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Die Rolle der Sprache im Baskenland

Untersuchung zur Sprachkultivierung unter Berücksichtigung identitätsstiftender Komponenten

von Rico Moyon (Autor)

Hausarbeit 2010 27 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Vorwort

1 Identität und Sprache?

2 La 'identidad vasca' - Brevísima historia de la populación y lengua vascas

3 Sprachkultivierung im Baskenland
3.1 Anfänge
3.2 Sprachpolitik in der CAV heute

4 Aktuelle Rolle der Sprache in der baskischen Kultur - Blingualismus/Muttersprache, »ikastolak« und »euskaldunización«

5 Sprachkultivierung in Kommunikationsmedien
5.1 Rolle der Kommunikationsmedien in der Gesellschaft
5.2 »Ley de Normalización del Uso del Euskera«, 10/1982
5.3.1 Baskisch im Bücherwesen
5.3.2 Baskisch in den Printmedien
5.4 Das Baskische im Radio und Fernsehen
5.4.1 Ein ungleiches Team: Schriftlichkeit vs. Mündlichkeit
5.4.2 Auditive Sprachkultivierung - Baskisch im Radio
5.4.3 Das Audio-Visuelle - Baskisch im TV

6 Fazit

7 Bibliographie

0 Vorwort

Die Basken gelten als das Volk mit der längsten Historie auf dem europäischen Kontinent und zählen zugleich zu den vielen Minderheiten, die in der heutigen Welt mehr und mehr um ihr Dasein kämpfen müssen. Jede dieser Ethnien muss im Rahmen ihrer Möglichkeiten und unter Einbezug ihrer kulturellen und politischen Gegebenheiten das Weiterbestehen ihrer Existenz verfolgen. Welche Komponenten bei einem solchen Unterfangen eine wichtige Rolle spielen, soll in der vorliegenden Arbeit geklärt werden. Der erste Teil der Arbeit widmet sich dem theoretischen Konstrukt »Sprache-Identität«, wobei die Rolle der Sprache als identitätsstiftender Parameter herausgearbeitet werden soll. Darauf aufbauend schließt sich eine kurze Darstellung der Sprachgeschichte und kulturellen Entwicklung des baskischen Volkes an, bevor ein Abriss der Sprachkultivierung res. -politik im Baskenland letztlich das Fundament für die sich anknüpfende Analyse liefern wird.

Im zweiten Teil werden die zur Verfügung stehenden Statistiken in diachroner Sicht auf ausgewählte Schwerpunkte ausgewertet. Im Mittelpunkt dieser Analyse stehen die Aufarbeitung der Entwicklung der Sprachkultivierung auf nationaler Ebene im Bildungswesen und die Verwendung des Baskischen in den Kommunikationsmedien, wobei das Internet im Rahmen dieser Arbeit nicht berücksichtigt werden kann. Das große Ziel dieser punktuellen Untersuchung soll sein, Entwicklungstendenzen resp. Prognosen für die Zukunft bzgl. der Sprache treffen zu können - ganz gemäß der Devise der baskischen Regierung:

»El nuevo plan del Gobierno Vasco: asegurar el uso del euskera, la clave del futuro.« (GOBIERNO VASCO. DEPARTAMENTO DE CULTURA: 5)

1 Identität und Sprache?

Nur bedeutsame Vergangenheit wird erinnert, nur erinnerte Vergangenheit wird bedeutsam. (Assmann 1997: 77) Identität und Sprache - zwei Termini, deren Korrelation bis heute von Forschern verschiedener Fachrichtungen unterschiedlich gedeutet wird, doch in gewisser Weise - wie im Folgenden zu sehen sein wird - stets miteinander verbunden zu sein scheinen.

Nach Assmann (1997) kann unter individueller, personaler und kollektiver Identität unterschieden werden, wobei das Individuum als das »Ich« sich einzig über die - von M. Halbwachs als »cadres sociaux« bezeichneten - sozialen Kontakte, d.h. andere Individuen definieren kann, um sich durch das daraus erschlossene Selbstbild eine eigene Identität zu schaffen, die ihn von anderen unterscheidet und zugleich mit denen - als Gruppe gesehen - verbindet. Im Umkehrschluss konstituieren sich Gruppen - d.h. Stämme, Völker oder Nationen - jeweils über ihre einzelnen Komponenten, die Individuen. Den Motor, der diese Gruppen am Leben hält, stellen wieder auferlebte vergangene Ereignisse dar - Assmann (1997) spricht hierbei vom »Zwecke ihrer Selbstdefinition«. (133) Bei diesen Ereignissen gilt es jedoch, zwischen so genannter »absoluter« und »fundierender« Geschichte zu unterscheiden. In Letzterer - nach Lévi- Strauss die treibende Kraft der hei ß en Gesellschaften - lebt Vergangenes (u.a. Kriege) in den Gruppen in Form erinnerter Rituale, Bräuche o.ä. weiter, während die absolute Geschichte Vergangenes u.a. mit Hilfe von Symbolen auf abstrakterer, 'zeitloserer' Ebene konserviert - das Merkmal der so genannten kalten Gesellschaften.

