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Der Deutsche Bauernkrieg und die Entstehung der Zwölf Artikel

Seminararbeit 2010 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der bäuerliche Widerstand in Deutschland im 15. Jahrhundert
2.1. Ursachen und Umstände für den bäuerlichen Widerstand in Deutschland
2.2. Entstehung der „Zwölf Artikel“ und Inhalt

3. Der bäuerliche Widerstand in Frankreich im Vorfeld der Revolution

4. Vergleich der Ursachen und Umstände und gemeinsame Motive

5. Motive der Zwölf Artikel in der französischen Verfassung von 1793 ?

6. Fazit / Schluss

Literaturverzeichnis

Anlage : Die Zwölf Artikel

1. Einleitung

Die folgende Seminararbeit zum Seminar „Das Werden des modernen Staates und der Staatenwelt“ soll die Motive und Ideen der im Bauernkrieg entstanden „Zwölf Artikel“ mit der Verfassung der französischen Republik 1793 vergleichen. Der Französischen Verfassung, welcher zur damaligen Zeit als auch heute immer noch eine große Reichweite und ein revolutionäres Konzept zugesagt wird, wird in der vorliegenden Arbeit auf ideengeschichtliche Übereinstimmungen mit den im Bauernkrieg von 1525 erstmals veröffentlichten „Zwölf Artikeln“ untersucht. Die Quellenlage zu beiden Ereignissen ist sehr zahlreich, jedoch ist der Vergleich beider Manifeste selten und wenn nur sporadisch vorgenommen worden.

Im Folgenden sollen deshalb zunächst die Ursachen und Umstände des deutschen Bauernkrieges zum einen und des Bauernaufstandes in Frankreich im Vorfeld der Revolution 1789 zum anderen erläutert werden. Ein Vergleich beider Ereignisse soll Parallelen der sozialen, wirtschaftlichen und ideologischen Situation beider bäuerlichen Schichten herausstellen. Dieser Vergleich ist sinnvoll, um im weiteren Verlauf der Arbeit einen Zugang zum Vergleich der „Zwölf Artikel“ mit den Artikeln der französischen Verfassung zu eröffnen. Der Vergleich der Inhalte beider Schriften bildet letztendlich den Schwerpunkt der Arbeit und untersucht, von den Zwölf Artikeln ausgehend, nach Forderungen und geistigen Motiven, welche sich in der Verfassung von 1793 niedergeschlagen haben.

Ziel der Arbeit ist die Untersuchung der These, dass es sich bei den Zwölf Artikeln um Forderungen handelte, welche in der französischen Verfassung in allgemeinerer Form wiederaufzufinden sind. Die Arbeit endet mit der Beantwortung der Zentralen Fragestellung und einem Fazit.

2. Der bäuerliche Widerstand in Deutschland im 15. Jahrhundert

2.1.Ursachen und Umstände für den bäuerlichen Widerstand in Deutschland

Um die Ursachen des in der Geschichtsschreibung als „großer Bauernkrieg“ bezeichneten Konflikts zwischen Feudalherren und Bauern zu erläutern, ist es zunächst notwendig den Konflikt zu beschreiben und einzugrenzen. Lokale bäuerliche Unruhen waren schon seit 1500 vor allen Dingen im südlichen Raum des HRRDN zu erkennen, welche sich jedoch nicht als zusammenhängend oder organisiert betrachten lassen. Die Unruhen betrafen vor allen Dingen soziale Forderungen der Bauern gegenüber ihren Feudalherren und führten, zumeist nach deren Ablehnung, zu partiellen Aufständen in kleineren Herrschaftsgebieten.[1] Die bäuerlichen Bewegungen unterstützenden Kleinstädte (so z.B. in Oberschwaben, Franken und Thüringen) lassen den Schluss zu, dass sich der bäuerliche Widerstand vornehmlich im Gebiet des heutigen Baden- Württembergs, dem Elsass , Teilen West- und Nordbayerns, Südhessen und in großen Teilen Österreichs organisierte. Hier formierten sich zum Teil lokale, aber auch überregionale Zusammenschlüsse von Bauern, die auch als „Haufen“ bezeichnet und zumeist von bäuerlichen Führern geleitet wurden.[2]

