfolgen und die Bedeutungsverschiebung des Begriffes „Hospital“ zu verstehen, muss man vermutlich bis ins Jahr 820 zuruckreisen. Dann namlich entstand der Plan eines Idealklosters, der heute in St.Gallen aufbewahrt wird. Hier wurde die umfassende Weitlaufigkeit eines solchen Gebaudekomplexes zu Papier gebracht, in dessen Plan das Infirmarium der Monche, sowie das hospitale pauperum fur Arme und Pilger, aber auch ein Gastehaus, eine Leprosie fur ansteckende Kranke und auch die Hospitaler fur Novizen und Laienbruder1 zusammengebracht wurden. Hier zeigt sich deutlich der historische Unterschied von mittelalterlichem Denken zum heutigen in der Konzeption des Wortes „Hospital“. Das mittelalterliche Hospital richtete sich an alle Arten von Hilfsbedurftigen in durchweg kirchlicher Umgebung. Es wurden somit nicht nur Kranke und Pflegebedurftige aufgenommen und behandelt, so wie dies heute der Fall ist; vielmehr war der Akzent auf die Versorgung von Pilgern und Reisenden verschoben, da diese ebenfalls als „bedurftig“ betrachtet wurden2. Dennoch gab es offenbar auch eine Spezialisierung auf unterschiedliche Arten von Krankheiten.

2.1 Eine Definition

3 Das mittelalterliche Hospital leitet sich etymologisch vom lateinischen Begriff des hospes ab, was in etwa Gast oder Gastfreund, aber auch der Fremde bedeutet. Auch hier wird die unterschiedliche Wortbedeutung deutlich. Seit der Karolingerzeit verstand man unter dem Begriff im Allgemeinen karitative Einrichtungen, welche in den meisten Fallen mit Anstalten und Herbergen verbunden war, wie oben bereits erwahnt. Immer standen diese Komplexe unter dem christlichen Gebot der Nachstenliebe und Barmherzigkeit, welche im Zuge der Institutiones Aquisgranenses institutionalisiert wurde. Dennoch entstanden Hospitaler nicht nur aus dem Gedanken der Barmherzigkeit. Wie so oft wollten auch schon im Mittelalter Geistliche Ihre Besitzanspruche im Jenseits erhohen und vermehren.

Zunachst wurden alle Hilfsbedurftigen, so wie Arme und Pilger, aber vor allem auch Frauen und Kinder, aufgenommen; spater wurde die Aufnahme jedoch auf Mitglieder begrenzt.

Die Aufgaben der Hospitaler umfasste neben der Speisung und finanziellen Unterstutzung von Armen und Bedurftigen auch die teilweise Auszahlung von Pensionen.

2.2 Die Geschichte der Spitaler

4 Nach der Trennung von Bischofs- und Kapitelgut erhielten die mittelalterlichen Hospitaler ein wirtschaftliches Fundament und vor allem Ludwig der Fromme leitete die oben erwahnte Institutionalisierung der Barmherzigkeit ein. Von diesem Zeitpunkt an durften solche Hospitaler, die an Bischofssitzen angesiedelt waren eigenes Vermogen ansammeln und von einem Kanoniker verwaltet werden. Generell verfugten viele Hospitaler uber einen Geistlichen, sofern ihnen eine Kapelle angeschlossen war. Im Zuge von erstarkenden Stadten wurden auch vermehrt Hospitaler gegrundet, in denen alte Bewohner der Stadt unter einer einfacheren Hausordnung zusammenlebten. Stadtische, burgerliche Hospitalstiftungen wurden meist von Stadtraten verwaltet; solche Hospitaler jedoch, die im 13.Jahrhundert zum groBen Teil verklostert wurden, unterstanden demnach der Augustinerregel des vierten Laterankonzils 1215.

Mit der Zuteilung von Statuten, d.h. besonderen Aufgaben wie der Kranken- oder Altenpflege, begann zunehmend eine Spezialisierung der Hospitaler. Die Gebaude wurden zunehmend komplexer, wie zum Beispiel das eingehend angefuhrte Hospital zu St.Gallen, das in 3 Krankheitsbereiche unterteilt war. Viele Ordenshospitaler widmeten sich nun verstarkt und in konzentrierter Form besonders der Krankenpflege in ihren vielen Facetten.

Durch diese Spezialisierung wurde folglich auch die Entwicklung zu Altenheimen gefordert, in die man sich als Burger zunehmend einkaufen konnte, oder aber auch als Mittelloser aufgenommen wurde. Hier wurde also vermehrt die Pflege der Alten und weniger Armen-, Frauen- oder Waisenbetreuung praktiziert. In den Stadten jedoch zentralisierte sich die Entwicklung der Hospitaler weiterhin auf die Krankenpflege, das auch mittlere und gehobene Schichten aufsuchten. Somit wurde der Grundstein zu unseren modernen Krankenhausern gelegt.

Diese Spezialisierung wurde naturlich besonders durch die verheerenden Seuchen des Mittelalters, mit der Pest und Lepra seien hier nur zwei der vielen genannt, begunstigt. So entstanden uberall, auch in den kleinsten Stadten, spezielle „Kranken“-Hauser. Angesiedelt wurden diese Anstalten fur Aussatzige zwar fernab der Stadtmauern, jedoch meist an groBen

[...]


1 Vergl.: Jetter, Dieter: Grundzuge der Hospitalsgeschichte, Darmstadt 1973, S. 9.

2 Vergl.: Steynitz, Jesko von: Mittelalterliche Hospitaler der Orden und Stadte als Einrichtungen der sozialen Sicherung, Berlin 1970, S.18.

3 Lindgren, Uta, Art. Hospital, in: LexMa 5, Sp.133-136, Munchen 1991.

4 Lindgren, Uta, Art. Hospital, in: LexMa 5, Sp.133-136, Munchen 1991.

Details

Seiten
12
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640730391
ISBN (Buch)
9783640762477
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160097
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,3
Schlagworte
Mittelalter Spital Tagesablauf

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Titel: Der Tagesablauf im mittelalterlichen Spital