Beide Typen konstituieren sich trotz der evidenten Unterschiede vor allem über ihren semiotischen Charakter. Der baskische Soziologe Josetxo Beriain (1998) unterteilt dahingehend einen dritten Typus 'Identität', die so genannte »identidad simbólica«, die er zwischen der »identidad arquetípica« und »identidad típica« ansiedelt. (11ff.) Die 'symbolische Identität' sieht er als »autointerpretación« an, die im »presente de la significación humana« die Brücke zwischen dem 'Damals' (i. arquetípica) und 'Morgen' (i. típica) schlägt und den Menschen 'aktuelle' identitätsstiftende Komponenten durch sinnstiftende - und zugleich 'bewegliche' - Rekonstruktion des Vergangenen zur Verfügung stellt (ib.), die sich in den »cadres sociaux« widerspiegeln.

Durch diese Klassifizierung lehnt Beriain zugleich eine »identidad colectiva« zugunsten einer »identidad simbólica, abierta y relacional« ab. (ib.) In der baskischen Kulturtradition wird die »absolute Geschichte«, d.h. die »identidad arquetípica«, durch den »mito de Mari« konstituiert,1 während die »identidad 1 »'Mari' es sin duda la reina de todos los mitos. Más conocida como 'La Dama de Anboto', esta mujer se típica« mit Hilfe des Dios-Hombre Kixm symbolisiert wird. Zwischen diesen beiden Figuren platziert sich laut Beriain die »identidad simbólica« mit dem, die »cultura interior« repräsentierendem Haus (etxe) und dem, die »cultura exterior« symbolisierenden »árbol de Gernika«. (ib.)

Um identitätsstiftenden und somit sinngebenden Symbolen - d.h. keine nicht-abstrakten Feiern oder Bräuche - gedenken zu können, benötigen Gruppen resp. Gesellschaften zu den bereits etablierten »cadres sociaux« weitere, noch Halt gebende Komponenten, über die sie eine klarere Gruppen- und somit auch Identitätszuordnung erreichen können, die sich vor allem über die »Gleichheit zweier Erscheinungen« (Kretschmer 1985, zit n. Haarmann 1996: 218) realisieren.

Bereits Aristoteles nannte den Menschen vor über 2000 Jahren ein »zoon politikon«, ein »soziales Tier«, das stets danach strebe, sich in (politischen) Gruppen zusammen zu tun, um sein Überleben zu sichern. (Assmann 1997: 139) Ein wichtiger Bestandteil für den Erfolg jener frühen Gruppenbildung stelle dabei die menschliche Sprache dar. (ib.) Nicht nur die Tatsache, dass Menschen, die dieselbe Sprache sprechen, sich auf rein sprachlicher Ebene leichter verstehen, sondern auch - und vor allem - die sprachinhärente Struktur, das 'sichtbare' Resultat kognitiver Verschiedenheiten resp. Denkprozesse (cf. Keller 1994) erleichtert den Individuen die 'Erschaffung' einer Verbundenheit mit ihren Gegenübern. Die Komponente Sprache liefert demzufolge ein wichtiges Hilfsmittel zur Identitätsfindung, doch spielt sie dabei nicht die Hauptrolle, vielmehr sind »Kultur- und Sprachfähigkeit [...] ohne Identität als ihre Voraussetzung nicht denkbar.« (Haarmann 1996: 219)

