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Hansestädte als Verbündete von Fürsten

Seminararbeit 2010 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Beziehungen zwischen Fürsten und Hansestädten

3. Bündnisse zwischen Fürsten und Hansestädten
3.1 Waldemar IV. und die Hanse
3.2 Die wendischen Städte und die Oldenburger
3.3 Exkurs: Lübeck und die Bedrohung durch Burgund

4. Fazit

5. Bibliographie
5.1 Quellen
5.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

Die Beziehungen zwischen den Fürsten und den Hansestädten werden schon seit langem erforscht. Dabei liegt der Fokus jedoch nicht explizit auf Bündnissen zwischen diesen beiden Akteuren, die in der Politik doch immer wieder eine große Rolle spielten, da sie häufig aufeinander angewiesen waren, vor allem wenn es galt die Handelsrouten frei von Seeräubern und Wegelagerern zu halten. Aus diesem Grund wird sich die vorliegende Arbeit mit Allianzen zwischen Fürsten und Hansestädten und ihrer Bedeutung vor allem für die Städte beschäftigen.

Zu diesem Zweck wird im Folgenden zuerst ein kurzer Überblick über die Beziehungen zwischen Hansestädten und Fürsten gegeben. Der sich anschließende Teil soll anhand von drei Fallbeispielen die Bündnispolitik beider Seiten veranschaulichen. Das erste Beispiel stellt vor dem Hintergrund der Regierung Waldemars IV. Atterdag die Bündnispolitik der Hanse im 14. Jahrhundert dar.

Das zweite Beispiel ist der Zusammenarbeit des dänischen Königs Christians I. mit den Städten Lübeck und Hamburg im 15. Jahrhundert gewidmet.

Ein drittes Beispiel beschäftigt sich, in der Form eines kurzen Exkurses, mit der Haltung Lübecks gegenüber der Bedrohung durch das Burgund Karls des Kühnen. Wenngleich es sich in diesem Fall nicht um ein konkretes Bündnis handelt, verdeutlicht es doch gut die Haltung Lübecks, zur Durchsetzung seiner Interessen auch mit militärischen Mitteln im Verbund mit dem eigenen Landesherren, in diesem Fall dem Kaiser, gegen einen gemeinsamen Feind vorzugehen.

Im abschließenden Fazit wird die Motivation für Bündnisse der Städte mit ihren fürstlichen Konkurrenten herausgearbeitet. Die Bündnisse werden in den Kontext fürstlich-hansischer Beziehungen eingeordnet und vor dem Hintergrund der jahrhunderte langen Kämpfe zwischen adliger Vorherrschaft und städtischer Autonomie betrachtet.

Im Zentrum der Beispiele werden vor allem Lübeck und die weiteren wendischen Städte stehen. Diese Städtegruppe wird gemeinhin als das Zentrum der Hanse angesehen und Lübeck, aufgrund seiner hervorragenden Bedeutung, als deren Haupt.[1]

Aus diesem Grund werden vor allem Quellen aus den Lübeckischen Urkundenbüchern sowie aus den Hanserezessen Verwendung finden. Während die Quellenlage für die Frühzeit der Städte, bis ins 14. Jahrhundert hinein eher bescheidenen zu nennen ist, liegen für das 15. und 16. Jahrhundert umfangreiche Quellensammlungen und –editionen vor.

Das vorhandene Angebot von Sekundärliteratur über hansisch-fürstliche Beziehungen umfasst zwar eine weite Bandbreite und diese Thematik findet in der Hanseforschung großes Interesse,[2]jedoch wird, wie schon erwähnt, auf die diversen Bündnisse zwischen Hansestädten und den Fürsten nur selten explizit eingegangen.

