Lade Inhalt...

Papst Gregor VII und dessen Konflikt mit Heinrich IV

Der Gang nach Canossa

Seminararbeit 2008 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Streit zwischen Gregor VII und Heinrich IV
2.1 Die Protagonisten
2.1.1 Gregor VII
2.1.2 Heinrich IV
2.2 Königsherrschaft im Streit

3. Der Gang nach Canossa
3.1 Lampert von Hersfeld - Der Gang nach Canossa
3.1.1 Der Geschichtsschreiber Lampert von Hersfeld
3.1.2 Die Überlieferung des „Gangs nach Canossa “ von Lampert von Hersfeld
3.1.3 DieFrage,nach demWertderErzählung?
3.2 Die Bewertung des„GangsnachCanossa“ in derSekundärliteratur

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis
5.1 Quellen
5.2 Forschungsliteratur

1. Einleitung

Die Auseinandersetzung zwischen dem deutschen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. und dessen Höhepunkt, der „Gang nach Canossa“, gehört gewiss zu den bekanntesten Ereignissen des Mittelalters. Immer wieder erhitzte er die Gemüter und regte zu Diskussionen an. Noch heute wird der Konflikt zwischen Gregor und Heinrich oft einfach als Investiturstreit bezeichnet. Doch welche Rolle spielte die Investiturfrage in der Auseinandersetzung bis Canossa tatsächlich?

Weder Gregor VII., noch seine Vorgänger waren die Erfinder des so genannten Investiturproblems. Vielmehr begründete es sich in einer Idee, die seit den fünfziger Jahren des 11. Jahrhunderts immer mehr zum Tragen kam. Sie beinhaltete, dass die Verflechtung von geistlicher und weltlicher Rechtsphäre für die Kirchen ein untragbarer Zustand sei. Noch um die Jahrtausendwende hingegen, sah man darin nichts Verbotenes oder gar Anstößiges, denn jeder König bzw. Adlige war der Auffassung auf seinem Grund und Boden Kirchen errichten und bei der Bestellung ihrer Amtsinhaber mitwirken zu können. Vor allem in Burgund, der Normandie und der Bretagne waren es Herzöge und Grafen, die die Investitur betrieben. Eben diese Übertretung des Kirchenrechts, welches seit jeher jedoch deutlich zwischen Laien und Klerikern unterschieden hatte, rief den Widerstand religiöser Fundamentalisten hervor. Doch man muss an diesem Punkt der Entwicklung darauf verweisen, dass dieser Protest keineswegs von der breiten Masse getragen wurde. So stand Bischof Wazo von Lüttich noch relativ isoliert da, wenn er den prinzipiellen Vorrang des Priestertums vor dem Königtum beanspruchte. Dieser geistige Klärungsprozess, welcher sich hier andeutet macht verständlich, dass die Gegensätze unter Gregor VII. so scharf aufeinander prallten, denn er sah die Zeit gekommen, den offenen Bruch zu vollziehen.1

In dieser Hausarbeit sollen der Verlauf des Konflikts zwischen Gregor VII. und Heinrich IV. vom Ende des Jahres 1075 bis zu den Ereignissen von Canossa im Januar 1077, sowie die einzelnen Streitpunkte näher betrachtet werden. Wie lassen sich die Ereignisse erklären und wie begründeten die Protagonisten selbst ihr Handeln? Welche politischen Folgen hatte der „Gang nach Canossa“ und kann man in diesem Zusammenhang von einem Gewinner und einem Verlierer sprechen? Die Beantwortung dieser Fragen, sowie die Bedeutung des „Gangs nach Canossa“ sollen das Ziel dieser Hausarbeit sein. Im Mittelpunkt soll dabei die Darstellung des „Gangs nach Canossa“ durch den Geschichtsschreiber Lampert von Hersfeld stehen.