Festzuhalten bleibt: Sprache und Identität sind zwar miteinander verbunden, doch stellt Sprache nur eine Komponente unter vielen dar. Ihre bedeutendste Stärke besteht aber darin, dass sie - im Gegensatz zu Feiern oder Bräuchen - täglich genutzt wird und bei Kontaktsituationen als erste Instanz zur 'Identität' fungiert. Als soziolinguistisches Beispiel sei hier auf Plantagengesellschaften zu Zeiten des Kolonialismus verwiesen, auf denen Sklaven verschiedener Herkunft über die Herausbildung eines gemeinsamen Kommunikationsmittels (Jargon, Pidgin oder Kreolsprache) sich eine gemeinsame Basis schufen, um ihrer aller Identität (Sklaven) eine weitere Stütze hinzuzufügen. (Chaudenson 2001)

Um Identität demzufolge zu 'kreieren' und zu sichern, bedarf es einer »Distinktion nach außen«, denn »[n]ichts schweißt enger zusammen als die Abschottung gegen eine feindliche Umwelt.« (Assmann 1997: 152) In dieser Aussage findet sich ein mot-cl é:

»feindlich«. Käme es zu einem nicht-feindlichen Kulturkontakt, würden sich die beteiligten Völker austauschen, im extremsten Fall würde eine Kultur in der anderen neu aufgehen. Treffen jedoch zwei feindlich gesinnte Kulturen aufeinander, geht eine Kultur unter - es sei denn, die Identität eines Volkes ist derart stark ausgeprägt, dass der (Überlebens-)Kampf mit Erfolg aufgenommen werden kann - eine Situation, die sich bei unzähligen (heutigen) Minderheiten weltweit zeigt, so auch bei den Basken. Im Folgenden wird ein Abriss der baskischen Sprach- und Kulturgeschichte gegeben, wobei das Hauptaugenmerk auf den oben beschriebenen identitätsstiftenden Komponenten liegen soll.

2 La 'identidad vasca' - Brevísima historia de la populación y lengua vascas

Aristoteles sprach vom zoon politikon, das stets danach strebe, um zu überleben, sich in Gruppen zusammenzufinden, und deren zentrales Kommunikationsmittel die Sprache darstelle. (cf. Kap. 1) Doch dieses »politische Tier« wird oftmals von außen angegriffen. Externe Faktoren wie feindlicher Kulturkontakt (Kriege), demographische Veränderungen und/oder soziolinguistischer Prestigeverlust bedeuten oftmals den Tod einer Sprache. Idiome wie das Aquitanische, das Iberoromanische oder Festlandkeltisch stehen heute als Synonyme für eben solche 'toten Sprachen', mit deren Untergang zugleich auch eigenständige Kulturen ausgelöscht wurden. (cf. Haarmann 2006)

Umso erstaunlicher ist es, dass sich die baskische Sprache über einen derart großen Zeitraum gegen andere - dominierende - Sprachen hat behaupten können. Als die Indogermanen - genauer: Indoeuropäer - ab ca. 4.500 v. Chr. nach Europa kamen,2 trafen sie auf viele vor-indoeuropäische Populationen, u.a. auch auf die Vaskonen. Während dieser Kontaktsituationen kam es zu jener Zeit oft zu Assimilierungen, Mischkulturen oder - im extremsten Fall - zur Verdrängung oder gar Auslöschung einer Kultur. Das Volk der Vaskonen jedoch - deren Wurzeln auf eine vor 18.000 Jahren existierende eiszeitliche Population zurückgehen soll (Hamel/Vennemann 2002: 40) - widersetzte sich erfolgreich den einfallenden Kulturen, so u.a. im Kampf gegen die Römer und gegen die darauf folgende, auf der Iberischen Halbinsel dominierende lateinische Sprache oder gegen die im 8. Jahrhundert einfallenden Araber erfolgreich. Die proto-baskische Population wehrte sich stets mit Erfolg gegen äußere Feinde (Stichwort: »Distinktionnach außen«).

Über den Ursprung ihrer Sprache jedoch - die heute als Baskisch bezeichnet wird - herrscht weiterhin Uneinigkeit in der Forschung. Sie muss jedoch, gemessen an der Tatsache, dass sie ein vor-indoeuropäisches, d.h. isoliertes Sprachsystem darstellt (Haarmann 2006), eine entscheidende Rolle während der Kulturkontakte/Kriege gespielt haben. Das uns heute bekannte Baskisch stellt das Resultat von langwierigen Fusionsprozessen verschiedener Sprachstadien eiszeitlicher Migranten dar, woraus sich schließlich nicht nur das Baskische, sondern auch das Aquitanische bildete. Während das Aquitanische in der Antike jedoch romanisiert wurde und somit unterging, konservierten die Basken ihre Sprache und Kultur. Dieser erfolgreiche Überlebenskampf gegen die Römer, Westgoten und Araber, begünstigt auch durch das geologische Profil ihrer Region, führte zur Abgrenzung nach innen (Assmann 1997) - ein Stück Geschichte, das Teil des »kollektiven Gedächtnisses« geworden ist und folglich einen wichtigen Baustein zur Identitäts- und somit Kulturkonstruktion darstellt.