Der Ort des bäuerlichen Widerstandes auf den süddeutschen Raum ist vor allen Dingen damit zu erklären, dass in diesen Gebieten das Prinzip der Realteilung herrschte. Besonders auf Grund der demografischen Entwicklung mit einem hohen Bevölkerungsanstieg, sahen sich die Bauern einer immer kleiner werdenden Bewirtschaftungsfläche gegenüber. Die Existenzgrundlage war damit auf Dauer gefährdet.[3]

So unterschiedlich wie die lokalen Organisationen der Haufen, so unterschiedlich waren zumeist deren Forderungen. Diese Forderungen beruhten zumeist auf der sozialen Situation der Bauern, welche die Hauptlast zur Sicherung des Wohlstandes der Lehnsherren aufbrachten. Die Verpflichtung zur Zahlung von Steuern, Zöllen und Zinsen waren eine hohe Belastung für den „gemeinen Mann“[4]. Eine zusätzliche Belastung stellten Missernten dar, welche dazu führten, dass die Bauern ihren Lehnspflichten häufig nicht mehr nachkommen konnten.

Doch dies waren im Allgemeinen nicht die Hauptkritikpunkte der bäuerlichen Bewegungen. Im Zentrum des Protestes stand vor allen Dingen der zunehmende Eingriff der Feudalherren in das sog. „alte Recht“, welches durchaus als eine Art positives Gewohnheitsrecht bezeichnet werden kann. Diese mündlich überlieferten Rechtsquellen bezogen sich vor allem auf die dörfliche Selbstverwaltung sowie Nutzungsrechten von Seen, Flüssen und Wäldern.[5] Ein weiterer (politischer) Aspekt, welcher im Zusammenhang mit den Umständen und Ursachen des „Großen Bauernkrieges“ von 1525 genannt werden muss ist die Tatsache, dass die zunehmenden Landesstaaten gebildet wurden. Ziel dieser frühen Form von Territorialstaaten war es, in der feudalen Herrschaft Bürokratie und Heere aufzubauen, um weiterhin souverän zu sein und das eigene Gebiet zu behaupten. Dazu sollte ein relativ homogenes Kollektiv von Beherrschten geschaffen werden, um z.B. Steuereinnahmen zu erhöhen. Konsequenz daraus war häufig, dass die zu diesem Zeitpunkt schon relativ „freien“ Bauern wieder in den Stand von Leibeigenen zu drücken versucht wurden.[6] Wie kann die wirtschaftliche Situation der Bauern im Süden des HRRDN allgemeinen beschrieben werden? Zum einen kann man festhalten, dass durchaus einschränkende Umstände durch die feudale Abhängigkeit geschaffen wurden, welche zu Existenznot führen konnten (Realteilung). Zum anderen ist zu erwähnen, dass durch den Prozess der Bildung von Landesstaaten der politische Stand der Bauern gefährdet war und den sie zu verteidigen suchten. Im Gegensatz dazu nennt Adolf Waas jedoch das Argument, dass den Bauern durch die zunehmende Verstädterung und die damit steigenden Preise für landwirtschaftliche Produkte auch durchaus Vorteile anzurechnen sind.[7] Waas kommt zu dem folgerichtigen Schluss, dass damit vor allem die wirtschaftliche Abhängigkeit der Bauern und nicht eine existenzielle Notlage das entscheidende Kriterium für die Aufstände im Zuge des Bauernkrieges war.