2. Beziehungen zwischen Fürsten und Hansestädten

„Fast alle Hansestädte lagen aber auf dem Gebiet weltlicher oder geistlicher Fürsten und standen mehr oder weniger unter deren Herrschaft. So waren auch die Beziehungen zwischen Städten und Fürsten eines der Hauptprobleme, das die Hanse zu lösen hatte.“[3]

Diese Beziehungen waren vielfältigster Natur, sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Politisch standen die Städte lange Zeit in Abhängigkeitsverhältnissen zu den jeweiligen Landesherren, die in den meisten Fällen auch die Gründer der Städte oder aber deren Förderer gewesen waren. Von den wachsenden Wirtschaftserfolgen der Städte hatten anfangs auch die jeweiligen weltlichen und geistlichen Herrscher profitiert.[4]Den Städten gelang es aber sich größtenteils während des 13. und 14. Jahrhunderts aus den engen Abhängigkeitsverhältnissen der Territorialfürsten zu lösen.[5]Ihre wachsende Autonomie erkauften sich die prosperierenden Städte in den meisten Fällen schlicht und einfach. Aufgrund ihrer Finanzkraft waren sie in der Lage die Anleihewünsche, des sich stets in Geldnot befindenden Adels zu befriedigen. Diese Kreditvergabe verknüpften die Städte mit Forderungen, die ihrem Streben nach mehr Unabhängigkeit zu Gute kamen.[6]Philippe Dollinger verweist in diesem Zusammenhang vor allem auf den Erwerb ursprünglich herrschaftlicher Rechte, wie Geleit-, Zoll- und Befestigungsrechte sowie vor allem auch die Hochgerichtsbarkeit.[7]

Zwar hatten die Städte in den meisten Fällen kein gesteigertes Interesse an einer völligen Unabhängigkeit von ihrem Landesherren, da diese doch einen bestimmten Schutz, auch des Handels, gegenüber äußeren Feinden zu bieten schienen. Aber dennoch lief diese städtische Politik der fürstlichen diametral entgegen. Die Grundlage fürstlicher Politik sei, so Oliver Auge, „auf die Verbreiterung der eigenen Basis in jeder nur denkbaren Form: familiär-dynastisch […] [sowie] politisch-wirtschaftlich“ bedacht gewesen.[8]So nimmt es nicht wunder, dass die Fürsten ab der Mitte des 14. Jahrhunderts versuchten, den Städten gegenüber ihren Herrschaftsanspruch wiederherzustellen.[9]Diese Politik führte vor allem während des 14. und der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu Konflikten zwischen den Fürsten und den Hansestädten.[10]

Eine Ausnahme in dieser Hinsicht bilden zum einen die preußischen Städte, denen es vor allem bis 1410 nicht gelang sich aus dem strengen Abhängigkeitsverhältnis des Deutschen Ordens zu lösen.[11]Zum anderen befand sich vor allem Lübeck als Reichsstadt in einer vergleichsweise sicheren Position, lag Norddeutschland doch von je her nicht im Fokus kaiserlicher Politik.[12]

Zwar führten die oben genannten Konflikte dazu, dass sich in einzelnen Städten immer wieder Initiativen zu breiten, formalen Städtebündnissen innerhalb der Hansegemeinschaft herausbildeten, diesen kam jedoch nie eine erhöhte politische Bedeutung zu.[13]Allerdings betont Dollinger auch das fehlende Zusammengehörigkeitsgefühl der Landesherren, die nur selten zu konzentrierten, gemeinsamen Aktionen gegen Städte in der Lage waren.[14]So gelang es den Städten in den meisten Fällen ihre Autonomie auch militärisch gegenüber den gebieterischen Machtansprüchen des Adels zu behaupten.[15]Ernst Daenell merkt an, dass während des 15. Jahrhunderts „das Fürstentum Niederdeutschlands […] sich fortan zusammenzuschließen [begann] mit der Tendenz gemeinsamer Bekämpfung der Städte.“[16]

Neben diesen Konflikten gab es jedoch immer wieder Kooperationen zwischen Hansestädten und Landesherren, häufig im Rahmen konkreter Bündnisse.