Die baskische Identität, die in erster Linie auf das ethnisch-kulturelle Erbe zurückgeht, drückt sich auch bis heute in der Sprache aus, die als Verbindungsstück zwischen Heute und Damals fungiert, obwohl das Sprachgebiet in geografischer Hinsicht seit Jahrhunderten schrumpft. Doch ist diese scheinbar für Europa minder signifikante Ethnie eventuell sogar eine Art 'Vater' der Europäer, denn laut verschiedener Forschungsprojekte (u.a. Human Diversity Project) sind die heutigen Basken Träger eines »genomischen Profils«, das jenem der ersten Homo Sapiens in Westeuropa sehr nahe kommt. (Hamel/Forster 2002, Cavalli-Sforza 2004, Haarmann 2006) Diejenigen, die die Höhlenmalereien anfertigten und das älteste Kalendersystem der Welt entwickelten, waren somit entfernte Verwandte der heutigen Basken. Die ersten »Basken« könnten - wie es Ergebnisse genetischer Analysen suggerieren - schon vor über 20.000 Jahren aus dem Nahen Osten gekommen sein. Sie sind nach genetischen Analysen in 75% aller Menschen genetisch kodiert, d.h. auch wir Deutschen könnten baskischer resp. vaskonischer Herkunft sein. (cf. Cavalli-Sforza 2004)

Ebenso wie die Basken auf der 'DNA-Ebene' eine Ausnahmestellung einnehmen, lässt sich auch die baskische Sprache als Faktor für die Erhaltung ihrer Kultur ausmachen: Die typologische Distanz zu anderen Sprachsystemen schloss eine allmähliche Assimilierung schlicht aus. Das fremde und schwer zu erlernende Baskisch war für Fremde immer ein großes Problem. So war zum Beispiel die Arbeit der christlichen Missionare ein langwieriges und mühsames Unterfangen. (Trask 1997) Durch die im Laufe ihres Bestehens erfolgreiche Abgrenzung nach innen musste die baskische Sprache jedoch auch ihr Nutzungsgebiet komprimieren. Sie entwickelte sich jedoch zeitgleich auch zu einem »Symbol des Widerstandes« (Naglo 2007), dessen Wichtigkeit im ausgehenden 19. Jahrhundert schließlich zu einer verstärkten Förderung der Spracherhaltung im darauf folgenden siglo führte. Die politischen Entwicklungen dieses Jahrhunderts aber - u.a. die ETA - rückten jenes Sprachsystem in ein extremes Zwielicht, das Naglo (2007) treffend so formulierte: »[E]s kann keine neutrale Nutzung der Sprache geben.«

Bevor diese These einer Analyse an sprach- und kulturpolitischen Fallbeispielen unterzogen wird, soll zum besseren Verständnis ein kurzer Abriss zur Entwicklung der Sprachnormierung im Baskenland - baskisch »Euskal Herria« - gegeben werden.

3 Sprachkultivierung im Baskenland

In dieser Arbeit soll der Schwerpunkt auf der Comunidad Autónoma Vasca (CAV), d.h. der Hegoalde liegen, wodurch die baskischen Gebiete auf französischem Territorium (Ipparalde) außen vorgelassen werden. Die im Folgenden aufgezeigte Sprachkultivierung und deren Resultate bzgl. der heutigen baskischen Kultur werden sich - auf Grund des für diese Arbeit begrenzten Umfangs - auf eine Analyse der Rolle des Baskischen auf spanischem Gebiet beschränken.