Bei all diesen Betrachtungen der Gründe für den bäuerlichen Aufruhr, darf der religiöse Aspekt nicht vernachlässigt werden. In der späteren Betrachtung der Zwölf Artikel wird deutlich, dass diese durchweg religiöse Motive enthalten. Die Gesellschaft befand sich zur Zeit der Bauernaufstände in einer religiösen Umwälzungsphase, der Reformation. Die Bauern beriefen sich bei ihren Forderungen nicht nur auf das alte Recht, sondern auch auf das Evangelium.[8] Es waren also durchaus religiöse Aspekte zu erkennen. Zu erklären ist dies mit dem Vorstoß des Bildungsbürgertums um die Rechtfertigung der Leibeigenschaft, welcher auch vor der bäuerlichen Revolution nicht Halt machte. Ebenso war das „Alte Recht“, welches die Bauern ja versuchten zu verteidigen, ein religiöses Recht mit positivem Charakter.[9]

Man kann also resümieren, dass die Beweggründe für den bäuerlichen Widerstand vor allem auf wirtschaftlichen, politischen und religiösen Motiven beruhen.[10] Die Bauern forderten das „gute alte Recht“, welches ihnen einen Katalog von Freiheiten einräumte, beizubehalten und zu manifestieren. Desweiteren sahen sie das politische Bestreben der Landesherren Landesstaaten zu schaffen als Gefahr an, ihren gesellschaftlichen Status zu verlieren. Zuletzt war es jedoch gerade auch in den süddeutschen Staaten die existenzielle Situation, welche zum Umdenken in der bäuerlichen Gesellschaft beitrug.

2.2. Entstehung der „Zwölf Artikel“ und Inhalt

Wie im vorhergegangen Abschnitt bereits festgestellt, waren die bäuerlichen Motive des Widerstandes sehr zahlreich und verschieden. In der Zeit der Auseinandersetzungen zwischen Bauern und Feudalherren wurden zahlreiche Forderungskataloge erstellt. Jedoch erscheint aus dem aktuellen Forschungsstand heraus keiner dieser Kataloge so bedeutend und wegweisend gewesen zu sein wie die sogenannten „Zwölf Artikel“. Peter Blickle ist hier als bedeutender Vertreter der neueren Forschung auf dem Gebiet des bäuerlichen Widerstandes anzusehen. Er bezeichnete die Artikel treffend als „Beschwerdeschrift, Reformprogramm und revolutionäres Manifest des Aufstandes“ zugleich.[11] Laut Blicke verdanken die Zwölf Artikel ihre Popularität und ihre Wirkungsbreite vor allen Dingen der Tatsache, dass diese gedruckt wurden und somit flächendeckend als Flugblatt in Umlauf geraten konnten.[12] Die Debatte um die Entstehung der der Zwölf Artikel ist bist heute offen. Weder Herkunft oder Autoren sind eindeutig bestimmbar, was in der neueren Forschung zum Bauernkrieg immer wieder zu Diskussionen führt.[13] Die Entstehungsgeschichte ist somit nicht lückenlos und eindeutig zu klären. Peter Blicke hat 1989 nochmals einen Beitrag zur Entstehung der Artikel geliefert. Er geht in einer Neubewertung der Primärquellen davon aus, dass die Idee der Zwölf Artikel in der sog. „Oberrheinischen Bundesordnung“ erstmals urkundlich erwähnt wurden, das genaue Entstehungsdatum jedoch unbekannt sei.[14] Das Motiv der Bundesordnung war die Schaffung einer Art „Verfassung“ welche den Konflikt zwischen feudaler und durch die Bauern organisierte kommunaler Selbstverwaltung regeln sollte. Inhaltlich waren vor allem religiöse Motive, wie z.B. die Predigt auf Deutsch oder das predigen des reinen Evangeliums, aber auch politische Aspekte. Hier sind vorrangig die Forderung nach der Vereinbarkeit von feudaler Herrschaft und göttlichem Recht zu nennen, was als Konsequenz zur Abschaffung der Abgaben der Bauern an die Feudalherren sowie zur Befreiung von der Leibeigenschaft führen sollte.[15] Die Bundesordnung entstand im Wesentlichen aus einer Zahl von 43 Beschwerden, welche vorgebracht wurden.[16]