2. Der Streit zwischen Gregor VII. und Heinrich IV.

2.1 Die Protagonisten

2.1.1 Gregor VII.

Hildebrand, der spätere Papst Gregor VII. wurde um 1020/ 25 in der Toskana, vermutlich in Sovana, einem kleinen Ort nahe dem Bolsener See geboren.2 Über Gregors Familie ist genauso wenig bekannt, wie über seinen tatsächlichen Geburtsort. Den Grund dafür finden wir in der Tatsache, dass sich Gregor, Zeit seines Lebens, über seine Herkunft und Familie ausschwieg. Uta- Renate Blumenthal verweist in ihrer Monographie „Gregor VII.“ auf Petrus Damiani und Hugo von Cluny, als zuverlässige Quellen, weil diese Hildebrand persönlich kannten. Ausgehend von deren Schilderungen ist anzunehmen, dass Hildebrand auffallend klein war und nicht der Oberschicht entstammte.3 Im Zusammenhang mit Gregor VII. wird nicht selten berichtet, dass er in jungen Jahren nach Rom kam und sich zeitweise im Marienkloster auf dem Aventin aufhielt.4 Auch diese Überlieferung hält Blumenthal für fragwürdig. Sie glaubt eher daran, dass Hildebrand unter den Lateranklerikern aufwuchs und nicht durch einen angeblichen Onkel, der Abt auf dem Aventin gewesen sein soll, erzogen wurde.5 Unumstritten erscheint jedoch der Fakt, dass Hildebrand im Jahre 1047 Gregor VI. ins Exil nach Deutschland begleitete, nachdem dieser auf der Synode von Sutri 1046 von Heinrich III. für abgesetzt erklärt wurde. Im Jahr 1049 wurde Hildebrand schließlich von Leo IX., welcher im Dezember 1048 zum neuen Papst gewählt worden war, nach Rom zurückgeholt. Man geht davon aus, dass Hildebrand zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich schon Mönch war. In der darauf folgenden Zeit wurde Hildebrand von Leo zum Subdiakon erhoben und reiste schließlich als päpstlicher Legat im Jahr 1054 nach Frankreich.6 Als er dort im April/ Mai 1054 ein Konzil abhielt, erhielt er die Nachricht vom Tod Leo IX.. Im Spätsommer desselben Jahres trat er aufgrund der Regelung der Nachfolge Leo IX., eine Reise zum kaiserlichen Hof nach Deutschland an. Bei einem Reichstag Mitte November wurde schließlich Bischof Gebhard von Eichstätt zum Papst vorgeschlagen. Bei dessen Nominierung spielte Hildebrand, neben den anderen entsandten Legaten aus Rom eine wichtige Rolle.7 Nachdem Hildebrand schon in der Zeit Leos IX. zum Subdiakon erhoben wurde, folgte zu einem unbekannten Zeitpunkt, jedoch zwischen Sommer 1058 und Januar 1059 die Erhebung zum Archidiakon der Römischen Kirche unter Nikolaus II. Ungefähr 15 Jahre später wurde er als solcher, während der Beerdigungsfeier des damaligen Papstes Alexander II., die nur einen Tag nach dessen unerwarteten Tod am 22. April 1073 stattfand, in fast tumultuarischer Weise zum Papst Gregor VII. erhoben. Erst anschließend wurde er von den Kardinälen und dem römischen Klerus gewählt.8 Als Eignung seiner Person fürjenes Amt wurden seine Frömmigkeit, seine Gelehrsamkeit, seine Gerechtigkeitsliebe, seine guten Sitten, sowie die Tatsache, dass er von Kind auf im Schoß der römischen Kirche aufgewachsen und erzogen sei, betont.9

2.1.2 Heinrich IV.

Heinrich IV., welcher zunächst den Namen seines Großvaters Konrad trug, wurde am 11. November 1050 als erster Sohn des Kaiserpaares, aus dessen Ehe bis dahin bereits drei Töchter hervorgegangen waren, vermutlich in Goslar geboren. Bei seiner Taufe am 31. März 1051 erhielt er schließlich den Namen Heinrich, wobei der Abt Hugo von Cluny als Pate fungierte. Aufgrund der Designation seines Vaters, Heinrich III., wurde er Anfang November 1053 mit gerade einmal drei Jahren zum König gewählt. Am 17. Juli des darauf folgenden Jahres schloss sich seine Krönung in Aachen durch Hermann von Köln an. Nachdem Heinrich III. unerwartet am 5. Oktober 1056 verstorben war, übernahm zunächst Kaiserin Agnes, ausgehend von der Unmündigkeit des Thronfolgers die Regentschaft.10 Achteinhalb Jahre später erfolgte schließlich die Mündigkeitserklärung Heinrich IV in Worms, woraufhin er begann, die Reichsgeschäfte zunehmend selbstständig zu führen.11 Das wichtigste politische Ereignis der ersten Regierungsjahre Heinrichs war die im Sachsenkrieg gipfelnde Auseinandersetzung mit den Sachsen. Das Ziel des Königs war es, das, während der langen Phase der Regentschaft verloren gegangene Königsgut, wiederzugewinnen. Dabei wurden zu dessen Sicherung neue Burgen errichtet und mit landfremden Ministerialen aus Schwaben belegt. Die Sachsen hingegen sahen die Wiederherstellung der älteren Rechtsverhältnisse als Rechtsbruch und verlangten unter anderem die Burgen zu schleifen. Die Unzufriedenheit der Sachsen führte im Sommer 1073 schließlich zum Ausbruch des Aufstandes. Die Sachsen belagerten unter der Führung von Otto von Northeim und Bischof Burchard II. von Halberstadt Heinrich in der Harzburg. Dieser konnte jedoch ins königstreue Worms fliehen und erreichte am 2. Februar 1074 den Friedensschluss von Gerstungen, in dem er die Forderungen der Sachsen weitgehend anerkennen musste. Nach der kurz darauf erfolgten vertragsmäßigen Schleifung der königlichen Burgen, kam es dazu, dass die sächsische Landbevölkerung die Schlosskirche auf der Harzburg verwüstete, sowie dort gelegene Gräber schändete, woraufhin der Konflikt erneut ausbrach. Am 9. Juni 1075 folgte die Entscheidungsschlacht bei Homburg, welche Heinrich für sich entscheiden konnte. Im Oktober kapitulierten die Sachsen bei Spier endgültig und bedingungslos. Noch am Ende desselben Jahres versöhnte sich Heinrich auf einer Reichsversammlung in Goslar mit seinem Hauptgegner Otto von Northeim, der zum Statthalter des Königs in Sachsen ernannt wurde. Als zweites wichtiges Ereignis des Goslarer Tags folgte die Designation, des am 12. Februar 1074 geborenen Königssohns Konrad, in einer Vorwahl.12