Die häufigste Form des Bündnisses stellten die Landfriedensbündnisse dar, die den Raub zu Lande und zur See verhindern sowie das adelige Fehdewesen einschränken und allgemein den Frieden wahren sollten.[17]Landfrieden „stellten den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen Städten und Fürsten dar“[18], wie Auge es ausdrückt. Außer den Landfriedensbündnissen gab es vor allem Bündnisse, die zur Erreichung bestimmter Ziele zwischen dem Adel und den Städten geschlossen wurden. So verweist z.B. Auge auf das Bündnis vom 20. Februar 1368 zwischen Lübeck, Wismar, Rostock und Stralsund mit den Herzögen von Mecklenburg, welches sich gegen die Expansionsabsichten Waldemar IV. Atterdags richtete.[19]Gegen genau diesen Gegner hatten die eben genannten Städte, einschließlich Greifswalds, knapp 17 Jahre früher noch ein Bündnis gegen meist mecklenburgische Seeräuber geschlossen.[20]

Hammel-Kiesow weist darauf hin, dass bis 1350 gemischte Bündnisse zwischen Fürsten, dem Adel und Städten überwogen, wobei es sich vor allem um Landfriedensbündnisse handelte. Nach 1350 jedoch verbündeten sich vermehrt Städte und Städtegruppen um gegenüber der fürstlichen und adeligen Politik ihre Autonomie sichern zu können.[21]

3. Bündnisse zwischen Fürsten und Hansestädten

3.1 Waldemar IV. und die Hanse

Der Tod des Königs Erich Menved stürzte Dänemark 1319 ins Chaos. Dänemark war durch die vorangegangene Expansionspolitik militärisch und wirtschaftlich erschöpft. Die dänischen Krongüter waren größtenteils an meist deutsche Adelige verpfändet.[22]

Dollinger beschreibt die Situation folgendermaßen: „Da das Königtum ohnmächtig war, versank das Land in Anarchie, und von einer Fortsetzung der Expansionspolitik war nicht mehr die Rede. Ganz im Gegenteil: Die norddeutschen Fürsten machten sich diese Anarchie zunutze und richteten ihren Ehrgeiz auf Dänemark.“[23]

[...]


[1] Hammel-Kiesow, Rolf: Die Hanse (Beck’sche Reihe Nr.2131), München 42008, S.75. Vgl. auch Dollinger, Philippe: Die Hanse (Kröners Taschenausgabe, Bd. 371), Stuttgart 51998, S.156.

[2] Czaja, Roman: Preußische Hansestädte und der deutsche Orden. Ein Beitrag zu den Bezeichnungen zwischen Stadt und Landesherrschaft im später Mittelalter, in: Hansische Geschichtsblätter 118. Jahrgang, S.57-76.

[3] Dollinger, S.152.

[4] Hammel-Kiesow, S.20.

[5] Diese Bestrebungen setzten nach Hammel-Kiesow schon Ende des 12. Jahrhunderts ein. Vgl.Ebd.

[6] Ebd. S.153.

[7] Dollinger S.153.

[8] Auge, Oliver: Handlungsspielräume fürstlicher Politik im Mittelalter. Der südliche Ostseeraum von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis in die frühe Reformationszeit (Mittelalter Forschungen, Bd.28), Ostfildern 2009, S.75.

[9] Dollinger, S.153. Vgl. auch Hammel-Kiesow, S.107.

[10] Auge, S.145.

[11] Dollinger, S.153

[12] Ebd. S.151.

[13] Ebd. Vgl. auch Hammel-Kiesow, S.97.

[14] Dollinger, S.154.

[15] Ebd.

[16] Daenell, Ernst: Die Blütezeit der deutschen Hanse : Hansische Geschichte von der zweiten Hälfte des XIV. bis zum letzten Viertel des XV. Jahrhunderts. Bd 2. Berlin u.a. 32001, S.483.

[17] Auge, S.139.

[18] Ebd.

[19] Ebd. S.140.

[20] Vgl. Lübeckisches Urkundenbuch, Bd.2,2, hrsg. von dem Verein für Lübeckische Geschichte und Alterthumskunde, Lübeck 1858, S.671f., Nr.724.

[21] Hammel-Kiesow, S.107.

[22] Dollinger, S.78.

[23] Dollinger, S.78.

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640727094
ISBN (Buch)
9783640727780
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159883
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Hanse Fürsten Bündnisse Bündnispolitik Waldemar Atterdag Hansestadt Lübeck Hansestadt Hamburg Ostseeraum

Autor

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