Konkret niedergeschlagen haben sich die Gedanken der Bundesordnung vor allen Dingen in den Artikel 5, 7, und 10 der Zwölf Artikel, in dem eine bessere Versorgung mit Holz, eine Reduktion der Abgaben und die Rückgabe von Allmenden an die Bauern gefordert wird.[17] Darüber hinaus sind in dem Beschwerdekatalog von 43 Artikeln ein Großteil direkt auf die Leibeigenschaft, die Rechtspflege und Frondienste bezogen, was bei der weiteren Untersuchung der Zwölf Artikel als geistiger Bestandteil der französischen Verfassung von 1793 primär zu berücksichtigen ist.[18]

Da der Fokus der Seminararbeit jedoch auf der Untersuchung gemeinsamer Motive zwischen den Zwölf Artikeln und der französischen Verfassung liegen soll, wird hier nicht weiter auf die konkrete Entstehungsgeschichte eingegangen. Vielmehr soll im Folgenden der Vergleich zwischen beiden Manifesten behandelt werden. Dazu soll zunächst durch eine kurze Abhandlung über die Motive und Ursachen der Bauernrevolten im Vorfeld der französischen Revolution und in die Entstehung der Verfassung von 1793 eingeleitet werden.

3. Der bäuerliche Widerstand in Frankreich im Vorfeld der Revolution

Zu den genauen Umständen und Ursachen der Revolution von 1789 wird auch heute noch in der neueren Forschung immer wieder diskutiert. Um den Rahmen der Seminararbeit jedoch nicht zu strapazieren, soll hier thematisch nur kurz angerissen werden was in der Forschung allgemein anerkannt ist und für einen späteren Vergleich mit den Umständen und Forderungen während des deutschen Bauernkrieges dienlich ist. Vornehmlich wird deshalb die Situation des bäuerlichen dritten Standes erläutert.

Die Ursachen für die Revolution von 1789 sind vor allem auf demografische, wirtschaftliche, soziale und mentale Ursachen zurückzuführen. Das politische System Frankreichs war absolutistischer Natur und von feudalen Elementen durchzogen. In der unteren, meist bäuerlichen Schicht, dem späteren Träger der Revolution, führten Hungersnöte und Ernährungskrisen immer wieder zu großem Leid in der armen Bevölkerung von Kleinbauern und Tagelöhnern. Zudem war die Abgabenlast der Pächter an ihrer Grundbesitzer und Nutznießer sehr hoch, durchschnittlich lagen sie bei etwa 2/3 des Erwirtschafteten.[19] Reaktionen dieser für die Bauern hohen Belastungen äußerten sich unter anderem im sog. Mehlkrieg von 1775.[20]

[...]


[1] Vgl. Waas, A. [Bauernkrieg], S. 6

[2] Zum Begriff des Haufen vgl. Waas, A. [Bauernkrieg], S. 38

[3] Vgl. Ebd., S. 8

[4] Zum Begriff des gemeinen Mannes vgl. Blickle, P. [Revolution],

[5] Vgl. Waas, A., [Bauernkrieg], S. 16

[6] Vgl. Waas, A. [Bauernkrieg], S. 16 f.

[7] Vgl. Ebd., S. 23

[8] Vgl. Müller, M. [Schlaglichter], S. 100

[9] Vgl. Waas, A. [Bauernkrieg], S. 56 f.

[10] Vgl. Ebd., S. 24 f. und 31 f.

[11] Blicke, P. [Artikel], S. 133

[12] Vgl. Ebd. S. 133

[13] Vgl. Ebd. S. 133

[14] Vgl. Ebd. S. 134 und 139 f.

[15] Vgl. Blickle, P. [Artikel], S. 135 f.

[16] Vgl. Ebd. S. 145

[17] Vgl. Anlage 1

[18] Vgl. Blickle, P. [Artikel], S. 145

[19] Vgl. Thamer, H.- U. [Revolution], S. 11

[20] Vgl. Ebd. S. 12

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640727025
ISBN (Buch)
9783640727667
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v160003
Institution / Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg – Historisches Institut - Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Note
1,7
Schlagworte
Deutsche Bauernkrieg Entstehung Zwölf Artikel

Autor

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