2.2 Königsherrschaft im Streit

Um die Ereignisse, welche sich rund um den symbolhaften Gang nach Canossa abspielten, tatsächlich begreifen und bewerten zu können, muss man sich vorab die Frage stellen, wie und wann sich der Streit zwischen Gregor VII. und Heinrich IV. zuspitzte. Einen brauchbaren Ansatzpunkt bietet die Auseinandersetzung zwischen dem Papsttum und König Heinrich um die Besetzung des Mailänder Erzstuhls. Schon in den letzten Monaten Alexanders II., dem Vorgänger Gregor VII., verschärfte sich, ausgehend von der Besetzung des Mailänders Erzbistums, der Gegensatz zwischen dem Königshof und der Kurie. Im Zusammenhang damit, wurden im Frühjahr 1073 Heinrichs Räte gebannt und der König selbst, galt als außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft stehend, weil er sich nicht von jenen getrennt hatte. Verursacht durch die Kämpfe mit den Sachsen, welche einen großen Teil der Kraft und Aufmerksamkeit Heinrichs beanspruchten, sicherte er dem Papst zu, in der Mailänder Angelegenheit entgegenzukommen. Auch Gregor, welcher am 22. April 1073 Alexander II. auf den Stuhl Petri gefolgt war, kam Heinrich IV. zunächst entgegen, indem er die königlichen Räte von ihrem Bann löste und Heinrich die Absolution erteilte.13 Zum ausschlaggebenden Zusammenstoss zwischen Papst und König kam es schließlich im Herbst 1075, als Heinrich IV. erneut in den Mailänder Bischofsstreit eingriff. Er erhob Tedald, einen Angehörigen seiner Hofkapelle zum Erzbischof von Mailand, während Gregor und die Pataria an Atto festhielten. In der Folge ernannte Heinrich auch noch Bischöfe für Fermo und Spoleto. Gregor VII. musste dies, als Bruch jener Eingeständnisse, welche Heinrich zwei Jahre zuvor gemacht hatte, gesehen haben.14 Als Reaktion auf den „Ungehorsam“ Heinrichs IV., richtete Gregor im Dezember 1075 ein Schreiben an diesen, in welchem er ihm den Verkehr mit den 1075 abermals gebannten Räten, sowie seine Übergriffe in der italienischen Kirchenpolitik zum Vorwurf machte und ihn zum unbedingten Gehorsam aufforderte.15 Die Antwort Heinrichs auf den Brief Gregors, welcher ihn am Neujahrstag 1076 erreichte, erfolgte am 24.01.1076 bei einer nach Worms einberufenen Reichsversammlung unter der Führung von Siegfried von Mainz. Auf dieser kündigten zwei Erzbischöfe, sowie vierundzwanzig Bischöfe Gregor den Gehorsam, weil dessen Erhebung zum Papst illegal gewesen und sein Lebenswandel unmoralisch sei.16 Ein Schreiben Heinrichs vom 27. März 1076 an Gregor VII. verdeutlichte die Absage von Worms in soweit, dass Heinrich Gregor mit „Hildebrand, nicht mehr Papst, sondern den falschen Mönch“ anredete und er letztendlich von ihm mit den Worten „Steige herab, steige herab“ forderte, sein Amt niederzulegen.17 Nachdem nun Heinrich versucht hatte Gregor seines Amtes zu entheben, überschlugen sich die Ereignisse. Während der Fastensynode, welche wohl am 14. Februar 1076 in Rom begann, griff Gregor zu einer Maßnahme, zu der noch nie ein Papst vor ihm gegriffen hatte. In einem feierlichen Gebet an den Apostel Petrus erklärte er den deutschen König für abgesetzt, sprach über ihn den Bann aus und löste seine Untertanen von ihrem Gehorsamseid. Als Gründe für sein Handeln nannte er, dass Heinrich trotz mehrfacher Ermahnung den Kontakt und Umgang mit den gebannten Räten nicht eingestellt hatte, er dem Papst gegenüber ungehorsam gewesen sei, sowie dass sich Heinrich in unerhörtem Hochmut gegen die Kirche erhoben hätte. Die Wirkung der Fastensynode und die damit verbundene Bannung des Königs war außerordentlich. Das Einvernehmen zwischen Heinrich und den Bischöfen, welches noch im Januar 1076 herrschte, wurde zerstört. Die meisten Bischöfe stellten sich nicht mehr hinter den König, sondern nahmen Abstand von ihm, wodurch die Autorität des Papstes fast vollständig wiederhergestellt wurde.18 Auf Heinrich hingegen kamen neue Probleme zu, als sich neben Gregor zusätzlich die fürstliche Opposition, darunter die süddeutschen Herzöge Welf von Bayern, Rudolf von Schwaben und Berthold von Kärnten, regte.