3.1 Anfänge

Um eine Sprachpolitik aufzustellen, wird zunächst eine Norm des linguistischen Systems benötigt. Darüber hinaus muss die zu kodifzierende Sprache auch genutzt werden, denn die Normierung kann einzig vom gesprochenen Idiom ausgehend aufgebaut werden. Im 16. Jahrhundert wurden vielerlei vaskonischer Dialekte gesprochen, die jedoch untereinander teilweise kaum bis unverständlich waren. (Trask 1997) Ein Problem, das im 20. Jahrhundert angegangen wurde und bis heute aktuell ist. (s.u.) Im Jahre 1571 erschien das erste gedruckte Buch in Baskisch unter dem Titel »Linguae Vasconum Primitiae«,3 das den Gebrauch der Volkssprache im kulturellen Bereich verteidigte. (Janich/Greule 2002: 8) Im selben Jahr wurde auch das Neue Testament übersetzt, das schließlich eine Schnittmenge zahlreicher damaliger Dialekte und somit den ersten indirekten Versuch einer Kodifizierung darstellte. Bis ins 18. Jahrhundert hinein konnte sich die Sprache in der Literatur stetig weiter durchsetzen, ehe das Kastilische im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-14) zur alleinigen offiziellen Sprache des Landes wurde; die übrigen Idiome wurde verboten.

Diese Einschränkung, der Prestigeverlust und die damit einhergehende Fragmentierung nach der Revolution führten zu einem steten Rückgang der Baskischsprecher. Doch eine intellektuelle Gegenbewegung ließ nicht lange auf sich warten, und so brachte der Jesuit »Larramendi« eine wichtige Grammatik (1729) und ein Wörterbuch (1745) heraus. (ib.) Der Prestigeverlust wurde in der Folge durch ausländische Forscher wie Humboldt im Baskenland wieder etwas aufgefangen, und der Schriftsteller Mogel brachte den Dialekt Biskayas mit Hilfe seines Werkes »Peru Abarca« von 1880 auf ein »literarisches Niveau«. (ib.)

Während der baskischen Renaissance von 1876 bis 1936, der Eusko Pizkundea, brachte u.a. Arturo Campión unabhängig von der Politik eine bis heute wichtige Grammatik heraus - die Gram á tica de los cuatro dialectos literarios de la lengua euskara (1884). (ib.: 9) Nach ihm wurde im 20. Jahrhundert eine »ikastolak« (cf. Kap. xx) benannt, die IKA Campión.

In der Folge wurde im Jahre 1918, im Zuge des 1. Kongresses für Baskische Sprache, schließlich die gerichtete, d.h. aktive Sprachpolitik formal mit der Gründung der baskischen Akademie für Sprache, der EUSKALTZAINDIA, eingeführt, die im Oktober 1919 offiziell wurde. (Internetquelle 2) Die Aufgaben der in Bilbao ansässigen Akademie4 umfass(t)en die orthografische Kodifizierung, Standardisierung und lexikalische Modernisierung der baskischen Sprache. Doch kamen die ohnehin schwer anlaufenden Versuche dahingehend im Zuge des 1936 ausbrechenden Guerra Civil zum Stillstand.

Unter Franco wurde die baskische Sprache - wie auch die übrigen regionalen Idiome wie das Galicische oder Katalanische - verboten, um »negar la realidad sociolingüística que existía y de reforzar la enseñanza exclusiva del castellano«. (Intxausti 1992: 170) Diese Einschränkungen führten zu einem Rückgang der Baskischsprecher, über die jedoch keine genauen Zahlen vorliegen. In den 1960er Jahren und der Öffnung des Regimes nach außen kamen die »ikastolak« auf, Schulen, deren Unterrichtssprache Baskisch war und darüber hinaus Sprachkurse für Erwachsene anboten - darauf werde ich später nochmal zurückkommen. Eine Sprachnormierung wurde gerade durch den literarischen und kulturellen Aufschwung in der Folgezeit immer wichtiger.

[...]


1 presenta como la personificación de la naturaleza, madre de 'Atarrabi' y 'Mikelats', personificaciones del Bien y del Mal.« (Internetquelle 1)

2 Diese Migrationen sind als »Kurgan-Hypothese« bekannt. Sie sollen um etwa 2.000 v. Chr. abgeschlossen gewesen sein. (Haarmann 2006)

3 Järlehed (2008: 147) datiert das erste gedruckte Buch auf das Jahr 1545.

4 »La Academia asegura su presencia territorial en toda la geografía de la lengua, con una sede central en Bilbao, y delegaciones en Baiona, Donostia/San Sebastián, Iruñea/Pamplona y Vitoria-Gasteiz.« (Internetquelle 2)

Details

Seiten
27
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640727070
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v159840
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Romanistik
Note
1,0
Schlagworte
Baskisch Baskenland Euskera Euskara Vaskonen País Vasco Ipparalde Hegoalde Bask Sprache Identität identidad Assmann Gedächtnis kulturelles

Autor

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    Rico Moyon (Autor)

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