[...]


1 Vgl. J. LAUDAGE / M. SCHRÖR (Hg.), Der Investiturstreit. Quellen und Materialien (Lateinisch- Deutsch), Köln 2006, S. 19f.

2 Vgl. U.-R. BLUMENTHAL, Gregor VII.. Papst zwischen Canossa und Kirchenreform, Darmstadt 2001, S. 16.

3 Vgl. ebd., S. 20f.

4 Vgl. T. STRUVE, “8. G. VII.”, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 4, München 1989, Sp. 1669.

5 Vgl. U.-R. BLUMENTHAL, Gregor VII. (wie Anm. 2), S. 25-28.

6 Vgl. T. STRUVE, “8. G. VII.” (wie Anm. 4), Sp. 1669.

7 Vgl. U.-R. BLUMENTHAL, Gregor VII. (wie Anm. 2), S. 79.

8 Vgl. K. JORDAN, Investiturstreit und frühe Stauferzeit 1056-1197 (Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte 4), Stuttgart 1970, S.31.

9 Vgl. U.-R. BLUMENTHAL, Gregor VII. (wie Anm. 2), S. 137.

10 Vgl. W. HARTMANN, Der Investiturstreit (Enzyklopädie Deutscher Geschichte 21), München 1993, S. 14.

11 Vgl. T. STRUVE, “4. H. IV.”, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 4, München 1989, Sp. 2041.

12 Vgl. W. HARTMANN, Investiturstreit (wie Anm. 10), S. 20-22.

13 Vgl. K. JORDAN, Investiturstreit (wie Anm. 8), S. 36.

14 Vgl. W. HARTMANN, Investiturstreit (wie Anm. 10), S. 24.

15 Vgl. Gregor VII., Brief Gregors VII. an Heinrich IV., in: Der Investiturstreit. Quellen und Materialien (Lateinisch-Deutsch), J. Laudage / M. Schrör (Hg.), Köln 2006, S. 105.

16 Vgl. Das Wormser Absageschreiben an Gregor VII., in: Der Investiturstreit. Quellen und Materialien (Lateinisch- Deutsch), J. Laudage / M. Schrör (Hg.), Köln 2006, S. 115.

17 Vgl. Heinrich IV., Brief Heinrichs IV. an Gregor VII. vom 27. März 1076, in: Der Investiturstreit. Quellen und Materialien (Lateinisch-Deutsch), J. Laudage / M. Schrör (Hg.), Köln 2006, S. 123.

18 Vgl. W. HARTMANN, Investiturstreit (wie Anm. 10), S. 25.

Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640726998
ISBN (Buch)
9783640727728
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159961
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Gang nach Canossa Gregor VII Heinrich IV Lampert von Hersfeld Investiturstreit Investiturproblem

Autor

Zurück

Titel: Papst Gregor VII und dessen Konflikt mit Heinrich IV